Skip to main content

Full text of "Heidelbergische Jahrbücher der Literatur. Heidelberg, Mohr & Zimmer 180872"

See other formats


HEIDELBERGISCHE 
JAI^RBÜCHER DER 
LITERATUR. - 
HEIDELBERG, 
MOHR & ZIMMER... 




Digitized by Google 



Digitized by Google 




Digitized by Goog[Ie 



HEIDELBERGER 



JAHRBUCHER 



BEB 



LITERATUR- 



- FÜNF mm ZWANZIGSTER JAHRGANG. 



ZWEITE HÄL.FTE. 

July bis Deeember, 



HEIDELBERG. 

In der ünivei'sitäts- Buchhandlung yon C F. WINTER. 

.183 2. 

^ Digitized by Google 




Digitized b'y Google 



N^ 40. HfilDCaüB. JAHR& i». LITßRATUa IMIL 

^ • •• .... ... *' \- ' fi l 

Sh9 krUkike Jhk, Fr, Ludm, SUffri, dar PMIm. «. 3M. 
Ar. «. aufterord. Prof. d. TktoL an dar lAiAwr». «§ KMfplktrgn 
ÜMOMHi Bim. 1888. m S. B. 

1)er Verf. meint zuerst darthun zu könneD, daf». 
MaHhäus sein Evangelium hebräisch g-eschrieben habe. 
Alficlaoa ist S. 161. sein Resultat aus dem Inhalt de^ 
f riecblscheu £?ang. „ dafs unser erstes kanon. Evangi 
80 wie CS uns vorliegt, keioen Apostoli also nament- 
IMr iil^bt fleo Matthäus ^ zum Verfasser habea fcdnae.'' 
Sr-«i«at,dafeeB zu wenig persdnliche Anschauung 
4ist Begebenheücsn , suviel Sammlung von Andern her» 
■Ufiel spätere Zusammenofdiniirg verrathe. 

Was diesen zweiten Untersuch u ngspu nct betrifll^ 
so ist das Resultat der Forschungen des Ree. darüber 
dieses. Matthäus erzählt 4, 12. erst voo^ der Zeit an, 
ats Jesus, nach schon geschehener Gefangennehniung . 
(\m Täufers, wieder nach Galiläa aus Judäa sich zurück- 
zog. Was uns von Jesu früherem, mehrmonatiichem 
Verweilen zu Jerusalem und auf dem Lande von Judäa, , 
so lange der Täufer nach Joh. 3, 24. noch frei war, 
das Johannesevangelinm allein aufbewahrt hat, was also 
kh ersten Messiasjahr Jesu durch lh%in der Hanplslftdi 
und in der Hauptprovinz während mehrerer Monate Tom 
Fsscha an bis zur Saatzelt messianlsch begonnen war, 
berührt Matth, gar nicht; wahrscheinlich weil er damals 
noch nicht dabei war. Er , als^ Zöllner nicht des Schrei- 
bens ganz unkundig, hatte nun in der Folge, während 
Jesus in Galiläa wirkte, sich an Tagen, wo Er mit Jesus 
zusammen war (z. B. bei der Bergrede und dem , was 
sich zunächst daran anschlofs, 5, 1 — 8, 17. bei der 
Auswahl der 12 und 72, Kap. 9, 35 — 11, 1. bei den 
Vorwürfen wegen Verbindung mit den Satanen 11, 22 
bis U, 45. bei den Lehrerzähinngen U, 1 — 53.) meh« 
rerea so angezeichnet, dafo er zu gewinn Hauptstlicken 
nv. Fallit. V. Hcfl. 40 



Digitized by Google 



um Hr. SiiAit, UH>er den Vnftmg dk» MüHiiBi - BwyU»M. 

auch hie und da etwas gleichartiges oachirug und bei- 
fügte. Diese eigeoe, aber nicht an einander fortlaufende 
Notizen wurden ihm dann, als er ftber Jesus, meist aacda 
dessen Wirksamkeit in GalilSa noil dami nmch Dessen 
L e b easrode nmnclies zu sammelii sich enMtiltoili , die 
Grundlage , zwischen welche er einiges von Andern ]g;e- 
Mrte einfijgte. Bei dem Umherreisen in Galiläa 
nämlich mufs er meist nicht gegenwärtig- gewesen seyn. 
Daher wird dieses mehrmals (5, 23. 9, 35. 11, 1.) so 
sehr kurz berührt. Denn ebenso wie Petrus u. A. an- 
fangs wieder zu ihrer F'ischerarbeit gingen (vgl Joh. 1, 
41 — 2, 11. mit Matth. 4, 18 — 22.) und von Jesu erst 
wieder davon abgerufen wurden, so zeigt es sich, dafs 
MaMbäus (= Levi, Alphäussoho uud verniuthlich JeM 
Verwandter) auch noch von' seinem Zollgesdiäft oksbi 
so|;4eich ganz frei war. 9, 9. IVlk. 2 , 14. 15. Hieraus 
erkläre ich mir Stellen, wo in dem Aufgezeiehnoteu al- 
lerdings persönliche Anschauui^ a«d Theilndime fehlt 
Dort kanil alitt Matthäus nicht gegenwärtig gewtess« 
seyn. Die Stelle aber, dafs Jesus Ilm Ton der Sollstittli 
weggerufen habe, wurde (wie Schleiermacher psych»* 
logisch richtig empfand) allerdings allzu kalt seyn und 
auch uns, dafs der Aufzeichner nicht dieser Matthäus 
selbst war, deutlich verrathen , wenn nämlich dort, wie 
man es gewöhnlich nimmt, der Ruf zum Apostel 
angezeigt seyn solhe. Unmöglich hätte der zu diesem 
Zweck damals erst neu Gerufene selbst von diesem wich- 
tigsten Erfolg seines Lehens so unberührt hMbeUi so 
kalt «rväfaAen hikinent Aber, betrachte man nur, e^ae 
die aq^ewohntu Deutnag Toni hohen Buf «um <Apostol 
voransBUselBen , was die €llftelle wirklioh- sagt B» Ist nielpi 
vom Ruf am Ag^ostel , sonderu nur davon die AedoT, 
dafs Jesus ihn «innrnl abrief., um «mit Ihm uu "Oiner MAI. 
zeit , wo Jesu viele Zöllner hekafftfter wcArden Bo)lien«| 4Bit 
gehen* Es war also ein Abrufen , welches (wi^s 4, 18. 
^ bei Petrus, Andreas, Johannes und Jakobus) eine vor- 
hergegangene schon längere Verbindung des Matth, mit 
Jesus voraussetzen läfst. Dieses Abrufen au einer Tisch- 



Digitized by Google 



Gesellschaft wird als blofser AnlaTs zu den folgenden 
Gesprächen sehr ^latürlich nur transitorisch berährt. — 
Die voQ dem Verf. gegen deu Ursprung des griechischen 
Matthäus- £iwgel in ms von Maüliäus selbst vorgebrachli^ 
Zweifel 4ö9^ •sich demnach zum V«rtb«ü «tiefes 
fifkuptsiücUs unsers VLaDODB. 

Une Hanptmeiiieiit «les V^rfft ieft, dafsaiaa. 

Her kßa4^mißch9 griechiscbe Maiihäus nichl 
ßtum^il fijae Ueberaeisung des hebräischen^ 
sepclero nf r ¥«o diesem abhängig gewesen sej. Eioer 
ans jepMD aposjtol. Gemeindea habe (S. ITtt.) nicht an- 
fiassend gefunden, die hebr. Schrift des IVIatth. grie«^ 
chlscb zu bearbeiten, aber so, dafs er aus der Fülle 
wohlbewÄhrter (?) apostolischer Traditionen [an denen 
a^Ue,r Hr. S. doch manches zu desiderireu hat] an deip 
ep(6|>rech enden Stellen noch .einige mehr aufnahm. 

Zill ^iieser für die Zuverlässigkeit des kanonisch gc 
wiardene,n TesA^ Sf^far bedenklichen Hypothese läfst sich 
Hi". Dr. S. «bne irgead bedeutende Grüßte haiiptsächr 
iMih-^iM^ch seine Geneigtheit fiftr ^^e grundt^nne Meir 
mmg 9 dafe DifftUh. Iiebräisch gesCj^ieb^n haben mQsse , 
MaQiNMtt* ^eon dtcyrlSchelagruDd^ w}e wenp yieieStelley 
AMsnhiAe« Ma^duMis nicht yi^ einem .Avs^nv^vgen 
jm4 Tihnünehninr Sisjn konnten» Vfh wir ^igiten^ 
aehjr «Mi!^ejLßhen4- U»^ lojUBte nichl ^lann jd«pb w 
^|-4>fser Theii jdes letztem l^or^nrurli.iinch anf die hebrSi- 
s€b<3 Giuiid[9^ie, also am Ende dennoch auf MatthäfUS 
Äelt>bt faUeo? Aiuch wäre es unbegreiflich und müfste 
/Äk di? Verehrer 4er patristlschen Tradition noch mehr, 
als für ,deB Ree. unbegreiflich seyn , dafs die Gesammt- 
Kirche eine solche BearJUeituqg u^ter <iem Namen Mat- 
.ÜliMis jils katH^nisch angenommen hätte, während das 
üfnestolische jhehKäisohe Original bess^, nämlich durch 
Mtwiii^ An^hauuqg und ^esKei^e des AntheilbirfifyQS 
4Mhr ABIgezeichliet gewesen seyn »niAfjSte. 

libin i^eht hieraus, da^ die #onst fast .|mfmchlbar 
4miMmwfi00 iküiüsqbe «Fiviga : ^ der Vstejct , in wd- 
i^lmi M»tMiBs ^HCbdcheo tobe, d^ li^hirftlschc ,w«p* 



Digitized by Google 



W Dr Sieffsrt, lieber den Unpraog dea UfatthftiM-SfaiigeUiAn. 

wegen ihres Eioflusses auf die Gültigkeit des griechi- 
schen Textes eine, neue Wichtigkeit erhält. Dies veran- 
lafst auch den Ree zu einer wiederholten Beleuchtung 
dieses grnndliMen Hängens an einem solchen hehrfti- 
sehen Grnndtext des Matthäus •Evangeiinm, von wel- 
chem der griechische Kirchenf ext eine Uebersetzung 
gewesen seyn könnte. Wohl hörten die meist nur grie- 
chisch und latt^inisch verstehende Kirchenväter , dafs ein 
hebräischer Text von Hebräerchristen für ächt gehalten 
werde. Aber — Hehraea non legehajitur. Die Menge 
glaubte lieber kurzweg, was sie zn prüfen nicht ver- 
mochte. Hieronymus allein verschaffte sich das, was die 
Nazaräischen Hebräerchristen im syr. Beroea für ächt 
hielten. Er konnte es ins griechische und lateinische 
llbersetzen und dies that er. Aber eben dadurch ent- 
steht auch fttr Den, der sonst, wie Reo. fttr das Herge- 
brachte wenigstens keine Vorliebe hat und es partheüos 
kritisirt, diesmal die Ueberseugung , dafs die Kirchs 
recht hatte, das griechische Matthäus -Evangelium WtÜi 
eher für den apostolischen Urtext zu halten, als irgend 
die bei den llebräerchristen gangbar gewesene Umar- 
beitungen. Das, was Hieronymus von den Nazaräern in 
Syrien als hebräisches Matthäus - Evangelium erhielt, 
und dorther ins griechische und lateinische übersetzte, 
muf^ Ton unserm griechischen Matthäus sehr verschieden 
gewesen seyn. Warum wurde er es sonst im Ganzen 
übersetzt haben ? Und so zeigen es wirklich die Prag«» 
mente, welche er (und zum Thell auch Origenes) daraus 
anführt. Sie haben nicht blös eingerückte Anekdoten, 
als spätere Zuthaten. Sie haben einen ganz andern Gang 
und Ton als das kanonisch gewordene Griechische ; und • 
offenbar einen viel mehr apokryphischen und nichtneute> 
stamentlichen. Das Griechische klingt weit eher ächt- 
apostolisch, einfach und würdig. Und dieses sollte dann 
ein anonymisch verbessertes, an sich aber doch eine un- , 
ächte Bearbeitung seyn , deren Aufnahme in die Kirchen- 
vorlesungen ohne Auctorität gewesen , und dennoch ohne 
Widerspruch allgemein geschehen wfire. In der That 



Digitized by Google 



b«iteii Origenes und Hieronymus das Evangelium , wel- 
ches sie allein als liebräisch oder vielmehr aramäiscli 
kennen, nur für eine Art von Curiosität, nie aber für 
eine ursprünglich 4sb|e Schxift des Ajposteis. Denn ia 
di(9iein Fall hätten sie es, da sie es verstehen konnten, 
dewife zum Grosd legen und ihm einen Vorzug vor dem 
||||BN|f|lta TiiSl'geben, wenigstens diesen dadurch er- 
imßi0fifa^ vervollstfindlgen müssen. Sie, die 
rtii^ijL_|aiyt| kannten und prüfen konnten , thun dies 
timmkh.^ i^aft andere mehrere, die wie Ireoäus blos 
von der Existenz eines hebräischen Matthäus-Evangeliums 
ein Hörensagen hatten, flieses leicht für das Ursprung* 
liehe gelten liefsen und aus dem Sclilufs: für palästin. 
Hebräer mufs M: ja wohl hebräisch geschrieben haben! 
nach ihrer Weise ein historisches Factum machten, und 
aiMirt^g..inach6prachen , eben dadurch beseichnen sie 
allil'ttla.aoftdie, die das Fremde anstaunen, aber lieber 
^jbüArttteres, gelten lassen, als sich bu der Mühe, es 
JMM^fc^Wpitnlssett SU prüfen, entschlie|]|en. , Denn wie 
VifM^piir. noihwendig von Lehrern der' Kirche^ «rlhei* 
iilRf -filMierBwar immer den Glauben wiederholen, dafs 
daa. ächiapostolische erste Evangelium in hebräischer 
Sprache vorhanden wäre, dennoch aber unbedenklich 
. bei dein griechischen Text blieben und um dessen Ver- 
hälinifs zu dem hebräischen zu erfahren und zu erwägen 
sich g-ar keine Mühe geben? Zeigt sich uns hier nicht 
noch mehr als ihre Unbekümmertheit? Es zeigt sich, 
dafs sie auch hier, wie über das meiste urchristliclie 
(ftB. ttber den gröfsten Theil des Lebens Jesu und der 
ApostelV selbst über Jesu Geburtszeit u. dergl. m.) gar 
k^e historische Ueberlieferung hatten, sondern »war 
anf Gemttiewohl einen Sbhlufs in ein Factum verwandel- 
ton, dennoch aber znm Aufsuchen des vermeintlichen 
Urtextes, wozu sie das vermeintliche Factum hätte nö- 
thigen sollen, allzuträge waren. 

Dagegen hatten unstreitig die syrischen \azji- 
räer ein dem g*riechischen Matthäus - Evangelium ver- 
wmndtes, aber aus diesem frei ins aramäische überge- 



Digitized by Google 



'd80 Hr. Sieffert» lieber deu Lr8|»rung des lMlaUMWi~£vangeIittni* 

tragenes, mit Anekdoten vermehrtes (= nXtipeararov, 
oach Epiphan. haer. 29. Nazar.), welches sie, weil der 
griechi^he Matihäustext dessen Gruodhige War, «Ii tr6 

(^Hr\vh oder '»fß? n?1 beoantiidd. 

Ich habe läng$^t darauf aufmerksam gemacht , wie aus 
dem Wenigen, was uos Hierou^mus davon wörtlich über- 
liefert, der Selbstforscher den Beweis finden mufs, dafs 
es selbst aus dem Griechischen übersetzt war^ Hieroo. 
Comm. ad Matth. 21, 16. giebt uns an: tiw (Barab' 
ha» — ^(^K 1^) in Evangelh, quod scribUur ,^uxta 

Mebraeo9** fiUus Magistrt eorum mt€rpr^a$t$&, 

. Im Nazaräischen Text fand also Hieron. I^"^ "^3* Denn 

nur diese hebräischen Worte setzt die UebersetzuBg des 
Hieronymus voraiis. Und dies konnte in den Naear. Text 
iiur dadurch gekohimen sejn, weil ilti griech. Matthäus 
sweitaäl der Accüsütit Bagaßßav stdki, der Nonii«- 
mtiy "Bagaßßag äber dort nicht (sond^n nur Mi Mw» 
kus 15, 1. Imd Johannes 18, 40.) forkoiiiint Durah 
^eoMifegriff nahm der Natfar.Uebertietser den AcuM- 
sativ Bagaßßay für den Namen des Raufomdrders «od 
schrieb "[31 12 in seinen Text, welches dann Hierony- 
mus durch\fiUu8 m agistri eorum übersetzt. Dr. 
Sieffert, von seiner Vorliebe für die leere und unvet- 
bttrgte Tradition von einem hebr. Urtext eingenommen, 
beredet sich: Hieronymus zeige tloch nichts andöM, 
als dafs auch im Nazar. 'texl (<3S! "13 (hdr »bba) ge- 

standen habe. Aber wie hätte alsdann rtieronjmus ma- 
gistri, und sogar magistri eorum übersetzen können? 
Würde er niclit patris übersetzt und zu dem pronomen 
eorum keinen Antafs gehabt haben ? Auch als Glosse 
oder Interpretament konnte im Nazaraischen Texte nicht 
]31 13 für K3e|t 13 stehen; denn Abba ivürde der 

übersetzende NazarSer sich immer als „dev Vat^r," 

nicht als synonym mit Rabbi t= der Rabbi ne , erklärt 
und zugleich (vergl. mein exeget. Handbuch) wohl ge- 
wufst haben, dafs derjenige, dessen Vater nicht bckaunt 



Digitized by Google 



war Alt Beiiiameo bar .jäbbfi x /Hijifi» pafiriß 
^id.immeio eujua) bekaip« 

Eine andere 9i^iz Hieroq ym»» im Onwi. «pi 
MmUkmß, 11. ••■git in evangeHe qu^d afpOkOmr 
eundu^I^b rtt^ pro H^ertubaimiiaU pam reperi 

^^äf^^i^^^^ itt?«tar era^tinum. Wüe 

4^lf%mp^ Wort Mnikar der Urtext gewesen, 
wh'WlIm fflb ffbmetseofl^r Grieche ^«ranlarst geweeen 
«eyn, das «ehr 'migewöhnliche Wort intovariog daför 
zu setzen? Allerdings ist dasselbe wahrscheinlich von 
iyci(y6aa sc. i}^£pa ~ der kommende Tag abzuleiten 
(a mein Handb.) und be<!eutet daher, weil es von ijtt 
und tcjj^ abstammt, das, was zum kommenden Tag 
gehdrt Dies verdeutlichte der Nasar. Uebersetzer 
dsrcit selb einfaches Machar = crastmus. Jeder ÜÜ- 
*<Mg»HiiwP' wird arlheileii : das erleiobterade ist das apft* 
lirti eehwerer Terettndlielie das frflherew 

• In ein paar Stellen giebt schon Origenes , und ebenso 
llieronymus , an, dafs in dem Evangelium, quod jiixtu 
Jfebfaeos scf^ptuin Nazaraei lectltant , der Herr sage: 
modo ^uUt me mater mea, spirHus sanctus (s. Fabri' 
chts Codex apocrt/ph, N. T. p. 361 — 364.)* Hierp- 
^mas macht sich selbst hierOber ganat richtig die Frage: 
Wie denn der heil. Geist als ein Fettiininum betrachtet, 
pqd die Mutter Jesu geaamit wprdep se^n )^dnne? Auch 
eiiülbrt' jn^^ch ilieses richtig daraasi^ weil im Hebräifchen 
tyn fHä Femininum sey Gerade dies aber setst wieder 

vorai|8, dafs diese in das Nazaräispfie Evangelium ver- 
lyobene Anekdote, wie wenn Jesus deu Ii. Geist seine 
Mutter genannt hätte, nur yon Hebräern o(|er Ar^- 
ip^efn Q^ch ihrer Sprachart gedacht yy^^rdep seyii konnte. 
]Uf^ griechische Neutralwort^ ^^fVfAa^ durch welches 
Im grieclvM§tM»*W-ByV>geij«f» gmg^ Vird, jJffji Ma^ia 
4^ joS pyc^ffffTPC dyfpv schwanger w.^r, hatte jpuf 4|e 
4l|84eiiMiflg^ ;^ieses Geistigje pinß &f ^t.t^r ßßsn w 
p^Hipeu, nic|il hjnleiteu kdnnen- 

U«iieriiaiyt wiUile es^ WA9U aiß «raai^i^ciißr^ 



Digitized by Google 



019 Ox. S4C»ffot!t» lieber den Ursprung des Mattli&at - fivaageliim. 



6erm edel einfachen griechischen Text mehr ähnlicher 
Text der Urtext von Matthäus g;ewesen wäre, kaum be- 
greiflich seyn , dafs die Nazaräer ihn mit so vielen Zu- 
sätzen und Eigenheiten zu vermehren und sogar in der 
£iczäbiungsweise umzuarbeiten sich erlaubt hätten. Da- 
gegen ist es wohl orientalische, unkritische Art, jed« 
Uehersetzung mit grofser Freiheit zu behaodelo. Weui 
der Oriealale je in der Hauptsache einen UrftcKt ans 
wer anderen Sprache zum Grund legi, so wird er, der 
Uebarsetser, gewöhnlich doch mehr ein freier BearbaU 
ier, der es Ür erlaubt hlUt, das Erborgte blos nach 
seinem Bedürfntfs und besonderen Zweck ▼ermehrt und 
verändert überzutragen. 

Daher erklärt es sich dann auch , dafs , wie die 
noch übrigen Fragmente beweisen, zwar die Nazaräer 
und die Ebionäer in der Hauptsache einerlei hebräisches 
£i¥angeiiam hatten^ dennoch aber die Ebionäische Re- 
cension, wie Epiphamm haeres. XXX. §. 13. (s^FakriCi 
p. 346.) sie kaamie^ namentlich in der Erzählung von 
der. Tanfe Jesu, Ton der Nazar. Recension sehr abwich« 

Und dies gerade ist das, worauf die bekannte Stelle 
Ton Papias in Eusebius Kirch. Gesch. R HL Gsp. 89« 
sich bezieht und was uns diese richtig verstehen lehrt 
Die Worte sind, wie sie jetzt gelesen werden: Mar'^alog 
piv ovv iß^atSi SiaXexTcp rä Xoyia avverd^aTo : 
i^gpiivsvae oi aura, ag ijv dvvrxTdc;^ exacTog Ich 
zweifle eben so wenig, als Hr. Dr. Sieffert, dafs Papias 
diese Notiz aus dem Munde des Presbyter Joannes unter 
seine lieberlieferungen aufgenommen habe. IVur ist die 
Voraussetsudg unrichtig, wie wenn die charakteristischen 
Worte: „gedolmetscht aber hat diese £rzMh- 
lungen ein jeder so^ wie er dessen mächtig 
war," von dem hebr. Erang. als dem Urtext sprichen. 
Denn wenn dieses der Urtext gewesen, und von jedem, 
wie er es eben vermochte, gedolmetscht worden wäre, 
>so müfste doch kirchenhistorisch irgend eine Spur davon 
übrig seyn, dafs es mehrere griechische Dol- 
metschungen des hebr. Evaog. gegeben habe. In 



Digitized by Google 



I 

. der Thai aber findet sich M den Kirchenvätern, selM 
bei Justinus, und sogar bei minder gewöhnlichen Worten 
eben der griechische Ausdruck, den wir ia 
DOBischen Evangelium vor uns haben. 

Uaigekehrt wissen wir zuverläMig, dafs das helMV 
fira«i9M»M den NiiarSOT anders, als bei dm Rbi»i 
nieniV hqH wiadcr andm bei den Keriuthiaaern , in 
UmiHtltgitfmmmmk «rar. jDts charakforistiseh« Pridicalf} 
^fiB ffMlä-.Tm jedem, wie erlt vermochtev ver- 
MkaMfktf Jbeariehl eich deumaeh . dvrchaue oiobt aaf 
dfenkiMIMMIeefaen MatthSwCexl als aaf sein Snbjeet 
Denn das ganze kirchliche Alterthuni wäre gegen die 
Behauptung, dafs der hebräische Text ins grie« 
chi sehe auf mancherlei Weise, so wie einer es ver- 
mochte , fibersetzt worden sey. Jenes Prädicat , ver- 
schiedentlich übersetzt worden zu seyn, ist nur ein Prä- 
dicaldes griechischen Matth^ustextes. Aach ia dem 
vorhergehenden Satz bei Papias mufs also voo diesem 
giwinhisrllfiii Matthäustext die Rede «grb. Durchana 
aMUdilH'il^ri^ohteehe Text ist aus einem hdbcäiscbw 
^dli.'ilii^ Ur(ekt) aBf Yerschiedeiie Weise llbersetai'wor- 
dMkj^.iiKe;6esohich(e weifs oieliie anderes, als daft delc 
frlMb. Text nur Einer war. Diesen fibereetslen in das 
Hebräische verschiedene, so wie jeder es vermochte. 
Wenn demnach die bezeichnenden Worte : rig^j^vevae Si 
avxä, ag -^v Swarog exacTog auf den griechischen 
Text gehen müssen , so überzeugt sich dadurch der Kri- 
tiker, dafs in dem vorhergehenden Satz nicht gesagt 
aejn kann: der hebräische Text stamme als Urtext 
von Matthäus ab.. Denn nur hebräische Uebersetzungen 
•der fiearbeitnagen gab es mehrere. Bs mufs also viel* 
mekr Fbpias niät oJy, sondern ovx,? geschrieben ha- 
htm: iSr redet von einem Evangelinia, welches rerschie- 
disntiieii .▼erdolmetseht worden sey. Dies aber ist das 
griechische; und der Zweck des Ueberlieferers konnte 
kein anderer seyn, als zu sagen, dafs jene verschiedene , 
Bearbeitungen, wie die Nazaräer, Ebionäer, Kerinthia- 
ner s. w. haben, nicht von Matthäus zusammen* 



Digitized by Google 



#M Dr. Sieffert, U«ber den Ursprung <Ua MaUbÄus-EvaiigeliaBi. 

g^eordoet, sondern nur dadorch eotsianden seyen , weil 
jeder den Urtext des Matthäus so, wie er es vermochte, 
also vervSchiedentlich verdolmetscht habe. Hauptsächlich 
der Sinn nöthigt uns demnach, ov^ statt ovv als acht 
anziHMlunen. Den» «oder» stimmt der zweite Satz, dafs 
jeder wmh Venadgen gedohnetscht habe, durdunü inellt 
•mit dem ersten , da m dem hebräischen .Eviingeluun 
nieiit TerschiedeBe griechische IMmetschmigeii 
entsteodeo sind. Ueberdies wäre das odv an sich 
pttsend, da (iiv Mm sich auf 'das folgende 3i be- 
klebt Die ganse fitelle des Papias ist demnach als da 
Gegensatz gegen die Nazaräer zu verstehen. Sie waren 
es, welche wohl behaupteten, ihr hebräischer Matthäus 
sey das Authentische oder der Urtext. Der Presbyter 
Johannes hingegen hatte dem Papias gerade das Gegen- 
theil gesagt: nicht Matthäus habe jene Erzählaogea 
^ im hebrfttschen Dialekt zusammeogeordnet; sie seyea 
vielmehr nur als Dolmetpchungen entstanden , welehe 
freilich ein je^er , wie er es eben konnte (d. L baM Tet- 
'kfirst, bald erweitert, bald bebraidrender gestaltet nnd 
dnrch abergAUibische Anekdoten und Dentnngen Ter- 
mehrt) zu machen sieh erlaubt habe. Und eben dieses 
Gegentheil von der gewöhnlichen Auslegung der Worte 
des Papias stimmt dann auch mit allen andern Umständen 
fiberein, hauptsächlich mit der unläugbaren Beschaffen- 
heit <Jes Inhalts, nach welchem der griechische Text 
der Kirche in seiner Einfachheit viel reiner und dem 
Ton der neutestamentiiohea Schriften gemäfser klingt, 
•als alles das, wvs uns ans den hebrftiseben Ueberreslso 
erkennbar wird. 

WoHio man endlich noch ersinnta: der einfi^h 
kebrlisehe Urtext sey doch da gewesen, aber imwA die 
Nanriisofao, BbioiHisdie n. s. w. Bsarbeitnogien entstellt 
worden nnd Terloren gegangen ! so wäre dann eben da- 
durch alles weitere Reden darüber für vergeblich erklärt 
Das Verlorne bliebe verloren und wir mttfsteo sehr zu- 
frieden sevu, das dem Inhalt nach von Matthäus recht 
wohl abzuleitende, bessere, nock ia den grieoiii- 



Digitized by Google 



Dr. Sieffcrt, den Un|»r«ii|r,^ llalliMM-Bvaag^eUHni. .Mi 

chischen Text zu besitzen, welcher in Gafiläa gw 
Mföh\ entstehen konnte^ da (s. Mein Programm über flea 
Gebrauch ffer griech. Sprache in Galiläa) dort cla»Gri»- 
elftsche gang^bar genug war und sogar Jesus und die 
gaHldisehen Apo<steI sich an alttestamentHche Stellaa 
(s. Matth. 19, 5. 24, 15.) melai aacli d«r f»laeliMcll- 
ateaildrlillsdieD ij^beraetEuiig erinaeni. 

Das Durchfuhren eines allerriings sehr verwickelten 
kritischen Problems leitet demnach in diesem l\ill nach 
, allerlei Umwegen auf dento mehr gegründete Schätzung 
des ersten kanonischen Evangeliums zurück. Recht gut 
aber ists, dafs alle andere mögliche Wcg^e und Ansichteo 
versucht wurden. Denn nicht der vor Joh. Sa 1. Seni- 
ler ^gewöhnliche blinde Respect vor den kirchlich ka- 
.aooischen Schriften war daa ächte, haltbare, <les christ* 
.liehen. Theologen wArdige. Erat aelt alle Zweifel frei 
vorgetragen und auPe höchste getrieben sind, kann der 
partheilose Üntersucher sagen : Wir wissen jetzt, warum 
Wir (iu dieser Sache dem kirchlich herkömmlicheu) 
glauben. Wir wissen die Gründe, durch welche, nach 
den möglich - scharfsinnigsten Einwendungen, die ür- 
sprünglichkeit und Gleichzeitigkeit fast aller Theile der 
ZVeuteslamentlichen kanonischen Saoaudun^ das bei wei- 
tem W^rscheinlichste ist 

Kann mati doch selbst vdn der Apokalypse aa- j 
g-i^n ! Hat maft einst aus Vorliebe und mit Widerwillen 
gegen alles Aufsuchen der Gegengründe, zu schnell 
g-e glaubt, dafs sie apostolisch -Johanneisch sey, so 
wisset! wir jetzt, selbst wenn manche es anders wün- 
Ischen, dal^ kein historisch- kritischer Grand hinreicht, 
4eh GlatAeVl der 3 ersten Jahrhuadarte an jenen ihaan 
Ul^S)^utig als unrichtig KU erkennen, da die afiteren, 
WrtficMIlMtiaclMtt B«feiMM«itt|^n mIM nur dlM denlo 

•MftM* InMsilt^fev will gwäe flie d o g a w ü scli dttgtf^ |*»- 
UMflir'W&rMi iiiid diicA akhts w«d«r Mii«illeii woh 

'Mtltdh gegrOhäk* Gültiges MfinrtirlDgieii ^enamch^ 
fimnlld vollständig frei« UnUraMlivng Miit, 



Digitized by Google 



lUhUfche Diciituagea, von J. P. lai^gt. 

wenn sie auch eine Zeitlang durch alle denkbare Um*» 
und Abwege wandern inufs, zum wahrhaft haltbaren, 
welches alsdann stabil (stehkräftig) ist, wenn es die 
Versuche, es unständig zu machen, durch die 
aliein beständige Seibslkrafi der Grttod« 
ttberftUBden hat 

Dr. Paulus. 



Bibli»€ he Diehtun gen. Von J. P. LangCy evanf^el. PfatTtr •» 
Langenberg. Elberfeld, 1822, bei Becker, 115 & m 8. 

Der Verf. dieser Dichtungen zeigt allerdings in 
jeder derselben dichterische Anlage und Erhebung zur 
religiösen Poesie. Nur wird es, besonders bei den Ge- 
genständen aus der althebräischen Bibel doppelt auffal- 
lend, dafs die poetische Form und Farbengebung oie 
allein, und gerade bei den religiösen Materien am we- 
nigsten, zureicht, weil bei diesen durchaus der Inhalt 
durch seine GlaubwArdigkeit und Vorurtheilsfreiheit die 
Hauptsache sejn mufe ; und weil eine treffliche Form in 
dem denkenden Leser nur um so mehr Bedanern erregt , 
wenn sie an einen durch sich selbst immer mehr in die 
Nichtigkeit übergehenden Stoff verschwendet wird. Welch 
ein unvergefsliches Denkmal des dichterischen Geistes in 
Deutschland würde Klopstocks Messiade seyn und 
geblieben sej^n, wenn nicht ihr Verf. das Unglück ge- 
habt hätte, noch als Jüngling den Plan dazu nach einem 
scholastischen Glaubensartikel zu entwerfen, der jetit 
bereits nicht mehr, weder biblisch noch vernünftig, ge* 
rechtfertigt werden und christlicher Vollcs|^laube bleiben 
kann. Dae Nämliche trifft unsern Verf., sooft er dich- 
tet, wia in flieh selbst widersinnii^ Ist und durch innere 
Wideiflprilohe eich als undenkbar aufhebt Wir mllsflaa 
ein Beispiel dieser Art zur Beleuchtung durchführen. 
In dem zweiten Liede wird ein Engel gedichtet, weicher 
(S. 5.) ein Knäblein (= die jetzige Menschheit, 
wicL sie etwa in Deutschland theologisirt und nach dem 



Digitized by Google 



•81 



Verf. nicht theologisiren sollte) in die däsuneriide Grotte 
Mr'Urweli fittm, ^e es Eva, Eva, sehiWiell, wie 
wettn sie irgend nur a«if eise solche sich immer fldeil 
hIeHieBde Weise siclMbar werden oder aseh iNir so ge^ 
telgi werden köMite, 

AU ein Weib Ton edlem Wesen, 

Eingehüllt in MttbM ThierfcU, 

SitsEen auf bcniuostem Steine. 

Ohne ftegang bleibt sie lautlos, 

N«r der Blits ▼om Fenenin^c, 

Funkelnd durch den Thräncnregea, 

Nur die Thräne, die hernieder 

Quillt aus heirsem Trauerbrunnen , 

Kunden , dafs die LeichenstarM 

Nech durchgl&ht Ten Schmen und Lebea. 

Darüber muFs nun das Knäbleio die Auslegung hin- 
aehisep nicht nur, wie die arme Urfrau imuier noch 

In der Fektenkamraer 
Ihres Falles Schuld and Früchte 
Wneam Iherdenkt end ^et«t;' 
Wie sie weint um ihre Kindel. 
Und mit ahnungsvoller Seele ^ .* 

Enkelschuld und Enkelqualen 
'Wftgt im 'bangen Malter he vnea. -r i. «. ' 

Das Knäblein mnfs dann auch die Geschichte dieses 
Falles hauptsächlich deswegen hören, um sich davor 
warnen zu lassen, dafs „man ja nicht das Gei> 
stesaug öffne und etwa des Guten wie des Bö- 
sen Urgrund begreifen lerne." Des Verfa Engel 
winkt nämlich dem Knäbchen: 

fidre nun, warum eie weinend 
Sitst in diesem schweren Harme. 
Listig ward ein goldner Aiifel, 
Den ihr warnend Gott verboten« 
Ihr gepriesen aU der Zauber, 

Der das Geistesauf^' ihr öffne, • ' 

Und des Guten wie des Bösen 
Urgrund aie begreifen lehre; 
Dan ale wevde gleicbwie Gett aef n. 

Die arme Urfrau! Der ganze ewig zu beweinende 
Ikmmer käme also daher, dafs sie über denUrg^rund des 
Guten und des Bösen zu philosophiren sich erkühnt 
hätte ! Diese Metaphysik oder Uebernatflriiehkeitsfor- 
stiMBg käiU^ freükk die gute UrH«« IHiber der Scklangcf 



ttberltssea «Bil ganz aaturlich auf sich selbst acht#9 
sollen, wi« sie in sich Einsichten um\ Eotechlüsse fÖr 
Hechte und Goie hervorbringe, aber deoooch auch 
g9mtm ihf BetMnmilea für das Gegentheil sich zu be- 
stiinDien vermdge. Der hebräische Text spricht ohnehin 
mir davon, wie der Ülrwirg^ode Vater der Menscheo 
sie Tor etnem Gennili gewarst habe, durch welchen 
sie den leidigen Unterschied zwischen (sinnlichem) Wohl 
und Uebel zum Schaden für sie sonst erfceMMn wQrden. 
Diese uralte Weisheit lehrt das bleibend wahre« dafe von 
Gott (nichts aus WHIkühr, «oadem) das SdtiMiche war- 
nend verboten werde und dafs, wer dann 4och nicht 
folge, durch leidige Erfahrung Bekanntschaft mache mit 
dem Unterschied zwischen Wohl und Uebel. Frei- 
lich ist alsdann das Nichtfolgen zugleich ein Sittlich- 
böses im Gegensatz gegen das Sittlich gute und Religiöse. 
Aber dieser geistigere Unterschied wird 1 Mos. 3. noch 
nicht hervorgehoben. Altes, auch die strafende Folgen, 
bleiben noch im Kreise der Sionhohkeit uad Begehrnn^ 
gen. Bei seloemf(^nAbletn aber erreicht der ¥er£ seioea 
S«r#iBk, W0m siUm j&e^r^ifßnxr^lleo ^^jirück^ 
iiH«hr«iBtkA« 9 mUMiqh fsr #ehr. Iler Uim^ MM 
am Bnd« 

Lieber JSmgei , Ini^ , irof^ • 
Mich zurück, und — ohne G ruh ein 
Will ich kindlich mit dir spielen! 

So lange von einem Knäblein die Rede ist, möchte dies 
wohl so hingehen. Aber wie konnte denn der Dichter 
sich ein Knäblein als „einen kteijoie^ Grübler*' aas- 
sinnen, dem er (8.3} die^dMld fiebt, d«fe es seine 
zarte Glieder 

Gans SV -Fragez^eh^en krümme, 

Und mit «einen Aeuglcin sp&he 

Auf den 'Branii«ngriMid der Urs«it. 

IMss mll vmd 4a«f deoEHiach gar nicht zu erfr^goi und 
m «NUkähep vtersuebt (werden ? Alte Sünde Anfang 4aI« 
^wesa man «nähr JbiSigreifM mfiohhov, als om-^ielit imll 
als d fl r^oIrtuMi AoteUkanslegangen gebnn,^ Vi# ale ito 
V^ mm vottDimfltociMimi Dootruion I» dieDMMiii^ hun^ 



Digitized by Google 



übf^r nimmt - — Gur sonderbare Diii|f€ werden Mcll 
miier «lern KnäMM voifcspiiochea : 

tes Söll nicht die llcin« Ztita^te ' 

f ar des Urstoffs Säfte «piÜ»««, , 

Mit den 'niilchc;;eiiälirten Fäfsen 

l!9i«ht die Milc1lttr«1*t* äberlrAyf^ii» 

Um die ürsonn' za er^rründcn. 

£• floli niclU die Händchen streclten, 

1^ der ilWf««*cliirM«e 

Und den Stern der H>iuimel«k«|pf«l » 
AllTerneinend zu uintpannen. 

Wie <luM die EmbMu^g9kn& des Hicblm alle Okm 
i^milaliTeB Wagsifick« «iii«in ICoftMeia. tmikihtmr 
Haid fiiHma je, wärra «te «Isdaim Hmm v4MI Gott 
botenas? Es verlilelci «tidi schon VM Stilist 9 dsfs wii*^ 

Koäbleiu oder Greise, den Lihloil nicht kosten, die ür-< 
soao€ nicht ergründen, und dafs die Bäume nicht in 
d«tD Himuiei hinein wachsen. 

^etkclirle Ww^dkt^ «ehen ^thr mlil, f erlMimi ^iw 
iNMiBt ^idhUsrisdie BnlHIidhnigsknift su lidehit Yerkehffeii 
PHsttoiMB* l¥ss kfftni impaoscudcf Qnii '^tconscnfDvufctt 
se;^ n , iHa -di^ sl» sottierbar und vrikidlllcli MsgediÜilKlS 

Ftagesncfi't >iileni Knäblein anzudichten, wel- 
ches dadurch wieder recht kindfich (oder ktndischf ) 
gemacht werden soll, dafs ihm der Verf. zuruft: ' 

Knäblein, lomm mit deinen Fragen 
Deinem Fürwitz zu genügen, 
Zeig* M et«r«a Ar «i- die Ihrfiran. 

Mag es sich also jeder unsrer Philosophen wad Theolo- 
gen merken, dafs die ganze Erbsünde darin bestund, 
des Guten und des Bösen Urgrund begreifen zu wollen, 
uod dafs jetzt (S. 5«) 

4ie erstie 
Bü r-teri b vor 'G«tteB Throne 
• Seinec iGnade Tnoet and FakdoB 
Siwlit muä findet, and mm HeeM 

49eilier Craafle die Gedanken 

S^tniunend »ch^indeind ihir vergehen. 

W.4unMi idbobjifidboii^ iftstJoiMiii^yoldasB Apfel., d«« Qe<- 
danken „siaaoeDd -sdiivinideitid ihr Tergan- 
gao,** hätte doch die Frau, welche bis dahin nur das 



Digitized by Google 



BibliMhe DichUiiig«tt,,foii J. P. hukge» 



Wohlbefinden , nicht das Uebel, kannte, uiir nicht über 
das, was sie noch nicht begangen hatte, über das Sün- 
digen als das Böse, metaphysisch speculiren woUeo; 
häiteo demnach wir alle wohl ohne Erbsünde, mid 
^ohne Grübein kindlich mit denEageln spie- 
lend*' bleiben können. 

Was sehen wir hierans ohne vieles iGrrfibeln ? Offen« 
bar dies 9 dals, wer mnen Sloff, der an sich in Wider« 
eprilche verwickelt und andenkbar ist, wie Emst und 
Wahrheit behandeln und dichterisch anschaulich machen 
will, Ort und Mühe verliert und mit einem für etwas 
richtig^eres bestimmten Talent doch am Ende nichts als 
widersprechendes zusammen phantasirt haben kann. So 
widersprechend es ist, ein Kn ab lein zu üngiren, das 
tich gleichsam in Fragezeichen fiber metaphy- 
sische Probleme verkrümmt habe, so widersprechendl 
isl's, am fingiren, das erste SOndigen habe in dem Be- 
greifenwolleft bestanden« Ganz verunglücken muAte 
deswegen auch die Fiction, wie wenn dasKnäblein durcb 
de» Aablick der über die Wifsbegierde ewig weinen«« 
den ersten Bfifserin von solchem (zwar fruchtlosen, 
aber doch. Gottlob, unverbotenen) Grübeln abzuwarneu 
wäre. Eine solche Fiction wird nur dadurch erklärbar, 
dafs der guten Urfrau als Büfserin jetzt „die Gedan- 
ken staunend schwindelnd vergehen" sollen. Der 
Dichter aber mufs sich wohl hüten, dafs dergleichen 
etwas voB ihr nicht auf ihn übergehe! 

{Der Üeschluf8 folgt.) 



*) Allerdings nicht das metaphysische Grübeln, aber das Begrei- 
fenwoUen und Selbsturtheilen überhaupt hat die Reformation 
hcnromlHnicht. Sie entetand , wie lAther im Härs 1521. an 
seinen TCurfilrst, Friedrich, schrieb — weil man nun in al- 
ler Welt anhebt au fragen, nicht was, soniera warum 
dies oder das gesagt ist. L. settt hiiuni; W«a die Kir- 
che ohne Grund engt, das würde durch mein Widerrufen 
nicht Grund bekommen. . . Eben dieses Fragen Warum? ist 
weder die erste noch die leiste Sünde, sondern das einzige 
Mittel, Tielea VebeU loa la irerden^ P. 



Digitized by Google 



41. HfilMOiB. JAHRa d. LITBRATUR. 18tt. 



BibUaehe i}iektmtg€n van J. P. Lange, 

. CB9 9 e ki uft,) 

r 

Die Ursache des Tadels, welclien Reo., durch ein 
eimelnes Beispiel durchgeführt, zur Abwarnung veran* 

schaulichen wollte, nämlich das Einmischen einer meist 
tinbiblischen Dogmatik in die schlichte, populäre bibli- 
sche Geschichte der allmählichen Eritwickelung und Aus- 
bildung der Religion unter den Hebräern, zeigt sich hier 
fast in allen, besonder» aber iu denen das Alte Testament 
betreffenden Dichtungen. Denn dort, wo es ohnehia 
dankier ist, läfst sich auch leicht noch mehr von finsteren 
OeBtaagen hineinlrageii. Voo Henooh 8. R wird «na 
8. 11. vorgesagt : 

So zeigt dein Nntne, dafs die Schlaiigenlist 
Durch Gotte« UrF«rheifcaiif|' ward getolilftgen. 

Damit in der Erfüllung Zeit Ii e i n Christ 
Dem Teufel gegenüber soll verzagen. 

Weich eine Deutungskunst ! Aus dem Namen ^SPlt 

welcher zu kosten geben, Einlehren, auch Ein- 
weihen, oder Eingeweiht bedeutet, einen solchen 
Schlag, der Schlangenlist des Teufels ge- 
genüber, entdecken zu können! Aus Veranlassung 
des fiaJb^l#aischea Thsnos er£Uirea wir durch & 16: 

Auf d«i WiM«iitt flschem Iiande 

Baute man aus gutem Ton («icj 

Nun dein niensrhnrhen Verstände 

ElnenstolzenWoikenthron. 

Doch 68 hat der Herr Tom Himmel 

Diese Zungen anrli ffcrührt, 

Und im hadernden Getümmel 

Wrd der Bau nieht ausgeführt, 

Und doch ist der Anbau des Verstandes und der Ver- 
nunft unläugbar viel weiter in sich selbst gediehen, und 
weit allgemeiner vorgerückt, als je in den frOheren ZeiteOy 
wo die Ansichten des Verfs. noch zu den vorherrschenden 
gehörten. Oder soll etwa, wenn nicht am Thron des 

XXV. Jabrg;. 7. Heft. 41 



C4S V Biblüche Dichtiiiif(ea VOB J. P. LMfe. 

Verslandes gearbeitet werden durfte, dem Unverstand 
ein Thron gebaut werden? 

Dafs der Verf. wohl auch reiner dichten könnte, 
sehen wir S. 46. unter der Aufschrift : David der Hir- 
tenknabe und aus andern, aber seltenen Stellen. Bei 
der nächst vorhergehenden Schilderung, wie Saul zu 
Endor sich von einer Zauberin täuschen liefs, fiel es dem- 
Verf* niclil bei, ob es deoo nichl auch selbst gegea 
•eine Dofmaiik anslftfsig wäre, wena die Hexe wirklioh 
eine Macht über deo Geist des Vaters Samiel gehabi 
hätte , den er doch IHr eineo heiligen Prophetengrm a»- 
sieht. Und einen solchen sollte es möglich gewesen seyn 

Aus sei nein Friedensschlummer aiifziiRtoren 
Durch einer k c: h n ö d c n Zauberin Beacliwörung. 

Der Verf» meint, <lie Hexe habe den alten Samuel wirk- 
lich gesehen , und Said seine Stimme gehört. Der Text 
aber sagt viel richtiger, dafs nur die Hexe dem Said, 
der sich zur Erde niederwarf, vorsagte, was sie gese- 
hen haben wollte. Den Saul liefs sie blos eine Stimme 
hören, die er freilich ^ nach der Voraussetnnng , dals 
Geister auch für unsre Luft Stimmen hStten, fQr die 
Stimme eines Geistes hielt. Oder sollte wohl der Geist 
Samuels auch noch gerade die eigenthümliche Stimme 
gehabt haben , an welcher er zuvor im Verkörperungs- 
zustand erkennbar war? 

In den Neutestamentlichen Dichtungen folgt S. 19 
bis 90. bei Johannes dem Täufer der wirklichen 
schichte, und so wird dieser Abschnitt einer der pas- 
sendsten. Ebenso S. 104-^108: Jesus am Jakobsbrnn- 
nen. Schade, dafs der Terf. jene geisivoUe Geschichte 
nicht vollständiger dnrchgeflQhrt hat. Doch erkennt er 
darin, wie Jesus sich zu den Samaritern neigte, wie 
er selbst sagt, die wahre heilige Orthodoxie des- 
selben (S, 107.), und schliefst mit der Anwendung 
^uf sich: 

Auch ich bin frei 

In deiner Wahrheit, frcudie und frei. 
Den SBüiariter sn gröftea 
Mit getegaet«» Gruft. 



Digitized by Google 



flamit sümmt denn Ree. viel lieber Gberein, ab mit 
der 151. aufgesteiltea Carrikatur der „Zeilgeister, die 
jeM ^erMtMg gewordeo aeyn aolleu, deoen aber am 
ftreo Zweifeln das giftige biog Verzweiflung aiuk 
geboren aey.** Wir schliefsen lieber mit einer Strophe 
ans dem Lied voti der Ersten Ohrisiengenielttde 8. 104 : 

Hier ist der Briidernanie wahr, 
Bm Bdieh der Himmd «ffmbar 
Im «choiieB Lie1»esbiuule. 

Tereinifft int hier Arm and Reich, 
Der Sklave wird dem Herren gleich 
An heiPger Tafelrandes 
Keiner — seiner 
^ Eignen Gäter 

Banger Hüter. ^ 
Alle laben 

Einee Br^tbaome reiche Gabe«. 

Zn deivleichen urchrisilicheD Agapen ladet 
Ree. auch Hrn. Dr. Krnmmacher an Bremen ein, 
welcher im Januarheft des Bremer Kirchenboten S. 22. 
18*i2. aus Eifer für seines Sohns Eliaspredig- 
ten neben Dr. Bretschneider „den GKR. Paulus unter 
die Vernunftthümler rechnet, die kein Bedenken tra- 
gen, durch Entsteiinngea und Verdrehungen der gröb- 
sten Art auf diejenige, die nicht ihres Sinnes sind, 
ain fiilsclies und gehässiges Licht zu werfen." Werden 
Wkm weine Draniselie Mitbflrgfer, für die Er gescbiio- 
bcii haben will, diese Sefalldening' (oder CSarrikafurf) 
'■mfs Wort glanben, ohner die Eliaspredigten (deren 
«weiten Theii, wo der Sohn „nach seiner Weise die Ca- 
lumnianten zu Boden gef^chlagen habe" — ich noch nicht 
einmal gesehen habe) und das, was ich im Sophronizon 
daröber sagte, selbst zu vergleichen ? Mag ein alter 
•der ein junger Elias seyn wollen, wer Lust 
hat Znin Glück erklärt Hr. Kr. selbst S. 33, dafs zu 
«nserer Zeit solche Strafgerichte Gottes nicht mehr 
ergdMn. Woan dann aber Eliaspredigten f etwa als 
Predigted nieht Ar unsere Zeit?? und doch ftr das Wup- 
peKhalf 

Hr. Psitffflia. 



Digitizc 



«44 



Th64»l«gie. 



Die Lcfire der Kirche vom Tode Jesu in den ersten drei 
Jahr hundert euy vollständig und mit besonderer Uerücksiehti- 
gung der Lehre von der stellvertretenden Genugthuung dargestellt 
von K. Buhr^ evang. Pfarrer zu Eichstetten im Bad. Oberlande» 
Sulzbach in der Seiderschen Buchh. 1832. 8. {FlU u. 184 S.). 

Die Dogmengeschichte yermifste In« jetet eiae 8org> 
fültigere ünCereuchuog über die Entstehong jener Lehre, 
indem sie ileien Ursprung nur sohin auf Anselmus von 
Canterbury zurückfuhrt. Der Verf. der vorliegenden 
Schrift hat <hirch seine gründliche, gelehrte und unbe- 
fanj^enc Nachforschung diese Lücke so ausgefüllt, dafs 
z. Ji. IVIünschers Doginengeschichte hierin eine bedeu- 
tende VervoIJstäodigung erhält. Erzeigt, dafs die Kirche 
in den ersten drei Jahrh* von einer stellvertretenden Ge^ 
nagfhttong nichts wvfsle, und den Versdhnuogstod 
Chriiti eittstiminig mit den Aposteln lehrte, ohne jene 
Anselmtflche aaiiaJacHo viearia. Er dnrchgehi mit 
Krttik 1) die apostolischen Väter , Clemens von Rom , 
Barnabas, Herraas, Jg^natius, Polj'karpus , und den an 
Diognet gerichteten Brief, und führt aus denselben die 
hierher gehörigen Stellen an. Die Schriftsteller aus dem 
2ten Jahrh., die eben so genau durchgangen werden, 
.sind Justinus d.M., Irenaus, Clemens v. Alex., Claud. 
•Apollinaris, die sogen. Sib^llinischen Orakel, und die 
sogen. Testannente der Patriarchen. Wichtig ist das Re*- 
'Sttltat, welches der unbefangne und nArichtige Forscher 
als Buverlässig gewonneVi hat: „Kein euisiger (Kirchen- 
lehrer jener Zeit) behauptet, dafs Gott vermöge seiner 
Gerechtigkeit und Heiligkeit die Sünde ungestraft nicht 
vergeben konnte, oder clars er sie strafen inufste. — 
2) Kein einziger iieifs etwas davon, dafs Christus die 
Schuld und Strafe unserer Sünden auf sich genommen 
oder getragen habe, dafs also sein Tod ein Strafleiden 
gewesen sey an unserer Statt. Das Wort Strafe^ kommt 
überhaupt in diesem Zusammenhang niemalaTor. • — 3) 
Kein einziger lehrt, dafs durch das Leiden und den To|d 
Jesu Go^t erst bewogen worden sey, sich mit den Men- 



Digitized by Google 



€4» 



sehen zu versöhnen, dafs also in ihm dadurch eine Ver- 
äoderuog hervorgeiirachl uod sein Zorn gestillt worde« 
sey. — 4) Kein einsig^er giebt «to Folge »nd Wirkung 
des Todes Jesu die blofse Lossprechung von den Strafen 
d«r Sfiode yoo Seitea der richterlicheD Gerechtigkeit 
Oett e c an. — 5) Kein «oziger lehrl^ne Imputatleo des 
VevdleMiflS Cbfifili. 6) Sie gebeo als Graea der 
MeMehwerdübg (sjCka^ Dema homo?" ) nteht nrii An* 
•elmus das Abbüfsen unserer Strafe oder <ias Abbe- 
■ahlen unserer Schuld an, sondern die Wiederheistel > 
lung der verderbten menschlichen Natur. — Im Ganzen 
zeigt sich also die satisf actio vicaria in dieser Periode 

• noch nicht einmal vorbereitet." „In der Lehre von 

dem Tode Christi fiadea wir die Lehre der Schrift voll- 
■tiadig iwieder, — • in gewisser Hinsicht systematisch 
■■d in ianerem ZasammenhaDg , hesonders bei Irenaus. 
Der Abweichangen von der Sdirilllehre sind im Gaaaen 
nur wenige. Die Besiegung des Tenfels insbesopdere 
tritt m^r nnd Mler benrer, als in der Sehrifll selbst; 
aach die Angabe der Art und Weise dieses Sieges, auf 
die sich einer oder der andere Kirchenlehrer einläfst, 
kann nicht durch Aussprüche der Schrift bestätigt wer- 
den. Der Zusammenhang zwischen dem Tode Jesu und 
unserer Heiligung tritt hingegen so bestimmt und nach- 
drücklich herfor, al« derselbe nur iomierhio iu d«r 
Schrift selbst aqgegebeo ist.'* 

Das dritte Jahrh. bietet die ansehnlichsten Kirchen- 
lehrer, Tertullian, Hippolytus, Origenes, Cyprian, Ne- 
vatian, Methodius dar; und der Verf. fügt noch über 
den fraglichen Punct das Martyrium des Ap. Andreas und 
die u4cta Pauli et Thcclae hinzu ; dabei noch einige 
kritische Blicke auf die Clementinischen Recognitionen, 
auf die Hierarclua eoet des Dionys. Ar., auf den Octa- 
▼ius des Minucius Felix, auf Hermias und auf die sogen. 
Apostol. Constitutionen. Als Endresultat von der ganzen 
Untersuchung wird der Leser finden, wie der Verf. am 
Schlüsse sagt: ,,dj|fs wie die Kirchenlehrer der drei er- 



Digitizca 



4Mft Theologie. 

Sien Jahrh. oichte von der satisf actio vicaria wissen y 
sie eben 8o wenig ganz die Ansichten der älteren und 
neueren Bestreiter dieser Theorie über den Tod Christi 
theileo. Die Socinianer erkennen in diesem Tod nur 
tlieiks Vorbild der Tugend, tbeiU eioe factiaciio De- 
nMDtAniliOB, wie gnädig Gott sey, so da(s uns dieeer 
Tod nvr tob eioer UawitientMU befreit Int Die RetiiK 
Belleten heben gleiob&Ue den eteten Poncl herrep, heapl^ 
eftehlich eber iil ihneii der Ted Jee« Beelätigung «inei! 
Lehre. Wie weit man in den 8 ersten Jahrh. von beiden 
Partheien entfernt war, ist nicht nöthig auseinander zu 
setzen. Aber die Lehre der älteren Kirchenväter unter- 
scheidet sich auch von dem, was die an der Schrift als 
göttlichem Wort festhaltenden Bestreiter der stellvertre- 
tenden Geoeglhuung, nändicJi die Hasenlcamp und 
Menken, ingleicben Stier, alt Lehre der Schrift 
Iber den Tod Jeev aufgestellt haben. Der Unterschied 
ist freilich nicht so sehr groA ; den im Tode ge- 
prüften Gehorsam findet 'man wohl euch erwfihnt, aber 
nicht auf Unkosten der andern Puncto als Hauptsache 
im Erlösungswerke hervorgehoben.'* 

Welches Interesse diese ausgezeichnete Monographie 
fiir das dogmatische Studium und das nicht blos von der 
historischen 8eite hat, brauchen Vf\t nicht noch aus* 
drücküch zu sagen. Auch in exegetischer Beziehung 
findet man hier viel Belehrendes; worauf schon das an- 
gehängte Register der angef. od. erklärten Bibelstellen 
anfmerksam machen kann. 80 ist s. B. & 160 fg. Ober 
die bekannte Stelle Jes. 63, 4 fg. bemerkt, dafs man zu 
Cyprians Zeiten in der Abendland. Kirche keineswegs in 
derselben die sathf actio vicaria gefunden, geschweige 
denn sie als Hauptstelle dafür betrachtet habe; vgl. was 
auch S. 14. 43. 72. 171. über die Alex.Ueb 
(10^22)9 deren sich Clem. AL, Justinus, Iren, (der die 

Alex.. Uebers. ftkr uaT* i^invoiav rov ^sov gefertigt 
hielt), und Origenes bedienen. Nur hat die ans dem 
letzteren hier mitgetheilte ErklSrung jener Stolle den 



Digitized by Google 



Ansehein , als rede Origenes der stellvertretenden Gcw 
Diigihoung (las Wort, und verbinde damit 8inn, dm 
ilir 4i« Uebersetzuai^ Lutlim giebt ; ab«viiiiiM-<V«rf. Im* • 
ii ii > iU »j^ ch dieses; Wie nao a HUI. Mohaeheo ima, 
talfMiMfefc ^idniHh« daü dfiaaer Rirdi«alahv«r aieli 
Mlft MMM^^rofteii IiKNilisequeafe liUrde soh«ldig gemacht 
(hlMpi^'^WIr 0#ftrto«B di^aak, ohne dafs wir uns übri- 
gLUO^iAi fjrtlirelt erlauben dürfen; sonst würden wir auch 
wegen der Bedeutung von i5ni^ in einigen neutestam. 
Stellen Doch einiges Bedenken äufsern. Das möchten vfit 
auch wohl über die Folgerung aus einer Stelle des No- 
vatianus, die der Verf. S. 161. macht: „Man hiaÜ 
also damals noch wie zu IrenSas Zeiten den leiblichen 
Tod iilclrt fir eine Strafe der Sünde, also aaoh fleiiTodI 
OMNlrw imdl iBr alek nleht fftr dae SinSeT 

Dem aufmerksamen Leser wird es übrigens nicht 
entgehen, wie diese Studien in die erste Zeit des Chri- 
stenthums zurückversetzend auch den Forscher selbst he- 
lo^^n. weil sie der evangelische Geist belebt. Diesem, 
fäcm atm Zei%ei8te, huldigt der würdige Geistliche'^ 
nnd so steht er auch mit wiasenschafUicher Thfitigkett 
iöi^llMMo deasea, der qds wahrhall frei macht 

S c hw ar M. . . 



V^tr Caspar Häuser von Schmidt von Lübeck, kbnigl. Dänischem 
Justizrathe und Ritter vom Dannebrog in dl^ua. Altona bei Marl 
Arne. laSl. VI «. 20 SHten gr, %, 

Diese kleine Schrift betrifft weit mehr den Unbe- 
kannten, ,9 bei welchem Caspar Hauser vor seiner An^ 
kuoft in Nürnberg immer gewesen war," als den C. H. 
selbst. Sie zerfallt in zwei Abschnitte,- welche jedoch 
aveder durch Ueberschriften , noch durch Zahlen* be- 
seioiuiel aittd* — Im eratea Abschnitte (S* 1 — 5.)| 



Digitized by Google 



•4» 



— welcher ohne Zweifel die in <ler auf der erstDn Seite 
Stehenden Ueberschrifi angekündigte kritische Be- 
leuchtung des von Hau§er nach Nürnberg mitge- 
bracbten Briefes an dea Rittmeister enthalten, und 
zum Theil wenigstens den «weiten Abschnitt Torbereitea 
fQll y — bemerkt der Verfasser : i) der Unbekannte hab« 
offenbar .die Abiidit und die Erwarliuig febabt^ dein 
Häuser «»ter die Retiter am stecken , weidbe in Nimhery 
gemifonirtmi ; nnr auf diesen Zweck bebe die Feaamig 
des Briefes berechnet sejn kdnnen; die aaftlKg» We»» 
duug der Dinge habe nicht in der Berechnung liegen 
können; 2) die Fassung des Briefes sey darauf einge- 
richtet gewesen, den Theil der Geschichte Hausers, der 
ihn (den Unbekannten) habe compromittiren können, zu 
verstecken; an ein feineres Irreführen liabe diei^er nicht 
^dacht; 3). der Unbekannte sej ein einfaltiger, zu 
einem feinen, consequent durchgeführten Betrüge TÖllig 
unfähiger Betrüger; 4) bei Hausers Freilassung sey kein 
anderer gescbenter Kopf nüit im Spiele gewesen. 
Diese Bemerknngen , von welchen der Verf. die dritte 
durch mehrere aus der Beschaffenheit des Briefs und 
seiner Einlage abgeleitete Gründe zu rechtfertigen ge- 
sucht hat, können wohl sämmtlich richtig seyn; ob 
man sie aber alle für so ausgemacht, oder für so wahr- 
scheinlich richtig halten dürfe , wie der Verf. dies zu 
zu thun scheint, steht vielleicht doch noch dahin. — 
Gegen Seite & Zeile 26 bis 28. möchte wohl erinnert 
werden können: der, welcher nicht daran denkt, dafe 
ein jetat vorhandener Zustand erst vor* einigen Jahren 
entstanden sejn könne., werde leicht ohne alle Gründe, 
und doch seufällig richtig annehmen kdnnen, dafs 
«tieser Zustand achon vor kmger Zeit vorhanden gewesen 
sey. — Im zweiten Abschnitte (S. 5 bis IT.), um 
welchen es dem Verf. wohl besonders zu thun war, 
sucht dieser, hauptsächlich wenigstens^ Kennzeichen 
des Unbekannten anzugeben, nach welchen er soll 
aufgefunden werden können. Die Hauptfifttae dieses 

* * 



Digitized by Google 



• ■ 

Abschnittes sind unter selhii Xu mineni sogefafsi: 1) der 
Aufenthaltsort des Unbekannten , und also auch das Ge- 
fangnife Hausers ist [besser wohl: war tot Hausers 
Ankoofl Müroberg] ia der Uoigeg^eiid dkaer StatU^ 
höchstens in einer Entfernung tod drei oder vier MeikM. 
>|>jPer Unbekannte spricht d«i AitbaierischeB Dialect| 
^Ktmmtiigt /ftimr oMit, ckfs er Mieh in* AlÜMiini 
nälirflMi»» Mddflta Mr, d«b dorther staBiiiie. •) 
MlMPselMlBltcb kaihoiisclMir Reiigimi. 4) Er Ist 
ketii Tageldhner, wie er^Torgiebt, sondern gehört zur 
bslbgebildeten Mittelclasse. 5) Er hat über ein beson- 
deres Jiocale [und zwar ununterbrochen während der 
gwizen Zeil der Hauser sehen Gefang-enschaft] zu dispo- 
nirea gehabt, worin er seinen Gefangenen so viele Jahre 
nil^lcherlieit verheimiichen konnte. 6) Das JLocale, 
Mii&iiüiser gefiu^en safs, mufs in keioer ganz eins«'* 
MMBm«Ad liegen. T) Wenn der Aussage Häusern in 
ÜMM^iiit^ dalii der UabekaDafeniin Belnif des Unter«» 
MMimr jedea Ütaften Tag oder Moh eiaer bcsttainiten 
jtaaUtmn .Tagell^xll ihn kam; so mafii Mti- damw 
schliersen, dafs dersel^ bestimmte Dienstverrichtungea 
hatte, welche seine Abwesenheit während einer bestimm- 
ten Anzahl von Tagen zur Folge hatten. 8) Hausers 
Kost war gewöhnliche (?) Gefangeokost , schwarzes 

foodt und Wassel: Man möchte versucht werden, 

SfHVohl von dieser Gefangenkost, als von den übrigen 
—goflUirteit Umstftoden auf eine wirkliche GefangSMUi^ 
Mistalt SS fieliliefsen , wo . . • dem heimlicli Gefangenea 
dti4se K«Bt «af die wohlfeilst« lad mibemerkteste Weise 
Immiia migesteebt werdeö. 9) Es driogi sich die Ver^ 
MiMfliony ^ader [doch] die Abaaag auf, dafe der Uaba^ 
kannte vormals eine MilitärperBOn geweseo sey. 10) Der 
Uobekaunte ist wahrscheinlich der Mörder vom ITten 
October 1829. — Diese Sätze hat der Verf. aus der Ge- 
schichte Hausers, so weit diese dem Publicum bekannt 
ist, gefolgert, und dabei hat er die kleinsten Umstände 
" diasar Cseeohiehte sehr gut, öfters auf eiae Überrascheada 



Digitized by Google 



SthwMt TOt LalMok, über Casiiar liauaer. 



Weise zu benutzen g-ewufst. Dies wird auch der zugeben 
müssen, welcher nicht alles, was der Verf. im zweiten 
Abschnitte annimmt , zu behaupten wag;t. — Gegen das 
Bade seiner Schrift (S. 17.) äufsert der Verfasser den 
Wunsch, dafg besonders diejenigen Männer, welche auf 
die Untersochang der HaiiseriselieD Angelegenheit Ein- 
flaOs haben, den Ton ihm anfgestellten und motivirten 
Ansichten einige Anfmerksanilcdt schenken nHSohten. Br 
hSit es zwar selbst für möglich, dafe Manches von dem^ 
was er gesagt habe, von ihnen schon berücksichtiget 
worden se^; dafs ferner Anderes an Ort und Stelle, und 
in Folge von Umständen, welche nur ihnen, nicht aber 
auch dem Publicum bekannt seyen, als unhaltbar werde 
befunden werden; meint aber dennoch, dafs manches 
von ihm Bemerkte auf eine bis jetzt vielieicht fiberse* 
hene Spur hinweisen könne. Und leugnen wird wohl 
nicht leicht jemand, der die Schrift des Verfassen ga* 
lesen hat, dafe dies wemgslens denkbar sey. ~ Ob der 
Verf. Reoht iMbe, wenn er (8.18.) glaubt: iSki Indli- 
Ttdnnm, weldies so viok»' KennseMien an sieh trage, 
wie der Unbekannte, müfste doch in einem so geringen 
Umkreise wohl zu entdecken seyn , wenn dasselbe auch 
seit dem Mordversuche ans der Gegend verschwunden 
seyn sollte. — wird die Zeit lehren. Denkt man an 
die dem Arme der bürgerlichen Gerechtigkeit unerreich- 
baren Femen, Höhen und Tiefen, und an die vor gol- 
denen Bnrgtboren Wache stehenden hochgewaltigen 06^ 
leisen , foa welchen in der erst vor einigen Moneten tip- 
schieneoen tnsiiiichen Schrift Aber Hauser die Rede int; 
so wird man freilich wohl geneigt seyn, die Hoflbung, 
-dafii der Verbrecher noch werde entdeckt werden , gänz- 
lich aufzugeben. Aber Bedenken wird man doch tra- 
gen, dies zu thuB , wenn man beachtet, dafs selbst der 
von der jetzigen Lage der Hauserischen Sache vermöge ^ 
seiner Amtsverhältnisse vollständig unterrichtete Verf. 
der eben erwähnten Schrift den siebenten Abschnitt der- 
selben, In -wslohem auietet auf die den Gericliteo* 



Digitized by Google 



JiU«iiMrt, iie|ierloriuiti der iumI. «Iiir. Jottrtiaiwtik. M 



bei iler Untersuchung- dieser Sache im Wc^e steheaUea 
ÜHidenissse hini^ecleiitel ist, — .mil dea Vonta: 

JDocIi waa verAlit ille schwane fiHtternacht 

IfM eaAi«h, wm9 «• ta|^, rn'a SanoeiiliiM g«btadUL 

geschlossen , und dadurch , wie auch durch eine Stelle 
der Dedikation seiner Schrift , deutlich genüge zu er- 
kennen gegeben hat , er halte es wenigstens für sehr 
möglich j „dafs die aufge hende Sonne der Wahrheit 
die Nacht verdrängen werde ^ welche Ober dem ge- 
heinnDirsvollea Schicksale Hansers [ bis jetzt noch] liefU** 



K. Fd. Kleinert s Allg, Uepertorium der gesammteH deuUchen, med, 
eMr. JownaliHik, F&HnOiMg mit mfürtm MiturMtem ktrau»- 
ge^ehen, htipmtg, KMmmm Mit 1827. 8. 

Der steigende Luxus unserer Tage, das vorschla* 
^ gen46 8lreben der Mehrzahl nach behaglicher leiblicher 
Bilrtavs, welche Vialeo als Zweck, die geistige* Am* 
blldttng aber nur als Mittel, erster« «i erlaagen, er^ 
aciMant, and in Folge dessen man aar auf Fortbildang 
die Zeit) Muhe und Kosten verwendet, die abeolat ge^ 
boten sind, einestheils; anderntheils die Vieisohrei-» 
berei und damit zusammenhängende Oberflächlichkeit 
der Schreibenden, sind neben manchem Anderen Haupt* 
Ursache, dafs im Felde der Literatur Alles nach Ex* 
eerpten und wohlfeilen Ausgaben strebt, und demgemäfs 
eine beispiellos wohlfeile Ausgabe von X. X. sämmtlichen 
Werken von einer noch beispiellös wohlfeileren verdräng! 
wird, dafs Ausaftge aus der Quintessenz der Quintessenn 
■nserer Classiker verfertigt und mit dampfmaschinenar« 
tiger Schnelligkeit aber avch Geistlosigkeit verfafst und 
▼erbrettet werden. Audi die medicinische Lileratvr ist- 
deoi EittliBfe der herreehenden Richtung nicht entgan^ 
gen; — denn was anerst den schreibenden Theil be- 
trifißt, ao hat sich dersalbe snr Ungebahr vermehrt, ^ und 



Digitized by Google 



üt KiMMBti» Aep«rteriwii der med. diir. JearMOitltk. 

schon unsere in 2 Jahren zu vielen hundert Bänden und 
Heften angewachsene Cholerabibliothek beweist bei fliich« 
tigem Durchgehen, daüs nicht alle Schreiber, ich wiii 
nicht sagen Tom heiligen Geiste , sondern überhaupt nur 
▼ou Geist beseeh waren vnd eittd. — Der lesende Theil 
aber förchteft za ersticken unter dem ungeheuren P«piei> 
berg, in dem er zum Theil nur dürftig verarbeitete Lum- 
pen findet; er hat sich zumTheile, die colossalen Felder 
der systematischen Werke und Monographien verlassend, 
blos den periodischen Schriften zugewandt , hier Geistes-: 
nahruug suchend. — 

Aber auch diese periodischen Schriften (Zeitschrift 
ten, Annalen, Jahrbücher, Journale, Notizen, Zeitun- 
gen u. s. w.) haben allmählig bedeutend an Masse zuge- 
nommen, und drohen mit ihren monatlichen, V4^(^U^^ 
rigen und zwanglos ungebundenen Heften und Lieferungen, 
jährlich ganze Bibliotheken zu bilden, und den Jünger 
Aesculaps unter ihrer Menge zu erdrücken. 

Zum Theil diese bangen er regende Masse periodi- 
scher Schriften , die nur durchflogen oder mit Auswahl 
gelesen werden können, zum Theil der Speculationsgeist, 
gestützt darauf, dafs eine grofee Anzahl der Aerzte nicht 
mehr sagen kann: y^dat Galenu» opes," und sich daher 
auf die nothdürftigste geistige Speise, das nothdürftigste, 
wenn auch uugeläuterte Oel zur Unlerhaltuug ihres gei- 
stigen Lichtes beschränken müssen, hat nun wiederum 
das Erscheinen von Auszugssamnilungen, aus der ge- 
sammten medicinischen Journalistik, zur Folge gehabt. 
Wohin dies weiter führen soll, läfst sich nicht ergrün- 
den, doch soviel scheint mir gewifs, dafs dieses Surro- 
gatenunwesen nicht blos wahre wissenschaftliche Bildung 
immer seltner machen mufs, sondern wahrhaft gefiihr- 
drohend für die Ärztliche Welt sowohl, als für das nicht 
ärztliche Publikum ist, und dafs es daher ah der Zeit 
ist, dfTentlich darüber zu sprechen. 

Wie gesA^ij die Zahl der erscheinenden, medioi^ 



Digitized by Google 



ftletawt, BepM<«r»ift der iiw4. Mr,. fiiiiMiiiiiia iM 

nischen Zeitschriften hat sich zur Ungfebilhr vermehrt, 
uod es ist für den nur einigfermafsen beschaltig^en Arzt 
k^Mi «tfgHeh, sie ^ilndlich «b ihirehgehen. MüAhei- 
-IlMilp^MMlMMftiiilnr BeobachtUDfMi ub4 EndMimingMi 
< i lt#H I*i l<um üg- QttlMltaMtttMr GdbiHUlMil« «mm 
^mtm^^ iMM jßtti ▼«riiuf]j»:e MUdtelliiBg loklMr äm^ 
iMlAt^^toMob kein 6«ti»B», wko nidit es moographi- 
scfce» ftrt > tf dHing geeignet Ist, Anregung neuer und eigen* 
thuiniichef Anschauungs%veise, Fragen und Lö&>ung von 
Zweifeln, Berichtigung von Irrthümern in dem Gebiete 
der Natur und Heilkunde in ihrem ganzen Umfange, ha« 
beo sie sich zum Zwecke gemacht, und eine Wissenschaft, 
die so sehr Erfahrungswissenschaft ist, kann dieser be* 
8(iodig€ii^ Mittheilung von Thatsacheo nad Beobachtung 
geil fio wenig entbehren, bedarf noch so sehr in vielen 
TMkMi^ller l«Mftereil Begrfiodnng dessen , was noch blofse 
V^Mkteng oder. Ansieht Einzelner ist, über so Vieles 
ii«M M durah Zusimnienstellung Licht verbreitet wer- 
dtR, -tAl^" diese Zeitschriften, entstehend aus den Bei- 
trägen einer gröfseren Zahl , wahrhaft unentbehrlich sind. 
Allein die vielen Herausgeber aller dieser Zeitschriften 
wollen ihre Columnen füllen , sie bemühen sich daher 
nm Mitarbeiter und beobachten unter diesen nicht die 
DÖthtge Auswahl« So wird denn Manches ohne Interesse 
an der Sache geschrieben, theils am auf die leichteste 
tet iKe Eitelkeit zu befriedigen, als Schriftsteller aufzu- 
MM« tMts d^ Honorars wegen , nnd nicht alle Anf- 
«MMe firdf enen es , gelesen zn werden. — Es wäre daher 
Mefail'^iriMichenswerth , dafe die Heransgabe medfcini* 
scher Journale ein Centralisationssystem annahmen, dafe 
mehrere, wie dies mit mehreren geburtshülflichen Jour- 
nalen geschehen ist , sich zum Herausgeben einer ge- 
meinschaftlichen Zeitschrift vereinigten, und dann in der 
Aufnahme von Aufsätzen scrupulöser wären. Die zuneh- 
mende Zahl der Abonnenten würde dieser geringeren 
Zahl yon Zeitschriften das Bestehen sichern, und die 
Lener wilvden im Slande scjn, eln«n Uebeirblick über 



Digitized by Google 



* 

die KotdeolMuig^ii und neuen BeobadilUDgen i|. 8. w. zu 
erhallen. 

Unstreitig hat die Ueberfuiie medicinischer Zeit-* 
icbriflea zuerst Uro. Kleiner! zu seinem UniMwebuMa 
mfi§mt%gi, indem er sich zum Ziele setzte, l^cusni, Mt 
^ififelMtheils aller JouTDulleelttre bis jetzt entsag«!« mufti 
4eii, aitt Surrogat au iiefero. fir verspraeh vor liam 
Beginnen desaelbeo^ keiae dfirftifea Skuntu au llelera, 
«ad sieh gieioh weit tou apliariatiacher Kflrva «ad 
mudender Gedehntheit zu halten , doch fürchtete er sich 
schon zum voraus, bich genöthigt zu sehen, da er ohne 
Unterschied Alles mittheilen wollte, zu ermüden, wo er 
keine bedeutenden Abkürzungen vornehmen kann. Er 
scheint zum voraus die Schwierigkeit eingesehen zu ha- 
ben, das Gediegene genügend wiederzugeben , ahne Ab- 
schriften oder Nachdrücke za liefern. *) Und gewifs ist 
«6 bei vielen , ja hei deo meisten praktischen Aafsätzen 
unnidgüch, in kufzem Ansenge dos Gesagte werthvell 
weilerzygebea* Wer es weifii, wie elt es in derDiagmi- 
atifc auf die feinste IMeiicInihg, bei der Pktbogenie avf 
die genaueste Ausführung und Nachweisung der Verbin- 
dung und Uebergänge der einzelnen Einwirkungen und 
Erscheinungen u. s. w. ankomml, der wird einsehen, dafs 
es in den meisten Fällen schwer hält, ja beinahe un- 
möglich ist, einen Auszug zu liefern, der das Original 
nur einigermafsen zu ersetzen vermag* Nimmt man nan 
noch dazu, dafs manche Aerzte nach Lesung von MittMhia* 
gen und Beobachtungen nicht die ndthige Vorsieht umi 
Uawicht beebaohten in der NachahaMing da« dort eiw-> 
geschlagnea Verfehrens, so eracheiat es wahrfaift ge* 
lihfflich, sdche fragmeutarisehe AnazQge za liefSera und 



*) Behren^ «nd MoldeniuMSr haben aich schon su der Erklärung 
genöthigt getehen» dah sie am ihrer ähalicfcen Zeitechrill fftv 
die neucete nedicinlich-eliiniigfeche JoumaUetlk de« Aaelan- 
dee das Sehledite «d GewöluiUehe la 2niaDft weglaeeen,' oad 
Mae dae Nnm mmi Wieffaaverthe aoiwaMea wftfileB. 



Digitized by Google 



■ir die Eridirung gezeigt hat^ grade die am w e a ig B icu 
flMMIiili« mmi llainrtiffcHlim am nalilgiUli« «iml, im 
JtaMMv» UMvUaf liehkeil dae mgoeD WImm 
ftwmda»! MSmpMiitfngep Gehdr n gebeo, ffkemde Vap* 

suclie ohne gehörige Pritfong imd Urtheil nachzuahmen. 
WeiiQ e» aber schon im Allgemeinen höchst schwierig 
m4| Aitözuge aus medicinischen Beobachtungen und Er- 
£iJiriiiigea zu liefern , welche hinreichen können , die 
Leciüre des Originals zu ersetzen, 8o ist auch das, was 
hdi ^^rtedlichem , umsichtigem und sorgfältigem Ver- 
fcfcrr^ ii|[Niihr^rT könnte, ia der Kleiserl'achen Zeit- 
ilMIkibei weitem niobl immer geteh^ien. ~ Viele der 
4llßk'jitfflkfMtH\n fixoerpie aieliea Veratlmmhngeii der 
.4^igi0iMUMMidlQPgeB dar, die aaok nielii eiemal efa 
'dhrtiiMlaiiea BiJd rem deaaelben eo geben ^rmögen, 
I» manche (Strotzen sogar von offenbaren Entstellungen 
und falschen Mittheilungen , die sichtlich nur durch 
das oberfläcbiicliste Verfahren der Mitarbeiter entstehen 
konnten. Das eingeschlagene Verfahren scheint meist 
darin zu bestehen , dafs mit Weglassung der verbin- 
fiütse/ andere fast wörtlich abgeschrieben wer« 
Wo abek* eine MittMlung blos des Sinnes beab* 
iai^ Aue sich an die eignen Worte dea Origi^ 
.mkit^hmABny dajfinden aicli «uoli hiafige diimeoMel* 
liMigHiib Um 'dieae BahaiqptMig aaeb iiadimrweiMi, habe 
ich m e htfe r e Avitftee aoa Aeata If agmnn der geaammlcii 
Heilkuade, welche« mir gerade vorlag, mit den Ex-» 
cerpten verglichen, und theile das Resultat später mit, 
woraus auch der Umfang und die Voll- oder UnvoU- 
aündigkeit seiner Excerpte sich wird beurtheilen lassen. 
Aiisstlge können wohl hinreichen, etwas Gelesenes in 
a^eo einseinen Theilen wieder ins Gedächtnifa zurück* 
aarafes, aber adiwerlich in diesem Fache das nicht Ge- 
ieaem snf eraeteen.' Ich wurde zuerst aiif die Unzaläog- 
fiddteit dea Kleinert*8chen Uutemehmeoa dadnroh aiS*- 
merfcaam gemacht, dafa ich AafelMse, die ich in Joar- 



EleifitrI, iUpertoriiim der iümI. ckir^ ^«unMawlik. 

nale geii«C«jrl iMbU^ im AusMg kaum wieder zu «rkeimea 
▼ermag. 

. Jedes Ding hat seinen CulmintMNiqpiiakt, und 
«hev tvürdea bald aus Maogel an Leseni di^caigea 
Journale etogegangeu ««syu, urelciie die am weuigsten 
lorgftltige Auswahl in den AnfstttBen, welche sie 
halten, treffen. Sahald aber sich riele an diese Klei* 
nertschen AussSge halten (was aus oben angegeben«! 
Gründen sicher geschehen wird , ohne dafs daraus ein • 
Beweis für deren Zweckmäfsigkeit entnommen werden 
könnte), so werden auch die besseren Zeitschriften aus 
Mangel an Absatz wenigstens auf eine Zeit lang ein- 
gehen, bis ihnen Kl. und Consorten gefolgt sind. — 
Möchte es dahin nicht kommen , möchten entweder die 
kritischen Zeitschriften den Journalen besondere Auf- 
merksamkeitschenken, oder «oe besondere fUr de noh 
biiden, und schonungslos aHes Gehaltiose in ihnen tot* 
fUgen, damit Vielschreiber und Lohoschreibor 
stuinmten , und eine kleinere Zähl gehaltToller periodi- 
scher Schriften das Bedürfnifs der Aerzte befriedigte. 
Möchten die Aerzte , welche durch locale und per- 
sönliche Verhältnisse verhindert sind , für sich allein 
eine genügende Zahl medicinischer Zeitschriften zu hal- 
ten, lieber durch eine Verbindung mit benachbarten 
C!ollegen sich die Möglichkeit , dies zu thun , weaa 
auch mit einiger Schwierigkeit verschaflßen. MUssoo 
de auch einige Opfer bringen , die Pflicht gebietet sie 
Ihnto, denn sonst werden sie entweder der leidenden 
Measdiheit, welche ihre Hilfe sucht, auf eigne Beob« 
achtungen und Erfkhrnngen beschränkt, dfe Resultate 
gemeinsamer Forschung entziehen müssen, oder unge- 
nügende und falsche Mittheilungen benutzend) ihr Steine 
statt Brod reichen. 

(Dtr Beschlufa folgt.) 



Digitized by Google 



. ''*tUHmeri, " Bepm i arhmt der med. ehkr.JounwUk^ 

- •• •* . e • 0 A ( 

1 Ml.tlieila nso ia den nachfolgißDdeD VergbichHA» 
l^.i^Ariege für meioe fiehanpluiigeB mit., und bitte 
dmX^r «Hl Naeltticlil, weiia idh ilu aolhweodlg eial» 
ger—fmin dainü «rmlldea miifiL - 

•M verglich Rust's 33. Bandes 3. HeFi 222 Seiten 
stark in Kleinert Juliheft 1831. io 19 Seiten (96—115.) 
enthalten und N. unterzeichnet, und zwar No. 14. Prü- 
fung des u. s. w. Gutachtens von Dr. Eberniayer von Ni- 
colai. Rust 51 S. Kl. 2^/4 S. Hr. E. hat in jenem Gut. 
«€lUiKi diu Aeife-ttod. LebeiülähigiuU eines todtgefun« 
Avien nengebornen Kindes angenommen; Hr. Nie» 
sagt ebenfalls in seiner Kritik, an der Reife und Lebeoa* 
tAigMt des Kindes sey niöht sn^BUKiBifein; de«i 
ysJbglsicli TOD den Zeicheo der Neugeburt mar 2 aufge- 
Alifl Mild, so ist doch kelns bei der Qbdiiction aufge- 
■ otch net, was gegen die Reife^nndLdbenafthigkeit strei- 
tet" Diesen letztern Satz gtebt Ref. in Kl. wieder, „es 
tadelt jedoch hier der Verfasser zuerst, dals Er nur 

2 für die Neugeburt sprechende Zeichen , keins aber 
aufgeführt habe, was gegen die Reife und Lebensfähig- 
keit des getödteten Kindes streite." Ich könnte hier noch 
mandieffiei ausheben, allein ich müfste der Vollständig- 
keit wegen weit ausholen; wer aber selbst den Au&atz 
de« Hra. Nioolai mit dem Auszug in Kl. vergleicht, wird 
Ante» dalli. jeoe acharfiiiwiige Analyae des £berm.*schaD 
finf^li*^ hier als ein «ngenfigendes, zum Theil ua- 
Tersündllickes, nidUnagendes Exoerptehen wiedergege- 
ben ist , als Resultat einer professionsmäfsigen , obsr- 
flächlichen Leetüre. Ueber No. 15 und \%, finde ich 
auTser dem im Allgemeinen Gesagten nichts zu bemerken, 
No. 11. Hille, Bemerkungen über die Verschiedenheiten 

nV. Mry. r Helt. 42 



Digitized by Google 



♦ 



des Medicinalgewichts, Est. 15 S. Kl. 1 V4 , heifst e» 
in KI.: „auch ist wohl hieraus allein erklärlich," 
statt wie im Original : „wohl ist hierin mit ein Grund 
Sil suchen/' also eine offenbare Untreue. No. 18. Löwe, 
UberSteiukohlenheitzung y.s.w. B. 23 8. Kl. fast 3 S., 
§^r UD^ollständig «od unsiireichend. Als nntreues Wie- 
ctorgetHw ist walil »och s» bdrAchten R. ^cs. bleibira 
meist noch NachkimiikbeiieB aurfiok;* Kl. ,^«6 bl«ilM» 
B« weilen nodi Nachkrankbciteo siurftdi.'* 10. 20. ibel^ 
leo die allgemeiaen Gebrcehea, 21 mnd 28. im fixtr»- 
Matt eathalteii 2S, Beitrfige zur medic. Erfahrung aus 
Berichten d. königl. Medicinaibeamten, R. 13 S. Kl. 3 S, 
' PUca polonica. Ln Original heifst von den Schmerzen 
nach dem Ausbruch, daCs sie mitunter „abei auch mit 
gröfserer Heftigkeit forUvähren, und den armen Kranken 
fast zur Verzweiflung hringea," in IkL fernher Mieh mt 
Ifleicher Stärke fort." Degmeratio ovarü, sehr ungenafl 
md beia Bild gebend, z. B. im Original: ^di« Kfanlui 
kMote nämlicb ihre« Leib ebne beioadefe 8cliiBef«eii 
lirtl bel^K Häifdea smumiiendellcfcea ; gefcbali dies nit 
grii#riger Kraft, so hdrte man ia der Geecbwttlat ein 
eigeuthllmHobee dompfee «nd stf^TOiides Tönen, kurz 
ein Geräusch, \velchüs ^ich nicht beschreiben läfst, aber 
deutlich zu erkennen gab, dafs ein FJuidum sich aus 
einem Räume in einen andern drängte," in Kl. Verfasser 
nahm das Uebel für eine Vergröfserung und Entartung 
des rechten Ovariums, und stiefs, „da man beim Druck 
«nt diese Gegend eine dentiiobe Fluctuation In dersetben 
iprahrnahmi'' in die bm^yrag m de ta fitette .v. a^ .Mb 
Miscellen. / 
Sodann Rast 04. Bdea 1. Hnft I» Brüggeanan^ MM^ 
ittlle der Weohselfieber n. a. w. 42 Kl 4^. St M. 
in R. „oder das Fieber kann, wenngleich ea dnrofa ein 
Specificum beseitigt werde, dennoch durch Schweifs 
seine Krisis machen," Kl. „nicht minder kann auch das, 
obgleich nur dem Anscheine nach beseitigte Fieber, 
durch diesen Schweifs seine Krisis machen ferner Ru«f: 
,,alleia die. oben erwähnten Schweißte ko^unen iiicht 



Digitized by Google 



Kleioert , RepefteifftM der mod* chir. JounMliatik. 



immer gleich nach der Anwendung des Mittels, sondern 
häußg erst mehrere Taj^e darauf;" statt dessen Kl.: „Al- 
leia die in Re<)e stehenden Schweifse treten mehr gleich 
tiach der Anwendung des Mittels ein," später inR.: ^siild 
sie (die Schweifse) Rückbleijbsel des unvoUkommen ge- 
heilte PMere , 80 sciietnt es da« zweckmttfsigste u. & m 
Kl.: ',}WenD diese Schweifse io einen RQckftlle überg«- 
gaoge« sind 9 so wflrde es das Beste** «. & w. Dieser 
gaoae Anfints zeigt bei Vergleichung deotlich, wie der 
ganze Werth des Originals durch das Excerpiren ver- 
loren geht, und ich halte es für dieselbe Aumafsung, aus 
den Kleinert'schen Excerpten <len Werth der Originale 
bestimmen zu wollen, wie wenn man aus Heschauung 
eines skeiettirten Schädels die feineren Züge des Men» 
sehen, dem er gehörte, wmgehea wollte. Ob dieser 
stehende Backenknochen eine hochgewölbte fitirne g«»< 
hItMtf dm- kdki «ich wohl angeben, aber wer mödbte 
dhuwwip im Auges beldbten Glaani iiad Farbe, der Mieooi 
baaediaa wu hesliiiHnea «ng^n. Hiar beschlolli ieh 
^K» ¥ek|giei«hnng, da ioh daroh w^üeres Fortaeiceff an 
sehr zu ermüden fürchtete, loh habe Manches ange- 
führt, was leicht unbedeutend erscheinen könnte, allein 
ich verglich , was mir grade zufällig vorlag, und wenn 
man fremde Arbeiten als solche mittheilen will, so darf 
man selbst im Unbedeutenderen den Sinn nicht entstel- 
le»^ weliB man Glauben verlangen will ! Manche Ver- ^ 
gieichang muAte ich unterlassen , weil ich zu weit hätte 
anakolan mttsM, um das Abweichende darculegen. Selbil 
1* dlMM Wmag9n j^mb9 ich imchgewiesen au faaben^ 
dafii die Lactire aaScher Exearple ein achleditea Sw^ 
rogat lir LMong der OrigioalabhaBdlungea darbiete! 
Weaigstena unternahm ich dieae Arbeit ame odib et im 
blos der Sache wegen. 

Dr. Simeons, 

An 



Digitized by Google 



Ueber ilie Cholera. 



1) Allgemeine Cholera- Zeitung, Mittheilungen des Neuesten und fi isf- 
aenswürdigsten über die Asiatische Cholera. In Verbindung mit 
mehreren in- und ausländischen Gelehrten herausgegeben vauJnitm 
Radius, Prof. u. s, w. Zweiter Bamd, JVo. t5 — 48. Leipzig, 
Baumgärtner» Buchhandlung. 18SS. 4. Ä IW — SM. 

^) Mittheilungen über die Cholera - Epidemie in Berlin. Aus Berichten 
an die Königl Begierung zu Minden; von Dr. Heilbrunuy prak- 
tischem Arzte und Geburtshelfer daselbst. Minden, in Commission 
bei Ferdinand Efsmann. 1831. 8. 80 5. 

S) Briefe an einen Landgeistlichen über die epidemische Cholera von 
Dr. IV. F. Faber, Oberamts- Arzt in Schöndorf. Stuttgardt, Met%' 
Ur'tehe Buehhamdlung. 1832. kl, 8. 66 6\ 

In unserem auf Wissenschaftlichkeit so eingebildeten 
Jahrhundert darf es wohl sonderbar erscheinen , dafs eine- 
lur die Krankheitslehre eben so sehr als für die Physio- 
logie hochwichtige Krankheit, wie die Cholera vom Jahr 
18n bis 1830, der Bemühungen Einselner uoerachtet, 
keiner AttfmerksMiink^eit gewürdigt wnrde, seit jenem Zeitr 
|Hinct aber, als die Krankheil Buropa zu bedrohen an* 

^ fing , gegen UM Schriften allein in Deutschland dar&ber 
erschienen. Da von diesen Autoren allen nur Einer oder 
der Andere die Krankheit früher aus den eahlreich er- 
schienenen Schriften der Engländer und den übrigen zer- 
streuten Nachrichten studirt hatte, so lassen sich diese 
Schriftsteller alle in zwei Classen theilen, in solche, die 

^ bis jetzt selbst die Krankheit irgfendwo zu sehen und 
SU behandeln Gelegenheit hatten, und in die, weiche 
aas den bereits erschienenen Schriften wieder eine wei' 
tere compiliren, welches letztere soweit getrieben wird, 
dafs die nuerst erschienenen Schriften schon ans der zwei- 
ten Hand bennixt werden, und dio Literatur bereits an 
dem einen Ende abstirbt, während sie an dem 'andern 
immer noch forttreibt 

Unter diesen Umständen wäre eine mit Auswahl 
und Unpartheilichkeit redigirte Zeitschrift schon da- 
durch ungemein wohlthätig, wenn durch eine solche das 
erreicht wttrde, dafs die Aerzte statt ein ganzes Buch 
SB schreiben, ihre Erfahrungen und Ideen in kürzeren 




Digitized by Google 



U«b«r ilie Ciiolsra. 



Andeutung^en hier niederlegten. Dazu kommt noch <ler 
weitere, einem iolchen Institute allein niagliehe Vortheil, 
, dafs in den Correspondenz-Nachrichteo gerade das Wich« 
ligste der Ereigniase in der willkotninemten Eiofachbeit 
lud Sohneiligkeit ml^etheilt werden Iuidb. 

Wirklich eDthilt auch Now 1 , za welchem jedoch 
21 Aeüte «im Orlen, wo die Cholera noch nicht ein- 
kehrte, und nvr 8 ans Orten, die von der Krankheit 
bereits heimgesucht wurden , conlribuirten manch schätz- 
baren Beitrag theils zur Geschichte der Krankheit, tlieiis 
• zur Geschichte der Meinungen über dieselbe. 

Bei der zweckmäfsigen Anlage dieses Blattes wäre 
es selbst wünschenswerth . wenn auch über die vielleicht 
bald ▼eilends erlöschende Cholera sich nicht mehr viel 
Neues wittheilen liefse , dafs dasselbe je nach Bedfirfoifil 
in kttnorer oder Iftngerer Pause über das Voi^oiniiion 
eptdemischer Krankheiten iberhanpt Nachricht zn geben 
fortfahren mdchte. 

Der Verf. yon No. 2. befand sich rom Ilten Oct. Ma 
Isteu NoV. 1831. zu Berlin, und theilt die Resultate sei- 
ner Wahrnehmungen mit. Seine Ansichten über Mit- 
theilung und Ursachen der Krankheit sind die modifirten, 
* es wird ein Miasma für die Mehrheit der Fälle ange- - 
nommen, aber einem juste milieu zu gefallen, auch der 
Ansteckung etwas eingeräumt. Auch dem Verf. ist Ciio- 
lern Krankheit des Ganglien -Systems, dies gebe sich « 
ana allen dieselben charakterisirenden Erscheinungen zu 
erkennen, hei dem Dunkel, das über die Natur, Ver- 
richtungen und Pathologie dßr Cranglien überhaupt herr- 
sche, fednne nur nicht recht angegeben werden, wie es 
eigentlich dabei hergehe. Allerdings giebtcs, sowenig 
auch des unsterblichen Bichat Untersuchungen fortge- 
setzt wurden, nicht leicht eine Krankheit, bei deren 
Erklärung das Ganglien -System nicht aushelfen mttfste, 
was um so unbefangener geschieht, als man sich da- 
durch, dafe der anatomische Erfand gar keine Verän- 
derunglHi in denselben ergiebt , gar . nicht anfechten 
Ü&t! 



Digitized by Google 



9» Weber, aUgienelfte Maeiklehre. 



Unter den Heilmitteln erklärt sich tkr Verf. vor 
Ailem für das Begiefsen mit kaltem Wasser, welches kl 
der Periode seines Aufenthalts zo Berlin auch am mtA* 
fliea aa seiner Stelle gewesen seyn mag, mii* Tertflehl 
Ref. den Verf. aiclit, wenn er 8. Ml sage: dieses kalte 
Begiefsen sey ein Schweißtreibendes Mittel, dnreii die, 
vermdge des Verdvnstnngs - Ptocesses des icaitett Wis- 
sers auf der Haut sich entwickelnde Wärme. Dampf- 
bäder hält der Verf. für ganz unzweckmafsig , was für 
den Anfang einer Epidemie, wo es allerdings noch we- 
niger gelingt, einzt^Iiie Kranke zu retten, doch weniger 
der Fall seyn möchte. Auch der Verf. erklärt sich, wie 
dies in neuern Zeiten immer allgemeiner der Fall wird, 
gegen das Bürsten Und empfiehlt Rethen mit d«r flachen 
Hand, wobei das von Hamborg her empfohlone üam- 
pherOl gewift die besten Dienste thui Acht KMnke»» 
gesciiiehten machen den Beschhilk 

Unter der grofben Masse ähnlicher Scliriften fand 
Ref. keine zugleich so populär und in so guter Haltung 
geschrieben , wie No. 3. Besonders gut wird man die 
Exposition Ober die äufsere Ursache, sowie die Anwei- 
SDOg über Lehensweise und Diät während der herrschen- 
den Epidemie ßnden. Die angehängten Receptformeln , 
besonders No. 61. luinn Ref. aber nicht für zwechmäfsig 
finden. 

Schnurrer,. 



Allgemeine Mu&ikk/nc zum Selbstunterrichte für Lehrer und Lernende 
ii» vier Vorkapiteln Dritte neu überarbeitete Jußage. Vermehrt 
einer BrhÜkung aXUr m UiuUteilim MrlbmaMMira tloiMiiiMcAei» 
Mtautworter, Fon Dr, G, Weher n. «w w. Mmm», hei. SdM. 

1881. III «. cxcn & 8. 

Dafs das teutsche Publicum die Verdienste des V erfs. 
z« schätzen wisse , beweiset die vorliegende dritte An^ 
lege dieses kleinen Werkes ond die bereits angekttndigte 
dritte Auflage von dessen Theorie der Tonsetdiunst Bm 



Digitized by Google 



leizlere grölsere Werk behandeli iu geuilgen<i«r Voll* 
stäncKgkeit die bezweckte Aufgabe, aileia so grofs auoli 
ikie ZaM der Musiki ig fc i M i bet ist, diejenigea nicht gei 
rodhMi,. welche siek so BeoAen , bei nuMwirilMclN« Att^ 
ltfiHMi|iiii »hiy IMetf red— alt Mreo), 6o giefal^vHolM 
d tott tdtooh v«rhilliiilMiifirsig nur wenige, wddie iatl 
iM# hlBMiolienilc^GeMA beflüMv^ die Theorie eber voo 
ihMw owigeilirten-iLoBst nw-ehtem vier fltaviBe fiSifde um* 
fafiseaden Werke zu studieren. Es ist daher ein sehr zu 
biKigender Eutschiur«, dafs der Verf. das Publicum mit 
diesem kieiaen Werke bescheukt hat, welches die Be* 
kanotscfaaft mit den wesentlichsten Gesetzen derTonkitnSt 
auch deoen zugänglich macht, denen es an Zeit od^ 
GedukI gebri^rt y da« Gooze zu erforschen , abgeeeheo . 
daf>*a4 dafa dieeer kürzere Unirifs ala £ioloit«a|^ dieooii 
kaoBy ud gar leiobl die Forcht .TerscheBckei» wiad» 
w«lolio gewvfii Hiaaehe von Laeeo eUea ao a«Bf&brlioh«ii 
Wedm afaedmelMB mag. Zugkicii aber findet Ref. daa 
^ atlir ^lllttiadige VetseiekRira aller italienischen Kuoti^ 
aasdrucke, die in der Musik vorkommen, und entweder 
anmittelbar oder durch Verweisung auf die dazu gehö* 
rigen Stellen im Werke selbst erklärt werden, eine ib 
der That sehr schätabaie Zugabe. 

Die Deutlichkeit und Grandüchkeit io deH Schriften 

des Verfs., des würdigen Veterana unter den' teotscfieil 
musikalischen Schriftstellern, sind allgemein bekannt, 
aufserdem aber werden hier nur solche Aufgaben abge- 
handelt, über welche so ziemlich allgemein bereits ent- 
schieden ist. Es würde daher überflüssig und wohl gar 
zweckwidrig iejrn, auf eine eigentliche Kritik des Ein- 
zelnen einzugehen , weswegen Ref. aich blos auf eine 
kurze Anzeige des Inhalts beschränkt» wobei es g'enfigen 
wird, diese nnr mit einigen wenigen Anmerkungen 2tt 
begleiten. Von den vier Vorkapiteln enthält das erat<) 
die allgemeinen Begriffe von Ton, Tonkunst und Tön* 
setzkunst. Hierbei sind die neuesten Untersuchungen, 
namentlich von Savart über die Schwingungen der Ne^ 



Digitized by Google 



.jA-W«ber, aligtiuioiue ilusiklebre. 

bfiiitheile der Instrumente, welche die des eigentlich 
fönenden Körpers beg^leiten , und so die Eigenthümlich* 
keitea der yerschiedeneo gleich hohen Tone geben , oichl 
nli berücksichtigt. Ref. ist dann der MoiiiHDg , dafs e« 
am besten sc^ , aar Beseichniing dieaar £igeothlifliUsli» 
hmi dar Töne, wonach man die der veiachiedeMS In* 
atmmente so unterBcheidaB TemiBg, dae In der. taa^ 
sehen Spradie gegebene Wert Klang su gebranehen. 
Das kwelte Vorkapitel, welches eine Deschreibnag va- 
geres Tonsystems enthält, wird auch von solchen Dilet- 
tanten mit Vergnügen und zui Belehrung gelesen wer- 
den, welche nicht über die ersten Elemente ihrer Kunst 
hinausgekommen sind , und ist des praktischen Nutzens 
wegen diesen allen vorzugsweise zu empfehlen. Im drit- 
ten Vorkapitel , welches der Rhjrthmik und dem Zeil» 
mafse gewidmet ist, wird unter andern nicht blos von 
den Taktmessern im Allgemeinen gehandelt, soadern 
dar Verf. 4halll aach die yoq ihm berechaatmi Tabellen 
adt, worin er die Schwingungen von Milsers Metronoai 
aaf diejenigen «eines einfachen Pendels, einer Kugel a» 
einem Faden, reducirt hat Dafs letzteres im Ganzen 
den Vorzug vor ersterem habe, sagt zwar der V'erf. 
nicht ausdrücklich, deutet es jedoch an, und Ref. ist 
hiermit vollkommen einverstanden, denn es ist anfallen 
Fall das einfachste, vom ei j2:ent liehen Principe des Mes- 
sens am wenigsten abweichende Instrument, und giebt 
auf der einen Seite die kürzesten Zeituiafse, wenn gleich 
auf der andern Seite das Metronom vennüge dar Ver- 
echiebbark^t des Gewichtes für iSngere einen gerin- 
geren Umfang hat ^ Zudem wird wohl ohne Widerrede 
der Weber*8che Taktmesser leichter als der MälseFsche 
die richtigsten und unveränderlichsten Zeitmafse geben, 
wenn es bei beiden auf einen so hohen Grad von Ge- 
nauigkeit ankäme. Das vierte Vorkapitel endlich ent- 
hält die Grundbegriffe von Melodie, Harmonie, Ton- 
art und Tonleiter, welche hier aus leicht begreiflichen 
Gründen nur sehr kurz abgehandelt werden , und damit 



Digitized by Google 



eiNfl^ dieses nützliche und brauchbare kleine Werk* 
ehea, dem Ref. recht viele Leser wünscht. Das an- 
gehängte alphabetische VMeichnifs der itakeaiseheft 
£unstausdriicke^ welches zugleich als InhaltmffMrali* 
■Iii des* Uädkrnt mMmä disttl, ki b«r^ dbtn iii iiiliü 

' ' ^ M u n c k e. 



■ Ältx- Beatson : neues Aekerbausystem ohne Dünger, Pflug und Hrache 
übers, von G. II. Haumann (PfmrwJ. 2t« Awfi. Ilmenau 1839. 
• 110 & tk ö TaJ. 8. 

Ah Beatson: NatAirt^ zu seinem neirMT 9g$t€m des Acktrhmmts ohne 
Kalk, ütaUdünger mnd Bracht, tM«r». V. C A M«f «r. fTlm. 
ÄUF V. C8 & 7V|f. 8. 

#•« Stwm^Hmt BiUg99 <kr •Dungver m§h$ m n ft «mI Jmwemhmg tfw 
f n ii— a ll « Mvrgela «Ii Mifier« «ai* jM«Hffejlcr Erfuknmg dem 

iS& S. 

{Dessen ^(whträge, «. t;on Thünen's Bemerkungen daxu t» ^it 
jaoMn itffimaleii tht Meekkmhm gieekem Lanäwirtkeehti^'Geeellttättfi' 
IStl. XFiZ He/t, 12 ). 

Da die swei Schriftchen des Bngl. General -Migors 
Beatson sich aaf ihren Titeln etwas pomphaft ankOO'» 
digeo, so scheinen sie einiges Anfseheo in der landwirlh- 

schaftlichen Lesewelt gemacht zu haben. Um daher 
den Leser über seinen gehörigen Standpunkt und die zu 
hoffenden Aufschlüsse zu orientiren, ist es nöthig, gleich 
von vorn herein zu erinnern: dafs der Verf. in einer Ge- 
gend experimentirte, wo die Brache noch durchgängig 
ttbiich war, und das Brachfeld stark mit Kalk überführt 
wurde, um 2 Getraide-- und eine Klee*Ernd|e davon 
nehmen zn können, — auf einem Boden, welcher schDirer 
und thonig ist, die PenchtiglLeit an der Olierflfiche eu- 
rfickhilt, durch starke Sonnenhitze so hart wie Siegel- 
stein wird und eine ungeheure 'üiierk'raft zu seiner Be- 
stellung erheischt y — endlich dal^ die Engl. Originalien 



Digitized by Google 



jener beiden Schriften schon in den Jahren IMO untl 
1821. gedruckt wortleii sind Wer daher seit zwötf 
Jahren soast keine iandwirthschaftticheScIiriften gelesen 
hat, und, wie der Verf. vordem gethan, noch mit dett 
iföhen und Entbehrungen der Briaehe kämpft und wall» 
read derselben für die Einsaat des Weizens ein Uinbre- 
dien des Kiee*s, drei Pflug -Arten, II maliges Eggen, 
einmaliges Walsen nöthig hat, 1 ^/^ Karren Kalk pr. Mor* 
gen thener ankaufen , zuführen und ausstreuen raufs, wer 
dabei vor seinen Pflug 4 — 6 PfSrade spannt, und den- 
noch in nassen Jafliren kaum die zweijährige Boden- 
Rente hervorzubringen vermag, der wird gewifs recht 
' viel NQtzliches aus jea^em „neuen Ackerbau Systeme'' 
lernen können 

Der Verf. beschäftigte sich seit 1807. mit der Land- 
wirdischaft, und war Gouverneur in Ojstindien und 
auf St Helena gewesen. Seit 1819. bewirthschalltete 
er sein Gut Koowte in Süsses selbst, und indem er 
nach den Mitteln forschte, die reine Bodenrente nicht 
sowohl durch reichere Brndten , als durch Krsparnifs 
an den Besteliungskosteii zu erhöhen , bildete er alhnäh* 
Jich sein oben erwähntes Ackerbau -Sj^slem ohne Pflug, 
Kalk, Stalldunger und Brache aus, wobei er die Bestel- 
lungskosten von 15 — 16 ®. Sterl ing pr. Morgen, die 
einst er selbst und die seine Nachbarn noch zu leisten 
hatten, allmählich auf 5 2. herunterbrachte , und seine 
Weizenerndte ergiebiger auszufallen pflegte^ als die der 
Wtfchbarn. 

Die erste Ersparnifs sollte milhin durch Anbau 
der Brache gemacht werden, während welcher nicht 
einmal ein Ersatz für Stenern und Zinsen von Grund- 
und Betriebs- Kapitalien Statt flndet : eine Schwierig- 
keit, die man freilich im gröfsten Theile von Deutsch- 
land bereits glücklich überschritten hat Das in Sus- 
sex übliche Felder- System war 1) Brache mit aufge^ 
likhrtem Kalke , 2) Weizen , 3) Hafer , 4) Kopf klee oder 
' Raigras, die im 5ten Jahre munehmal wiedefkehrten. ^ 



Digiiized by Google 



Die gfrdlste , fast kaum zu gewältigencle SchwifHrigkdl 
M Aufhebung der Brüche «dlieo dem Verf. nur di« eil 
wtj^i da» ttA ffWi t m ygr^lge« , um] in der Thal MfH» 

■Mge ■» •uuml ieiMiiF^itiMieyifag iM #Mgitrf P<ld« i »y idm i u) 

«I ^teM SMHe- fm Bracllfelfl er jedoch suweiieu auch 

Erbsen, Bohnen, ja Kartoffeln treten tiefs. Gr war da- 
her g"enÖthigt, der Reihensaat des Getreides vor der 
breitwürfiiren den Vorzug zu geben, um die Zwischen- 
räume jederzeit bearbeiten zu können, er pflegte <He 
Stoppelnder geschnitteaeo Früchte, des Klee's und das 
Unkraut nebst der obertleii 1" — hohen Bodenschicht» 
je<l€8ii»l mkUehi des von ihm hiezu erfitadMen Pferde« 
w e hem sBiiiaMinedMil«h6Q und wTerbram«»« 
flaO' IMitatitsaMMD so zersKhm , emlKch diirsh 
dieses Bfviiiwfi und Atrsik ftmfsige Bsarbdlung das Bck 
dum «llttcrlst der dsMr erfmicleiieii Pferdehacke demelbstt 
80 fein zu pulvern, dafs die Uukrautsaamen nach jeder 
Ahrt jedesmal schnell keimten^ und daher vor der neuen 
Einsaat auch noch schnell vertilgt werden konnten Wir 
sind weit entfernt, <Iit^ V ortheile der Reihensaat zu ver- 
kennen, welche der Verf., soferne sie auf die Vlöglieh- 
heit dar Bearbeitung der Zwischenräume beschränkt . 
werden, auch eioAtchec dadurch zu erreichen wuto-, 
dftik er den hrakwüTliig^ Ifesfteten Saamen nebst der obef« 
eteii Mnett Ackererde nüt csnem besoodern zmeiülk^gm 
Pflnge in Reihen MsanoneDStrich ; — wir sind ten des 
Vortfaellen einer lleifsigen und feinen Bearbeitang der 
Ackerkrume schon aus den Resultaten des Gartenbaues 
fiberzeugt; allein wir halten die Vertilgung des ünkraut- 
Saamens mit der Verbrennung aller Getreide- und Klee- 
Stoppeln ohne Noth für viel zu theuer erkauft, und 
wissen durch Verweisung dei* Hackfrüchte in unser 
Brachland, und durch die Wahl besserer Fruchtfolgen, 
als Winter Wicken, Weizen, Hafer und Koptklee ist, sum 
ntalichen Ziele su gelangen. 



Digitized by Google 



UmUuM Jt. SteogUn, LanAvirtbscJialU. äcliriUeji. 

Eine z weckmäfsigere Zubereitung des Bö- 
llens mit dem geringsten Kraftaufwaude war 
die zweite Aufgabe, die der Verf. zu verfolgen sich vor- 
nahm. Ein Boden , so schwer und nafs , dafs er da« ^ 
Feuchtigkeit an der Oberflich« nrickhält , im Sommer 
SB Baektfleui brennt, nod trotz all«r MMcbinra- Arbeit 
•ich nie mr Drili*SMt wftnle liaKieii subereiten laMo, 
luian wohl Anichten and EaldedLungen gebiren, die 
anderen Lokaliliten fremd bleiben mfiaaen. Dm Aeaultat 
des Naohdenkene nnd der Versuche des Verfs. war: dafe 
es unnütze Verschwendung seye, den Boden in der Regel 
tiefer, als 2" — 3" zu pflügen; dafs der Pflug ein höchst 
unzureichendes Instrument der Ackerbestellung und na> 
mentlich zur feinen Zertheiiung der Ackerkrume sej^e, 
auch wenti man die E^ge noch zu Hülfe nehme; und dafs 
|>eide hiebei besser durch die Pferdehacke ersetst wür- 
den; dafs endlich der Tolikonunenste Grad feiner Zer- 
theilnnf nnr dnrch Brennen des Bodens oder durch Anf* 
ifthren gebrannten Thones nnd Merg^els err^cht werde«! 
kinne. Ohne uns hier in eine Brffrtomng der Vor- nnd 
Nachiheile des Tiefpflügeos einsnlaasen, wollen wir nne 
mit der Andentun g begnügen, dals der Verf. weni^nteiM 
in soferne oflenbar Recht hat, als auf einem Boden, wie 
er ihn beschreibt, die zunehmende Tiefe des Pflügens 
auch die Kosten der Bearbeitung in sehr schnellem Ver- 
hältnisse erhöhen müsse; dafs ferner ebendamit die Ko- 
sten des Ueberfuhrens mit gebranntem Thone sehr schnell 
Bunehmeo« oder seine Wirkung sich sehr schnell ver- . 
mindern müsse, und <Iafs alles weitere Urtheil über die"- 
•en Gegenstand hauptsächlich von der Beschaffenheit 
des Untergrundes abhängig ist, den wir nicht kennen*, 
der aber bis sn grofeer Tiefe 4fBm des Ackergrundee * 
ihnlich nn seyn scheint. Unser Pflug hat hauptsächlich 
die Aufgabe, die Ackerkrume sn wenden: aber einen so 
schweren Boden zerschneidet er nur sehr regelmäfsig in 
feste Schwarten, die sich theilweise hohl aufeinander- 
legen, und welche die Ef^^^e nicht genug verarbeitet, 
weil sie nicht tief geuug eingreift, und nicht Kraft genug 



Digitized by Google 



Beatton u. Steigtin, LandwirtliscIiRru. ScfaHften; Üt 

mit jedem einzelnen Zahne ausübt. Selbst die Pferde- 
hacke wirkt jetzt yielleicht nicht so gut, als wo der 
Pflug noch nicht gegtiugea^ und wo jede Schwarte noch 
fe9i am Untergrande anhängt Sie wthlt und ler wift ü 
wmi aertheilt daher den Boden «if eimml riel hcmer wmd 
leioer, als Pfln^ itod Egge, da sie Ms vm beKeMgvr 
Tiefe gestellt wetdea kann, mid mit der gehörigen Fe- 
^gkelt gehl Wo daher der Boden aer t'^^W M 
feeaekert werden seil ond durch wiederholte BearkeHmig 
hinreichend gelockert werden kann, ist das Wenden des- 
selben gewifs keine nothwendige Bedingnifs, und die 
Pferdehacke ist zu diesem Behufe ein um so werth vol- 
leres Instrument, als sie weniger Zugkraft erheischt und 
eine breitere Strecke auf eiamal vornimmt, wenn ihr 
gleich auch die Egge einmal noch folgen murstek I>er 
Verf. geht dabei von dem Grondsalse ans, wenn man • 
• deo Boden tief lockern wolle, so solle man lieber-mebro 
eiiiipännlf e PiMge oder Pferdehacken hlnteremander kt 
allnililiek annehmender Helb gehen lasse»; man ward« 
dann weaiger ZngkrafI nnd Aekernngt -Roste» bedttsfa»! 
als wenn man alles mit einem Male zwingen wolle: eine 
Behauptung, welche gewifs besser durch die Erfahrung 
unteistützt wird, als durch des Verfs. auf sehr irrigen 
Elementen beruhende Berechnuugen ; obschon auch hie- 
be! wieder gar Wesentliches und Vieles von der Art des 
Bodens und der Instrumente abhängt Kurz es ist in 
dief^er Schrift Manches Iber die Bntjbehrlichkeit des 
Pftüges, Uber Vertheiinng nnd Ersparnng der Zugkräfte 
gmgl, welches niN^ jetat, awdlf Jahre nach dem Br* 
adieiaea der Urschrift , w mandien Fällen Beberzigung 
▼ordient, wenn glek^ alle ITrthelle des Verfe, so Mnf«* 
stellt sind , als bestehe die ganze Welt ans Back8tela<« 
Bodeo. Das Wichtigste aber ist uns das llesuitat, dafs 
er, nach diesen Grundsätzen verfahrend, mit fünf Pfer- 
den seinen Acker besser zurichte, als seine Nachbarn die 
ihrigen mit zwanzig. Seine Pferdehacke hat gewöhnlich 
sieben eiserne, 10" — 12" lange, mit den Enden sichel- 
förmig nach Yom gebogene Fftfse, wovon drei in der 



Digitized by Google 



SlO Beatsoii u. iiiteitgUo» LaiulwirtiuicbafU. Scbirifie«. 



vordem Reihe spatelförmig, vier mit diesen alteroirend 
in der hintern Reihe konvex schaufeJförinig gestaltet 
sind ; das Gestelle ruht vorn auf einem Rade , hiutea auf 
Ewei Schleifen oder Stelzen, welche alle höher oder 
liefer §9sUaUi werUeu können, um das Eingreifen der 
FfiÜM zu regiiliren, und ist noch mit z^ei Sterzen ver<» 
sehen. Sie wiegl 1 Ceatn., bearbeitet gleichzeitig eine 
Ii" breite Strecke 2'/— 3'' tief um\ erbeischl daim nur 
m Pftrd; iie kann durch SiaschmibeA «ndrer FSte 
Sil deo «MaohfaltigstenZweckea brauchbar geoMUiht wer* 
den: lum Palvera des Bodens, mun Aafpflügen in ranhe 
Furcheil, zum Fiirchenzi eben zwischen den Ackerbeeten^ « 
2um reihenweiseii Zusammenstreichen der breitviürligen 
Saat, zum Stoppelausziehen , zum Bearbeit^en der Räume 
zwischen den Saatreihen u. s. w. üer Verf. rühmt dieses 
Instrument alseine ganz neue Erfindung, obschon selbst 
im J. 1820, und l^L Pferdehacken verschiedener Am% 
nichts eben ganz Unerbörtea waren. Doch sind sein« 
fehanfei - Füfse flachet als gewöhnlich, daher sein Gaqg 
Mchler, tlahar nber anoh imlhnrendig^r , den B#den nicht 
aagfleich u lief damit ancngreifeai doch kann man 'da«- 
mit hei der achten Fahrt den Boden 10" tief nmwfthlea 
Diese Pferdehacke zeichnet sich, gleich den übrigen 
Instrumenten fies Verfs. , durch Einfachheit und Leich- 
tigkeit vor anderen ähnlichen aus: die zweite der Beat* 
son'schcQ Schriften ist fast lediglich der näheren Er- 
klärung dieser Ackerwerkzeuge gewidmet. — Endlich 
die feine Zertheilung der Ackerkrume durch BrenncNi 
dea Bodeaa selbst, oder durch Eiustreuen TOn gebrano- 
tarn Thon nnd Mergel ist eine aus Irland und 8^iotlUtt4 
ataBuüendey dort admn eeit hnadert Jahren ftbiiohe^ um 
in Tialen Schriften hekaont gevordene« eehr awnnkinlii- 
aigo Verbaofluinngaart achwerar, nasaer, kaller GrOndo^ 
wodar^ auch zugleich deren übergrofse Wasserhaltigkeit 
vermindert, und die Wirkung der Wärme auf die im 
Boden angezogene Frucht fühlbarer gemacht wird. Diese 
feine Zertheilung des Ackerbodens in viele einzelne, 
durch S^wischenrüunie von einander getrennte K^ri^r 



* 



Digitized by Google 



Bati f ip« MMfliii, Lftii4irirUi««Ji«rM. SckKkSm. tili 

wirkt aber nun oichi blos mechanisch vortheiibait, infl«ui 
er durch seine Lockerheit die Ausbreitung der Wurzeln, 
namentlich die Entwicklung* der fleischigen Wursehi und 
Knollen eher gestattet, eine gleichförmigere Vertheiiung 
der Sämereien, ein gJeichmälMgere» Unieibriagan und 
auch wieder ein gleich föriiiigisrfs Auikeimea deffelben 
mWfli^ eofilich eiae voUkomaiaere Reinigung von Vor 
kraut erlaubt 9 dasiOimlicb viel achneUer wmI allgemciacir 
dariii» aiifktiflii uad wiedor ttmMri werd«Q kann, 
«WB deaeeo Saaniea grüfatenlbeilSrUi dioke harle I^li0l<^ 
Im dogaaelilaiiaii liegen , — soiMkri) «eiae haupleSoli* 
hchste Wirkung ist chemisch, indem jene feine Zerthei- 
luQg die Berührungsflächen des Bodens mit der Luft 
vervielfältigt, uad bi^ tief ins Innere hin fortzusetzen im 
Staude ist. Ein solcher Boden daher, (abgesehen, dafs 
seine Anziehung zum Wasser selbst verringert ist) trock:* 
'aet, weun es aa Feuchtigkeit leidet, besser aus, kann 
aber auch, weuB^er trockaer als die h^ü Isl, schneihur 
» jftäaibf viel« Feiiohtigkeit daraua anttebaa». and ivird voq ' 
aiaM ml teg^ten Lebea baMre^gtr Ist ar dabei Wkt 
Jialtlg, ao .biodki as freie 8iure aad aaiaelit ai&iieUar 
vagaiabllitclie Materie za attflMieharen Beslaodtbeilaa 
f-^ Aber, dae wichtigste aod nach am meietaa der Pt ft» 
fang bedurfende Problem in diesem Büche ist 

Drittens: dafs gebrannter Kalk oder Thon 
den S t a Ii <1 ü n g e r auf eine vv oh Ifeile Art er- 
setzen könne, indem er auf ähnliche Art den Ertrag 
der Felder erhöhe. . Cartwright hatte i. J. 1819. eine 
ähnlicbeBehauptung aufgestellt, ^ber nicht durch läogara 
Kail fortgesetzte Versuche uoterstlltat. Craig hatte vat 
daai Varf.»iUa Wirkw^ daa^gdbranaAeuThooes gerühai^t 
md itassaB AMfmaifcflaaikaitzdäfaiif galailal. Io.&a4Niiui 
eodlieh iat es wohl seil lan^ev^iSiUa, hl jedem Biiiallk* 
jähre gebräoalen Kalk statt DO ngers auf'deo schweren 
Thon-Acker zu führen, was aber bei dessen Kostspielig- 
keit eine Auslage von 47 Thir. pr. Magdeb. Morgen ver- 
anlafst. Der Verf. wollte also auch hieran sparen Vieh- 
diloger, ungebrannter Mergel, Holzascl^e, Torf u. s. w.. 



Digitized by Google 



«32 BeaUoii u. StengUn, Landn irthschafil. ScHrittea. 



waren ebenfalls zu theuer oder genügten nicht. Gebraon- * 
ter Thon und gebrannter Mergel erwiesen sich dagegen 
als die wohlfeilsten und wirksamsten Düngemittel , nach- 
dem erst wohlfeile und zweckmäfsige Oefen zum Brenqen 
dei^elben auf jedem Theile de» Gates hergerichtet wor- 
den. Dieser gelmaote TImni eivetzt nach des Veris. M ei- 
nang den Mist so Tollkommen, dafs er lelBtereo gioK- 
lieh" den Wieeen und Hopfen -üeokern anwendet und 
eelbet die Stoppeln oad RIeewarzeln giaalkh auf den 
Acker verbrennt Vier der erwähnten Oefen hmca bei 
ihm 800 Karren Thonee, ao dafs jlhrKeh lOOO-^MOO 
derselben gebrannt werden können, und dann nur ^ der 
Kosten verursachen, als der Ankauf des, zum nämlichen 
Effekt erforderlichen Kalkes. — Aber diese Behauptun- 
gen stehen mit unseren bisherigen Ansichten über die 
' Wirkungsweise und ünentbehrlichkeit des Mistes in di- 
reittem Widerspruche, weshalb wir ihnen nur nach der 
sorgfaltigsten Prüfung beitreten möchten. Sie sind Ich- 
diglicb auf eine kurse Rahe von Briahrnngen gegrttndeti 
welche der Ver£ In den dem Studium dea Ermreus ge- 
widmeten Jahren 1814— 182a gemacht hat; vielleichi 
iat die Zeit snim Studium des Entbehrens noch nachge^ 
folgt, da es nicht scheint, dafs man in England seitdem 
noch vieles über diesen Gegenstand geschrieben und ge- 
stritten habe. Es kann vielleicht bezweifelt werden, ob 
nicht ein Theil der günstigen Erfolge der Thondün- 
gung dem anderweitig damit verbundenen besseren Ver- 
fahren zugeschrieben werden müsse. Es ist selbst kel- 
■eswegs über alle Zweifei ausgemacht, dafs dieser ge- 
brannte Thon ein Ydliig reiner Thon nod nicht ▼ielmehr 
ein Meigd «eye, da dkucfaana keine AnaiTue Tarliegt) 
ao dafe seine Wiriningawelse fielleioht mit der dea ge* 
brannten Kalken xn suchen ist ' 

{Der Beiehluft folgt.) 



Digitized by Google 



ti'.M. HEIDELB. JAHRE B. UTERAtütt; 18M. 

? • ' • • • I . '. •«. 

\ • • • > • • 

Beaison u, Sienglin, Landwirthschaftl Svlivißcn, 

' Bndlich: so hoch auch In der ersten Beatso na- 
schen Schrift der gebrannte Thon wegen Wirkung und 
Wohlfeilheit über den Mist gesetzt wird, so finde ich 
doch gleich am Ein^ang^e der zweiten eine Stelle, wo B. 
sagt: „Er wolle künftig alle Ackergründe auf Knowle, 
welche das Ansehen der Erschöpfung an sich 
trügen, auf einige Jahre zur Benützung als Grasland 
liegen lassen, um sie dann zu schälen, zu brennen, und 
liDit Thonasche überfahren.'' Erschöpfte Gründe werden 
also iioch vorkommen, und nicht zunächst durch ge- 
brannten 'Aion, sondern durch Rasenbildnng verbessert 
werden kdnnen! — Bei der gewISinlichen Sns sexer 
Ackerbestelinng aber, mit gebranntem Kalke statt des 
Mistes, wird nebenbei auch noch Brache angewendet, 
und die vegetabilische Materie nicht durch Brennen zer- 
stört, so dafs dieser Fall der Beatson' sehen Ansicht 
keineswegs zur Bestätigung dienen kann. 

In Deutschland haben die Uebersetzungen die- 
ser Schriften bereits mehrfaitige Versuche veranlafst. 
Pfarrer Hau mann, einer der Uebersetzer, rühmt die 
Tüchtigkeit der Bea tso n'schen Pferdehacke zum schnel- 
len Auflockern und Zertheileu eines sehr festgefahrenen 
Bodens ; die Ltundwirths-Gesellschaft in Wien (VerhandL 
1^1. II. 187 ff.) sagt YÖn ihr, dafii sie sehr gut lockere 
ond ebene, auch oberflächliches Unkraut wegnehme, 
aber das' tiefer wurzelnde nicht heraushebe, den Boden 
nur Seicht menge, und auf schwerem Grunde nur zwci- 
spännig gehe [selbst, wenn man die Tiefe desselben nur 
allmählich vermehrt?]. — ßaron vonStenglin rühmt 
dieses Werkzeug sowohl, als die treffliche Wirkung^ des 
gebrannten Mergels [nicht Thones] statt des Stall- 
XXV* Jabvg. 7. Heft 43 



Digitized by Google 



634 Bea^^n u. Ste^igUn, Laodwirth^chafLi Sclirlfloii. 

ilüngers, und hauptsächlich verg;Ieichuiigsweise zu dem 
des rohen Mergels. Selbst im folgenden Jahre nach 
diesem aufgeführt, erweiset er sich eben so wirksam, 
indem er den Ertrag der Körner und des Strohes um 
— steigert. Doch ist das Korn nicht so gut als 
nach Mistdiingung, so dafs sich hierdurch jener Vorlheii 
fast compensirt [!J. Aber später versichern uns von 
Sftenglin so wie von Thilnen ausdrOekltch., dalsda« 
Acker -Boden des Gnies, über undurchlasseoden Üb* 
terg^runde ruhend , fast überall and selbst auf den kleinen 
Anhüben uafs und torfartig seyn, und in schmalen hohea * 
Beeten gepflügt werden müsse; dafs er aber durch An- 
wendung des gebrannten Mergels ■ — mit welcher näm- 
lich die sorgfaltigste Entwässerung verbunden werden 
müsse! ~ mürbe, trocken und frei von Queckea werde. 
Man ersieht aus anderen Stellen dieser Schriften, dafs 
die benachbarten Baaern denselben Boden durch bloDse« 
AufRihren von dürrem ödem Sande dauerhaft verbessert^ 
— dafs V« St. jedoch die magersten Aeckcar mit Miat 
dünge, so dafs man, weit entfernt, die gute Wirkung 
des gebrannten Mergels zu bezweifeiu , versucht werden 
mufs, sie der Besserung des zu nassen, aber schon hu- 
musreichen Bodens und der schnelleren Zersetzung seiner 
organischen Theiie durch den ätzenden Kalk des Mergels 
zuzuschreiben. Die Vegetation erfolgt etwas später auf 
den gemergelten, als auf den gedüngten Aeckern und is^ 
im Anfange bleich. 

V. Stenglin giebt eine ausfiihfiiehere Beschreibung 
als Beatson von den zum Thonbrennen passenden O^eii} 
die er spater noch einfacher nnd wohlfeiler gemacht hai 
Er giebt eine genügende Anleitung snin Verhütten wäh- 
rend des Brennens selbst , zur Leitung des Peners u. s. f., 
worüber B. nur aaenipfohlen hatte, den Thon feucht 
einzusetzen, weil er sonst zu hartem Backstein brenne^ 
und sich dann auf dem Felde nicht gut zerschlagen noch 
durch die Pferdehacke weiter zertheilen lasse, v. Steng-, 
lin hatte früher diesem widersprochen, und gerade sehr 
trocknen Mergel zu brenhen angerathea; später aber 



Digitized by Google 



* BotAma «. aiM%liB, LäiuMfClkMiÜl. Schriflea. M 

iMidhle er Bei Versnchen mit einetn andern, gelbea, tain- 
l^pili,%lliriüiNc «ntiitHendeo Mergel diefirfohmog eben- 
iAi Ml «r ItedHBich besser brenne, und warnl dabei 
aflÜliflcUloli 9 Ihn ja aiohl zu- stark brenneii, weil 
mao sonst mehr Brennmaterial , Zeit' und Arbeitslohn und 
%'MergcI mehr brauche, und davon demungeachtet we- 
niger Erfolg" habe, indem sich dieser stark gebrannte 
Mergel unvollständig und langsam, erst binnen ^4 Jähre, 
Ifische und zerfalle. Dieser Mergel , schwach gebrannt, 
serfüllt am Tolistandigstea und schnellsten , wenn man ihn 
nicht sogleich ausstreut, sondern etwa Ober Winter in 
ÜMlfea iRif dem Felde liegen läfst, wobei deren Volumen 
ml^lB, deren Gewicht im Ganzen nm 0,12 sunimmt, 
cMdM jeder Kubikfufs um 0,06 leichter wird. Be* 
greflffScfi aber mfiissen sich Mergelarten und Thon von 
andrer chemischer Zusammensetzung auch verschieden 
verhalten, daher die Tabelle von Stenglins, worinn 
er in den Maafsen verschiedener Länder die Menge des 
pr. Morgen jedesmal aufzuführenden Mergels genau an- 
giebt, keinen praktischen Werth anfser seinem eigenen 
G«te haben d&rfte. 

Beatson und Stenglin geben keine Theorie von 
der ehemischen Wirkung der Materien, mit denen sie 
den Stdidfinger anfönglich ganz ersetzen wollten » deren 
g^leich tnfiallende Wirksamkeit bei gänzlichem Mangel 
an Kalkgehalt, oder auf minder schwerem und nassem 
Boden, und bei fortdauernder Beseitigung aller Dün- 
g^ung mit Stallmist, wir noch gar sehr bezweifeln, da 
wir uns mit der Ansicht derjenigen nicht befreunden 
können, welche glauben, in dem gebrannten Mergel, 
oder Thone als solchem den Ackergewächsen einen ge- 
nügenden, entweder unmittelbaren, oder doch durch das 
Brennen für Säuren mechanisch mehr aufgeschlossenen 
(l^uehs, 2ierl) Nahrungsstoff zi| bieten, — da wir 
mnh nichl mit Sprengel die etwa stattfindende Am^ 
mottfak-mdung so hoch anschlagen können, als es ndthig 
wSre, wenn man den gebrannten Thon und Mergel an 
die Stelle des Stalldüngers setzen will. Wir wünschen 



976 Anftaa« « von O. F. Gntpp«. 

daher noch recht viele Versuche über cViesfn Ge/si^enstand 
anter tien verschiedenartigsten Verhältoissen angestellt 
2u sehen, damit wir bald in die Lage gesetzt werden, 
ztt erkennen , ob wir die Wirkung jener Materien grdfii* 
tentheils nur der durch sie Teranliiifeten Umftnderung der 
physischen Eigenschaften des Bodens verdanken, oiler 
in der That die frflhere ganse ehemische Hjpodiese über 
die Ernährungsweise der Gewächse aufgeben und durch 
eine jetzt noch kaum zu ahnende Theorie ersetzen und 
eine vielleicht gänzlich umgekehrte Art der Ackerbe- 
handlung ergreifen müssen. 

H. G. Br onn. 



Antäus Ein Briefwechael über speculative Philosophie in ihrem Con- 
flict mit If 'issenschaft und Sprache^ herauagegehcn von 0. F. Gruppe^ 
Berlin imJH XU «. 4CT A 8. 

Des Kampfes, der sich in neuerer Zeit gegen die 
Philosophie erhoben hat , haben wir erst kürzlich bei 
der Anzeige von „Frankels Philosophie und Leben*' ge- 
dacht.^) Wir werden hier nochmals zu demselben zurück- 
geführt, aber von einem ganz verschiedenen Standpunkt 
aus. Dort fanden wir einen besonnenen Vertheidiger der 
Philosoplii( , der eben sowohl alle gerechten AnsprOthe 
fler Wissenschaft und des Lebens den falschen Anmafsun- 
gen der Philosophie gegenüber zu würdigen, als die 
wahren Rechte der Philosophie gegen unrechtniäfsige 
Anfechtungen zu behaupten wufste. Hier dagegen be- 
gegnet uns ein entschiedener Gegner der Philosophie 
überhaupt, der es sich geradezu zum Zweck gesetzt hat, 
sie gänzlich zu ▼ernichten. Dort wurde das Verhältnifs 
der Philosophie zu allen anderen geistigen Bestrebungen 
des Menschen überhaupt möglichst vollstSudig erwogen, 
hier wird nicht allein der Standpunkt der Wissenschaft 
allein festgehalten, sondern es wird auch in. dieser Ein 
fester Gesichtspunkt hervorgehoben und von da aus, mit 
flesto festerer Conceutiirung der Streitkräfte, der An- 

*) Durch zufällige Umstände ist der iibdruck der hier erwähnten An- 
seige von „Franke*« Philot.** «.«.w. Teraagert worden. il.jRec. 



Digitized by Google 



Aft^mu, von O. F. Grqfp«. Ulf 

griff gegen die Philosophie geführt. „Die speculative 
Philosophie,'' sagt der Verf. offen heraus gleich im An- 
• fang der Vorrede, „ist der Riese, dem der gewagte 
Kampf gilt," und dafs es fortan keine Philosophie mehr 
§ehe, xiafs sie altersschwach zu Grabe sinken mÜHie, 
wenn seine Untersuchuogeo richtig sind, das ist das ent- 
ickiiedene Besultal, das er am Scliliif« des Buches aus- 
dctekiich ansspricht (& 4lfi&> 

Sda Kampf gegen die Philosophie, erklärt er sich 
daao weiter iq der Vorrede über den Zweck seiner Dar» 
Stellung, soll nicht von der unbestimmten Stellang der 
Praxis gegen die Theorie aUvCgehen, (S.III.) — die An- 
griffe dieser „ heimathloseii leichten Freibeuter" können 
nicht tief gehen. Eben so wenig will er der Opposition 
im Namen der einzelnen etwa gefährdeten und beeinträch- 
tigten Disciplinen (besonders der positiven) sich an- 
schliefsen, welche es zwar ernstlicher nimmt, aber, des 
Philosophischen selbst bedürftig, meist aufser Stand ist, 
den Krieg auf das Gebiet der Philosophie SSO verfolgen, 
geschweige denn etwas Genügenderes an die Steile an 
selaBen IV.). Der Verf. will ferner auch weder denen 
ängehdien, welche snr Philosophie hinan mflehten, aber 
aus Uttföhigkeit, sich selbststindig darin zu bewegen, 
nur über Anarchie und Unsicherheit und WIderstlreit in 
derselben klagen, noch auch zu denen, die sich über 
sie hinaus glauben und über den Schoos ihrer Meister 
auf ihre Schultern hinaus klettern (S. V u. Vf.). Es soll 
überhaupt nicht eine einzelne Meinung- der Zeit, noch 
einen liampf mit zerstreuten Massen gelten, sondern es 
soll „etwas Radicales" seyiL 

Wenn man auch bei dieser vielversprechenden An- 
kündigung beinahe glauben möchte , dafs der Verf. darin 
unbennerkt sich der Sprache jener Philosophie der ab- 
soluten Vernunft, mit deren Bekämpfung er am meisten 
beschäftigt ist, acconimodirt habe, so darf man doch 
nicht läugnen , dafs ihm Geist und vielseitige Kenntnisüfie 
zu seinem ernsthaften Kampfe zu Gebote stehen, die ein 
zu grofses Selbstvertrauen entschuldigen mögen. Worin 



Digitized by Google 



ilg ' Ant&tts, voo O. F. Grupiie. 

besteht aber. dies Radicale, das der Philosophie auf ein- 
mal ein Ende machen soll? Die Uauptwaffe, womit er 
diesen ^\eg über Jene bedeutende Macht erkämpfen zu 
können hofft, ist neu und schon darum beachtenswerth; 
«8 ist die Sprache. Aus der Natur der Spracke Midllt 
er ditt Natur des Denkens tiefer und volletäadiger zu €^ 
kÜreo^ UM der Abhängigkeit des Denkens tod der SpnK 
che sucht er darzuthun , dafs daa Denken die eigeBlhiadK 

' Mch philosophische Erkeuotoilkweiee nicht su geben yer- 
möge , die die Phllosephen in ihm an besiteen Vorgeben. 
Es mufs nun allerdings zugestanden werden , dafs sich 
von der Natur der Sprache viel Licht auf das Wesen 
des Denkens werfen läfst, wie sich eine enge Wechsel- 

. -Wirkung zwischen beiden in der sichtbaren Analogie zwi- 
schen der Sprachentwicklung und der ps^^chdlogischeu 
Entwicklung des Denkens deutlich zeigt Aber dennooh 
flMichte sehr zu bezweifeln seyn , ob eich aus der fiprarhn 
eine eolche Entscheidung über die gnnze Bedeutung des 
Denkens liIrniensohlicheErkenntoire gewinnen hme, wie 
sie hier veteudit worden ist Einseitig wenigstnos «r- 
scheint seilen darin das Bestreben des Verls., dafs er nur 
die Bedingtheit des Denkens durch die Sprache allein 
hervorhebt, ohne auf der andern Seite auch den Eiullufs 
des Denkens auf die Ausbildung der Sprache zu berück- 
sichtigen. Eben so einseitig würde der Versnch seyn, 
die wechselseitige Analogie zwischen körperlicher nnd 
geistiger Lebenstlifttigkeit allein von Seiten des K/örpees 
hef erklären zu wellett und die eelbstthütige Gegenwir- 
kung des Geistes ganz zu übergehen. Gnns fihnlieh bt 
das Verhäitnifs swischen Denken nnd %Hiich«. Die SpnH 
che ist der Körper , der sbnliche Ansdmck, die infeere 
Hille des Denkens. So wie ohne Körper kein Geist le- 
bensthätig werden kann, so ohne Sprache kein Denken; 
und in so fern ist das Denken in seinen Aeufserungen vidi- 
fach durch die äufseren Verhältnisse der Sprache be- 
dingt, wie der Geist durch körperliche Verhältnisse. 
Aber wer wollte deshalb die Gesetze des Denkens selbst 
aas der Sprache ableiten, aas der SpnMshe, die Dkr sich 



Digitized by Google 



9 



liMiM, Ton O. F. fSrappe. 

gkf nichts Seihststandiges Lst, sondern nur Hfille des 
Denkens? Wer wird aus der HÜHe den Kern, aus der 
Form dfti Inhalt erkeänen wollen? Die Gesetze des 
DeDkfMfMiMi kdiiim nur durch psychologische Beob^ 
inMiiiif -Mtmer fniierai Thatlgkeilen erkannt, seine Be- 
-talM^ fftr fflenschlielie Erkennen nur ans dem Ver- 
MMm dessellkfA za dem Ganzen des mebschfichen Er- 
MMihlft 1 11 liiCig^ens beiirtheilt werden. Unmittelbarer 
also und tiefer kann über das Wesen und die Gültigkeit 
^cr philosophischen Erkenntnifs aus der Theorie der 
Vernunft entschieden Werden, und wenn auch jene Theo- 
rie der Vernunft th eil weise aus der Theorie der Sprache 
ergänzt und erläutert werden kann , so wird diese doch 
nt^nafe' Hietir lits ein Hfilfsmittel zur Einsicht in das • 
Gru nd wesen des Denkens seyn können, ond sie wird im 
DtBkidn ttppen und schief nrtheilen Uber das Denken, 
«ferne siteieitige und tiefere ßegrundong in der Theorie 
^r Vmmnfit. Und dies hewfthrt sieh auch an dem Veif. 
♦HrgCttdS findet man eine klare und bestimmte Erklärung, 
eigentlich das Denken sey; nirgends eine richtige 
Bestimmung des Verhältnisses des Denkens zu dem 
menschlichen Erkennen überheupt, nirgends eine Be- 
stimmung von philosophischem Denken, philoso- 
phischer Erkenntnifsweise. -Hätte der Verf. sich mit 
der Kritik der Vernunft noch genauer bekannt machen 
weiteii*, ond swar nicht bios mit der Gestalt der Kritik 
tAer Vbrttiinft, wie Kant selbst sie aufetelKe, sondeitai 
Meh ^ sie von seinen selbsidenkenden Schülern , be- 
9ofidei^ ¥on Fries als philosopliische Anthropologie aus- 
gebildet worden ist, so würde er nicht in den Irrthn'm 
gerathen sevn, der durch seine ganze Darstellung durch- 
geht, dafs das Denken sich nur an <lem empirischen 
Erkenutnifsstoff zeige , dafs es sogleich ganz inlialtsleer 
imd bedeutungslos werde, sobald es sich über diesen 
empirischen Stoff erhebt , und dafs also (?) das phi- 
tosel^hieche Denken, weil es sich darüber erhebt, weil 
es ein« bloa g^edaehte Erkenntnis in Ansprach nimmt} 
glteMloB «nd nichtig sey. Diese Unkenntnifs der neueren 



Digitized by Google 



^ Jüißm^ van O. F. Gruppe. 



kriüsdien Philosophie i«t es , die iho «i 4tm Wdh« wdt- 

leitet, als sey es die Absicht aller Philosophie, oichl 
allein durch Denken, sondern auch aus Denken eine 
höhere als die empirische Erkenntnifs zu gewinneo, als 
existire also gar keine andere Philosophie, als die neuere 
Philosophie des concreteu Gedankens oder der absolulea 
VerjMUifty die sich ihren Gehalt aus der selbstotändig^en 
Bew€|giuig des Denkens selbst schaffeii zu können liähiilb 
Wenn er nun,, too diesem Wehn i^eleilet, gegßa ein 
solches apgehliches ^eculatlves Denken, des sdnea lor 
halt ans sich selbst sehaffl, seuie Augriffe richtel, so irsi 
er sehr, damit die Philosophie überhaupt su treffen. Di^. . 
neuere Kritik der Vernunft hätte den Verf. belehren kön- 
nen, dafs die Thatsache, die er so mühsam aus dem 
Wesen der Sprache und der sprachlichen Entstehung 
und Bedeutung der Abstraction darzuthun bemüht ist, 
dafs nämlich das Denken für sich ganz inhaltsleer se^y 
und nur als Hnlfsmittel für die bessere Einsicht in den 
unabhängig wqü dem Denken gegebenen Erkenntoilsstofi 
diene^vT^n besonnenen kritischen Philosophen seihst 
längst anerkannt, nod einfacher und gründlicher npch 
psiychologisch nachgewiesen sej. Vielleicht aber würde 
ihn diese Kenntnifs der Kritik der Vernunfl auch noch 
zu der weiteren Üeberzeugung geführt haben, dafs es 
demungeachtet noch aufser dem empirischen Gehalt einen 
Erkenntnifsstoff in der reinen Vernunft gebe, der, ob- 
gleich nicht aus dem Denken, doch allein durch 
Denken zum Bewufstseyn gebracht werden kaniu 
Oder wollte der V^erf auch die Realität eines solchen 
unmittelbaren Erkenn tnifsgehaltes der reinen Vernunfl 
nicht anerkennen und alle über die Erfahrung hinaus- 
gehende Erkenntnife nur als selbstständlges Erzeugailli ^ 
des Denkeos angesehen wissen, so würde eben thunit 
hierin der eigentliche Streitpunkt über die Realität der 
Philosophie hervortreten, denn diese Erkenntnifs der un- 
mittelbaren Vernunft ist es, die die Philosophie als die 
eigenthümlich philosophische für sich in Anspruch nimmt, , 
und ihre Realität muis bestreiten , wer die Philosophie 



Digitizca by Google 



Afit%M, Ton O. F. Grnffie. «81 

hekämpfan will. Hätte aber der Verf. diesen wahren 
Streitpunkt ins Auge gefa(st, so würde der Kampfauch 
aus dem Gebiete der Sprache entfernt worden se^n, die 
Waflfen des Verfassers würden unbrauchbar geworden 
se^n, und nur Kritik der Vernunft oder philosophisch« 
Anlbff^pologie würde die Entsobeidung^ zu geben haben. 
So erfÜbl sich also, dafe der ganze Kampf des Verfs., 
m§$m m mu Kaa^f g^eo die PhikMoj^e ibeJüiiat 
m^amKt^ Sei Terfehli, mit Waffen 6lreiielvfi#l 
Mf mmM vwm'SMleo , mmd die kriliidie PhUot^hie kiM 
diesem Augriff gegen ein leere«, selbetstfindiges Denken 
ganz ruhig zuschauen , ja sie kann dem Verf., als ihrem 
Verbündeten gegen eine falsche Speculation , Beifall zu- 
rufen, indem er eine Verirrung in dem Gebrauch des 
Denkens von einem neuen, eigeiithümlichen Standpunkt 
aus zu bekämpfen beiträgt , der viele Philosophen wirk« 
lieh beherrscht hat, und der tieferen, wahren Philoso*- 
iphle giröfsere Nachtheile gebracht hat , als ihre heftigsten 
*■ Ivfteven Feiade. Man kann dem Verf. ganz die IV orte 
awmfen, di« er (6. 53.) seinem fingirten Hegeraehen 
Gegner suroflt: Sie irren sich, Sie irren eich durchaus» 
mein Lieber! — Denn wo Sie in's Feld rücken, das 
gilt nicht mir, sondern nur dem, was Sie erst daraus 
gemacht haben." 

Eine neue Bestätigung findet sich in der vorliegen^ 
den Schrift für die schon mehrmals ausgesprochene Be- 
hauploog , dals es die falsche Speculation der absoluten 
¥fenmnfty der neue Dogmatismns der Identitäto- System« 
gtevcsen ist, der am meisten aur Erweckung der allge- 
meitten JSmp^ang gegen die Philosophie beigetragen 
hat» :Mi| Rocht mufste man sich gegen den unerträgli- 
cheo Despotlsmas dieses wissenschaftlichen Usurpators 
erheben, der ohne alles Recht und Gesetz, eine nnum*- 
schränkte Gewalt über das ganze Reich der Wissenschaf- 
ten sich angemafst hat. Der freie Geist der Wissen- 
schaften mufste ankämpfen gegen diesen wissenschaftli- 
chen Absolutismus, der alle andere Wissenschaften als 
sein Frohttgut in Anspruch su nehmen nnd mit unersätt- 



Digitized by Google 



Antäus, von O. F* Gruppe. 



lieber Habsucht alle Kräfte des geistigen Lebens ausztt^ 
saugen and in ein dürres Gerippe seines Systems zu ver- 
wandeln drohte. Aber wie der Kampf gegen den Abso« 
liilisimw aneh in polilisclier Hiostcfit so leicht in das 
eotgegengesetete Extrem der mtriuttoniren Anarchie 
itiemuelilagen, and mit der üngesetsinflfiiigen aoch die 
g^esefsmflMge Re^iemag^ nt bdiimpfen pflegt, m hat 
man auch Im gerechten Kampfe gegen den VernnaHalK 
solutismus des philosophischen Dogmatisnm iHe Aw^ 
Sprüche einer auf Gesetze des Geistes gegründeten und 
durch diese beschränkten Philosophie, gleichsam die 
Herrschaft einer constitutionellen Regierung in der Wis- 
senschaft, verkannt, und die ewigen Gesetze der Ver- 
nunft selbst, deren Gesetzbuch die Philosophie ist, und 
denen alle Wlsaenschaften noläwendig gehorchen mflssen, 
mnsiistarxen gesucht. 

Der Verf. hat fttr seine Darsteliung die Form rm 
Briefen gewühlt, wahracheinlieh um seiner Neigung -tm 
zwangloserer Bewegung der Gedanken besser Folgen m 
. können , die zwar bisweilen in eine zu ausschweifende 
Redseligkeit und in Nachlässigkeit der Anordnung aus- 
artet, aber doch, bei der Frische und poetischen Kraft 
der Darstellung dem Ganzen einen lebendigen und an- 
schaulichen Charakter giebt. Der Briefwechsel wird 
gröfstentheils zwischen einem jungen Freund der Hegel'- 
schen Philosophie and einem älteren Freund geführt, 
In dessen Person der Verf. selbst spricht, und -deveft 
unterbrochene Gang der Entwicklung Ist ungeAhr foW 
geoder: Der junge Hegelianer erdflfnet den BriefWeolml 
(Br. 1.) mit einer lebhafit begeisterten Lobrede auf die 
HegeFsche Philosophie und der Speculation überhaupt, 
in der er die vollste Befriedigung für alle seine geistigen 
Interessen findet, und bittet den älteren Freund um seine 
Meinung. Dieser erwidert darauf (Br. 2.) mit dem Lob 
der Empirie, hauptsächlich den sehr richtigen Satz 
durchführend, dafs die blofse Speculation die Data nicht 
vollständig in ihrer Gewalt habe, um über die Wirk* 
lichkeit nach .allgemeinen und nothwendigen Gcsctgcn 



Digitized by Google 



abzuiirtheilen , weder in der Naturwissensctiafe, noch In 
<ler Geschichte, noch in irgend einer aniiera empirischea 
Wisseoschaft, sondera dafy wir mit di«m erat im Att^ 
fküge d«r fieobachtutig und Forschung ftohen. Det 
Uk§Mmw ««cht hierauf (Br.^) cKe SpecalaÜoa maA 
MNiMMbn iKe Hsgefflche gegen 4fiese Bhmtail« 4m 
4tepM|nt' Msdiifertigen, hMim Twgen vet^ 

-Mfei'y iUk 4i* imlm, d. i H'egel'schc Speculation mit 
dhrBttqpiria inBinklang stehe, dafs sie diese keineswegs 
Wtilfltat, aber ihr das höhere, speculative Verständnifs 
neoh hiofeugiebt. Der Freund Irehauptet dagegen (Br.4.), 
dafs die Speculation der Empirie nicht aliein nichts helf^, 
sondern sie vielmehr störe, verwirre, entstelle B. 8.W. - 
tiier tritt schon besonders klar jene falsche Ansicht von 
der Speculation hervor, die er iofmer nur als eine seiehe 
4eBkl, die alles Empirische ans sich hems zn eimstr«!»» 
im vefftRlIcIrte. Bfiir diese ist es, iroii der er S. 611. mit 
Jie t fct fegen bmnte: „Seheä Sie nur «imnal, mit Mei- 
•fcer geritHiMeheB Znversicht die Speculation dem Licht, 
der Electricität, dem Magnetismus, der Farbe, kurz 
allem, mit Bestimmtheit seine Stelle in der absoluten 
Reihe anzaweisen, von je(!em etwas Absolutes zi! snjren 
versteht, da doch die empirische Wissenschaft mit sehr 
hedenklicher Miene allezeit das Geständnifs macbefi mvis, 
^afs de wohl nur jetzt diese Kräfte nech trenne, md 
dafr,t w^ton nioht alles täascht, anch ämlere Potentett 
—lifimufaUeB würden , ihnlioh wie jetel Bleetiicittt 
•mA GilninismM, Licht und Wärme schon in Tiden 
aUkmaifim eins sind.* Ner diese, der Empiffe Hofre- 
rerechten Zwang anthuende Speculation konnte ihn zu 
Üem Ausbruch eines empiristischen Fanatismus hinreis- 
sen, den er S. 56. thnt: „Hat jemals die Speculation in 
irgend einem Punkt die Empirie gefördert? Antwort: 
Nein!** Was, so fragen wir, wäre die Empirie, wenn 
Ihf flicht die Speculation in ihren allgemeineD Naturge- 
setzen die leiteodeft Mmnmen ihrer Forschung, die Ziele 
ihreit U fliermic iM i ag dargeboten hätte ? Ein blindes Um^ 
Im Hfl pf » n .In ^eiiMra unergnlndlieke« Labysiath, ohne 



Digitized by Google 



AaUuc, von 0. F. Grnp|ie. 



leitenden Faden. — Dem 4ten Brief wird ttls Beilage 
eine Abhandlung über die historische Entwicklung der 
Begriffe; abstract und concret beigefügft, die sehr viel 
Interessantesr enthält, und worin als Hesultat gezeigt 
wird, dafs der Gebrauch dieser Begrifie bei Hiegei, der 
voo abatr«ctea Diogen und concreteo Be;gril£ni aprichli^ 
ganz von der ursprünglichen Bedeutung derselben abgur 
wichen sey. — Der Hegelianer wend^ nun (Br.&) ein, 
der Empiriemus führe nothwendig aum MaterieligraufL, 
zur Eotgeisiuog der Welt; die Empirie telbet werde 
durch Denken belebt und geleitet , die Aufmerksamkeit 
und das Forschen gehöre dem Denken, und alle Erfin- 
dungen in der Empirie seyen Früchte der SpecuWioo, 
obgleich sie oft erst spät in der Empirie ihre Bestäti- 
gung durch Thatsachen finden. Hiergegen wird (Br.^) 
mit Recht entgegnet , dafs der Empirismus mit dem 
Materialismus nichts zu schaffen habe, dafs der Mate* 
rialismus vielmehr seibat eine Frucht der Speculation, 
nSmlich . eines Versuchs sey, aus wenigen unvollständigen 
Thatsachen Alles zu begreifen oder zu conStruiren, Die 
Empirie will nicht das Denken überhaupt nehmen, das 
Denken gehört nicht allein der Speculalion , sondern 
auch der Empirie. Hier aber sieht sich der V erf. doch 
genöthifift, seinen obigen Satz, «lafs die vSpeculation die 
Empirie nie in irgend einem Punkt gefördert 
habe, dahin zu beschränken, dafs die Entdeckungen in 
der Empirie durch Speculation nur angeregt und ein- 
geleitet, aber vollendet, d. i. begründet, bewieaeii 
immer erst durch Nachweisung der Uebereiastimmung 
der allgemeinen Gesetze aus den Erscheinungen, alsp 
durch Empirie werden (S. 97 fg.). Mehr wird auch 
besonnene Speculation nicht fUr sich in Anspruch neh- 
men ; sie wird nur allgemeine Gesetze — wozu schon 
das Gesetz der Einheit und Gesetzmäfsigkeit in der Natur 
gehört — als leitende Maximen für die Beobachtung 
aufsteiieii , und die Nacliweisung der Lebereinstimmung 
mit den Thatsachen der Erfahrung überlassen. Wenn 
aber ohne allgemeine Gesetze, kein Ziel und keilieilich* 



Digitized by Google 



iÜiiM, vra O. F. fihNi|fpe. M 

tiNig för die Forschung^ gegeben wäre, Weon z.B. aus 
(leim speculativen Gesetz der Causalitfii gäjr nicht die 
Avfjgiibe für dir Forschung gesteckt wire, fibertli deo 
flMMMMlllradg von' Ursache und Wirkung zu suchen, ei 
e lgi Mit'rttil uohon hieraus, dafs Speculatiou undBnqpfrie 
«uMl gMeh weseotKche Elemente für die Ausbildung der 
Naturwissenschaft sind. Sehr treffend in Rücksicht der 
neueren laischen Speculation ist (S. 100 fgg.) der Ver- 
gleich derselben mit dein geistreichen Humor, z. B. Jean 
Pauls. Beide nämlich, sagt er, haschen nach nur Ober- 
raschenden Vergleichungen des nur subjektiv und zu- 
fallig' Aehnlichen zwischen den an sich heterogensteo 
Dingt^A, ohne innere Wahrheit und Liebe. „Man muh 
Ton solchen Tei^leichenden Zusammenstel- 
hingen'zweierlM unterscheiden, wovon die einen an wirk« 
Hefa guus und gar disparaten. Dingen irgend eine zufU- 
lige Aehtilichkeit auffassen , die andern aber Gegenstände 
unter einem Gesichtspunkt vereinigen, welcher uns wirk- 
lich den innern Zusammenhang eröffnet und uns tiefer 
in das Wesen schauen läfst. Jene sind blos spafshaft 
und neckisch, diese tiefsinni^a: nnd deutungsvoll; jene 

fehören dem Witz an , diese schwingen sich empor zur 
FTSsenschaft und Philosophie , als wirkliche Keime ge- 
ahnter Naturzusammenhänge." Sehr wahr! Jene gelten 
ab gelslreicher, weil sie frappanter sind, diese dienen 
unsehdnbarer der Erweiterung der Einsdcht In jeiien 
ÜBd die neueren specnlatiren Philosophen Meistiir, und 
deswegen gelten ihre Parallellslrungen und absoluten 
Constructionen als geistreicher , als die planen Entwick- 
lungen Anderer, aber dafür haben auch jene nur Bedeu- 
tung als Allegorie, als philosophische Dichtung, diese 
aber gelten als Wissenschaft und Wahrheit. Wenn also 
der Verf. damit den scheinbaren Einwurf des Hegelia- 
ners abwendet, als ob nur die Speculation geistreich, die' 
fiuoipirie hingegen geistlos, flach und ohne Denken se^r^ 
ud'fanin'auch die bescheidene, ihrer Schranken sich be- 
wiafifte Speculation dies fUr sich In Anspruch nehmen. ~ 
Der Hegelianer hdbt nun (Br. t.) einen andern Vorwurf 



Digitized by Google 



Aa^us, v<in O, F. &ru|»|i«. 



geg^en die Empirie hervor, nämlich den, dafs sie nur 
subjektive Wal^riieit haben könne; ein wahre«; Wissen 
aber könne es oMit geben , wenn es nicht objekliv aey, 
Verofiiift nicblf wenn sie blo9 sii^ektives Wissen gebe^' 
Evkiiiialiiife mOtseUtberanstin^ des Subjeklivea «it 
dm Objektiven stfyn^ und mae solche biete nur dkeBpe-* 
cwlatioii dar, und Hegel sey es, der die IdeoHtSt dei 
Siibjektiyen und Objektiven in dem selbststlodigen Den- 
ken , das sich selbst seinen Inhalt giebt, dargethan habe. 
Dieser Anspruch auf objektive Gültigkeit der Speculation 
wird (Br. 8.) siegreich abgewiesen, indem mit schla- 
genden Thatsachen dargethan wird, dafs die gedach- 
ten Verhältnisse der Natur der Wirklichkeit nie entspre- 
chen. Keine Classification, keiae Definitioo yefel gas» 
«rf die wirkliche NoUtr, überall verschwimmen sie in- 
einander in unnierUlcliMi UebergSngen. Sie bemheli 
onr aiif de« Grad noserer Erfahroogea und vetändem 
sieli mil der Orweiterang dieser. 8ie dienen nur ani' 
Erleichterung unserer Auffassung, nicht zur objektiven 
Erkennlnifs der Natur selbst Sie sind nur Hülfs-' 
mittel zur Wissenschaft, aber nicht Wissenschaft selbst. 
— Der Hegelianer bringt nun selbst (ßr. 9.) den Haupt- 
angriffauf die Speculation , von Seiten der Sprache, der 
früher schon mehrwaals angekündigt worden war, in An**- 
regung, indem er seine Zweifel darüber äufsert, wio 
von Seiten der Sprache etwas über das Denken entschie- 
den werden können Der ftllere Freund jedoch gefert 
(Br. noch nicht bestinmil darauf ein, sondern ef 
fidurt fort, die specnlative NaturphUosopläe an prifen, 
und weist, in einer sehr interessanten Eutwickelung der 
neueren Philosophie als den allgemeinen Fehler dersel- 
ben, der schon bei den^ Alten vorgekommen: Relativität 
und UnVollständigkeit der zum Grunde liegenden Thei- 
lungeu nach. Der Hegelianer giebt nun (Br. 11.) eine 
kurae Darstellung des HegefscheD Systems, stofst aber 
eben dabei auf Schwierigkeiten^ die ihm die sohwan-« 
kande Bedeutung mancher Abstractionen verursachetty^ 
wnd erwaital di&r Hlllfe vw den Spradbunlarsnehnoga« 



Digitized by Google 



^ines älteren Freuoiles. Zu diesen geht nun endlich 
Bf. 1%. bestimmter fihef ^ und wir trefien also damit auf 
den ^genUichaft Kern des ganzen Buches. handeh 
SHtll «ämlieh üm die Bedeutung' der abtttracten Regriffei 
Wm% «umI* thmk MivmmmmuUnmgtn » theMa Alwanila» 
■linyn;. jauay im&amngmmmm^ maA bareito InOI»« 
gm {ym-^kai GlaaiiAcatiaiw» der Nalur) abgehaadall^ 

na» batraektai Warden. Der 
Hauptgedanke, den der Verf. trefflich aus der Entwicke-« 
Juwgsgcschichte der Sprache, geleitet durch die tiefen 
Forschungeil eines Jac. Grimm, durchführt, ist der: 
alle Eigeoschaftsnamen sind ursprünglich von Individuen 
gabiUjat und erst ailmähliah ist, durch Vergleichiiiig 
pi^^iahraran ladividaaB^ der individuelle Ursprung va»* 
loreii gegangen, und nar der allgcmeiDe Begriff atehen 
gaüiafciai . Bß giebl kaiaa ai^pritogUehaD, rahiaD 
griffe t waleba die Spraohe nar aamittalbar m baaeiob« 
aa» gahabi kSüe , vi^r es alto etgealiidie DeseidiiNRH* 
gen gebe, sondern alle sind nur durch Abschleifang des 
Individuellen aus dem Concreten in das Abstracte über^ 
gegangen. Die Sprache ist concret entstanden und hat 
sich zum Abstracten fortgebildet. Darin bestätigt sich 
die alte psychologische Beobachtung, dafs auch das 
Bewufstsejru sich von dem Concreten zum Abstractea «nt^ 
nicbahi Aber was folgt daraus für die Bedeutung dar 
AlMiteiifliil Gewifs niolit, dafa aia aar in der Verbin* 
iiuif^ nit 4a« lodividaeilan Bedaatoag haben, nnddafii 
a^ kalaa at^rftaglidien Danbfortnen gebe. We Katega»- 
Ha« a;B. aiad allerdings ursprünglich im Manachengeitto 
gegeben; dennoch ist gar nicht zu verwundern, dafs die 
Sprache dafür nicht unmittelbare und eigentliche Bezeich- 
nangea hat, sondern dafs sie sie erst allmählich aus dem 
Sinnlichen und Concreten darauf überträgt. Die Sprache 
eatwidielt sich an und mit dem Bewufstseyn; daa Be» 
waMeejn aber hat nicht unmittelbar diese KategorieRf 
sondern aa tndat m» eist an dan woalichen, empirisches 
V^ fi la Ma a fa n, «ad ewtattmShiig eatwiokak aa sie durah 
Ahat ra o tlop aon i$n Beaaadacan oder Goacr alan. Daher 



Aaiäa« , v«o O. F. Oru|p|ie. 



klebt natürlich der Sprache, Bmoh in ihren absU'acteren 
Elementen, doch immer das Concrete an, sie bring-t die 
Zeugniese voo ihrem sinnlichen Ursprung noch in ihre 
lidhere, geistige Ausbiidung mit. Aber das folgt aller- 
«KafS damwi, dafs man 4er Sprache sowohl als dem na- 
tirilchea Batwickelnogsgang des fiewttfstsejos Kiraog 
anthat, irean maa das Abstraete als das Urssprungliolie 
gleich ▼oraussetst md ans diesem ent das Goacrete her- 
ausbringen will; and fa so fern leidet diese Mach Weisung 
eine fruchtbare Anwendung auf die neuere Speculation 
des absoluten Denkens. — Der Verf. unterbricht (Br. 13.) 
die ferneren Untersuchungen über die Sprache, und 
schiebt eine Beurtheilung des Hegelscheu Systems von 
dem theologischen Standpunkt aus hinein, worin setnd 
philosophische Construction des positiven Christenthums, 
besonders der Dreieinigkeit, sehr got in ihrer Niclitig-* 
keit anfgewiesen and gezeigt wird , wie ein irreligidser^ 
«aehristlicher Geist sich Tergebens hinter leere dialek- 
tische Formeln an verbergen sacht Im 14ten Br. wer- 
den die Sprachuntersuchuogen fortgesetzt; si^ werden 
auf die abstracten Verhältnifsbegriffe fortgeführt und be- 
stimmter auf die neuere falsche Speculation angewendet. 
Es werden scharfsinnig jene leere Sophistereien aiifg-e- 
deckt, namentlich bei Hegel, die hauptsächlich aus 
Sul>stanziirttng der blos abstracten Verhältnifsbegriffe 
entstanden sind. Dem in diesen Untersuchungen herr« 
sehenden Grundgedanken, dafs der menschliche Geist 
sich fiberall von dem Besonderen au dem Allgenieineo 
entwickelt habe, stellt der Hegelianer (Br. 16.) die enl^ 
gegengesetate Ansicht ^vgenOber, indem er in der Ge> 
schichte einen Fortgang von dem Abstracten zu dem Con- 
creten darzuthun sucht, und dafür die Hauptmomentc 
der Hegelschen speculativen Construction der Weltge- 
schichte aufstellt. Der 16te und 17te Br. zeigen die hi- 
storische Unrichtigkeit dieser Construction an der Welt- 
geschichte sowohl als an der Geschichte der Philosophie, 
and nun streckt (Br. 19.) der Hegelianer die Waffen. 

(Dtr B%9thluf9 folgtj 



Digitized by Google 



4 



44. fI£lD£La JAMRa UT£RATUR. Idli. 



AntäuBi wm F. Gruppe. > 

■ • * 

Br* ao. IL «od 22. Msen thaiki die Spraehuiitoffm- 
cimagsen noch weiter fori« tbeUs wid#r]egea de noch 
mäUuBiOm die.Hegd'flclitf Wdtoonitraclaoii. Im Usteo 
Br. tritt aeeli ein aoderer Frennd des Hegelianers, der 
ebeofalls der Hegelschen Philosophie lebhaft ergebep 
gewesen , als eio durch speculative Selbstverzweifiung 
bekehrter Pietist auf, uod fuhrt uns damit eio wahres 
Bild von den Wirkungeu dieser sich selbst vernichtenden 
Philosophie vor Augen« Der 24ste Br. endlich stellt 
apchinals den Gang der Untersuchungen loinl; zusammen 
mad «pricht dann die gänzliche .Verniclitii^g der Philo^ 
«opbie als Resultat derseibeo aus. 
t Wie dieses Rssvitat mir auf einen Mifthtanch der 

Philosophie SU besohrlnken sej^, ächte Pbilosopbie hin- 
gegen iloi Wesenfliehen mit diesen Uotemchvngen in 
Einklang stehe, ist schon oben im Allgemeinen gezeigt 
worden. Jetzt können wir dies durch einige beäoaUeie 
Bemerkungen noch näher erläutern. 

Zuerst berücksichtige man, dafs der fingirte Be- 
Präsentant ein Hegelianer ist, und dafs dadurch Hegel- 
sehe Philosophie und die mit ihm in der Methode der 
Speculation übereinstimmt, immer der Gegenstand des 
Streites ist. Hegeln nennt er sehr oft als deiyenigen, 
dar die Philoso|ine mit der grdfrten Conseqnenz ansge- 
bildet habe (S. 44fll). .Ferner sdnen Grundirrthura 
ttber die Philosophie spricht er gans vnverdeckt 8. 447. 
ans: 9, die irrige Meinung, dafs sich aus den Begriffen 
selbst, wenn man sie auf die Folterbank spannt, Er- 
Icenntnills ableiten lasse, und zwar eine Erkenntnifs, 
welche der sinnlichen und wissenschaftlichen (?) an Si- 
dierhnity .NQthwendigkeit und vollkommen genügendem 

ny« Jahrg. 1. Hf^ 44 



Digitized by Google 



09 Autäuü, von 0. F. Grappe. ' 

* Zusamnieohange weil vorgehen soll, — hat Hegel mit 
allen (?) speculaiiven Philosophen gemein, so alt nur 
die Speculation ist , mit den Eleaten, mitPlato, mit Ari- 
stoteles, mit allen bis hinauf zu Locke, zu Kant und 
dann insonderheit den neuesten deutschen Philosophen. — 
Noch kein (?) Philpsoph ist davon frei gewesen und 
keiner kann darohne yerstandea werden/' Diese Ver- 
wechslang jder Erkenntaife ans Begriffen oder Oraken 
out Erkennioife durch Begriffe UeTe dem Verf. dm 
Ufesen der BrkennlnisBe a prhri gäna verkonnen. Br 
rechnet iiUe Erkenntnifs a pthri zu der aus bloflM« 
Dejikea abgeleiteten oder in dem Denken als ursprüng- 
liche Qualität desselben enthaltenen Erkenntnifs 
(S. 273 ). 

Es ist bereits zugestanden worden , clafs die Sprache 
irefilich die Art erläutert, wie der Mensch sich des Ali- 
gemeinen, der Einlieit, der Erkenntnisse a jtriori bo- 
wufst wird, und in dieser Hinsicht raufs das Denken 
«Uerdiogs nothweodig den Gang der Sptachentwicke* 
Inng gebunden eeyo, aliäl», wie hier sehr gründlich go- 
ceigt worden Ist, an den Fortgang von dem- Öouev^ten 
cum Abstracten; dies entscheidet aber durchaus nichts 
über die Realität und Gültigkeit des Abstracten, nichts 
über Erkenntnisse a priori, über blos gedachte. 
Dichtempirische Erkenntnifs. Das Denken ist nur für 
das Bewufstseyn jener Erkenntnisse a priori das Mittel, 
nicht ihr Inhalt, wie die Sprache das Mittel oder die 
Form für das Denken. Also Sprache ist nur das Mittel 
des Mittels , die Form der Form, Zweck und Inhalt hin- 
gegen gehdren davon unabhängig ursprünglich und un- 
mittelbar der rsioen Venranfl. Die einfacl^, geringste 
• Abstraction , das Denken des niedrigsten AiigemeiMn, 
'bleibt unerkl^rHch ohne die Vorausstftsung ^ner un* 
' mHtelbaren Vernnnfteinheit der s. g. transcendentalen 
Apperception ; gerade weil das Denken, wie der Verf. 
- richtig darzuthun bemüht ist , keine Schöpferkraft hat, 
kann es nur schon gegebene Einheit durch Abstraction 
wiederholen. . ... 



Digitized by Google 



Woher düs unaufhaltbare Streben der Sprache voa 
dem ConcreteD zu dem Abstractep? wenn nicht die Natur 
de^ meuschlicheu Geistes diesen Gang fordert, wegea 
der in ihm iiegendeo Einheit , die zum Bewufstseyn 
•l4rabL Sind die Abpimctioneo nur willkühriiche, nicht»- 
-li«da«toede Pietionen der Hinbildungskraft, oder dieaoD 
sie uns zu wirklicher ^kcnntoib? Der V^f. goHeht, 
4td§ w Uttlfsinill^l siir Elrkwitiur» sind , «iemügsoii 
«Im» d<»di IStmn Pß^MUa^ wacf xur voUsandigen Er- 
k iPtilni fe wee«9tfMl geh^t. Ms, was die Abstractionen 
onser^r Erkenntnifs hinzugeben, ist die Einheit des 
Mannichfaltigeii oder des Manniclilaltigen als Eins. Wie 
wäre dies aber möglich, wenn die Einheit nur Erzeug- 
nifs des Denkens wäre, wenn sie nicht dem Wesen der 
Vernunft angehörte? — Warum bildet die Sprache gor- 
fMde diese oder jene Abstractiouan ? Der Verf, sagt: nur 
MI d^ Beqvemlicbkeit willen; um etae ganze Reihe 
mn Vor6tel|u«g«n durch Ei« Wort fapsapimeq zu bezeich- 
Aimr wmm wird ans dies bequ^emer su denkeii? 
Warnm wird dfis Biiiiiiche lichter yorgeslelli als die 
Reihe ih^ Ginxelten t Weil die Einheit eio wesentliches 
BtemeDt des Erkennens ist; weil die Einheit als Grund- 
gesetz der V'ernunft unserem Erkennen zu Grunde liegt, 
und jede Abstraction diese Einheit theilweise ausdrückt^ 
also theilweise das Grundgesetz des Erkennens anwendet 
Keineswegs also ist es nur ein Naturgesetz der Sprache. 
Es ist nur ein Gesetz der Sprache, weil es ein Gesetz 
d«9 6r)(^wiien^ , Die Einheit liegt iinmer als Idteoder 
. Ijrrunds^^, als unerfüllte Form zu Grunde^ das Bfaa- 
oi^lfilallige äoU. in der Einheit gedacl^i werden. Aber es 
gescUehl» moh' der siBfllichen Beschranktheit der Ver- " 
minft , iimner mir tbeil^reise und beschrankt in einzelnen 
Einheiten der Reflexion. Gan« richtig zeigt daher der 
Verf., dafs wir die V^orstellungen «les Allgemeinen und 
der Einheit nie anders als an dem Besondern und Man- 
nichfaltigen finden; denn die Einheit liegt nur als 
■ jeere Form in der Vernunft, aber diese Form zeigt 
• sidi 4itf>h üotjhwejidig an jedem wirklichen Be^on- 



Digitized by Google 



MW L. Döderlein, Lateia. Synonjmc 



deren, und sie gehört nothwendig zu der voUendelea 
Erkenntnifs des Menschen. 

So mag also die ganze ausführliche und gründliche 
Dedaciioii des Verfs. als ein sehr achtungswerther Com- 
mentar zu der einfacheren psyi^iologischen DeducüM 
gelten, dafs erstlich da« Deokea nicht aelbsisläiidig« 
Schöpferkraft im Erkennen sej, sondern eine unmittel- 
bare Vernunfleinheit als seineir Gegenstand ▼oranssetoo, 
nnd sweitens sich nnr an demCeocreten entwickln kflno«, 
weil es der Bedingung sinnlicher Anregung nnterworfen 
ist Sie trifft aber nicht im Mindesten die tiefere spe* 
culative Ansicht von einer nur durch Denken erreich- 
baren unmittelbaren Vernunfterkenntnifs. Es ist nur das 
Irrlicht der Heß^el'schen Philosophie und derer, die mit 
ihm einer gleichen Methode der Speculation folgen, das 
ausgelöscht wird , aber nicht die nnhewegiich fest ste- 
hende Sonne der unmittelbaren Vernunft, die nach Kants 
Vorgange hauptsicfaiidll Fries gegen alie Angriflb- des 
Empirismus — und dies ist auch der Character dieoes 
Aogriflfo, ~ volUuNDmen gesichert hat 

IL Schmid, 



Lateinische Synonyme imd Etymologien von Ludwig Döder- 
lein. Vierter TheiU Leipzig 18S1. Im Friedr. Wüh. Vogel, 
XXU ti. 482 9. in 8. 3 fl. 45 kr. 

Schon dreimal haben wir in diesen Jahrbftchem 
dieses Terdienstvolle Werk, dessen Werth bereits aner^ 
kannt ist, und keiner weitern BmpMiiung bedarf, will- 
kommen geheifeen, und begrüfsen mit ^eldier Freude 
auch diesen vierten Band, der an Gehalt keinem der 
frühem nachsieht, an Umfang das Volumen des ersten 
nnd zweiten zusammen übertrifft Das Werk ist eben so ' 
förderlich für die Wissenschaft, als brauchbar für Schul- 
männer und Studierende, eben so wichtig für Beobach- 
tung der Reinheit und Feinheit des klassischen Sprach- 
gebrauchs , als für gründliche Einsicht in die Etymologie 



Digitized by Google 



ua4 Etymologien. IVter Tlieil. ül 

und WortbilduDgslehre. Der Verf. giebt von seinen 
Zwecken in dieser Hinsicht in der Vorrede weitere Re- 
chenschaft , und antwortet am Schlüsse derselben mit 
Rohe und Würde einem Recensenten, der ihn die alt- 
deutsche Sprache und daa Sanskrit in seine Forachongea 
hatte hereinziehen heiÜMn. Dafii der Verf. das neaeite 
Weik über lat. Symmymk, vqd Habicht, benfitst 
habej wird man erwarten. Sohweoks etymolegischea 
WMeilNMh, obgleidi IttT. enchieoen, iat ihm enrt 
mm Sehlnaae der Bearbeitung dieees Thdles zugefcom« 
MB. Neeh «enger keoate er natttrllch daa so eben 
evaekieBeneWerk Yon Ramshorn benützen, welches 
die Stelle der Brneati'schen Sjraon^mik zu vertreten be- 
stimmt ist 

Wir haben in unsern bisherigen Anzeigen dieses 
Werkes, ohne in ausführliche Discussionen über die eia- 
zelnen Artikel einzugehen, wozu der Raum dieser Jahr-» 
bicher stell nicht eignet, jedesmal eise Auiahl Ton Be- 
^ metknagen eiodergelegt, deren. Werth wir gerade nicht 
lioch anschlagen wellen, die aber doch nn einiger Ver- 
▼oHsttadigung vnd Berichtigung , wenn auch zum Theil 
mir in flnfrerUchen Dingen, dienen mögen. Wir ent- 
halten uns, der Kurze wegen, den grofsen Werth des 
Buches für Kritik nicht weniger Schriftsteller, auch für 
Etymologie und Synonymik der Griechischen Sprache 
u. dergl. ausführlich herauszuheben, oder einzelne be- 
sonders gelungene Artikel anzuführen und auszuziehen, 
da des Goten, ja des Trefflichen, so viel ist, dafs die 
Auswahl schwer wurde, und man dennoch ohne Studium 
des Werks es nieht in seinem ganzen Werthe schätzen 
kann. S. 4. sagt der Verf., er habe eine Stelle (eJf ora- 
ddo haee faiam etse Pifikiam feruni), i^lche Hill 
ans Cic N. IXM. anführe, nicht anffinden kfinnen. Na- 



*) Lateinische Synonymik. Nach Gardin- DnnicsniU S^on^mM 
iutins. Neil bearbeitet and vermelirt -von Dr. Lndw. Ramtborn. 
I. ThI. A — F. 522 S. Lpsg. Bannafirtner, 1881. (neue Aul1ag:e 
der Allg. Lat. Syi)on:rmik v. EmcstL 1 <!.)• *" Wir werden 
darüber nächttcn« Bericht erstatten. 



Digitized by Google 



694 . ' Ii. Oödcrlcin, Latein. Synonjoie 

fürlich : denn das Citat hat einen dreifachen Fehler. 
£rstlich ist die Stelle in den Büchern de Dwm. Zwei- 
tens ist die Zahl 94. weder eine Capitel- noch Paragra- 
phenzahl, sondern die von Nizolius citirte Aldinische 
Seitenzahl. Drittens ist auch diese zuHillig bei Nizolius 
folscfa, denn es soll heifeen 97. b. Endlich ist die Stelle 
(de Div. I. 3T. 81.) auch für den Zweck des Vierft. iMit 
zu gebrauchen 9 denn es steht dort jetst aus den Haad<- 
Schriften effaiam; wiewohl nochOlivet) dieSwelbrMref 
und die Mannheimer Ausgabe fatam haben. Ehiig;« 
andere falsche Citate, die wir bei dieser Gelegenheit 
berichtigen können , sind folgende : S. 45. unten : Cic. 
de N. D. I. 19. 49. nicht 18. — S. 166: Cic. Tuscc. IV. 
14.40. nicht 50. — S.252: Cic. Tuscc. I. 19. 44, nicht 
14. — S. 261 : Cic. Tuscc. II. 25. 5a nicht 11. 58. — 
S.280: CicSomn. Scip.3. nicht 2, wo die Handschriften 
eomplexus, nicht amplexus haben. — S. 91. steht ans 
Tacit. Annall. VI. 10. falsch Fu»n gmmd für Fujii ^ 

fnhti S. 93. (17.) mnfo das Sall«stisch(e Fragmeuil 

(senecio corpore) cittrt werden als aus dem IVten Buche 
seiner Historien genommen. Bs steht bcn Pris^anlM de 
Arte Gramm. IX. 9. p. 464. X. 8. p. 487. ed. KreM. Ib 
Kortte's Ausg. des Sallust steht es S. 980; in IJavercamps 
Ausg. T. II. j). 86. — — Was hier gegen die Conjectur 

des Ref. zu Cic. Sen. 20, 73. iXs'ysiov oder elegium 
statt elogium zu sprechen scheint, bestimmt ihn noch 
nicht zu deren Zurücknahme, besonders da er sogar in 
neuester Zeit eine gute handschriftliche Autorität dafür 
erhalten hat. — S. 17. auf die Anfrage, auf welcher Ad* 
forität das beliebte dherth verbi$, fftr ausdtücklh^h 
und bestimmt, beruhe, erwiedern wir bestimmt: auf 
keiner. Die diserta verha bei Ovid ex Ponte III. 5. 0. 
gehören, wie der erste Anblick der Stelle zeigt, nicht 
hierher. — S. 19. Die Note und Lesart nach Nonius zu 
Cic. de Rep. III. 16. 18: non sunt m disput ando 
tmfri für dissercndo ist von A. Majus, und nicht vom 
Ref. , der übrigens ganz mit ihr einverstanden ist. — 
S. 26. können wir uns mit der Etymologie des Wortes 



üiyilizea Dy LiüOglc 



■ 



vermis von serpo , die allerdiogs schon Th. 1. S. 3T 
steht, noch nicht befreunden. Vermis ist sicher das 
Griechische eX^tvq^ von der wälzenden Bewegung (Ao^ 
iXLaadj) so g^enannt. Das K geht oft in r über (inao 
sehe aar fiockiis AIUl you dem Uebergang e der Buch«» 
Stäben in einander im 4toD. Bande von Creuzers and Daiibs 
Studien S. 384; wenn wir auch den oft WaUres mit Fal- 
^ wAm mwcheodeii G. J. Vossius de Permiitatione üt^ 
iMuiD^ Vor seine» EtgriaeL L. L » oicht citiren walleo)» 
EiBiMi, dessen Biieh Ton der V^rwaodtschafl der Dent- 
schea mid Grieeliisehen Sfurache Hr. D. citirt, greift biit 
gar 2u oft aus der Luft, und hat sein e^/uo) ads epnto 
selbst gemacht. Nicht mehr Vertrauen können wir der 
Ableitung von saevm aus vae, als der sehr unanalogen, 
Analogie des aivo^ von at, schenken. — S. 34. möch- 
ten wir fragen , warum doch recusare ein Frequentati- 
V4im von cudere seyn soll, da sich sein Begrift^ doch| 
so gat wie in mcttaare, exeutare, accuaar^s zwang- 
^ laser und natürlicher aas omaa ableiten zu lasseii scheint! 
^ & 19. kommt es aas schwer apy scmderc von eadfire 
keisaleitea, da ax,i4»9 SXlAß, so nahe liegt, und 
imgo ans TATQ, so analog ist. In »cMo erkenn^ 
anr aaeer scheidea, schneiden and schinden/ 
aberi'n raedo den Begriff fällen, wie in seiaeni Stamm« 
cado den Begriff fallen. — S. 61. Dafe sewiJ mit S©- 
tnita von secare herkomme, wie cxamm von exigere 
(was wir gelten lassen) oder Umes von levare (was wir 
Stark bezweifeln) will ans noch gar nicht zu Sinne. Senü 
ist das Griechische i5|txe — , komme dieses her , wo es wolle ; 
von secare kommt es schwerlich. — So will uns auch 
S. 60. froßcisci von pravehi nicht zu Sinne. Wir blei- 
Jbea TOC der Hand bei J^aeere und denken an die Re- 
4en6art tu hmo factsse. — S. 10. Die horizontale 
Flädie (aequum) mit der perpendicularen Fläche 
(aiisi$) etymologisch in Verhindnog zu setzen» dünkt 
.aas mit dem Verf. zn kOhn. — S. 14. Was man auch zu 
Ableitungen lateinischer Wörter ans orientalischen Wur- 
zeln saga (wovon sich die auffallendsten Proben bei , 



Digitized by Google 



L. Döderloio, Iiateui Synonj^me 



A. Cozzolini Exercitatt Miscellaon. [4. Ncap. Ittl.] fin- 
den, so wie bekanntlich bei Sickler die seltsamsten Ab- 
leitungen Griechischer Wörter aus Hebräischen Wurzeln 
zu finden sind); bei mare kann Ref. nicht umhin, ao 
das Hebräische Wort za denken, welches Bitterkeit be- 
zeichnet. Dagegen kaon er der etjrinologischen PhantMw 
des Verfii. nicht folgen, wenn er mi<rßvg auf ngixa^ - 
«nd dieeee anf Tcgh Burflckaihrt (S. W.) — a85^ wifd 
eine Stelle mi« Ckt, de Diy. IL M. 10, wie c» beifet, moIi 
Pearce's nnd Orelli'e richtiger iDterpmeiiMi , abgedmdkl 
« Allein diese Interfiunotion & weder Penrce'e noch OreiliX 
noch auch die des Ref., die ihm allein di^ richtige 
scheint: credo Romuhim — habuisse opinionem, esse — « 
augurandi scientiam : ( errabat enim multia m rebus 
anliqiutcis , ) quam — jam — hnmutatam videmus, 
Macht man mit Hrn. D. nach scientiam ein Pnnct , und 
nimmt man keine Parenthese an, so geht qttam auf aar 
iiquitaay und der Sum ist falsch. ^ S. 104. Dalii pka 
eine Nebenform ven heu», gnl, ecgr, davon kam tioll 
fte£ nioiit fibdrseugen ; eben so wenig , daib reMotw 
{yon eo, Uo, bUo) eine Nebenfotm von repedmre sej, 
welches doch so natürlich mit jiea EnsammenbiBgt« Sm 
kommt es uns andi viel natlirlicber vor, tittdium mit 
o-JToudi?, und apondere mit aneydeiv als eng yerwandt 
anzunehmen, als jenes von Itmdere, dieses von pondiis 
und pendere herzuleiten. — S. 12T Der Unterschied 
zwischen aumere und accipere, den der Verf. ans Caper. 
Orthogr. p. 2253. angiebt, sumimua ijjsi, acciphnua ab 
alwy wird in zwei handschriftlichen Synomiken, die vor 
uns liegen ( Cicerank Uber d^erentiarum und Uhfr de 
fraprwiaie sermonum) so bestimmt: im erstem : mmh- 
mu8, quae poaüa mmi, noatra vokaUaie: aeoqpimm, 
qifae ah aUo daniutf Im sweileo: »minm», quae pth- 
sUa mmts acdphnuB, quae trihumOur. — S. 149. klingt 
es sehr paradox, dafe metnhrum mid pare verwandt 
seyn sollen. Ist aber usgog mit pare Eines Stammes, 
dann ist es doch natörlich. — S. 158. hätten wir, bei 
Gelegenheit von dirimere und dtvidere^ auch diribere 



uiyiiized by Google 



t 



wui £lf«iol^^. IVicr Tlitil. m 

(4f. h. dishihere) berücksichtigt za sehen erwartet, wor- 
über so ;[^rundlich gehandelt wird in der wichtigen Vor- 
lede, die E. Wiioder seineu Var. Lectt e Cod. firf. vor» 
fftmtaL hML — ^ S. 162. Z. 8. sollte valeo von quantmm 
l^emt sejo. — S. 182 fg. heUSü 6i: ^Dafii maoiemf 
tber.Biftlbi|^, eio HeriTativni tos mÜv, ein 8y— ■ 
B^mun M i wif g ug , «ad mir ein HoiiMlymm toq I»» 
> ungewalml teilt iü, htbe kh achon Th. L 

& 117. enübal [mIH« iMiAMS wm ■twdwn gesvelu]. 
Jm dieMT HiMMsyM Iii «ine ediiwierige Stelle in Cia 
Rep. I. 40. zu erklären : Tarqumio exacto tnira qua* 
dam exultasse popnlwn insolentia Ubertatia. Man mufs 
DämUch msolentia zweimal, und zwar in verschiedener 
Bedeutung, denken: erst alsmitUebermuth zu mira 
eJtttltasse, dann als aus Uiig-ewohntheit, zu Uber* 
taUim Den gieichea Sioo sucht Moser durch Einschie- 
hang IM Ucentia zu gewinneo." Der Ref sagt näinlicli 
dort: fernem msolentia Ungeivohntheit heifseo eoU, 
^ eo pafti mSra nicht reciu dam, weil ee nniftritch , and 
gmr nieiH ra Terwundern gewesen sey, dalli das VoUc der 
Freikol nngeifohnt wnr; icli veransse deswegen.: nUrm 
fuadam es^uliasae popukun iieeniia, hsoienHä U* 
bertaiis. Passen wSrde dagegen ndta, wenn inaoUntim 
Anmafsung oder Ueberinuth heifse. Allein dann 
stöfst etwas Anderes an; wir meinten den Ausdruck 
tnira Ubertatia inaoleniia exultare, Ref. erlaubt sich 
hiezu nur noch die Bemerkung, dafs das doppelt Denken 
der inäolentia, in zweierlei Sinn, die Stelle recht gut 
erklärt Aber ob Cicero, wenn er so verstanilen sejra 
ipoflle, so schreiben durfte, oder geschrieben iiättoi wie 
es im Texte steht, ist eine andere Frage. Aller andl 
wiclclicii sweunal in sweierlei Sinn gesetnt (etwa : ndta 
mimdam eamtUane popuban insoUntia, msoleitlla 
Uberiaik: wo denn das erste Ueborniuth, das sw^te 
'Ilngewohntbelt hiefse), mdcbte der Wiin doch sehr 
unciceronisch sey , etwa wie der Doppelsinn des Wortes 
Versprechen in dem bekannten Verse: EJin solch 
\ erspr ecken nenn' ich ein Versprechen. — 



Digitized by Google 



000 U Uödcrlein, ltfit«in. Synonyme 

S. 195. Note. Wir geben hiezu die Unterscheidung un- 
seres handschriftlichen Liber diiferentiarom : ignommia 
hnponitur ab eo , qui polest ammadversione notare 
[nicht notarif wie Hr. D. aus Forceitini nach Fronto 
schreibt, wiewohl Fronto selbst notare hat, Sw4W. d«r^ 
Frankf. Aasgabe fiea A. Mains] : infamia ex muMomm 
smrmm^ nmoHmr. — S. ML 11. Wir wUtden mäb^ 
denklich oomMmn cmwmewe ablmteo: an om^ 
vooare ist gewife nielit zu denken. — & M& AdmÜB 
dnrch sociäüs anf seqid Barlekinfllif en , dllnkt mm 
doch weit unthunlicher , als die neulich versuchte Ablei- 
tung von sedes, was freilich bequemer durch si audiSy 
als durch si audes , erkh^rt w erden würde. — S. 218. 
und 225. machten wir folgende Betrachtungen: „Also 
tardtis soll nicht mit bardus ^ ß^aBvg^ verwandt seyn, 
da ^loch die Analogien von ßj^araca^ iussio, rdpBTQOP^ 
terebra, Atirpa, Uhra dalittr sprechen? Es soll von 
ierete sc. tempus herkemmen? Mirdinkli dte8pcaolie 
liiidet nicht erst Tropen mit Ellipsen, an ihinn ens der 
elilptischen Metapher eine nene Wortfbrm ■« sobaflfeo. 
Begreiflicher wäre «M der Uebergang der sinnüchen in 
die moralische Bedentung, wenn s. R die AbstanHining 
des Verbunis opto vor 6%Touat, oder gar die von spero 
aus (tttsIqgj richtig wäre." Doch wir wollen nicht ab- 
sprechen ; wir bemerken nur, dafs unsere beiden Mann- 
Scripte etwas Besseres geben, als der Grammatiker Pa- 
lämon (in Mise. Nov. T. IX), dessen Erklärung der 
Verf. abdrucken läfst. Im / i6. de propr» serm. heifst 
es: tardua est, qui detrahU [an einer andern Steile 
heifst es das. trflhk] ien^uBf mers^ qui eine eKrie;. 
nuUkia ejßcü capax; piger^ qui per mmia aegro 
äimiUe est; aegm»f remoiua [P^L eemOm, was ge-^ 
wift emnetue heillMn soll] o oa&te [bei Pattinion Mgl 
noch eokndii wovon unser M8. nichls weifs]. Im Idber 
differcntiarum steht, wie Hr. D. ableitet, tardus est, 
qui tempus terit, und unten bei segnis wirklich äc- 
motus, — S. 23T. in der Stelle des Festus heifst es: 
Perftigam — qui idem dicitur tranefuga [nicht 



Digitized by Google 



V 



perfuga, wie der Verf. giebt;] auch »tii vobmtate Hur 
MIO, und quamquam 8 int für »tinlj weoi^teo» la Se»> 
ligers Ausgabe. Die beiden letBtem Abweichungen will 
4er Ref. nicht empfehlen ; die etflte ifll ticher dee BidH 
tige. — & 348. werde« wir fewarol, cM» sieht , mii 
Vosshw, mit xdi^^ » Verbimiung zu eelwB, MDiieiii 
Iren eonw, asekgtmni «bcaieiteo. Wanmi eeU den 
MM gvnide aeeAg^reu iieifiieiif Giebl ee sieht eise 
Menge grauer Dinge 9 80 dafe dfe Asche wohl schwer- 
lich durch ein Wort bezeichnet \vor<len ist, welclies nur 
. Oberhaupt etwas Graues bezeichnete. — S. 255. weicht 
unser Lih. de propr. sertn. wieder von dem angeblichen 
Pa\'äinon ab; es heifst : ulcus per se exit ; vulnus _ 
ferro; plaga potest esse planus jactust Ita ulcus 
lenitaih est, vulnus gravUaiis; plagae verberavo^ 
cemtur. — S. 256. nillssen wir eine BemerluHig machen^ 
die anf melirere andere Fftlle palet Hr. D. sagt: ^Plaga 
mußt nicht unmittelbar von TtXiyjfif abgeleitet werden, 
als sey ee in der historischen Zeit ans der Griechischen 
Sprr^he entlehnt, wie unser Blessur ans der Franzli- 
sischeo." Daen bemericen wir : wenn wir sagen : plaga 
ist das Griechische n'kn'^ri , so behaupten wir nicht, 
plaga sey als in der historischen Zeit aus der Griechi- 
schen Sprache entlehnt zu betrachten, etwa wie sphaera, 
philosophia; sondern beide Wörter sejen an sich eins, 
also gleich alt, und das Griechische habe nur die ionisch- 
attische Form. Ja, wenn von älter und neuer die 
Rede ist, so erkennen wir in denjenigen Wörtern der 
Römischen Schriftsprache, die offenbar Griechischer Ab- . 
knnft oder Griechischen Ursprungs oder vielmehr Stam- 
mes sind, meistens ältere Formen, als in der gebildeten 
Griechischen Schriftsprache. — Nach S. 257. soll tflcus, 
durch das Medium von hhdcus, von hhre herkommen. 
Hier ist dann doch im Derivatum keine Spur vom Stamme 
geblieben. Das ulc — ist in ulcus offenbar die Wurzel; 
in hiulcus sind die Buchstaben ulc — blofse Ableitungs- 
buchstaben (oder, wenn man will, aus einer Zusammen- 
setzung, gar eio Stück eines andern Wortes), in Ver- 



Digitized by Google 



«rhifideues TOB d«B, wwder Hr. Verf. aus demPalaroon 

Conpin.««]: --^f«? /«T».« «^rÄJ!?*^ 

trid^is viventia hominis [<l.e beiden lOrten Wl>e 
w Pal niobtl Im zweiten steht : sangws dtcMW fl«» 
Ä^o^rpMW^ ideo dictus est, quod nos sanmt 

Mt <md o#rr«erc cog-il: sanies cruor putrtdus. 

-^am i«. »gt »»• v«**- ^""^ 

HiMH CtotaU. L 1. 14: 

M «Cheine ereo et oder depeculatum gelesen werden 
r« SSen llleio es kann ja in diesen Troch. tetr. cata, 
in' der Mitte, ttoo nach ergo, ein Hiatus, ohne lade! 
«.1» VMi,r wen. Der Vers scheint also keiner Emen- 
SiL ^^bÄ S, G. Hermann. Eiern. Doctr Metr. 
p. 87 sq. ^ S. 85a Zu der knn«D Erklärung des Pal 

fügen wir aus unscro BISS, folgeode ausführlichere Stel- 
len- L. Diff.: omne ad muimudmem pertmei ei ad 
numerum, ut omnk homo , onrnea hmi^ ei wnwe 
pecus dlclmus; totum vero ad magnitudm^j «a « 
totum corpus, tota terra, totum coelurn. Ergo omme 
homo , ßi de wuversis partibus referamus : totue Homo, 
si de oernore dicimua. Im zweiten : omnea , quorum 
meniio esi, ei qui in dwersis sunt locis : cunctt, qm 
ubicmque »ad: umversi, in uno loco conversi — 
S. 963. hätteo wir zu termhms, au&er riQ^ia, auch die 
noch ftholichere Form Tig^ic^v verglichen. — öll. 
acheiot uns ein kleiner Irrthum bei No. 2. Gorenz sagt 
nämlich nicht zu Cic. de Flnn. V. 14. 40, esimua stehe 



Digitized by 



ud Etymologien. IVter IML 101 

dort io zweien seiner Handschriften, sondern nur eine, 
der Cod. Erl., habe aitque exthnum für sie et extre- 
mum. Auch sag-t G. nicht, bei Cic. Tim. 5. stehe in 
den Ausgaben extimua für extremits, sondern nur joner 
Erl. nebst dem Gud. 2. haben es. Uebrig^ns stehl iogar 
im Somn. Scip. 4, 9. nicht in allen Handschriften orhi9 
coeUHi» exiinmg. Der Yon Ref* vei;^ iiebaa« Cod. UffenK 
(Ckeaseri) Int wenfgUnof wrirmum — & nft & 2« 
der BifcHrnny «w den ^Made-FriNite, die Hr. Dt nH* 
dieUl (immn mmmm r cy en Je l: k^hmm^ ui mfra 
humum ) ligen wir e«e tmeerii Haodschriften : 1) mitte 
loeo, mfimus ordine ; 2) hrnum summo respondet , in- 
ßmum, Joel infra im um vel infra humum y wodurch 
offenbar die Lesart des Ps. Fronto berichtigt wird. ~ 
S. 404. Wörden wir nicht gesagt haben, iqßaiogy Tqniog 
und djtakog sammt rißri lassen sich auf dütacpeiv, sanft 
beri^ireD, suräckfüliren, di iLffa^üv keia Stamm ist, 
eoodem eine redeplicirle Foim tod *A4^£lt wie äna^ä^y 
ven *AXa. 

Doch wir brechen, eingedenk unseres b^chränk- 
ieo Raumes, hier ab, und scheiden von dem Verfasser 
mit der Achtung, die seinem Verdienste ^m gründliche 
Sprachforschung gebührt. Das Feld, das er nun seit 
lechs Jahren bearbeitet, ist grofs; es ist noch viel Ehre 
und Verdienst darauf zu erwerbeu. Möge ihm Kraft 
tBd Mnfe bleiben , uns mit noch mehrero 80 reichhal- 
tigen Binden nu begchenlien. Wir, und gewifs mit uns 
ein sahlreicher Kreis Ton LfBsem, werden sie jederzeit 
frendig wilHcommen heifim. 

- Ulm, O. EL Moser. 



üiyiiizea by Google 



102 Ofidii Met«in(W|ihos«. cd. Bw^- 

P. Ovidii Kasonia AletamorpAaf «on idkiXF, ^ JlftJMMMi 
«nd mU^ts^ttOm Amutrkimgenf vm R C Chr. Bachs IHnUtr 
am QynmmMm «i Sckaffkaiump wk mieA Profetaor der hat, Sjpraeie 
am datigmi Cotteg. floman.' «. iUiffijeile de$ Sehdrätk». ^ MrtUr 

Band. 1 — FIL Hannover 18S1. im Verlane der HahtCtdim 
Ht^MkkmuHtmg» XU «« Ml «. m ir^. 8^ 1 Mthlr. 6 gr.). 

Diese Beairb^tung des Ovidims gehört unstreitig a« 
.den VMBQgltcheren Erscheinuogen in unserer Literataf. 
flw !■! Mch & ¥• der Vwrede ,,betliinmi. Idr Lelmr 
Qiid reifende Sehiler, die mit Lidbe ihren Sekiftstellar 
leMn, und denen ee Emst ioi, inGetsiuud Spredui den- 
eelben efneudringen;'' nud schliefel ti<^ in PJnn und 
Anlage an die Gierig -tJahn'bche Bearlieitun^ an, von 
der sie übrigens in Vielem ab%veicht, sowohl was die 
Behandlung' des Textes (ai<»o die Kritik), als was die 
Erklärung desselben (Exegese) betrifft. Da Ts die Me- 
tamorphosen des Ovid in unsern Tagen auf Schulen im- 
mer mehr und mehr statt der, ihnen in so vielen Bezie- 
hnngen nachstehenden und für den Sinn des Sehülevs 
gewife #eniger geeigneten Libri Tristmm gelesen wer- - 
d«^, ist gewifs eine erfreuliche Erscheinung , der wir 
auch zweifelsohne das Erscheinen mehrerer, zweckmäs- 
sig bearbeiteten Chrestomathien dieses Werkes zu danken 
haben , dessen Gebrauch auf Schulen sowohl in Absicht 
auf Sprache, Versbau und dergl. m., als in Absicht auf 
Kenntnifs der Mythologie, in welcher der Schüler ein- 
geführt wird , vielfache V^ortheile gewährt. Aber eben 
diese einzelnen Versuche und theil weise Bearbeitungen 
einzelner Stücke mufsten um so mehr den Wunsch nach 
einer zweckuiäfsigen und gleichförmigen Behandlung des 
Gänsen erregen , als die bedeutendste AuvSgabe der Me- 
tamorphosen « die eben genannte Gierig - Jahn'sche in 
ganz anderer Weise angelegt und nach andern Zwecken 
bearbeitet ist, auch in Manchen nicht einmal, den For- 
derungen geniigt, welche man jetzt an ein Werk der Art 
zu machen berechtigt ist 

Von dieser Ausgabe weicht nun Hrn. Bach's Bear- 
beitung der Metamorphosen, zuvörderst was den Text 



uiyiiized by Google 



betrifii, ia manchea Punkten wesentlich ab; indessen 
sind des Herausgebers Grundsatze von der Art , dafs i^ie 
gewifs nur allgemeine Anerkennung^ und Billigung, so 
wie, setzen ivir hinzu, IVachahmuug , Beriicksichtigliiig 
bei andern Autoren finden kennen. Dahin rechnen wir 
besonders ein Festhalten an der Autorität der Haod> 
eiAirifikeB, und die Zurückiiälinii^ des. Testet , so vreit 
nur ifluner nilglich , Mtf die urkttudlaeie Grundlage , 
umit dann fibseitigung der saUreichen keineswegs 
BOth wendigen Conjeotoren, mit welchen man beknanl- 
licU bisher gerade bei Oviii wegen des eigenthümlichen 
Charakters seiner Poesien sehr freigebig gewesen, ver- 
bunden ist So wird es uns dann nicht, befremdeu, 
wenn wir hier manche Lesart, die bisher in dem Text 
ai%emeio eingeführt und auf berühmte Namen oder 
uonaligie Autoritäten gestützt sich fortge|iianzt hatte', 
aus demselben wieder veraohwioden sehen, weil sie der 
. hsjwiiohtifttichen Beglaubigung emuing^ ,»Ioh be- 
:firigle," sagt der lieninif eher 8. VHI, „imGannen den 
Ornnilwin» lieher der handschriftHohen Iiesa^ sdüM 
wenn sie an Werth einer jüngeren nachstehen sollte , treu 
zu bleiben, als eine weniger beglaubigte und begründete 
fortzupflanzen, dergleichen von Heinsius unil Burmann 
oft zu rasch aufgenommen wurden" — „Die Kritik,'* 
heifst es in der Note, „kann nicht vorsichtig genug bei 
Ovid vecfahrea; um so strenger mufs man sich bei Sich- 
tung dessen, was frühere Kritiker geleistet haben, an 
.die bewährtesten schrütlichen und gedruckten Urkunden 
. hallcM.' Wae wie Leaartan finden sich nicht bei Ovid, 
1 die isigeuüiofa auf Mifehls. weiter sieb«filtwi) ftk ««f die 
. Aotontit eiuee Naoiew und. attf das Gewichi owes ÜMi- 
ijies, der freilich um Ovid sich gröfsere V^rdieuMe als 
irgend einer seiner Vorgänger erworben, dessen Aus- 
spruch aber doch keineswegs der urkundlichen Autorität 
gleich gelten kann. Wir wollen gewifs nicht die Ver- 
dienste eines \icolaus fleinsius schmälern oder her- 
absetzen; iodessen sein Verfahren bei Ovid war aller- 
diugs einer sorg£Utigen Revision zu Unterwerfen, wie 



Digitized by Google 



104 Ovidii MetainorphOM. ed. Bach. 



solche auch unser Herausgeber in vorliegendem Bande 
uoternommen hat, zu dem er auch noch anderweitige 
kritische Hüifsmittel benutzte, worüber wir bei dem Er- 
scheinen des zweiten Bandes näher belehrt werden sol- 
len; bis wohin denn unser Urtheii über den Werth dieser 
neu benutzten Handschriften aaBgesetzl bleiben soll. Das 
Brgebnifs dieser GoUationen, verbunden mit eioer Aar 
gibe der bedeutenderen Varianten, beseodeis aalckMNry 

\ die auf den Sinn und die ricliti|;e Anffassung des Testes 
Berag haben 9 oder in sprachlich -granmatiflclier Hut- 
rieht Ton Belang sind, ist in den d«m Texte uirterge- 
setzten Anmerkungen niedergelegt, so dafs, was wir 
übrigens vollkommen billigen müssen, das Kritische von 
dem Exegetischen durchaus nicht getrennt, sondern, so 
wie es die Nätur der Sache mit sich brachte , beides io 
einander verwebt und mit einander verbunden erscheint. 
Trennungen dar Art fruchten io der That wenig, sind 
im Ganzen sehr störend und können Wiederholnngen 
0der Müsveistittdaisse nicht abwenden. Bs liete sieh 
MM hi^lierdings die Frage anfwerfen, eb diese AnQUl» 
rang der Varianten und diese Art der kritisehen BehMMl- 
lungsweise in eine Ausgabe, welche, wie die vorliegende, 
für reifende Schüler zunächst bestimmt ist, gehöre, und 
nicht vielmehr davon ausgeschlossen seyn sollte. Unser 
Herausg. hat sich naturlich, wie zu erwarten, für das 
Gegentheil erklärt (S. Vf.) und auch für seine Ansicht 
eine Reihe von Griinden beigebracht, die um so mehr 
Beachtung verdienen mfissen , als der Heraasgeber hier* 
niis eigener Erfahrung spricht Ob aber, wenn zunächU 
streng an dem fiegrtff etiier Schnbasgabe festgehaiiea 

• werden soll, nidit an Viel In diesen AanMitungen dutto 
gegeben ist, bitten wir gleiehfolls In -Erwägung an 
atohea. 

ip9r B€9ehiufB folgt) 



Digitized by Google 



N\ 45. HBIDELa JAHRB. i>. LITERATUR. 181» 



Oüidn Mdamarphosa. ed. Bach. 

(äeseklufB.) 

IMcse Aomeiku Ilgen , welche in deatscher Sprache 
geschrieben sind, beziehen sich, euAer dem, wis nna 
BVDfiohst der Kritilc angehdrt anä in der Brlclärung dhiToa 

abhfiDgig^ Ist oder clamit auf irgend eine Weise zasam- 
menhängt, insonderheit auf Entwicklung und Erörterung 
des Sprachgeh rauchs , vornämlich des dichterischen , 
der dichterischen Eigenthüinliclikeiten u. s. w., mit spe- 
cieller Berücksichtigung des Ovidius; sie verbreiten sich 
ferner mit gleicher Sorgfalt über das Grammatische, na- 
mentlich in den Abweichungen, weiche die Sprache der 
Dichter des goldnen Zeitalters der Literatnr 6ich erlaubt 
hat, über den Versbau, über Prosodik u; s. w. , und end- 
lieh ist a«ch selbst das Sachliche nicht unherücksichtigl 
gebliabeB. Ueberall finden sich die ^iordeiüdlen Bei» 
lege und Naehweisnngen , ohne isclcho keine Behanp« 
teng aufgestellt wird, überall aahlreicfae ParaUelslelleB 
nwOfidins and andern Dichtern« aar besseren Erhenni* 
nift des Sprachgebraachs oad tiefmm Eindringen in din 
Sinn des Ganzen ; und wenn sich auch hie and da Nach- 
weisungen auf einzelne Werke finden sollten, die kaum 
in den Händen eines Schülers zu erwarten wären, so die- 
nen sie doch immerhin dazu , den Schüler auf solche 
Werke aufmerksam zu machen, die er bei fortgesetzten 
Stadien gewifs nicht übersehen wird; es wird auch der 
Schäier nach und nach unwillkührlich gewöhnt. Nichts 
ohne genOgende Autoiität au befaappten, überhaapt keine 
Behauptung zu wagen , die er nicht mit den gehöriges 
Gründen und Beweisen zu unterstützen vermag. Hören 
wir, wie unser Herausgeber S. IX- darüber sich ausllifirts 
MParallelslellen, nicht bfos ans Ovid, sondern auch aus 
andern Sdbriffitstellern iheils cum gründlichen Verstehen 

nV. Jahrg. 7. Heft . 45 , 



Digitized by Google 



des Textes, theils zu ästhetischen Xweckeo, beizugeben, 
bewog mich die Erfahrung , dafs der geweckte uad fä- 
hige Sch&ler gern dergleichen Zuflamtnensteliungen be- 
nutzt Wird auch bisweilen auf Autoren oder deren 
Hanpterklirer hingewiesen; die nicht immer in HSnden 
des Schillers sind, so wird er wenigstens darauf auf- 
merksam gemacht und zum Gebrauch detselbeti tikr die 
Zukunft angeregt." Aus diesem Grunde hat der Heraus- 
geber öfters Fragen angebracht, welche den Lehrer za 
weiterer Prüfung , den Schüler tu strengerem Denken 
Vieranlassung g-eben sollen. 

Wollten wir nun auch in eine nähere Prüfung des 
Eiatelnisny WM uns die Gränzen dieser Anteige nicht 
t«|pst«llen, eingehen «nd itt den Anmerkungeil Ilie und 
du an die Stelle diBr gegebenen Erklärung eine andere 
setaeU) die uaji naeh unserem subjectiren SiMMipuftiit 
MIS) iMitiger «fivbheiiil, wir köbnten dMdi im Allge^ 
minen kein anderes Rmiitat nnsereir PrBfting atiitlhr«ft^ 
Ate inh Im Ckineen die Anmerkung^ in jeder Htnslthi 
befriedigend sind , da sie sich mit gleicher Grü^lichkeit 
und in gleichem Umfang über die ver8chie<1enen , zum 
Vepständnifs und richtigen Auffassen des Dichters noth- 
wendigen Gegenstände verbreiten, ob wir gl«ch hier 
die Behauptung nicht unterdrücken können , dafs eine 
solche Bearbeitung der Metamorphosen vielleicht in der 
Hand «Ines geschickten Lehren oder eines schon ge- 
reiften und gebildeten Schillers, der für sich, aufser- 
knib der Sohule , diese Au8gid>e bei der Priiiiitteetllfa 
bomiM, mpv^fffliliolMff «anl Nnfnen bringender 
difllke, nls in der Sehittle selber, In #eii HSnden desr 
Sollilm, wnmHtelbar bei dem SoMgebraneb^ -n^l Ar 
dinsen Sweck , nach unserem BrmesBen , Mebf In der 
Ansgabe geschehen ist, als man erwarten darf, auch 
Manches bemerkt ist, was dem mündlichen Vortrag und 
der Erörterung des Lehrers in der Schule selbst vorbe- 
halten seyn dürfte. Es möchte uns nicht so schwer wer- 
den, Einzelnes zum Beleg unserer Behauptung aus dieser 
Anmerkung anzuführen und dem Herausgeber ?orsu* 



Digitized by Google 



k|g«ii, dem abrigeos vielleicht die in der Schule ge* 
iMdhtenfif&hrongen, denen wir unsere «ubjecfiven An- 
fllchten nicht gleichstellen wollen, den MafssCtib seinen 
Teitthreds angegeben' hnben. Ohnehin weilk Ref., und 
kann %b attn eigener Erfahrung besengen , wie schwer es 
hier wird, das gehörige IVlaafs zu beobachten, nirgends 
von dem vorgesteckten Ziele abzuweichen und überall 
die erforderliche Gleichförmigkeit zu gewinnen. Das aber 
rtiufe er aosdrücklich hier wiederholen , dafs ffBr den 
Lehrer, wie für den, welcher zu seiner Privatiecture 
diese Ausgabe wählt, trefilich gesorgt ist, nnd wenn 
wir diese RAcksicht festhalten wollen, So haben wir 
liiis dundi^ nicht ftber die grobe Ansfilhrlichkeit tu, 
heschw«£rett, die uns niir erwilnscht seyn Itann, da sie 
grdndHehe Belehrung in Jeder Hinsidit dafbiefel und 
imbenondere gedgnet.ist, in db MmsterWeike 4er lar 
tehiisdhen Poesie einrufIDhren. Dafii der Herausgeber 
bei seiner Arbeit die vorhandenen Hfilfsmittei auch in 
exegetischer Hinsicht getreulich benutzt, dafis er manche 
falsche Bemerkungen seiner Vorgänger berichtigt oder 
besser gestellt hat , brauchen wir wohl kaum ausdrück-' 
lieh zu erinnern ; und so sehen wir mit Verlangen dem 
Erscheinen des zweiten Bandes entgegen, der die 
VoHendnng des Ganzen bringen soll, nebst den erfor-^ 
derlichen Registern über die in den Anmerkungen erör-^ 
tefien Gegenstände und den Naöhweisangton nber die 
vMi Henmgeber htoüsten Brndscht^n und Anaga- 
bisti , 8ö w^ in einem Naditrag Bemeiltungen den HerrU' 
Pf oi Ba s oi Oisftstte», Ms Verlagshandlung hat itteaer 
Ausgabt le^ne selir wftrdige nnd nachahmnngswerldie Aiia>' 
stattnng gegeben. Papier und Lettern sind vorzüglich; 
der Drude sehr correct. 

» 

Wir eduMva liel dieser Gelegenheit noch Uli'>awet 

andere, Ovids Poesien betreffende, vnx kur^sem erschl»« 
oene Schrtftsns ... 




Digitiz 



IM J. Bilierbock's Wörterbuch su Ovid's Metamorphoseo. 

1) VoUstcutdiges Wörterbuch zu den Verwandlungen des Ovidtus 
Na 8 0. Vom Dr. Julius Billerbeck in liildcsbeim. Hannover 
1831. Im Verlag der Höhnischen Bofbuchhandhmg. 410 in gr. 8. 

Eine Auflfordernng des Hrn. Director Seebode gab 
die nichste Veranlassung; zur Abfossnng dieses Wörter-- 
bochs, dem wir zweckmäfsige Binrichtnng, Vollstan* 
digkeit in Aufführung der einzelnen Wörter, und rich- 
tige Angabe der Bedeutungen (in welchen diese Wörter 
zunächst in den Metamorphosen vorkommen) nicht ab- 
sprechen können ; weshalb wir auch kein Bedenken tra- 
gen, es als seinem Zweck, der studierenden Jugend ein 
geeignetes Hüifsmittel bei der LectUre des Ovidius in 
die Hände zu geben, entsprechend zu erklären und. seine 
Aufnahme, da, ivo Ovid^s Metamorphosen gelesen wer- 
den, zu empfehlen. Es enthält dieses Verzeichnifs alle 
in der genannten Schrift vorkommenden Wörter, selbst 
*mit Einschlufs der Nomina pf^opria, die aber nicht be- 
sonders zusammengestellt, sondern betreffenden Orts nach 
der alphabetischen Ordnung eingereihct sind (was wir 
vollkommen billigen); die Quantität der einzelnen Worte 
ist genau angegeben, überall, wo es nöthig ist, das 
griechische Wort (von dem das lateinische abstammt) 
beigefügt; die Bedeutungen sind, so weit als möglich, 
genetisch entwickelt, und bei dieser Gelegenheit finden 
si^h selbst hie und da manche Winke zu dem Versland- 
ttifs schwierigerer Stellen, wodurch dem Schüler eine 
nicht unerwünschte Unterstützung gegeben wird, ohne 
dafs davon Nachtheile für ihn zu befürchten wären. Alle 
nur einmal vorkommenden Wörter sind mit Sternchen 
bezeichnet; die Stellen, in denen ein jedes Wort vor- 
kommt, sind genau bemerkt, und so allerdings ein nicht 
unwesentlicher Beitrag zu einem Wörterbuch geliefert, 
das die sämmtlichen Schriften des Ovidius umfassen und 
In der Art, wie es hier bei den Metamorphosen gesche- 
hen , lexilnlisch behandelU'Sollte. Blne gewifs sehr veir- 
dienstliche Aufgabe , ein Unternehmen, dessen Lösung 
freilich zu viele Mühe kostet, als dafs wir sobald dies 
in unserer Bücher- und schreibseligen Zeit erwarten 



Digitized by Google 



Rnbnkeaii Dictata' in Ovidii Ileroidd. cd. F. T. FriedoBiann. 

dürften. Selbst ParallelsteHen aus anilerii Schriften des 
Ovidiiis, oder auch selbst aus andern Autoren , sind hie 
und da beig^efügt. Artikel, wie die z.B. der einzelnen 
Präpositiooen , sind mit besonderer Sorgfalt ausgear- 
beitet ; bei manchen Partikeln Nachweisangen auf Zumpi 
snd Ramshorn gegeben, und auf Synonymik wesentlich 
Rftckflichl genommen , desgleichen auf genaue Angaben 
in den NiommUnw praprih, welche in dieser Schrift des 
Oridioa vorkommen. Der Druck ist aehr compendlöa 
eingerichtet, ohne dadurch fUr die Augen beschwerlich 
odiNT nachtheilig- zu aeyn. 

Dav. Ruhnken ii Dictata ad Ovidii Ilci oidas et yübinovani Elegian, 
Nunc primum edidit Fr id. Traug. Friedcm a nn Lipsiae, 
8uw»tu» fecit ac wnumdat C. Cnobloch. 1831. 150 Ä\ in gr. 8. 

So gut die Dhiaia zu Terentiua und Sueloniua,. 

die uns neuerdings bekannt geworden sind, verdienten 

auch diese Bemerkungen zu Ovids IJeroiden und 
des Albiuovauus Elegie aus dem Nachlasse des grosp- 
sen holländischen Philologen eine Bekanntmachung, die 
ihnen jetzt durch die Bemühungen des Hrn. F>ie<lemann 
' auf eine Weise zu Theil geworden ist, die uns zu ge- 
bührendem Dank gegen den für die classische Literatur 
und deren Förderung unermiidet thätigen Herausgeber 
auffordert 

Da die dem Herausgeber von Hrn. Director See- 
bode, dem die Schrift auch dedicirt ist , miigetheilte, 
hie und da lückenhafte Abschrift des Ruhnken*schen Col- 
legheftes durch Zumpt aus dem in Berlin befindlichen 
Papieren Santen's (im Dietzischen Nachlasse) und durch 
Geel durch genaue Vergleichung mit dem in Leiden be- 
findliche;! Exemplar des Ruhnken beiichtigt und ver- 
TOUständigt ward, so haben wir in dieser Hinsicht eben 
ao^ wenig als ftber den correcten Abdruck des Ganzen 
auch nur einigermafsen Beschwerde zu führen , und müs- 
sen in dieser Hinsicht die bewfihrte Sorgfalt des Heraua« • 
gaben dankend anerkennen. 



Digitized by Google 



4 



I 



HO Haliokeaü Dictaia in Ovidii HorohM. mL V. T, VfMmmntk 

Aus der kurzen Einleitung Ruhokens * — sie fölti 
nur Eine, aber enggedruckte Seite — ersehen wir, dafs 
Derselbe an der Aechtheit sämmtlicher Heroiden keinen 
Zweifei hegte, mit einziger Ausnahme der zwanzig- 
M^D» <loch wird in den Dictatis selber 110. die 
swaosigsi« «nd ein und zwapzigsle «bmiieht 
Beicboet Im Gänsen haben auch die neueeten, iimfii»- 
aeoden Untersuchnngen über die bestrittene AeotidieU 
mehrerer dieser Briefe kein anderes Remltat geHsfert 
Die in Form und Inhalt Verwandten Briefe des Sahinus 
stellt Ruhnken als den Ovidischen bei weitem unterge- 
ordnet dar, er nennt sie „duriores , obscuriores nec 
tiUa parte cum Ovidianis compftrandas." In demsel- 
ben Vorwort räumt liuhnken dem auch nach unserm 
Ermessen umOvid hochverdienten Nicolaus Heinsins unter 
den Bearbeitern des Ovidius die erste Steile ein ; in- 
«wieeilen machten die , nicht ohne echieifmden Selteoblick 
auf Bnrmaon Ihm erthellten Lobsprfiche, nadh den nene-^ 
«ten Ergebnissen , immerhin etwss ermäfsigt werden 
können. 

Die Anmerkungen selbst sind in Charakter und Geist 
ganz denen zu Tereuz und Suetonius ähnlich , sie sind 
zumTheil grammatischen Inhalts, meistens aber Sprach - 
bemerkungen, mit einzelnen Belegen und Nach Weisungen 
unterstützt , und in dieser Beziehung ein höchst schätz- 
barer Beitrag zur genauen Kenntnifs des Ovidischen 
Sprsehgebmuchs und zu tislerem Biudrii^n In die \ 
Sprache und den Geist der Bttmiscbea Dicbter ilhsf«- 
laupi Eine Masse feiner Sprschbemerknngen , wie sie 
sich von einem so gründlichen Kenner der lateinischen 
Sprache, als Ruhnken war, erwarten lassen, wird uns 
hier geboten, und damit allerding^s für die Interpretation 
dieser Gedichte nicht wenig" gewonnen; freilich ist auch 
Manches aus Burmanns Commentar aufgensouvsn , aber 
es erscheint unter den Händen Ruhakens so n«i gestalisi» 
dafs wir es kaum in seiner yrqpraoglichea Geatait m «w* 
kennen vermögen; ferner. iat auch Manches in diesen 
Dictaten bertthrt, was wohl jefat kaum mehr» Im dcAr 



Digitized by Google 



Ruhnkenii Dictaia in Uvidii Ueroidtf. ^ JP". T. Friedciiiann. Iii 

seit Ruhoken 8 Zeit ao wesentlich fortgeschrittenen Kunde, 
m berühren nöthig ist, was aber durch die Natur und 
Beschaffenheit, sowie die Bestiininuag dieser Dio^ata, 
hioiäoglicli gerechtfertigt erscheint und schon aus dem 
duBde nicht weggeschnitten werden dnrfte, weil nur 
so, dnrch vollständige Bekanntmaohnng :1Um1 me d»- 
irnrnlt «igiioke Uebersicli« das Gänsen, ein EndntOMil 
Mmp ihn Charakter dieser Diotata möglich wird, nnd 
cn^ieieh dadnroh Iber den Snslaod der Wissenschaft, 
die Art und Weise des Studiums in jener Zeit eine rich- 
tige Ansicht gewinnen können. Und dann wird sich bei - 
Allem dein, was wir aus den oben bemerkten Gründen 
vieUeieht als minder nothwendig bezeichnen dürften, 
immerhin selbst in dei; Spreu Einzelnes finden, was die 
Mühe des Aufsnokens wohl verlohnte. So wird es nnn 
moh% äfilfmden, venn vir in diesen Dictatis aneh mandle 
innlnliadin Beaserknngen finden, ja seUwl sadUidie Ba*- 
«nilinngen, mythoiogisoher , geographischer oder anit» 
quarischer Art, ob zwar nicht in Vollständigkeit — denn 
diese lag nicht in dem Zweck des Ganzen — so doch 
schon in gröfserer Ausdehnung als bei den Dictatis zu 
Terentius. Auch einzelne kritische ßemerkungen oder 
Vetbesstfungsvorschläge zu einzelnen Stellen, welche zer» 
ntmnt TnFkommen , wird der Bearbeiter des Ovidius nicht 
wm ftbereehen haben. Bei dieser Masse von Bemerkunr 
gen Ist dann dev mit vieler Sni^gfidt anageaiheiteie lailaK 
(wdhni der Hetan^psher die Mitwirkimg des Hm. I^. 
Kifschbaum , eines seiner vonfiglsidiem- Sdiito rftbsrt) 
unentbehrlich geworden. 

S. 129. erwähnt Hr. Friedemann einer Handschrift 
-der Ovidischen Briefe, deren Collation er besitzt, und 
einem künftigen Herausgeber dieser Briefe mitznthdlen 
bereit IsL AiaBffobe werden einige Varianten anifefuhrt; 
im Ganzen eher fnag die Handsehnflt von keiner -oondnsr 
fiehen-Bednatmig sejn oder wesenllidie Vnrbessminf 
dea Tasten erwarten lassen. 

• Chr. Bahr. 



Digitized by Google 



Ut BilrtiiTttt BinMm, U BOt 

Balti$ck4 Studi*»» Bmrausgegebem iton dtr €€9äM^ P#m«> 
mer*9ek€ G^a^hichie vmd JlHrikumakimd^ SnU9 Btß^ Mit 
sipei mUgiiipkuUn T^n «Mi 1 KwU. SiHHm Uü Friedrich 
Bdnrieh Morm, ISST Flli und ZS» S, fi» 8. 

Als im Jahre 1824. bei dem Feste der Erinnernog 
an die EinführuDg des Christenthums, insbesondere 
cluich die thäfige Mitwirkung des damaligen Obeipriii 
denten Sack io Pommero eia Verein üär Pommer^Mlia 
Geschichte undAlterthfloier gestfftet wurde, so zeigte 
flieh bald das Bedttrfnifs eines eigenen Organs für die. 
Mittheilungen des Vereins, zumal nachdem die Pom<^ 
mer sehen Provinzialblätter von Giesebrecht und Haken, 
in welche die vier ersten Jahresberichte aufgenommen 
ivaren , zu erscheinen aufgehört halten , auch bereits 
vorher in den Statuten der Gesellschaft die Gründung - 
einer Vereinsschrift, als des geeigneten Organs, dnfl 
gvdÜBere Publikum mit den Bemühungen und Fovsdiuii* 
§eu. des Vereins und deren Ergebnissen bekannl uu 
dien, ausgesprochen war. Dazu sollen nun diese Bal- 
tischen Studien dienen, dei*en erstes Heft uns vor^ 
liegt und bei dem reichhaltigen Inhalt baldige Fortsetzung 
lebhaft wünschen läfst. Mittheilnngen aus alten Sagen, 
Chroniken, Urkunden, V eioitbiungen , gleich wichtig 
für die politische Geschichte wie für die Culturgeschichte) 
antiquarische Gegenstände, Beiträge zur Ijandesgeschichte^ 
auch der einzelnen Distrikte, Städte ofler einflufsreicher 
Eanulien und dergl. m* in Verbindung mit den Jahr Ür 
Jahr erscheinenden besonderen Berichten der Gesellschaft 
sollen den Hauptinhalt bilden, der daher auch nicht hios 
eng auf die Grenzen Pommerns eingeschränkt, sondern 
aucli dabei die Nachbarländt^r umfassen soll , der engen 
Verbindung wegen , in welcher diese Staaten mit Pom- 
mern standen, und den vielfach hier in Betracht kom- 
menden Verhältnissen und Beziehungen auf einander, 
so dafs also namentlich für die ältere' Geschichte, auch 
Scandinavien , Polen und selbst Preufsen mit in den Kreis 
dieser Studien fallen, und diese dadurch zugleich ein 
ungemeineres Interesse gewinnen I zumal wenn » wie ver- 



Digitized by Google 



I 

> BttltiiclM StüfKeD. 1« Heft. 7U 

sprochen ist, auch voo Zeit zu Zeit Berichte über die 
Leistungen der Nachbarländer, die mit Pommern in Be- 
rührung kamen , für deren Geschichte und AltertbuM^ 
knode beigefügt werden. 

Gern erfüllen wir die uo8 ohiiegende Pfliclil^ dieM 
BaNnelMB' Studien zur Knude des gröii^w. PuMünuni' 
dureh eise Anseige in diesen BUtteru en bringen, und 
m wenigstens nach RrSflen beizutragen , um densellieU 
auch aufser dem nächsten vaterländischen Kreise die 

. wohlverdiente Theilnahme aller derer zuzuwenden, wei- 
che überhaupt für vaterländische Kunde sich interessiren, 
und den Werth derselben für die allgemeine (deutsche) 
Geschichte erkannt und solche mit Ernst zu fördern be-* 
dacht dnd. Solche verweisen wir dann insbesondere 
auf den an numciien wohi zu beherzigenden Wlnim 
aber die Behandiung der Gnehichte, naaieutlich der 
Piovkizialgesohiclite und deren Verhftllniik und Verbind 
dang zur ailgemeinen Geschichte über den Geist und 
die Art, in welcher die Provinzialgeschichte behandelt 
werden soll, um gröfseres Interesse zu erwecken und 
alfgemeinere Theilnahme zu finden, so reichen Aufsatz j 
mit welchem dieses erste Heft eröffnet wird: 

I. Ueber die Geschichte Pommerns, ihr 
Verhältnifs zur deutachen Geschichte, ihre 
Bfihaudlung und Darsftellu-ng. Vom Kdaigi, Ar- 
dmir E. L. Baron von Mede«. Die ganz eigen* 
IhfailieiieClehwieriglieH die ProvinzialgesiDhiiciite zu be- 
handeln, liegt, und darin hat der Verf. gewil^ ganz 
Recht, mit hauptsächlich darin, ihren Gehalt als den 
der allgemeinen Geschichte aufzuzeigen und ihr ein all« 
gemeines Interesse abzugewinnen So schwer dies auch 
iaunerhin seya mag, ja fast uneri eichbar, so muÜB der 
Geachichtachreiber doch immer den Versüß dazu- m»^ 

• dien, «r mufe strelien, das Siel zu erreioiien, wem ea 
auoh ihm b^n eralen AnblielK unerreichbar adialneu 
a a itea ( Man denl&e an Mteer'a Osnabridt^^ Geaichichte 
oder an J. v. Muller's Schweizergeschichte) , zumal wenn 
dataa auch die weitere Forderuug sich knüpft^ seinem 



Digitized by Google 



aa B iJ it tA o mm ik 99 . urn^ 

Gegenfltaod die Form unil die tnner« GliMkirimg ektect 
Kunstwerkes zu ^eben, so dafs man in der Darsteiluiig 
die künstlerische Einheit und Composilion erkenne. „ Die 
blofsen Facta (so lesen wir S. 8.) sind noch keine Ge- 
schichte; erst KU einem Ganzen verarbeitet, und in einen 
totohfi» Zusammenhangs gebrückt, dafs in ihrer Brschei» 
Mag* Wid AliMimderfolge aueh nigleich ihre ßede«^ 
imog und Wirkttay iichihar ist ^ Ter4i«o«i w> dmm 
NMMa IN« dem gewöhaliohea BUek sii tief lie|piii4e 
Veffkettyog Too Umcke und Witfciing in fler Gefehieble 
macht nur der Historiker sichtbar/' Dafii der Historiker 
hier immerhin einigermafsen wenigstens von der eigenen 
Anschauungsweise, die er so zu sagen mitbringt, ab- 
hängig ist, wird eben so wenig zu verhüten seyn, da es 
•B der Natur der Sache liegt , als es hinwiederum auf 
tisr «adera Seite, cUe höchste Aufgehe^ das höchste Ziel 
dea Historikers sajw aiufs, sich von petaöolichea A»* 
eichten fiel M halten «ad iUam die satgeelhi« Uebetai»- 
gung^ m eWm allfemdaea Aoeioht nod damil m wmm 
hMieni Staadpunet sich «i erheben. Diese Aufgabe tteUt 
sich auch völlig gleich, es mag von einer Fruvtnzial- 
geschichte oder von einer allgemeinen Geschichte die 
Rede seyn. „Selbst die ärmste Monographie mufs nach 
demselben Grundsatz wie die Geschichte eines Staats 
bflhaadelt werden; YOn den Th eilen mufs dassa&be gair 
ien, in ihrer Trenaaay , wi^ in ihrer Vereinigvng am 
Ganaett." (S. la). ^ „Ist doehdiePfonaaialffaiQhielito 
aalliat wr die Besonderung des allgeoMhian GtMaa mal 
In ihren aianelnen Parthien oft bioa dui Affenenl, etoa 
Schattirung desselben. Den Gehalt der Geschichte la 
abstraktere Formen zu bannen , Alles in ein Sjstem zu 
awingen, ist die vergeblichste Mühe, weicher sich ein 
Historiker unterziehen kann. Mit leeren Abstractionen 
ist in der Geschichte Nichts gewonnen; sicli nach ihnen 
EU bemühen, Ist iia» Nichts besser, )a noch sohlechter ^ 
aia die tfaeLsnOle .and sinnloseste Ai^riihiung und Am 
«UNUiderrcihHng der Fakte.** (ft. 11 fg.) 

Mit diesen «ad andern allgeaMfaien Beamkongeo, 



Digitized by Google 



• Baltiachc SUiUmi. > 1« H«U. li^ 

auf deren Gehalt schon die weni^n Stollen, ifie wir 
hier ausg^ezogen , sattsam aufmerksam machen können, 
wendet sich der llr. Verf. zur Hehandlung der Poinmer'- 
schen Geschichte. \nn iäijst sich die Provinzialge- 
schichte überliaupt von einem zwiefachen Standpunkte 
bearbeiten, je nachdem man rein wissenschaftliche oder 
metir praktische Zwecke dabei verfolgt* In letzterer 
Beziehung Ut allerdings das Studium der vatarÜMldi^chea 
Gescbiehie eUi trefilicbes Mittel zur ß^lobuni; himI Be* 
festigung eloer acht patriotischen Gesinnung und angtoioh 
49B bMla Mittel 9 mm wiibm dffomiiehcs I#6li«i imnI («f« 
^Tliei|i9«lim« dmGkt m etweck««, indem sie Liebe fttr die 
]|ipil^||^VQ»eit iiiul ilaaiil Aehliif liohMt «e die 
eätMiMMler Gegenvurtf weldie aue jener hervorge- 
g^aii^en sind und auch nur durch Binsicht und Kenntnife 
dieses ihres Grundes, ihrem waliicn Geiste nach weiter 
ausgebildet und gefördert werden können, erzeugt. Dies 
ist, von dieser Seite betrachtet, die schönste Fiiuht 
historischer Studien ; weil von ihr allein die Verbesse- 
rung und zeitgemäfse Fortbildung der Institutionen der 
Gegenwart zu hoffen ist , welche nimmermehr durch 
oberftüt^ches Bümmement, wie es jetzt an so niancheii 
Orten, ewhallt , poid seichtes Gerede yo« gewisse» «llr 
gseipeiiien Theorie« eriielt werden kann, die, inde« eie 
AUee- gleieli miMshee und veraohmel^en wollen, eine 
CHeiidilHit berrorbriogeii» die ehen dedHrch, deft eie 
d« hietorieohe wd positive Eleneoi iHibeHlelHiidhli«l 
liM, m frechem Hoclrauih derftber eieh «egeetiievd, 
sur höchsten Ungleiehheit und Uegerechiigkelt wird- 
Der Verf., indem er von den Früchten spricht, welclie 
von einer so bewirkten aligemeinen Theilnahme an öf- 
fentlichen Ereignissen, am Leben des Staats, zu hoHen 
und zu erwarten sind , fügt die gewichtvollen Worte 
bei Seite 16: „Von dem Besitz einer hestin>mteu Ver- 
fassun^sform ist solches Gut weniger abhängig , alis 
von einer gediegenen Gesinntin|Nr , die Mob in der Ach- 
tung vor depo Geeeta und in dar Liebe wo Bestebeedep 
lu4bäAii^ Mag j^ae auch sokon die ellf emfine 



■ 

.Digitizedby Google 



11« Baltische Stadien. U Heft. 

Sittlichkeit fordern, so ist diese dagegen nur dann mit 
Grund zu hoffen, wenn genaue Kenntnifs der Geschichte 
des eigenen Staats mit demselben gleichsam befreundet 
hat Ohne Vaterlandsgeschichte keine wahr« 
Vaterlandsliebe (Worte, womit Max Joseph III. am 
S&Mins lldO. die MOochoer Akademie eröffnete). Wer 
deo Staat, wjelchem er an^fehört, vep «einem Entatehea 
an, durch die ganse Reihe der manDi^hfachen Schick« 
aale und WechaelfiÜle seines Lebens verfolgt, das Her* 
vortreten und Ausbilden seiner Institute mit forschendem 
Auge betrachtet hat, und die kunstvolle Gliederung des 
Ganzen zu begreifen vermag, der wird mit wahrer Liebe 
sich zum Vaterlande hingezogen fühlen , weil er die 
Ueberzeugung gewonnen haben mufs, dafs es im Gnteo 
und Bessern rastlos vorwärts gehe und nach einem grofsea 
Zieie: sittlicher Vollendung, Alles hiustrebe. Und diese 
Wirkaog ist im kleinen Kreise dieselbe, wie im grdlseni. 
, Die Geschichte der unbedeutendsten liindschaft steht in 
dieser Beziehung auf gleicher Stufe mit der Geschichte 
eines Staats. Jene Kenntnifs durch ihre weiteste Ver- 
breitung recht fruchtbar und zum Eigenthum des Volks 
zu machen, sollte daher der Historiker streben, sollte 
jeder Berufene als seine Aufgabe ansehen* Denn Itein 
besseres Mittel giebt es zur Verständigung mit seiner 
Zelt, als füe Kunde der Geschichte. Nur wer die Ver<* 
gangenheit, sowohl die ferner als näher liegende kennt, 
wdfs die Gegenwfirt au würdigen; und darum iianddt 
es sieh doch vorzOglich." Darum auch der Histonker, 
der der Gegenwart angehört , die Vergangenheit mit 
steter Rüclisicht auf jene behandeln und betrachten soll. 
„Das Leben verschmäht nicht die Gebilde verg-angener 
Zeit, es gelangt vielmehr durch sie zum Bewufstsejn 
über sich selbst, es sagt sich aber von Formen los, aus 
denen der Geist entwich, und die dennoch für Etwas 
besseres, als es selbst erzeugt, gelten wollen.** (S. I811) 
Was nun speciell Pommern und dessen Geschichte 
anlangt, so weist der Hr. Verf. insbesondere darauf hin, 
dalli der gegenwärtige Zustand auf einer Verächuielzuug 



Digitized by Google 



Baltiache StiuUea. 1« Helt 111 

Slavischer und Germanischer Elemente beruhe, und aus 
der endlichen Vermischung dieser beiden lange Zeit sich 
feindlich gegenüberstehenden Elemente zu begreifen sey; 
weshalb Tor Altem in einer Geschichte Pommerns eine 
Sondervog der Siavisdien ßestandtheile von den Gerau» 
nischen vorzunehmen und der charakteristische Unter- 
schied beider, der Einflnili anf das dffeotliche wie anf 
das Privatleben,. nnd der mit dem ginnllchen Untergang 
oder irielmehr der gfinzllchen Anfldsnng des einen Ele* 
raents In das andere sich endigende Kampf nacimiweisen 
sey. Denn ^dle Einsicht in unsere gegenwärtigen Zu- 
stände mufs an Intensität und Umfang gewinnen, wenn 
wir die Elemente, aus denen sie hervorgingen, genau 
erkannt und aufgefafst haben." (S. 19.) Wir bedauern, 
nicht weiter das anführen zu können, was der V' erf. über 
das Studium des einen Elements, des Slavischen, so wie 
über das des andern, des Germanischen, bemerkt; bei 
weichem letztern allerdings es nöthig wird , in den Nor- 
f den zurückgehen, der zur Erforschung ond Ermit- 
telung des ursprünglich Deutschen eben so wichtig ist^ 
als für die früheste Geschichte Pommerns. Auch unter- 
Ififet der Hr. Verf. nicht, am Schlafs seines Autotzes auf 
das reiche Material der Pommer'schen Geschichte auf- 
merksam EU machen, das in (meist noch nicht benutiten 
oder gekannten) Urkunden und sonstigen Denkmalen 
vorliegt, welche vorerst auch nur ihrem Gesammtlnhalt 
nach kennen zu lernen, um den ganzen Reichthum und 
die ganze IMasse zu überschauen , dringendes Bedürfnifs 
ist. Dann dürfen wir auch schon eher hoffen , eine 
gründliche, aus den Quellen selber geschöpfte Geschichte 
Pommerns zu erhalten. Was dazu erforderlich ist , sowie 
überhaupt, was Alles von Seiten dessen zu berücksichti- 
gen ist, der ein treues Bild von Pommern entwerfen will, 
ist am Schlüsse des dritten Autotses S. 114 E gut an- 
gaben. 

II. Die Kriege Valdeniar's und Knud's ge- 
gen Rügen und Pommern, aus der Kn^tlinga 



Digitized by Google 



m 



Baltische Stndten. Ii Bttt 



Sage übersetzt uod mit Anmerkungen und 
einet Karte versehen VM Gustav Kombst 
nie hn J* I8S9. zu Koppenhagen cnenl dnroh den Drmdt 
bekäiflil geweirdeneKttjtlinga Ssge enthllt dieErsihlong 
der Begebenheiten des DSnebrddhs Ton Hftrald Oöm- 
soen bis zur Beendigung der Kriege mit den Pommern, 
und stimmt mit Saxo, der bisher als einzige Quelle von 
Bedeutung üher die D«änenkriege galt, vollkommen über- 
ein, so dafs sich sogar die Vermuthung wag-en läfst, es 
sey diese Sage vielleicht eine Bearbeitung Saxos für das 
Volk; obwohl Manches dagegen spricht Der Verf. hat 
nicht nach dem Islindtschen Original , sondeni nach der 
Mnisehen Ueberseteong die Bnählung gegeben , weldie 
mH dem Znge des Königs Valdemar im Frfihling llfiSw 
nach der den Sommer zinror erfolgten Schlacfit auf dei^ 
Gradehede beginnt. Vielfache Erörterungen in ge- 
schichtlicher und geographischer Hinsicht, sowie auch, 
Äur bequemeren Uebersicht, eine Charte sind beigefügt. 
Und am Schlüsse S. 89 ff. noch Einiges über die chro-^ 
nologischen hier in Betracht kommenden Punkte bemerkt. 
Im Ganzen ist das Geographische mit vieler Genauigkeit 
Hl der Sage behandelt; die Namen aber finden sich meist 
sehr verllischt. Auf die ^. 63 ft Ibrtlaofende Note über 
die Jf^msbn rg werden wir welter unten sorüdLkomonen. 

IIL Die Burgen Fommerna Von dem Kö« 
ttigi. Laodrath Herrn von Fiemming auf Ba-^ 
st^atheinn* Dafe wie anderwärts, so auch in Pommern 
die Borfen eine |;eschichtiidie Bedeotiu^ haben i wird 
kavm wu bmorken nothig se^n , wenn ancfa gleich Pom- 
mern keine so grofse Anzahl von Burgen aufzuweisen 
hat, als andere Gegenden Deutschlands, wie z. B. die 
Rheingegenden oder Thüringen, Franken, die Schweiz. 
Ein Hauptgrund davon liegt in den friedlichen Verhält- 
nissen der Pommerschen Herzüge mit ihrem Adel , also 
in dem Mangel innerer Fehden, in der gröfseren Ruhe, 
deren sich stets cKeses von döm Schauplatze der Kämpfe 
lind des Kriegs entfernter liegende Land erfreute, wwie 



Digitized by Google 



ttMlli^te 9(ilttclli Iv MMR* 

mmii nWabtei mti hvLgegen btetist Mich 

iMMf «HHeatt BMlAeiitaing^, clAfll IM lt«tii «¥MKt^ 

#Bir bürg"*- und sohttoAlgesessen^ki Geschieehter erloschen 
ist, uitd ddfs io den Chroniken des Landes von ihrem 
ersCen Entstellen an , also seit 1 — 800 Jahren , stets die- 
s^lti^n NttmeH genannt werden; eine «n Vergleich mit 
aadem Orten , mo tinzähfig^e Rittergesch hechter ausge«^ 
t^hen sind, gewifs höchst seltene ErsehdtiUkig. Vor-^ 
U/tj^mim ItaitHlge belcbrifilreti «loib MiSebst a«f iüm 
4lMMI|||»-4nmogthum Stetäo;, to'tlreU^ HIlMftKMlh 
iMÜiirilpMIife^ vad eulMfeiizugleidi di» erfbl^rüttlM 

Übi^ dfo fiifiA^ihiii^ tle9 litatiildi UHd 'IR<6 
bürg- und schlofsgesessenen Geschlechter desselben. 
Deren werden acht angegeben , ihre Besitzungen hiidcti 
eben so viele Kreise (d. h. sechs, da die Geschlechter 
der Glasenappe und Manteufel aftTserbalb des Herzog- 
tbmns Stettin wohnten), die in qpiterer Zeit auf vier 
redacirl wurden I weiche bis vor wenigen Jahren in ihr« 
nllaii' Vmfnmng^ bestanden babes« Unter jenen Ge- 
8cklecb<ern stehen die jetit aa^eatoibenen Cbafon. ¥on 
Bbeieteinr, ein nisprilngiiGb Dentsohee Geecfaledbl, nan 
den Brandenbur|;^8chen vertrieben und erat seil der 
Hiitte des dreizehnten Jahrhunderts in Pommern ansässig, 
oben an; der Verf. giebt hier, wie bei den folgenden 
Geschlechtern, sorgfaltig die Rurgen an, welche die- 
selben besafsen. Dann folgen die Flemminge, ein 
eingewandertes Deutsches oder vielmehr Niederländi- 
sches tjeschlecht, höchst bedeutend , da es ausgezeich- 
nete Pehlherrn und Staatsmänner in Schweden, Polen 
vnd Sachsen anlknweisen hat Seue ISesitzungen betrii« 
^tt an vierzig Dörfer und Oorftantbeiie , welche den 
Flemtning'schen Kreis bildeten. Auch hier nennt der 
Verf. die Burgen dieses Geschlechts, jedoch mit dem 
Bemerken , dafs die Ueberbleibsel mehrerer alten Burgen, 
die aufser den fünf Hauptburgen, auf Flemming'schen 
Gfttern . vorkommen , wahrscheinlich^ von den Wenden 



Digitized by Google 



9altiMlM 8ta4i«B. Is Heft. 



herrQhren, welchen sie zu kleinen Vesten dienten; aach 
waren sie wahrscheinlich ganz von Holz erbaut Bei 
dieser Gelegenheit widerlegt der Verf. einige Irrthümer 
in Betreff derWeodeo, welche bereits im 12ten Jahrhon* 
deit io Varpommem nicht mehr es finden waren, sowie 
ein Jahrhundert spfiier, nicht mehr in Hinterpommern , 
weshalb alle seit dieser Zeit entstandenen Denlimale von 
Deutschen errichtet worden , und was den Wenden zu- 
geschrieben wird, demnach auf ein Geringes sich zu^ 
rückführen iäfst. Nun folgen die Dewitze und die von 
der Osten ; dann die Borcken , das raächtifrste von allen 
in Hiuterpommern , ursprünglich ein Wendisches, im 
Besitz, von SO — 60 Dörfern, vieler Burgen n.s.w., viel- 
fii(^ ausgebreitet und im Kriegsdienste jeder Zeit gUut- 
send. Bin ähnliches Wendisches, gleichfalls berühmtes 
Geschledit sind die von WedelL 

IV. Einige Bemerkungen über Wartislav 
den Zweiten und dessen Nachkommen. S.116flL 
Es wird wahrscheinlich gemacht, dafs dieser Wartislav, 
dessen Geschichte) so wie die seiner Söhne zunächst Ge* 
genstand di^er Abhandlung bilden, der Sohn Suantibor's 
war, welchen einheimische Docomente als den Ahnherrn 
sämmtlicher Herzdge Ton Pommern bezeichnen. Unter 
ihn fallt die Ansiedlung der ersten Deutschen Eiuwan^ 
derer. 

V. Dr.^Johann Biigenhagens Tod, hinter- 
biiebene Au'gehörige und einige andere Ver- 
wandte. Von Hrn« Conslstorialrath Dr. Mohniice» 
S. 142 ff. Schätzbare Beiträge zur Lebensgeschichte des 
berühmfen Pommerschen Reformators aus meist wenig 
bekannten Quellen. 

(Der Be$chlu/8 folgt.) 



Digitized by Google 



N*. 48. HmDraJI. JAHitB; n. LrtClRATUR. 18IS. 

m»_ ' ^ • . - 

• Baltische Studien. Utes Heft. 

• VI. Das alte Barth in kirchlicher Rück- 
sicht Von Friedrich Oom. S. 173 ff. Eine in- 
teres^ote Monographie über eine Stadt, deren Ursprung 
nach Urkunden ia die heidnische Zeit fallt, begleitet 
mit einer Reihe von Urkunden, welche auf den lo* 
hßH 4m Abhandlarg eich beziehen, in welcher der 
Veit ▼oir den filtesten heidnieehen ^iten auf die ZeH 
der BMranderung der Sachsen j 4le Einführung and 
Verbreitung des Christenthums kommt, und damit die 
ausfuhrliche Beschreibung der kirchlichen Merkwürdig- 
keiten verbindet. 

VII. Sophie von Schleswig-Holstein, 
Wittwe Herzog Philipps II. von Pommern, 
auf dem Schlosse in Treptow a. d. *Rega ige- 
fliaribiMl.M&8.) S. 241 ff. Nicht ohne allgemeineres lor 
teroflta und mit manchen charakteristischen Zügen. 

.l^in. Fflnfter Jahresbericht der GeaelU 
acli^ft filr Pommer*8che Geschichte und AI- 
terthamsknnde. • Stettiner' Anssdiafs. Vorge* 
legt am 15ten Juni 1830. Dieser Bericht, aus welchem 
rege Theiloahme und warmer Eifer für vaterländische 
Kunde auf eine erfreuliche Weise hervorsteht, zerfällt 
in drei Abtheilungen. Die erste giebt Kenntnifs von 
dem Zuwachs zu den Sammlungen , sowohl an Münzen 
(dlarODter acht und zwanzig St&ck Römische^ Kaisermiki* 
sen aof Kupfer, angeblich im Mecklenburgischen aus- 
gegraben» swei Arabische Silbennfinzen, gefanden auf 
der Insel Wdlm u. A.), als an altem Gerlthe ans christ- 
liöhef und Torchiistficher Zeit (darunter mehrere Streit- 
kolben , Streitäxte , mehrere bronzene Bilder u. dgl. m.), 
und endlich an Büchern (darunter bedeutende Geschenke 

XXV. Jahrg. 7. Heft. 46 



Wl Baliisebe Studien, in Heft. 

des Hrn. Prof. Rafn iu Koppenhagen). Im zweiten Ab- 
schnitt finden sich : Nachrichten von altei thumlichen 
Bauwerken und antiquarisch bedeutsamen Oertern auf 
dem heimathlichen Boden; hier zunächst von der beab- 
sichUgten EatwerfuB^ eioer antiquarischen Charte von 
Pommeni, sowie eloer andern Tollständigen Cliarle von 
den Ufergegeiideo d^s. Haffs awisclien Ziefenort und 
Uckermfind^ und von Lebbin bis Prttter dnrch Herrn 
Nitzl(y, dessen Nadirichten über verschiedene Gräber 
altlieidnischer Vorzeit, Burgwälle und andere Ruinen, 
die in verschiedenen Kreisen Pommerns vorkommen, 
Bauten des Mittelalters und dergl. m. hier mitgetheilt 
werden. Kndlich drittens: historisch-antiquari- 
sche Forschungen. Bezieht sich theils auf die ver- 
schiedenen ztt Nsobgrabungen gemachten Vorschläge,« 
Üiellfr anf .die von verschie«ienen SeUen eingesandt^ Ahr 
baadlungen und Aufsfitze, i&ber verschiedene» die Alter« 
tlmaiskunde .betreflbnden Gegenstände^ Wir machen hier 
beispieWialber au&ierksam auf die in Pommern vor- 
schiedentlich in Gräbern und sonst gefundenen spiralför-^ 
migen Gewinde, die, wie wohl kaum jetzt zu zweifeln 
ist, als Kopfschmuck der Frauen ursprunglich gedient 
haben mögen (S. 324 ff.); oder S. 328 ff. über den Be- 
trieb des Eisenbaues in Pommern in früher Zeit; oder 
a 329. über alte Gemälde l'oiBmerscher Städte , S. 332 & 
über die Insel Wollin; dann auch einige örtliche Sageily 
die slavische Vorzeit betreffend und derg L m. Daran 
sofalieftt sich der Bericht des Greifswalde.r Ana« 
fchusaes, & M2 ff Unter den zu dor Saoioilttng hin- 
ngekoairaenen Gegenständen nennen wir eine Anzahl 
irdener üriiea ; aufserdem erinnern wir an die Beschrei- 
bung der Grabsteine bei der Eldenaischen Klosterkir 
chenruine, und an die Nachrichten über mehrere die 
Pommersche Geschichte betreffenden Handschrihea und 
Url(unden , welche die Universität zn ^reifswidde besitzt 
n. fk' der Art. 

IX. Miscelien, S 312 01 IJ Das Triakbarn 
Herzog Wartislav*sV. mit einer Abbildung, 2) Nach- 



Digitized by Google 



trägliche Bemerkungen über die Lage der 
Jomsburg. Von Gustav Kombst Beziäl sioh 
auf die bereits oben erwähnte AnmerkoDg 8. 63, wo der 
Ver£ die Vedel-Siinon'sche Arbeit (voD welcher io dteMO 
Bttttm 188iK VI. p. 684. 48t ff. cio «öderer Ref. Kiiade 
gegeben) zwar als die beste ia der gesammiea Jörns- 
bttrg'sJiiteniiur anerkennt, und darum auch nicht weiter 
in die Fragen über den Namen, Gründung und Bestim- 
mung der Burg eingeht , aber dessen Vermutbung über 
die Lage der Jomsburg als unhaltbar bestreitet und da- 
gegen die Gründe aufuhrt, die es mehr als wahrschein- 
lieh machen, dafs die Jomsburg in der Nähe des jetzi- 
gm Woilin zu suchen, da dessen Identität mit Julin (in 
4as«Mllilibe die «Imsburg angelegt war) keinmZweiiW 
mlsriiegt. Dieser Nachtrag soll gewissendalisen die Et* 
weberimg jener Anmerkung enthalten^ und des Resultat 
«Sgener Anschauung des Verfs. htk dnem Besuch dieser 
Gegend. Die drei Punkte, welche bi!»her zu Hypothesen 
Veranlassung- g^egeben, und auch die diei einzig mögli- 
chen, Lebbiij, Wollin, Daunenberg und Wollmirstedt 
werden näher geprüft. 3) Anzeige, über die von Hrn. 
Professor Dr. Rafn in Koppenhageu beabsichtigte Heraus^ 
Ipabe einer Sefnmlung der Nordischen Quellen, welche 
Mf die Peksnatschaft der Nordischen Seefahrer mil 
Aaieitta vtNü Biide des sehnten bis gsfOB; finde des 
divMbeteii Jebiliwiderts «cb besiehen« 

Wir ffthreo bei dieser Gelegenheit noeh eine andere 
Pommern betreffende Schrift an , die , obgleich eine 
biofse Gelegenheitsschrift ^ doch durch ihren Inhalt wohl 
ällgemeinere Verbreitung verdient. Es ist dies die Rede, 
-Welche Hr. Prof. Schömann zu Greifiswalde bei dem 
^on der Uotversitit alle zehn Jahre gefeierten Fest des 
'Awienkeiie en den Ted der Firsüa Anna , der eiuBifea 
-Miwester des letitea Pomaiersdien Henogs BogisleMS 
nV., elsD des leisten SprBftiings dieser Dynastie, gehalleii 
hat, womit auf diese Weise zugleich das Trauelfest des 
Erlöschens der Pommerschen Fürsten verbunden ist. Die 
Rede erechlen unter folgendem Titel: 



124 



De Uofrislao Magno Pomer aniae principe. Oratio in decen- 
nalibus exstinctae ducum Pom. fam. aacris ab Jcatlemia Gryphisvald. 
die XIX. Mens. Jül. A. MDCCCXXF. instauratis hahita a Geor- 
gia Friderico Schömann ph, et jur. Dr. Litt. Gr. et Lat. Pro- 
fess, P. Ord. Gryphisvaldiae , typis F. G. Kunike, reg. mUtMn* 
typogr. 46 A Ir 8. Womit sogleick EinlsdungsprogmHttB 
mn iliMMr IMe ▼erbindeB ist: 

Programma. Ad sohmnia decennalia in memoriam et honorem serenis- 
(timae quondam principis ac dominae Annae ttc. etc. simul et totius 
cum Uta exstinctae illustriisimae et auguatiasimae ducum Pomer. 
familiae ex pio inatituto aerenUsimi ^ptondam prine^a ae dommi 
Br»9»ti Bogialai, dueit Croyae ete. «fc. — etiehmda — tu«!- 
tont rwtor «f tmuttu» unioeniiaiit Chrypkitviädmuia, 

Das Programm theilt das Wesentliciiste aes der Le^ 
bensgeschichCe der Anna , der letzten Förstentochler Pom- 
meramschen Stamms, mit deren Tod am 19ten Juli IMO. 

das Haus erlosch , in lebendiger Darstellung mit. Be« 
kanntlkh verliefs die an einen Fürsten von Croy verhei- 
rathete Tochter Bogislaus XIII. , nach dem frühe erfoJg- 
' ten Tod ihres Gatten, dessen Lothringische Besitzungen, 
und zog sich, selbst mit Aufopferung vieler Güter, aus 
ADhängUchkeit an 'die evangelische Lehre nach Pommern 
zurück", wo ihrem Andenken auf Veranlassung ihres Soh- 
nes Ernst fiogislaos (dessen Brief an die Universitilit 
noch Torhanden ist) alle zehn Jahre auf den bemerkten 
Todestag ein Fest gefeiert wird , das zugleich din Fest 
der Brinnerung an das mit ihr erloschene Pommeranische 
Fürstenhaus ist. Zum Gegenstand der bei dieser Veran- 
lassung zu haltenden Rede hat sich der Redner diesmal 
die Schilderung eines der ausgezeichnetsten Fürsten in 
der Reihe der Pommerschen Herzöge erwählt, und uns ein 
ivohl ausgeführtes Gemälde Bogislaus X., der gewöhn- 
lich der Grofse genannt i«;t, geliefert. Die beredte. Ast 
und Weise, womit der Verf. das Leben dieees in seiner 
Zeit und in seinen Verhältniasen ausgezeichneten FQnrten 
darstellt und die Terschiedenen Begebnisse und Schick- 
sale seines thatenreichen Lebens verfolgt, werden ilieser 
Rede auch aufserhalb des engeren vaterländischen Kreises, 
den sie zunächst berührt, wohlverdiente Theilnahine zu- 



Digili^cu by CiOO 



wendeo, zumal da die ciassische Sprach«, in der das 
Ganze gelialteu ist, die Leichtigkeit und Gewandtheit 
des Ausdrucks, uod der lebendige Flafe der Rede die 
Harsiellung eben so anaieheod macht und den Leser 
gern bei dieser Schildemog ?«rweileii Msi, die, weil 
sie keines AusBiigs fiUilg ist,, io ihrem ZusanuiieDliaDg 
ToHstiBdig gelesen werden auifs. 

Chr. Bähr. 



Handbuch der altdeutschen und not äi$chcn Götterlekre. 
2aimidUt fSr dm OiIrMdk im höheren Schulen. Von Dr. G Th., 
LtgU, htifwStf 188L V^iiag der nmrtauam'eektm Btukhtmdbmg 
{SehMndtaUdt u. FolclmuirK «*• W S. in 8. 

In diesem Handbuch wird eine fafsliche und insbe- 
sondere mit einer reichen Literatur begleitete Uei>ersicht 
der älteren Deutschen Gditerlehre gegeben, die aus den 
verschiedenen uns bis jetil bekanntea Quellen geschöpft , ^ 
die Resultele friherer Forschungen in zweckmäPsiger SSu* 
ssBimeniStellnng tieferl ; wobei der Ver£ bedachl war, 
alle fremdartigen, mit der Deutschen Gdtterlehre ver- 
mengten Elemente sorgfilltig ausuuscheiden , %pd das 
Deutsche, ilrei von allem Geltisehen oder SlaTischen, ja 
selbst von dem ihm doch in vielen Besiehimgen weit 
näher stehenden Nordischen oder Scandinavischen , dar- 
zustellen, weil die Vernachlässigung einer solchen ge« 
naueren Scheidung und Trennung bisher zu manchen 
Irrthfimern und Fehlgriffen Veranlassung gegeben hat. 

Nach zwei Perioden ist die Deutsche Götterlehre 
dargestellt; obgleich, wie der Verf. behauptet (S. 47.), 
der Religionsglauben in der späteren Periode sich im 
Wesentlichen gleich blieb , so war doch diese £in*- 
theilung durch manche andere Rücksichten geboten. 
Die erste Periode reicht bis zur Völkerwanderung und 
umfafst also eine Zeit, aus der uns aufser den im Ganaen 
doch sehr unvollstftndigen und maogelbaflen Nachrichten . 
bei Rdmischen und Griechischen Autoren keine Quellen 
w^ter znllieften. Unter diesen Quellen legt der Vcrt 



Digitized by Google 



o 

HS Iieftti« BiittAblieb 4. aMetttichen u. MrdbehttB 0 # MMl Bl hig. 

mit lischt viel Gewicht auf dei Tacitus Germatiitf 
wenn ihm aber dieselbe „wahrsdleinllch nur eine Vor- 
ftereitangfs^chrlft zu ieinen historischen Arbeiten^ edei* 
etwa eine Episode aus dnem der spSteren Bicher der 

Historien" erscheint, so müssen wir bemerken , dafs diese 
von Luden und von Beclcer neuerdings aufgestellten An- 
sichten nach den dagegen vorgebrachten Beweisen schwer- 
lich sich geltend machen oder auf allgemeinen Beifall 
rechnen <lurfen, da die Germania, auch nach unserm 
Ermessen, als ein in jeder Hinsicht selbstständiges Weric 
sich darstellt. Auch die Aeufterang^i „Tacitus wa« 
schwerlich selbst In Germanien ; denn ei findet sich in 
seinen Werken nicht die leiseste Spur [?], daft er aus 
wirklicher anschaulicher Erinnerung spricht wird wohl 
einer Berichtigung oder Milderung bedürfen. Weniger 
wird man es dem Verf. verargen, wenn er in Absicht auf 
Tacitus Angaben über Deutsche Götter, die Tacitu!^ aller^ 
dings in Römischem Geiste aufgefafst hat, eine eben so 
Brenge als besonnene Kritik angewendet wissen will, 
das Vaterländische frei von Römischer Zuthat ausznmil- 
tda Es Ist dem Ref. -seiion mehrnuils bei einigen Bleüeif 
des Tacitus die Vermulhnng aufgestoßen » daft AlMev 
flchrfftsteller namentlich da, wo er von der ReinheU der 
germanischen Religion spricht, welche nicht einmal im 
Bilde die Gottheit darstelle oder sie innerhalb Mauern und 
Wände sich eingeschlossen denke und verehre, mithin 
in rein geistiger Weise auffasse, viel mehr Ansichten der 
Geläuterten seiner Römischen Mitwelt oder eigene reli- 
giöse Ansichten auf Deatschen Gkitterdienst fiberträgt, 
oder vielmehr diesen nach jenen eigenen Ansichten deutet 
und somit in einem reineren Lichte und höherer DeutUttg 
darstellt Vergl. Hoffhieister Weltanschauung dui Tia*- 
Citis 8. m ff. 

Der Veif. geht nnii , nachdem er zuvor einen BKdl 
auf den Charakter und die Verfassung der Deutschen vor 
der Völkerwanderung geworfen , auf die einzelnen Gott- 
heiten , und zwar zuerst auf die alli»-pmeinen und dann' 
auf die Bondesgotiheiten über ; beides zunächst nach 



Digitized by Google 



lüglr« BMbMb d. «Itdeatwlieii v. MmNachen «IdtlorMte. ISt 







Jj 





wMUnüg ¥00 €3ter nor f o der imroUkofninenen Ansichl 
des LeMeferi m «achen wären, der hm, bfos chattische 
▼dNrep ketmeti g^demt und wahrscheinlich den Cultus 
etnselner Stämme dem ganzen Germanenvolke zu^eei^net 
habe. Unter den Bundesgottheiten fuhrt der Verf. die 
Isis auf (nach Tacit. German. 9.), welche er mit der 
weiteriinten (Cap.40.) bezeichneten Aerthas föriden- 
liech hält. Jertkum nämlich Mi in dieger Stelle die 
ffeiitige Lesarl eejn , indem Aerihus (eigentlich .i^erlAq^ 
de» GelblieheD wriha (AngeMclimdi earihe, Allhd. 
crch9 tttstireche nod £ r d e beseichne. Am dieser ur« 
^riii^eiieii LeisrI wire durch Verwechslung der Aa-- 
lllfigiMiclietebeti A und N ein Nerthum entstanden, 
woraus erst eiü Herthum und dann ein Uertham gewor- 
den; welches letztere übrigens dem Ref. immer noch 
das annehmbarste erscheint. Den Sitz dieses Dienstes 
findet der Verf. nicht sowohl auf der losel Rügen, als 
viehnehr auf Seeland. Darin fibrigeqs ma^ er nicht so 
l%me|ll ^abeii, * wenn er diese Isis weiter mit d^r 'Toh 
defl AvMjem verehrten nmier deihn (Cap. 46.) fDr iden- 
tisch kilt, oder wenn er ibid. Cap. 8. bei den dort er-» 
wttmtefr mumumenik nicht sowohl an Germanische Denk^ 
tnSler, sondern lieber an keltische Opferstätten denken 
will. Nun folgen noch Bemerkungen über die religiösen 
Vorstellungen und den Cnltus, wobei wir unter andern 
auf die Erklärung der Stelle des Tacitiis, German. 10. 
über die Sitte des Losens aufmerksam machen, 

Die 'S weite Periode beginnt mit der Vdlkerwande- 
nrng* ttad endet mit der vailigen Eiofahruog deaChH* 
■ieillhumü und dessen allgemeiner Verbreitung unter den 
ChfiimiilBcheo Sttninien. Hier sind wir nicirt mehr avf 
fVemdartigfe, ausländische Qneflen, wie in dem ersten 
Seitraum beschränkt, sondern auf eine nicht unhedeu* 
tende Masse späterer Zeugen hingewiesen, aus denen es 
übrigens immerhin höchst schwierig ist, eine ausrei- 
chende und genügende Darstellung zu Iii fern. Der Verf. 
hat nach einigen eialeiteodeu Bemerkiingeo , worin er 



Digitized 



Legis, üliBdlbueh d. altdeuiecheu u. oordwcheo G4>llcrlebro. 

die Deutschland in dieser Periode bewohnenden Völker 
nach ihren Sitzen aufzählt, und (mit besonderer Bück» 
fliehl auf Grimms Deutsche Reeht8alt«rlh«iner) deo ui* 
nern Zii9taod der Deutschen (yon welchem im Ganzen 
dasselbe giU, was Tacilns von- der früheren Periode be*. 
richtet) schildert, diese Quellen sorgfiltig aufgeaidilt 
(4SL 66—82. nnd dann Denkmäler S. 88—86.); ^er «hdU 
sie in* nnmittelbare (wie n. B« die Abschwdrangsfor- 
mel , der Indiculus super stitionum et pagmüarum , die 
altdeutschen Gesetzbücher, die Capitularien u. s. w.) und 
mittelbare ab; unter letztere rechnet er die (freilich 
immerhin christlichen) einheimischen Geschichtschreiber, 
unter denen Jornandes, oder wie der Verf. schreihi, 
J.ordanes, oben an steht, dann Hunibalt, Gregor von 
Tonrs, die AsmalßB Francmmm , Beda VemerabiUa, 
Panl Warnefrid, Binhard, Wittekind, Dietmar U.A. die 
Verhandlungen der Deutschen Synoden und Concilien 
n. s. w. Wenn es ntra aber S.84. helfet: „dafs alle deut- 
sche Stämme von jeher Götterbilder hatten, ist gewifs," 
oder S. 85: „Um so weniger darf also auch den [mit 
den alten Skandinaviern] stammverwandten Deutschen 
eine völlig bildlose Religion zugesprochen werden'' u. 
8. w., so finden wir hierin einen offenen Widerspruch mit 
Tacitus German. Cap. IX. am Schlufs, in Folge dessen 
wir immerhin genügt sind su glauben, dals in der^ft^ 
teren Periode bis in die ersten Jahrhunderte nnsem 
Zeltrechnung herab, die alten Germanen wirklich keine 
Bilder, keine nnnllchen Darstellungen oder Idole der 
von ihnen verehrten höheren Wesen oder Götter gehabt 
(worin wir nichts Unmögliches oder Unwahrscheinliches 
sehen, zumal da uns von den ältesten Römern etwas 
Aehnliches berichtet wird und die Stammländer der Ger- 
manen im Orient eine solche Behauptung nicht wider-* 
legen, sondern sie eher bestätigen können), und dafs 
sie erst spSterhin, yieileicht selbst in Folge ihrer Verbin- 
dung mit Griechen^ Rdmern oder mit andern Völkern » 
bei welchen Darstellungen , Bilder der Gottheiten im 
Qebmuch waren, wie B. bei den Skandinavischen, 



Digitized by Google 



aotlche sich oach und nachan^eeign^t oder vm, diesen 
«ageooinnieii; wenn wir auch nicht so weit gehen wollen, 
■Ml einem aeiMtiea Forscher zu behaupten, dafs s.BL bei 
de» W«8dei| «rahrfchelaliclMr Weise. Oerirteltamgeii der 
GUmür aiob der Zeit Mi^pqkoiiineDy sie eie TOM 
den ilneo eofgedruageoea cluMllekee Qleiilieii wieder 
abgrfallen , oder dafe erst epItereSchriftiiteller vom fftof-; 
zehnten Jahrhundert an den Deutschen mehrere Gott- 
heiten zuschreiben unil ihnen Idole andichten, während 
TOD allen diesen Gottheiten auch nicht eine einzige er- 
wiesen sey (Vergl. Stieglitz in dein Bericht d. Deutsch. 
Gesellsch» zu Xieifrsig 1829. S. 75 fl^); imqierbin mag; 
aboK.^ Yermathung nicht.. eo gleich yqii der Hand abr 
S9m(09B< eejB, dafe selbal maiiohe der anfgefnodeacsii 
aflfeUidi altheidiiieGheD Id<de oach den Bildern chrisi« 
lioher Heiligeo gemacbt oder, wenn man auf die frü- 
here Zeit zurückgehen will, von Römischen Kfinstlera 
(also auch nach den bei diesen vorherrschenden Ideen 
ihrer Römischen und Griechischen Gottheitep) geformt 
wden. • 

lo der Darstellung der Gottheiten unterscheidet der 
Veif. wiederum allgemeioe Gottheiten und Bun- 
deego tt heilen. Zu den ersteo gehören Irmin, Wo- 
dM^ Thuoari Pro, Freia, nebst Aestar, Ziu 
(Wold); ni letatem Fosite, die Thariogiechen. 
GMaea u. A. Oeo Irmin,- der unter den Gdtlern 
Deutschlands seinem Wesen «nd seiner Bedentwig nach 
üben an stehe, erkennt der Verf. in dem von Tacitus 
g^enannten Herkules, und ist sogar geneigt, auf ihn den 
Namen der Germanen zu beziehen, bei dem wir in- 
defs noch immer Heber an ausländischen Ursprung oder 
•n WehrmSoner, Kriegsmänner , denken. Dafs von der 
Irmensäule auch hier die Jiede ist, war zu erwarten; 
ihber alie einietne Pnnlite sind hier sowohl wie bei den fol- 
genden Gottheiten aipefilhrliche Nacbweisungenf und eine 
rttdüinltlge Literatur angegeben.. Den Woda n, dessen 
Verehrung bei allen deutschen Stimmen stattgefunden 
haben soll , und welchem der Verf. unter den Deutschen 



Digitized by Google 



Hmdeog5Uer%mnii äoilers unter ihnen eine Rangor dauii|^' 
sMtgf^adeiif mer«lii;(ellt, findet der Vf. in dem Merc«r 
des Tacitiis^ «iio|i bringt er Aber den Nameii .dieser Ootk» 
heit die wsohiedcaien Btjmologien bei. Der Thnnnr 
Ist Ihm der Mnrs des Tscltos; spätere Sehrfflsteller Ke* 
zeichnen diesen Donnergott als Jnppiter. Ueber die 
Gottheit Fro wissen wir höchst wenig; in der Verbin- 
dung mit der Göttin Freia und selbst in der Verwechs- 
lung mit derselben glaubt der Verf. (falls es nämlich er- 
wiesen werden könne , dafs man den nordischen Freyr 
als Sonnengott oder als Gott der Fruchtbarkeit herm-» 
«{ihroditisch vorgestellt) eine Spnr TOn den rtthselhaften- 
AI elf (bei Tseittts Qernn. 4&) m finden. Bereit» oben- 
& tK. In der ersten Periode^ hntte der Ver£ dieser QM^ 
heit gedacht, ohne Im Stande m sejrn , Mivns Nftherer 
darüber anzuführen, als die allgemeine (im Gänsen viel- 
leicht auch richtige) Bemerkung, wie die ganze Nach- 
richt von dieser Gottheit und mithin diese selber als an- 
germanisch sich beurkunde. Jetzt hat freilich Barth 
nachgewiesen, dafs die Alcis die Mächtigen, fUe. 
Starken, sind und agf die Kabiren der Griechisch* 
Orientalischen Religionen zuriicksufuhren sind ; wovon 
an elnesB andern Orte ein Mehreren. In so fbrn kdnnen 
wir eine Bemhnng auf Fro oder Freia nicht aner- 
kennep. Ueber die Freia handelt der Verf. nnfit Aus- 
frihrlichkeil nnd stellt sie mit der Isis-Aertha [Hertha] 
des Tacitus zusammen; weniger richtig vielleicht mit 
<ler Griechischen 'Fda (S. 113.). Das Nachwort ver- 
breitet sich über die Ostar, Ostara, richtiger A e s t a r , 
worin der Verf. nur einen andern Namen der Hertha 
öder Freia, und vielleicht den richtigeren und eigent- 
lichen jener Erd- und Göttermutter findet Aber den- 
Begriff der Mondsfdttin bei dieser Deatedien* Astarie 
aaftugeben , vermag Ref. eben so wenig als bei der Isis 
(um dieses Beispiel anzuführen) , in welcher beide Be« 
griffe sich vereinigen. — Der II. Abschnitt: „Gottes- 
dienst und Bräuche," S. 124 ff., ist nach dem oben 
bereits erwähnten Indiculm superaiHioman gegeben; 



. by Google 



I 



Lqefo» HaiMib«eh d. altileatMtheB «. iMrdiiiclMB CNMIerIchrB. Hi' 

die Beilag^en S. 1.36 ff. enthalten I. einen Abdruck der 
Ab«a|^ung8- oder Abseburdruigiiformel) die ton Bonilk- 
dus «einen Tänflin^n in Prunken , ThOrinfen imd HeMen 
abgefordert and von dem GonciHum zu Liptina im Jahr 
IM. awoh febilli^t wurde« mit den ndthlgen Worterklfi*« 
rungen und llterfirischen Nachweisangen ; dann \l. C(troU 
Magrd CapHulutw de pai-ttbus Saxomae vom Jahr 
III. S. Gregorü M. Epwtola ad MeWtnm Abb(dem — 
ein Brief des Papstes Gregor s des Grofsen vom Jahr 601. 
an den Abt MeMitus und den Erzbischof Augustinus in 
JBngland über die Art und Weise, wie der Römische Bi- 
schof die Angelsachsen bekehrt wissen wollte. IV. Da»' 
jMMi» IFenf^ l^^i8fmp% EpitAoim ad 8. jBmufmokm. Dea 
' muHi lim Namen dea kaleohelisdien Mta H ule Brief iler 
Biachojb Osniel Ton Wincheafer an den heiligen Bonffacimr 
(wahracheinReli am 1S4.), der aich wohl bei seinem 
Freunde über die Art und Weise de« ßekehruiigsge- 
' schäftes befragt hatte. Der Brief zeugt für einen höhe- 
ren, geistigen Gehalt der heidnischen Lehre, unti ist in 
dieser Beziehnog sehr wichtig. 

In dem andern Haupttheii (IL Nordische Gdt* 
lorlehre« 8. 149 ff.) gieht der Verf. cnersi eine hiato- 
rifteh-kritlsehe Binleitang in die aK nordische Götter- 
lebre\ wobei die Ansichten über Odin« die Äsen a.A. 
näher besprochen und zugleich der Gehalt ond Charakter 
dieser nordischen Mj^thologie, sowie ihr Werth als Poesie 
im Vergleich mit der Griechischen, näher zu bestimmen 
versucht wird. Dann folgt eine Uebersicht der Quellen 
und Hulfsmittel, worin, insbesondere mit genauen und 
Toiiständigen Literaturnotizen, über die ältere und jün- 
gere Edda 9 fiber die Isländischen Sagen, Saxo, die 
Volkslieder und Reimchroniken gehandelt, and am 
Schinfs 8. 119. eine Literargeachichte der nordlMshen 
Mythologie gegeben wird, in der die geMmmte Literatur 
Aber diesen Gegenstand sorgfältig verseichnet und clra« 
racterisirt ist. 

CAr. Bdfcn 



Digitized by Google 



KURZE ANZEIGEN. 



Joam»99 CIcrl«««, J, L. Jf. JUtL H PiOo». UmI. Thtoiogime 

Ein reichhaltige« Handhach, wie et von der Gründlichkeit und 
Sorgfalt Holländiacher Gelehrsamkeit und einem der angeaehouten 
ncologen in jonem brAderlichen NachbarUmde so enrartm iat. Aa»- 
liShrlicbe theologiafeli« BBcyklopSdioi haben wir nur wenige; das Tor- 
liegende bi nnaera Anweicnngen ron Klenfcer, NSaaelt, Plank, Bert- 
beldi aamielhen. IHe xam Studium der Theologie gehdri<^en Hmipt- 
■nd NebenwlMensciiaften werden in gewöhnlicher ReilienfBlge Mnli 
ihrem Inhalt betrachtet, ^würdigt, und dem Studircnden so vorge- 
zeichnet, wie sie zu Rciiiein Zwecke dienen. Was der jedesmalige Pa- 
ragraph zusammenfnrHt , führen die Noten , hauptsächlich in Angabe 
der Literatur aus. Diese, die Niederländische wie die Ausländische, 
irt denn ungemein reich ausgestattet, bis auf kleinere SchriHen , und 
Ua attf die neaarten Sdtan (1880.)$ » w«n%e der Bedentandwen, 
die in Drutadil«ad**eraeh{enen, haben wir Tennifat, — Hier nnd im 
kt anefa ein hnmee UrtheU lieigeffigi. Uebeinll beriehtel der Yarf. a»- 
heCugen, nie nnfrenndünh; inmer mit Aditinig gegen die Sdnrifl» 
steller, welcher Meinung sie auch seyen. So blickt durch Denkart und 
Sprache, die ein fliefsendes, gutes Latein ist, eine acht humanistische 
Bildung hindurch. Einige Register machen dieaes gelehrte Werk n<>ch 
um so brauchbarer, da es zum Nachschlagen dient, und auch zum 
Eintragen der Literatur, wie sie sich in den verschiedenen Fächern 
fortsetzt, bequem ist. 

Schwarz. 



OrtUio de reUginmi» ekrUtianae effieaoUate in bellum , cum plane sin- 
gtdari, tum masime salutarit quam kabuit d. 8. Febr. tV. A. 

van Hengel, TJtioi, Dott, et Prvf, O. läogdwiu Bat, ap. ImaU» 
am. 18S2. 

Daa diriatenthnni macht den Kri^ eeltner, menadUicdier; nnd 
nor an einem Mittel de* Frieden«. DaTe dieaea im Wesen naaervr. Re- 
ligion liege« konnte dem Verf., einem Theologen, der den Geist nnd 
die Kraft unserer Religion schon länger her in aeinw Kanaeiberedaam- 
heit erfolgreicb anegesprodien liat, nicht schwer an beweifm eejnt 



Digitized by Google 



Tlieelogie. 



abflr tat* ■dnvlBtlgHr war es , diete« hiitoiiieh nach zuweisen , und 
dw iit die eigeiitlielieA^%alM dfasw Wm&rMim, 1km gthitm an- 
IfcMicnde KontnlMe d«r GetdiiOile « iMli«i*utar» lUHM 
■üA der EiBwirkmig dM OirpateBthinM wtf die OerMuMM Vllkcr. 
Aer Tevl hat mit Mehraanlnit imd Scharfsinn dia Aal^cabe geMat. 
KeincRwegfl hat er überhört, was Gegner rerschiedner Art, z.B. auch 
ein Raylc, der meinte, ein Staat aus wahren Christen könne aleilt 
bestehen , schon von längerer Zeit her eingewendet hüben , und was 
jedet immer noch leicht einzuwenden hat. Denkt man an die Granel 
der Bjzant/nisehen Gcscliichte , der kreuzzüge u. s. w. n. s. w. — so 
nars man beatindig und fast miwÜllialirikh ausrufen : tantumnc po- 
iimt mmian mmkfnim fnUgUf Der Verf. hat, aair«i# aa nur die Gran- 
aen «iner IKaaartaitiaii crianMaii« hteianf gaantrarlet, wanigateM darek 
Winke» und die Ehra des Chriateathonui aach dem, der de hierla «kht 
■aegkeaaeM will, ia deat raehten Punct und g^gan den ja«a|gaa 2eU^ 
gaiet vertheidigt. Bs war eben das Nichtchristenthum , wadudi allea 
ja«aa Unheil gekommen, und welches den heiUgaa Namen nur niir«- 
Waachte. Und so sni^t er unter andern: SatU superque vohis erplicni^ 
me nihil gtadguam callide occultare velle. Ceterum disputamii p^ratia 
mihi f<icta. est — — .* religionem , quam hominea atroces chrittianam 
dieerent, tarn fuisae depravatattif ut efßcacitatem suam, prout oporte- 
bat f praettare non passet: hwnanitati vero deinceps suq Jura restituta 
atte , qmü amgit t^igio 41» • tmükus, qum fram et wperttitio ad* 
jwf a n at, pargwatar «t Mattraratarw ^ia tM iMt ate der Lehrer 
daa BittigdiuM Mc* in anaerer Mt m tlm. w die dam aiaaelBe» 
WiiMiilitia wla daa ylikani Friedw Mageiida HaÜhiaft daaMUten wm 
Vafatnd atfd OemtMli a« Mrail 

Schwur m*- 



•J. Lohse's Ikonograph. Ein neu erfundene Z t h k mm - Inttrumeui , 
Ia Miaeai Xwtala dSsai Pmmtographm dMIdb. 

Dr. J. C. H. Gebauers Auflbsungsmethode biquadratischer Gleichungen, 

Aus dem Jahresberichte von 1832. für die Mitglieder der Hamburg 
gucken GeseUscha/t aar Ferbreitung mathenuitiscber Kenntnisse. 

Die danlHiche Beadnalbm^ des sinnreich constmirten Apparate« 
sam Auftragen der Mefcnangen auf Stehie , welcher das Nämliche lei- 
stet, als der kostbare rannchcner Pantograph , können wir der Anf- 
merkaamlteit der Lith<^raphen empfehlen. Eine Beurtheilung der vor- 
geschlagenen Auflösung biqnadratischcr Gleichungen gehört für Zeit- 
schriften von rein mathematischen Inhalte. 



Digitized by Google 



,184 Bltttter üuh lit^r Gegenwart. 

iUütter au$ der GegtnwaH für mMnUeSf VntdrhaHumg tmä wiatm" 
nMgm* MmiMm», MH Jbmbmgm. IMt«r Jalmgmg, HU* 

Der Raum unserer Zeitschrift g-cRtiittet zwar nicht, fortlaufende 
Anzeigen sogenannter Journale oder gar wöchentlich erscheinender Blät- 
ter aufzunehmen, jedoch mufs von dicRer Regel bei solchen eine Aus- 
nahme geiiuK lit werden, die als neu auftreten, und über welche daher 
das Publicum von den ik.ritischen AiiHtalten Kunde und Beurtheilung 
im Allgemetneii ecwartatf Bcf. erfüllt aber in dem vorlit^enden FaUe 
.anae OUiegenhaift mm a» ▼lel Uaber, je watht titk dia aacazeigoade 
Mtwdiria TielaeU% TWiMhafl a^^ JSnif fehlna« varüairt aia 
admB towigen, weU da aidi gaaa M va« dar PatttUi de« Ttffia 
Mtty imd alte die wnmafaige Zahl derjeaigan ytriodtechen BUtter $Ut^ 
•vannehvt» darea im latater Zeit Aharhaad genommene Haag« 
deswegen nothwendig zur Aufnahme von eiaMltigea Ansichten 
Tölligen Unwahrheiten ihre Zuflucht nehmen muTstc, weil es nur iw- 
nige in der schweren Wissenschaft der Politik erfahrene und richtig 
urtheileade Männer giebt, die Cabinette aber endlich ihre Verhand- 
lungen vor dem gnifscren Publicum geheim zu Iialten gelernt haben. 
Auch über die anderweitig bis zum lieberdruis verhandelten Gegen- 
itfinda, aimlii^i dia fkuchtbare Cholera und die nothwendige Herstel- 
Jmg Palena ala ■ ii l 1 i it<fadi| p w Stwd aM Übt ««r «ehr kiurz berührt, 
JHMI offeahav nia Yinrtbea der M/ümkOiL <N^.atolU «Ua AMSAt 
ikat Gegenwart aiaa iidit%a.«awaw aflir, UAt akli aUbahav wijdiüa 
dann beurtheilen , wenn man eie apdter ali Taigailgaakait illnriiieti, 
■nd hiernach sollten doch manche, wenn es möglich ipfira, aafluigiHi, 
einiges Mifstrauen in die Gültigkeit ihiee Urtheils zu setzen, da man, 
um nur eins von vielen zu erwähnen, zur jetzigen Zeit an dar Uobm 
Beugung gelangt seyn mufs, dafs die Furcht var dem »genaailtMl aiia* 
tiachen Würgengel httchst übertrieben war. 

Der Titel der Zeitschrift verspricht zunächst nur Dinge aus der 
Gegenwart nitantheilen , aber es kommt auch vieles aus der Vergan- 
gealieit vor, waa jedodi mit der jetzigen Zeit in unmittelbarer oder 
mliidartane mbr naher Terhindung ttdit. Auf gleiche Weise ist das 
Vareprecfteü, Ar nAtaliclia Uatarbaltmig nnd WieeenaefaaflliGhe Beleh- 
nmg an eorgea, treu erüBi, denn bbg^aich Ref. nur an metbafte nnd 
idraog wisseaacliaftliche Lectöre gtmAai hit» ao haan ar daah 
ehern , den vorliegenden zweiten Jahrgang mk Vai||aigai galiae 
einige nicht unwichtige Belehrung darin gafonden zu hahni 
grolser Theil des Materials ist nämlich aus minder bekaimleii 



beschreibungen und den neuesten englischen Encyklopädien genommaa, 
für manche zur Statistik , Industrie ujid zum Handel gehörige Mitthei- 
•faid gute Quellen sorgfältig benutzt, die hiographiachen No- 



Digitized by Google 



Siic^Uls, BiMef de« Orieat«. 385 
«k|k«tf aSeitg^noMep, welche gvofiKntheil« eine bedco* 
«nwBi Iwto» JMS 4ir NitiH«n^iAle iiiiid ii rtHwn i»i <i i TtetMeim 

gBBtlicben Phjsik gchiteige Bfittheilangen li«4irf«B tehr 4«r B«ti«M- 
gmg. So beruliet 4a», mm Abar die AI onditralilen in No. 2. getagt 
wird, auf den AriR^af^ unwissender SchiffacayltAne , aber die 

Nordlichter sind neben anderweitigen Un richtiglteiten ftu<li Gmelin's 
Fabeln wiedergegeben, und bei den, gröiVtentheiU aus llerschers 
übrigens schätzbarer Abhandlung entlehnten, Angaben über den Schall 
hätte für teutsche Leser doch billig bemerkt seyn sollen , dafs die nn< 
ge^ebenea JUleilea und Fuütc cnglisclie sind, wo« dtuiu in Bezieh ua|^ 
MWaiitlirii wi die Meila» «inaa Meoiwta UatoiwIiM mmohU Yen 
«iM Mhr fiacbkeaiilnira aeugt die aSckt TelleBdete AMiwwHaay ülm 
4m Bnipf 9 '«m BlftaMliafteB und Wiitoigaa mUmt denn GeeetM. 
.Udmhftiiiit Mt ea beaierkaBawertli, -daOi eia jedw mA hridki «d i» 
dar Regel mit grorser Dreistigkeit ein coBipeteatea VHhflil «bw Go- 
genstÄnde der Phyaik, der Politik und des Geschaudta aunaCit, da 
doeh bei allen dreien nicht blos natüili<he Anlage, sondern bei den 
beiden ersten auf allen Fall die Kenatnifs einer grofsen Menge von 
Thatsachen , bei dem letzteren aber Regelung und Uebung durch fort- 
geaetzie eigene Wahraehmni^ Beasecen ood VorzögUcbera erfor- 
dert wird. 

. Im dbuizeo verdient ako die vorli^^de Zeitschrift allcrdin^ 
^Müll^iaiiaidMv. wifitain T^gehlittMr and aututer wmisMA» Wnm- 
jUüe in daa L e aw irluto aar aapnetoup nad. ailsUchea UateM^ 
Jlm^ mijgtmmmm mi wurdin Näd» dw vevaMgeheaden Aafc t ia d igaag 
iii dar Freie fiMr den ganzen Jahrgang von 'WocheoUicli 2 Nninmürp 
MÜ 12 StciadmcfttafeUi sehr billig, und beträgt nur 2 Rthlr. 12 gt. 
«debnsali, daa enie Blatt enthält jedoch den Zusatz, dafn diese Bc> 
^ifnmnng blos für diejenigen gilt . welche zugleidl 4^ MM^iänag 
liaitcn « leaat aber auf 4 lUblr. gesteigert wird. 



Bilder des Orients von Heinrich Stieglit». Dritter Band, 
Leg^Mig, bei C, Cnobloch, 1832. in 8. 

Wir halMii die heidcft antea TlieUa dieaar Bilder dee Orieate, 
die aidi mit Arabien und Pertien bewjhäf tigten , la dieaen Blättern 
Jahrg. 1831. Febr. S. 187 ff. angezeigt und müssen, waa den Gehalt 
nad GlMHrakter dieser Dichtungen betrifft, darauf Terwetsen. Vorlie- 
gende , an poetischem Werth , Fiille der Bilder und des Ausdrucks 
jenen früheren Theilen nicht nachstehende, in Manchem» was Wahl 
der Gegenstände, Dictioa und Ebenmafs der einiwlnen Theile des poe- 



Digitized by Google 



736 Saeglita, Bilder des Orients. 

tischen Ganzen betrifft, sie eher fibertteffend« dlllte SkiAmlraig, ^elMt 
«w Hlder der IlmMumiicii« Welt, in' lyriMhen, wie fai .dfiiMti- 
hImr Cicsängen. Uster jene geMri doa H^dflBbiielit die SannBlnig 
«dffiMBd »U einer SeilM tob Iiiedem auf beralmite Ffinten und Krl^g»- 
Mden der Osmanen ; alle aoageiBiciuiet dureii einen lelMndigen Geht 
nnd eine wahrhaft orientalische Anschannng. Wir vollen, als Probe, 
nur auf das Gedicht auf Bi || >a et oder auf Mahomet II. , den £roberer 
Konstantinopels, aufmerksam machen ; fiherzeugt, der Leser werde darin 
genug Aufierderung £uiden, auch die Reibe der folgenden zu dnrch- 
gehen. 

Auf das Heldenbnch folgt Sultan Selim III., eine Tragödie in 
fünf Acten, dessen Gegenstand der durch seine Neuerungsversuche be- 
kannte und dadurch unglückliche Sultan Selim ÜL, deesen Schauplatz 
•omit Konatantinopel and die Umgegend in den Jnbren IBOV. md Mt6. 
kiL Mit Tider Gewandtlieit, in einer dem Cbarakter der TmgMie 
tteta angemeeeenen Wörde , hat d«r Diditor den lüstoriaclien Stoff lie- 
bnndflftt. Die Liebe ist gamdidi nnigeMliloaeeB, eonat aber das Dramas 
gleidl dem Heldenhnch durch eine höchst reine Diction und Vevrfflen> 
tion ausgezeichnet; denn die eine St' Up . bei welcher wir angcst o ften 
sind (S. 51: „Sie knien auf ausgeknicten Stufen"), kann hiervon 
keiner Erhebliclihcit Kcyn. Ks wechseln in dem Drama poetische Ab- 
schnitte mit Iprosaischen ; unter jenen zeichnen sich einige lyrische 
Stücke vortheilhaft aus; z.B. das Lied der Sclavin S. 181 u. A. — 
In der dritten Abtheilung: Türken und Griechen, folgen einige 
anf die GeedilAte des letzten Kam|>fes sich beziehende Lieder, in denen 
«Ik Mfliger Geiat 'wOit, W gleidier Aamtitb der Bilder did Rein^ 
Mt der Diction, ao wie dei VMbanea; weahalb wir wold dieae Po»» 
aicB den gnhmgeBaten, wdeiie die nenere Zeit in Serag nnf Aeaen 
Kampf Irnryorgebraehl iiat, an die Seite aleikn Idtanen. Ala Tknia 
nennen wir andi'liiar mir S. 278 ff. Bozzari*s Grab, S. 289. da* 
Schlachtfeld u. s. w. oder am Schlafs dieser Lieder, S. 827, den 
Epilog im November 1831, und S. ttl. 4m SchdldegruTa, welclMn itA- 
gende Strophe schliefst : 

„Und so mögen Jahre fliehen, 
Sterne steigen auf und nieder. 
In dea Schlufschor's Harmonien 
nüden wir uns Alle wieder. 
Zweige von dem Einen Stamme, 
Funken £iner Lebensflamme, 
Sinea Haupts geweilite Glieder!'' — 



Digitized by Google 



Intelligenz -Blatt. 



1 • ' . , t 

W- 4- 1832. 



LITERARISCHE ANZEIGEN. 



Bd Jen VHtoNMMinlMi wiid eraMaoi : 

Pharmacopoea Badensis, cum additamentis pbarma- 
copoeam universalem cwnplectentibus. Auetore Plu 
Loi\ Geiger, JLexicooforiiuiL Pateat-Veiio-Papier. 

^Br-TeifBMer wurde rwk #er ChwfihirMgliclien Sanitats-Conmil«* 
■ion «nr Bearbeitung einer neuen Pharmacopne für das Gror^lirrzf);^- 
Üinm Baden aafs^ordert. Sein hierauf vorgelegter Plan de« Werkes 
wwde von der R^erung genehmigt. Nach dleeeni Plane enthält da« 
Werk alle in sämmtlichen Phannacopöen anljg;eiioniiiiene BrogiMO und 
SOMmmengefletzte Arzneimittel, von welchen 

eine zcit^cmärse Auswahl , als geaetslicll einneCulirty mU 
grorsem Druck a^isgczeichnet wurde. 

, . -JB^ Bie übrigen weniger gebräuchlichen oder sctlche Arzneimittel, 
, velche zum Thcil nur geKchichtli^lMB Werth haben, laaÜHl 
^eichzeiti^ als Corullarien mit fori, m daft die «Ifhalwliwht 

Ordnuni*- nicht unterbrochen ist. 

£• ist also diese Pharmacouöe einzig in ihrer Art und die ▼oll* 
iJhiggili , «M» je erMMun int flb feBft einem «Ugemein gefuhl« 
ten Bedurfnir« ab, und zerstreut viele Verwirrung und Vnsicheilieit , 
indem «ie die verschiedenen Pharmacopeep verglOM^t. — > Mi4 Becht 
efhält s^e^darum auch den Xitel einer 

Piiarnmcopdea aoiireraalis, 

wiMe dUMlIl Bne elgeiitlitaltdke Anlage nodv dae tot ähnlichen Wer- 
kai 'Torftai hat, dafs eie znoj^Icirh eine Kritik der Arzneimittel giebt. 

Trote der grofsea Vollständigkeit dos Werks wurde durch die' 

£ wählte Einrichtung des Drucks und Formats so viel Raum gewonnen, 
fe das Ganze (der Deatlichkeit und Schönheit dee Dmdia mbeecha- 
dal) Hur ungefähr 40 B<^en stark irfid« 

Der imtck ist schon weit vorgeschritten, und wird so schnell 
fefördert , aU ce die Schwierigkeit denelben nur immer erlaubt. In 
imerMtuM dar V er iM e r i— i PaMiema eftnen gn i ft ww ft»*pectua 
vorlegen, und dieaem ««gleich eine Pialie der hödiat ekuanlea Jinwk- 
jpSiarichtnng beifügen. 

Aeide^iberg, 1. August 1882. 

C. F. Winter, 

UniversitäU - Buchhändler. 



0 



Oigitized by Google 



• , • » > 

80 eten.ist erschienen: 

Handbuch der Pharmacie 

zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte 
für Aerzte, Apotheker und Droguisten. 

Von 

PMipp Lorenz Oeig cr, 

Doctor der Philosophie unä Medicin, ProfeMor der PlMitnMie «tc. 

Erster Band, welcher die praktische Pharmacie und 
deren Hülfswissenschaften enthält 

ViertCj oermehrte und oetbess erte Auflage, 

Mit einer Evpfertafel. - • 

Mit Crofabenoglich Badischen und Königlich Wiirtenibergisclieil PriviiqpM 

gegen Nachdruck und Nachdruck - Verkauf. 

Gr. 8. 1832. Rlhlr. 4. 8 gr. oder fl. 1, 36 br. Rheiii. 



Da« PuliIItHim hat cntchicdrn zwitchon dem mangellmrten , un- 
rechtmärsigen Nachdruck der 2ten Aiiflag^e , nnd der im Jahr 1830. er- 
schienenen Steil OrtginaUusgabe. Der Beifall, den das Buch gefunden, 
hat sogar nach dem IcanEenZeitraani von katmi sWei Jahren «cee nene 
4tc Auflage not big gemacht. Der Verfasser hat auch dieser neuen 
Bearbeitung die grölKtc Sorgfalt gewidmet, so dafs kaum eine Seite 
ohne Nachbesserung und Zusätze geblieben ist, und aufserdem ist in 
ABOffdaung dee Elnselne» manehe angemoiMiio Yerioderiing fgtAxMm 
worden. — 

Die Erscheinung^ der 4tcn AuflaG^e wurde ctMa« verzog-crt, weil 
der Verfasser durch die Bearbeitung der oben angekündigten Pharma- 
eepoea Bademia zvt sehr in Anspruch genommen ist. Mögen die zahl- 
reichen Beeteller die starke Vermehrung de« Werks als einigen Ersatz 
für die Zögerung betrachten. Um es indessen schneller in ihre Häiulf 
zu bringen, hat sich der Verleger entschloRRrn , dasselbe in 3 Liefe- 
rungen auszugeben, wovon die erste (28 Bogen stark) nun fertig ist, 
die zweite und dritte folgen so schnell, dafb dieeer onte Band noch 
im Laufe dieses Jahrs wieder Tollständig zu haben seyn wird. 

(Vom zM eiten Bande ■;die pharmaceutiRche Mineralogie , Botanik 
imd Zoolojgie enthaltend] sind fortwährend Exemplare durch alle gute 
Bndihaiidliuigeii u besiehen. . • ^ 

Ba Udenpreie deMMihen iat II. 18. 18 hr. od« athlv. 8. 4 ggr.) 
Heidelherg, 1. Aug. 1882. 

CK Winter, 
üniverutato- Bnchhändier. 



Digitized by Google 



m dt» VatanwidyMlai iM UigMt mm» BMw «ad KwmI- 
Mcliai.«rtcbieiiai: « 

Ansichten, zwölf, von Heidelberg. 12. geh. 8 gr. oder 36 kr. 

Die Bend er* sehe Erziehungsanstalt für Knaben in Weinheim 
an der Bergstrafse , in ihren Gmndsätzen und Einrichiongen 
beschrieben, gr. 8. geh. 

• • < . 

Demeter, Dr., Grundzuge der Organisation der deutschen 
hatboliscben Schulen ; mit besonderer Rücl^sicht auf Baden« 
Herausgegeben auf Veranlassung des Grofsh. Bad. Ministe^ 
riums; und mit p«da;^ofrisch - kritischen Bemerkungen be- 

J;leitet yoo Professor W. A. Ries. gr. d. (Wird in Q T«gea 
ertig.)' 

Fries, J. F. , Handbuch der praktischen Philosophie oder der 
pküoeophisohen ZwecUlehre. Zweiter Tbeil : Die Beligions« 
Philosophie oder die Weltzwecklehre ; auch unter dem be- 
sondern Titel: Handbuch der Religionsphilosophie und phi- 
losophischen Aesthetik. gr. 6. Btblr. i. Ögr. oder Ü. 2. a4lu% 

G«i|[er, FIi.Ij., Handbuch der Pharmacie, zum Gebrauche 
hei Yorlesnngen und zum Selhstunterrichte iiir Aerzte, Apo- 
theker und Drognisten. ister Band, welcher die prahlische 
Pharmacie und deren Hülfswissenschaflen enthält. £rtte Ab- 
theilung. 4te Termehrte und verbesserte Auflage, gr. 8^ 
Mit Grofsherzogl. Badischen und Konigl. Wurtembergischen 
Privilegien gegen Nachdruck und Nachdruck verkauf. (Der 
ganze Band erscheint in 3 Abtbeilungen und kostet voll- 
ständig Rthlr« 4. 8 gr. oder il. 7. 36 kr. 

Hantseii, Dr. G^y statistische Forschungen fiber das Herzog- 
thum Schleswig, mit besonderer BucHsicht auf nationelle 
^Eigenthumiichkeiten , Gemeindewesen, Steuerverhältnisse und 
den gegenwärtigen Zustand der BauernwirthschaUcn. istea 
Heft : Da« KusitenstreGhe ?on der Breede Aue bis zur Wid Aue. 
gr. 8i B gr. oder 36 kr. 

Hepp, Dr. F. C.Tb., Vergleichung des ursprünglichen Hän- 
noTer*schen Strafentwurfs mit ^m revidirten Entwürfe, gr. 8* 
gdh. 6 gr. oder 27 kr. 

Jean Paul's politische Nachhiünge. 16 elegant cartonirt. 

16 gr. oder fl. 1. la kr« 

Leuchart, Dr. F.S. , Einleitung in die Organiatrih und sns- 
^ beiondere die Zol^trih oder 'ftierarzneikunde ; iur Vorle- 
sungen über Thierarzneikunde und als Vorbereitung zum Stu- 



Oigitized by Google 



deatpoKtn iiiid«ii$NbidiMbea , diitvarzaeÜicBen 6 < fe rift c a . mr» 8l' 

lo gr* odsr 4§ hr. 

M a r t i n f Dr. Ch. , Lehrbuch des deiit8Cli«n gemeinen bürger- 
' lieben 'Procwm^ nie mbesserte Autgime. gr. 8. (Ist 
OBter der.Prsflfe.) 

Paulos, Dr., über die Principien der Prefsfreiheits- Gesetz- 
gebung als Rechtsschutz für die Wahrheitsfreiheit. Zeit- 
erwägende Bemerkungen und Vorschläge praktischen und 
recbtlicben Inhalts, gr. 8. geh. gr. oder 54 br. 

— ' Exegetisches Handbuch über die drei ersten Evangelien. 
Des Steußandes erste Hälfte. Rthlr. 2. 8 gr. od. 11. 4« 12 hr. 

Bau, Dr. K. H., Lehrbuch der politischen Oehonomie. 3r Bd.s 
• die Finanzwissenschaft ; auch unter dem Titel : Grundsätze 

der Pinanzwissenschaft. ( In 2 Abtheilungen.) gr. 6w (Die 

erste Abtheilung erscheint im October.) 

— dß in naturae in rempuhUcam ; öroHo etc* 4* >0 gr. od. 4^^ ^* 

Stern, W., Schreibgang für Landschulen. 4 gr. od. 16 hr. 

^ Sehreibeeholei deutsehe Sebrüt. i-^4tes Heft. 

14 gl*« odf 48 kr. 
Bebreibsehole; eoglische Sobraft. 1— stes Heft 

8 gr. od. 9*7 kr. 

Vorlage zii^ii Blomenzeicbnen. 13 gr. od, 48 kn 

— Landschaftzeichnen. 1 — 4tes Hefl. 

Bthlr. 3. 4 gr. od. fl. 5. 42 kr. 

2öpfl, Dr. F., über akademische Gerichtsbarkeit und Stu- 
dentenyereine. gr. 8. geb. 4 gr. od. 18 kr. . 

ZülHg, die Cherubim -Wagml, der Stolz der wagenbildenden 
biblisch -hebräischen Kunst und Phantasie, der JehoTathron 
Ezechiels und die Salomonisehen Wascbbeckengestelle. Bfit 
a Abbildangen gr. 8. 16 gr. od. fl« u is kr. 

Karte ron Elirope fSr Sduden. \% gr. od. 4 kr. 

» 9 Deutschland fSr Sehalen. 1 '/b gr. od; 4 kr. 

t » Baden für Schulen. ly^ gr. od. 4 kr. 

Hel4elberf , ien 25. Angott 1832. 

CK Winter, 
VeiveisitiU-BucfcMadlwi. 



Digitized by Google 



I 



mt0lm Mtguy ih» i» mumm Virrih^a wiithitiMiin 

Magazins für die gerichtliche Arzoei Wissenschaft von 
Dr. C. F. L. Wiidberg 

befindet Ri'rh bereits in ien Händen des Publirunii, und die demselben 
za Theil gewordene überaus günstige Aufnahme hat die Erwartungen 
vollkommen gerechtfertigt, welche wir von dem Rufe des hochberühm- 
Um Horn Verfassern, vU yam der CMi^geaMt «elMr LdikHigen m 
ik berechtigt waren. 

Das erste Heft des zweiten Bande« kt bereite eiechienai. . 
Berlin im AprU 1832. 

fV. Natorff ^. Camp, 



Bei der Vollendung des yierten Heftes, ron dem seit Jannnr d. J. 
bei uns erschienenen berlinisohen, i^isloriacl^en UandleiticoBt 
enthaltende 

^eoGj^ciopädische Uebersicht aller historisch * wich* 
„tigen Thatsachen sowohl der Universal- als auch 
Specialgeschichte, ferner Statistik, Linder* und 
Völkerkunde, eowie Berichte Ober die wiehtlgsteH* 
,,Schriftsteller nnd ROnstler, hinsichtlich ihres Le- 
„ bens und ihrer Leistungen. 

»Herausgegeben von einem Vereine von Gelehrten/ 



beehren wir uns , das gebildete Publicum Deutseblanda auf dieaes Werk 
besonders aufmerksam zu machen. 

Ueber die Bearbeitung der einzelnen Zweige, die den geachtetsten 
Gelehrten Deutschlan/is anvertraut ist, bemeraen wir knn, dafs sieb 
besonders das Feld der Greschichte , und vorzuglich Staatengeschichte, 
im weitesten Sinne des' Wortes durch seine Darstellung auszeichnet, 
indem der. geschlchtUdien Entwicklung jedes einzelnen Staates nicht 
nwü eine chronolof|^be Uebersicht^ der HauptbegebenhdMcD, sondern 
nuch eine vollstänoige, nach den einzelnen Fürstenhäusern geordnete 
Regententabelle dtsselben folgt. — Mit gleicher Genauigkeit sind alle 
fibriji^ im Titel enthaltenen wissenschafaieben FSeher, muhTeriiUi- 
oiTs ihrer Wichtigkeit bearbeitet. 

Der Subscriptionspreis für jede« 6 — 7 Bocoi starke Heft, wel- 
ches wenigstens ebensoviel enthält, nie 8 — 9 Bogen bei andern ähn- 
lichen Werken, beträgt 10 Sgr. Jeden Monat erscheint punktlich ein 
Heft. Alle salid^ Bnchluindlangcii selimcn bioraiif Bestellnagen an. 

Berlin im April 1832. 

Die Terlagsbandlung, 

W, Natorff Sf. Comp. 



Digitized by Google 



I 

Bor sw«ito Theil dm fai neiiieBi TeilBg« «ndieiaeiideii A t ii id b u t«!! 

TOTIÜS LATINITATIS LßXICON, consilio et eara 
Jacobi Facciolati , opera et studio Aegidii Foreellini 
alumni seminarii Patavini lucubratum. Secundum 
tertiam editionem, cujus curam gt^ssit Josephus Fur- 
laaetlo, aluiuous ^ludein semluarii , correctum ei 
anctotn labore Variorum. Ediiio tit Germania prima. 
Ciim privil. reg. Sax. Tomus secuodus. D — L. 
gr. Fol., 175 Bogen. Pr.Pr. fttr die beiden ersten 
Theile 18 TUr (Mit Inbegriff der 8 Thhv Vorauti- 
bezahlung der letzten 50 itogen des letsten Btnde^ 
welche dann gratis nachgeliefert werden.) 

hat die Presse verlassen, and ist bereits an die Herren Snbscribenten 
▼emendet worden. Ich beeUe mich, die« om so mehr der gelehrten 
Welt Itelcamt sn nadieii, als es der nchente Beweis ist, wie cBea 
ITnternehrarn eines möglichst raKtlu n Fortfrang« sich zu erfreuen hat, 
den CS aueh^ so Mcit menschliche Kraft es vermag, bis ans VmAc be- 
halten soll. Aufser den 5000 neuen Wörtern und 10,000 anderweltcn 
Verbesserungen, welche der Redactenr der neuen Paduaer Ausgabe (die 
beiden ersten Theile der eben^enannten Ausgabe )<osten , laut Bücher- 
*verseichDifs von Hrn. Friedrick Fleischer in Leipzig , 29 Tklr. ß Gr. , 
also nm die Hälfte mehr, alt die vnari^e, witircvd eie a» £legans der 
nnsem bedeutend Mcbetefaen mafs ) hinsvgefOgt hat, wwden die Zu- 
sätze des Bailey sorgfältig benutzt; und wenn die unserer Ausgabe ei- 
genthümlichen Verbesserungen auch nicht am Fineer hergezählt werden, 
M kaan sich doch Jeder kScht adt efaem Blielr m dieseihe de« Besten 
uberzeugen, wie es uns ein Leichtes wäre, wenigstens die gleiche Zalil 
herauszubringen und auszuposaunen, hätten wir anders nicht den festen 
Grundsatz, alles ruhmrednerischen Verfahrens uns streng zu enthalten. 
Subscripiion auf dieses ausgeaeicluMte W«rk nehmea alw solide Boch« . 
haadlu Ilgen in DemUchland an. 

Sclineelrarg, im Jfnai 1881. 



CurL Sprengel 

Flora hal eusis 

a TomL f 

£di^ secunda aucta et emendata. Charta script. 2^/^ Thlr. 
Charta membr. Z% Thlr. Halae. 

Die Fhrm MmuU von Kart Sprencel, welclie 1M6. enchleii, 
hat Ib oad aafter Deatschhmd sidehoa Bdnll gatadea, dali dbo ncae 



Digitized by Google 



XXVII 

Aii««ibe nothwendig wunlc. Der Verfai«er hat dabei nicht allein die 
Wiohtigy ii For ttchrit te , welche die systematische Pflanzenkunde in die- 
S*öltf««aie fl;eiaacht hat , sondern auch die Eatdeckwirai W a 1 1 - 
roth 8 in der Ealle'schen Gegend besonder« , and 41« Untmancliungen 
Keichenbach s und Andrer über deutsche Pflnnzm im AlltrcmeiMB 
kritiach benaUt. Die Kupfertafela fallen bei dieser n» um Auflage eben 
•o WM das TerMiclimra der citirten Sehriftsteller &la überflüssig wer; 
dagegen sind die Namen der Familien bei den ScUiaaelii der KlasMO 
jeder Gatiang beigefiigt, das Verzeichnifs der Pflanzennamen ist durch 
«e Aufnahme der Arten und Srnonyme wesentlich bequemer einge- 
rietet , die Angabe der besten AbblldwigCB jedsr Alt wUtim ttwdi£te 
und llJutnezeit der Rclfneren Gewächse bedMitaBd* nuMidai and die 
Auctoritäten sind sorgfältig angegeben. 

. ^ Das Ganze wird in 627 Gattungen 2182 Arten umfassen, wahrend 
n der ersten Ausgabe 908 Gettnngen mit 1969 Arten enthalten sind. 
. Abtheilung, welche die PreMe sdien Terlassen hat , giebt 

Bogen die phanerogamischen Pflanzen in 486 Gattungen und 
1112 Arten und diß Standorte und Blüthezeit der seltneren mit llinwei- 
sung auf den Text bei jeder Art. Die 2te Abüicilung ist Ende August 
bestimmt fertig 

Die iFpographische Ausstattung des Werkes wird, «mIi im Mb- 
sicht »lif Correctheit des Üruckes billigen ^fMfrfiflMni fiffhur gWlfigfll. 

Der Preis für beide Theile ist: 

auf Schreibpapier 2 Thlr. 8 Gr. (10 Sgr.) 
„ Schweiaerpapier S Tlllr. 20 Gr. (29 Sgr.) 

HalU, den 8.Juii 1882. ^ 

; Karl Aug. Kümmel, ^ 



Im Verlage von Bechtold &. Hartje in Berlin ist SO 
erschienen und in allen Buclihandlungen zu haben : 

Sk^fotuacmrum specimeo I. ScrifMl Jk€S«Bpf| Dr. 
SL geh, Preis 8 f r. 

D'ii:»e Schrift enthält eine deteUlirte Schilderung der Stadt Sicyon 
lind Ihres Gebiets. Die folgenden drei Specimina werden mnfiUtaen die 
äufsere und innere Gesdüchte und die Erörterungen filnsr die Gulte, die 
Kunst und die Literatur der Sii^onier. 



Ae^b^lßißchG Schriftea von Gotlfried Augast Bür- 
fßt. Ein SapplemoDt so allen Ausgaben von B Ar- 
ge r's Werken. Heraasgegeben von Karl T. Rein- 
hard. 12^ Bogen in 9. fein Dmckpap. Preis 

Sie enthalten folgende bedeutende Artikel: 
1. Ueber die ästhetische Kunst, 
ft. Ueber den ästbetiscben Reicbthum. 



Digitized by Google 



nTm 



3. Ceber die SUhetbeh« GrSfiie. 

4« Ueber die StlhetitclM Hiarbeil «ad Deatlidilieit 

5. üeber Schiller's Kritik meiner Gedichte. 

6. Anhang. Gedichte (acht) von Bürger, durch SchiU 

ler's Kritik veranlafst. 

Erst mit dieeem Bande einpfaiifft das Puhlikiim die nachg^eloBscnen 
Schriften de« Yerfs. vollständig^. Was der Herr Heniusgeber , welcher 
9Uk mm die Werke leine« verewi/^ten Freundes bereit« no grofse Yaf 
dienste erworben hat ^ hi< r liefert, ist eben so anterrichtt^nd , als un- 
terhaltend, und ganz in der originellen Manier des Dichters. Der Herr 
Herausgeber sagt davon in seiner Vorerinnerung: „ Die kleinen Schriften 
▼on nahe verwandtem Inlialte , welche dieses Bändchen vereinigt, sind 
nur durch Zuftill bisher ungedruckt geblieben. Dio zahlreichen Freunde 
und Verehrer Bürgerte mäfsten es unstreitig zu bedauern haben, 
wenn ale viMd, wiewoU spät, nech bekannt gemnehf wdrden. SoldM 
Gaben sind^ immer neu, und ihr Werth ist zu allen Zeiten dereenie. 
Die hier mitgetheilten werden Leser finden, die dnrin den Grcist und 
die Eirenthümlichkeit des unsterblichen Dichters wieder erkennen, und 
die ei«» min gern 4ber 4S» Regeln «einer Km»* b e l e hre n lassen , wie 
sie Bchnn lan^Kt den Künstler g^eliebt und bewundert haben.^' — Da 
Schiller seine ungerechte Kritik der Gedichte Bürger's aus der 
Allgeweinen Literatur «Zeitung in alle AuHgaben seiner Werke wieder 
angenommen hat, «o wird man auch mit besonderem Interesse die 
Clegenrede den p^ekränkten Dichters hier bemerken , deBsen UnoilUb aich 
sugleich in den angehängten Gedichten lebhaft ausspricht. 

V'.. laicht deswegen also nur, weil dieaea kleine Wfick Arbeiten ciiien 



und definitiv vervollKtändIgt , sondern inrnämlich auch seines hervor- 
stechenden inneren Werthes wegen , glauben wir dasselbe der Beach- 






Dtgitized by Gopgl 



N\ 47. HHDBLa JAHR& ^ UT£RATUIL 18M. 



Sr«»««>««^#« mn eine erneie 2elt; in einigen Preiigien ' 
•nd ^den während der Chotm-S^säernie an tUgn, mn l9r.\C £. 
mräne. MHgn bei Bäcker, 12» S; S. 

Erfrealich ist's, auch durch Proben aus der Ferne, 
wie uns diese von Riga her mitgetheilt worden sind, za 
ersehen, dafs auch dort acht praktische und bi-,* 
b lisch e Rationalität sich Terbreitet und zugleich, 
die Jcirchliche Beredsamkeit (fast die ein- 
cfarn, die in den gewöhnlichen Verfassungen statt findet) 
mk Krall und Geschmack weiter gebildet wird, so dafii 
trte redlt' eigentlich beweist, was lebendige Rede, wenn 
sie in jeder Beziehung ebenso geübt würde, auf die 
'Mitwelt zu wirken vermöchte. Alf unser Schreiben, 
das erst ein Lesen , Auffassen und üeberdenken voraus- 
setzt, wirkt viel weniger, als das, was anmittelbar ge* 
lidrt werden kann, besonders wenn sugielch gesehen 
wird, wie es ans dem gaasen Clemllth def Redneis 
berrordrhigt. 

Bin Mer gesammelten Reden itinfsten doppelt schwer ' 
werden, aber anch doppeh starken Eindruck machen, 

weil sie in die Zeit fielen, wo man sich, nach S. 4, sagen 
mufste : „Jeder Athemzug in der Luft, ohne die wir 
nicht leben können, kann den Giftstoff in den Körper 
treiben; wo fast bei jedem Gang über eine Strafse der. 
Aoblick von Erkrankten , die nach den Statten der df- 
fentlichen Verpflegung gefuhrt wurden, erschütterte , 
und wo das von der Noth gebotene rasche, last anstand- 
Jose llinaasllihren der Oj^er des inrehtbaren Uebols 
keine Begleitun|r selbst bei denen Kolielk, nn deren letzten 
Feier unter andern Umständen Achtung und Dankbarkeit 
und trauernde Liebe einen zahlreichen Kreis gesammelt 
haben würde." Aber auch aus den Uebeln selbst wufste . 
der kirchliche Redner, ohne Empfindelei, manche Er- 
hebung zum Guten hervorzurufen, und dabei doch immer 
ngieich, wie z.ß, amPfingstfeste, das Bigenthtaliche des 
XXV. Jahrs: 8. Heft. 47 



s 



Digitized by Google 



Dr. GhraYe*t RiguMdie Fr«d%ten uml Beden. 

Tages zu b^aiitzeo, während nutti (& 30.) gerne liest, 
dafs Er den versammelten BrQdern und Schwestern öf- 
icfnilich •ag'en konnte: fylhr wifst es ja wohl, wie «e« 
iiig es meine Art ist, in jedem Uniieil immer 
Anzeigen eines göttlichen Strafgerichts se- 
hen nnd Terkilndigen wollen; denn der Herr 
selbst, den ich lehre, mahnet mich davon ab." Aber 
mit Recht nennt Er jenes Jahr der Trübsal ein Jahr 
des Segens, — wenn durch die Erweckung ernsten hei- 
ligen Nachdenkens das häusliche und öffentliche Leben 
.darin mehr nnd mehr der Wohnsitz ächter Gottseligkeit 
Und frommer Liebe werde; wenn so illier den Grabhü- 
geln der Vollendeten, ans den Thrftneosaaten der Gre* 
prüften ein edleres Geschlecht erbifihe. Und was ist 
uns und all unsem Volks-* und Zeitgenossen, wenn es 
wahrhaft besser werden soll, nöthiger, als die Rück- 
kehr zu häuslichem Sinn , zu einer die Zufriedenheit 
begründenden Arbeitslust, zu g^emüthlichen , geselligen, 
aber nicht ins Ueberflüssige verschwenderischen Lebens- 
genüssen, wodurch allein verständige Mittheilung der 
Gedanken und Gefühle nnd ekne nicht erschöpfende 
Gleichheit der Stände gefdrdertyUnd das für Leib oud 
Geist Verderbliche des Luxus wieder entfernt werden 
kann. 

In der dritten Rede, am Gebartsfest -des Kaisers und 

der sechsjährigen Grofsfürstin , ist S. 33. vornämlich her- 
vorgehoben, dafs „\ikolaj Paulo witsch in dem Lebens- 
jahre, welches ihm so eben sich vollendete, den bewun- 
dernden Zeitgenossen das Beispiel des kräftigen Muthes 
gegeben habe, mit dem er mitten in die Gefahr jiaoh 
Moskau eilte, um den Bedrängten ein Engel des Schaties 
und der Rettung eu seyn. Zugleich darf es nicht ohne 
Anerkennung erwähnt werden, daA der VerC auch der- 
gleichen politisehe Feste ohne Schmeichelei Ür das Gei- 
stige zu benutzen verstand. An dem Geburtsfest der 
Kaiserin z.B. erinnert Cr vornämlich, wie eine solche 
allgemeine Noth Persönlichkeiten, die sonst weit aus- 
einander gerückt seyn möcliten, in den gerührtesten 



Digitized by Google 



tneiMch liehen Gefühlen einanclei näher hringe. Endlicb, 
mm Itt. Jviiiis, konnte eine allgemeine Todten*» 
ffeier, «ad den August das Dankfest gelultoi 
m»dmm\ '▼•o welchem der Ver£ g«lllhW«ll 9ftgm k^mta: 
4m Mi» OefftM cUr Liebe w Gatlea,.. filtern, Kirn- 
4lm aad GhMliwiitetii, erneaere heafte dan Baad 
SD einem aorgsaai Ireaeren Lebeo mit einanr 
der. Ausztichnang verdient auch von S. 113. die Er- 
ivähnung, wie ein seltenes Beispiel umfassender Fürsorge 
ein Mann gegeben habe, den nur sein Herz und sein 
PAiehtgefuhl für die Monate der Bedrängnifs zum MUr 
riamaliiKii «oa Riga gemaclu hatte. Nach S. V. war 
dtoea.dea GaoMrai-Major ▼oa der Suite dea Kaiaara, 
Graf Strdg^aoow^ deas^ gmlliet .VerdieBal am Riga 
iwHirnad dhmt Zmt.^fich eine lieiondefe kaiaerJiciie Be- 
labanng ehreavoU anerkannte^ 

Ree. hat den Verf. (Oberpabtor an der Kronskirche 
zu Riga und Schwager des auch von mir hochgeschätzten 
Generalsuperintendenten Sonntag) zugfeich noch durch 
einige andere Druckschriften näher kennen zu lernen 
das Vergnügen gehabt Mit besonderer Theünahme ifp 
ich seine Gedäahlaifepredigt aaf ebea^diesen aip 
Hi. Jali«a vefatorb^nea Dr. Soontag^ weidi^., 

damala Privatdoowal io Xieipzig, 1788« vqo Morae eoi^ 
pfohlea^ afai Preauler eine bed^atendf Laafbaha sa Riga 
begann, und fast 25 Jahre lang, als Generaliaper inten- 
dent des Herzogthums Liefland , mit ungewöhnlicher 
Kraft nnd Freimüthigkeit gewirkt hat. 

Ich hebe einzelne Züge zur Charakteristik 
dieaea-Maaaea *) Iterana, weloher von der gansen 



*) Merker» Zatclianer, No. 2999 : ,,Sonntag ttarb, ia dar 
NuM mmk Iftea, mmA ciMV Vfafttlaitägigea BnakMt, am 

. • WMWicklige. BinMo int Ilicirt- and B add h uiit !■ «bib of- 
taM, mUmI noifli auf mIh friichM Gfsb, m^ itrtiMii, mifdite 
wdmtm Vmmaim'uaA Mfaiea Tcnliiwni vahl läage nodi dl«. Vtm- 
mag ftUn, Bittret, schmenlichea YttBiMiaiy nlclit Uoa ia 
iteoa weiten Kreise, in jedem amrer Frovinxen, in weleheei 
«Iwaa «airfiihw» QkqH- «üd adeUiwrigc« UrnkM, wmim mU« 



Digitized by Google 



'Mt llr. GraTe's RigaUche Pf«4ifteii und Acden. 

Umgegend ein U nv erg eis liehe r genannt werden 
durfte. „Der Weg, den der Herr Ihn führte durch sein 
>h$b%a öffentlicher Thätigkeit, war, wie Er seihst es 
«oflgesprocheu hat, fast immer anders, als Br gewinscht 
hatte. Zm Bildiier kiofliger Gelehcten hatte Br «bh 
gebildet, dahin iron frfther Neigong gez^ogen. Und wnH 
gleich dann Br nur wenig Jahre eolchem liebüngs werke 
leben konnte , und es auch fast vier Jahrzehende sind , 
flafs er es begann; dennoch hört man von Männern reifer 
Jahre, die damals Ihm anvertraut wurden, wie noch 
Immer ihr ganzes Inneres auflebt in frohester und dank- 
barster Erinnerung jener Zeit; wie Ein Jahr der Lehreiw 
.Ihdtigkeit sein Bild und «nnen Werth ihnen in dae HeK 
geschrieben hat mit nuFertilgbaren ■ Sigen ! 

Bald ward die Kirche seines Wirkens Siftite. 

Mann, der als Jüngling keine Uebung im schriftlichen 
Gebrauch der Muttersprache gehabt hatte, bis auf das 
Wiedergeben fremder Vorträge; welch' eine Gewalt über 
die Sprache hat Er sich erworben Welch' eine Kraft 
und Angemessenheit des Ausdrucks, welche Lebendig- 
keit der Rede, welch* eine EigenthAmlichkeit der Dar- 
stellung war ihm eigen geworden ; wie war nicht in Zeiten 
sich hftufender Amtsvorträge gerade das, was Br gegen 
den Sehlnfb der Predigten ans der Tiefe des Innern frei 
sprach , oft das Gelungenste , das Ergreifendste ! wie 
nicht gebunden an irgend einen Regelzwang, wie ange- . 
messen dennoch dem jedesmaligen Zwecke, auch in der 



in jenem aeiner Amtsgeschäfte und seiner freiwillig-en Thätig- 
keit, und in vielen, vielen Hütten der Armuth, wird Kränze der 
Erinnerung darauf opfern, selbst >vcnn es schon eingesunken ist; 
and üe Na/Aw«tt 'wM fhm Denkmale Euerkennen, wenn audi 
nidit Jiinetellen, iobnM eie historiwli Tergleicht, wwk Sonntng 
anf der Bahn aeiner Tieteeitigien WirkMiinkeit Yor sieh lind» and 
wan er snrAckl&fet. Er gekdrte %a Benen, Aber weldie nur lie 
gnns gerecht und würdig vrtheilenv nnd in den nedi Seltnerfln, 
üher die ihr Urtheil nnr ein w armer Lohspittdl werden kann* 
Glänzende Greistesgaben nnd Gelehrsamkeit waren in ihm «ber- 
' Men dnrdi Reuheit nnd Adel dee Chaiiditev«." 



Digitized by Google 



Ar. OlrMf« atgaMoh€ Fredigtea uad Reden. 141 

Form! Wie überraschend war Er oft durchs Ansichten 
neuer Seiten an dem Bekannten, und durch die Frucht- 
torkeit und den manohfaohen Sloo der FoikniBgeD, c4w 
m ihm entlockte ! • 

IM'dnifl» Er nieht deaeen tioh fnaiiea, weo» eui 
Grds YettlolMrCe: d«r . erste Gtedaske m eiser bedes«' 
liMlwi 'Aeheolraof Ittr «roiiltliitife Zwecke sey nach 
einer von Ihm angehörten Predigt in Ihm aufgestiegen ; ^ 
— ^ wenn, was noch höher und seliger das Herz erhob, Einer 
▼OD den Edelsten unter Liviands jetzt vollendeten Edlen 
erklärte: Am Schlüsse einer andern Kanzelrede Sonntags 
habe Er auf der Stelle sich es geschworen, die hei- 
li|pe ducke der Gerechtigkeit gegen »aaete 
Irandiratev* Avfhebang eioea herabwftr* 
dfceMleD-Zastandea, suraeinesStrebeiisZiel n wäln 
hmu *} Fenier gab äeine Art der AmtsfUtmog last alles 
jüDgeren Männern des Standes , nicht blos im Vaterland , 
und selbst vielen Altersgenossen, die Erweckung zu kräf- 
tiger Xacheiferung. Er war es, der zuerst die Vorbei 
reitong der reiferen Jugend zu ihrer Einsegnung 
(Coofirmatioo) als des Seelsorgers heiligstes Geschäft 
zu dben begann; Der, in jener Ton ihm eingeführten 
MfantlkdMn Weihe, dieser Lebenshingebung an das Ewige 
Ulf«' gebihrende Wirde ond ihren feiwHchsten Nachr- 
dradi an gebeo wafMe. Wae. noch raebr tat: dankbar 
gedenkt Livland der AnordmiBgeD avd der Avfcicht f&r 
die weitere Vorbildung künftiger Glieder des geistlichen 
Standes (durch die Candidaten- Ordnung des Livl. Ober- 
consistoriums) , der Hülfsmittel fiir Lehre und Jugend- 
biidiuig, ^ie von Ihm ausgingen, der Vorzüge, die 



'^'Diec Mi^e der edle Sivers, Llvlfindiioiicir Laniratli, und spä- 
tfldrfa Geheimer Rath nnd Senatenr , in Bexichiing auf die Landr 
. ta^tpredigt uher den Gemeingeist, Ton 1795, die, toi> 
her einzeln fi^druckt, auch aufgenommen ist in die ISül. crnrhie- 
nene Sammlung von Landtags pred igten. Damals wurde 

, die Aufhebung der Leibeigenschaft in Livland l»e« 
gönnen. 

") Unter Dx. Sonntag« Lehrbuchexn gehört hieher vorxügUch der 



Digitized by Google 



742 Dr. Grave*» RigaUcbe Predigten und Reden. 

das Vaterland , seit Jahrzehenden schon, in Anordniin/or 
und Einrichtung religiöser Feierlichkeiten vor vielen an- 
dern Sitzen des Protestantismus voraus hat , wie er den 
Anlafs und die Losung zu ihoen^gab (durch die Aller* 
höchst bestäiigte Liturgische Verordnung von 1805, 
deren HaiiplTerfvwer iiad Bedadeiir & mr). 

Viemn die dortigeo Cveneiaden sieh einer reldm An* 
zahl fiehterbaulieher, F&ile fremmeo Leben« allineMieff 
Gesänge erfreuen, so ist auch dies vorzüglich Sein Werk 
(durch das vortreffliche Deutsche Gesangbuch , bei dessen 
Veranstaltung Er an der Spitze der Sammler und Bear- . 
beiter stand, die Redartion besorgte, und aufser vielen 
umgearbeiteten Gesängen andrer Verfasser, selbst meh* 
rere gedichtet hat. Ebenso durch das Lettische Ge- 
eanghnch von 1809.). Blennl Ihn doefa eelbfl die eine 
der dortigen ^ndetspraehen unter ihren Biehtem; und 
auch die andere blieb ihm nicht fremd, alt Br ettmnl 
da stand , wo auch sie Seinem Wirfceil udihig scheinen 
mufste ! 

Und ^'ie trat Er auf, als Vertreter der Rechte des 
Standes gegen Verunglimpfung und Anmafsung., nicht 
bios in Worten des geehrten Schriftstellers (S. Formu- • 
lare, Reden, o. 8^ w. Zweite AuA. Bd. U. S. 252.), son- 
dern auch vor den Obern uad dem Thron dcir Biiyeelätl 
Wie stand 6r da, als Vertreter der Reclitn unserer Vüi^ 
che. Immer bereit Ar den Kampf , alMh den geAbs" 
Tollsten, wo irgend sie gekrfinkt werden sollten; immir 
bereit, sich, miifste es se^n, selbst hinzu^g^ebeu. 

Noch ein Blick auf seine Thätigkeit führt auf seiu 
Forschen, Sammeln und Ordnen in DenkraJi- 
lern früherer Zeit. Von welch segensreicher Wirk- 
lichkeit ist dieses geworden für Geschichte und Verfas- 
sung; welche Kdme k&nfttger Saateu und Aernten 



„Entwurf eines Landea-Katcchismot,** dritte Aaflage , 
18^. und der „Katechismua der christlirhcn Lehre, 
hcraiugcgebeu von dem LivL ObercoosUtoriiun« aw^te AuSa^, 
1811. 



Digitized by Google 



I 



m|il>wiiiiiin ^ria Hierher . $thM imrsllfUch «euif) 
reiche SaiviiiiIiiDg von Docnoifliitep «od Nach- 
weisungen Bttr Geschichte Livland's und Ri- 
ga's, sowie die Saininluogen für die Proviozial- 
Gesetzcominission, nebst den Druckschriften: die. 
Polizei für Livland , erste Hälfte, 1821. — und Chro- 
UlteflW^^ Vßfxeicboirfi d^r Patente der Livländischea 
Goiivef liements - Regierun§^ , von 1710 — 1822; Ister 
TUmip Fol. Seiae Wirksamkeit als Schriftsteitor 

lUierlM«yl,. wie oicbl blos, geistvoll , wie auch mühsaiii 
lUifta er m evs; wtellberaU auf das Edlere hinlenkeodi 
wie aus dem höheren Gesichtspunkt, dem oichls Meoscb» 
liches fremd bleiben kann. (S. war, als Mitglied der 
literarisch-praktischen Bürgerverbindung , 1810. Urheber 
des Gedankens, die Stadtblätter herauszugeben, 
welche Er in dem genannten Jahre auch fast allein ver- 
faftle^ Vom Oecember 1813. bis zunp Schlafe des fol- 
geadtai Jahrs gab £r diese Blätter wieder selbst , ua4 
fttr eigene Becboiiog» heraus; dasa innläodische Blätter. 
VSKL ill|isrnahm Er jeae aafii Neoe, ▼erbend mit denr 
selben 1823. die Ostsee-Provinzen-Blitter, und 
setzte Beides bis an seinen Tod fort IMeSCT Zweig seiner 
literarischen Thätigkeit, mit seinen Früchten, möchte 
es wohl verdienen, einmal besonders gewürdigt zu wer- 
den, wie oft er auch ungünstige Urtheile veranlafst hat.) 

Und wie vieles Andre, ob auch noch so entfernt 
TW seiner eigentlichen Thä^tigkeit, liefs der Mann un- 
ermlhdlicher Kraft uod Anstrengung sich aufbürden, Jnd 
sich sdfaet Auf ! Br, der Ma^n von lebendigem, 
ieiehl umfaflsendem Geiste', mit aiigwiblicklichem Er- 
greifen des rechten Gesichtspunkts, mit höherer Ansicht 
der Dinge, mit reifem Urtheil nach dem Schate seiner 
Kenntnisse, mit Freiheit von jeglichem Vornrtheil, und 
mit der nie verleugneten Geneigtheit, auch fremder An- 
sicht, B» wuüste sie aur sich durch Grfmde geltend zu ma- 
elNP, die eigene nachstehen zu lassen ! Allerdings hing 
Er nidH an Fsrmeld ; glaubte den Geist nicht an den 
Buchstaben gebannt; sd|iwor auf keines Menschen Wort, 



Digitized by Google 



als' wir* es gfMIiehes. Aber Br hatte Dicht- Um ein 

tiefinniges allgemeines ReligionsgefQhl; auch 
ein sehr entschiedenes, ächtchristliches, wenn gleich 
der lichte Geist, das reine Gemuth, die helle Einsicht 
in die Schriftlehre mit dem sich nicht vertragen konnte, 
was anmafsliche Frömmelei oll christlich oennt, ood 
aHein so nennen lassen will, ungeachtet es, so lange ihß 
Wort Jean gilt: Ad ihrea Frachten sollt ihr ate erkeaoen! 
nur allzuoft in Gefdhleo eigDer tiefeter Unchriatlichkeit 
▼eraiDkeo mfifste. Ja! £r „hat Glanbeo gehalteo" in 
des oft gemffedeuteteD Wortes Tollester Bedetttang: Glau- 
ben an alles Menschlich Wahre, Gute, Schöne; Glauben 
an alles Christlich -Heilige und Ewige! Zwar seine 
Reizbarkeit empfand und äufserte sich zuweilen in einer 
Art, die Ihm und Andern nicht wohithun konnte. Sein 
sittlicher Scharfblick verleitete Ihn zuweilen zu nicht 
ganz begründeten VermuthuDgeo. Seine Kraft und Rasch» 
heit konnte dann und wann verwunden. £r that das 
Nlltziiche, Er sprach das Heilsame vielleicht nicht immer 
mit der Schonung, die wohlgethan hStte. Aher wer 
das zuerst als Schwäche erkannte, war gewifs Er selbst! 
Und kein Vorwurf, der, auch von Entfernten, ihm ge- 
macht wurde, konnte, wenn er nur gerecht war, stren- 
ger gegen Ihn sevn , als der eigene. Und wie bereit 
war Er, wieder gut zu machen! wie eifrig und uner- 
mfidet, das Ausschweifen dieser Naturanlage zu bekäiu* 
pfen; wie wenig geneigt, sie entschnidigen zu wellen, 
als unzertrennlich verhunden mit der Kraft des^Wirkens, 
mit der Lebendigkeit des G.effihls! Freilich war sein 
Leben voll Wirksamkeit fast Bin immer unterbrochener 
Kampf. Schon dem Lehrer trat sittliche Gemein- 
heit feindselig entgegen. Mehr noch mufste des Landes 
Oberhirt kämpfen , und der Fremdling, und der Mann, 
welcher schon in der zweiten Hälfte des vierten Jahrze- 
hends seines Alters auf diese Stelle in die manchfiichsten 
Verhältnisse sich versetzt sah, und jedem zu g«il|gen 
glühete. Das Fortschreiten der Zelt in den Pomien 
iigidser Feier — wie ward es anfgenomoien und dar- 



Oigitized by Google 



Dr. GraTe's Rigaischc Predigten und Reden. 745 

|;«8tellt als Gefahr fSr Glauben nnd Staat! (S. Geschichte 
nod Gesichtspunkt der allgem. h'turg. Verordnung vom 
J. 1805.). Aber wenn je von einem Manne, so gilt von 
Ihm das Wari ewiger Weisheit : Wenn Eines Wege Gotl 
Wohlgefallen , madbt er auch seine Feinde mit ihm n- 
Msden! Uoil wo selbsl dieses sieht m^ikk ward: 
o vnfM ein Gewinn, Mb mtm Ihn e hf e h , wenigstens 
Ihn fiiditeB innfotet 

Aber auch sehr warme Gefühle für Lebensgenufs 
jeglicher Art wurden Ihm durch jene seine Anziehungs- 
kraft für jeden reicheren Geist, jedes edlere Gemüth, 
in der Nähe und Ferne; diese Liehe und Verehrung, 
die adt den Jahren' immer ungetheilter nnd sichtbarer 
Ihm gewidmet wurde; dieses Bewufstseyn, mitgewirkt 
SB haben zu den bedeutungsvollsten Angelegenheiten sei- 
ner Zeit und Gegend , diese Aussicht, seine Saaten immer 
herrlicher reifen zu sehen ! Selbst als nun der Tag zu 
sinken begann, welch* ein freundliches Abendrotli, das 
noch Ihm wohlthat in dem Besuch des Ersten dieser Pro- 
vinzen, in dem Zusammentreffen d.er G.eistll- 
eben aller Glaubensbekenntnisse am den 
Frennd Ali er! Und als die Nacht schon anbrechen 
wollte, Ihnkelte da doch ihr Abendstern. Dem Leben 
solcher Kftmpfe sollte ein Tod ohne Kampf folgen ! Was 
Er am ängstlichsten nach seiner ganzen EigenthQmlich* 
keit fQrchten mufste: peinliches Sich -selbst -überleben, 
langsames Absterben in erzwungener Unthätigkeit ! Er 
ward damit verschont. Der Vergelter winkte seinem 
JBngel, und in leisester Berührung drückte dieser mit 
einem Kufs das Auge ihm nu. Er hatte den Lauf vol* 
lendet, eh' das Geföhi Ihm geworden war: ich voi«» 
lendoT - — - 

Gebt war Licht — Sein Herz der Liebe Fillel 
Oes Olanben« Strahl den heitern Blick verklärte — 
Sein froher Mnth der Hof fnung Grufs bewähste» 
Dafs durch den Tod sich Loben neu enthülle ! 
Einfach und wahr und würdig war Sein Walten — 
Gerecht Seia Thun, und kraftvoll all* Sein Streben ~ 



Digitized by Google 



TM Dr. Ornnf» m§ümih» Vmütfim 



Mild Sein OeaAtii, mti fr«l|MUeli Sein« Sitte! 
SIb Vttter in anzährger Kinder Uitte . 
T'nr alle, liebreich segnend, wollt' Er leben — 
Ihr trdiacli Heil — ihr ewige« erhalten. 

Wie wenn der 'Gruft «och Seine Stimm* entstiege ^ 
Ruft JSr: „Anfttnhend Awee Math, 
Hüft dMü, Vma heilig, grofs, gerecht und gut — 
RaatloB za trachten! Glnube! Knippfe! Siiqgvi" 

So lafst ans feiern Seinen Tod — nicht klagen. 
Er wulste alles Irdische leicht zu tragen, 
Weil jugendlich Sein freier Geist erglühte. 
Weil stets zum Himmel war Sein Blick gewendet. 
So hat der edle Greis mit Kraft geendet. 

£r kam — nm Viel zu bauen und zu g:rändl|ny 
Zu rathen und zu helfen, Trost zu geben. 
Zu weckeu, zu ermufh'gcn, zu erheben — 
£ r kam , das Wort des Lebens zu verkünden ! 
Er kam — ein Licht der Wahrheit zu entzündeu 
In Geist und Herzeo , und an Aller Leben 
Dne Hohe in's Gewdimliehe s« wefeea ^ • 
Dom Wirklichen d«n Heirge sni verh#ndflii I 
1hi$ fUrehe, Sehnte, Hane, fleeett und Sittel« 
Niwh Gottee WiUen» möchten fSHt bectehen — 
Auf dars es Allen mfichte wohl ergehen ! 

Ein gvter Gelat — Ict Er nnc TorgMchritten — S 
Stt neuem Lehen Ict Er hingegangen — 
Wonneh nnatcrhllcdi eCvehto Sein V4rlangen t 

So viel als lebendiges Lebensbild aus einer zum An- 
denken Sonntag's bald nacli dessen Tode gesammel- 
tea 6edäcbtoi£58chrift (Rica bei Hacker. 43 S. in 4.). 

Auch aus einer voo aem Hrn. Oberpas^or Dr. 
Grave sur tfubielfeier der Augsburgischeii C^afession im 
Gymoasiuni zu Riga gehaltenen Rede bemerkeb wir 
noch TornSmlich die sinnreiciie Wahl des Inhalts. Der 
Redner durchläuft alle Staaten von Europa, um das Cha- 
rakteristische, wie es dort 1530. war, und wie es um 
1830. sich darstellt, lebhaft gegen einander zu stellen. 
Von Deutschland z. B. wird auf jener Seite bemerkt: 
„Der Mann init der Kaiserkrone, um die sich mehrere 
Königsdiademe reihten, der Utann., der in drei Erd- 
iheilea gebot drobete den weisen und manphafteii Ver- 



Oigitized by Google 



/ 

theidigern evangelischer Wahrheit. Noch finsterer dro- 
bete der Vatican. Aber es g'iehi eine Macht , geg^a 
welche Schwerter und Scheiterhaufen nichts verinögea. 
Gott selbii InU sie gelegt in die Wahrheit. Mochte def 
6iinll%e.f den D«ii|flobkiMi selbst über sich erhobea 
ImMo, dmen Aeheraielitr md der UttcHrdrfttkffr kitolH* 
Ilohwr w4 nMtieher Mbttoitadigk^tt sa «ftrdao 4mh^ 
teo; devBOcIi mril 4*8 gesf^ete Laad ger^im in 
seiner Getheittheit um so mehr geeignet, des er- 
neuerten Glaubens Wiege zu seyn; eine siegreiche Wie- 
derverkiindigerin der Wahrheiten , die durch einen Wiklef 
und Hufs einer noch nicht genug bereiteten Zeit zuge- 
rufen worden waren. Und jetzt, wenn wir unsern Blick 
nach Oeulschland hinüberrichten , was zeigt sich uns? 
VoUttf^gBügea ist das Reidi, das ein Jahrtawaead hin« 
dvrcii weiiigatens den 'Namen der alten Weltherracherin 
Roma sich eugeeignet hatte. Eine nene KaiaeArone 
glänzt in gesicherter Ruhe anf einem Urenkel der Habs- 
burger. Seibstständiger stehen die Fürsten, kräftig in 
jeder edleren Lebensrichtung die Völker. Ein Name 
leuchtet herrlich vor vielen. Er, welcher damals fast 
Tertilgt werden sollte aus der Staatenreihe. Denn das 
Jabr 1680. «ar es, in welchem Karl V, auf Protestation 
deaisidlen Ordensbrüder gegen AUbrecht von Bran^ 
daatarg; welclier Preufsea m einem erblichen Re*. 
gßW temtgH ^ i hem geomamea halte, d^a Ritter Kroabeqp 
mit ^em Lande belehadte; jenen alMr mil seinem Ge* 
biete das Jahr darauf in diiö AcM erklärte.** — Dergiei^ 
chen richtig gedachte und gut ausgesprochene Zeitge* 
mälde wären noch mehrere aus dieser Retle auszuheben, 
welche überhaupt den Zweck hat, die erfreuliche Wahr- 
kett zu bestätigen, dafs es besser geworden ist. 

and durch den Kampf der Glaubenaverbesserer 
mrd WS Rühe. Durchgeraaf eo hat sich unsere Kirche 
iarch aaehr als fiiae Yemtnug au dem netteren GeWA 
▼Ott dte« worin das flhristenldbea mhet, waaseiaS^pen 
ist und lodert. GesÜral ist 4e» AbetglMOiena Reifill, 
und wie auch irgend die „Tenf elsanbeter aaaerer 



Digitized by Google 



t 



748 R* Brinckoiann » WisMiiflcliafUich praktisch« RcchUkunde. 

Zeit" es witsflerherstellen mochten , wenigstens kein Lu-' 
ther des Jahrs 1830. wird das Dintenfafs dem Fürsten 
der Finsternifs entgegenschleudern. Aber auch die» 
wollen wir nicht einmal denken, als ob uns ein neuer 
j^Hlher nöthig wire. Still wirkend wird die Seil 
(und beioBnaoe UiipftrtheiliehlMil) imnMr mehr 4m 
Tempel Getlee nülaigen, der hlera seine Dieper •endet.*' 
Wer freut . eich nicht , vom fernen Norsden her, dieie 
Gleichstimmuag xu hdreo? 

Dr. Paulus. 



Rudolf Brinckmann, Prof. in Miel, fVitsensehäftUek ^r«ik- 

tische Rechtakunde. Eine Sammlung von Erörterungen am 
dem Gesammtgebiet^ der in Deutschland geltenden Rechte, Schleswig. 
Druck und Verlag des königl. Taubstummen - ImtitiUs, 1831. LB 
XVI I*. 455 Ä 8. 

Als Ziel der in dieser Schrift mitgetheüten Erörte- 
rungen giebt der Verf. an, die Rechtskunde auf eine wis- 
senschaftliche und zugleich praktische Weise zu beleben 
und zu erweitern, und eben deshalb, weil bei allen Ab- 
handlungen mehr oder weniger derZweok verfolgt werde/ 
der Geschäftswelt nützlich sn werden, sejen nUe Untere 
•Bchungen zurückgehalten worden, worans niehto An- 
deres als ein Gewinn Ar die blee gelehrte Jnrisprudena 
hervorgehen wfilrde. Da in das Gebiet der praktischen 
Bechtswissensehaft jede rechtliche Untersuchung oder 
Beobachtung in Betreff der Sachen wie der Personen 
(mit einziger Ausnahme dessen, was nicht in das eigentr^ 
liehe Leben eingreift, mithin blos den Antiquitäten oder 
einer unfruchtbaren Philosophie angehört) föllt, so hat 
der Verf. gestrebt, in grofser Mannichfaltigkeit Brdrte« 
rungeo mitzutheilen , wie folgender Inhalt darthnf. 
sind nämlich 69 Abhandinngen bald gHlfteren bald klei- 
neren Umfiings, die sich mit folgenden Gegenständen be^ 
schfifikigsn; 



Digitized by Google 



1) Die Gültigkeit einer RechtSDorm beurtheilt der 
Bidittf, daher auch die Legitinillil oder UsnrpatlfHi 
eines Geseizgebeit, Jd sofern dnvon die ReolilsheatM* 
«glwit MoMGeMlMAUiiiigt ~ 8) Me kiii«tQ Vag«* 
'■■&ilighflit.<iiies GetUes entMadet d«D Riebfer iMtt 
IM dfllr; Befolgung dmdbeD. S) dem Wider» 
spHiriWi niitlindtscher und einheimischer Gesetze. Das 
Recht am Orte des Domicils entscheidet fiber die Rechts- 
fähigkeit der Handelnden: das Recht am Orte der Bi«- 
gehung eines Geschäfts entscheidet über dessen Zuläs- 
;«gkeit, Form uml Wirkung : das Recht ao dem Orte, 
wo die ErfulkiBg geschehen aolile, oder wo geklagt wifd, 
ändert nichts an den Wirkungen des Raclil^geaohiliMi 
c4^ ikcf ein eiulieiaiisdiet Gericht - aar Umgeluuig mm^ 
llii^nltor Oesetee hOHMdie Htdd leittenf — 5) Ue' 
Veilirtlttlilttag eines Bdelmannes mit einer Bäuerin ist 
in der That standeswidrig, wenn sie auch im rechtlichen 
Sinne keine Mifsheirath ist — 6) Ist es möglich, dafs 
jemand in erlaubter Ehe Schwiegersohn seines eignen 
Schwiegersohnes werde? Kann jemand blutsverwandter 
Oiieim seines eignen Oheims seyn? — t) Zwei Fraueni» 
peieoaeo. Verbinden sich anl einender duioh priesterlicbe 
TienM^f ~ 6) Veraagerineen gebflhrea seit dem ¥er- . 
-Alltage «lek ohne Mahoang^« Von NaflelgMera, ila 
•flie-Mne eigentliche Sdieakung sind , kdnnen Veraagt* 
Zinsen gefordert werden. — - 9) Nach dem Lüb'schen 
Rechte haftet die beerbte Frau für die Schulden ihres 
in Concurs gerathenen Mannes, auch wenn derselbe we- 
der flüchtig geworden noch gestorben ist. — 10) Die 
Abtheilung der Rinder von dem mutterlichen Vermögen 
•ist nach dem Lttb'schea Rechte in soweit angültig, ab 
•eie de» «ar Zeit 4«s Aatoj^adiefli. Torhandenen GlflaUgern 
•4ir eMieheo GUtergemeintfohaft aain Nachtheil gereicht^ 
eelket wenn kelae b^rftgllche Abelcht ▼orgewaltet hat 
11) Die Vermuthung des Beischlafes, dafs solus cum 
sola, nudus cum nuda gewesen ist, findet ohne Unter- 
schied zwischen rerheiratheten und ledigen Personen 
»Statt. ' Wie siad die Worte; solas.cttift seto, nudm 



Digitized by Google 



KM» &.BciBcli»Mui, WiMe|i»eluiftU«ii pni&tiiclie Reditokundt. 

cum nuda zu verstehen? — 12) Gläubiger und Schuld- 
ner des Pflegbefohlneo diirfea die Vormttodschaft nicht 
fiberDehmen, MUla wich die Forderung' oder Verlood- 
HohkeU klar Hiyu^ • — 13) Drei Kinder befreien v<m d«r 
Cebemihaie daer VmMiorfsofaiiL 14) In wicfim 
i&i einer preMeflea Person , einem Knnkeo , Gebreeb- 
iichen, Tauben, StiiniMen ein Vormand beisvordoerif»^ 
15) ]>ie Savig-n^'s(!he Lehre vom Summarissiinum in ihrer 
Anwendung auf AVegstreiligkeiten. — 16) Der Tradent 
verliert den ße^titz an den Empfänger nicht anders, als 
wenn er anhno et corpore zugleich aufgehört hat, zu 
besitzen. Nur von dem Imlirten Bcnlie redet das be- 
rftohtigle Frg. 153 de regulis jurie. L7) Eine A»» 
eihennnBf roa Seilen des Fiecne ist einer llsoelischen 
Verinfserang nlclil gleidi iii eohien. — M) Oeffratfi- 
eiiee PUmdreelit Ueber deo Gmt der e. 1 1. C 8. M qtä 
potior. — 19) Wie wird ein öffentliches Pfandrecht be- 
stellt? — 20) Ueber die Mitwirkung des Schuldners 
zur Bestellung eines öffentlichen Pfandrechtes. — 21) Das 
Pfandrecht wegen eines Darlehns beginnt er^t mit dem 
Tage der Auszahlung. ^ 22) Ein deutscher ErbTertrag 
wird dnrch LJebergehung eines Neiherben jiicht ungi^ 
Üg. W) Nwsii dem aM'eehen Lew haftet die Fren 
lir dieflohnldea dM Aiannee nnr inH Ihren nur CNMer^ 
gememtchefflt gehörigen Vermögen. — 14) Vertretbefe 
Sachen kann der Gläubiger nur in ihrer Gattung begeh- 
ren , sollte auch eine besondere Bezeichnung Statt ge- 
funden haben. — 25) Die Verabredung einer Leseprobe 
zwischen einem Bauer und einer Bäuerin, mit dem Ver- 
e|irechen des BaneMi , seiner Gegnerin im Falle des Vor- 
zugs im Lesen IsMsend Thaler gelten sn wollen, is4 ohne 
» ec i rtsb srtend — M) Wenn besieht ein Recknnogn- 
feUer? tt) Wie benehmen sich Makler nwl ihr» 
€Mittlfen bei Bergung von Landstellen nnd AbeeMiee> 
suog von Ehebündnissen? Actio de dolo, CojisiUum 
fraudulentum eines Curatoris sexus. Condictio inde- 
biti. — 28) Der Geber einer Summe Geld oder einer 
•ndera Sache kann die Rttokfordemog nicht dnrch den 



Digitized by Google 



biofseo Empfang begrüBdea* ^ S9) Von der dem Fiscus 
sustftndigeBiluckforcleruDgf dessen, wmH sein Schuldoer 
dlaeo «vdeni Gliubifer befrieiUgt Im! ^ 9»)me iiv%« 
Wmbktag «ii»r ▼erjüutai Sehu M begrOwiet die Condhim 
äi d § iä l Vm ao indi* wird einer veirjklNrteD FVirderuog 
die Coiiipe«ii#lNirlMFit veraagt. tl) Die Frliclusion 
' entzieht flem Gläubiger das Recht der Coiiipen§ation. 
32) Die Competeoz kann nicht wider denjenigen Kläger 
vorg-efichützt werden, welcher keine Leistung- begehrt, — 
83) Eine Gemeinschaft ohne Vertrag, communm mc^ 
dena , gewährt keinen Anspruch auf Co^petenz. ^ 
34) Unabhiafigkek diM* Justiz. GaentioD einet richteiH 
üelieB BffiMsutBim» dnreh die Jlegiening. ^ 'M).Me 
Frage, oll mm KlrAmämm libreielMttd« Müte» Mü, 
Wi tt en nd A m im Bufg ea so iwseklen?' iet: neeh 
erhobenem Streite von den Gerichten zu entscheiden und 
keineswegs an die administrativen Behörden zu verwei- 
sen. — 3t>) üeber das muthwillige Processiren der 
Armen. — 37) Angebrachter Maafsen wird eine Kbig« 
.abgewiesen , wenn sie die zu ihrer BegrCkndung naiE- 
1»aad%e Thatsachen aidit bestimmt enthält. Veramil- 
eeltBig' dar TiialMaiieB mit UrihaUan imd SehUaaeo. ~ 
m) IMwr den MifUbfMcb einee Bkmckalä, anwia ibar 
dfe lÜMBaHtosigkeit 4^Bxaeatlvproeeiaet, wenn dringen» 
der Verdacht eines solchen Mifsbrauches vorhanden ist. 
. 39) In wiefern ist iiothwendig, dafs der Beweisflihrer 
wenigstens eine Abschrift oder einen Auszug der Ur- 
kunde, welche er in Händen hat, und womit er zu be<." 
weisen gedenkt, sofort bei Antretung des Beweises oder 
doch inneriialb der Beweisfrist überreiche ? M) War 
Sat aia Sbanga in aignar-ÜaelMi lin dem fiinna^ «a:Mr 
glBi^Mi MQhig gehauen ni frardanf ^ 41) Weraind 
die eä m m imiBk negoHmmmf Wer lal in Rath «nd Tkalf 
Die es sind, dürfen zum Zeugnifs nicht zugelassen wer- 
den. — 42) lieber die Beweiskraft von Urkunden, welche 
in einem fremden Welttheile ausgestellt worden, und von 
Zeitungsbiättero , welche daselbst erschienen sind. — 
48) Ueher die Feierlichkeiten bei Aliiei9tun^ eines. 



Digitized by Google 



US B. BfUiekiMmi, WaMmtchafUidi praklUolM lloclitikte4#. 

Eides. — 44) Ueber die Warnung vor dem Meineide. — 
45) Wenn der Schwörer in der Ableistung des Eideb 
von dem g^egnerischen Aowalde unterbrochen wird : ist 
daoD der Eid für geleistet sa halten ? — . 46) Voo der 
BfirgschaA: insbesondere voo dem Unteffsdiiede naler 
den römischen cnmulatiYen Intercesriens-Arten in Absieht 
auf Form nnd Inhalt. — 4t) Eine Veriiirguog darf der 
Bürge vor der Einwilligung des Gläubigers widerrufen. 
— 48) Nach der Ehe ist die Bürgschaft wegen der Do8 
zulässig. — 49) Ein präcludirter Gläubiger, insbeson- 
dere ein hypothekarischer, kann den Bürgen nicht an-> 
sprechen, sollte auch der Voransklage entsagt seyn. — — 
M) DerRückbürge darf sich auf eine Nachlässigiieit des 
.Iltrfen «nd des Giiningers bemlen. B eispi et einer lieh* 
tigen Profession im CSenenne. Wer ein nnyereeirtee Ut- 
«i^i dnreh sMoe Verseiinidnng vemlaftt, kann fkA. m 
seinem Mandanten nicht erholen. 61) Leber den DA» 
terschied zwischen dem Privattestamente und dem Testa- 
mente vor Gericht und vor dem Landesherrn. — 52) Wie 
geschieht die Execution eines Bundessolilusses und wem 
&iien<lie Kosten derseiiien aurJbast? — 53) Ein Diensl- 
herr wird in der Person seiner Amme niclit bekidif^ 
M> Ueber den lieMgen Gefarnneh der KnnsMtter in 
derPnxin. — »'S) Datf derCruninnImhIer einBneiqpei 
sCaiinpen? — 66) Wer benrdieiit eine TfanlsaolM rieh- 
tiger, ein Geschwor nengericht? oder ein Richter-Colle- 
gium auf Vortrag eines Referenten ? Merkwürdige Bei- 
spiele der widersprechendsten Würdigung von Criminal- 
fSlIen. — 57) Ueber die Vergreifung eines Staatsdieners 
an amtlich erhobenen Geldern. — 56) Von der Straf- 
-Inirkeit des Entwurfs eines hochverrätherisoiien Sehrei* 
bens. — 50) Oie firben des .Verbreehers, welker m 
nngeetellieriJntersnclinng gestorben ist, haften nioiil Mr 
die Resten der wfder die Tlieifaidinier nngesteilton Un- 
tersuchung. — 

(Der Betchlufa folgt.) 



Digitized by Google 



N^4^: HBIDfiLb: JAtlllB. D. LtTBRATÜR. 18S& 



R, Br inckmann , Wissens chaftUch j^raktische 

Rechtskunde. 

60) Wie sich die Praicis in Betreff der Fristen in 
Civil ^ und Criminalsachen geändert hat. — 61) Die 
iJriheitogriinde ior einer CivilMche sind von den Partheieü 
Id soweit^ i^eheim za halten , als sie den Verdacht eimt 
Vergeheoe anwliaiilich machen nnd daher amr Anstelloqg 
«hie^ peioiidien Uotereuchutig Anlafa geben. ^ tX) In 
laqinUtoriachen Proeeste werden Urlhdle, loaewait aia 
eine Freisprechung enthalten , sofort recbtskrftftig'. Hie- 
ven tritt keine Ausnahme ein, wenn ein Urtheil in den 
Punkten, die eine Verurtheilung enthalten, durch wei- 
tere Vertheidigung angefochten wird. — 63) lieber die 
iuiufmännischen Umtriebe zur Vorbereitung eines betr&- 
yriaci ien Bankerottes, and den Anfangstermin des Ver- 
geheos der Verschleppung. Ein Beitrag in einer Ver- 
tbeidigaiigisciirüt. — 64)'BnBordaog eines Kindes dnrdl 
Nadeln, ausgeführt in einem dffentllclien Gebächainaa. 
•Ob Kindermoird oder Verwaadienmord t Ob .ToUendelaa 
^der versuchtes Verbrechen? — 65) Das Veranreinigen 
der zum öffentlichen Gebrauche dienenden Gewässer ver- 
dient eine strenge Ahndung. - — Das Baden geschehe 
ohne öffentliches Aergernifs. — 61) Im Jahre 1830. 
begehrt ein Vertheidiger noch die Beibringung dea 
Tadtenscheins über Napoleons Ableben. — 68) Jeder- 
mann ist aar Verth eidigang eines Angeschuldigten zuza- 
Jhaisen. — 69) Eine zardfelhafte Vernrtheilang in Cri^ 
niaalanolien ist a«f das Gelindeste ansanl^geii. — Zatt 
Sohloaae wird antar No.10. mitgellieilt, wie in Schleswig 
nnd Holstein die Prülang der rechtsgel ehrten Candidaton 
vorgenommen wird. 



UV. Jalira. & H«fl. ' 48 



Oigitized by Google 



An diese Anzeige des Inhaltes mögen sich einige 
Bemerkungen und Ausführungen über einzelne Sälze der 
vorlie^geodeo Schrillt nnschlieisen , theils zum Beweise, 
mit welcher Sorgfalt dicielbe durchgelesen wurde, tlieili 
die Anrichten des Verfe. zu berichtigen. Den Anfang 
mache gleich die erste Abhandlung , wo die tiedcf ist 
von der Legitimität des Königs von Westphalen. Es 
heifst nun: Bekanntlich war derselbe von Preufsen im 
Tilsiter Frieden anerkannt, von Haunover, Braunschweig, 
Hessen niemals, obgleich das Königreich Westphalen 
«HS den Erblanden dieser 3 Häuser ebensqwphi, als aus 
0I118111 Theil« der Preufsischen Besitzungen war gebildet 
worden. . • • • Die FacnMU (Kiel) würde nicht im. 
mtndesteu geiweifelt fmben, die Westphiliaehe Herr^ 
eehaft m Bcrag auf das Ha^ Brauuschveig uod desaeu 
Lande fttr eine unreefatasi&lge tu erklären , weil dieses 
Haus durch keinen Vertrag oder Friede nss cht ufs den 
König von Westphalen anerkannt hat." Da diese hier 
aufgestellte, keineswegs aber mit Gründen unterstützte, 
Ansicht des Verfs. auf die Privatrechtsverhältnisse der 
Bewohner von Hannover , Brauosch weig und Hessen voo 
«0 grofiwm Einflüsse seyn kann , so glauben wir hier ver» 
weilen nnd die Frage mner Untersnohung nnteniehen 
an dirlen: ist die Königlich WestphftliseLe Regierung 
eine redshpSfsige, so dafe die von ibr inneriiaih der dn» 
mals ▼esfiMsnn^mifUgen Grcnaen ihrer Gewalt iorge- 
nommene Handlungen zu Recht bestehen nnd von dem 
Nachfolger der Regierung anerkannt werden müssen? 
Diese Frage gehört sowohl dem Völkerrechte, in wietern 
von dem Rechtsverhältnisse zwischen dem Könige von 
Westphalen and den verdrängten Fürsten , als auch dem^ 
Stäatrechte an» in wiefern von dem Rechtsverhältaism 
zwischen den verdrängten Regenten und ihren TTntnrthaaaa 
die Rede isl Witi Torsnhindra anrh iimmsr die ilnrnrlrtsn 
-der Reohtalehrer in Ansehnog des BraiMswigarecktss 
^ seyn mögen, so isf doch soviel auGier allem Swnifel, defii 
I. nach dem praktischen Völkerrechte aller Zeiten 
das Eroberungsrecht als begründeter Erwerbtitel be- 



Digitized by Google 



trachtet werden mufs, wodurch dasEigenthuin einer dem 
Feinde abgenommenen Sache auf den Graberer über* 
geht , 80 lange es in Streitigkeilen der Stanten nnter eich - 
«n einem Richter und an einer Norm Ober den Zeilrawn 
fidilt, innerhalb welchem eine widerrechtliche BeaitB« 
»ahme in einen rechtlichen Besits yerwandelt wird. Hugo 
Grotius de jure belli et pacis lib. III. cap, 6. de 
Puffen dorf de jure nat. et gent. lib. IV. cap, 6. §. 14. 
Gunther Europäisches Völkerrecht II. TIi. S. 110. 
Moser Versuch des neusten Europ. Völkerrechts IX. B. 
l.Th. S. 296. Vatell droit des gena tom III. §.195. 
Oas Königl. Pr^s. Manifest vom if. April 1806, durch 
welchen HanooTer als durch Erobernngsrecht Frankreichs 
Kaiacr suaieheiid , nnd durch CSeaaion von dieaem woU- 
Mfwwehea^ dem Prenfab Staate einverleibt wird, nnd die 
ani dem Kdnige Joachim von Neapel im Jahre 1814« ge* 
pflogenn Verhandlangen liefern die Beatfttigung In der 
neuesten Zeit. Damit aber der auf blofser Eroberung 
sich gründender Besitzstand wirkliches Eigenthum der 
eroberten Staaten gewähre, fordert das Europäische Völ- 
kerrecht, dafs derselbe durch Verträge anerkannt und 
bekräftigt sej. Man vergl. Klüber Europ. Völkerrecht 
. II. Bw §. 256. und die not. a. citirten Schriften. Und 
nnr eine aolche dnrch feierliche Verträge von den übrigen 
Mioliton anerkannte Brobemng begründet einen Rechte» 
mntaad, welcher, garantkl dor«di anerkennende Vev- 
träge , ab vellfltindig begrändel nngeaehen werden mnfc* 
Im de» aalelie Weiae begründeten vellatindigmi JBigeft* 
> titnme Hegt das Redit der VerteflMning, luafit dmaan 
der Eroberet befugt ist, auf jede beliebige Weise über 
die eroberten Güter zu verfügen, und jede getroffene An- 
ordnung ist vom Besiegten im Verhältnisse zum Sieger 
und zu jedem dritten Erwerber als zu Recht bestehend 
anzusehen, so dafs eine Zurückford ernng nicht Statt ün- 
det Schmelzing Grund rifs des prakt. Europ. Völker- 
rechts III.Th. $.410. Vatell droH de9 Gens Ub.lll. 
§. IM. linpoleon war längst ale Regent von Frankreich 
nwwtoMi, «ewie die von ihm gemaeüen firfiberongon» 



oitj u-uj cy Google 



R. BviBckiMiBn, WiMcnichAfUidi pniktitoke Rechltkiiade. 

ftls er das Kdaigreich Westphalen gruodete. Dadurch 
gingen alle Rechte, welche ihm zustaadeo , auf den Kdnig 
voD Wei9lphalen über, der aonach gOliig alle Regenten-- 
Handlungen vornehmen konnte. Anerkannt Ton afimml- 

lichen Continentalmächten nicht blos in Ansehung der 
von Preufsen abgetretenen Länder, sondern auch in An- 
sehung der blos eroberten Provinzen (Tilsiter Frieden 
zwischen Frankreich und Rufsland Art. 19. 20. und zwi- 
schen Frankreich und Preufsen Art. 7. 8. 9.) müssen auch 
die von dem anerkannten Könige von Westphalen vor<* 
genommene Handlungen selbst als gültig anerkannt wer- 
den. Man vergl. Kl über Völkerrecht U. B. §. 258. 
und die dort angefahrte Literatur. — Nicht blos nach 
den Grundsätzen des prakt Europ. Völkerrechts ist die 
Westphälische Regierung als rechfmärsige zu betrachten, 
so dafs die von ihr innerhalb der damals verfassungs- 
mäfsigen Grenzen der Gewalt vorgenommene Handlungen 
zu Recht bestehen, und vom Nachfolger anerkannt wer- 
den müssen, sondern auch 

II. nach den Grundsätzen des Staatsrechts. Zar 
Begründung will man sich der Worte bedienen, welche 
der K. WQrtemberg*sche Staatsminister Freiherr von 
Wangenheim in der Sitzung der h. deutschen* Bundes^ 
Versammlung vom 5* Juni 1823. gebrauchte und die fol- 
gende sind: „Die Daner der Völker kennt keine andern 
Grenzen, als die dem Bestände der Erde, welche sie 
trägt und erhält, vorgeschrieben sind: während die 
Machthaber mit den Menschenaltern und Weltereignissea 
wechseln und Einer des Andern Stelle, ihm nachfolgend, 
einnimmt. Der ewige Staat spricht durch jeden Regenten. 
Blofse Umwandlung in der physischen oder moralischen 
Person des regierenden Subjectes kann daher auf Vor» 
pfliditungen des Staates entkrftftenden Binflufe nicht ha- 
ben. Dafe ein Staat seinem Begriffe nach nicht gedacht 
werden kann, ohne einen Oberherrn, einen Regenten, 
ist klar: dafs aber dieser Regent als wesenlliches Glied 
des Staates nur eine ideale Person sey, ist wohl eben so 
wenig zu bezweifeln; von einem bestimmten Regenten, 



Digitized by Google 



R. BrincksiaBn, Wisscniehafllicli prakü«che Rechtskanda. 7ftT 

einem bestiniiiiten Individuum, welchem die Regiernog 
zusteht, kaon keine so unzertrennliche Verbindung mit 
dem Staate behauptet werden, dafs ohne jenes dieser 
nicht existiren könne. Ein bestimmter Regent kann zwar 
allerdings für sich und seine Familie ein Recht auf die 
Reg^rnng des Staates haben : dieses Recht kann ihm , 
asich getrennt tooi Staate, weder einseitig von den eignen 
Unterthanen , noch durch Gewalt von aufsen entzogen 
werden : er ist und bleibt rechtmifsiger Regent. Allein 
der Staat bedarf in jedem Augenblicke seiner Dauer, die 
keine Unterbrechung leidet, nothwendig eines Führers, 
eines Oberhauptes, welches den wenigsteus präsumtiven 
« Gesamnitwillen ausspreche und vollstrecke. Das Volk als 
der wesentlichste immerdauernde Bestandtheii des Staa-^ 
tes — während es von dem rechtmSfsigen Regenten iin-* 
▼ermeidlich getrennt ist — kann sich einem anderli 
unterwerfen, der die hdchste Gewalt im Staate aus- 
Cht , «nd , solange dieser die höchste Gewalt ansfibt, isi 
zwischen ihm und dem Volke das rechtliche VerhSltnifa 
des Oberherrn zu seinen Unterthanen begründet: alle 
Rechte, welche dem Staate als solchem zustehen, sind 
auf ihn übertragen und alle V^erbindlichkeiten , welche 
dem Staate als solchem obliegen, sind von ihm zu erfül- 
len." Protokoll der Bundesversammlung XV. B. S. 234. 
der 4. Ausg. Man rergl. Nibler der SUat aus dem 
UniTersum entwickelt An et Hon, über SoüverSnität 
8. 8. Schmidt Lehrbuch des g. deutschen Staatsrechts 
I. Abth. §. 13. Hegel Naturrecht §. St. Gerlach 
Grundrifs der philos. Rechtslehre §. 180. v. Dresch, 
Systematische Entwicklung der Grundbegriffe und Grund- 
principien u. s. w. S. 194. Kl üb er Oeffentliches Recht 
§. 3. 242. 252. und not. 6. §. 253. 254. f etlre du Baron 
de Gagern ä Lord Caatlereagh d2/ 24. Oc^. 1815. 
in Pikees relatives au demier iraü^ des pwasancea 
aU^ee avec le Pranee |]t 35 v. mehreren Andern. So 
wenig daher der Staat mit dem Regenten stirbt^ so wenig « ^ 
kaun die VITtrksamkeit der Staathandlungen durch einen 
Wechsel in der Person des Regenten erlöschen, und das 



Digitized by Google 



158 R. Britaekmftiio, WS^MmoNiMIch praktiiche BadMdmttde. 

Verhältnift dfss Vorfthrers niid Nactifolj^re hn Besitze 
der Staatsgewalt kann nicht nach dem Persoualverhäit- 
nifs, worin beide zusammenstehen, beurtheilt werden, 
sondern nach den Realverhältnissen , also nach den zur 
Zeit der Vornahme der Handlung*en bestehenden verfas- 
saDgsinäffiigen Gesetzen, de Martens Precis du droit 
des, Gens §. 282. a, not. c. cdit. III. Diese GrundsitM 
dod oleht allein im Art 1§. 27. des Pariser Friedens vom 
80. M äns 1814 , sondern auch in dem Schluikilite des 
Wiener Oongresses Tom9. Juni 1815. sanetionirt worden, 
wo Art 41. io Betreff der in Fvida nnd Hanaii verkanfleii 
Domänen yerfygt ist Es hat nicht die Absicht der auf 
dem Congresse versammelten h. Mächte sejn können, für 
Staaten und Fragen, welche in Hinsicht auf Hecht völlig 
gleich stehen, eine Verschiedenheit von Grundsätzen ein- 
treten zu lassen , die rechtlich nicht begründet aejfB 
wfirde, und daher, da sie nicht ausdrOcklich aiisgespro« 
dien ist, als der Gerechtigkeit der h. Mächte nicht ge- 
aiftlk nicht vermtithet werden darf. Diese Crnindsatiesiad 

a) von O est reich in seinen nenen Brwerbiiogen 
In Anwendung gebradit worden. M. Tergl. Kais. Oestr^eh. 
Patent vom 11. Mai 1815. und Sa Febr. 18ia für die 
Königreiche der Lombardei und Venedig. 

Ii) Der Pabst verordnet io dem Edicte vom 5. Juli 
1815 y dafs die Käufer der Güter von den vorigen Re- 
gierungen , die ihre Käufe nach den damals bestehenden 
Gesetzen und Verbindlichkeiten abgeschlossen , nicht 
.beunmhigt werden sollen. Auch wegen der Staatsschuld , 
Pensionen und Herabselsnng der dinocten und indireotoo 
Abgaben ist Vorsorge getroffen. 

c) Der Feldmarschail-Lieiite&atttttnd Öberbofthls» 
haber Bianchi erklirt nach ausdrücklichem Verlangten 
Ferdinand'« IV. , daFs der Verkauf der Staatsguter unwi- 
derruflich aufrecht erhalten werde. 

d) Der Königl. Preufs. Hof hat mit eben soviel Ge- 
rechtigkeit als Wohlwollen dieselbe Ansicht erklärt, denn 
in einem Schreiben Sr. Durchlaucht des Staatokanzlers 
Herrn Fürsten von Hardenberg vom 21. Januar IBM. 



Digiiized by Google 



Affisekiimiiii , WiMeDachafÜich praJktucbe AcchUiuud«. löü 

heifst es: ,,Das Ffirstenthuni Corvey ist von dem dama- 
Ilgen Franz. Kaiser allcrdiiigs mittelst willköhrlicher Ent- 
setzung des rechtmärsigen Herrn in Besitz genommen und 
dem Königreiche Westphalen nachmaJs einverleibt wor«» 
den: allein in dem Art. 8. u. 9. des Friedens - Tractatat 
iron Tilsit t. 9. Mi 1807. hat Se. Majestät der .lLönig 
die BiamhtiMgeD , welche der Kamer Ni^leoa sowohl 
rlNsktiehlficli der too Prenftea ebgetretenen Staaten alt 
der «odefD LItaider) die eich im DetitBe des damalignii 
Kaisers befanden, zu treffen sich vorbehalten, zu Gun- 
sten des Königreichs Westphalen ausdrücklich anerkannt: 
mithin waltet die Verpflichtung ob, die im Königreiche 
Westphalen getroffenen Einrichtungen, sie mögen sich 
auf die im Friedenstraktate von Tilsit durch PrenfilMa 
abgetreleBeB oder aid die mirplrleo Fwqnamen eralreckeii^ 
«MQerkennen ilsiw***- . . 

iMeseiben GrnadsiMae hat das OberappeUaliooe- 
fferleM n Cassel «od die Joristeo-Faeoltilt zm GieAeli 
oBSgesproeheo. Man ^ergL Pfeiffer, in wiefern sind 
Regierungshandlungen eines Zwischenherrschers verbind- 
lich, and Stickel Beitrag zu den Lehren von der Ge- 
ivährleistung und der Rechtsbeständigkeit der Handlun- 
gen eines Zwischenherrschers, Giefspn 1826. Ferner 
Urtheil der Juristen -Facultät Giefsen in Betreff* der An- 

gdegenheiisB der Wislphaysoheo PoniineniMinfer. FraoiiT 

Ui Dach dem bisher Geesffteo die Kfinigl. Weslphä.- 
Ksobe Regierung im AllgesMloen als eiae rechtmSbige 

zu betrachten , so entsteht noch die besondere Präge: ob 
die gedachte Regierung auch in Bezug auf das Haus 
Braunschweig und dessen Lande für eine rechtmäfsige 
anzusehen sey . weil dieses Haus durch keinen Vertrag 
oder Friedensschlufs den König von Westphalen aner- 
loMioi hat? Wir glauben hierauf erwidern zu müssen: 
Wem es gleichwohl ilae Ansieht der bewährtesten Rechts- 
'lelirer ist^ diili sur Brwerbuog des EUgenthums von Seiten 
des Eroberers die Abtretung der Provinien von Seiten 
der Bseiegten in einem FnedeMsehfaMSe nicht noihwendig 



4 



Digitiz 



• 



Iii (VaUll a.a.O. too.:lILa$.lKk Siiokel a.a.O. 
& M» md die dattllwt aogeiuhrle Litmlnr) , . «o verdieat 

doch mit Uebergehuiig der Geschichte älterer Zeit, oa- 
mentlich der Stuarts uod des Hauses ßraunschweig', die 
neueste Zeitgeschichte durch ihre aufgestellten Beispiele 
die vorzüglichste Berücksichtigung, und mögen hier nur 
Erwähnun^j;^ finden das bereits angeführte K. Preufs. M»- 
Blfost vom 1. April 1806 , die Tilsiter und Wiener Frie- 
doiaiehlitaae , das Beitpiei Neapels im Jahre 1814, die 
Brklämo^ des Coogreaaea Ton Oialeüoo , womaeh die 
^erUndetenMlGhte fibereiogekommeo, dem Könige Joa* 
chim seine Besitsungeu auf deo Grand eines zwischen 
Oestreich und Neapel abgeschlossenen Vertrages zu ga- 
rantiren, das Beispiel von Guadeloupe, welches England 
als bloFse Eroberung an Schweden cedirt hat, die Ver- 
handlungen wegen Sachsen , die Disposition über Genua, 
Isenburg und einige audere Staaten (Klilber Uebersicht 
1. Hft S. 94. Wiener Congrefsakten v. 9. Juni 1816. 
Art 86. 52.), weiche Vorgänge doch deutlich beorku- 
ilen, daft dieEaropäischenMicbte, welche lor Wieder- 
heiateUong von Earopa nnd snr Begründung neaer Sfaala- 
und Völkerrechtlicher Normen in Wien Tersammelt ge- 
wesen, die Belugni/s über blos eroberte Provinzen, auch 
ohne Zustimmung der vertriebenen Regenten auf eine 
^ gültige Weise disponiren zu können, als völkerrechtlich 
begründet angesehen haben. — Wollte man aber auch 
annehmen, dafs die Einwilligung des durch Gewalt der 
Wafien vertriebenen Fürsten nothwendig sej, mid dafil 
diese dnrch den Tilsiler Frieden nicht habe ersetst wer- . 
den kdnnen».so darf doch nicht vergesseb werden, dafii 
die Regenten -Rechte mit den Regenten* Verbindlich- 
keiten in der innigsten Verbindung stehen, so dafs das 
Rechtsverhältnifs zwischen Regent und Unterthan in dem 
Augenblick als aufgelöst betrachtet werden mufs, in wel- 
chem der Regent seine Unterthanen dem Feinde schutzlos 
preis giebt, und dafs die Unterthanen berechtigt waraa^ 
mit dem neuen Regenten einen Staatsvertrag abmschlieftan, 
^raas von aelbat folgt, dala die Unfertbanen wegen der 



Digitized by Google 



geflckehMMO Hiilcligung uaJi wegen uilerB, ^ie Aaar> 
kennviig des Kdaigs von Wesiphalen beurkundend«« 

Handlungen nicht zur Verantwortung gezogen werden 
dürfen. W a I d e c k Controversen-Entscheidungen I. Th. 
S. 26. 53. — Endlich verdient für die Rechtmärsigkeit 
der König). WestphäÜschen Regierung in besondere Er- 
wägung gezogen zu werden das Interesie der Unterthanen 
und das davon unzertrennliche Interesse des rechtmifti* 
gea Staatsoberhauptes. Ohne hier die Grfinde zu wie- 
dsrholoB, welche bereits Zacharift ia der 8chrifl: 
lieber dio Verpflichtung aar Aufrechthaltaag der Haad'» 
laageo der Regierung des Westphalen & 46. geltend 
gemacht hat, mSgen hier die Worte des Handschrelbeas 
Sr. Kais. Majestät Franz II. an die gesammten Churfürsten 
des Reichs d. d. Wien 7. Sept. 1806. einen Platz finden, 
wo es heifst : „Ein jeder regierender Fürst hat die Ver- 
muthung für sich, dafs er bei seinen Staatshandlungen 
alle individuelle Verh&itaisse reiflich erwäge, und die 
Wohlfahrt des Landes zum Augenmerk habe. Man Qber- 
Iftfat hierbei jedem Fürsten, die. weitaassehendeo Folgea 
sn. berechaea , welche aothweadig eatstehea würdea, 
weaD jedie Meiaang herrschead werdea sollte, dafs der 
Jlachfolger io der Regierung an die Haadiangee^seiaer 
Vorfahren, die sie in der Eigenschaft als regiereade 
Fürsten vorgenommen haben, in der Regel nicht ge- 
bunden sey." Alle wieder eingesetzte Regenten haben 
ihre Staaten aus den Händen derjenigen h. Mächte er- 
halten, welche in dem Tilsiter und Wiener Frieden den 
Besitz derselben dem Könige von Westphaien zugestanden 
.aad in welchen sie ihn als legitimen Regeatea, mithin 
auch dessen Befagoiis aar g&itigen Austtbaog aller Re- 
geateahaadlnagen feierlich anerkanat haben , woraas sich 
ergiebt , dafs die h. Mftchte ded aeaea Besita dieser 
Lftnder nur unter der Verpflichtung einer gleichmäAigea 
Anerkennung und Aufrechthaltung dieser Haadlungen 
haben übertragen wollen, wie dieses in <lem am 2.Decb. 
1813. zwischen 1.1. M.M den liaisern von Oestreich und 
Rufsland and Sr. M. dem Könige von Freufi^en mit dem 



* 



Digiii^L-Q üy Google 



O h a rfllirte ii fön HMan gcgch i s ww eo Vertrage geeoMm 

ist. Aus dieser kurzen Darlegung def OrOnde , welche 
leicht vermehrt werden könnten, glauben wir der Ansicht 
des Verfs. nicht beitreten zu können , vielmehr der ent- 
gegengesetzten Meinung mit den bereits angeführten 
Schriftstellern, denea §ich ooch viele anreihen liefeen» 
huldigen zu müssen. 

In No. 12. wird der Satz ganz allgemein aufgestellt, 
dafs Gläubiger and Schuldoer dee Pflegbefohlnen die 
Vomiondscluift uichi ilberuehmen dfirfeo, wenn uuch di« 
Forderung iider Verbindlichkeit klar eeyn eolltew Der \u 
Not. M. cap. 1. angegebenen Ausnahme wird nicht ge« 
dacht, liceat Haque matribus secundum veterem ob^ 
servationem , si remmeient et res suas obligeiU (sicut 
anteu in usu fuit ) liberorum tutelam susclpere, neque 
hanc exceptionem metuant , sed, qunrdum ad Ulas , 
Ha ae res habeat , ac si ea de re lex plane scripta 
tum fuisset. Darüber ist wohi^keio Streit, dab unter 
den matribus (qtd liberorum euram sttscipere volunij 
auch die Grofsmfttter su verstehen sind : ob aber rfiok- 
•Ichtlioh des Vaters und Gro&raters eine Ausnahme TMi 
der f9at. tt. Statt finde, wenn diese die VormundSGhaft 
Iber ihre mitiderjährigeo Rinder übernehmen, scheint 
zweifelhaft. Geht man davon aus, dafs die Nov. 94. als 
abänderndes Gesetz streng auszulegen ist und daher auf 
andere Falle nicht ausgedehnt werden kann, so sind der 
Vater und Grofsvater den Müttern und Grofsmfittern nicht 
gleichzustellen. Betrachtet man <lagegea den in Nov-94. 
angeführten Grund , nämlich pma ef naturalis trga 
iiberöa amar, so dOrfte dieser auch auf den Vatar ihi4 
Groftvater anwendbar seyn. 

Wenn in Na 18. die Anwendbarkeit des rdmisoheo 
'Rechtes, dafe 8 Kinder von der Uebemahme einer Vor^ 
mnndschaft befreien, behauptet, und der Grund, dafs 
gerade 3 Kinder eine Entschuldigung abgeben , darin 
gefunden wird, weil, was das heutige Verhältnifs der 
Hauptstadt zu den Provinzen betreffe, alle Bürger ohne 
Unterschied für cwes o^imo jure lu achten seycn und 



Digilizeü by Google 



iL Brincküiaiiii , WuMciMchafUtch fnukliccbe Aachttkimde. 



darom eioe Zurücksetzung*, wie sie bei den Römern in 
Ansehung der Bewohner Italiens und den Provinzen vor- 
kam , nicht Statt finden könne , so glauben wir hier 
«loch anderer Ansicht seyn zu dürfen, weil es nicht 
auf Civität, sondern blosaufden Wohnort ankank Den 
Civis, der in der Prorinz wohnte, enlachnldlgten nur 
5 ILtnder und den Provinsialen , der In Rom wohnte, 
3 Kinder. . Der Grund beruht In den Vorsfigen , welche 
der Hauptstadt beigelegt waren und in dem Unterschiede, 
welcher in politischer Hinsicht zwischen Italien und den 
römischen Provinzen gemacht wurde. Es dürfte sonach 
bedenklich sejn, gemeinrechtlich die Vorrechte d^r Stadt 
Rom , als kaiserlichen Hauptstadt , für ganz Deutschland 
anzuwenden. 

Nach No. 21. beginnt das Pfandrecht wegen eines 
Oarlehna erst mit dem Tage der Auszahlung, eine Mei- 
nung, welche Hepp in seiner JDIm. ex quo tempore 
JiM/poiheca bona dehUoth afficiai und im Archiv Ar 

Civil. Praxis 10. B. S. 245. weitläufig vertheidigte. Er- 
wägt man aber die nachtheiligen Folgen, welche daraus 
fSr den Gläubiger wegen der Zinsen entstehen können, 
und bedenkt man, dafs bei uns das blofse pactum de 
mutuo dando klagbar ist, mithin die Verbindlichkeit im 
Aagenbliclse der Verabredung existent wird , so möchte 
man doch geneigt seyn, mit Pufendorf die Behauptung 
«nftostellen » dSk die Hypothek nicht erst von der Ans* 
Buhlnng, sondern schon von der Verabredung anfange. 

Noch Vieles hätten wir zu sagen, was aber der Raum 
nicht gestattet. Nur das Eine wünschen wir, der Verf. 
möchte in Zukunft mehr Rücksicht nehmen auf die Li- 
teratur und seine Ansichten öfters besser begründen, 
denn es wird wohl Niemanden heut zu Tage genügen, 
daCs dieses oder jenes Gericht, diese oder jene juristische 
Faeuität diese Meinung aufteilte, sondern die OHInde 
allein sind es, welche deren Annahme bewirken. 



Digitized 



164 VoU^raff, über Um Timckungen dm Bgp f iwta Ü tr 9ft$t mm . 

9iß Wmtkm^m ^ Ktpr^mnUOh'anttmt, der Btwtht dh^ JImm 
^Hm niekt tUu g9dgn«u\ mAte «mi seiigwm^ Mttlel mI, 
dlM» Batfär^lum wuwer Zeit zu hegtgmtm^ mit Andeutung der 
f99ignet€n, rechten und zeitgemäfsen Reformen. Von Karl Voll'- 
graffy Dr. d. R. «. d, Phü., ordentl. Profe»sor des Staatsrechts n. 
d. Politik «I Biarimrg. Markurg Ui V, G. Elwtr%, 18ft2. 8& & tt. 

Man wird in unserer tiefbewegtt^n Zeit, in einer 
Zeit, welche sich von der Vergang^enheit losreifsen will , 
um die Staaten nach einem ganz neuen Plane zu organi- 
sireo, dem politischen Zustande der Europäischen Mensch- 
heit ganz neue Grundlagen zu geben, die Stimme des 
Verfs., welcher, mit der Geschichte innig vertraut, dem 
Aii8ehil der Geschichte in Verfassungsangelegenheiten 
nachdrflcklich das Wort spricht, gewifs mit dem grdfeten 
Interesse vernehmen. Zwar giebt es in unseren Tagen 
nur zu Viele, (oder vielleicht war es niemals anders,) 
welche nur ihrer Parthei das Wort vergönnen mochten, 
oder welche die Gegenparthei , z.B. durch Beinamen, 
verdächtigen, um sich der Muhe zu überheben, sie zu 
widerlegen. Aber in dem Sinne sollten alle Fartheien 
zur Fahne der Liberalität schwören, dafs eine jede 
die Meinung der G^enparthei achtete , d. i. ruhiger und 
X grfindlicher Prüfung werth hielte, da eine jede denn 
doch ebenTalls nur Meinungen aufstellt und vertheidiget 
Denn — was ist Wahrheit? Entweder ist, was die An- 
gelegenheiten des Staates betrifft, das allein Wahre und 
Richtige nur in einer theokratischen Verfassung oder 
nur mittelst einer gütlichen Uebereinkunft zu finden. 

Die Grundidee der vorliegenden Schrift, (schon 
aus andern Schriften des Verfs. bekannt, an die Ansichten 
Hallers erinnernd,) ist die: Die Völker deutschen Ur- 
sprungs, — der Verf. rechnet sie in seiner Kunstspradie 
EU den Rechtsvölkern, — haben Ar ihre Staatsver- 
fassungen einen eigenthOmlichen Tj^pus , su welcher z. B. 
die Verschiedenheit der Stände und eine auf diese Ver- 
schiedenheit gebaute, den Landesherrn nur in bestimm- 
ten Fällen und Beziehungen beschränkende reichs- oder 
laii(l«tändische Verfassun;^ wesentlich gehört. Angenom- 
men auch, dafs sie die diesem aus ihrem gesammteo Se^u 



Digitized by Google 



Ttollgkttff » Aber 4i« tiMcliaiigCB dM RepritoMtaUv-S/t^^ tfift 

und Viesen hervorgeheoden Verfassungsrechte absagen 
köttnlen, so würden sie doch sugleich sich selbst un- 
tre« werdeo , Ihre NaÜMialiiftt giralidi «ifgebeo. Auf 
Jedeo FMI aber iet es Ür jelst 'noch nicht an der Zeit, 
daft fite diesen geflhrlichen Schritt thnn konnten oder 
'sollteB. Vielmehr ist noch zor Zelt das wahre Heil der 
Staaten deutschen Ursprungs in der Wiederherstellung 
oder in der Ausbitdung der reichs- oder landständischen 
Verfassungen zu suchen ; Mobei übrig^ens der Verf. kei- 
nesweges in Abrede stellt, dafs diese Verfassungen « so 
wie sie uns überliefert uorden sind oder so wie sie nach 
dem Geiste des ursprünglichen deutschen Staatsrechts 
hescliaffen waren und einst beschaffen sejrn nraAten, 
6in%«r seitgemifter Verbessernngen bedftrfeo* 

. Um die Art, wie der Verf. seinen Gegenstand be- 
handelt hat, anschaulich zu machen, hier noch einige 
Stellen der Schrift. S. 237 f. „Die vorgespiegelte Sou- 
verainetät des getäuschten Volkes besteht (in der 
Repräsentativverfassung) blos in der Befugnifs , alle 
4 — 8 Jahre einen neuen Herrn mit unbeschränkter 
Gewalt zu w&hlen und sich dann wieder bescheiden zuv 
riiclunniehen nnd zu gewärtigen , was der neue Herr fir 
sie thun werde, höchstens mit der Befognifo, ihm ihre 
Wünsche als gehorsamste Bitten Torsatragen und 
es seinem Ermessen an überlassen , ob er sie gnftdig un- 
terstützen wolle oder nicht** (Der Verf. fOgt in einer 
Anm. hinzu: ^, Unter den Absurditäten des Repr. Syst 
ist dies die gröfste, dafs die Vl^ahler an ihre Erwählten 
Bittschriften einreichen nnüssen, wenn sie etwas wQn- 
schen, gerade so absurd, wie wenn ein Mandant an sei- 
neo Anwalt eine Bittschrift richten mAfste, um diesen 
zu ejner Handlung zu bestimmen.") Der Verf. föhrt 
fort: ^Der Gewfihlte bat seine Wähler in ihren Wohn« 
sitsen Tlelleicht in seinem ganzen Leben nicht gesehen, 
weife nichts ton ihrer concreten Noth nnd ihrem Be- 
dfirfnifs ; braucht beides aber auch nicht, ^ da er ja nicht 
sie, sondern das fingirte ganze Volk repräsentirt , dieses 
fingirte Wesen auch nur ein fingirtes identisches In« 



Digitized 



4 



las Vo%raff, ul»«r 4|e Ttt0fcliiiii^ 4e4 Qtei^|»s«B|4|liv-$j»tepi«. 

tere&se haben soll, ms^g auch in der Wirklichkeit 
noch so verschiedene haben.' (Der V erf. setzt in einer 
Anm. hinzu: Gewissenhufte Männer oehineq daher anch 
dergleichen Wahlen gar nicht an , sondern nvr solche, 
die sieb durch schf inbare Liberalität eineo Namen, Be- 
cher «.s.w. z« erwerben gedenken, und wie lekhl ist 
es aneh« liberal z^ reden, wenn msn nur nicbl selbst 
liberal isq handeln und su geben braucht, d. h. der B#- 
. giemtig alles ab- und sieh snsnsprechen , denn daraiif 
läuft es mit aller andern politischen Liberalität hinaus — 
lieber Alles." Es darf befremden, dafs der Verf. nicht 
auch den Fall seiner Kritik unterworfen hat, da die 
II. Kammer, indem sie theil weise ergänzt wird, eine 
ständige Behörde oder, in der Sprache de$ Verfs., ein 
unwandelbarer Herr ist.) — Ferner S. 40. „Je gröfser 
ein LancI ist, je dringender ■ wird auch das Gebot mit- 
ieibarer W^UeUi um nftuilich dem Vclke doch we- 
mgsteus in den Urwableu einen Schatten der ihm vor-*, 
gespiegelten Souveralnetat su lassen. Dafs nun bei sol- 
chen mittelbaren Wahlen die einuelnen Interessen der 
verschiedenen Classen, wie sie nun doch einmal noch 
vorhanden sind und sich nicht gewaltsam wegleugnen, 
wegdenken lassen, vollends ganz und gar unbeachtet 
bleiben , so dafs die Urwähler oft schlechtweg den 
eigentlichen Hepräsentaoten gar nicht kennen und nie 
gewählt haben würden» kuru, daA thatsächliah diese 
mittelbere Wählart ven einer Loosziehung nur der Fotm 
uedi rersehiedett ist, wurde sdieo bemerkt^ denn Pri* 
mair-^ und Seeundair'* Wahlen sind ja keine «usammee« 
geseteleuDestillirapparate, uns denen in OemäHiheit des 
angeordneten Verfahrens ein bestimmter Spiritus von 
60 und so viel Grad Stärke sich berechnen liefse, son> 
dem alles hängt dabei vom reinen Zufalle ab , es &ey denn, 
dafs, wie auch bei einer Loosziehung geschehen kann, 
Betrug und Bestechung mit unterlaufe, was wir denn 
auch täglich hören und wahrnehmen, dafs es^ fast mit 
NejthwfwBgkeit, geschieht; während bei einer unout- . 
telbwM oder «UreiDlen Wahl doch wenigstens die Mn- 



I 

Digitized by Google 



VoUgraff, iib«r die TKoacMttngen dm ttapfMcnUiiv-SytCema. 

jorität der Wähler die Satisfaction hat, den erwählt 
MI bftbfO» deo sie kennte dem sie Veriräueii schenkt, 
der sie, Wie in England, am betten bezahlt, ihnen ihr 
MUUonentheil jSonveraiiielit um den bdohaten Preia ai>- 
gekauft hat" 

Auch dar «nbafliogaiie Leacr, ja aalbel der Later, 
welclier «ch tm dep Anaichleii dea Verfr. hioaeigt, Mrhe 
▼ersacht seyn , dem Verf. e. B. folgende Fragen vorzu- 
legen : Ist nicht ein Hauptzug in dem Charakter der 
Völker deutschen Ursprungs die Bildsanikeit dieser Völ- 
ker? ihre Fähigkeit, sich, nach Zeit und Umständen« 
auf neuen Wegen und Bahnen zu versuchen? ihr Stre- 
ben, aieh dem Ideale einer rein menschlichen CuUür unfl 
einer cosmopolitiachea Civil isatipn n nähren ? — Hat 
aicb nicbl in einer grofsen Ansahl der enropftiachen Staates 
demaehen Uraprnofa der Znatand der bürgeriicben Ga- 
aeikchfA in dem Grade rarindert, daA avch dt» Ge- 
bSttde der Steataverflmiogen daer gäniliehen UmgeataU 
tung bedarf oder ihr entgegensieht? — Hat wohl der 
Verf. der Repräsentativverfassung immer ihr Recht wider- 
fahren lassen? oder sieht er sie nicht zuweilen blos aus 
einem Standpunkte an , welcher es ihm unmöglich macht, 
in den Geist dieser Verfassung einzudringen? Ist es die 
ficbnJd der Reprüaealativverfassung, wenn sie da nichl 
giadeiben kann , wo es an den Bedingungen ihrea Gedei- 
tmm febll? B. B* wo Stadt und Land darcb die Vorrechle 
dea Sflnfla ven eimuader rachlltoh geaonderl aiiidt oder 
va aieh die Regierung oieht anf daa Regieren beachrfakit 

Z. 



Daß Prmdp der h>bUchkeit und die franzötisehe und cnglücke Poiritf 
«in Beitrag sur 699chicbte. Majvnm iMÜttgia tum tacria cotf- 
f«Mi»MSMe r€tkiitMBM mmkHÜt MH, 0«. — BtrUn, St^fHa wäm- 
hing, h. NlMtal. im US 8. 8. 

Die Idee , wetche in der wlftigenden mit eben ao 
viel Sachkenntnife als MiMgung ausgearbeiteten, aa^ll 
dnreh den Vortrag aieh auaaeiohaenden Schrill darge^ 



Digiiized 



INR» ' Ueber das Prineip der ErblidikeU ' 

«lelli iiad verfolgt ^ dürfte sich so bezeichnen lassen : 
In unseni monarchischen Staaten — in den europäischen 
Monarchieen deutschen Ursprungs — lifet sich die po- 
litische lind die hDrgerKche Freiheit nur anf die Ver- 
schiedenheit der Stände gründen. Ohne einen 
reich begüterten , ohne einen grandherrlichen Adel , ohne 
Körperschaften, (Städte, Universitäten,) keine Freiheit, 
weder bürgerliche noch politische Freiheit Frankreich, 
das (lie^e Elemente nicht mehr hat, dessen Regierung 
diese Elemente schon lange vor der Revolution planmäfsig 
vernichtete, ist fortdauernd in einem Zustande, in wel- 
cfiPin Revolutionen auf Revolutionen folgen müssen. Das 
Gedeihn der brtttischen Verfasinng beruht nicht auf 
Ihien Formen, sondern auf den geschichtlichen Grund- 
lagen , die sie im Volke hat, auf dem Gnindreichthume 
des Adels, auf den Korporationsrechten der Stfidte. 

Um theils die Grundidee der Schrift noch kennt« 
lieber eu machen, theils die Art der Ausfuhrung durch 
einzelne Aeufserungen des Verfs. zu charakterisiren , wol- 
len wir einige besonders hervorstechende Stellen der 
Schrift wdrtiich anfuhren. — Mögen die Franzosen 
hoch so viel von ihrer Aufklärung sprechen f so viel bleibt 
gewift, dafs sie in den Jahren Tor der Revolution die so 
tiefe, die so schwer zu lassende Frage der PireOielt 
durchaus mifsverstanden hab^n. Sie Terwechsehen schon 
damals die Gleichheit vor dem Gesetze mh der Gleich- 
heit der Stände, und strebten nach dieser, um jene zu 
erzielen, wodurch sie sich von ihr stets entfernten, und 
am Ende immerauf denselben Punkt zurückkamen, von 
dem sie ausgegangen waren, ohne sich erklären zu kön- 
nen, wie sie eigentlich ihr Ziel immer verfehlten. Leider 
sind in der Politik nttr die Systeme leicht zu begreifen, 
welche zum Despotismus oder zur Anarchie führen. Die 
Kenntnift der wahren Freiheit erfordert ein Studium der 
Geschichte, eine Menschenfcenntnife und eine gründliche 
Prüfung der yersehiedeneif Regierungsfemieuj die nur 
Wenigen angehören." S. 54 f. — 

{Der Beichlufa folgt.) 



Digitized by Google 



N% 49. HEIOJSLa JAHUa n. UTBIULTVR. IS&k 



Unbmr das Prineip der ErbUthkeit 

(B4 9 9 k iufe.). 

nVif Mgen et obae Fwohi nmA ohne Anmarsung: 
4i0 Praheit, wie sielieate veretanden, wie sie verlang 
wird, verträgt sich in der Ausdehnung, die man ihr 
giebt, mit dem Staatsverbande nicht Die öffentliche 
Meinung, deich fremdes Beispiel verführt, neigt sich 
überall zur extremen Freiheit. MaQ eieht in Verf«lr> 
suogen our den Vortbeii des Volkes, ««d darunter ver^ 
steht man nicht, wie geschehen eellte, die NatioB nud 
alle ihre B es l e adt heiie» soodem eliein das denekrelisehe 
JSIeroeni; diesem will msa «nssdilieAilich alle Reohte 
überlragen; ob eicht andere Rechte darunter leiden, nn- 
tersweht man nicht; man will Auflösung und Gleichheit 
der Stände, und sieht nicht, wie all dies unvernünftige 
Treiben die Freiheit in ihrem Keime erstickt " S. 6T f. — 
„Die beste der politischen Gesetzgebungen würde die 
fi»;;^, welche die Rechte aller Bestandtheile im Staate 
dergestalt ordnete und verbürgte» . dafs diese Ordmuiy 
A^Wta eiiiarNofth wendigkeift schiene, und ein Jeder ver« 
Mi^efai inttÜrte, wenn ein fremdes Recb( angegriflbii 
würden; if^ Jodes einzshie Aechft Toa einem andern ab- 
hfingig wire^ md Alle, solidarisch fi3r sich haftend, in 
einem ungestörten Gleichgewichte verblieben. . Jedes 
Gleichgewicht aber, in der physischen wie in der mo- 
ralischen Welt, erfordert eine gleiche Vertheilung der 
Kraft. Es mössen folglich im Staate die bewegenden 
KjEälte in der Art vorhanden und vertheilt seya , dafs 
keine die andere verdrängen , jede der anderen die Wage 
helta - könne. Dafür aber müssen diese Krftfte. aus ba^ 
seaderen Priaeipien bestehen , damU jede selbststöndig 
bleib», kein* in die andere ttbergehe. Alle gleich Vev 
dem Gesetz, müssen sie desoieeh verschieden npd na« 

\XV. Jahrg. 8. H«ft. 49 



Digitized by Google 



Uelier das Frincip der Erblichkeit. 



gleich seyn, und «ich verschiedeuartig bewegen. Ks 
müssen folglich im Staate Stände seyn , Korporationen, 
welche diese Prineipien vertreten, und den Gesetzen 
den Geist geben, der säminUiche Interessen scliützt und 
aiifrecht^erhäll." S. 75 f. — „Die Prefsfreiheit hat zwei 
Seilen y eine gnte ond eine böse, nach der Persönlichkeit 
dne Volkes." (Nioli« auok nrnth den Zeilanwtinden?) 
„In Englnnd kann eie wenig echnden, in FVankreieh 
keifst fAe Alles eia^" 8. IIA „Eiaer Bemerkung über 
die französischen Ordonnanzen v. Mos. Jhü 18Mk könnea 
wir uns nicht enthalten : dafs nämlich der Vorwurf, den 
man der vertriebenen Dynastie macht, als habe sie durch 
diese Ordonnanzen die Verfassung vernichtet, der un- 
gertiimteste und ungerechteste ist, der sich denken läfst. 
Nur das ahe verderbliche «od rein demokratische Wabi» 
System haben die Ordonnanzen veraichlen sollen , denen 
^ andores Wahlgeseta beigefügt war, dessep aiisgo^ 
optocfaener Zweck aeyb sollte, die poliiischen Rechte 
«sehr als bisher anf dasGmndeigenthvni «■ besdirftnken, 
und ihnen wo möglich die Ausdehnung sn nahmen, die 
sie durch das Princip einer Abgaben -Quote, zum giöfs- 
ten Nachtheile der guten Sache erhalten hatten." S. 122. 
— ,,Bin Staat, der keine Volksverfassung hat, kann 
niemals eine gute politische Verfassung haben, weil nur 
^e Volksvei^Meang dazu die Elemente liefert. Das Prin- 
cip einer zerstörenden Gleichheit kann folglich ninmalo 
ttnr Freiheit führen, weH es die Volksverfassung moA 
«U Ihr die filemente der Fiwlheh vennohtei Wo^k^ae 
Made mehr «lad, kano keine- Freiheit seva. -Retne 
Idemakratlea , wie das Princip der Glelehhelt sie eraengen 
mnfs, können nur despotisch regiert werden. Frank- 
reichs Volksverfassung ist in den vielen Stürmen der 
Monarchie zu Grunde gegangen; ihre Auflösung ist hi- 
-storisch, und verdient ergründet zu werden. Sie ist die 
erste Ursache seiner alten, wie seiner iüagsten Revoki- 
tton, und da es oleht möglich ist, -ik einer gege<>eaan 
Seit 4Btinde wieder an errMitea, wo sie einnal v o riare n 



U«ber dfts Pria«i|> der C»MicUi«it. Sil 

sind, ist die Auflosung ewiß;, nn4 emmigi imm mtm 
Rcvolutions-Principieo." S. 141. 

Es giebt Bacher, die man nicbl friedlich lienr- 
theilen kaoa, ohne wieder eio Booh su achreibeo. Die 
«•riiegeade fiekrift g«liM in die Klwee diee^ Bftcher. 
Vm m weniger wird auiii von dem Rectn. eine Beur* 
tMIm^ der Schrift erwarten. 

Der Verf. gehört offenbar der guten Schute an, die 
man die geschichtlich -politische nennen kann. Montesr 
vpneu ist der Stifter oder das Haupt dieser Schule. 

Ei neu Wanach werden auch diejenigen nicht onter«* 
dfffiokeB kIkNien, welche sich zu derselben Sdrale b»* 
hiMMtt, ^ daie der Verf. mehr iae£l«Belne etngegnngiMi 
wrirt^ eioa Anwendang eeioer Gmadiitae,. elwm «fl 
Mckmohl auf eiiieil besünnnten Staat, Termiclit fcüle. 

Bae ReavHat, ru welchem der Verf. gelanget, ist in 
Beziehung auf Frankreich nur negativ, und, konnte man 
hinzusetzen, fast feindselig. Allerdings suchen die Fran- 
zosen seit mehr als vierzig Jahren ein noch unbekanntes 
Land auf. Aber existirt es deswegen nicht, weil es der 
Gegenwert noch unbekannt ist? D«r eigen thiiariMiilB 
Charakter unseres Zeitalteta ist der, dafs es sich wu 
Vergeog^aidieit ioarelfaen wilL Vielleiohl oder wtktfv> 
«eiiefnlMi eise Tlioriieit; ein Tetmeaeenca Streben, das 
die Baaoflilaohe Menaelllieit aehoa schwer gebfifet hat 
' und leicht noch schwerer büfsen wird. Doch enthält die 
Geschichte Beispiele ähnlicher Zeiten. Als im altrömi- 
schen Reiche das Christenthum mit dem alten National^ 
|{^ottesdienste den Entscheidnngskampf kämpfte, als die 
Reformailen das Prachtgebäude der katholischen Kirche 
erschütterte , zum Theil niederrifs , wären äJudiebe ZaiteB. 
Viefeo scMen das finde der Weh m nahn. 

Die^ftritiaehen lleforiii« BUla werden derainatt^ '«'Mm 
anaii erat aadi Jaiir^n , dem aditttngsverthen Verf. nenen 
'Stoff zu Betrachtungen liefern. Wer wird nicht gern 
eine so gewichtige Stimme aucli über diesen Gegen* 
aiand vernehmen f 



Digitized by Google 



1 



TU VelMe^ de« Loben Oito's des Grofsen. 

Out Leben und die Zeiten Kaiser Otto'a des Crojsen aus 
dem alten Hause Sachsen. Ein historischer Fersuch von Dr. 
Eduard l ehse, SecreUir am KönigL Oek. Jrehh«' Mit BeÜage» 
und einer Charte. Dresden, P. O. Büteher'sehe BuehkandU 1819. 

Wenige ZetieD haben so entscheidend auf die Schick- 
aale Tentsehlande eingewirkt, wenige «o lang dauernde^ 

Alles umgestaltende Folgen hinterlassen, als die Regie- 
rung Ottos 1. Unter ihr wurde die Verbindqng der 
einzelnen teutschen Stämme wieder völlig hergestellt, 
die seit dem V^erfalie des Carolingischen Reiches sich 
aufzulösen begonnen; unter ihr zuerst die neue Verfas- 
snug , die seit eben jener Zeit sich nach und nach ge- 
bildet hatte, in festere Formen gebracht, die Stellui^ 
des Kdoigs bestimmt und sein Verhältnifs zu den Her- 
zogen , die nun wieder bei allen etnselnen Stammen ent- 
standen waren , geordnet; unter Ihr endlieh wnrde dnrcli 
die Eroberung Italiens und die Annahme der KalserlmMie 
auf Jahrhuntlei te hin die Veibindung jenes Landes mit 
Teutschland und die nahe Berührung des teutschen Kö- 
nigs mit dem Oberhaupte der a!)endländischen Kirche 
entschieden. Schon in dieser Wichtigkeit jener Zeit 
liegt nun eine natürliche Aufforderung, sie zu bearbeiten, 
eine Aufforderung, die durch die Natur der Quellen &tr 
dieselbe noch lockender wird. Noch ist nämlieh deren 
Menge nicht so grofs, dalSi diese die Forschung über« 
mfifsig erschweren kftnnte, und doch sind ale In hinr«i* - 
chender Anzahl Vorhanden und von solcher Beschaffen- 
heit, dafs sie ein deutlicheres und sichereres Bild, als 
die viel zahlreicheren und ueiliäufigeren für manche 
spätere Zeit geben. Neben den vielen grofseiitheils 
gleichzeitigen A^nalen nämlich, die bei aller Kürze 
ihrer Nachrichten meistens doch einen sicheren Faden 
für Bestimmung der Zeitfolge an die Hand geben , be- 
sitzen wir für jeue Zeit mehrere allgemeine Geschichte- 
darstellungen, die theilweise sich den besten Bnählnngon 
anderer Jahfhunderte des teutschen Mittelaiters an die 
Seite stellen lassen, theilweise zwar mangelhaft genug 
sind , aber , recht benützt , durch die verschiedene Stel- 



Digitized by Google 



V«lMe, dM Leben Otta'e dee Grofaen. TU 

t 

hing ihren Verfasser doch eine Tielseiiige umfiussoade 
Aoschauuiig gewähren. Attfeerciem haben wir noch voa 
den bedeutendsten Personen, namentlich den Mitglie- 
dern des königlichen Hauses Liebensbeschreibungen, die^ 
se mumretUMg sie auch seyn mtfgen, doeh dnreh die 
A«mimo||^ ▼ieler einselner Uge , welche der allgemelae 
Oesckioliilsciireiber natttrlich ibergeht, ein lebendigeres, 
wärmeres Bild von der geschilderten Person darbieten. 
Hiezu kommt, dafs alle diese Quellen, wenn auch Man- 
ches in ihnen dunkel bleiben mag, doch im Allgemeinen 
weit besser und sicherer zu gebrauchen und ihrem wah- 
ren Wenhe nach su schfitnen sind , als die Quellen der 
späteren Zeit , wo der herrschende Partheigeist die 
WahriMhaliebe der Sehriflsleller eH so weil anfhob, daüi 
es ms hSnfl^ dnrdiaus unmöglich wird, dae Wahre ans 
ibren Angaben hemnannflnden. Ueberiiaupt sind die 
Begebenheiten des zehnten Jahrhunderts schon an sich 
leichter zu erforschen , die Charactere leichter zu er- 
kennen, als die der späteren Perioden, wo durch den 
ßioflufs kirchlicher Verhältnisse auf die politlscheti Er- 
eignisse diese selbst einen geistigeren und deswegen 
schwerer zu verfiolgenden Charakter annahmen. Da nun 
trete dem Allem Terhällnilimiärsif nech wenig filr die 
Geeohidile Otto's geleistel worden ist, so war es gewifs 
eine gute Wahl, sie für eiueErstlingsschrift, wofür Ref. 
diesen „historischen Versneh" hält, zunr Gegenstände 
zu nehmen. Diese zweckmäfsige Wahl vermehrte das 
g^ünstige Vorurtheil, welches Ref. schon deswegen für 
den Hrn. Verf. gefafst hatte, weil er nicht nach der lei- 
'der noch immer sehr verbreiteten Sitte mit einem um- 
fassenden Werke, etwa einer allgemeinen teutschen oder 
gar Welt -Geschichte seine sohriftstellerische Laufbahn . 
eröffnete, sondern snerst einen specieüen Gegenstand dar- 
MMtelfett nntemahm. Ref. begrSfete ihn daher auf dem 
Felde der vaterländischen Geschichte mit der Hofinnng, 
er werde sich denen würdig anschliefsen, die ritetig und 
uuermüdet dem schönen Ziele entgegenstreben , uuserm 



Digitized by Google 



TH Velite, dM Leben Otto s de« Groleen. 

Volke eine seiuer würdige Geschichte, ein Ireues und 
wahres Bild seiner Verg^angenheit zu geben. 

Da keine Vorrede Ober Zweck und Einrichtung de» 
Baches und ftbar die ihm sit Grunde lieg-ende F'orschuag^ 
Aufischhift gab, aa maMo aich Raf. ao|^leiob aa dm 
Bach aelbat weadän, am aa aahani wie weil ea dfaaa 
Hoffnung rechtfertige. Ref. hat ea mH aagealraagtar 
Aufmerksamkeit durchgegangen und geprüft uad frottl 
sich, als Ergebnifs seiner Prüfung aussprechen zu kön- 
nen ) dafs er in seiner Hoffnung nicht getauscht worden 
ist. Wir wollen damit nicht sagen ^ dafs wir eigentlich 
das Buch sehr gut gefandea haben : — nein , neben via« 
lern Guten bietet e$ vielaa, aehr vieles Unvoiikommene 
and Tidelaawerthe dar. Aber, wihrend jenes aaf blek^ 
beaden Eigeoschaftan des Varfs», 8ehar6iaa, Flaifbf - 
Gelehraamheil beraht, schelat was dieses aar aas ainsr 
vor fibergeh ended Befangenheit entsprattg^ea su seya. Dar 
Verf., glauben wir, hat sich, ehe er seine Arbeit be- 
gann, das Ziel nicht recht deutlich vorgestellt, dem 
nadizustreben , allein des Geschichtschreibers würdig 
ist, und eben so hat er bei seinen Forschungen 8elbsl 
sich dicht über jeden einzeiaen Schritt Rechenschaft ge* 
geben, in wiefern derselbe zur Brkenntnife der Wahrheit 
fihren könne, sondern ist dabei theils elaeai aabaaiaua- 
ien Gefikhie, theils dar althergebrachten 6Hte, theHs 
wohl auch jugendlichei^ Schrillk8teller<'BiMkatt gefoigft 
Daher hat er in sonderbarem Contraste eidestheiis an die 
Stelle einer lebendigen bewufsten, auf psychologischen 
Grundlagen ruhenden Forschung ein mechanisches Zu- 
sammenzählen der Quellennachrichten , anderntheils an 
die Stelle einer ruhigen, deutlichen Erafthlung in dem 
gemessenen , der Geschichtsdarstellung allein znkoaiH 
meadea Stjrle ein dichterisches Gemilde in gltaaeodaa 
, Farben gesetat DIefe allea aber kann «ad wird, das 
sind wir fisst überseugt , bei etwaigen vreiteren Arbialtaa 
des Verfii. sich Indern und das Gute , mit neuen Vorzü- 
gen vermehrt, dann hervortreten und unsere Hoffnungen 
ganz rechtfertigen. Dazu möchte Ref. durch das offene 



Digitized by Google 



Aussprechen seiner Meinung über das vorliegende Werk 
und seine Fehler wenigstens Etwas mit beitragen. Je 
weniger Gewicht nun aber diese Meumug tm $Mk habtD 
kaon, desto nöthiger wird es «eja, sie iWrall nil »u^ 
IWImo^mi GriiMka m belegen. Daher werden wir 
mdtif ffrie.ioiM*/if«Al ^wMioliQh iii, Tadel io solchen 
•UyiiiiiMin Saipt» »uMpctelMD , die «ick übcffhaapt m^i 
laseen^ ader alles EiiselBey was wir t«deliMK 
Werth gefunden haben , auffuhren , dessen strenge Nach- 
Weisung wenigstens ein eben so grofses Buch, als das zu 
beurtheilende, erfordern würde, — sondern wir werden 
unseren Tadel auf einzelne , uns fehlerhaft scheinende 
Seiten des Buches beschränken und aur Nacbwaianos 
dieses Fehlerhaftigkeit wiecUr oar eimeiae ^Beiq^f le au- 
fiUurepi f aber- ia diesen eosere Msioanf . gesaii so 
gXftodM sadheit Dadurch iMpffea wir Bvglbich dea 
«aro dieser Blätter ein islbslsliodigeres UrtMl Aber 4^ 
forliegende Werk va geben , als* durch imbewiesenen 
allgemeinen Tadel oder durch AuÜührung hundert feh- 
lerhafter Eioselheiteu ohne Nachweisung ihrer t ehleir- 
• baftigkeit. 

Dasjßrste, was ans bei der Betrachtung des Buches 
in die Augen fiel, war die geringe Benutzung neuerer 
Hülfsinittfli «a demselben. Aufser einigen Haaptwerkeo, 
wieBaftOttiHS ^d wws itor ee^e9ki$^hi »ad Muratori's 
JmutU -dtlktUm slad aisulicii nui: selten aeuere Scbriftj^n 
Migefilhrt, und es sdleiDea ecdflhe auch io der Tlist 
Dicht häufig benutzt worden zu seyn. Es ist diefe übri- 
gens ein Mangel, von dem wir in der That nicht wissen, 
«b wir ihn nicht wenigstens bei einem jungen Sclirift- 
Slelier einen Vorzug nennen sollen. Denn freilich wird 
•aaf .diese Art ail^bts Vollendetes geleistet werden, und 
es wire sebUmm , wenn alle Forscher auf diese Weise 
. veiAhrea, wir bliebea daaO: immer auf derselben Stelle 
oad die MOhe Froherer wäre Ar die Folgeoden stels 
vetlorea, aber eloras Volisiidetes erwartet man so 
nicht von jungen SchrifistellerD , ood auf der anderen 
Seite sicher p sie sich durch diese Veruachlässigung neuerer 



Digitized by Google 



1%^ VehM, dM Lebe» Ott«*s dm Grolton. 

HülfisiiliUel doch selbst clavor, dafs sie in das Abschrei* 
ben aus der dritten und vierten Hand geraiiien, und ge^ 
wdhneo sich , ihre Darstellung auf eigene , durchaus 
eelbttstSndige Quelleoforfciuiog zu gründen. Betser, et 
kommt die Benutzung ocuereff HttiftoilMei später mm der 
Qydl«itfor8ohiiiif kteu, wAm mta molit mit j«Mr^«bB 
Anfang mid. koMii gar oidil m diefer. Wir 4Mm 
alflo Hm. V!b Beeh alt eine Uarslellung 4i0lfachl6ii, • 
welche aus ganz selbstständiger Quellenforschung her- 
vorging, und wir werden daher zuerst die Art der For- 
schung, dann die Weise der Darstellung mit ihrem un- 
mittelbaren Einflüsse auf das Buch und zugleich mit ihrer 
*Bäckwirkung auf den Gang der Forschung pritfea. 

Vor Allem müssen wir den Fleifs anerkennen, oiH 
welchem der Hr« Verf. die achriftstelleriickeii -SSeHgaiase 
iMier seiaeo Gegenstaod aufgesueht hat- Die arknadli* 
dien nsd oieht mit demselben firlbige iMammeagetragee. 
* Aitfcfa'iflt ea bei ihrer Zerstreutheit so^ schwierig, darin 
zu einiger Vollständigkeit zu gelangen, es ist diefs nur 
durch eine so ausgebreitete Belesenheit möglich, dafs 
einem jungen Schriftsteller unmöglich ein Vorwurf daraus 
gemacht werden kann, wenn er diese Aufgabe nicht voli» 
ständig löst, zumal Hrn. Vehsc, der noch der trefiliehaii 
Regesta von Boehmer entbehrte, die einstweilen «>- 
achieneo^ sind und weBigsteos theilirelae jene Arbeit 6f^ 
Idchtern. Ref. ist übrigens mit seinen fiammlangen In 
dieser Beziehung selbst noeh i^dit tnv Vollständigkeit 
gekommen und wagt deswegen nicht, wie bei den schrift- 
stellerischen Zeugnissen, den Verf. im Einzelnen zu con- 
trolliren. Von diesen also, auf die wir daher zurück- 
kommen , sind bei Weitem die meisten von Hrn. V. be- 
natzt worden. Ref. fuhrt nur folgende an, deren Be- 
nntattng aus rerschiedenen Gründen nn wünschen geweaen 
wäre, die aber Hrn. V. unbekannt gebMaban* an sejn 
acheinen. 

1) Das Chronicen Corbejens«, weidiea We- 
dekind im vierten Hefte seiner Noten zu einigen Ge- 
^chichtschieibeni des Alitteiaiters S. 369 u. ff. heraus- 



Digitized by Google 



gegeben hat. Der Gebrauch desselben wüYde aber voti 
Nutzen gewesen se^o, wegen der ihm eigenthümlicIlMi 
Darglelking derUii|(«rDkriege in den letzten Jahren Hein« 
richs und den aiüien Otto«, die dem Verl Mif j«d«a 
FM MgB MMü m uMkm m^ • N « hw ih««i i i iini ngeo mA 
MlU M Wgi bBi i dwyeboi» hahm wtird«. Dmi db Dmr*- 
rttihiMg^ «tlhrt, di« dM dirmdcwi jeMi Kriegen 
IfMbt, würde er nach unserer Ansicht mit Recht ver- 
worfen haben. Wir meinen damit vorzüglich die Thei- 
lung des letzten Ungarnkrieges unter Heinrich L in zwei 
Feldzüge, die diesem Chronicon ganz eigen ist, und 
sich , soviel Re£ woift, sonst nirgends findet. Dafii sio 
aber mit Reobt .vorworfen würde, das scheint VM dio 
VorgWeliiMig' dieiea Ghroaiooa*a »It Widvkind i« be* 
MM», mil dm doo CSbroo. gerade io jeaer Daretolluog 
VMoB Wer« fftr Wort gemoui hat, während es Vielof 
^ wieder auf eine durchaus verschiedene Weise giebt So 
viel sich nämlich aus dem gedruckten Texte scbliefsen 
läfst, möchten wir, bis sich vielleicht durch Auffindung 
und Untersuchung der Handschrift des Chron.'s etwas 
Sfanrerlässigeres ergiebt, über dieses Verhältnifs anneh- 
M», dafs weder das Chron. Wididiind , noch dieser 
Jörn beoAlst^ soodm dafs beide gerade für diese Dar-» 
fll^uf dieeelbe liiere %Mlle, eio attes Obioa Cerb^ 
jmm, vieUeiehtaMh aar euMrBeaehreibang des Ungar«* 
krieges Tor Angeo haMea. Beide s^riebsn disse aae, 
aber beide liefsen Einzelnes weg, der Eine diefs, der 
Andere jenes. So, um nur aus dem Jahr 938. Beispiele 
zo entlehnen , wof&r das Chron. nur diese Quelle be- 
nützte, hat cUs Chron. die Namen der Städte Hebesheim 
und Uuerla, wo Widukind bei Meiboom See. Rer. 
Germ. T. L pagv645. in fine) aar yrftee hat. Dagcfea 
Wid.: Dtm • • . ee dir od vetperam . • . Migna moiit^ 
w# die genauere Besllnmang ad veaperam in Cbrnn.* 
fehlt Eben so Wid.: olfera pur» ejnreUu» ad aqui^ 
lonem versa ^ wo im Chron. wieder ad aquilonem versa 
fehlt So sind die Sätze der Quelle . . . periti timo^ 
rem^ue mmmm cueiens iacm^» Dux autem iUiu8 e^er^ 



Digitized by Google 



V ehte, da« Lebea.iMto'^ Am GmCmi. 



citu8 cum paucis elapsus comprehenditur ei ad regem 
deductus precio magno reditnitw. Hia auditis castra 
hostmm omnia turbata fuga salutem quaettiere, die 
l¥i<l. unverkürzt hat, ofienbar in des Chron's ... pe- 
rik tmmor€mque nimium caeteris mcusaU fuga saUUem 
fmaereniibua wummmm^^em^en, Duyigc« kl neo uUtra 
per trigmta amw» m Saxonia appmruete ein Zusüts 
•WMqIuihI'0, dea die fleielM6ili|poQ«elle iMtilrlach mmb$ 
ittben koHBle. fibsa fo wl ouo aach da« Verhiltnift hm 
der Bafchreidaai^ dat Krieges aatar Heiaricli, WaaWId. 
erzählt und was das Chroo. zu 932; giebt, ging aus der- 
selben geiueioschaftiicheo Quelle hervor. Allein neben 
dieser hatte der Chronist noch eine zweite Quelle, die 
Widukind nicht benützte, welche eine etwas verschie- 
dene Darstellung von dem Kriege und zwar vielleicht ait 
933. lieferte. Er verfuhr nun, wie andeareCbmpihitoreai 
B. B. der Anaalista 8aiia aad der Clironographtts 8aM 
so hAttfig thuB f aad niaohte aas euem Bnigiiife y wal» 
ehes er ia awei Qaeliea besehrieben gefaadea hatte, s^el 
saaoessive Vorgänge. Möglich , dafs er dalpei oicht im 
gutea Oiaabeo wa^, und wirklich, wie Stenzel in seiner 
Geschichte der fränkischen Kaiser Bd. II. S. 103. ver- 
muthet, diese zweite Erzählung nur hinzufugte, um 
seine gesammelten Redensarten aus Cäsar anzubrin- 
gen. Diese Anwendung von Redensarten Casars gebt 
nämlich noch weiter , als Stenzel a. a. O. angiefot, denn 
von S. 389. Z. 23. bis Ende des Jahres 933. ist , bis 
auf 2 eingeflochtene Stellen^ die oüt Widttkiad ^e- 
meioschaftlieb siod, aidser dea Name» aad elttigaa Var^ 
biodungswdrleni Alles aas Ca^sara Bell. OalL I, fid. 
~ II, 8t. eatt^nft, «ad -swar slad die Stellen aas den 
v^srschiedenen Capiteln bunt durch einander gemischt. 
Sie folgen nämlich: I, 53. 54. II, 1. 2. 3. 21. 24. 22. 
11. 12. 23. 26. 27. 25. 23 27. 26. Diese Versetzung 
der Stellen Casars urul die Namen, die sich in der zwei-' 
ten Erzählung finden und die der ChrooisI doeli oidlt 
wohl erAaden konnte, bringen uns ttbrigaas-eben aader 
Ueiierseayaaf » dafii er .ai^ die faaaa HfmiiMiiag rein 



L,y Google 



VelMf , dtra LelH-fi Ollu's d«s Grofaea. 



eHanden hat, wie St<^nzel a.a.O. für möglich hält, soii- 
dera dafs ihm dabei eine wirkliche Erzählung vorlag, 
denn sollte sich der ChnuiuiiteiBe Aufgabe nielit Itticbter 
gemacht uinI die StelUa niehr der Reihe nach hiiig«^ 
•oferiAbM haheii, wenn er gam wiiyiftWIkli efdiclMI 
htüm ^md kidki geswiiBgea feweien wäre, mImi fiieüeii 
einet gegebeaeo Enihlung aozupMent In dieser Mei* 
Mng beeüirlLt iMNih wehr, defe wir «tbeD in der Mt* 
efihluog zum Jahi* M2, also in einer offenbar quellen^ 
mäfsigeii Darstell ii n^ur , der Redensart Casars diuruh m- 
ctwnisque itmeribus contendisse aus Bell. Gall. 1, 44. 
beß^eg^nen. Ja wir möchten nach der Art des Ausdrucke« 
mit ziemlicher Sicherheit behaupteo, dafs auch die «raiize 
Erzählung des Jahres 932. mit classischen Phraseo liiurch«* 
flochten ist , die aus Cäsar oder anderwärts hergüHwrilnea 
sind. Um Nedifreieen Ihrer QueUe^ wosu wir nocb 
Moe^aslt iMilleli, wOrds «Mere Ansiolit von dem Ver«» 
lidiren de» Ohronwten nach mehr beBlitigieo. Demoaeli 
würde also, wie wir 'echon oben bemerkten, die allge*' 
meine Darstellung des Chronicoos in fler That keinen 
Glauben verdienen, aber seine einzelnen Angaben, vor- 
zuglich die Namen, in beiden Erzählungen, als aus einer 
Uftern Quelle geflossen, zu berücksichtigen seyn. 

2) JOas Chronicon äti Michaelis LiinebiAr<«> 
gensiS^ TOD Wedekind a a.O. R411 if. herau8gegebet| 
dsSke» Aaiiiiiy für die Awikkürmig der Veriifttaisse das 
HfiMgfiiiia» Smtkmm «otor O. tiad der.arsprungliolMi 
SteUung Hermann Billing's höchst wichtig ist» 

d) Die Annaleg Anf ienses in Balticii Miseellao. 
T. I. p. 49(>. und besser in Monum. Germ. bist. T. I. 

61« und T. II. p. 238. Zwar würde aus ihnen kaum 
etwas Neues zu schupfen gewesen seyn, weil sie von 
Vielen, vorzüglich vom Continuator Reginonis, Herman- 
nus ContraciHS, Marianus Scatus u. s.f., fast vollständig 
abg^sschrieben worden siad; aber eine Menge faisciter 
4Xteta and auch einifa daraus enlstchaiide Uarichtigkeiteii 
würde Hr. V«, wie wk unteo Sehea werden 9 darcli ilM 
•Banutaung vanmaden habaa* . 



1^ VehM, da« Leben OUo'« do» Grofiran. 

Ueberhaupt sind die Moiiuin. Germ. hist. noch 
nicht benfitzt worden , obgleich wenigstens der erste 
Theil davoo l^i der Anfiarbeituog des vorliegenden Bit* 
dies schon erschienen gewesen se^^n mufls and daher voa 
itaMi ¥«rf. hMte gebraucht werdeo eoHan. Bs mnä ihm 
dhindi dcflseo Vernadilllesigwig, aafeer den jAmmha Au* 
gtenscB, mehrere kieinü AnnaleD nnbekuint gebilehen, 
die dort zuerst herausgegeben worden , von denen einige 
wenigstens für einzelne Vorgänge zwar kurze, aber we- 
gen der Gleichzeitigkeit mit den Ereignissen wertfavolle, 
Bemerkungen gegeben haben würden; z; B. die An- 
nales brevissimi codicis San-Galiensis No.459. 
Mon I. p. 10. z, J. 958; die Aoaales Sti Emme* 
rammi Ratisponensis minores Aion. L p. 98, die 
•och schon bei OeMe See Her; Boic. T* L p. M. stehen, 
adann.M&. 947. 948. 951; die Annales Colonlen- 
ses Mon. T. I. p. 97. ad ann. 937. 98a 948. 951. 953. 
957. 961. 965. 968. Andere Schriftsteller hat der Hr. 
Verf. deswegen wenigstens nur nach schlechteren Aus- 
gaben benutzen können, wie die Annales San-Gal- 
lenses majores nach Goldast, die Annaies Aia- 
manici nach OaChesne oder Ussennann, den Conti- 
nnator Reginonls naeh PIstorins* Strafe und der|[l; 
Doeh diese und andere derartige AnshMsnngea sind bei 
der Schwierigkeit, die Terelnzelten Qnellenschrlllen an* 
sammen eu bringen, sn nnbedentend, um unser Lob 
über den Fleifs des Hrn* Verfs. bei Sammlung derselben 
zu entkräften. 

Desto ernster ist der Tadel, der Hrn. V. triflft wegen 
der Art , wie er diese fleifsig gesammelten Quellen be- 
nutzt hat. Die Grundsätze der historischen Kritik sind 
in der That so nntlirlich , bernhen so ganz anf den f e- 
wihniichea Gesetsen des gesunden MenschenTerstandes» 
die wiir bei den Geschiften des gemeinen Lebens figlich 
angewendet sehen, daAi es wirklich fast unbegreiflich 
scheinen kann, wie sie verhältnifsmärsig so selten von 
denen in Anwendung gebracht werden, die es unter- 
nehmen, geschichtliche DarsCellungen zu liefen. Den- 



Digitized by Google 



noch ist es nur za wahr, dafs wenigstens für die Ge- 
schichte des Mittelalters ihre Anwendung^ erst in den 
leisten Jahrzehnten allgemeiner als uoerlärslkbe Vorhe- 
diDgoBg jeder geichichtUchen . Otrsteliung aoerkaniii 
worden wL .Da mm aber gerade, daia^f , dafs diese 4»* 
erkeiuHiag immer allgemeiner werde, «oeer« HefimiBg 
berdit, mudh md naehxeiae naaeres Volkes wSrdige Ge»- 
adblehte so erhalten, so ist es die heiligste Micbl, 
überall für sie seine Stimme zu erheben, Qberall darzu- 
thun, wie ohne ihre Anwendung jedes Buch eine haltlose 
Composition bleibt, die der Wahrheit keinen Nutzen, 
der vaterländischea Geschichte limine Förderung su brin- 
gen vermag. 

Wir meinea aber damit vor Allem die Forderung, 
die smr schon der gemeine BienscheiiTerafaBd an Jedes, 
der dvrdi Zeugen £e Wahrlicil ergründen will , stellt, 
die Aber doeh erst In aeoester Zeit mit gröfserer Be- 
stimmtheit an jeden Geschichtsforscher gerichtet und 
zur Grundlage einer besseren Forschung gemacht worden 
ist, die Forderung nämlich, jede Forschung mit der 
genauesten Erkundigung über die individuellen Verhält- 
nisse jedes eiaselnen Zeugen zu beginnen. Was nur ir- 
gea4 jüber sie ausgemittelt werden kann, mufs erforscht 
werden., oiohls darf «i geringfügig erscheinen, wa» 
fihjsr sci^e Sdiicksale, seine Deidtart, soine fiildniig, 
emUtdi über die Bntstebung seiner Werke» deren QnoU 
len, Einrichtung, Darstellungsweise nur irgend etaea 
Aufschlufs zu geben vermag. Dadurch gelangen wir er-* 
stens schon allein zu der Möglichkeit , seine Erzählungen 
sicher zu verstehen, zu beurtheilen, was diese oder jene 
diinkle Aeniseriing bei ihm bedeute, was ihr Wahres zu 
Grande liegen mag, dann aber erhalten wir auch da- 
durch alleia einen Maafsstab für seine Glaabwürdigkeiti > 
vnr worden erat dadareli in «lea Staad gosetst, mit eini- 
ger Mchorheit an beftimmen , In wie weit wir einer Nadi^ 
rieht Glaubea sehenlcen dirfcn, die er allda gieM «od 
vorzüglich, wofür wir zu entscheiden haben, wenn WH> 
dsr^rech^n4e Zeugnisse ihm gegenüber stehen. Von 



Digitized by Google 



I 



V«iM« , ätm Lebe n Oa«!*« Am Gi-olaen. 

> - 

«lieser Prüfung findet sieh aber bei dem Verf. kaum eine 
Spur. Nirgends sind wir auf eine Berücksichtigung der 
ISteiiiiiigf des Characters, (ier ILentitnisse dar Zeugen, 
nirgeiud» auf ein Abwiegen ihrer Zeugni^e gestofseii. 
Aa ikwitn l^tMe 4rUi, wie wir schon bamerkt haben, 
ein mecliMitsaim AbnihleB deraeiben. Der Vnrf. hMt 
Mm Naohrielüen lleKSngst neben einander gesehriebMi , 
unbekammert nm Ihr Verhfiltnife cn i^nander und nm 
ihren Werth. Die Masse von Angaben, die er so erhielt, 
das war ihm nun der gegebene Stoff, den er zu einer 
' ausammenhängenden Darstellung zu verarbeiten suchte. 

Dahec nimmt er denn Ailes gläubig auf, was die 
Zeugen sagen, sowohl Thatsachen , die sie erzählen, die 
.aber an sich oder doreh die Besehaffenheh dee Ensah- 
lere Terdichlig sind, als auch sogar Redensarten, dift 
bei denr Zeugen selbst gar ntoiit als Thatflache gelten, 
sondern nur Bilder, Betradiiangeii , Urtheile und dergl. 
sind. So, wenn Widukind I. I. p. 641. b. Meiboom 
nach dem Siege Meinrich's über die Ungarn sagt: deinde 
pater patriae, verum dominus Imperatorque ab erer- 
vitu appellatur etc., so schreibt Hr. V. vS. 81. getrost: 
„Heiorieh, den die Deutschen ooeh bei seinen Leb> 
Seiten den Vater des Vaterlandes nannten «nd eitiit 
flnnn : j^e Stelle Wlditkind*s, da denn dodi leicht ntt 
«ahen war, daCs sie liein gesciiiclitileiies Zeugnife abge- 
-ben kann , da sie nichts als eine irgendwo anfgefangene 
klassische Redensart enthält, die Widukind zu Verschö- 
nerung seiner Schlachtbeschreibung anwendet, die eben 
deswegen I. III. pag. 657. med. wieder von Otto nach 
der Schlacht bei Augsbnrg gebraucht wird. Ja sogar 
wenn Widnkind L ]^g. 6^ schreibt: BruMnem . . • 
JWjJM» mamd ^ äueis fnrigni vidimw ^J^ewm 
gereaienL Aö ito quh eum euipaUhm mgpet Ikoe ^ 
Mf^> {«Ulis Smmmhm eesiofiim et oHioe pkire$ «Heer- 
tloles parHer legamm et judicea , so sehrdbt Rr. ¥• 
6. 222. getrost : „ — das erste Beispiel , dafs ein 
geistlicher Herranch herzogliche Gewalt fiberkam. Der 
K^ig Otto soll hierbei das Beispiel des Hohenpriesters 



« 



Digitized by Google 



i 



VftlMe» dm Leken Ott«'« d«ii QwSmu. f83 

der Juflen, des Samuel, tier zugleich Richter war, Tor 
Au^en gehabt haben. Witt. I, 638." Eben so, wenn 
der gute Bischof Thietmar, der mitunter io teioer Art 
«ach witzig ist, (ßucb II, S. 2t. ed. Wagner,) 4m 
Bkchriclil: Widiifcind's Toa iSniileckmn^ der SikberadMi 
1» Siolisen «o uisdrOdct: TemporHnu am (Oikmh) 
mnrmm SOusdH saectdum^ apud no9 hmeaia prinmm 
wma argenti, so versSumt Hr. nicht, 8. 247. zu be- 
merken : „Die Zeit war jetzt durch Otto heraufgekom»- 
men, die Dithmar wiederholt Deutschlands goldnes Alter 
nauBte," und dazu neben einer anderen auch jene Stelle 
zu citiren u. s. w. Aus derselben Betrachtungsweise der 
.daceh die Quellen gegebenea Nachrichten entsteht es 
aBdi , «hdli Hni. V.'s oberstes Slreben mil durin best«li^ 
-M nm ngmki Mglidkf die verschiudeoen Ang*aben:d«r 
^ulluii>ni r%peMgm md emen Gwg der Breigntsse 
«teziidenken , wodurch die scheinbaren Widerspräche 
hoben werden. Nur wenn dazu durchaus keine Mögw 
lichkeit ist, entschltefnt ersieh, eine Angabe fallen zu 
lassen , obgleich es oft dem gesunden Menschenverstände 
jiD^emesseaer ist, auch wenn eine Vereinigung sich den^ 
keo läfsi , eitoan Irrthum bei etaem tder Zeugen als Ur^ 
«Mibe der Ferscbiedeaheit vorauszusetzen. Z.B. (um 
-Bwd Fttl« a ufa a ÜÜWB ii^ wo jemes Veroiaigaogsirtfobsa 
dnirb aelao kloiaiioM»l« Mehsft i«6iierlieh wird ) waaa 
^ns HU gemeinen Leben vwei Lteote , die beidt inolit 
selbst gegenwärtig waren, erzählen, es sey Jemand im 
Wasser umgekommen, der eine aber sagt, er sey mil 
dem Pferde iu den Flufs gesprengt und so ertrunken, 
der andero, der Kaha, auf dem er sich befand, sey 
ü berÜMi ywosoa «ad untergegangen , wer wird da nicht 
riborzengt scgra , einer der beidea firaiMer irre sich über 
den NeboBUBSsland t wer Wirde ee da aMM haebst M^- 
oberllcfe #adstt, weaa «Mm aas diese« beMe» Ang abea 
rldiiiehr scbliefern wollte, der Brwfthnte sey mit dem 
. • Pferde in den Flufs gesprengt, habe aber glficldlell 
einen Kahn erreicht, sey da hinein gestiegen und damit 
daoD Terunglückt '4 Warum sollte nun eine solche Ver- 



Digitized by Google 



IM Velwe, das Leben Otto s des QtoSten. 

eiDigung io der Geschichte weoiger lächerlich seyn? 
Herr V. bietet sie uns aber dar. Frodoard erzahlt 
nämlich imChron. Kemense ad ann.939. bei Boucqaet 
See. Rer. Franc. T. VIII. p. 193 von Herzog Giselbert 
dm Erstere« Widukind 1. IL p. 648. med. das Andere, 
Hr. V. aber verbiDdet die beiden Angaben S. 124* a«f 
die angegebene Weite. Nicht weniger iScherlich iil die 

* Verbindung zweier Angaben Aber die Belreinng der 
Königin Adelheid aus dem Gefängnisse. Hier erzählt 
nämlich Hroswitha (Histor. Oddonu m beiMeiboom 

' 8CC. Rer. Germ. T. I. p. 721.): Adelheid, ihr Kaplan 
und ihre Magd hätten ein Loch durch die Erde gegra- 
ben nnd Seyen dadurch aus dem GeßUi|;ni£B entflohen; 
dagegen Donizo (Vita Mathildis comitissae m 
Mnratori Sca Rer. llal. T. V, p. SMl): AdeUieid s Kaplan 
habe ein Loch dnrch die Maner gemadii nnd dadarck 
aey die Königin entlioninieo. Richtig lesen wir daher 
bei Hrn. V. S. 192: „Ihr Kaplan fing ckunit an, eine 
Oeffnung in die Mauer zu machen. — — — Von dieser 
OelTnung aus grub er weiter durch die Erde einen Gang 
unter dem Thurme hinweg, bis er endlich hinaus ia 
«iaa freie Feld kam" und dergl. m. 

Natürlich konnte aber bei Hrn. V. TOQ einer kriti- 
eehen Benulanng der Quellen Aberhanpl gar nicht die 
Bede aeyn, da ihm die unerlilUichile V^berallnng m 
Beurliieiiung derselben fehlte. Der erale und noihwear 
digste Schritt, um dnreh Zeugenaussagen die Wahrheit 
zu finden ist nämlich doch wohl, dafs man vor Allem zn 
erfahren sucht, wie viele Zeugen ein Factum angeben 
und wer diese Zeugen sind. Selbst der gewöhnlichste 
Untersuchungsrichter aber wird bei dieser Untersuchung 
das nicht als Mni Zeugnisse annehmen, wenn A. sagt, 
B. habe gesagt, sendern wird sich elleia an den halteS) 
der keine writere Quelle teiBer AMsagee auAUirt. 



Oigitized by Google 



SO. HEIBBIA. JAmSBi o. LriBRATUR. 1831. 

' 

Vehse^ das Leben Oito*a .des Großen, 

( Fb r t W€ f 9 u n g.) 

60 sollte man meioen, mtfste von selbst jeder Hi- 
storiker mch darauf fallen, aas seinen Zeugnissen alle did 
auszuscheiden, die andere abschreiben, um so zuletzt 
die allein übrig zu behalten, welche die Urzeugen sind 
oder uns wenigstens dafür gelten müsisen, weil wir ihre 
Quellen nicht mehr besitzen. An die müfste er sieb 
dannhahen, ihre Ghwbwürdigkeit priifen end daaeeh 
seine Aaeicht bestimmen. Wie ist ohne das nur an For^ 
mtbnng m dleekenf vne JLdnneii wir die Gültigkeit uner 
Aegdbe übcskaupt beKrthelleo ederTeraehiedene Aogaben* 
gegw eimmdk» abwiegeo, wean wir Tielleieht 12 Zeug- 
nisse neben einander auf dem Papier schon haben und . 
nicht wissen, ob nicht vielleicht 11 davon auf eins zu- 
rückzuführen sind und daher vielleicht zusammen nicht 
mehr Gewicht haben, als das zwölfte, unabhängige? 
u. s. w. Nothwendig mufs ja da die Forschung immer 
ein Hemmtappen. «ad eia aafaUiges Finden oder ein lä* 
riiariiohai Verirren seyi. Als erste, aaerläfslicfae Be» 
diDgnug furdera wir daher, vea jedeai Geschiehtslu^ 
scher, • Torattglieh aber yoii jedem , der eioea Ocfgeastand 
aas der Geschichte des Mittefadteis. bearbeitet, ia-desseb 
Quellenschriften die vielfache Wiederholung desselben 
Zeugnisses so gewöhnlich ist : dafs er durch genaue 
Vergleichung seiner Quellen ausmittele, welche Angaben 
aus anderen noch vorhandenen Schriftstellern entlehnt 
sind, «eiche dagegen fir uns als Urzeugnisse geltea- 
niiSBBn, dkifii er jene daoD nicht mehr als Qaelien he* 
traditv^r aeadera aaf diese seine Vergleichung und For« 
Schaag besohrlBke. Freilich weift Re£ wohl, dafe es 
hm der -'■eaehaSeaheit dar bisherigen Aasgabea der 
Qaettenschrifitea aami^^Uoh ist, mit dieser Arbeit «aih 

UV. Jahrg.. 8. Heft 50 



Digitized by Google 



Hi Vehte» das Leliea Ottp's Grofi^o. 

Ziele zu kommen , dafs <He Ausscheidung oft irrthümlich 
ausfallen wird und unvollkommen bleiben mufs; erst die 
Vollendung der Monumenta wird diesem Mang-el abhel- 
Üen und gröl'sere Sicherheit schaffen. Deswegen fordert 
er auch nichts Vollendetes und gesteht gern zn, cbfii 
bei mancher Steile der Urheber im Zweifei bleibe , man» 
«Im8 jn^flat aieiit entdeckt werde: aber dm Meiele 
luma doch eelüMi jetat Ür. Aoaseheidung davadboD go» 
•elMlKOf aad eo viel fordert er amiaolisicbtiioh tob Jar* 
dam , dem er den Namea ^nea Qeeciiichtsforechers bei- 
le^n soll. 

Dafs nun aber Hr. V. gar nicht daran gedacht hat, 
diese Voruntersuchnng anzustellen , das zeigt seine Art 
zu citiren. Ohne Bedenken schreibt er 3, 4 Stelle» ala 
Beweisstellen neben einander, wenn 'sie auch alle Waat 
fttr Wort dasselbe enthalten, und aft aatobflkit daroaiar 
die eigentüolie Qaelia aaf einem sehr «alai^geardaMto« 
Pktee, oder wohl aadl gar nidit,* 00 dufa aiM abg«» 
laiteta allelB ihro Stella eimdamt Z. B» Voa 6 Citatao 
Mar die Blidille dar Ungarn wihrand Canrad)i I. Ra« 
gierung, von 91'3. an, die S. 61. gegeben worden, iat 
kein einziges brauchbar: Regln, coat ad ann. 913. 
ist wörtlich aus Annal. Augiens. zu demselben Jahre. 
Regln, cont. ad ann. 915. in seinem ersten TheUe 
ebenfalls aus Annal. Angtens. ad ann^ 915. Her- 
iBaoava Contractna ad warn. 916. ist diaafdbe Statte 
dar Annal Augiens. ad ann. U5> Horm. Conto 
ad ana. 911. aaa Aaoai. Aui^iona. ad aom UM, wmt 
HÜ- dem Zaiataa vaa dar Vcrbreanany ünnh . Fao« 
doard. ohron. Baaaton» ad aao. M81 gthttvi niakt 
mehr hierher. Hier zeigt mxh zngleieb der Schade 
dieser Citir weise. Nach den Ci taten Hrn. V.s wird ge- 
wife Jeder glauben, die Ungarn seyen viermal einge- 
fallen, 913. 915. 916. 91t, aber der Einfall von 916. 
ans Herrn. Contr. ist derselbe, den Reg. cont. zu 915. ei- 
w^hnt, Herrn, hat ihn nur zu einem falschen Jahire, dat 
Wmjg v^m m. gehört zu 916 , weil auch hi^ wied^ 
Harm, dio Naohridit sdner Quelle aa rinam fnlgrlicin 



Digiiized by Google 



YelMe, dM Ijeben Otto'* dm Graftes. 18f 

Jahre setzt. Aechte Citate wfirden gewesen sejro: 91SL 
Annalium Alainannicorntn continoatio' Stil« 
GalleBsis tertra oder Anaal. Sm -Gallens. breT., irie 
sie Ifr* V# aoch naeh Du CiiMie tmot» so dieMn JahrcL 

' [jtanM AsMl. fiaa. Gallcns. ini^n ^er AonaL Hepl- 
dlaai , wi» sl« Hr. V. nach Ooldast bmioboet] und Au* 
nmh Augieüs. m diasem Jahre, [daraos Regio, tofok 
«; l]OTni.CoMr. m deoiselben Jahre]. 915. AnnaLAo«^ 
g-iens. zu 915, [daraus Regin. cont. zu 915. n. Herrn. 
Contr. zu 916.] 916. Annal. Au giens. zu 916. [daraus 
Regln, cont. zu 916. u. Herin. Contr. zu 917.J So würde 
auch die angef&hrte Täuschung des Lesers vermieden 
worden seyn. Eben so ist die Nachricht des Heroih 
Contr. ad ann. 938. aber den Krieg Otto'i g^gen Ar- 
oolf'e Söhne (6w 98.) m An na f. Aoyient. «d ennd. 
•00. wd oifor 00^ dato sieoilidi oooweekodtfUf ' Ag^ 
kim Am dereelben Qoefie eiod amk die Naehrlehten 
des Hör». Contr. so JahrMf. ood fM8. tber dioUo- 
garn-Binftlle, die 8. 9Si. dtirt werden. Die erstereo 
stehen in Baluzius Ausgabe bei dem Jahre 926. in dem 
Pariser Codex aber richtig bei Jahr 98T. (Mon. Germ. 
Mst T. II. p. 239.), die letzteren bei Jahr 938. Herrn, 
hotoor einige nähere Bestimm iing-en Aber den Gang des 

• Wmge» binzagefügt ; sie ergeben sich aber aus der Natur 
der Sache, Herrn, braucht daher keine weiteren Nacb^ 
SNAlen dam benotet so Myen und ist deswegen nicht als 
woMor» ^eMe amsooslien. Die Noehvlehi iber die Wahl 
Wfllirtd^o nnn BfoblscANif MslnSy die & 149 o. SBR 
OOS Moflofros fleotos ad aoo. 954. dM wMI, rtttl 
oMo weidgeroos den Asnsf. Angl ens* hOTy die BCsf^ 
rian. sehr stark benfitzte , wie denn z. B. die meisten Nach* 
richten, die er ftber die Jahre 911. bis 936. hat, aus 
ihnen geflossen sind. Gröfstentheils nahm er sie sogar 
erst aus dem Continuator Reginonis , hatte aber die An* 
nal. Augiens. doch auch selbst vor Augen, wie die Jahre 
Vn. 930. 934. 936. beweisen. 

An ^esen firischen Citaten war nun gröfstentheils 
teüiolilbooiHeonif der Annil. Aogieni. Moild, ther soeh 



Digitized by Google 



«88 VehM, da« Leben Ottt^B dwQffaljMB. 

WO Hr. V. den Schriftsteller sonst benützt hat, aus dem 
eine Nachricht heigenommeo ist, ist es ihm einige Male 
beßfegnet, dafs er nur die spätere Angabe nennt. Z.B. - 
6. 71, WO für die Taufe des Obotriten- Fürsten der An- 
naiista Saxo ad ann. 932. (bei EcCard See. ftin * 
Germ. T. 1. p.2M.) eiUrt wird. Diese Nachricht staminl 
ab auf Anoal. Angiens. sn 9äl, kam toii ila in den 
Cont Regio, und io deo Herrn. Conir. m doemMm 
Jahre mid am dem Oeat Reg. eiel in den Annali«!« 
Saxo, wie die Lesart Danorum zeigt. So hätte also 
Hr. V^, wenn er die Annal. Augiens. nicht kannte, we- 
nigstens Regin. cont. citiren sollen. Hben so rührt auf 
derselben Seite Thietinar's 1. p. 8. über die Unter- 
werfung der vSlaven aus Widukind I. p. 639, wo sie 
sich viel weitiäufiger findet. Die Nachricht des Anna» 
lista Saxo ad ann. 952. (S. 172,) llher di« Lag« der 
8 jfitiBchen Bischefesitse ist wöfiiich ans A*damu8 Bre- 
menais de siin Daoiae (in See. Rer. S^plentr. ed« 
Lindeobrog-Fabrie. p S6.) abgeschrieben. Die' Angabe 
des Anonymus in der Vita Mathildis comitissae 
(bei Muratori See. Rer. Ital. T. V. p. 389.) über die 
Flucht Adelheids (S. 192.) ist aus Donizo (ebendas. 
p. 346.) genommen, wie denn jene Vita überhaupt nur 
in einer prosaiscliea Uebersetsuiig von Dooinoa Verann . 
hi^ht. 

Weit häufiger erscheint aber die Urquelle mit 1 
oder 2 Abachnften zogleich. Ueno Hr, V. aohrnnt m 
sich zur Pflicht gemuht zu haben , wenigatena gewi^hn». 
lieh, AUeazn citiren, waa er Ober ein Factum nur irgend 
an^^ndeo hat Solcher Beispiele sind unzählige. Hier 
nur folgende: S. 59. werden zum Beweise, dafs Hein- 
rich auch Herzog von Thüringen gewesen, angeführt: 
Liutprand i bist, sui temp.n,7. Sigebcrti Gem- 
blacensis chronographia adann.914. Annaüsta 
Saxo ad ann. 911. Beide jLetztere haben aber ihre An- 
gabe aua£raterem genommen, Sigebert mit einer kleinen 
VerSnderung, der Annaliata ganz wörtlich. S. 12. über 
die ataeburger Legion neben Widukind 649* 



Digitized by Google 



#ifebert Gemblacens. adaan.922, der seioe IVach- 
richt mit veräaderten Worten aus Wid. geDomitoa. S^7S> 
•zn 4&er UDwahren Angabe, dads Kanut (?) Gorma S. naek 
-Hmiirichs Angriff auf Dänemark skli habe täiMchen iamm 
unter Aadered: Adami Bfenena. hitt eecletlasl 
If 48.'iunI Ckroao^^raphos Saso (ia Ij^aite Ao» 
uiii i i «. Hat L) ad aoik 9KL Diaaaa hat abiar dm 
Mtan Theli aeiaer Naeitfk)lit aw» Regfin. cont ad ann. 
Ml, wohin er aus den Anna 1. A ugiens. zu demselben 
Jahre kam uud den zweiten aus Annalista Saxo ad 
ann. 931, der ihn eben aus Adam Bremens. I, 48. 
nahm. 8. d9. für die erste Fehde Eberhard's mit Bru- 
lUDg: Widukind 1.11. p. 64 (. und Annaiis ta Saxo 
Ml «011.937, der hierin Wid. wörtlich abaehreibt S.1IML 
•Ülr den Zog Otto's oaeh.Fraokreich xnr Uoterattttsamg 
dea mtfitekiadMo Kdoiga Lwlwig: Widakind lU. 
p. 6U. Prodoard ehroo.* RaaiaDa. ad aoo. 943. 
Regiift, cont. ad ann. Sigebert Gemblacens. 
ad ann. 949, wovon der Letzte nur eiuen schlechten Aus- 
zug aus Widukind liefert, worin er unter Anderen aus 
Widukind's Laudunum armis tentavit macht: Laudu- 
num cajMt. Richtig geht Hr. V. auf dieses Mifsverständ-^ 
Difs ein, erzählt gegen Frodoard*s auadrAckliches Zeug- 
■i£i, daa- hier dock wohl Alles überwog : Otto haba 
LaadnunD genomiiieD, — and aiohl aioh daher, wail 
gleiokwohl Laadaaaiii aocfa in. dao Häadaa der 
Ckgneriat, geaMhigt, aas TelbuMaa Lamduaum amUrm 
Hegern retmebat (Frodoard chron. Remens. ad 
ann. 948. ap. Boucqnet T. VIII. p. 204 in) zu machen: 
Tetbald bemächtigte sich Laudunum's , — also ein ganz 
neues Factum zu ersinnen. S. III. zu der Errichtung 
der 3 jütischen Bkthümer durch Otto: Adam Bre- 
aaaaa» 11,-2. Chronograph. Saxo und Annalista 
Saxo ad ann. 952. — AnnaKata S. aehreibt aber die 
Maehrlcht von der JBrrichtang der BialhilaMr w5rdich 
ans der ckirten Stelle dea Adiuii Bremens, ab and iichl 
die nähere geographische Bestiainiiing ihrer Lage aus 
der oben angegebenen Stelle Adams de situ Daniaeeiu, 



Digitized 



» 



diefs Alles schreibt ouo wieder von ihm der Chronogra- 
phus S. wörtlich ab. S. 195. zu Adelheids Ankunft in 
OmnftHT Donizo Vita Matliiidis comitissae uad 
dorn piMMteba UelieiiietBiiiif dtttielbto In der Vita des 
AaMyOiBS c. L nebeo einander. S. 218. SM. * 

Aerarda« is Viia Biu Udairioi «. Harim CoMlc 
ftd aiuLflU, wo Hwn. »Aue Naehrichieii aua-ebeo dHonr 
Vita hat S. MD. ca der Vernfiliking Otlo^ «dt Ade^ 
heid unter Andern: Annalista Saxo ad ann. 952. und 
Regio, cont. ad ann. 951, welchen der Annalist wdrl^ 
lieh abschreibt. Uebertiaupt wird der Annalista S. 
und der Ghrouographus S. so oft neben den von 
•hnea wörtlich abgeschriebenen Stellen citirl., dals. Bfrf^ 
Jim dmea VaiMltnifs dem Hm. Vert doch loMm mi§^ 
kan koonla, aaf dia VermallHUiy gokomaMR .te, aa 
anSchte das wähl gtff ymheliwi» oin mck MiBBa Aogaboi 
jdla Zeh daf Eragdata sa bestimaiaii, wia cfean in dar 
Tliat der Ämuilieta R R 104. als Beweis für Taakmar s 
Geburt im J. 911. uod S. 242. als Beweis für die Hein«- 
ricfa's des Zänkers im Jahre 951. angeführt wird. Dazu 
sind sie aber beide, wie schon eine flüchtige Bekannt- 
schaft mit ihoeo zeigt durchaus nicht zu braaolMB^ 
Seide habea oftmlieh aufserordentlioli viele oachzuwai>- 
eende Fehler |figia 4ie'Chroiiiilogie , und beide verfahfas 
W daw J&Mammeoaetaen ihrer Naohnohtoa so lnaahiaiai 
mg 9 dafa ale darehaaa kain ZaiaaMa wileaea, Meai 
.naa alehi,* wiareiaa Willktihr aie bei ihren Anerdnungen 
leitet Sa hat der Annalista, um nur 2 Beispiele aozu- 
fUhren, die Theilung von Wigmann's V^ermögen unter 
2 Klöster mit denselben Worten ad ano. 961. und wieder 
ad ann. 970, — die Ermorduog des Nicephorus dagegeo 
einmal ad aan. 967. med. aus Thietmar aaoh Widukiad 
; ud daaa ad aoo. 910. fia. aaf andere Weiae aaa 8if ahatt 
flamhlae, aad AehaUehea oA. 

Am aaffallaodeteB ia| ea aaa gewaaen, daC» da» Hr. 
Verf. gar aichi veraachi hat, aidi daa Ferhültaift 
Thietmar'a aa Widakind deutlich zu machen, da es 
doch an so vielen Stelleu aulserst wichtig wVy zu wissoa^ 



Digitized by Google 



V 



ob man sie als oinen oder als zwei Zeugen betrachten 
tttfisM. Bs wäre aber iiin so mehr zu wünschen gewe- 
Ma, dtfe der Hiv Verf. diese ü nlciü clH i ng angeMlIC 
MMe^ il9 J6M F^M^ ttoeh iii'4<» iMttMleo-Ml «Ii« 
gegmiggigt i trti e a BeaatwofliiDgen gefnnden hat DeiHi 
gegen AtisMrty weteho fiofaMi Addlimg^ iis IHifMlo* 
rl«Mi ^k blfths tg»ll«i €»0»cliieht6 euni Jahre IMtl 
als unzweifelhaft aussprach, dafs Thietmar den Wtd«^ 
kind benutzt habe, erklärte Wedekind in seinen Noten 
U.S. w. Bd. I. S. 322 ff., dafs Thietmar höchstens den 
Titd fon Widukind's Buche gekannt habe, gelesen habe 
1^ «B'|*ewifs nicht. Ebert dagegen schlug zur Vereiai- 
der streüeudea Aadohlen einen Mittelweg eio iinil 
MeMu 4S» VdnMlHmg auf, sie nOehten «beide ^ae 
tertawlAtiilli clie <)aelle gehabt hab^ ^ wekher VaroMH 
tlMing^lMidll Wedekiffd a. a. O; beitrat Alleia weder Bbert 
(Tergl. Archiv, der Gesellschaft für ältere deutsche Ge- 
schichtskunde Bd V. 8. 68T.) noch sonst Jemand hat, ' 
soviel uns bekannt ist, bis jetzt diese gemeinschaftliche 
Quelle nachgewiesen. Auch erklärte es Stenzel in seiner 
Recension <1e«; Wedekindischen Werkes, Leip. Literaturss. 
W25. No. WL £ nach der Lebeaeaeit Widukind's und. 
iMMil -Dame asli urtheili«, ^or er sein «ridnele) 
IM hiMMft anwahrseheinücll) daft er «dfArl wenigateai 
für Ot«o*sf I. €}esclrf chte Original «eyn eolHe ; daher lieilto 
sich auch die Gleichmäfsigkeit in der Anordnung «ad die 
fast wörtliche Uebereinstimmung mancher Stellen bei 
Widuk. und Thietm. (die er in mehreren Beispielen nach- 
weist) nicht anders, als daraus, erklären, dafs Thietmar 
wirklich Widukind selbst vor Augen gehabt habe. In 
diMr /That glauben wir anch, dafis «ine vorarth^afreie 
Bfrtraehtaag Thietmar*« uamögHob aa cnaem anderen Br- 
gebniBf fthreu ItantL Bei Woltem am entaeheldeuda tto 
scheint aas daflir elae VergleichaBg WidnUa^e 
S. 659. an mit Thietmar S. M u. ff. au sprechea , wo wir 
selbst ganz zufallige Verhältnisse in Widukind's Buche 
ton Thietmar wiedergegeben sehen. Irren wir nicht 
adir , so endet« nämlich Widukind's Bach ursprünglich 



Digitized by Google 



* 



& 659. Mit dem Eode des Krieges gegen WigmaiiR 
srerläfst VVidukiod plötzlich die ruhige chronologische 
Erzählung, io der er bisher nicht leicht ein Hauptfactum 
überging oder mit einem anderen zusammenschmolz , fafst 
die Geschichte der Jahre 961 — 969, voa dem Zuge * 
Otto'a nach Italien an, in 4 Zeilen answnmen, beruft sich 
dboD auf seine Erklärung im üofaafe des Werkes, nichl 
alle Thülen OUe's besckraibe« m widlen, oeaui die fol«* 
geodea su grots für eeioe Kxifte, weiwefen m Uuium 
fideli dev9thne lahonme auffieiat, fügt hierauf noch 
eine wohlgewendete Entschuldigung der GeringfQgigkeit 
seines Werkes an seine Gönnerin hinzu und schliefst end* 
lieh: at Jinia cwilis belli, t er minus sit übelü , ein Reim, 
dessen Schlufs terminua sit libeUi nach dem Geschmacke 
des Mittelaltere so vorlrefilicb den Schluls des Buchei 
bildete, dafs man kavni zweifeln kann, er bildeto ihn 
«nnel wirklich. Doch eoMe Widukiad eein Werk , wahr- 
ecbeinlich dnige Jahre später, noch fort, aber ohne wie- 
der eine rei^elmlUsige Eraähhing zu beginnen. Nnr ein- 
zelne Angaben bilden diese Fortsetzung, zu denen der 
zufsillige Zusammenhang ihn führt. Die letzten Worte 
Jinis civilis belli bringen ihn auf den Wiederausbruch 
des Krieges mit Wigmanu, dessen Flucht zu den Dänen 
auf die Feuerprobe des christlichen Priesters in Dän^ 
mark, der Brief Ottos aus Italien über Wigmaoa'u Tod 
auf die damalige Lage des Kaiaera in Italien n. a» £ 
Ueberau herrscbl also ein awar anfiUliger , aber 4oeh 
eriilärlicher, Zusammenhang. Das Alles giebl nun Thiel« 
mar in seiner eigenthUmlichen Art als Auszug wieder. 
Während er bis zu dem Zuge nach Italien zwar immer 
in abgerissener Art, die einzelnen Hauptbegebenheiten 
aber doch im Allgemeinen, wie VVidukind , abgesondert 
darstellt, fatst er da plötzlich auch, wie Widukind, die 
Geschichte von 7 sehr thatenreichen Jahren zusammen» 
wobei er Widukind falsch versteht nod, weil der ersfthlt^ 
Otto habe die ^mer awmial beawungen und Rom eia^ 
genommen (nfimlich 964.) diefs so darstellt, als wäre 
es der Kaiserkrteung 962. vorhergegangen. Eben so 



Digitized by Google 



I 



zieht er Otto's Brief an die Sachsen auf eine so unzweck- 
inäfsige Weise zusammen, dafs es scheinen niufs, als ob 
Otto während der Kaisei krönung seines Sohnes in Cam^ 
paniien gewesen wäie. Iiis hat diefs schon Muratori ia 
dan Annali dltalia zom Jlahre MX p. 423. der Ausgabe 
VM 1144L K«pÜMreeheii iF«nmMhi Die Sehwier^cÜ 
▼«lidiwiiKlfli 8C|»leicli , wo« omiii die Herleltiitfg ««• 
Widhridad beMrkt, aber «nr aof dioM Art kn ^««oh 
n Ideen. Hierauf ^iebt Thietmar auch die einzelnen 
Erzählungen, die W idukind noch hinzufügt Aber dnreh 
Abkürzung sind jene zufälligen Verbindungen verwischt, 
und es ist nun ein fast sinnloses Gewäsch, was nur in jenen 
weggefallenen Verbindungen seine Erklärung findet. Wie 
sollte nun diese zufällige Form, die zweiniaiige Verin- 
derumg der Anordnungsweise u. s. w. flchon aiie einem 
firftheren Buehe io den Widnkind iibergegei^n sejn, 
de sie bei iinn Uberall ihre mliriiche Ursaphe hat? nnd 
doch maftte ale s^mw In der geoMineohaftliohen Quelle 
gewesen eeyn , sollte Thietmar sie nicht aiie Widokind 
selbst genommen haben. Nein gewifs es unterliegt kei- 
nem Zweifel, Thietmar hatte Widukind selbst vor Au- 
gen. Allerdings schrieb er ihn nun nicht ab, wie der 
Annalista Saxo, der Chronographus Saxo und andere 
solche Compilatoren es mit ihren Quellen thun , aber 
er machte einen Auszug aus ihm , worin er sich streng 
an die R«heofolge der Begebenheiloa nnd oft selbst an 
dHe wdrilii4wn ^Mdrfteke hielt Daraus besteht der erste 
Theilieineeeraten nnd seines swdfen Büches , nnd hierin 
Ist er also neben WldnUnd nicht als besonderer Zeege 
anzusehen. Diesem ersten Theile fügt er nun aber in 
jedem Buche einen zweiten -Theil bei, worin er, wie in 
einzelnen Einschaltungen und Erweiterungen von Widu- 
kind's Nachrichten im ersten Theile eigenthüralich ist. 
Dieser Theii unterscheidet sich jedoch wesentlich von 
dem ersten. Br besteht aus einzelnen "Erzählungen ohne 
Znsanmienhang, ohne &itfolge, die grdfstenthells sn 
Bestfttigung dnes Wnnders, eines GhmbenssatBes, einer 
SIttenlebfe oder dergldU^hen dienen. Vorzügliqh* liebt • 



Digiiized by Google 



IM i^elise, dm Leben Otl<»% de« GrafteM. 

es der fromme Bischof, Vorfälle zu erzählen, wo sonst 
heilige uod tugendhafte Leute sich einmal haben von dem 
bdsen Feinde bethdren lasseo, ttm iml der Schwäclie 
jeaer Tvgeadiieldko sich über seine eigene 80ndhafiig^ 
Ml M trMeo. Im A4lg«fliiiiii6o «lad als* «Um» N^aSt^ 
tMilea so besdMffeo, Mfä wir mit Redii gegen ilm 
WtthdieH tniftCnniitch «eyn missea , vftd «vf ihr 9mg^ 
nifs allein hin einem Factum nicht leicht werden Glauben 
schenken können, zumal wenn ihm irgend bekannte Tha(> 
Sachen widersprechen. — Sehr wünsch enswerth ist es nun 
gewifs, dafs der Hr. Verf. diese Beschaffenheit der Bücher 
Thietmar s und seine theiiweise Abhängigkmt vob WidiH 
kinrl sich recht deutlich gemacht- hätte. DaoD w#rd«4Br 
B. R nicht a«f das einnge Zeognife Jener «omytsliasifeii 
Bnfihlniigen h\n eine so upwhr seiiei atielie Aftgabo aul^ 

feooniiiieB kaliafe, wie 8.S84. die 1l9aohrioiit voiiBrttMoV 
fntreue gegen Otto, die Allem widerspricht, was wir 
sonst Yon dem Charakter und der Handlungsweise Bruno s, 
dieser Hauptstütze des königlichen Ansehens im Westen 
des Reiches, wissen. Eben so würde er 'dann gewifs 
nicht unzählige Male Thietmar neben Widukind wegeo 
solcher Siellea ddrt haben, die jener der Sache nach 
gams aus diesem entlehaU», wenn er auch vleileiclif ilm 
Form oft mH Beeintrloiillgnng des Sinnes veHlndeKa 
Bei^iele soteher «nnöthiger dtate unter Aadem A iBi 
S. 68. zweimal , H. M. o. s. f. u. s. f. ^ 

Wir glauben aber, um auf die falsche Art zu citiren 
im Allgemeinen zurückzukommen, dafs jeder Leser mit 
Recht verlangen kann , dafs ein Schriftsteller sie vermeide . 
und daher die Vorarbeiten unternehme, die ihn In den 
Stand setzen, dies zu thnn. Wenn das AnMiren "Wk 
Citaten nämlich überhaupt einen Zweol^ haben soll, ao 
missen sie doch die Belege für die Ergebnisse der For« 
schlingen des tSehrillsleilers enthalten. Wtm dem Leser 
kann nnn aber nicht yerlangt werden, dafs er die Citate 
erst mit einander vergleiche und untersuche, welche da- 
von ursprünglich sind, welche nicht; das mufs der Ver- 
fasser för ihn- gethan haben, der Leser nimoit sie als 



Digitized by Google 



¥rfte » «Im Leben Ott« « dw CMmv. 

Ticbtig* an und als die wahren Beweise für die Richtig- 
keit der Erzähluog. Dana GkhH himi -aber die gvImMte 
-iürfc Bii^ cidrett in jedem Falle zn einer TäUMlHMig del 
Lesers. 1«! aiir die abgeleitete iQinil« «tkl, so ««rÜMt 
^i^TlMlMeke, dM ikdwdi^ g^Mm mmdnm mU, Ml 
dttHBWbwav^gkeily <üe«o hewtgtt.^B wmummiKMm 
SMignlsie des gieichwitigen MHriitslelkrt, von dem dl« 
Nachricht eigentlich herrührt, für sicher halten würde, 
das erscheii^t ganz ungewifs, wenti als Beweis nur ein 
Compilator, der 3 Jahrhunderte später lebte, augefuhri 
wird. Dagegen wird auf der anderen Seite durch Anr 
flihruqg der ursprünglichen Quelle und der abgeleiteten 
Angaben neben einander die Sicherheit einer Nachricht 
ft^p^ieben. Leicht kann ja eine Angäbet wefür Mv 
6, • fiteilen angeführt werden, die also, wären das s^ 
^le «oabhängige Zeugnisse, kaum beKwdfelt werden 
könnte, in der That auf einem einzelnen Zeugen ruhen^ 
dessen Aussagen die anderen nur wiederholen. Vorzüg- 
lich nachtheilig kann dies beim Vergleichen widerspre- 
chender Nachrichten werden, wo vielleicht für die eine 
10, Sir die andere nur 2 Zeugen angeführt werden, so 
dalli wir natürlich jene für die besser begründete halten, 
während in der Thal 9 von jenen Zeugen den einzigen 
Umpifen abschrieben, so dafs die Wahrscbeinlichk^t 
des Irrthnmes yielmehr auf sdner Seite ist Die Haupt«' 
Sache bleibt aber immer der Beweis, der in dieser Art 
.des Citirens liegt, dafs der Verf. auch die Sammlungen 
zn seinem eigenen Gebrauche nicht zweckmäfsiger ein- 
richtete, wobei , wie wir oben gesehen haben , ein gründr 
JicbfiSy zuverlüssiges Forschen gar nicht mögliph ist» 

Bei diesen Mängeln in der Forschung des Hrn. 
Verfs. , dereu leicht noch mehr aufgeführt werden könn- 
ten, ist es nun wohl natürlich, dafs er kein befriedigen- 
des Ergebnifs gewinnen konnte. Der Raum verbietet 
uns leider, die vielen Stellen anzuführen, wo, wie wir 
glauben, der Hr. Ver£ durch jene Fehler oder durch 
fidscbe Verhindufig ▼erschiedener Nachrkfaten oder du»eh 



Mi Veliie, dM Leben Olio's des Grof«eu. 

MifsTerstänclnifs der Quellen theils zn einzeloen falschen 
Angaben, theils zur falschen Darstellung^ einer j^-anzen 
Begebttikeil gelbOBmen ist. Wir müssen uns auf die 
Iftiimmg rfiMB kurzen AbtohnillM bosohränken, die wir 
••Ml Bwmr avaiolMt ¥mi aiBem andero Gesichlqpadile 
«M YoroebiMD werdaa, die aber dach audi B al og e flr 
diaae Aagaliea InateB wird. 

Noch mehr Inclefs, als diese Unvollkommenheit der 
Forschnng, hat die Darstelluogsart des Verfs. der Wahr- 
heit aeiaer BrzShlttog Eintrag gethan. Jene hat doch 
nar einzelne unwahre Angaben, vielleicht einzelne falsche 

Erzählungen zur Folge gehabt, diese hat dem Ganzen 
einen falschen Schein gegeben , so dafs die geblendeten 
Augen durch ihn hindurch die wahren Züge des Bildes 
nicht mehr zu erkennen vermögen. Wir sind weit ent- 
fernt, die Begeisterung eines Geschichtschreibers für 
seinen Gegenstand zu tadeln , wir sind vielmehr fiber- 
sengt, dafe er ohne sie seiner hohen Aufgabe gar . nicht 
genügen kann. Aber diese Begeisterung mufs die Be- 
geisterung für die Wahrheit sejn, der innige Wunsch, 
sich selbst seinen Gegenstand hell und deutlich vor 
Augen zu führen, sich ein wahres Bild von ihm in jedem 
einzelnen Theile zu entwerfen und dann ihn auch andern 
80 zu schildern, dafs er ihnen erscheint, wie er den 
Zeitgenos<^en erschienen seyn wurde, wären ihre Blicke 
nicht getrilbt gewesen von den Leidenschaften und Ir- 
rungen ihrer eignen Zeit ' Eine solche Begeisterung ist 
weit entfernt von Partheilichkeit, sie yerwirft sie Tiel« 
mehr, als den trOgerischesten Nebel, der das Bild Ter- 
hüllet, welches in seiner ganzen Reinheit darzustellen, 
das Ziel ihres Strebens ist. Eben so : wer möchte den 
Geschichtschreiber verdammen, dem heiligsten seiner 
Gefühle, der Vaterlandsliebe zu entsagen oder auch nur 
sie zurück zn drängen während seines Wirkens? Nein, 
kn Gegentheil, wie die yaterlittdische Geschichisfor- 
adiung das höhere Leben, das sie in neuester Zeit ge* 
iron&en hat, dem gewaltigen Auftchwunge verdai&t, 



L>iyui^uo L^y Google 



den die Liebe zum tentschen Vaterlande vor zwei Jahr- 
sehnteo oahin, so wird sie ihr Geling'en nur der Dauer 
dlMier Liei>e danken und mt unter dBren Einflufs wei^ 
den i¥erke entstehen, die jenes Gelingen näher fUfaren^ 
AlMr .iMwb d&e ValerlandsUelM des flmehichtrfpwohawi 
wunlvtlHi aiclit snr FsrtättUichkoit verloUen, de iHid 
vldmclur die-Vtraeeit seines Vslkes ihm jni einem Heiiig-r 
thnme machen , vor dessen geringstem Theile ihn ehr« 
furchtsvolle Scheu erfüllt ; sie zu verunstalten , ihren 
Anblick zu trüben, wird ihm al8 ein frevelhaftes Ver- 
gehn erscheinen , dagegen ihr Bild lauter und rein sich 
M bewahren und der Nachwelt zu überliefern, das wird 
er seine höchste und heiligste Pflicht glauben. Die Va- 
terlandsliebe wird ihn also nur zur UnpartheUichkeit und 





1 « 




IUI 



dmrnngen mahnen. Leider ist es aber nicht diese Be- 
geisterung, es ist nicht diese Vaterlandsliebe, die Hrn. V. 
belebte, als er sein Buch entwarf; ein fremder Geist 
hat sich seiner neben dem Geiste der Geschichte bemäch- 
tigt und durch seinen Hauch alle Farben verändert und 
getrübt, die jener dem Bilde Otto's und SMner Zeit gab« 
Zu einer Liebe des teutschen Volkes y die sohon mehr^ 
als hillig.» der Partheilichkeit sich nfthert,- hat sieh nta- 
lich bei Hrn.V. ein sonderbarer ProTindalpallicitlsmna 
gesellt; im Königreich Sachsen wohnend nnd wahr- 
scheinlich auch dort geboren , hält er Otto für sei- 
nen specielien Landsmann , wie aus der Zueignung an 
den Prinz Mit regen t von Sachsen hervorgeht: „zum An-» 
gedenken unserer grofsen Vergangenheit" und aus dem 
Schlüsse: „Uns aber, uns Sachsen, deren Stamme der 
grofse Otto entsprossen , möge seine ebrwfirdige Gestaiti 
As wie dn geistiger Riese ans detai graaen Aberthnmo 
in vasere Teränderte Zeit blickt, an nichts stärker mah« 
neih als inimer tren nn der gemeinOinien teutschen Sacbe 
so st^en, wie er dazu g^tanden, u. s. f.*' Unter dem 
Zusammenwirken dieses Provincialpatriotismus und der 
Vorliebe für den Gegeqstand seiner Darstellung ist nun 



Digiti 



aus dem Geschichtschreiber eine Art von Panegyrist ge- 
worden uad dadarci» natürlich Wahrheil und Treue seiner 
Buvtollung verloren geg^angen. Wir w^kn damii nicht , 
mtgm , dafii Hr. V. mU Bewafstocja snoi RtiluM seiMl 
HalilsQ ThalMoliea wftlMh* hitte, wir füäd wekt enl- 
Icfnt, iiin ciM Mloheii VerbMebm an «tav WahfMC 
zu zeihen, aber, ihm rieHeiehl 9eWmt «iibewiillit, hm 
unter dem Einflüsse jener Vorliebe Alles eine andere 
Gestalt gewonnen: Alles, was Otto thut-, ist lobens- 
Werth und wir hören fast nie, welche Triebfedern, An- 
sichten, Letdenscliaften and dergl. diese oder jeneHand- 
bmg hervorriefen 9 sondem wir finden immer nur Be- 
dafs eieTMrIrefflieh war nnd dafe sie Otio deswegen 
ihal; ni« sind wir irgend* einem Tadel oder ancb mnr 
einen Anerkenntn nenechlielier UnrnllkonnieHhelft lo 
Olto'a Character begegnet, er ist überall yollkemmen, 
unübertrefilich. IMit eben so eintönigen Farben gemalt, 
daher eben so wenigf psychologisch wahr sind alle an- 
deren Charactere, auch da ist fast nnr schwarze Bosheit 
oder engelreine Tugend , höchste Kraft oder gröfste 
Schwäche. Man Targleiche nor anter Vielem S. 65. die 
haus BmAnomg Hatlo'a, a III. und öfter den harten 
Tadel «BheKbard'e n«d dagegen, In hdehst eonderbareni 
AbelBniie, „die ichnldlom Set^e** des hi der Thal so 
ränkevollen, unzuverlässigen Giselbert, S. 127. die Ent- 
schuldigung Gero 8 wegen seiner hinterlistigen Behand-** 
Inng der Slaven, S. 185 ff. das wiederholte Lob Lothars, 
des Königs der Lombarden, und dagegen die wieder- 
holten,, höchst ungüBstigen Schilderungen Berengars 
' nnd seines gannen Hauses n. s. f. Kurznn , die ganze Go- 
schlehte hehomnt dnoh dasAlleo einen , so Idealen, j« 
aenlunenMles AnslriA, dnft nnin wodkr die Rohheii« 
hoali dio ErafI des ndhafon tf ahrhnndovts , weder dio 
Leidenschaften, noch die Tugenden der hoodelnden 
Personen durch ihn hindurch erkennen wird. Ja wir 
müssetr gestehen, fassen wir den Eindruck zusammen, 
den das Wedi im Ganzen auf uns gemacht bat, so scheint 



^ .i^cd by Google 



um der HauptzM'eck aller g;eschichtiicheo Darstellung, 
in dem Leser ein wahres Bild von dem geschilderten 
Gegenstand in seiner Gesammlerv«(cheiiiuog heryoi2iiJ:i*fcii| 
m diesem Werke gäazlaeb verfehlt. 

Bnen groft^n Afifhell an dem Üifecfaen Etndrock, 

den die Darstellung des Verfs. macht, hat seine Schreib- 
art, die theils das Erzeugnifs jener gesteigerten Ge- 
ra öthsstimmung gewesen seyn, theils selbst wieder zur 
immer gröfsereu Steigerung beigetragen haben mag. Statt 
Dämlich jene gehaltene, wördige Schreibart zu wählen, 
die io Deutlichkeit und Angemessenheit der BezeiclH 
liliDgen ihren Schmuck und ihre Schönheit sucht, uird 
durch den Ansdrack der Wahrheil und Richtigkeit« der 
iiiia Jedem ihrer Worte spricht , gefvift den j^ndrads attf 
den Leeer hervorbringt, den sie so machen iHlnscht, 
quae nrhii iratvm habet , nihil htvidum , nihil atrox, 
nihil mir ahile y nihil astutum, casta, verecunda, vrrgo 
mcorrupia quodammodo , — hat der Hr. Verf., wie 
wir schon oben vorläufig bemerkten , sich einer dichteri- 
schen, mahlenden, geschmQckten , höchst leidenschaft* 
liehen Sprache bedient, die der begeistertsten Rede an- 
gemessen seyn würde. Nun ist es an und fQr sich schon 

Sewifa jedem Gebildeten höchst listig, diese Redeweise 
ei einem so unpassenden Gegenstande, wfe eine ge- 
scbichlliGhe Darstellunff ist, angewendet Und vonügliclk 
rfie durch ein ganzes Buch hhidurch als torhefrscnend 
beibehalten zu fitiden, da man sie nur in wirklich leiden- 
schaftlichen Schilderungen und auch da nur bei ein^ 
zelnen Stellen zu tragen vermag. Nur der Ungebildete 
wird sich an jedem Orte fiber diese Anhäufung schöner 
Worte und Redensarten freuen« Besonders lästig wird 
diese Darstellungsweise aber, wenn in dem Eifer des 
Schönredens solche iScHerlich gesteigerte Ausdrücke zutt 
Vorschein kommen, wie b. B. S. tMi „die aofeeror- 
dentliohe liebe, die Otto der Königin entgegentrug,** 
oder S. 204 : „Auf solche Weise hatte Berengar 8 Jahre 
hing die Geisel Uber dies ungliickliche Land gesdiwnn- 



gttii, du erhobett mch , wie f<Mi. eineai gemeiasameB 

Grauen überwältigt, die Gröfsen ltalfeiis, am bei 
Otto Hülfe zu erfleliea;" oder wenn solche ganze über- 
spannte Sätze daraus hervorgehen , wie z. B. S. 79 : „Aber 
der Arm des Ewigen entrückte ihn einem Schauplatze, 
den er in der kurzen Zeit seiner Regierung bewunderns- 
würdig; umgestaltet hatte , um ihm in seinem Himmel 
jene unvergänglichen Belohnungen zü ertheilen, dereil 
Heinrichs herrliche Tugend Ea?ersichtiich entgegen* 
blicken durfte. Wohl konnte der Konig, nachdem er 
das Vaterlend befreit und errettet, nichts Gröfseres tbud 
als — sterben.** Das Uebelste ist aber der Binfluftr, den 
eine solche Sprache auch auf den Inhalt des Gesagten 
übt. Aus ihr entspringen zum Theil jene absoluten Cha- 
ractere, jene Teufels- und Engels - Gestalten , jene vor- 
trefflichen und abscheulichen Handlungen und dergl.i 
weil. sie viel besser in die schönen Redeosarten hinein- 
passen, als mannichfach modificirte und naan(i|r|l^^f[/Jui- 
incsUure und Handlungen, die aus vielen zusami^^il^r^ 
kenden, guten, gleichgültigen, auch tadelns^erthen ^ 
Beweg|^rfinden hervorgehn, wie es in der wirklicii<i^ii 
Wdt cmn doch einnuil nur solche Charactere und fast 
nur solche Handlungen giebt, und daher in geschieht- . 
liehen Darstellungen auch nur geben sollte. Aus die- 
sem Schönreden fliefsen ferner die allgemeinen Aus- 
drücke in der Darstellung, in denen fast immer mehr 
liegt , als der Schriftsteller verantworten und aus den 
Quellen beweisen kann. Von ihm kommt es her, dafe 
der Schriftsteller Alles weifis, selbst, was in dem In- 
nersten des Herzens, der handelnden Person Torging 
ud. yielleicht. ihren nfichsten Umgebungen verborgen 
Uieb, nur weil. auch da schdne Redensarten sich ao^ 
bringen, hflbsche Uebergänge sich dadurch bilden la88ei||. 

(DU Fortietzung folgt,) 



N^ÖK HEIDBLa JAHAR 6. UTfiRATUR. ISH. 



Vehae, das Leben Otto 8 des Grofsen, 

(tortactzung.J 

Solcher Sätze giebt es bei dem Verf. eine Unzahl, 
wir fuhren nur einige auf, die uns in die Augen fallen, 
weil sie zugleich überhaupt einen Begriff von der hoch- 
trabenden Schreibarl desselben gebea kÖDueo. Z. B. S. 81 : 
„Der König beswang die Stimme der Natnr, die ffir 
beide Söhne sich in seinein Innern regte.** Ebenda: 
^Weinend umstanden die Fürsten, die dem Leichenbc^ 
gängnifs gefolgt waren, das Grab, das die Ueberreste 
des edelsten Mannes umschlol^: eine nnbezwingliche 
Trauer erschütterte ihre männlichen Herzen, dafs der 
nun Asche und Staub sey, der im Leben so hohe Thaten 
verrichtet. Aber von der Gruft hinweg, tlie ihre Liebe 
barg, wandten sie ihre Augen zu dem, der ihre Hoffnung 
war, zu dem neuen biüheoden König, der nicht nur der 
Erbe der Herrschaft seines Vaters, sondern auch aller 
seiner g^rofeartigen Tugenden war.** S. 8t. ,,Nur das 
Angedenken an Carl, dessen Ueberreste das Grab be- 
wahrte, das in dem Münster war, in welchem Otto jetzt 
thronte, nur die Erinnerung, die ihm jetzt' so nnhß 
trat, an die untergegangene Herrlichkeit des Franken^ 
reiches schien seine Seele zu bewegten, und wohl mag 
Otto in <]ieser grofsen Stunde sich selbst das Gelübde 
geleistet haben , diefs Reich in den Sonnenglanz des 
alten Ruhmes wieder hinaufzuführen , wie Jener." S. 223. 
„Der Gedanke, dafs er durch Gottes Gnade Herr und 
König der Deutschen und als solcher (?) ihm auferlegt, 
und geboten sey, sein Volk gegen alle Feinde zu schir-^ 
men, hauchte seiner 8eele begeisterten Muth ^n, — 
er beschlofk die wilden Ungarn im Kampfe zu bestehen,** 
Eben so übertriebene und noch übertriebenere Ausdrücke 
und Darstell ung^en finden sich aber in sehr grofser Zahl. 

%\Y. Jahig. & Heft, 51 



Üigilized 



Man sieht, dalk dabei eine der WirkUchkeit gemSlae 
Schilderuog Dicht bestehen kaoo. Ale einen Hauptnach- 
theil dieser flben^nnten Sprache möchten ivir endlich 

anfuhren , dafs in ihr Alles mit gleicher Gewifsheit er- 
zählt werden mufs. Die gehaltene, historische Schreib- 
art erlaubt auch in der Erzählung die verschiedene Zu- 
verläs<iigkeit der einen und der anderen Angabe auszu- 
drOcken, diese hohe Schreibart gestattet das nicht, in 
ihr mufs Alles wie aus höherer Eingebnog oder aus un- 
mittelbarer Anschauung herrorgehend darg'esteih wi^r* 
den^ Vermudiungen , Möglichkeiten , bestrittene That- 
stlchen, Alles erscheint mit derselben unzweifelhaften Ge- 
wifsheit. 

Ein höchst nachtheiliges Erzeuguife derselben faU 
sehen Form oder derselben Quelle, woraus diese geflo»* 

sen, ist endlich das Streben, die Erzählung mit rühren- 
den, ansprechenden, romantischen Situationen und V^or- 
fällen zu schmücken. Wir wollen auch hier wieder 
Hrn. V. nicht beschuldigen, dafs er gegen seine Ueber- 
xeugnng nur aus diesem Grunde Erzählungen aufgenoiu* 
,inen hätte, die er nicht für wahr hielt, aber auch ohne 
dag wirkt dieses Streben schSdlich genug. Es ist fast 
unglaublich, welchen verderblichen Einflufs dieser ge- 
Dihrliche Wunsch Snfsert, sobald er im Gemflthe eines 
Schriftstellers sich festgesetzt hat. Unvermerkt stumpft 
er das kritische Gefühl ab, das, was wir gewifs als un- 
glaublich verworfen haben wurden, wenn wir unbefangen 
gewesen wären ^ das glauben wir, das nehmen wir auf, 
.weil es eine hübsche Situation darbietet. Wo zwei ver-. 
schiedene Ansichten sich entgegenstehen, da entscheiden 
wir für die unwahrscheinlichere, weil sie rpmantischer 
ist, kum eine vornrtheilsfreie Wftrdigung des durch die 
Quellen Gegebenen ist nicht mehr möglich. Um diesen 
Einflufs zu zeigen, wollen wir noch, ehe wir schliefsen, 
einen kleinen Therl von dem Buche des Hrn. V. genauer 
anal^siren, wobei wir zugleich Gelegenheit finden wer- 
den, noch Manches von dem Tadel, den wir früher 



^ .i^cd by Google 



0 



•tsyeffprqcheo , su bel^ii, die BüelUberackfiolltigvog 
d«r peradolicbeo Verliäteoit§e der Zeugen, cKe mangel«- 
hafte Kritik bei svMfelhefieo Thatsaehen uml bei eich 
widerapreehendeor Zeugnissen, die Partheilichkeit für 
die Freunde OltoH, die öberspaonte Sprache und deren 
flble Folgen, z.B. die Gewifsheit, mit der selbst die 
Vermuthtiogen des Verts. dargestelU werden u. e. f. 

Wir wählen dazu die Scbickeale Adelheid'«, welche 

ihrer Vermählung mit Otto unmittelbar vorhergingen, 
theils weil sie ein abgeschlossenes Ganzes bilden, theils 
weil gerade hier, mehr als sonst irgend wo eine strenge 
Kritik nöthig gewesen iväre, um die Wahrheit zu ent- 
decken und in der Darstellung zu erhalteo. Es liegen 
Bämlich in dem wirklichen Gange dieser Begebenheit so 
viele Fäden zu einem sentimentalen Romane , dafS) wenn 
der Brzähler eich nicht mit aller Nfichternbeit des histiH 
riechen Sinnes walfnet, er nur zu leicht Jiingerissea 
wird , sie wirklich zu einem solchen ftomane znsammen- 
zuschlingen, Adelheid so hoch als möglich zu erheben, 
Berengar so tief, als möglich, herabzudrücken, ihn als 
den hinterlistigsten, grausamsten Tyrannen zu mahlen, 
der die schuldlose Königin auf das Schrecklichste quält 
und sie in die furchtbarsten Gefahren stürzt, aus denen 
allen de aber durch Gottes wunderbare Hiilfe gerettet 
wird, so dafs sie zuletzt siegreich ihren Gegner zu ihren 
l^üfseo siebt Es wird das um so leichter geschehen, 
als die gellen selbst zu einer solchen Darsteliungsweise 
▼erfllhren. helle nämlich wirkte schon auf sie jene 
Anlage zu einer rührenden, abentheuerlichen Erzählung, 
die in dem Ereignifs liegt, und verführte sie durch al- 
lerlei Zuthaten und Ausschmückungen in ihrem Ge- 
schmacke, sie weiter auszubilden, um sich und ihre 
Leser damit zu ergötzen, was wohl B. die Veranlas- 
sung zu den Abenthefuern und Teufelsgeschichtfen ist, die 
uns Leo Ostiensis in dem Chron.icon Casinense und das 
Qisoaicon Novaliciense in dem dritten Thelle von Du 
Chesne'e See. Rer. Franc, mittheilen; theils kamen noch 



8M Yehte, du Lebea Otto*« des Grofieä. 

persöoliche Verhältnisse hinzu, die mit jener Lust an 
abentheuerlichen und rührenden Schilderonffen auf die- 
selbe Umgestaltung der Wahrheit' hinarbeiteten. So • er- 
scheint unter den Hauptquellen Lintprand, der, leicht- 
fertig lind eitel, wie Wenige, schon deswegen bei jeder 
Gelegenheit schändliche Geschichtchen erzählt, um sicli 
selbst daran zu weiden und zugleich auf seine Leser p]in- 
druck zu machen, der aber gegen Herengar und seine 
Familie als gefallener Günstling natürlich Alles aufbietet, 
was er an Verworfenheiten und Lächerlichkeiten nur auf- ' 
zubringen vermag; Hroswitha, die ihr Lobgedicht auf 
die Ottone, der Nichte Adelheid*s widmete; Widnkind, 
der seine Aniialen ihrer Tochter überg^ib und Odilo, 
der Verfasser der Vila Saucfae Adelheidis, ein Günst- 
liHg und Hausgenosse Adelheids, der schon aufserdem 
natürlich seine Heilige hart bedrängt und geprüft dar- 
stellen mufs; - — endlich Donizo der Höfling der Gräfin 
Mathilde, der natürlich auch wieder die Gefahren Adel» 
heids Übertreiben mufs, damit die Thaten Azzo's, des 
Grofsvaters seiner Gönnerin, flesto verdienstlicher er- 
scheinen. Unter diesen Verhältnissen wOrde schon ein 
treues Anschliefsen an ~die Quellen , schon das Aufnehmen 
aller ih^er unwidersprochenen Nachrichten hinreichen, 
an die Stelle der reinen, zuverlässigen Wahrheit eijn ro- 
mantisches, vielfach verdächtiges Gemälde zu stellen, 
^as soll aber die Erzählung fttr eine Farbe erhalten, 
wenn nun der Forschelr selbst von jenem romantischen 
Geiste und jener Partheilichkeit angesteckt ist, w%nn 
bei ihm der Wunsch, die interessanten Scenen so be- 
ha I teil , recht effectvolle Situationen hervorzubringen, 
seine Kritik bestimmt, wenn er zweifelhafte, selbst ver- 
dächtige Angaben aufnimmt, sobald sie zur Verschöne- 
rung der Erzählung beitragen? Wir können aber nicht 
leugnen, Ton und Haltung des ganzen Buches, sowie 
die Art, wie die Schicksale Adelheid's erzählt werden, 
haben uns uberzeugt, dafs jenes Streben ip Hrn. V. lag 
und wenigstens nnwilifclihrlich seine Forsehung und Dar- 
stelliuig mit bestimmte. 



^ .i^cd by Googl 



^ Vehae, das Leben Otto'i des Grorten. 8#6 

Als erstes Grforclernifs , nm einen Roman der ange- 
deuteten Art hervorzubringen, erscheint nun, dafs Lothar 
nicht eines naturlichen Todes stirbt! Wie viel trauriger 
wird Adelheids Schicksal, wenn Berengar'« Gift die Ur- 
nebe feines Todes ist, als wenn er einer Krankheit no- 
«BTliAgl, wie verabscheunngswtirdtg wird gleich dadurdl 
Berengar, wie interemnl die Stellong Adelkeid*«, die 
dein Soline des Mdrders ihres angebeteten Gemahles die 
Hand reichen soll ! Der Gang der Geschichte scheint 
dazu einen solchen Verdacht nur zu sehr zu rechtferti- 
gen, kurz Lothar mufs an Berengar'« Gift sterben. So 
auch bei Hrn. V. Zwar sagt Hr, Vehse bei- der Erzäh- 
lung des Todes selbst (S. 188) nur: „das allgemeine 
Gerficht verbreitete sich, dafs nach allen Umsttoden m 
aobIMQsen, die Lothar's Tod begleitet hatten, erhaltenes 
CHft ihn beschleonigt habe , ja der Bischef Liutpra'nd 
verdammt mit Iclaren Worten den Markgraf BerengaPr, 
als denjenigen, welcher, uneingedenk der liebreichen 
Güte des Königs, der ihm einst das Leben gerettet, 
denselben dem Tode überliefert habe, um sich die un* 
gehinderte Herrschaft über das Reich der liombarden sii 
yerschaffen." Auch S. 190. sagt er wieder nar : ,i - . . . den 
die Welt als Mörder ihres Gemahls verdamme nnd der 
so wenig Sorge trage , sich von einem so schweren Ver- 
dachte m reinigen." Allein vorher S. 188. steht schon 
ganz unbedingt: „ . . aber im Stillen bereitete er jetzt 
die Gewaltthat vor, durch welche er seinen Gegner aus 
dem Wege zu räumen beschlossen hatte," und S. 189: 
99». die strafende Hand der Vorsehung" — n** Be- 
rengars entsetzlicher Frevel ..." „ . . . Lothars so be> 
niitleidenswerther Tod endlich S. 190« geradezu . . . das 
IKadem , zu dem sich Berengar über die Leiche ihres 
-ersten Gemahles den Weg gebahnt hatte . . Hr. V., 
selbst war also wahrscheinlich nicht zu der wirklichen 
Ueberzeugung von der Ermordung gekommen , das Scheint 
sein schwankender Ausdruck bei der Darstellung des 
Todes selbst zu zeigen; aber um einiger schönen Phrasen 
wegen geht er über seine Ueberzeugung hinaus und nimmt 



m 



r 

die Vwfiftiuf «t» «usgeiiMicht «p. Sahen wir oaii, «nf 
welcfaeo Grandlag«» die^e AoMbne mbt. In den gMch- 

eeitigeii Quellen findet ßich über die Ermordung ersten« 
Liiitprands bei lirn. V. allein citirle Stelle (Hi$t. 
8ui. teinp. V, 4. bei Muratori See. Rer. Ital. T. II p. J. 
p. 462.) : Lotharius, dum Berengario comuluit , qtü 
regnum et Vit am auf er r et, sibimet praeparavH* Wik^ 
viel eioe solch« Angabe Uulpranda überhaupt beweiteii 
kdnne, geht aus dem hervor, was obän von den per- 
sanllcheD VerbillniMen Linlpninds zn Berengar gaaagt 
worden tal; diese hier verliert aber dadvrcb ncwb be^ 
sonders an Glatibwiirdigkelt, dafe sie nur so im Vorbei* 
gehen eingeflochten ist, wo sie ganz leicht nur ein Er- 
zeugnifs von Liutprands Schriftsteller - Eitelkeit seyn 
konnte, indem ihn der schöne Gegensatz lockte: Lothar 
rettet Berengar das Leben und erhält dadurch den, cler 
ihm später das seinige nimmt. Weit mehr würden wir 
noch auf Frodoard gehen, der seiner Stelinug nach 
last allein gana nnparlheiisoh sejn konnte. Er ssgt man 
im ChroQ. Bemens. ad nnn. SSO. in flne über Lothare 
Tod Folgendes: Berengaurkta qmdam prktoef» ItaBae, 
veneno, ut Jimmt, neesrle hothario, . . . Re:t efficHur 
Italiae. Dadurch wird allerdings wenigstens bewiesen, 
dafs, wie bei den herrschenden Verhältnissen wohl na^ 
tfirlich war, das Gerücht ging, Lothar sey vergiflel 
worden. Allein selbst die Allgemeinheit pder Weitver-^ 
breitetheit dea Gerüchtes möchte sehr zweifelhaft er- 
scheinen, wenn wir die Angaben dar übrigeq Quellea 
überleben. Die besten üaebrichten nntnr Allen konnte 
tteila ihrer bescheidenen Vorrede vnhl Hroswilbn 
baben« die Zeitgenossin der Begebenb^lea, die Sohii-^ 
lerin Gerberg's, der Nichte Otto*s, der Tochter Hein^ 
richs, der selbst eine so bedeutende Rolle in Adelheids 
Geschichte spielt. Namentlich die Ansicht Adelheids 
selbst möchte wohl ihrem Freund Heinrich nicht ver- 
borgen geblieben und so wohl auch Hroswitha bekannt 
worden seyn. Nun mahlt aber gerade sie diis (Schicksal 
Adelheid s recht Uaurif » um ihren Versen eine An f on 



Oigiiized by 



ff 



pDbtiaolMin (3laB««i c^nbeOt sie wQrd#'aliOi wive di« 

Art von Liothars T<kI ihr auch nar zweifelhaft gewesen, 
sicherlich die Stei|[>;eriui^ ihrer Erzählung durch eine 
gewaltsame Todesart nicht verschmäht haben. Sie nun 
aber sagt ausdrücklich (Hist. Ottonum in Meiboom 
See. Rer. Germ. T. 1, p. 719. in fine) : . . . gravido Lo" 
tharius Infeclus morbo, mundo disceaait ab i$to. Sonst 
spricht aich über die Ursache des Todes nur noch der 
spätere Leo Oatiensis (vom Anfaoge des swdifteii 
Jabrliondert8)aii8, welcher im Chron. Casioens. I, 61. 
M Maratort See. Rer. Ital. T. IV. p. 3S4. sagt : Loiha- 
rius , m mhiiam frenesin hncidens , uÜimum diem ex* 
plevit. Alle übrigen Quellen, Zeilgenossen und spätere 
begnügen sich, Lothars Tod anzugeben, ohne Etwas 
über die Ursache desselben zu bemerken, was, bei den 
oben angeführten persönlichen Verhältnissen der Verfasser, 
in der That als ein ziemlich schlagender Beweis selbst 
gegen die Weitverbreitetheit des Gerfichtes angeführt 
werden kann, da anch die übrigen^ hätten sie ir|^end 
dieses Gerücht gehört, schwerlich^ Tersäniiit haben wür- 
den, es mitzntheilen. Würde nun also Hr. V., hätte ihn 
ruhige Kritik geleitet , eine 80 sehr zweifelhafte Sache 
wiederholt als ganz unzweifelhafte Wahrheit hingestellt 
haben ? 

Kurz Lothar stirbt. „Nicht nur Italien, sondern 
fans Baropa erfüllte sein Tod mit gerechter Trauer.** 
Wir würden Gründe anführen, warnm wir das Letztere 
biMEweifeln und anch das Brstere nicht so als historische 
Thatsache hinstellen müchten, wenn Hr. V. selbsi in die« 
sem Satze mehr als einen jener vielklingenden, nichts 
sagenden Uebergänge gesucht hätte, welche in der hohen 
historischen Schreibart so gewöhnlich sind. 

Barengar wird zum König gewählt. Woher Hr. V. 
weife, dafr diefe dadurch geschah, dafs es seiner Ver- 
scldagenhell gelang, die meisten Herren der Lombardei 
dnrch die freigebigsten und glänzendsten Versprechungen 
auf seine Seite zu ziehen, ist Ref. nicht bekannt: Sotito 



« 



60 vliilMdil MT wieder m hli%Mft fle^n , Mn aaek hkr 
Tf>n Berengar etwas Nachthelliges anfUr^n TU lidiNi«iiV 
Im Ganzen scheint es ja so naturlich, dafs er, der schon 
in der letzten Zeit Hugo'«;, noch mehr unter Lothar der 
That nach König war (Liiitpran<l V, 14. öod VI, 1.), 
jetst auch dem dJameo nach wurde. • 

Nun fürchtet er, dafs Adelheid sich wieder ver- 
mählen und ihr neuer Gemahl dann Ansprüche auf Italien 
machen möchte. Um daher alle diese Ansprüche aufzu- 
heben, stört er Adelheid*s Wittwentrauer , „clie in der 
gröfsten Zuruckgezogeoheit lebte und sich in der StilJe 
dem frommen Drange ihres Herzens widmete, ihren edlen 
Geoiahl zu beweinen,** und verlangt., dafs sie sich mit 
«einem Soline Acjalberft vermähle. Voll Abscheu weist 
sie aber die Zumulhung, dem Sohne des Mörders ihres 
Gemahles die Hand zu reichen, surück. Bs ist diefs der 
zweite Glanzpunkt des Romans, weiche herrliche Situa- 
tion, namentlich nach Annahme der Ermordung Lothars 
durch Berengar! Leider steht es aber mit diesem zwei- 
ten Punkte nicht viel besser, als mit dem ersten. Zeug- 
nifs ist: 1) eine Stelle in der Anonyma Vita Ma- 
thiidis Reginae, welche unter Heinrich's II. König- 
Ihum, also zwischen 1002. und 1014. geschrieben wurde. 
Darin heifbt es c IV. (bei Leibnits See Rer. BmnsTicena 
T. I. p. 200.): Htmc qmdam pervermta, nomine Be» 
rengarkis muUis mfesiabai mjurüs, ut ea potita (?) 
coiyuge dominium pariter sibi usurparet in regno La- 
thiorum. Dies war nun zwar, wie Hr. V. selbst bemerkt, 
unmöglich , da Berengar schon verheirathet war (und 
beweist also wenigstens, dafs der Verfasser nicht sehr 
bekannt mit den damaligen Verhältnissen des itaiiänischem 
Königshauses war), „es ist aber ifiiglich auf Adalbert zo 
deuten,*' weil es 2) in einem Spottgedicht auf Adalberts 
Flucht nach Cdrsika, welches uns Landuiphus 8e* 
n i o r (vom Ende des Ilten Jahrhunderts) mithellt ( H i s i 
Medlolanens. II, 10. in'Moratori Scc.Rer.Ital. T.IV. 
p. 79.), heifst: Pro rcgma nunc Latma, lUere jam 



uigui^cü Uy Google 



V«li«e, das Leben Oilo'» de» Greheii. 



809 



mmc marina. Ref. g-estelit, clafs diese Stelle des (wie 
es scheint, gleichzeitigen) Gedichtes jenen Sinn haben 
könne. Aber, wenn sie ihn nun auch wirklich hat, wie 
weit ist noch von einer grobwitaigeo Vergleichung eines 
Jg^ttgedichtes bis zu einer quellenmäfsig begrfindetea , 
I^Mchichtlichen Thatsache! Alle anderm Qilelleii HmiIm 
ninriteh aBch nicht entfernt jeaie Forderung an: II r oft- 
witba schreibl Berengani Hfirte nur der Rachsucbl an 
dem königlichen Hause zu, das ihm nach ihrer lllscheti 
Ansicht sein Königreich geraubt (sie hält ihn nämlich 
für Berengars I. Sohn), Widukind III. p. 652. der 
Furcht vor Adelheid's Klugheit. Der spätere Donizo 
(Vita Mathild. com. ap. Murator. See. Rer. Ital. T. V. 
p. 346.) sagt, Berengar wäre ohne Adelheids Zustim- 
mung gewählt worden und sie hätte ihn durchaus nichl 
als Kdnig anerkennen wollen. Die anderen Quellen geben 
keine Ursache der Mifshandlnngen an. Hierzu kommt, 
dab last alle Schriftsteller an ein Recht Adelheid*« auf 
die Itrone eu glauben scheinen; so Hroswitha: Ita- 
Uae . . . regnum Imquens merito retmendum summae 
reginae. ... Pars quaedam plehta fuerat , quae retro 
rebelUs Menteque perversa propriia dornmis mhnica 
Restituit Berengarii regnum diitoni ; so VV i d u k i n d : 
Berengarhts . • umtrpato hnperio regnavit (Daraus 
bei Thietmar II. p. 22. mvasor regni), was doch 
liQch wohl nur in Hinsicht auf Adelheid gesagt seyo 
l^nn; spdas Chronicon Quedlioburgeoise adano. 
951. (ap. Leibnits See. Rer. Brunsvicens. T. IT. p. 2t9.) : 
Adelheidae regnum Lorigobardiae heredHario Jure 
cesserat u. s. f. Daher konnte ja wohl Berengar auch 
ohne den Heirathsplan Grund genug haben, «ich Adel- 
heid's zu bemächtigen, vielleicht wirklich, dafs er, wie 
Donizo sagt, sie zwingen wollte, zu seiner Wahl ihre 
Zustimmung zu geben und ihren Ansprächen auf die 
Krone zu entsagen^ Also auch^ diese schöne Situation, 
weon aach . möglich 9 ist weoigstens Weit von historischer 
Gewifsheit nnd ruht auf so unzuyerlteigem Grunde, daHs 
Reft aie sich wohl ab ^ine Vermuthnng in einer Note» 



ÜigiiizüKj by Google 



' Mi 



«ker tthdiA ak hielMriaeiie TlMüiaelie hi citf Ef8iMtt«|r 

selbst hätte gefallen lassen. Hr. V. behandelt nun diese 
Sache etwa wie die Vergiftung: zwar bekennt er in der 
Note selbst, auf wie schwache Beweise «las Ganze sich 
alttUt, gleichwohl er^ahii er es im Text ganz aU Tha^ 
iaohe und ridUel seuie ganze Erzählung danach eio. 
Wir k#DQe« uiNi «Im a«ch hier des Verdachtee nichi er- 
wehren, dafsdasEffectvolle dieses Verhilinisses bestim- 
MCftd Mif Brn. V.*s Kritik eingewirkt habe. 

Durch diese Weigerung gereizt , nimmt nun Berengar 
Adelheid gefangen. Auch dies Ereignifs wird aber Yon 
Hrp. V. auf eine Art erzählt , die wir durchau9 nicht zu. 
billigen vermögen. Erstens hat er nämlich auch dabei 

wieder in <len Nefjensacheu zu viel auf die romantischen 
und partheiischen Uebertreibuugen seiner Quellen ge- 
geben und, indem er ihre Ausdrücke wörtlich aufnahm 
und mit neuen Redensarten verstärkte, von 8. 190 bis 
192. eine der ernsten Geschichte unwürdige, sfiflsliche, 
romanhafte Darstellung geliefert. Zweitens hat er aber 
- auch In der Hauptsache , um nach seiner gewöhnlichen, 
Weise alle Angaben zu vereinigen , eine Erzählong dieses 
Vorganges ausgesoimen, wodurch die Widersprüche in 
derThat beseitigt werden, deren Aufnahme in den Text 
wir aber dennoch wieder tadeln müssen, weil sie zwar 
wohl wahr se^n kann, viel wahrscheinlicher noch aber 
nicht wahr ist. Es galt nämlich, das Adelhcidts captß 
est Cumis Thietmars IL p. 22, des Annalista Saxo 
ad änn. 940. und eines Gedenkbuches der Trierer 
Cathedrale bei Brower Anna!. Trevir. T. 1 p. 4S9. 
mit Donizo's: Propterea capta, Super arcem deni" 
que Gandam misH eam , zu vereinigen. (Auf die An- 
gabe des Chron. Novaliciens. 1. V. bei Du Chesne 
I. 1. p. 63T, sie sey zu Pavia gefangen gesetzt worden, 
hat Hr. V. mit Recht keine Rücksicht genommen. Der 
Verfasser des Chronicons ist ein unwissender Mönch, 
der lauter einföltige Mährchen vorbringt.) Um jene 
Vereinlgung^aber zu bewirken, erzählt Hr. V«, Adelheid 



sejr von Pavia nach Como entflohen, um zu ihrem Bruder 
nach Bürgen ncl zu gehen, dort gefangen , dann nach Pavta 
gebracht worden. (Das war nöthig, um einen passenden 
PUiz für die pereöniicfabßo MiOdmodlungen durch Bcren- 
g%w's Gemahlin zu gewinnen,^ deren Schilderung Hr. V. 
«Mi Q4ii0'« Vita Adeiheidis voltotäsdig Mfimhin 
wd nveh w«ioeriicher machle, ala sie dort tat, obwohl 
elM HMBgea -Legende wohl eben kmam faoz vürerläi^ 
s'ige Quelle für Mifshandiungen der Heiligen seyn'mag.) 
Cpdlich wird Adelheid, weil man sie in Pavia nicht 
sicher glaubt, auf die Burg Gerda gebracht und dort 
ins G^fUngnifs geworfen. Sollte sich das Alles nun aber 
wirklich aus jenen Nachrichten ergeben? Sollte nicht 
vklleicbl folgende einfacbe Art, die gaoze Schwierigkeit 
9B Mieo,* richtiger, eejn : Der Anoallata Saxo achreibt 
TbMinar wQrtlichebf die EolateKung deaGfdeokbnchea 
von Trier ist nna vnbekaont, wahrscheinlich ist es aber 
erst in viel späterer Zeit entstanden, wie schon Muratori 
(Annali zum Jahr 951. p. 371.) meint, daher können 
"wir auf seine Nachricht, die es wahrscheinlich sogar 
erst aus Thietioar entlehnte« auch nicht viel geben, — ^ 
ef bleibt also pur Tbietmars Auctorität für capta e$i 
Qmlß» Sollte man Duo Qicht wirklich glauben, Thiatmar, 
dftr eben kein grofser Geograph ,^ so wie kein grofaer 
Oeschichtskenner ist , hübe Garde , im oberen Italien an 
einepi See gelegen, verwechselt mit Cumae, auch im oberen 
Ttallen an einem See gelegen, oder schon derjenige, der 
ibro die Orts- und Zeit- Bestimmung mittheilte, die er 
in seinen Auszug aus Widukind an dieser Stelle einflocht, 
wehrscheinllch ein Teutscher, habe sich über diese ao 

Mffbl m rewechseMe JLocalitüt getftvtcbt, «o def0 er 
eigentlich niditf Anderes sagen wollte ala Donisof Wir 
branchteo dann die ganne EraShlung nicht und könnten 

an Doiii^o allein halten, da der Ort der Gefangen-« 
halUing Adelheid's wohl wirklich Garda gewesen seyn 
mufs, wenn die Erzählungen über ihre Flucht, wie sie 
^ die Quellen geben» Wahrheit enthalten »ollen. Auf jeden 
VsiA tMtte über ^ecb liier Verf, seine Verimth«og 



8i3 Ycbse, drs Leben Oltu'« deä Grofficn. 

höchsteus als Aiisgleichungsversuch in eine No<e setzen, 
aber nicht als historisch gewifs in den Text aufoehiiien 
seilen. 

Nnn folgt die Flucht Adelheid s am dem Gelang- 
Disfitf, welche wieder sehr romantisch und poetisch ge«' 
schildert wird* Wir bekommen da außier yielen anderen 
Abentheuern z. B. auch alle die Sngstlichen Scenen als 

die wahrste Geschichte aufgetischt, womit Hroswitha 
nach Weiber und Romanschreiber Art ihre und ihrer 
erlauchten Lehrerin Nerven zu erschüttern suchte: wie 
Berengar mit einem gewaltigen Gefolge auszieht, als 
wenn er einem mächtigen Feinde entgegengehn wollte, 
um die Entflohene zu suchen , wie die Verfolger sich oft 
In der Gegend befanden, „wo die Königin unter dem 
hohen Getraide in Angst und Zittern auf dem Boden 
wälzte, und ihr suchender Speer oftmals die nächsten 
Aehren hinwegbog, die an denen lehnten, welche die 
Unglückliche schützten.** „ Aber der Allmächtige behü- 
tete gnädig ihre hinlänglich geprüfte Tugend/* sie kommt 
glftcklich zu Azzo nach Canossa. 

Jetzt kommt der dritte Glanzpunkt des Romans. 
Wenn Adelheid in Canossa unangefochten blieb, so w&rde 
der Roman auf höchst matte Weise mit einer unmotl- 
virten Heirath enden , Otto bekäme Ihre Hand ohne ir- 
gend eine Anstrengung , irgend ein Verdienst um sie. 
Vvie prosaisch ! Nein , Adelheid mufs noch einmal in 
grofse Gefahr kommen ; dem Untergänge nahe mofs sie 
von Otto gerettet werden, triumphirend mufs er die Ge- 
rettete zum Altar führen. Deswegen muüs» also Adelheid 
in Canossa vun Berengar belagert werden. Allein das 
hilft nichts, unglücklicherweise ist ja die Burg scboa 
so ungeheuer fest geschildert worden , dafs eine solche 
Belagerung gar keine Gefahr bringt. Also mufs sie aus- 
gehungert werden. Aber ein schlechter Krieger, der 
seine Feste nicht versorgt, das darf Azzo nicht seyn; 
• die Eile der Rettung hinderte ihn also, das zn besorgen. 
So kann sahyo honore aller Leute von Ottos Parthei Adel- 
heid noch einmal in die höchste Bedrängnifs geräthen^ 

# 

* « 



L.iyui^uo L^y Google 



«od Otto nie darafds bieten. Zum Unglück irerMIt et 
8ic)i ab^r mit diesem dritten Glanspvokte, wo mdfüchi 
noch «cMechter, alt mit Men frOhereo. HStte Hr. V. 

nur recht überdacht, was er schreibt, so würde ihm schon 
die Unmöglichkeit, dafs alles von ihm Erzählte in der 
angegebenen Zeit geschehen se^n konnte, gezeigt haben, 
dafs entweder seine Zeitangaben falsch oder mehrere von 
den erzahlten Begebenheiten unwahr Seyen. In der Nacht 
des 20. August flieht nach Hro. V. die Königin, zieht 
daun mehrere Nächte fort, schickt hierauf an Bischof 
Adelard, dieser an Azso, sie lebt einstweilen von dem 
Almosen eines Fischers , Azzo holt sie nach Canossa; Be- 
rengar erfahrt ihren Aufenthalt, zieht mit einem mäch> 
tigen Heere vor Canossa, bestürmt die Burg, erkennt, 
dafs sie nicht zu nehmen ist, entschliefst sich endlich, 
sie durch Hunger zu zwingen und schliefst sie daher eng 
ein Jetzt hält Adelheid mit Azzo Rath , sie beschliefsei^ 
nach Teutschland um Hülfe zu schicken, theiien deo 
Plaif dem Pabst Agapet mit\ denn dieser begleitet ihre 
Gesandtschaft mit einem Schreiben an Otto, die Roten 
gehen nach Teutschland zu Otto, dieser beruft einen 
allgemeinen Reichstag, der Zii^ wird einstimmig be- 
schlossen , ein Kriegsheer zusammengezogen , durch Tyroi 
nach Verona gezogen, Liutolf nach Mailand vorausge- 
schickt. Auf die Nachricht davon zieht sich Berengar 
auf seine festen Schiteer zurück, daher zieht nun Otto 
von Verona nach Pavia, unterwegs nimmt er die Unter- 
werfiiBg der meisten Herren und Stftdte an, hSit dann 
eine allgemeine Reichsversammlung und wird zum König 
der Lombardei gewählt; und das ÄUes nach Hrn. V. selbst 
vor (fem 10. October, also in weniger Zeit, als 51 Tagen. 
Wir brauchen aber, um die Wahrheit zu finden, nict^ 
ZU eiäer Veränderung der Zeitangaben zu schreiten, in- 
dem wir bei gehdrigerBonutaung der Quellen mit^rofter 
Sicherheit, das Irrige der Annahme von einer Belagerung 
Canofsflfa'a während Adelheld*s Anwesenheit« erkennen unl 
dabei zugleich die Ursache finden , aus der dieser Irr* 



I 



VcliM, te« ItcUcn Ott»*« GMften. 



iKimi tM^otging uucl ilie Mid Blll8tl4Milt sehir «H^tlrliell 
macht INe Zeitg ci«P B 0CJ B all» wteoa iilehti dat«ii) «(aft 

Adelheif] auf Canossa belagert Wehlen M, ntif 2fW<li 
spätere italiäoische Schriftsteller erwähnen diefs, Leo 
Ostiensis und das Chron. Novaliciense, die heide 
an sich schon schlechte Gewährsmänner sind, da sie 
ihre Unwissenheit um\ Fabelaucht auf jeder Seite verra-^ 
t^en. Aufaerdem mufs aber noch das nothtveadig Ver^ 
dacftt gtgen die Wahrheit ihrer Erzihiung errege«^ dift 
ale binde eiaen gans uaatiliasigen Nebeaum^lafid erwih^ 
«eiK Nach Leo daaerfe nSmlich die Belagerung v<MrCa«- 
nossa 8 Jahre, nach dem Chron. Novalic. wird die Bela- • 
gerung zwar schon früher durch eine höchst lächerliche 
Kriegslist Azzo's geendet, aber der Aufenthalt Adelheid*s ' 
n Canossa dauert gleichwohl 3 Jahre. Beides olfenbar 
ganz falsch. Den Schlilaaei Ar dieses RlidiSei bietet 
D 00 ISO dar. Auch er ersählC nämlich, und swar mit 
▼ieten MehenumatSaden , die Belagerttog Ganossa's, auch 
bei ihm- dauert sie Ober 8 Jahr« — * aber das Alles findet 
Statt, nachdem die Hochzeit Otto's und Adelheids schön 
voröber ist (wozu Donizo Otto, auf höchst romantische 
Weise, nur mit wenig Begleitern heimlich nach Italien 
kommen iäfst), und geschieht nur zur Hache an Azzo. 
Bedenken wir nua noch, dafs Leo und das Chron. No*- * 
▼alic, wie Oberhaupt die italiädiachen Schriftsteller, den 
ersten uiid den zweiten zü einem sttsammenscbmel«> 
zeo , weawi^e« Döniao- z. R sogst Lintoirs Zog erst 
nach Bferengar's Gefangennehmung un<l Abführung nach 
Teutschland geschehen läfst: — so wir<l uns die ganze 
Verwechselung klar. P>st später, als Berengar schon 
von der Huldigung Ottos aus Teutschland zurückgekehrt 
war, griff er Azzo an und belagerte ihn in Canossa) 
vielleicht wirklich ans Rache wegefli Adelheid s Retlung 
oder Sberiiaiq^l, weil er natirfioh z» Otto's Färtfaoi ge^ 
Mrte./ Deswegen schickte Azzo Gesandte an /OfCo am 
IMfe. Otto zog daher zum zweiten M&le nach Italien; 
Berengar floh vor ihm , und so wurde Azzo entsetzt. 



L>iyui^uo L^y Google 



MimUmmki gesakmh das mdk schcMi* durch LivMfs 2ug 
itoi JMm K*, ▼ielkichl dordi ditMn eis Mat «od dumii 
OHo'» lag «tin swetenr Mtlei (Mho irw^, Donic» 
und die Nachricht aus einem Cod. Bcgiens., die Mv* 
ratori zu Doiiizo p. 349. Not 60. hat.) Da nun abec 
jene Schriftsteller, wie bemerkt, den Zu^ Luitolfs und 
diesen Bweiten Zug Ottos mit dem ersten zusammen«* 
waiA», auf dem Otto sich mit Adelheid vermählte, m 
war nach ihrer Ansicht nat&rUcfa Adelheid während öer 
BeiagvnMig, di« dsrcb jeneD %iKg a«%ehebeK woriev 
weh im C kaeoa a, und wvrda alao. init Id Oaneasa Wla*- 
fert« Das Uehrige that die verschönernde Phairtaaie 
hiuzu. Auch diese Belagerong besteht also nicht vor 
einer schärferen Kritik, und das Schicksal Adelheid's in 
der kurzen Zeit von ihrer Ankunft in Canessa bis za Otle'a 
Zug ist.M» Töilig uahetaumt - 

Oben diese Verwechselung der beiden Züge Otto's 
kann vielleicht auch dazu führen, eine andere Schwie- 
rigkeit in Adelheid's Geschichte aufzuklären, wodurch 
denn freilich wieder ein allgemein angenommenes Ereig- 
nifs aas derselben verschwindet. Während nämlich alle 
Zeitgenossen, Reginonis Co^ntlnuator , Rroswi- 
tha, Widukind (ans ihm Thletuiar) und der Ano^ 
Djmus in Vita MatHildis regin'ae^den Zug liacli 
Italien darstellen als von Otto's freiem Entschlüsse aus- 
gegangen, und Hroswitha, Widukind und Vita Mathil« 
dis ausdrücklich die Lieheswerbung als nach Otto's An- 
kunft in Italien geschehen schildern, die Vita Mathildia 
sogar deii Entschiufs, sich mit Adelheid zu vermählen, 
bei Ot|o erst durch ihre persöuUcbe. Bekanntschaft ent- 
stehen läfst, findet sich bei Leo Osliensia und Bei 
Donizo eine durchaas abweichende Nachricht. Beide 
erzählen nämlich, Azzo und Adelheid haben eine Bot- 
schaft an Otto geschickt und ihn eingeladen, nach Ita- 
lien zn kommen , sich mit Adelheid zu vermählen und 
des louih<|rdischen Reiches zu bemächtigen. Alle Kr- 
sähler von Adelheid*S' Geschichte, und so auch Hr. V., 



babaa das nun als iwweifcMuifte Wahrbail genommcitt^ 
■od Hr.V; «rzfthlt mim sdir aarführlich p«eh JLieo Ost 
die Abenttwuer, die der Bote m btcitebeD hatte, wie 
er auf der Rückkehr nicht durch die Belagferer diirch- 

kommen konnte, und daher wenigstens den Verlobungs- 
ring, den Otto sendete und den Brief, worin er seine 
Ankunft ankündigte, an einen Pfahl befestigt in die Burg 
hinein schois 11.6. f. la der That mufs es uns aber doch 
auffallend sejOi dafs gerade alle Zeitgenoesen and die 
Soliriftflieller, wdcbe am hesteo naCerrichtet sind, voa 
diea^r gaiiai;!eB filaehe oichla wiaseoi die sie, wire sie 
thneo bekaont gewesen, gewük erwihnt haben wihrdeih 
Sollte nicht vielleicht auch zur Ausgleichung diesies 
Zweifels wieder die Stelle Donizo's f&hren, worin er- 
zählt wird, A/zo habe sich erst mit Pabst Johann be- 
rathen und mit dessen Zustimmung die Botschafit abge* 
schickt Zu der Zeit, wo Adelheid io Canossa war, 
regierte nfimlich kein Pabst Johann, sondern Agapetj 
dagegen ist bekannt, dafs Johann XIL, Agapet*8 Nach- 
folger, an der Einladung Otto*s zum zweiten Zuge Theil 
genommen hat. Sollte daher hier nicht derselbe Ge- 
dankengang, wie bei der Belagerung, Statt gefunden 
haben? Otto wurde eingeladen, nach Italien zu kom* 
men , in der That erst, als Adelheid schon seine Ge- 
mahlin war und man an ihn als Oberlehnsherrn ganz 
natflrlich gegen Berengar's Grausamkeit sich wenden 
mnfete, es geschah das von Azzo, von dem Pabste und 
anderen Grofsen; gemifs der Verwechselung der beiden 
Zuge geschah es aber vor dem ersten Zuge, also zu 
der Zeit, wo Adelheid noch in Canossa war; also ganz 
natflrlich, dafs der Ruf auch von ihr ausging. Den In- 
halt der Botschaft konnte man dann durch das einfachste 
Raisoanement auffinden. 

(B9r Bt9€klu/9 /•igt.y 



L>iyui^uo L^y Google 



N*. 6a. HBDIBL^ JAilil& u, UTB&ATUR. ISaa 



Vehse, das Leben Ottos des Gt'ofsen, 

(Beachlufa.) 

Eine kleine Bestätigung unserer Ansicht möchte 
anch das geben, dafs Leo Ost. sagt, Azzo habe sich aa 
Otto gevieadeti der damals durch den Ungamsieg be* 
rftluDi. gewesen wäre; was zu der Zeit Tor seiner Verw 
mSiiliiag gar oicht paTsi, sehr gut aber zu der Zeil un* 
mittelbar vor Liutolfs Zuge nach Italieo, der vielleidit 
ebeo flie Folge yon Azzo's Hülferuf war. Wir mdchten 
unter diesen Verhältnissen also fast glauben, dais auch 
Adelheid's Botschaft an Otto auf einem Irrihume beruht 
und daher von einer strengen Kritik verworfen werden 
. mufs. Doch genug, die übrigen Theiie der Erzählung 
ubergehen wir mit ^Stillschweigen , obgleich , sie noch Be- 
stätigungen genug für unser Urtheii darbieten , wir glau« 
bell , schon in diesem Theiie die Gerechtigkeit unseres 
oben Uber Hrn. V/s Porschnngs- und Darstellnngs- Welse 
aiifigesprocheneii Tadels hinlänglich nachgewiesen zu 
haben. 

Erst jetzt , wo wir im Begriffe sind , unsere Beur- 
theilung zu schüefsen, fallt es uns auf, welche Masse 
Ton Tadel wir nach und nach in derselben aufgehäuft 
haben» JBp ist d^fs eine nothwendige Folge des Gruodt* 
eatset« welchen' wir dabei befolgten ^ nidit allgenowiiie^ 
unbewiesene Sfitae hinniistellen, mmdßrn jeden Tadel mit 
Beisrpiden m belegen and In ihnen das nach vnserer An- 
sicht Unrichtige uachzuweiseu. Es sollte uns leid seyn, 
wenn dieses unser Verfahren den Standpunkt verrückte, 
von dem aus wir das Buch beurtheilt zu sehen wün- 
schen. Wir erklären also noch einmal, indem wir unser 
Ürtheil zusammenfassen, dafs nach unserer Ansicht das 
Bach bei allen seinen Fehlern doch aa den besseren Er- 
aangniiseD der hiftsrlaphea lüeiatiir goMkl Vor !• We 

XXY. Jahrg. S. Heft. SB 



m 



AneoU Vwletum cd. €li. Wals. 



20 Jahren wttrde es noch als eio repht gutes Werk ge* 
gölten haben , und wir kennen Werke über Gegenstände - 
aus der Oesehichta des. JMLittelalters , die gewtfs nicht 
besser sind, als Hrn. V.'s Schrift, und die sogar einen 
grofeen Rnf geniefsen. Nor ^ den strengen Forderongea 
entspricht es nicht, die wir in unseren Tagen an ein 
geschichtliches Werk machen, nur als Beitrag zu einer 
teutschen Geschichte der Art, wie sie aus den Anstren- 
gungen der Forscher unserer Tage hoffentlich hervor- 
gehen wird, können wir es nicht ansehen, und diese 
Ansicht war es, die wir durch AnfiUirung seiner Mängel 
sn rechtfertigen gesucht haben. 



APXENIOT IflNIA. Arsenii Violetum. Ex codd. mss nunc pri- 
mum edidit, animadversionibua imtruxit et alia quaedam inedita 
udjccit Christianus Walz, pli. Dr, regit imumarü T\ibimgen9i9 
Jlqwtea». Stetlgortio«, ui lOrio^ftiHS^imdMM MDCCCXXXii. 
Fi und 517 & in ^ 

Wir theiien zur näheren Kenntnifs dieser und Mfir 
anm erstenmsl durcli den Druck bekannt gewordemüf 
Schrift, folgende Notizen aus dem Vorwort «les Heraus- 
gebers ntl) die uutn Verstindnifs und zur rlchügen Anf^ 
msung des Ganzen nothwendig erscheinen dtirflen. Mi- 
chael Apostoliuh, der bekannte Bj'zantiner des fünf- 
zehnten Jahrhunderts, hatte eine Sammlung von Sprüch-- 
wörtein, Denksprüchen , Gnomen und dergl. aus den 
Schriften der Alten gesammelt, und diese Sammlung, 
der er den Titel 'lavia gegeben, war nach seinem Tode' 
dtirch seinen Sohn Arseniüs, Erzbisehof ' von MoäMti^' 
besia, mit einer Aoaahl neu hinzugekonii^elHä' 'S|Mr&i^' 
Wftrter vermehrt, d«m Pabst Leo X 'fibdrdandt , ^ku^ 
spllterbtn (d^s JaMr ist nicht genau b^nnl) aam Tii«i# 
dnrcii' den 'Druck bekaost gem&eht woi^d<»n. ''M. vergfi 
lAer diese AusgahS,: welche blos die Apophthegmcm ent- 
. hält nebst ^nigen Sprüchwörtero , und die ohne Angabe 



uigui^cü Uy Google 



Aneiiii Violtttam ed. Ch. W«li. 



m 



der Jahreszahl and des Orts erschien, Ebert Bibl. Lex 
No. 1253. Die unter dem Namen des Apostoiioi be* 
Jumnte Sprttchwfirterwmmliing oder vielraebr Auarog da- 
vmi, ersehien sb Basel 16M. in einer dnrch Hervag 
bmirgieB Ausgabe; die yoilstSndi^e 8ammivnf in lalel- 
aiacher Uebersetzang und mit erklärenden Anmerkungen 
zu Leiden 1819. in Quart durch Peter Pantious. 

Die nun hier zum erstenmaie aus zwei Handschriften, 
einer Dresdner, welche das Apogiaphum einer Moskauer 
ist, und einer weit vollständigeren Florentiner, im Druck 

erscheinende Sammlung, welcher Arsenius den \aiiien 
*lo)vta gab, enthält zwar einen grofsen Theil der in 
des Apostolius Sammlang befindlichen und demnach be- 
reits bekannten Sprüchwörter , aber mit sehr bedeutenden 
Abweichungen und Veränderungen , indem Manciies ab' 
gekürzt oder ganz weggelassen, Manches dagegen wie- 
der hinzugefügt ist; die meisten Sentenzen sind aus des 
Stobäus Florilegiumi einige aus Clemens von* Alexandrien 
and den Kirchenvätern entnommen; die Apophthegmen, 
deren viele aus Diogenes von Laerta und Plutarch ent- 
lehnt sind, stehen in dem gedruckten zahlreicher, als 
in den Handschriften (^weshalb der Herausgeber mit 
Recht auf spätere Zeit des Abdrucks der Apophthegmen 
schliefst), dagegen findet sich aber auch wieder in 
den Handschriften Manches, was in dem Gedruckten 
Vannifst wird« 

Dafs der Herausgeber die aus Stobäus entlehnten 
Sentenzen, welche in (iie handschriftliche Sammlung auf- 
genommen , nioiit wieder hat abdrucken lassen, wird 
iliemand tadeln, indem des Stobäus Werke einem Jeden 
zagftBgtich aind , die WiederMung also jeden FalW 
muMz wire; die Apophthegmen aber, zum Theil gans 
mribekanni, au« Theil nur dufoh jenen hdehit adtenen 
Brook bekamt, «hid aas den oben angefMirteo Hand»- 
echriften vollständig aufgenommen , wobei aber, was be- 
reits durch den Druck bekannt , mittelst vorgesetzter 
Sterachea benfterkiioh gemacht ist; auch ist aus zwei 



t 



m Aneaii Violetam ed. €h. Wals. 

Vaücaner Haodschriften noch mdirem Andre luaMge* 
kommen. 

Indessen würde map eich 8 Ar Irren, wenn man 
hier einen blofsen, entweder Hiera! g^emacfaten oderandi 

hie und da berichtig^ten Abdruck des Griechischen Textes 
erwartete; allerclings ist uns der in den beiden Hand- 
schriften nicht ganz fehlerfreie Text in einer von Schreib- 
wie Druckfehlern gereinigten und durch manche, aller- 
dings QOthwendige, Verbesserungen des Herausgebers 
berichtigten und dadurch wohl lesbaren Gest^ g^t«- 
fert; und wenn sich in den neuesten Zeiten die Heraos- 
geber von Ineditis meist nur auf den Text und dessen 
Berichtigung, ja oft nur'auf einen getreuen Abdruck des 
in der Handschrift vorfindlichen Textes, selbst mit allen 
Mängeln, Gebre.clien , Schreibfehlern und dergl. m. be- 
schränkt haben , so hat unser Herausgeber sich keines- 
wegs die Sache so leicht gemacht; und dafür wird ihm 
jeder Freund der alten Literatur um so mehr Dank wis» 
sen, als Schriften der Art, wenn sie einmal bereits im 
Druck erschienen sind, nicht so leicht, bei der yerbtll- 
nifsmäftig geringeren Zah! Derjenigen, welche sie be- 
nutzen, zu neuen Ausgaben kommen. Der Herausgeber 
hat nämlich in den dem Texte untergesetzten Noten 
aufser der Angahe der abweichenden Lesarten der bei- 
den Handschriften überall die Parallelstellen sowohl in 
des Apostolius Sammlung, wo das Gleiche vorkommfi 
als auch bei andern Schriftstellern , bei welchen ähnüdM 
Sentensen oder Proverbien Toriimnaien, oder anf welehe 
Arseninssich bezieht, oder sie berücksichtigt, mit grofser 
Genauigkeit und Sorgfalt aller Orten nachgewiesen, und 
zum besseren Verständnifs eine Reihe von Bemerkungen 
mitgetheilt, die für Grammatik und Sprachgebrauch viel 
Schätzbares enthalten, auch selbst über sachliche Gegen- 
stände sich verbreiten; man vergl. z.B. S. IMi 120. 139. 
. 14a 184. 186. 280. MI, oder Sl 818 f d» aiühMogl- 
sehen Erörterungen, sn denen die Stelle db8;Arseai«8 
¥eranla88iing gab. So erinnern wir e. B., was die 
nttdist die Grammatik betreffenden Bemerkungen an- 



Digitized by Google 



Arienü Violetam «d. Ch. Wals. 



geht, beispielshalber an S. 5. über ov iaxiv (wohin 
auch die Stelle Herodots III, 108. g;ehört, indem dort 
■dt Schweighäuser und Geisford offenbar zu lesen und 
an'iBierpungiren ist: Bari iovaa aro^pTf)^ oder S. 68. 
Iber den Gebrauch des Infiahi?« ActiTi statt des Infinitiv 
Paenyi oaoh A^jeotifis, oder &T8. über die ConstrueOon 
ynm n^arretv mit dem Accneatir und Genitiv, und die 
dadurch bestimmte verschiedene Bedeutung ; desgleichen 
S. 220. über dvix,£a''^at ri und rtvog ; S. 175. öber den 
Gebrauch von ovrog ixfivog in deiktischem Sinne; 
S. 143. über ixelae in dem Sinn von buei (vergl. über 
die Classe von Verwechslungen der Art Becker Specim. 
Plulofltrat p. 78 ff.) S. 64. findet eich eine längere Be- 
mertamf über die so häufig vorkommende Msaaiv^ und 
Mfoibv» Jenes, wofür andi die Minsen spreclien, wird 
■dt Recht als das richtige vorgesogen / und Ref. kann 
kietin «Ine erfireuliehe Bestätigung seiner bereits sn 
Pinta rchs Pyrrh. 23. S.215. ausgesprochenen Behauptung 
finden, womit auch Krebs (Lectt. Diodorr. Hadamar 
1832. pag. 14T) übereinstimmend ist. In ähnlicher Weise 
wird über die Verwechslung von {eiq) yiiKgd und fiaxQa 
8. 144, oder über ßaXeiv und XUßiiv S. 263, oder 
Iber ^^Amf und töiXetv S. 264 u.6. w. gehandelt. Unter 
den Bemerkungen übeir Sprach- un^ Wortgebrauch wol- 
len wir nur anführen, die .Bemerkung $. 12. ttber den 
CMbnadi von nXvSAp, oder S. S2L über ariSoveg (ho- 
ndnes ffamäi), oder S. 64 f. Ib^r ävaifiaxTog (In 
dieser Nute ist statt Flamin, c. 71. zu setzen c. 11.), 
S. 56. Ober Siveppicp^a xvßog , S. 75. über veorrog 
(vergl. jetzt auch des Ref. Note zu Herodot III, 109.), 
& 78. über den Gebrauch von ä^)(^aioq , oder S.79. über 
ärcsvkqy otreyxrog, 8. 196. über den Ausdruck dxgißiig 
nXovTog , S. 226. über die Redensart ix '/siTovmv (of* 
Mtl'), &244. ftber Kö'doQvog^ S. 288. über ^vyv6g u. s. w. 
In d«r Note SL M. zu Rodopls würde Ref. noch Herodot. 11, 
IM 1S6. angeführt haben. Doch solche Zusätze, die 
sich wohl hie und da auch bei andern Stellen machen 
Helsen y indem Jeder bei seluem individuelleu Staudpuujii 



uigiii 



8» 



Anenii Violetum ed. Ch. Wala. 



auf Manches stofsen oder Manches vermissen wird , worauf 
ein Anderer nicht verfallen wurde, wollen w\r hier nicht 
-weiter verfolgen; man sieht aber aus dem Wenigen, da» 
wir hier hervorgehoben haben , während wir UnsBäkU|pai» 
das gleichen Anspruch darauf machen könnte, herTor- 
gehoben so werden, flbergangen haben, dafs es dem 
Herausgeber, hätte er andeis gewollt (und wir wünselm, 
er hitte es gewollt), nicht schwer geworden wäre, mit 
einem stattlichen Index i'erum et verhorum in armota- 
iiomhus ohviorwn zu prangen, welchem dann auch ein 
zweiter Index über die im Text citirten oder in den 
Noten behandelten und verbesserten Autoren hätte bei- 
gefügt werden können. Beides, wir gestehen es, missen 
wir ungern, indem Bücher der Art, die nicht in tagtäg>« 
lichem Gebrauch benutzt werden, Vielen mbhl so be- 
kannt und Tertraut werden, dafs sie ohao Register JeieiU 
Alles, was sie Mchcai «nd sieht suchen, «oderultfh liiokf 
erwarten, linden und benutzen können; znnral -dn 
Inhalt dieses Ineditums weit wichtiger und von weit 
allgemeinerem Interesse bei dem Studium und der kri- 
tischen Behandlung der Alten ist, als eine Menge anderer 
Inedita, mit denen nftn uns in neueren Zeiten beschenkt 
hat, denen wir auch ihren gebührenden Werth niollA 
gerade absprechen wollen, obschoii wnr ihnen » Wegen 
des meist sehr qpecieilen Interesses odei* wegen UMinclior 
ofl oberflächlichen, ungenauen, allerwSfts zosamomgid* 
stoppelten Angaben, im Verglei^ mit vorliegendem loedi- . 
tum, einen untergeordneten Werth zuerkennen müssen. 
Des Arsenius Schrift ist insbesondere wichtig und von 
Bedeutung durch die grofse Zahl der Sprüch worter , die 
es enthält und der erläuternden Angaben, zu welchen 
die Erklärung derselben Veranlas<:ung giebt ; deshalb 
auch der Herausgeber auf diesen Theil besondere 8org^ 
falt verwendet hat, mit Recht es beklagend, wie weniig 
bearbeitet noch dieser Tfaell der Griechischen Utemtnr 
ist, und wie Manches der Art noch in fiiUiotheicen und 
sonst vergraben Ist , oder doch so Im Argen Hegt , dalh 
es wohl sorgfaltigerer Behandlung uud Pflege, als bisher 



uigui^cü Uy Google 



AnenU Violelam ed. Walz. ftSft 

geschehen , verdiente. Der Herausgeber , durch das 
groCse Unternehmen einer (längst sehnlichst gewunsch- 
len). neuen Bearbeitung der griechischen Rhetoren (die 
er in der 1831. erschienenen Epistola critica aagekfio- 
dlgt hat,. 8. diese Jafarbb. 1831. p. 319 ff.) vorerst ajb- 
Ifehalteo, diesen Gegenstand eigends zu behandeln, und 
eine Tollständige Sammlung zu liefern, hat aber die ihm 
hier dargebotene Gelegenheit benützt, das, was ihm zur 
Berichtigung und Erörterung der alten Pardmiographien 
ZU Gebote stand, mitzutheilen ; und dafür ist man ihm 
fewifs vielen Dank schuldig; einem künftigen Bearbeiter 
ist abftTjdiirch solche Vorarbeiten sein Geschäft sehr er* 
kiahlerl» - Möge sieb ein solcher, dm -UnlerauBhm«! 
f emshseuer Mann bald finden, dessen Th&tigkeit durch 
die nidht geringen Schwierigkeiten, die mit der Aus- 
fiihrong verknüpft sind, nicht abgeschreckt werde und 
sich entinuthigen lasse. So hat unser Herausgeber nicht 
bJos alle Stellen der Alten, die ihm bei seiner Leetüre 
aufstiefsen^ und für die Erklärung der Spruchwörter vMi 
Ifröfsercr oder geringerer Bedeutung sind, sorgfaltig an- 
gef|A||ri, er hat die in einem Codex Mareiamt», befind* 
lii^eB, keineswegs zu . verachtenden SprOichwdrter des 
Macaruia Chry90cephälus abgeschrieben und an den 
gehörigen Stellen der Noten abdrucken lassen, desglei- 
chen manches Andere, auch Unedirte, was er in ver- 
schiedenen Handschriften auf seinen gelehrten Reisen 
entdeckt hatte, wie z. B. vier und zwanzig Sprüchwörter 
des A^op aus einer Mediceischeä Handschrift und eini'» 
ges Andere der Art am Schlüsse des Violetums in einem 
Appendix beigefügt, Nu. 2*. eine Anzahl von Sentenzen 
eas den Schriften des Demekrit, E^tet, und andern 
Philosophen , Rhetoren und Dichtern aus einer Mdnchner 
Handschrift. Zwei Pariser Codd. geben dasselbe. Daran 
sichliefsen sich drittens : ra todv tniu, wocpt^v nupay- 
ydTi^fiaTa aus einer Vaticauer Haodischrift, nebst einigen 
in Verse gebradhten Gnomen aus derselben Handschrift. 

Chr. BAhr. 



1 



Digitized by Google 



PmkU«che Theologie. 



KÜRZE ANZEIGEN. 



Biblisch-praktische Auslegung des Evang, J ohannii, be- 
arbeitet von Dr» C. Fikenacher u. 9. w. 

(ArMswy der JrnMHg^ AZZO^m. dJ.) 0 

Die «weite Abtheilwig dieser SeantagsUtlter ▼•Haniet ta cv- 
eten Jahrgang yom Ifitea 8. n. Tdn. bto lo Imrocavil 18SS, mU iit 
Ms sn Ende des Stern Cap. Joh. gelangt. Der Berof des Hn. "Veili. 
SU dieser gröndlieh-erbaalieheir BelehmDg bestätigt sieh ia dieser 
Fortsetsaag. Das aeigt sieh scIiob segleieh hei der etwas oehwieri- 
gea Srhläniag tob Csp.9, 44 fg. fS. S14.)i worin die gelehrte Exe- 
gese recht got in die Tolkibelehrong einfliertt. Bas Fest Cd, 1. 
afannit der Verf. eher für das Purim als das.F^Msah, er geht aber 
auch hierbei nicht über seinen Kreis hinaus; so wie Im folgenden 
über die Engelerscheinangen , über 5, 17. das Wirken Jesu and des 
Vaters, über 5, 21 fgg. die geistliche und leibliche Todtonerwecknng-, 
aber 6, & fg*^. die wunderbare Speisung, weiche er bei bündiger 
Käne doch Muhrhaft fruchtbar behandelt, u. s. w. Doch wir wollen 
aicht anf das Einzelne eingehen, und so denn auch nicht hier und * 
da Gegenerinnerungen machen, sondern, überhaupt nur auf unsere 
obige Anzeige verweisend , den ersten Jahrgang dieser homiletischen 
Erbaunngtschrift als Tollstiadii^ meldsa. 



Siaattwirthsehafttlehre. Von Dr. K. S. Zacharid , ord, off, 
Bechtslehrer ot^f der Univ, in Heetberg u s. w. Heidelb. b. A. Os- 
wald. 1832. 8. /. Abth. 290 S. //. Abth. 182 Ä\ — Auch unter 
dem Titel : Der vierzig Bücher vom Staate fünfter und UtBUr 
Baads und: Der Regierungslehre dritter und Utater Band, 

Mit diesem Boche oder Baade habe ieh also das Werk, dessen 
efster Band vor zwölf Jahren erschien, glücklich beendiget. 

Die Staatswirtlischaftslehre begreift ia dem Sinne» in wel- 
chem das Wort in dem vorliegenden Buche geaeauaen wird, sowehi 
die Lehre von der Nationalwirthschaft , als die tob der Staatshaas* 
haltung Coder die Finanzwisaenscbaft) unter sich. 



S. 87S. hat sich ein Druckfeliler eingeschliehsD j es steht: das 
Anthropopathetische, «tattt — Aathrapopathieche. 



Digitized by Google 



Sadteriii Staatowirthadiaftalehte. M 

Indem ich mich an die Aasarheitnng eines Buchet über das 
Oftiuie der Staatawirthfchaftalehre wagte , entging mir keinesweget 
daa Mlftliche des Unternehmens. lYir haben eine Menge Schriften 
ähnlicher Art. Kaum ein anderer Theil der Staatswisacnschaft ist 
(besonders in den neueren Zeiten,) in ganz Europa mit demselben 
Eifer betrieben worden, wie die Staatswirthschaftslehre. Sollte ich 
■OS boadert BAchem das hondert und erste machen f Ein solches 
Bndi iwfle aehwarlidi halfaD, mit hiiBdavI «ai dim Kaaonen 
•dimiao «np fangen so weidm. 

' Gldchwolil «Btachloft* Ich mich m dem WagatAckc Denn 
glanhto ich sn entdecken» dab für die ajatemntlaehe Dnv- 
atellnlig der WissenaehafI noch viel, aehr Tiel geachehn hfoae. Bs 
■ohlan mir, 2) dafs der. Staatswirthschaftslehre eine nane Grnn4-v 
läge gegeben werden könne, data nnfser den swei 8|jeteBMn« welche 
dch in der Staatswirthschaftslehre nach ihrem dermaligen Stande 
nm die Herrschaft streiten, dem physiokratischen und dem anthro- 
fC^ntischen (oder Smith^schen, ) noch ein drittes System mag* 
lieh aey, welcheg Frieden awischen den beiden ersteren stifte. 

In diesen Besultaten liegen die besonderen Aufgaben , welche 
ich in dem Buche zu losen versucht habe. Ich kann ihm nicht die 
beste Aufnahme prophezeihen. Denn wer läfst sich gern in einem 
BesitzBtandu stören, den man für gesichert hielt I Man ist geneigt, 
über einen solchen Störenfried sofort den Stab au brechen. In dem 
Bache, sagt man mit weiaer Miene, kl das Gate alt, das Nene 
MUadU.' — t BoA hat daa Bach Jene Anfgohen wenigelena In eineai 
gervtaaen Qrade galÖa*t ader aneh nnr der Aniöanng näher gehradit, 
an haft.lch » dalh ea aelnen Wag amchen aalL Waa ▼ergeaaen wivi, 
TaHlent In dar Begel Tefgamen an werden. 

Das Buch aerfallt In zwei Theile , in die allgemeina 
WIrthecha ftslehre nnd in die Staatswirthschaftslehre;. 

JBrtter Theil. — Erstes Buch. Von dem objcktiTcn 
Erwerbe. C^'® werden Sachen in Brauchlichkeiten Terwandelt?) 
1) Von dem ursprünglichen obj. Erwerbe oder von dem Erwerbe mit- 
telRt der Arbeit 2) Von dem abgeleiteten obj. £. oder von dem Er> 
werbe mittelst eines Kapitales. — Zweites Bnch. Von dem un- 
mittelbaren oder ursprünglichen subjektiven Erwerbe oder 
iron dem Tauschverkehre , in wie fern er nicht durch Geld vermittelt 
wird. Arten dieses Erwerbes. Zwischenleute. — Drittes Buch, 
▼om Gel de oder vom TaiuchTCrkehre, in wie fem er dnreh Geli 
▼ermittelt wird. 1} Yan dem reellen oder wirklichen Gelde, Inaba- 
aandei« Tom Metallgelde, f) Yen dem namlaellea ader dem Schein« 
gelde * Inaheeandere Toih Pa^ergelde. 

Zweiter Thail. — Bratee Bnch. Die National- ader 
Yolkawirthachnftslehre. Begriff des National varaidgens. Von 
dam Brwavba elaar Natten. DnnteUeng der SjateaM dar N.W. 



Zaehaffiä, BecbligiiUclitcii. 



BearthciluDg dieser Sjstemc. — Zweitcb Huck. Staatshaus- 
haltuogslchre. Begriif des StaaUTerinögens. Voo dem Staate* 
anffrande. Vom dea Hittela aar Baatreitung diaiaa Aafwaaikni. Vaa 
dar Verwaltung dei StaateTena^gaat. 

SehliaTaUch nable Ich an dea gcneigtea Leaer dea Boabf die 
Bitte I 

. SS Alme ittraai, fti» ifvaeto, lüraaif 

ZaokariS. 



Zaehar iä, Dr. k. S., Rechtsgutachten in der gegen den verantwortli- 
chen Redacteur „r/ts H'ächters am /2Aein" Franz Sch1und<, we- 
gen eines im 68. Stücke dieser Zeitung enthaltenen Aufsatzes mit 
der lieber schrif t : ,,an das deutsche Volk"" anhängigen Unterau- 
chungssache. Mannheim 18o2. 8. Preis 24 kr. 

Wenn in diesen BUttern dae abige Becbtegatachten angezeigt 

•wird, geschieht es nur deswegen, weil in drniB«*lben nnter ande- 
rem von den Grundsätzen gehandelt wird, von welchen cino die Frei- 
heit der Presse bekräftigende Gesetzgebung auszugehn hat Die 
Theorie, welche das Gutachten über diesen Gegenstand aufsteJll, 
wird für Viele wenigstens den Reis der Neuheit haben. 

Zae&oridL 



etUtur «n Boyvm. AfdaeJIea M O. fWws. 18n^ 106 ^, 6. 

Dieser Vortrag ist eine fast vollständige wissenHchaftliche Ab- 
handlung über die Mafsr^eln » durch welche der Staat den Anbau 
des Bodens befördern und zur VervoUkoiuninung t\vH Aclterbaues bei- 
tragen kann, mit unmittelbarer Kücksiclit auf Bayern. Faut alle die 
Fragen, welche in Beziehung auf diese Aufgabe dermalen in Oeutsch- 
laad an dar Tageeardnnng sind, werden tob denoi Harra Ab^eorda. 
QuSn Tan DraelMal mit Umeiebrfc, Sacbkeaatalfa aad Unpartbattieb- 
belt erfirtert; a. B. die Fragaa vaa dar AaflÖaaag der jßoti^gabiiiidaa- 
beit ader Taa der ZeratAckalnag ufaecblaMaaer Laadgfiter, tob 4aai 
bei der Vartbeilaag dar Oeamadagraadttfieke (der Alliaaadaa> aaaar 
wendenden Hareetabe, von der Piiimag aaat&adigar CfofAlia, Taa 
dar Abldeung der Grnndlasten. Wenn auch dar Herr Vf. unmittelbar 
nur Bayern vor Angea bat, so ist doch seine Arbeit für alle Deat> 
•che Staaten von Interesse. Denn überall knüpft ar das Beaoadere 
an das Allgemeine oder leitet er seine Vorschläge für Bayern ans 
allgemeiaen Graaden ab. Einige von jenea Fragen, a. B« dia tob der 



Digitized by Googl 



Graf V. OrcciiBel» tü||« lii^jiHjuHnr in Bajrero. ^ 

RätbiicbLeit, die Zerstückelung geechlossener Landgüter zu gestat- 
ten, bat der Ur. Verf. Bitgar mit einer solchen Ausfülirlichkcit bc> 
hanMt,. dar« man die Gründe Für und Wider kaum anderwärts 
m ToUfttiadig «naamaM^gevtelU findet (Oer Verf. erklärt sieb für 
di« JwflfiMiaff dat 6at«gibaBdaaiieit> Maa mebr ale aiamal U| 
aar dem Bayer'ichea Reichei«c« anflueaadea lUHm^MMt« 

TarlMadelt voideas im J. 1828. and daaa im J. 1827. legte die Re* 
(pernag den Eatwa^f einea eoldi^a GeeeUee der IL Kammer Tor; 
anf dem Reiehetage dee Torigen Jahres wnrde denelbe Oegeaetand 
Ton mehreren Abgeordneten in Anregung gebracht, dkher alles dieses 
bat bis. jetzt nicht zum Ziele geführt. Hat man zu viel attf einmal 
unternommen? oder gab es einige, ^'6ttt id altmB peaetrare vi- 



l^««>ff^««f«recAl de« KbnigrniekeM Würtemherg, Von Ro" 

' bert Mokly Dr. d. 12. ord. Professor der Staatstokf^ m Tübingen. 
Itter TheU. Da» Veru altungerecht. Tübingen b. H. Lmipp. 1831. 8. 
( Vorrede und Moito<q»se^ lUV S, Da$ Bmeh mit dem üegieter 

Jlar arite Thell dieM» Weitet ist bwaits ia apsana Jahriia- 
chaM nsH dem gebahtaadem Lohe aqgeaeigt woxdea. Ia dem Toa- 
ll^gaadeD awaitaa Thalia hat der Tarfc aoia nihmlleh hsfOBneties 
UatevAefamea ant deaMelhaa ^falga hseadlget -rr Das «rite Kapitel, 
dieses Tbeiles oder des Terwaltangerecbts eathilt die allgcmeinca 
Grundsätze über Slaoterarwaltung. Das zweite KapitellmadeU voa 
der Org^isation der wArtembergiscben Staatsrerwaltung , (von den 
Btinfsterien nnd den übrigen obersten Beliörden , von der geographi- 
schen Eintheilun^ des Königreiches, von der formellen Geschäftsbe- 
haodlung, von din Rechtsverhältnissen der Staatsdiencr; ) das dritte 
Von den einzelnen Reglerungszweigen , von der Rechtspflege, von 
der Polizei nach ihren verschiedenen Abtbeilungen, vom Kriegs- 
wesen, von den auswärtigen Verbältnissen, von der Finanzverwal- 
tong. Sehen uuh dieser Inhaltsanzeige ergiebt sich , dais man nicht 
leicht über irgend einen Gegenstand * der in das Gebiet des Staats* 
asilitss gehört , in ^sm VMli«9sadmi Wfpfca vergebeas. 4«dufafit M» 
chcB wird. — . Mit laterassa wird aaeh der Aasldader dia gn^CMia 
Fortsafaiilta.lMmailLStt, welche die Gesetsgehoog des K. Wartemberg 
ia daa aaaeraa Zeitea genuMht hat. Nor daderob wird dieses Ia- 
tarasse saweilea gestört, daib in eiaigaa Ctesetna des Köaigreicha 
denelbe unfrenadlielia Geist gegaa das Ausland lebt, durch welcbea 
sich aneh die Gesetze einiger andern Oeatseben Staaten nicht aa 
ihrem Vortheile auszeichnen. Doch in einer Beziehung wenigstens 
hält das KaaigUch Wartamberg^sche Hecht die vol^kommeaste recht- 



Digitized by Google 



Bgmakf Bavkaait. 



IM« Gleichheit swischen In- nnd Ausländern. Sowohl die Bach* 
hindler des Inlandes als die des Auslandes können sich g'egen den 
Nachdruck nur durch eio Konigiiche« Privilegium sichern. Dieser 
Stand der Qeaetsi^iing lial mIM dem Yerf., un^;eaelitet er «Ich 
■mal, wie billig , Mf die Dwitallang dea beeteliMida« Reehlt bo» 
aebrftBltlt 8*941» ein Leider! abgedningen. 



Qrmnd9§im0 tier 9tra/«eii-, Urdeben-, JTa««!- mid 0a/e»* 
lüuhundtt MM^k ^ eon Slgan^in (QtmmUinapector derStnfim^t 
Brdefeeii» umd SrntknOm^ tkmaMgm Fruf» der jM^yfcdhiiieka» 
asMa» Q0leMr dtr Bkrvidegi»» imd Bitttr dn St BUtHaOordtn) 
tm dtr potgteeknitektn Mfile *u Pan$ gMUmm ForUsungm, 
jhu dem fVanaMfeAf» üher$etzt tnd Mtf Zusätzen versehen 9§m 
B, F. Lekritter mnd G. H. St raus, Hn. baier. Baukonduetew^ 
(im Regeneh.),^ 1» wmei Tkeikn^ ntü U SteisidntMifiim. A»- 

8chea eeli einigen JalwieliBteii w die fetndaiacbe Werk ven 
Sganile la FHuOarelcb UBd em Bbeine Ibet aofaeUieftUeb duHaad- 
wmä Hfillbbmdi der bganleiir», hat aber fibiigeae ia TealaciilaBd 
die Veibrelta^g alchl gefoadea» die ee veiil vefdieat hatte. Dieae 
■« befMera» «ateraabaiea die Bfoiaaageber aidii aar die lieber- 
eetrang, le a dern Ruchten auch den Gebalt de« Werks durch eiae 
grofse Menge tob Ziudtaaa dem JetsSgen gaataade dea hierlier ge» 
hörigen Wissens näher in bringea» was ilmen aehr gnt gelangaa 
ist. Das in Lcxikonformat erschienene Werk enthält in einem star- 
ken Bande zwei Theile : I. Th. 350 und H. Th. 320 Seiten. Leitung 
au Kenntnissen, die zu einer glücklichen Ausübung führen, war die 
Hauptangclcgcnheit der Herausgeber , die dann auch zu diesem 
Zwecke Alles benutzt haben , was ihnen die Literatur an die Hand 
geben konnte. So erhielt das Sganzin'sche Werk auf teutschcm Bo- 
den eine sehr veredelte Gestalt, wie sie dem jetsigco Standpunkte 
der Wiaaenscliaft angeneaaea lat Bine aasfahiliehe Aueige diese« 
gehalttelehoa Werke, welehea aHea la O ea e hi ltoa der Art angeatell» 
«ea lagealeam beateae eaifpfehlea a« awdea Terdienl« hilt JM 
. lir Abeifltaig. 

e. Iraagredar/. 



^ .i^cd by Google 



Vflgvr, MMMmgm mm «br talHc. Mi 



' U^hüngen aus der angewmndi^m Mmik^mmtik, Shmätr BmiA 

Auch nnter dem Titel: ' ' 

iift^' «Ulf he$9ndm fSr ArM^tUn^ ArHüerUUn^ iugmhmn, fbrtf- 
mhI fier^teii-ßeamte «.«.w. HarbtUet von Dr. £ ^. üng%r, 
SnU AHk. mit 8 X^n* BtfUn 1861. 810 8. 

Bie physikalischen Gesetze des Gleichgewichts und der Bewe> 
gong kommeo in zahllosen Fällen in Anwendung, and gewinnen täg- 
lleb aebr tta Wichtigkeit and «Hgemeiaem lateretee « eeltieai die 
Mfietiie und Teehaik mit etele waebeendem BIfer betrieben werden. - 
Die Kenrtnif« der etatiechen nad mecbaaiicbea Geietse darf daber 
aidit mebr auf eiaaelacf Gelehrte beecbiftakt bleibea» eoadem erfar- 
dert eiae allgemeiaeie Yerbreitang, aaob genagt es gegeawftrtig 
nicht, sie einmal erlernt za luAea and die erforderlichen mathema- 
tiscIieB Keaatnisse sa besitzen , um das darüber Gesagte einiger- 
amfsen zo verstehen, sondera die Mehrzahl der Gebildeten im Staate 
"rnnfs sich die Fertigltcit zu erwerben suchen, die dahin einschlagen- 
den Aufgaben mit einiger Sicherheit selbst aufzulösen. Letzteres 
kann aber nur durch eigene Uebung erlangt werden, und es ist daher 
sehr nützlich, ein Werk zu besitzen, worin die hierin einschlagen- 
den Beispiele vollständig berechnet sind, theils um daraus zu lernen, 
wie solche Berechnungen überhaupt angestellt werden , theils um 
bei wirklich vorkommenden Aufgaben die gefundenen Reinltate mit 
den belBpieleweiee mitgetheilten zu vergleicbea. Uteaee iet der 
SM&i welcbea der Yerf. der wliegcndea Schrill la «itdcbea eidi 
m wtat a, and da er eich Tcr dem Pablicam bereita binldngUeb dür^ 
fiber legttlmirt bat , d«fr er dieser Anfgabe rftekaicb^eb eelaet 
Keaataine gewacbiea cej» co bedarf daa Wdift h» diMer HüliAcag 
Maer ansführliebea Beartheltaag, Tielmehr genfigt eine blofse An- 
seige des Inhalt«, nm daraus zu entnehmen, über welcbe Gegenstdate 
iicb die Untersuchnngea verbreiten. Im Allgemeinen verdient anfser- 
detti noch bemerkt za werden, daTs der Verf. jederzeit die einfachea 
■tatiRchen und mechanischen Gesetze , worunter die mitgetheilten Bei- 
spiele gehören, vorläufig kurz erläutert, und für den Calcül die 
geometrischen Hauptformeln, z. B. die Gleichungen für die zu he- 
nntsenden Curven, Flächen oder Körper ohne weiteren Beweis aa- 
giebt, was man allerdings als zweck niafsig anerkennen muls. 

In der Einleitung werden einige allgemeine Begriffe aus der 
' Mechanik erläutert, aad dcMalebat Beis|^el« 8b«r die Bestiaiianng 
dae apec. Gewiobtee ader, weaa dlesee befcaaat iel» der llaieea äitt 
•iaaader .Tcrbaadeaer Kdrper mitgetbeüt. Der ereta Biad eatbilt 
' daaa aar die erete Abihellnag des gaaiea Werkee, aiialich die aar 
auitbematiecben Tbaoria der' Statik gabdrigen Uebungea ia ifiaf Ab* 
■ehalMea, welche Toa der ZaMuanwaaetanag der KrAfte, itmb Hebel, 

> 



Digitized by Google 



Iti Atla« Le flag«« nfcm* vo» A. vw Büsch. 

dem Schwerpuncte , für dessen Bestiraranai^ sogleich die analytischen 
Formeln ausführlich mitgethcilt sind, Ton der geneigten Ebene für 
Hich und in Verbindung mit dem materiellen Hebel, endlich von der 
Statik biegaaincr Fäden handeln. Im letzten Abschnitte sind zugleich 
die Rolle, der Flaschensog und diejenigen Aufgaben berücfcaichtlgt , 
welche mr Rettealinie gehdrea. 



Bi9$ori9ük''09n9^lögi9€h- Oeogtophi$cher j4tla$ von L§ 
Sttg9 iGraf Las Caaes) u. s. w. Aug d«m E^anmötUth» 4ir 
neuesten Ausgabe m'f Deutsche übertragen von Al9fiand9r 90% 
Du99h, Carl9nthe b9i J, ygüeu, 182tf — ISSL 

Onreh das Etacheinen der Tafeln Xh und XU , irelche der 
tarhiachea und neogriechUchen Geographie und Geschichte gewidmet 
alad» ist das vorstehende Werk jetat Vollendet, and wir ItSnaea 
Fkenodea der Geschichte, die ihre Bibiiot|iek mit einem darch ins- 
aere Schönheit ausgeieichnetca Buche aleren wollen,, dasselbe em- 
pfehlen, indem es mit einer in Tentschlaad migewÖhnlichen, typo- 
graphischen Pracht und £kganz auBgcstnttet ist. Die Innere Ein- 
richtung, die bußi der weiten Verbreitung des Originals als hinlänglich 
bekannt vorausgesetzt werden darf, ist in der Ueberset/ung unverändert 
beibehalten worden. Wie in jenem, enthüll auch in dieser jede Tafel 
eine Karte des behandelten Landes , eine gedrängte Uebersicht der 
geograpliiäcben tiiid Htatistiscliea VcrbältniBsc dei^üclben , genealo- 
gische Tabellen über sein Ret'onüuiliaiis , einen kurzen Abrifs der 
Geschichte, endlich Zusammeiisti iaiiigen einzelner Merkwürdigkeiten 
und dergl. lief, bemerkt nur noch, dafs die teiitsehe Uebersctzung 
jui^hrere dem Plane des (äanzuu angemessene Zuhut;£e erhalten hat. 
Dahin geiiört auXser den oben erwähnten Tafeln XL und XLl i|och 
Tufel X!(XVI, wolehe eine genealogische 2iuampensteUiing der Völ- 
Wf^milien Europii'a .nach.Alalte Braa eotiiäit, Tafel XXXmDt. mit 
d«|r Oaiatellniig der «ordamerlViMiiscIieo FreiatiiBteff , Tafel XXX Vitt 
mit Mexico, deu T^reiiii^en Staate« v«« llittelaaiflrij^a aad WfÄr 
Indien, Tafpl XXXIX mit den aadM||er|U«««heii FkelytMiteii , und 
Brasilien, endüph Tafel XUI mit eln^ etHtintiaeben Uabti^chi dim 
.gimam Krdiureises. ' 



5> 



1.1 • 



^ .i^cd by Google 



fHit'Bre^<, die ciMurbchen IümIh. 



881 



Die canarinchcn Inseln nach ihrem gegenwärtigen Zustande, und 
mit besonderer Beziehung auf Topographie und Statistik , Gewerb' 
fleifs, Handel und Sitten dargestellt von Francis Coleman Mac- 
Gregor, Esguire, vormaligem Königlich Grofsbritannisehen Consul 
auf den genannten Inseln. Mit Karten, Kupfern und Tabellen. 
Bannover 1831. Im Ferlag der Ilahn'schen Hof buchhandlung. XVt 
u. 818 S. in gr. 8. (Mit dem HoUo tan Tfam Gm»* Ufr. X\, 37: 
„Vhütv di F^rtnnu era vddtU, Di mä fama a m« <«* 
ttutm ghmgni Beii tcn eile feeonde e 9ogke e liefe« Ala pur molü 
di pda9 ed twr e^aggiung«»**} 

Unetrcitig ist dies die umfassendste Srbrift und die vollstän- 
digste Schilderung, die wir von den Canariscben Inseln besitzen, 
jenen tod der Natur so begünstigten und darum Ton der YorwclC 
schon als die glückseligen Eilande gepriesenen und benannten 
Inseln, die aber nach der genauen Schilderung, die uns in diesem 
Werk gegeben ist, schwerlich jetzt einen Namen in Anspruch neh* 
mmtk kennea , den eie iodefe durch ihre Lage, durch Klima und w 
dme Milch« VeHlieil« OBd eorgfäitige Beirtwig 4ie«r LokalitAleii; 
aft.wie dmteh ein gmadätlm ne^erongsiyeteni mmä dto dvmm fcev* 
Totgdicade gröfhere iittdleeiii4dl6 mit motalkclM BiMnig ikrer^B^ 
w^^aMy die Jetst ie Bevlft tiad MUmdi wS» im ^gaoitM jeder At* 
■■fciMeihfeii» wohl dereieel ^rieier veidleiiai fcieaMu Ber Te>f. ymt 
•theik dofdi mehrjähiigen Aufenthalt auf dieee«: IhhIa», tlMile.#MMh 
eeine Stellung als JSngliacher Consul, thoila abet aich durch eelMt 
(Destecfae) Bildeng; wohl in den Staad gesetst, ^«■1'«« Erkundigung 
gen über Alles einzuziehen, und mit unbefangenem, freiem Blicke 
alle Erscheinungen zu prüfen und zu beurtheilen; <iirs beweist jerif» 
ßeite seiner Schrift, dies beweisen die besonnenen lirtbeile , die er 
übcraU einstreut, dies auch insbesondere die genauen Rtatintischen , 
cnmnierciellen Angaben , die er uns über diese in geographischer, 
wie in politischer und merkantilischer Hinsicht so merkwürdigen 
und so wichtigen Inseln. nHttheiU. »Der fremden Lander sind nicht 
viele, :veii weletett «It ehie BeMhfeihmg, besitzen , entworfen an 
OH'Ml Stelle tm elftem erMimMe, «iibflihiigeee», '«flMiehtig>eli 
Uaamth ,4» dareh etfae TeihfiUsiM^hechf graug gestolll ieft, eiMMl 
hetailwies Ki^lfl «o» ehe ii cb MO . iid der 'Snsleieh mit dttf vi H t* 
Michea KenvIniMe» migeruiM« aehcaiht.?-. ]liMWbr«to^die>B««^ 
■ehe* Heraiweebttt; .IlKa«.«9r* Ä^diaip» whHl . yidar'.gfm/ aater»' 
flehieiheB, der die Schrift gelesen und geprüft hat. 1. .. . . 

Nach einer kurzen historischen Einleitung über die Entdeckung 
und über die Schicksale der seit, den Ende des sechsaehnten Jahr- 
hunderts der Krone Spanien zugehörigen Inseln giebt der Verf. in 
den zwanzig Abschnitten, mich welchen das Ganze abgotheilt ist, 
zuerst die erforderlichen Notizen über die natürliche Beschaffenheit 
der Inseln; über Klima, Temperatur, vulkanische Ereignisse u.s. w., 



911 Mac -Gregor« die caBarUchon Iiifelii. 

geht dann auf die Prodacte, sowohl im Mineralioiell« alt in der 
PilaaiMi« aad Thierwell aber, nml koonnt daaa «af die Bewohner, 
deren Sitten «nd Oebräaehe, ^worfiber niw Tielee Intereeeante mitge- 
tbeilt wild oad aogleieli Tidie beachtnagewerthe etatietieehe Notiaea 
geUefert werdea. Her fonfte Abeehnitt» der aber die IntelleetaeUe 
BUdang der llinwoliaer, aleo aaeh äber llnterriebts - nad Blldaagi^ 
aaetalten und dergl. m. eich Terbreltet, kaaa freilich nur mu wvb% 
erfrenlichen Betrachtungen Yeranlas^ujig geben. Dagegen haben die 
folgenden Abschnitte für den Statistiker durch die geaaaea and voll- 
ständigen Angaben, welche über alles Einzelne gegebea werden, viel 
Interesse, nämlich die Abschnitte vom Landbau, von der Viehzucht 
und Fischerei, vom Gcwerbfleifs und der Industrie, so wie vom Han- 
del u. 8. w. , worauf der Verf. auf die einzelnen Behörden der Inseln 
ubergeht, sowohl im Fache der Administration und Polizei, als in 
der Justiz und im Finanzwesen, und hier sowohl« wie in den nkch- 
sten Abschnitten über das Kriegswesen und über den geistlichen Staat 
(Bischöfe, Domcapitel , Welt- und Kloster -Geistlichkeit) die ge- 
aaaeatan Angaben liefert, die aar ein Mann, In der Stellung wie der 
Torf., erluiltaa aad liefern l[onale. Naa folgt lat faalMiBtea Ab- 
icliaitt die statistleeh - topographiseiie Beaeiireibaag der laael Teao- 
liflk, daaa im eeelMaehateB die der laael Caaarte, aad io fort la 
iea felg#adea Aboehaitten die der laoola Palma, Gamm aad Uiena', 
aaiwie der Inseln Iiaaaaiota nad Paertoreiitatfa. IKae VebeMiebt dw 
efimmtlichen Literatur über die Canarisckea Ineela anoht dea Be^ 
lablnfs. Auch ist ein Wortregister über den Inhalt des Werkes bei- 
gefugt , und aufser awoi aetten Charten sind auf vier Kupfertafela 
(colorirte) Darstellungen der Bewohner der Inseln nach ihren ver- 
schiedenen Ständen geliefert. Wir wiederholen am Schlüsse unserer 
Anzeige gern unser günstiges oben ausgesprochenes Urthcil über den 
lohalt dieser Monographie , unstreitig der vollkommensten und durch 
den Heichthum der darin mitgetheilten Notizen wichtigsten, Schrift 
über diese Eilande. Das Werk lieget sich gut, die Sprache ist rein, 
dar Styl Siefbead ; für vorzüglichen Druck und Lettern , sowie roög- 
liehato Gdnrectheit hat die Terlagshdndlung rühmliche Sorge getragen. 
Naeb baamvltea wir, dafa der oben genaaata Heraaegaber dem PaMf^ 
IwB daa Werk aa dbeigiebi,' wie er ee alt Maaoaeript aoEr amtal»- 
aidU aad Hamaigabe vom Yeif. ethaiten Imttei blaa ia dam igf- 
graphischen UmB liat er afalga (daakeaiworiha) Kaadtae aaa Kf» 
T. Buch's phyeikaliaolMr BeaehrelbaBg dar Caaaiiieahen Ineefai ( Berlin 
4.), einem anerkannt gediegeaen Weika, welches dem Verf. 
naturlich nicht an Gesicht gekommea war, aoch wohl nieht au Ge- 
aiAbt baauM kannte, boigafiigt. 



^ .i^cd by Googl 



N^ 5d. UElDBLa JAHUfi. d. LITBRATUR. 1632, 



il<rwtet «Ol» JoA. Ziegi'^r. Er$Ur Bmd, i. Ck. Tk, Brtm 
im. — Auch «ntcr -tfeni kMondcran Titoli Fmn SiamU odmr 
8eira9itunf^en über die ertttn Zekn Büoktr tfct TO. LMut von 

IVlachiavelii gehört zu den wenigen politischen 
Schriftetellern , deren Schriften für alle gebildete Völker 
und fiir eio jedes Zeitalter anzieheod und belehrend sind« 

Das Terdanken M/s Werke zuvörderst dem Stile, 
in welchem de geschrieben sind. Machiavelli hat in 
duMr Beziehung grofse Aehniichkeit mit Montaigne. 
Sehl Stil ist ungekfinsteit , ich mdchte sagen, nair; 
fiberall tritt die Individualität des Sehr iftsteliers hervor; 
es i8t, als ob der Mann sich mündlich mit uns unter- 
hielte, als ob er die Worte, so wie sie ihm gekommen 
wären , niedergeschrieben hätte. Aber mau versuche 
sich nur in dieser Schreibart und man wird bald findeni 
da£i -man sich getäuscht hat, wenn man die Nachah* 
mang für leicht hielt. Bin solcher Vorjtrag setst einen 
sehr lachen nnd lebendigen Geist, setzt eine gewisse 
GemllthHchlteit oder Begeisterung voraus. 

Und dann, wie grofsartig ist der Inhalt der politi-» 
scheu Schriften dieses Mannes! — Der Inhalt dieser 
Schriften hat allerdings etwas Schauerliches! Denn die 
Politik ist diesem Schriftsteller nur die Lehre von den 
Mitteln, wie ein gewisser Zweck, den sich der Staats» 
mann setzt oder unter gegebenen Umständen zu setaBeH 
hnl, am Tollkommeosteo erreicht werden kdnne« Nidit 
genug, dafs, nach M/s Andcht, der Zweck die Mittd 
iHMiget, auch die Moralitflit oder ImmoralitSt, die Recht* 
mäfsigkeit oder Widerrechtlichkeit des Zwecks küm- 
mert diesen Schriftsteller selten oder nie. — Und den- 
noch tritt dem Leser uberall eine Gesinnung entgegen, 
welche ihm Achtung gebietet , wenn ihm auch die Hülle 
widerstrebt, toO' welcher ms umgeben ist, eine Gesin- 

ny. Jahtg. Hell. 58 



Doog, welche einen um so gewaltigem Eindruck machte 
je mehr sie gegen die Ansichten und Meinungen ab* 
sdcbt, zn welchea sie den Verf. verleitet Diese Gesior 
nug ist VafterkuKbtiebe, Liebeso dem schftiieD, zu dem 
gemiMisndeHeo Italien, Heft g^^gen die Fremdlinge, 
gegen die Völker jenseits der Alpen,- gegen die Bar- 
baren; tiefer Mifsmuth über dfe Ohnmacht und über 
die Quellen der Ohnmacht Italiens. Und diese Gesin- 
nung hat einen eigenthiimüchen , gleichsam einen antiken 
Charakter. Ueberall reiht M. die Gegenwart an die 
grofsen Erlnneraogen der Vorzeit. Ist er in seinem Ur- 
thelle bedogen, nan so hat er sich io di^ Tage^ anderer 
Jahre verirrt. Sdidst er Alles flr erlaubt au haltea, 
aaa so lebte er in Zeiten , weldie aufaerordeatliche Maß- 
regeln wohl rechtfertigen oder beschönigen konnten, 
unter Menschen, welche Alles für erlaubt hielten. Mit 
einem Worte, seine Schriften gleichen einem Gemälde, 
iveiches eine doppelte Beleuchtung hat. 

Ich habe in dem Obigen unmittelbar nur M.*s poli- 
tische Schriftea im Auge gehabt. Jedoch auch die Ge- 
sdiiehtawerke dieses Schriftstellers sind in eiaem thali^ 
V dten Geiste gehalten. 

Eine gute deatsche Uebersetzung der sämmtlichea 
Werke dieses grofsen Schriftstellers und Staatsmannes 
war bisher ein wahres Bedürfnifs unserer Literatur. Denn 
es eignen sich diese Werke auch zu einer Lektüre für 
das gröfsere Publikum. Gerade in Deutschland , gerade 
io unseren Tagen dürfte so Manches aa die Zeiten erin* 
netttt in welchen AI. schrieb und welche oelaeii Schriften 
eiae so elgeothtmlicbe Färbung gebea. Der ¥er£ der 
fiarliegenden Uebersetznng gedeakt diesem Bedfirfiiisse, 
wenn anders sein Unternehmen Beifall findet, abzu- 
helfen. 

Und, wenn sich anders Ree. ein Urtheil über den 
Erfolg, mit welchem der Verf in dem bis jetzt allein 
erschienenen ersten Baticle seine Arbeit begonnen hai| 
erlauben darf» so wird (die Fortsetaang aad VoMesNfaii^ 
der Uebersetaang nicht ausbleiben. 



^ .i^cd by Google 



Nicht darauf kommt es bei «iner Uebcnetsuf aor, 
dafe der Uebersetser die Worte and Wortf&gungen der 
Umbriit iMpehklliislle, (wie wir gleich wohl UebereelsviH 
§e« dieses Charakters c.B. Tom Tacltas haben, Ueber* 
setsoBgen , die deer sweilen bedttrfen , ) sondern daraof , 
daCs er den Schriftsteller so übersetze , wie dieser ge- 
sprochen haben würde, wenn er in der Sprache der 
Ueberselzung geschrieben hätte So und nur so giebt 
nao den Geist des übersetzten Schriiisteilers wiedes» 
Die Uebersetzung mufs sich wie ein Original lesen lassen» 
Wer .beider Sprachen ku«dig ist, rnnfo in der lieber- 
SiMiag die Umschrift, denselben Ton, dasselbe Leben, 
ipiederfindeli. Auf Ree wenigstens machte die TorHe^ 
geade Uebersetsnng diesen Bindruck. Ueberall hat er 
deu Flufs, die Natürlichkeit der Urschrift wieder ge- 
funden. 

Einige wenige Stellen hatte sich Ree. angezeichnet , 
an wefcben er ein^ Anstofs nahm. Z. B. Der Ueber- 
setser, obwohl sonst in dem Gebraadie fremder Wörter 
mit Mäfsigung verfahrend, gebraucht doch Überall das 
Wort: Republik. Waruiii nicht Freistaat? — Es hei Ost 
S. 389: „Diese Erscheinung kann nicht allein im Blute 
seinen Grund haben." L. ihren. — Doch er erwähnt 
diese Kleinlichkeiten nur deswegen, um die Aufmerk* 
samkeit bu beurkunden, mit weicher er die Uebersetzung 
Ufelesen hat 



^9 JkfArtiile def modernen Finanz-Operationen; mit 6f* 
sonderem Bewuß oa^ di« Ungariecben Privatanleihen mittelst Par- 
tialobligationen. — Eine aktenmüfsige IVarmmf^stafel. — Heirfei- 
6er|r* ^ ^' Oftmdd, 1S82. 216 S. und ^lll 8. Vorrede. 8. 

Unsere politischen Zeitungen, denen noch soviel 
und so Vieles fehlt, um die Vergleichung mit den Eng- 
ISBChen Blättern ^ushaltea zu können, sollten sich na- 
«a«itKoh beeUen, das groTse Fipbiikjun» mit sojchen liisr 
rwieehen Erschriim^^n bekannt au vBS^}m* fire|che 



636 



Uebor die moderaea FfmiistfpetBtiimeii. 



ein allgemeines and ein Zeitinteresse haben. Die vor» 
liegende Scfirift ist eine Erscheinung dieser Art. Mit 
Recht wird sie auf dem Titel eine Warnungstafel 

genannt. Es wäre zu wünschen , dafs die warnende 
Stimme, die sich in dieser Schrift vernehmen läfst, in 
allen Tageblättern wiederhallte , damit nicht Sorge und 
Noth über Unschuldige komme, ilem Gelingen fiolcher 
Finanzoperationen, wie die in der vorliegeuden Schrift 
beschriebenen und mit Urkunden belegten ^nd , ein Ziel 
gesetzt werde. 

Obwohl die Vorrede ^am Fnfse der Vogesen** un* 
l^rselchnet ist, so ist doch der Verf., (der sich ni<At 
genannt hat,) aller Wahrscheisilichkeit nach, nicht eiA 
Rheinländer, sondern ein Unterthan der Oesterreichi- 
schen Monarchie. Denn die Schrift handelt nur von 
Anleihen, welche von Ungarischen Grolsen gemacht wor- 
den sind. (Diese Anleihen sind: Die Fürstlich Grassal- 
kowich'sche Anleihe zu 2,000,000 fl. v. J. 18^5. — die 
^ Gräflich C A. Festitlo'schen Anleihen zu 2,000,000 fl. 
w, 1. Jul.l8S8. und zu 600,000 fl. v., dema Datum und so 
900,000 fl. V. 2. Jan. 182a — die Griflich A. J. Hadick^- 
sehe Anleihe zu 1,000,000 fl. v. 1. Febr. 1821. — die 
Gräflich A. J. Hatik v. Futak ^che Anleihe zu 500,000 fl. 
V. 1. April 1828. — die Gräflich Josepli Eslerhaz^sche 
Anleihe zn 200,000 fl.) Sie ist mit einer Keontnifs von 
den diese Anleihen betreffenden Umstanden und Verhand- 
lungen , mit einer Kenntnifs von dein Rechte and Processe 
des K. Ungarn ausgearbeitet, welche nur eiuem InlSnder 
zugetraut werden kann. 

Die OpefatfoD (ein ominöses Wort!) war in allen 
diesen Fällen die: Zuvörderst wurde eine Generalschuld- 
verschreibung; von dem Schuldner vollzogen ; sodann 
wurden, in Geniäfsheit dieser Schuldverschreibung, ge- 
druckte und treflflich verzierte Partialobligationen aus- 
gestellt. Man «suchte diesen Obligationen darch mehr 
als ein Kunst mittel, (um mich des mildesten Ausdruckes 
SU bedienen,) Credit su yerschafFen. Nun setste man 
sie In der Nihe und (durch Kwiscfaenleute) in der Feme 



Digitized by Google 



tlober die luaderneii FiiMUiBi»parati0aeii. M? 



io Umlauf; bald, wenn es gelange, zu einem sehr hohen 
Ciifse, bald auch.für eine Kleinigkeit, z. B. selbst gegen 
eise Valuta von lp.C« Das erate, vielleicht auch da« 
sweiie Jahr wurden die Zinseo richtig becahlt; dann 
aber biieb ctie ZiMsahieng ans. Und die Gläubiger 
konnten nun weder die Zilwen, noch, in den Terlrags- 
mäfsig fe^lgesefslen Terminen, das Kapital erhalten; 
selbst dann nicht, wenn sich der Schuldner den Oester- 
reichischen Gerichten unterworfen und diese rechtskräftig 
auf Zahlung erkannt hatten. Denn es fehlte in Ungarn 
an der Vollziehung der Urtheile ! (Der Totalbelauf sei- 
eher Anleihen Übersteigt, nur diejenigen gerechnet, 
Ton welchen der Verf Aktenstücke in Händen hat, die 
Snmoie too neun Miltionen Gulden in Silber! & 108.). 

Wegen der Ebielheiten mftssen wir auf die Schrift 
selbst verweisen. Besonders machen wir auf die Sm-^ 
gtilaria juris Hungarici aufmerksam, deren die Schrift 
hin und wieder (S. 140 ff. und anderwärts) gedenkt. So 
hat man z. B. in Ungarn die Erfindung gemacht, dafs 
sich ein Verschuldeter „freiwilligen Sequestern'* unter- 
wfrft^ unter deren Schutze er sich sehr wohl zu befinden 
scheint. Denn er bezieht sogar aus der Masse eine 
Sonme Ar „Voluptuarien.** 

Nur noch einige Curlosa ! — „Wenn es- in Wien 
heifst: „Die Ungarischen Papiere sind gestle- 
gen!" so ist das ein sicheres Vorzeichen, dafs bald ir- 
gendwo ßanqueroute ausbrechen werden, und Jemand 
seine nicht nachweisbaren Verluste mit diesen scheinba- 
ren Werthen zu decken ffkw gut findet; indem er nämlich 
vorgiebt, dieselben früher sehr theuer bezahlt zu haben. 
(S. 110.) — Auch zum unwiderbringlichen Ruine des 
schwächeren Geschlechts werden diese Papiere mit nur 
zu Tielem Erfolge gebraucht. Werden doch sogar vor- 
sichtige Geschäftsmänner mit ihnen getäuscht. „Warum 
liefse sich also nicht mit einem für ^rut ausgegebenen 
Werthe von 15,000 fl. Capital und mit einem Zinsen - 
Ertrage von 900 fl. jährlich, laut Inhalt der schön aus- 
alaffirten Coupons^ Bogen bis anno domini IbdO, ein 



Digitizüu 



4 



888 Bülao« finejrkio^adl« der SCaaUiwitMiwdiafleii. 

«nscliuldiges (??) Geschöpf betrögen, das von der 
enormen Svmme geblendet wird und nicht ahndet, dafs 
dieses ganze PapiercapUal nur 30 & gekostet habe?'* 
(GL 151. — *Ole adte ob ImeBiomm vUra dmnäktm 
nvMrde gleichwohl in dieBem Falle achwerlich atatAaft 
aeyn.) 

Doch die Sache ist mehr als ernst ! Id altma pe- 
netrare vmim est ! Es ist von einem üebe! die Rede, 
welches an dem Lebeuskeime der Monarchie nagt! Mao 
wird an die Folgen erinnert, welche in Frankreich daa 
Law'ache jSüyateoi hatte. 

Der Verf. Teraichert in der Vorrede, daft aeil 
Beendigung seiner Schrift (gegen Ende de8 J« IMI«) 

Ereignisse eingetreten sind, welche 8tof! zu <^inll^ Mllf 
starken Erweiterung der Schrift geliefert haben 
würden. > 



Encyklopddie der Staatawissenschaften. Fon Friedr. Bü- 
laut Docenten der Staats- und Rcchtswisaensehaßen an der Univ. 
Leipsig. — Leipz. b. G. J. GdscAen. 1832. 287 S. 8. 

Mit Vergnfigen untereiehl sich Rft dem Geaehifle, 
den Verf. der obigen Schrift, einen angehenden Schrifl- 
ateller, ins Pnblikam einzuflihren. Die Schrifll; ist tnil 

MSfsigung , mit Verstand und mit Sachkenntaifs aus- 
gearbeitet. Sie wird, <Ia sie eine gemeinfafsliche Ueber- 
sicht der verschiedenen Fächer der Staatswissenschaft 
enthält, gewifs Vielen willkommen se^n. Freilich wird 
sie auch dem Tadel nicht entgehn. Dtich ihre schwa« 
eben Seiten werden Niemanden beaSer, ala dem Verf. 
aelbst, bekannt aeyn. Uiti zum fiKele su gelangen, «ibft 
man mit M nth begbnea Nichts iai leichler und niehls 
lat 80 schwer, als Ober den Staat zu schreiben. Aber, 
wer sich von einem Unternehmen durch dessen Schwie- 
rigkeiten abschrecken läfst, wird nimmermehr diese 
Schwierigkeiten besiegen. 

Die Schrift serfidll in swet Theiie^ Der ^roi€ 



^ .i^cd by Google 



t 



IiMteftbuig;, üb. d. mliüiclieii Yecli&UiiiMe der huBMiUta. 

Theil haadelt von den Wissenschaften des innern 
Stsialslebens. Zu diesen rechnet der Verf. l) dai 
pbik>sophi§cb6 Staaterecht; 2) die Politik; 3) die G»- 
ichichte der eurtpilseliea Staatafonnea; 4) die Dmtal» 
lung fler Vetfas»uüg und Verwaltoog^ der ettrepSiacheo * 
Steaten; 5) die Statistik. (Hatte der Verf. wohl hin- 
reichende Grinde , die vierte Abtheilnng yod der fünften 
zu trennen?) — Der zweite Theil enthält die Wis- 
senschaften des äufseren Staatslebens, d.i. 
1) das philosophische Staatenrecht; 2) die Staatenpo-^ 
litik ; 3) die Geschichte des europäischen Staatensj'ste- 
mes ; 4) das praktische europäische Völkerrecht; 5) das 
positive Staatenrecht. (Ist nicht j enes ein Theil von 
.diMrät) 

fiemVerf gebührt noch insbesondere das Lob, daft 
er überall auf die Geschichte, (auch auf die Geschichte 
der Wissenschaft,) und auf das in der Erfahrung Beste- 
.iMnde Rücksicht genonunen hat. Vielleicht hätte jedoch 
- das Gebäude, das er anf^^efiUirt hat^ an systematischer 
VoHhommenheit g^ewonnen, wenn er die drei Fragen 
sehnrf von einander gesondert hättet Was soll seynt 
was Ist? wie ist das geworden, was istf Jedoicii 
sind die letzteren beideja Fragen einander vielleicht näher 
verwandt , als man auf den ersten Bück anzunehmen ge^ 
neigt seyn möchte. 



9ie rechtlichen yerhältniese der Israeliten in Baden. 
Eine /Abhandlung aus dem Gebiete des Badischen öffentlichen Hechts 
von Leopold Ladenburgf Dr* jw, Mannheim b. Schwan und 

♦ 

Unter allen deutschen Staaten diesseits des Rheines 

ist Baden wohl derjenige, dessen Gesetzgebung die Is- 
raeliten den Christen in rechtlicher Hinsicht am nächsten 
gestellt hat. Der Verf., vormals unser akademischer Mit- 
bürger, zählt in der vorliegenden gründlich ausgearbei- 
teten Schrift die Fälle auf, in welchen die Israeliten, 



^ .i^cd by Google 



9 

Ladeoburg, ob. d. rediilicheo VerbältaiMc der IsraeliieD. 

es als Staats- oder als Ortsbürger , den Christen 

noch nicht io Baden gleichgestellt sind. Er verweilt, 

wie billig, am längsten bei denjeDigen Pfillen, über 
welche Zweifel erhobeo werden können. 

Der gäiizlichen rechtlichen Gleichstellung der Is- 
raeliten und Christen werden gewöhnlich zwei Gründe 
entgegengesetzt, (lauter der eine, heimlicher der an- 
dere;) erstens, dafs die Israeliten nach einem eigenen 
Nationalrechte leben, das sie von den Christen trennt; 
Bweitens^ dafe die grofee Mehrzahl der Israeliten Ge- 
werbe treibt, welche es nothwendig machen, die Gef 
samaitheit einer besondern Gesetzgebung zu unterwerfen. 

Es ist hier der Ort nicht, den einen oder den an- 
dern Grund einer Prüfung zo unterwerfen. So viel be- 
reits flber den ersteren Grund geschrieben worden ial^ 
so wenig ist noch der letztere gründlich erörtert worden. 

Der Verf. wurde sich in mdir als einer Hinsicht 
ein nicht geringes Verdienst erwerben, wenn er über 
die ökonomische Stellung der Israeliten zu den Christen 
in dem und dem Staate oder in mehreren Staaten , ttber 
den Einflufs, den die Israeliten auf Handel und Ge- 
werbe überhaupt und mithin auf den Nationalwohlstand 
in diesen Staaten haben , Thatsachen sammelte und dann 
diese Thatsachen, nach den Regeln der Statistik, zu 
einem Ganzen vereiniget , durch den Druck bekannt 
machte. Rfln. hat es immer geschienen, dafs die Re- 
unltate einer solchen Arbeit , gegen die gemeine M ei- • 
ottDff} W^^ Eum Vortheile dieses auch in ökono* 
miacher Hinsicht so interessanten Volkes ausfallen wfirden. 



^ .i^cd by Google 



iUii't UaiHllHich der Kinderkmklieitcn. 



Ml 



Unndbueh der Kinderkrank hett en von Ifilhelm Hau, Doctor 
derMedicin^ Chirurgie und Geburishülfe , Privatdocenteu und prak- 
tischem Arzte zu dessen. Frankfurt a. Af. bei Franz Farrentra^» 
18^2. XI! und 380 ^. 8. 

Nach dem Hm. Verf. ist keine der sahlreicbeB 
Schriften Über Kinderkrankheiten als Grnndlage su aka- 
demischen Vorlesungen vollkommen geeignet. Die mei- 
sten derselben hält er für zu ausführlich, offenbar mehr 
für ältere Praktiker , als für Anfanger entworfen und 
häufig zu viel voraussetzend, um von letzteren mit ge^ 
bMgem NMtzen gebraucht werden zu können. Es schien 
ihiB, wenu auch die Literator der Kinderkrankheiten 
vielleicht allsnrelchlich versorgt ist, doch ein Anfänger 
v^magaweise' berücksichtigendes Handbuch wesentliches 
Bed&rfoilk an seyn. INeseni hat er dnrch vorliegende 
Schrift abzuhelfen versucht, deren Erscheinen er durch 
die angedeutete Tendenz hinlänglich motivirt zu haben 
glaubt 

Aufser der Einleitung, io welcher die Eigenthüm« 
lichkeit des kindlichen Organismus auseinandergesetzt, 
aligemeine Regeln fllr die Erk^ntnifii, Beartheiinng und 
Beiiandinng der Kinderkranklieiten angegeben, die Ur* 
wolle der grofiMn Steriilichkeit im Kindeaaiter unter» 
sacht und endlich die wichtigeren allgemeinen 8cbrifiteu 
Über Kinderkrankheiten mitgetheilt werden, zerfallt das 
Buch in vier Abschnitte, von denen der erste die diäte- 
tische Behandlung und physische Erziehung der Kinder 
ausmaodersetzt , die drei fibrigen aber die Krankheiten 
derselben nach drei Perioden behandeln. 

Da es nicht unsere Absicht seyn kann, von diesem 
Werk, in sirfern man in ihm als Handbuch weniger eigene 
Ansichten des Verfii., sondern mehr eine Schilderung der 
Kinderkrankheiten nach dem gegenwärtigen Zustand der 
Wissenschaft suchen darf, eine ausführliche ins Einzelne 
gehende Darstellung des Inhalts zu geben , so wollen 
wir uns nur erlauben, über einige Punkte des mehr all* 
^niMnen Theiis einige Bemerkungen zu machen. 

Vorerst kann Ref. nicht ganz billigen, dafs der Verf. 



6<t2 Rau's Uandliaob <l«r KinderkrttukkeUeA. 



die Krankheiten des Fötus nicht aufgenommen hat. Al- 
lerdings gehören dieselben im strengen Sinne nicht in 
den Kreis der Kinderkrankheiten und kommen auch ia 
praktischer HIosieht eher bei Behandlung von Frauen* 
suMeijcraakheiteB iiiid ia der GebsrtohHife in Betracht; 
es bietet aber dagegen die Untersnchung der Krankheiten 
wfilirend des Fötus - Lebens so manchen Anftohlnfe über 
die Organisation des Kindes und die diesem Alter eigen- 
thümlichen Krankheiten, dafs man sie nicht ausschliefsen, 
sondern den Kinderkrankheiten vorausschicken sollte, 
und dies um so mehr, als <lieser Gegenstand 2u Seioer 
ToUkommneren Ansbi 1 d ung eine manchfacbe Untersüchiiiig 
und Betrachtnn^ erfordert und verdient 

Wenn der Verf. als Unterschied desOrgaDisom desKii»» 
des wen dem des Erwachsenen eine geringere oxteneive Aim- 
bildungund geringere intensive Entwicklung aligibt, so ist 
dagegen zu erinnern, dafs sich derselbe nicht liei allen 
Sj'stemen und Organen nachweisen läfst, ja bei einigen 
eher das Gegentheil statt hat; so finden wir unter an- 
deren Kopf und Unterleib im kindlichen Alter im Ver^ 
Mltnifs mehr extensiv ausgebildet, Ganglien - undLymph- 
«ystem wohl auch mehr intaosi? entwickelt, ala heilt 
Erwncheeneo; auch widerspricht sich der Ver£, indeoi 
er später sagt , das Geftfesystem sey extensiv^ bedentead 
entwickelt, und wenn er an demselben Ort bemerkt, dafs 
die Blutgefafse weiter seyen, so darf dies nur auf die 
Capillargefafse bezogen werden, da ja das Lumen der 
gröfseren Gefafse bei älteren Leuten im Verhältnifs häufig 
.viel bedeutender ist, als in früheren Lebensperiodea^ 
woraus auch mm Theii die oft nachtheilige Wirkung 
der Aderlässe im höheren Alter su erklären s^n mdchlSL 

Die Angabe, dafe bei Neugebornen kdnn hestinsrnte 
Chränze zwischen Mark- nnd Rindensubslane nachgewie«' 
sen werden könne, ist wohl nur auf den Fötus zu bezie- 
hen, da eine solche Unterscheidung nach der Geburt 
allerdings möglich ist 

Bei der Schilderung des Kreislaufs im Fötns ist 
ttvr gegien das Bode die neuere Ansicht etwas beachtet, 



L>iyui^uo L^y Google 



Ibuili Huiback (kr iuiiderkriuikliciieji. 



der Hnuptsache nach wurde aber die ältere Darstellung»^ 
Ireise beibehalten. Da über diesen Gegenstaad Doch 
veraduedene Ansichten uoter daa Aecsteo harradMA« m 
w$Xktm wir hier in Kfirse eine naturgetreue Daiflellauif 
dm» m fpebcn suchen. ~ Es konivt des Blut durcb 
die Nabelveneo aur Leber j der grftrsCe Theil sirfimt 
durch dieselbe und wird yerinittelst der Leberyenen in 
die untere Hohlader gebracht, der kleinere Theil geht 
geradezu au8 der Nabelvene durch den venösen Gang in 
die untere Hohlader , aus dieser tritt das Blut zu gleicher 
flb^ io beide Veneusäcke (weil sich die vena 04tV4t 
jferiöt im Fötus nicht blos in das rechte, sonder« auch 
in das linlce Atrium eioseolLt), von hier gelang! es in 
beide Ventrikeln, aus dem rechten durch die Lungen- 
adblagader und den arteriteen Gang grölsteothails in die 
■fcutt igqude Aorta- zum Thor«K, Unterleib und au deu 
unteren Gliedmafsen, ein kleiner Theil durch die Lun* 
geoäste der arteria pulmonalis zu den Lungen , aus 
dem linken Ventrikel durch aorta ascendem zu Kopf 
md oberen Gliedmafsen. Da die obere Hohlader sich 
nur in den rechten Vorhof einsenkt, so mufs der rechte 
9ßiieil des. Hercens ein mehr vealises Blut als der linkf 
InbuB^ md daher uach der unteres K^rperh&lfte weui* 
ger arterielles Blut zugefUirt werdet ; als der eberen, 
w^ auch damit in Einklang steht ^ daA die mieriae 
umbiUcales das Blut zur Placenta fuhren, wo es der 
Einwirkung des mutterlichen Blutes ausgesetzt wird, 
wie beim Erwachsenen das durch die arteria pulmo- 
naih au den LuUgea geführte venöse Blut der Luft. — 
Hieraus geht nun auäi hervor, in wie weit unser Verl 
Bieoht hut, w^ or ai^, das Fötnsblut eeigo durch* 
fingig eine schwane Beschaffenheit i ohne ätA ein 
Ditou ehied zwischen arteriellem uttd ▼enösem Bhte 
httmerkbar wäre. Allerdings ist ein solcher Unterschied, 
sowie überhaupt die Gegensätze im Fötus weniger schroff 
auftreten, nicht so auffallend als spater, aber doch zu 
erkennen. 

Ml uiin noch ein allgemeines lJr4heil über cUo 



i^iy u^uo i^y Google 



844 Drobisch, aber Gymnasial - liaierridil. 



Scihrift abgegeben werden , so kann man wohl mit 
'Recht sagen, dafs Hr. Aau das sich vorgesteckte Ziel 
ziemlich vollständig erreichte, indem er ii|it der nöthi- 
gen Kftrse dar INirsteliuag Deutlichkeit zu verbiiul^ 
wufiste^ uad aooh der Literatur eine dem Zwecke, eat* 
§pred|ende Vollstindigkeit gegeben hat 

J. W. Arnold, 



PMMogU und Mathematik als Gegenstände des Gymnasialunterrichts 
betrachtet, mit besonderer Beziehung auf Sachfsens Gelehrtenschtäen, 
yon M. JV. Probisch, Prof. der Math, an der Vniveriität s« 
Leipzig. Leipzig IWdZ. Vli u. 103 Ä\ gr. 8. 

In dieser kleinen Schrift wird ein hochwichtiger 

Gegenstaad behandelt, und zwar in einem solchen Um«* 
fange, mit einer so vorzuglichen Gründlichkeit und in 
einer so reinen, klaren und gediegenen Sprache, dafs 
Ref. sich gedrungen fühlt, dem Verf. deswegen seinen 
ungetheilten Beifoll öfientiich auszudrücken, und die 
Schrift allen denen angelegentlichst zu empfehlen, die 
Bich för die Bildung der Jugend auf gelehrten Schulen 
intereadren. Wer nur irgend mit dem Gegenstände flbee^ 
haupt Tertraui und nicht allsua^r durch Vorurtbeile ge- 
blendet ist, mufs nothwendig zu der Ueberzeugung ge» 
langen , dafs hier die reine , lautere Wahrheit gesagt 
wird, zu derea Begründung die Thatsachen aus der 
Wirklichkeit mit unpartheiischer Beurtheilung des ge- 
genwärtigen Standes der wissenschaftlichen Bildung und 
ihres Einflusses auf die verschiedenen Bedürfnisse der 
menschlichen Gesellschaft entnommen sind. . Der Veif. 
sagt selbst in der Vorrede, dafs er „eine unnmwunda» ' 
nere Sprache geführt hal^e , als es seiner fiiedliebenden 
Gesinnung sonst natürlich sey allein dennoch ist die 
Schrift nirgend eigentlich polemisch , niemand wird we- 
gen seiner Meinung persönlich angegriffen , aber die 
Wahrheit offen darzulegen, die herrschenden Gebrechen 
in ihrer eigentlichen Gestalt unbemäntelt hinunsteUeo» 



L>iyui^uo L^y Google 



Drobiacb, «be« fiynMNMUl - Utttorrkhl. 



und UBÜugbare Thatoachen nicht m veraehweigen , selbst 
weao* es Mancham iinaDgeoehfn neyn aollle, sich durch 
die* Angaben getroflen zu flihleo, dieses erforderte die 
hohe Wichtigkeil des Gegenstandes. Mit Recht helft! 
es nflmKch S.V. der Vorrede : „durch VerbreitaDg nfite- 
Jicher Kenntnisse und richtiger Begriffe , durch sittlich 
religiöse Erziehung der Jugend , wird der Wohlstand , 
das GJöck and die Ruhe der kommenden Geschlechter 
am sichersten verbürgt, und diejenige \Iachi, welche 
der Staat in der geistigen Ueberlegenheit seiner Diener 
bsMMv ist in einem Lande und einer Zeit der Aufklirang 
ilirker als jede physische Gewalt.** Dafs dieser grofse 
Zweck' durch die sum Unterricht und nur Bildung be-* 
stimmten öffentlichen Anstalten hauptsächlich erreicht 
werde, und dafs letztere daher eine vorzügliche Auf- 
merksamkeit der Staatsbehörden erfordern , die nicht 
wohl im Stande sind , auf die zugleich hochwichtige 
häusliche Erziehung direct einzuwirken, unterliegt kei« 
nem SiweifBl , aber die Hauptfrage, wie jene Anstalteu 
nm'uWeckmftftigsten eihzuricfaten sejen, ist noch keines- 
wegs als genQgend beantwortet zu betrachten, 'so Tisl 
noch fn den neuesten Zeiten hierflber geschrieben und 
öffentlich verhandelt wurde. In der vorliegenden Schrift 
nun sucht der Verf. darzuthun, dafs Philologie und Ma- 
thematik die zwei Hauptwissenschaften sind , welche , 
beide, mit gleichen Rechten nebeneinanderstehend, den 
Geg e ns t and des Unterrichts auf Schulen ausmachen müs- 
sen, wobei sich von seihst Tcrsteht, daft sunächst nur 
die'tentschen sogenannten gelehrten Gymnasien beriek» 
siclitigt werden. ' 

Betrachten wir die Aufgabe zuvörderst Hn Allge- 
meinen, so mufs wohl berücksichtigt werden, dafs das 
westliche Europa und namentlicli Teutschland seine, die 
Stärke und den Wohlstand der Völker begründende, Cultur 
von den Griechen und Römern erhalten hat. Eine na- 
tiritche Folge hiervon war, dafs die Reste der Lite- 
ratur jener Völker heim Unterrichte «um Grunde gelegt 
wurden. Nachdem aber die sjAtoren GeiienitloBen In 



SM 



allen Gegenständen dfls positir«! Wissens jene Völker 
weit ftberflägelt hatten, war es sehr natOrhoh, dieFrag» 
aafevwerfeo, ob das ausschliefslicbe Feslliaiisti an den 
Geistespredacten untergegangener Nationen a«ch daM 

noch seinen früh eren Werth behalte, «nd nicht vielmehr, 
* namentlich durch unnöthigen Zeitaufwand, die freie gei- 
stige Entwickelung hindere. Der grofse objective Nutzen 
der sogenannten Healkenntni^se mufste dazu geneigt ma- 
chen, diese Frage zu bejahen, und den Wunsch herbat 
fuhren , dafs sick der 8ehuhinterricht besser auf diese 
allein beschrftaken mdge^ um ohne einen grofeeo fUi^ 
▼erliisl in ihoen desto gröTsere FortscbriOe zn machen; 
manche sehlugen daher yor, das Studium der alten 
Sprachen ganz aufzuheben oder möglichst zu beschrän- 
ken, und den ihnen bisher gewidmeten Aufwand von 
Mühe dem Erlernen der so nothwendig gewordenen 
neuereu Sprachen und den reellen Wissenschaften zu'» 
kommen zu lassen. Gegen die sehr gewichtigen Gründe^ 
welche hierfür uniftogbar vorbamlen sind, mafeleo die 
Stimmen deijeoigen verhallsn , die aus Vorliebo Hbr Ibra 
fitodlan und die veraltete Gewohnheit alle gdatige SnUr* 
dung von grammatischen und kritischen Spitzfindigkeiten 
ableiten oder das in zahllosen Dissertationen abgedro- 
schene Thema vom Nutzen der Philologie stets auf's Neue 
wieder auftischten ; die Besonnenem und Erfahreoern 
Migten jedoch die Gefahr, die es mit sich fuhren könne, 
wenn man etae seit so langer Zeit vortheilhaft befmdeiis 
Methode plötaKch abschafiea wolle, insbesondere ahiBt 
^wiesen sie den snbjectiyett Nntaen des pbilohigiselwd 
Unterrichts nach, und zeigten unwiderleglich, dafs der 
Ernst der alten Literatur und die Grofsartigkeit des Cha- 
rakters jener untergegangenen Nationen durch die mit 
den neueren Sprachen zugleich aufgefafsten Eigenthum- 
lichkeiten der neueren Völker und ihrer Sitten bei den 
jugendlichen Gemiithern nicht mit gutem Grfdg erselil 
worden^nnteo, abgerechnet, dafiii die exacten Wisse»« 
ssliaflen , namenüieh Mathematik und Physik, im ernsten 
Gewände «ine zu gro>foe Anstrengung erfordern , die 



iiatur|f«6G|ii€litlichea KenDtnisse aber leicht in unnfitsce 
Spielereien ausarten, sobald man es versaebt, sie den 
Filiigkeileii des kindlichen Alters annpassen. liiemt 
keaiint dann noch der i^widitige Grund, dafe man in 
alle» Dingen, insbesondere aber bei der En(wickehi»|^ 
der Geistesfahigkeiten , zwar erosthafi verfahren , zu- ' 
gleich aber mit dem Leichteren anfangen und allmahlig 
zudem Schwereren übergehen müsse, wozu wohl keine 
Sache besser als ein richtig geleiteter Unterricht in einer 
grammatisch unabänderlich feststehenden Spracke geeig- 
iMkikL ReLnimml keinen Anstand, auAierdem noch fol« 
gendes Argmi^i geltend sn machen, dafs die Sohfilep 
manche cur Natur und den Sitten der Mensehen gehStiger 
Gefeastande, die man dem jagendlieiien Aller mit 
lern Rechte verhehlt, obgleich es später doch einmal 
damit bekannt werden mufs, am besten in dem ernsten 
Gelände und selbst der Nacktheit; womit die alten 
SchriftsielUr sie darstellen, kennen lernen, als in den 
galäid^feren Sprachen der Neueren« 

Es läfst sich schon In Voraus erwarten , dafs die Wahr»» 
hcH eiriBcfaen jenen lielden,' minder sehroff entgegen- 
8ldieD4toB, Meinungen in der Mitte liegen mtae, und 
dafs weder die eine noch audl die andere der beiden ge- 
nannten wissenschaftlirlien Disciplinen beim Jugendunter- 
richte gänzlich fehlen dürfe, wofür ein gewichtiger Be- 
weis schon aus der bekannten Erfahrung zu entnehmen ist, 
dafs so manche unter den älteren und neueren Gelehrten^ 
die in irgend ^ner der exacten Wissenschaften als tiiterne 
enst^rGk'dfee glinsien , in den ^|»racfaen der Aken migleiob' 
■rfir «roht bewandert waren. Eben dieses ist dann aach 
die Andtel it des Ver^^ ireleim keineswege den pMfoleN 
gischen Theil des Schulunterrichts verdrängen oder auch 
nur ungebührlich schmälern will, dagegen aber verlangt, 
dafs neben dieser Disciplin die mathematische nicht blos 
bestehe oder etwa nothdürftige Duldung erhalte, sondern^ 
ri to fc s ie htlich ihrer Wichtigkeit zu gleichem Range mit 
jener erhoben werde. Ref. hat bei einer andern Gelegen« 
heit bereits seinchiermit übereinstimmende Meinung ans« 



. by Google 



MS OMbitch, ttb«r 6>mliaii|il-Uiil«rri«ht. 

gesprochen, und damals aus Grüadea sich hauptoächlicli 
für die Beibebaltung des Studiums der alten Sprachen 
erklärt, weswegen es bei der jetzt dargebotenen Veranlag« 
sung am sweckmftftigsten seyn wird , den wesenliichatan 
Inhalt der Yorliegenden Schrift mitzntheilen, keineswegs 
in der Absicht, um das Lesen derselben überflissig zn 
• machen, sotidern vielmehr, um alle diejenigen hierzu auf- 
zufordern, denen der hochwichtige Gegenstand, nämlich 
die Verbesserung des Jugendunternchts, am Herzen liegt 
Im ersten Abschnitte wird gezeigt, dafs man den 
ganzen Umfang der Wissenschaften inzweiHauptgruppeB| 
die philologisch- historische und die mathematisch -phy» 
■Ikalische theilen könne. Wir wollen nicht nntersuchen, 
ob eine solche Eintheiluag allgemein zulfissig sey, aber 
gewifs ist wohl, dafs sie sich in Beziehung auf den Gjmna- 
sialunterricht rechtfertigen lasse. Wenn aber die Philolo« 
gen sich einer vollständigen Keiintuifs der alten Literatur 
rühmen wollen, so sollte ihnen billig die Mathematik, 
SO weit die Alten in dieser Wissenschaft fortgeschritten 
waren, nicht fremd seyn, wie namentlich Ruhnken an 
mehreren Stellen-unbedingt fordert;. allein dennoch Yer« 
danken wir die Herausgabe der alten Mathematiker nicht 
sowohl der Geometrie kundig en Philologen , als Tlelmehr 
hauptsächlich den des Griechischen kundigen Mathema> 
tikern, was offenbar eine Geringschätzung dieses wissen- 
schaftlichen Zweiges von Seiten der ersteren andeutet. 
Leicht ist es dann, zu zeigen, in wiefern das Studium 
der griechischen und rd.mischen Classiker anch in sofern 
efaien Werth habe, als sie sich so ziemlich über alleGe- 
gonstinde des Wissens Tcrbreiten, dafy aber der von Ihnen 
»t erwartende Nutzen dennoch allezeit ein formeller 
bleibe, well In den neueren Smleu die exaden Wissen- 
Schäften unglaublich fortgeschritten sind, und man den 
Inhalt der literarischen Schätze des Alterthums schon so 
anhaltend und sorgfaltig benutzt hat, dafs sie gegen- 
yärtig kaum noch eine spärliche Nachlese versprechoB. 

iDcr Deachlufi folgt.) 



L.iyui^uo L^y Google 



In jtelligenz- Blatt. 

N. 5^ / 1832. 

- . - • . • ■ • » 

CHRQI^lK Boi VNIFERSJTJT mWELBERG. 



Geheimerath Tiedemann wurde zum Mitgliede der lio« 
niglichen Societät in London, der Akademie der Wissenschaften 
in Neapel , und zum Ehrenmitglied der medicinischen Fakultät 
* der Dfurersität Fe^Xk ernannt. 



^Einladung, 

Der am ifS.Oct. 1 583. gestorbene Kurl'iii st f. u d w i g V. (VL) 
TOn der Pfalz verf'afste in Heimen, mit viel Prosa untermischt^ 
eine Genealogie seiner Familie, welche der einst Zweibrück^- 
sehe Gesandschafts -Secretär zu München, Chr. Fr. Jona- 
than Fischer, als Proiessor der Rechte, zu Halle , unter 
dem Titel herausgab : 

, Nevissima fijoriptorum ac mpnumeDtdrnm rerum Ger- 
matticarum tarn ioeditoram qaam rarisst^oniin col- 
leotia kalae lt81— 8S. 4 2 Vol. 

"Da dieselbe sehr schätzbare Beitrage zur Geschichte und Ge- 
nealogie der k. Familie von Pfalz-ßaiern enthält, und in 
der Urschrift weder auf den k. Baicrischen Archiven, noch auf 
den k. Baierlschen Bibliotheken sich belindct; da die Prüfung 
der Aechtheit des gedruckten Exemplars, wie auch der schon 
bekannten Abschriften, nur aus der Urschrift, oder einer ganz 
authentischen Abschrift zu machen ist; so yersprechen wir, 
nach dem WoDiche einae groTten'G&iner* der yäterlindi^chen 
G ea o h ic lite uad «naeres Vereins, eine Belolmang vom looDo^ 
Itaten in jQold föv die Abtretana. der Urschrift, wann da aoclt 
Tcor dem - 3i; Dec i632. zur diplomatiiohen Prüfung .«naerea 
Viav^ines unfranbirt hiehergesendet, und als solche ecbanf^l 
iüejn wird«' Für den Fall, dafs die Urschrift niolrt. mehr «su 
atirt, oder nicht mehr entdeckt werden kann, yersprechen wir 
jpur die Üebergabe der besten Abschrift, welche authentische' 
Kanngaichen- hat, 2d Dukaten in Cvold, aaGierdem aach portö« 



freie Zdriidkseiidang derselben , w^ii sölctie ferTangl werden 
aoUte. 

"Wir laden <laher alle Besitzer solcher handschriftlichen 
Exemplare, alle Geschieht - Forscher und andere Gelehrte ein, 
welche das Original oder eine Abschrift aus dem XVI. oder 
XVII. Jahrhunderte von dieser gereimten Genealogie, gewohn- 
lich Reim-Chronih Kurf. Ludwig V. (VI.) genannt, kennen, 
sie möchten uns durch die frcimüthigste Mittheilung in den 
Stand setzen , erstere oder letztere zu erwerben , oder wenfg^ 
stens die Namen der Besitzer einer jeden gefälligst anzeigen. 

Der historische Verein zu Bamberg, 



LITERARI8CBE AffZBIGXtf. 

So eben ist erschienen : 

Handbuch der Pliarniacie 

zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Seibstunterricllte 
iiir Aerzte, Apotheker und Dioguisten. 

Vdn 

Philipp Lorenz öetger, 

Doetor der Philosophie und Medicin, Profettor der Phartnaeie aie. 

Erster Band, weJciier die praktische Phariuacie. und 
deren Hülfswiseenschaften enthält 

Vierte, vermehrt e und e r b es s ert e Auflage, 
Mit einer KdpfertafeL 

Mil Grt^tbeiiBo||lich Badischen und Königlich WiirtemY)crgiK:^«l PfitHieita 
gegen Nachdruck und Nachdrock- Verkauf. 

gr. a 1882. Rthb. 4. 8 gr. oder H. 1. Ifi kr. Bheiift. 



- Dl« PttUieiim lial eniielnedeli swMien dien nMigelliaftfSj 
mlMrtmi&igc^ Nädbdk^ek der eten IkwfliM^ «od darki JafaP 
tlDoi. cnobienenen ^n Orif^nalausgabe^ Der BeSftll> den dae 
Baeh gefiin^A, liet togtr naeh dem kurzen Zeilraank Ton kanm 

tfiex Jahren diese neue 4te Auflage nSlbig gemacht. Der Yer- 
fiuaer hat aMieli dieser netaen Bearbeitung die ffrSftte 6«rgfalt 

gewidmet, so dafs bäum eine Seite ohne Nacnbessernng und 
Zusätze geblieben ist , urid atirsci dcm ist in Anordnung des 
£^nzeUiea manciie angemeMeae Yerattderttog getrofißBn wexviea* 



^ ij .i^cd by Googl« 



Die Erscheinung der 4ten AuÜag^ wurd^e etwas verzögert, 
weii dw Verlasser durch die Bearbeitung der Pkarmacopora 
Badmm m Bahr in Anspruch genommen ist. Mögen die zahl- 
moheo Btsteller liia sturli« Yßt'mducuns des YVei ks als einigen 
£f«a|s flir liie Zogariing belrAcliften. Vm s» indts«»« 9cb|i«ell«r 
k Ükre JÜfiije »I lirin^en, hat stob der Verleger enlspjilot- 
8€o^ dasselbe in 3 Lieferungen aasziigebeii , mowon die eratjS 
'j[3i Bo^en stark) nan fertig ist, die zweite vnd dritte Fölsen 
10 Ijchnell , dafs dieser erste Band noch im Laofe dieses Jahn 
wieder Tollständig zu haben seyn wird. 

(Vom s&weiten Bande [die pharraaceutische Mineralogia, 
Botanik und Zook>gie enthaltend] sind fortwähreod Exempwe 
dyth yfli^ gi^ Buchhandlungen zu geziehen. 

Unr UdUwfms ist fl. »8 tor» pdir Hiithlr. ^ A WO 

CP.frinier, 



B«i C. F> Winl.ejr in ||eidelbcrff ist erachienen and ia'allen 
Bttcbbaadlmige« wm liab«B i ' 

Ansichten, zwdlf, von Heidelberg. 12. geh. 8 gr. oder 36 kr. 

jBljaul, /G. das MmikfeslU Bhejii|>airische Novelle. 8. ^eh. 

20 gr. oder fl. 1. 3o kr* 

Demetjer, Dr., Grondzfige der Organisation der deutschea 
hathoÜscben Schulen; mit besonderer Beziehung auf das 
Ijpirei&hmogthui» Baden* fl[|l?aiKip»gehep auf Ver^nlas^^ji^ 
des Grofsh. Bad. Ministeriums; und mit pädagogisch -kriti. 
sehen BemerhiuigeiiD bcjgleilet :9ron Professor W. A. Ries.' 
gr. 8. >6 gr. od. fl. 1. 12 kr. 

F,rieSp 9. F*, Handbuch der praktischen Philosophie oder der . 

• philosophSsrfien Zwecklehre. Zweiter Theil : Die Religions- 
philosophie oder die Weltzwecklehre; auch unter dem be- 
sondern Titel: Handbuch der Religionsphilosophie und phi- 

. Jo^fdiisphen Aesthetik. gr. 8. ^thlr. ^. .8gr. p^^' H. 2. 34 kf. 

Geiger, Ph. L., Handbpch der Pharmacie, zum Gebrauche 
bei Vorle^tfugen und z^qi .Selbstunterrichte für Aerzte, Apo- 
theker und Droguisten. ister Band, welcher die pral^tische 
Pharmacie und deren Hüifswissenschaften enthält. 4te ver- 
mehrte und verbesserte Aullage. gr. Ö. In 3 Lieferungen. 
» aste Lieferung. Preise der 3 Lieferungen Bthlr. 4« 3 gr. 

' oder i\. 7. 36 lu'. Die 2le imd dritte Liderung erw;hc5i|ien 

* • Aoch im X^aui'e jdiesfis «Kahres. 



^ .i^cd by Google 



Hanssen, Dr. G., statistische Forschungen über das Herzog- 
thum Schleswig, mit besonderer Rücksicht auf nationelle 
Eigenthümlichkeiten, Gemeinde wesen, Steuer Verhältnisse und 
den gegenwärtigen Zustand der Bauernwirtbschaften. istes 
Hett : &e KStteoatreoke w<m der Breede Aue bis zur Wid Aue. 
<gr. 8. 8 gr. oder 36 ltt% 

Hepp, Dr. F. C. Th., Vergleichung des ursprünglichen Han- 
noverischen Strafentwurfs mit dem revidirten Entwürfe, gr. 8. 
geh. * 6 gr. oder 27 kr. 

Jean Paul's politische INacbkifinge. 12. cartonirt. 

16 1^. oder II. 1. 18 hxm 

Leuckart, Dr. F.S. , Einleitang iti die Orgaiiiatrik vnd ha- 
besondere die ZotäUik oder 'Aierarzneikunde ; Uhr Yorie- 
sungen über Thierarzneibnnde und als Yorbereitiuig SIVH 8to- 
dium derselben ; nebst Angabe d^ wichtigeren alhzeo^iriiieilf 
dentscben und aosländischeo , thierarzneiiichen Schriften, gr. 8. 

10 gr. oder 4^ kr. 

Paulus, Dr.H. E.G.t über die Principien der Prefsfreiheits- * 
Gesetzgebung als Rechtsschutz für die Wahrheitsfreiheit. 
Zeiterwägende Bemerkungen und Yorschlage praktischen und 
rechtlichen Inhalts, gr. S. geh. 13 gr. oder 54 kr; 

Exegetisches ^andbuch über die drei ersten Eirangelieo. 
Des 3ten Bandes erste Hälfte. Bthlr. 9. 8 gr. od. fl. 4. is kr., - 

Hau,, de vi naturae in rempublicamj oratio etc. 4* 

10 gr, oder 45 kr. 

B i c h a r d , Französisches Spracbhnchi ^ nach Hmniltan'tGliea 
Grundsätzen, gr. 8. 

fttern, W.y Schreibgang für Landschnlen. '4 gr. od. 16 kr« 

w Schreibschule: deutsche SchrilU 1. — 4tes Heft. 

13 gr. od. 48 kr. 
^ Schreib&chule 3 englische Scbrüt. 1 -r- ates HefV. 

8 gr. od. 37 kr. 

Vorlage zum Blumenzeichnen. 12 gr. od. 48 kr. 

— — Landschaftzeichnen. 1 — 4tes Hef^. Fol. 

Bthlr. 3. 4 gr. od. fl. 5^ 4a kr. 

Z$pflt Dr. H«, über akademische • Gerichtsbarkeit und Stu- 
dentenvereine. gr. 8. geh« 4 gr. od. i81kr. 

Zu 11 ig, die Cherubim -Wagen, der Stolz der wagenbildenden 
biblisch-hebräischen Kunst und Phantasie, der jeiDiwthroii 
Ezechiels und die Salomooisdien Waicbbeckengestelle. £ia , 



Digilizüu by Cc)0 



xnui 



monographischer Versuch zur Verdeutlichung des Undeutli- 
chen und zur Erklärung des Unerhlärten , das in ihrer Be- 
schreibung YorkomzDt. Mit a Abbildungen, gr. 8. 

16 gr. od. iL 1. 12 kr. 

Karte ron Europa für Schulen. i^/g jgt, od. 4 kr« 

9 » Dentscbland iur Scholen. iVk gr« od* 4 lir* 

» » Baden für Schalen. 11/2 gr. od. 4 ^* 



lo meinem Verlage iai lo eben enchienen nad in allen Boeh- 
haadlnagen an haben: 

» ^ 

Blancnrdi, 8leph., Lexioo» medicum, in i|m 

artis medicae termini Anatomiae, Chirurgiae, Phar- 
' maciae, Cheiiiiae, rei botanicae etc. proprii dilucide 

breviterque exponiintur. Editio novissima multiim 
• emendata et aucta a Car. GottL Kühn, Med. el 

Chir. D. Phjeiol. et Pathol. in liter. uniTers. Lipsiensi 

Prof. piibl. etc. VoL IL M— Z. StoBj. 3 Rlhlr. 
. 15 gr. 

Das Werk ist nun complet , mit neuer Schrift auf schöncB, 
veifaeB Papi«r gedruckt, llOj/j Bogen stark, und kostet 7 Rtblr. 
IZ gr. nnf Urackpapier nnd Ii Btblr. S gr. aaf Schreibpapier , Ten 
letatcran «lad jedoch nur wenige Exemplare Tonäthig. Uelier Vel. L 
aiad berede when eehr gfinitige Becensionea, a. B. in den Göttiager 
IgMiit. Mieeigen IM. S6e Sifiek, im Bepertovinm der ■cneetea in- 
«ni dttvlindleehenliiteratnr. ISSI. ib ^dr, in deyMi^ger LHeraln^ 
Utang. 1832. Febroar-Heft, aad in der Haintchen 'Idtamtnr-BeU 
lang. 1832. iHii'Hem eaichUneB. 

. EL B. Schwiek^ri. 



' Bei niir let Itöralich enehieaen nad In alleaSnehhandlnagen an 
hnbea t 

Themisiü'OtBiMliw ex oodice MedManensi emea- 
datae a GuiUeimo Dind&tß». 4 Rthlr. 8 gr. 

Die Werke des Redner Theniistius ergclieincn in dieser Aus- 
gabe zum ersten Male in würdiger Gestalt, an unzähli«^cn Stellen 
aus der treffiioheo Jiaiiäader Uaiidscbrift berichtigt, und mit der 



Digitized by Google 



viD« Allg9lo Mai aue deMelbcn lucrst herauagcgclionen Jledc %'«rniehrt 
Beigegeben sind die gehaltreichen Anmerkungen von Petau pi|4 
Harduiq und ein neu ausgear))^tel^ grieciiiftvhf^s WpriregMl^iu 

Beekii, Or. Chr, D,, comnißiitationes erlticae quio- 
qae de glossematis in veteribus Itbris. 4. M gr. 

Dieser wichtige Gegenstand der kritischeu Forschung ist bisher 
weder in eignen Schriften besonders, noch in allf»-cmeinen Anweisun- 
gen hinlänglich behandelt worden. In gegenwärtigen fünf Abhand- 
lungen werden nicht nur die verschiedenen Grunde und Arten der 
Eintheilung erklärender Zusätze und einzelner Wörter }n den grie- 
chischen und lateinischen Schriften des Aitcrthums, den alten Rechts- 
quellen nnd dM bibliichea Bachern, vorniinlieh tfea If. T. «ngegeben, 
rnmuUm wnb ## AnuMlM m4 Jtegolii int AuiMmg, Pfäfung 

If» bclfft, ma «Inni miw^IiI -4^ hVMpn AfbitglidiMit m itm B<v- 
gebrgchtMi ato der echeaangilfMeB Willkilhr sk begegaea. 
Lef pitg im Aug. 18tt. 



Bei Carl Cnebloch in Leipzig ist erschienen «nd in allcu 
Buthbaadlnagea au liabea: 

Tittmanns , Dr. L. A»^ Geschichte der deutecheo 
' ' Strafgesetze, gr. 8. 1 Rthir. 16 gr. 

Bei Abfoamg dleev Geidiiehle «ad dlü «Um 4enbud|4pi B^ 
^la« iiie Laadrecbte» Stalnten und Uriittadea gfOftU bffaijiil, >iww^ 

j^es 80 frlel me iNIgiM .WmUd^ fpi«l ibadwiv« vt^f^MilMk «Ni^ 

Tea deaiaelbea YerfSueer iet d^ibar bei nir uiiiibiliaea j • 
Vorträge uncl Urtheile Aber merkwürdige Strafialle 
aus Acteü. gr. 8. 1 Rthlr. 



Im JdJir im. yeiyehieiiiia Aa MmmaX JCIeip'e ^Ji^iiipiair ia 

Leipzig : 

. ,i8€«ii«B hWß dem l4eb«ii «i««» Boaiviv.aii4% 
HomiMilKBr BemMi -wn Faal Koalu Bd#. a Btliir« 

Die Bouvivajits. Characterbiider 

▼on Dr. H. Numscn. 2 Bde. L Die Reise. II. Die Lior 
. danetädler iiuBde«Ilevoliitioii« bvoek a £Ulikv ö gr. 



Digitized by Googl 



Q. Ubhteoberl^ Iiteen , Maximtii mift SioMle. 

MbH dMön diarabierlttilk ßemoiiffegeb«il von JSrdena^ 
IrlML tie Aofl. brbiidb« i8 gr«f Mde TMle i Hlhlr. ift gr« 

DerVaterlandsfreund. 

Vorschläge und Winke, Lob und Tadel, Beieh- 
rung und Besprechung. Redigirt von L. v. Alvens- 
lebeb. atet* Jam-gang, d Rtbir. i5 gt*. Januar 1 632. 6 gr. 

•JeanPanl» , 

Hat SahSaate «od Ge^egeatle aot aeiaea TaracliMenaa Sobrif« 
tea liM AaftlitftMi AalMritUt, gesmaiadr und geoiÄiet. 

SMiillAbea, Cbarabtanitib und Mdatft. Hit ataaai Tor« 
^rtaht Toa Conz. Aag^ancen Toa Aag» Gebauer, 
fevfgeieW Toa Andera. $i fidebed. 

I. In Oatevt: 1) VclMyiq^ ItUklft. S) SabNÜip« 

H. In Sedeat. S) frajas, Fapu 19 gr* 4) Dnadtp. ISgr»'/ , 

VviaiiaieraliMa-Ffaiaii fi« 4w Gaaa« van If BMm 

iti aun c 

I. In Octav: 1) Vclinp. 8 lUhlr. 2) Schreibp. 6 Rthlr. 

IL In Sedex: 3) franz. Pap. 5 Rthlr. 8 gr. 4) Drucltp. 4 Rthir. 
'* ' la dieiein Jahr erschien schon das 8te Bändeben. 

. NeiieavBerg;-Haiei|-:9v<^^]) 
Odert Sammlung neaer bergpaSaniai^erXiiederf^IWStiicb^ ««4 
erailibiftea loaalts^ beraasgegeben voa Carl Ckistiaa Wil- 
Min Kolbe, Obereinfabrer päd Berg- Aaaeaior. Zweite 
• .irerbeas» and am das Doppelte yerm. Aufl. Nebst Verzeicb« 
niDt ^Md !£HlläMing def Vorkommenden bergmännischen Aas- 
drucbe, auch doppeltem Register naeb Inhalt «ad Alpbabel* 
a HefUb 1 Btbbr. Sebraibp. i Rtbbr» 8 gr. 

Studenteu und Studenten th am. 

Ein Wort über Landsmannschaften. An seine Mitbrüder und 
zur Beruhigung für deren Angehörige ron einem Goldtucba 
J. G. A. S. geh. 6 gr. 

^ a 1 1 a ' 

dfelftMMft Ittr Staatk^ and Katanrimittebaiften , Phitolopbie 
mi ^aüi; iMiaiisfregebeii van €i Mmtam ttttlier. 
3 Hefte mit t 8t«idft*aak i UUt. 

"Die besten und neuesten Schutz- und Heilmittel gegen 
die Cholera. Für Aerste und Laien. Vom Stabs «Arat 
Dr. Sehäfeiv Publ. Taa Prii^ Bvat .ata»Aall. a,4jlr.. 



^ j i^Lo i.y Google 



Die Entstellung der Welt ans Nichts. 

Astronomisch -philosophische Sbizze in logischer DarstelJang 
v.iüi- Gelehrte and GebiUete. Yoa F. C Jolb Mulier. Mit 
a Steindruck, la gr» / . 



Vidlen Lateinleni^ilcii »telHe M dem Fehlen 4mi MmUat- 
LfinenuiDii'ftcheii dentiehea Theile cnr&Mcht sejn , anflnerktam ge- 
»•cht so werden auf dw 

Deutsch - lateinische Handwörterbuch. 

Nach Kraft's grÖfserem Werke , für Gymnasien bearbeitet ?od 

F. K. Kraft und M. A. Forbtger. 

qo Bogen grölttet Lex. ForoMt. s Rthlr. 18 gr. 

Fflr mir 1 Rthlr. 6gr. melir, ale*ioMl dae Mdencitige Ist. d. 
«. d.LliexikoB kratete« erhält maa Mer ein bewährte«, >oll«tindi- 
gera vad geoidnetc» dentaeh-lateiniachM, das fdr den Gymnaeial- 
gebranch und" bei Nlchtphilologea and Kichtnnrivenitatv-Carrieni 
gaeh später anireiehi ' 

Fortwfihread Ist an haben das bU jetat volletftndigale nnffaa- 
aende größere 

Deutsch- lateinische Lexikon. 

Aus den romischen Klassikern und besten und neuesten HüIFs- 
" mitteln. 3te verbesserte Aull. 2 Theile. 171 Bogen Lex.- 
Format. 6 Rthlr. 

Ernst Kleina Compioir in Lbipsug. 

I . 

Wiohiige Ansteigen für Philologen und Juristen. 

Bei Orell, Fnfeli und Comp, in Zürich ist so eben erecbie- 
aen aad In allen Boehhandlangen an finden; * f 

MEYER, H.Phil. Dr., ORÄTORUM ROMANO- 
. RUM FRAGMBNTA ab Appio inde CaecQ,;^. 
... M. Porcio Catone, iitqHe «d 4}. AufeliiUB Sjriiina«^ 
ohmn. 8iDaj. S llihlr. oder %ü, 

Es erscheint hier znm ersten Male eine möglichst Tollständige 
Sammlung der Fra^meiile aller römischen Redner aufser Cicero. Bio- 
ker hatte man nur eine Tollständige Sammlung der Reden de« ällirn 



KttQ. In ioB Yerilegenden tf erie ulni die Wngmtalo toh Iftft IM- 
•era« Ton Appiüa CaecaB oder der ältetten Zeit der RepiiUlli 1>b^ 
im Bnde der römischen Literatar, bis auf Anrelias Symmachtis, ge* 
sammelt« Ein historischer Commentar erläutert überall, wo ee mög- 
lich war, die Zeit und den Inhalt der einzelnen Reden. Voran geht 
eine karse Geschichte der römischen Beredsamkeit^ nach den Haupt* 
epochen beseichoet. 



Ansteige für Gymnasien und Lehranstalten. 

^80 eben ist bei Orell, Ffifeli ond Cenp. In Zdfieh erecble- 
nen und In allen Buchhaadliingen m hnben : 

Schulgrammatik 

der lateifiiflchen Sprache, sum Gebrauehe für 

alle Klassen, 

in einer fafslichen und den Unterricht erleichternden Form der 
Darstsllung. Bearbeitet von F. Bleibimhaus, Professor 
in Konstanz, Mit einem Vorworte von J. C. Orell i, gr. 8. 
44 Bogen. 1 Rthlr. 8 gr. oder 2 fl. 



Bei dem Unterzeichneten erscheint im Laofe des Monats No- , 
veniber folgendes griechische Eleiuentarbuch : 

Griechische Chreatomathl e , voo Feld- 
baosch, Prof. am Lyceum so Rastadt und Sttpfle, 
Ptof. am Lyceum zu Carlsnihe. gn 8. 

Der Pre'iH des Baches wird höchstens 1 fl. 12 kr. betragen. Das 
Ganse zerfällt in zwei Curse, nad ist zu den beiden ersten Jahres-' 
cnreea dee griechischen Sprachnaterricbts bestimmt. Der erste Cursno 
emMIt aownhl griechiselwBeiaffele« die eleli m die eiMelmn TMIa 
. der Fnemenlelve nasdiiiefBea, .ah aneh jeden FknifHipheiidieief 
Beispiele mgleicli nach Belapiele ran (ndndllehen) Vebenetsea ana 
den Baatechen lh*a Otieclladie, and awar In der Art, dafSi in den 1 
dialihwi flftaen irenngaweiie die Wirter der niehatrerhergelMadM 
grIechischcB Beispiele In veränderter Fenn wieder Torkommen , m . 
dnfs dadurch die Eianbnng der griechischen Formen und Erwerbung 
der Copia Ferbwum an gleicher Zeit zweckmäfsig erzielt werden soll. 
— > I^r sweite Cnrsus ist so reich ausgestaltet , dafs seine Beispiele 
aar AUwealMiang in anreitni. Jahreacncana Wenigatens das Doppelte, 



L.iyui^uo i^y Google 



wenn nicht das Dreifache für die Lektüre eines Jahres ausmachen, 
und enthält : zwei Sammlunfjcn äsopischer Fabeln , mythologische 
Erzählungen , Bruchstücke aus deui Leben Alexanders , Anekdoten 
und Erzählungen, und als Anhang: Herkules am Scheideweg (aus 
Xenophon). — Das damit verbundene Wörterbuch ist in der Art ab- 
gcfalst, dafs von den griecbicchen unregelmäfsigen Zeitwörtern so- 
gleich die benerlieiiiirertheii abweichenden Tempusfonnen für den. 
Sehnler angegeben sind. 

Es wird die« Werk mr grfindlieben'Vorbereitiinif auf die als- 
dann fy}gwiäe Leictfire eines griechiichen Prosailien dienen, und den 
badiachea Schulen um «o wiUfcommener eejrn , nie . et fibernll mit 
Nachweisungen auf die in den bad. Schulen eingeführte griechische 
Grammatik von Feldbauech versehen und zugleich weit reichhaltiger 
ist , als die dieser Grammatik frühw angehängte Chreetomathie. 
Heidelberg, 1.0ct. 1832. 

a F. Winter, 
Untreteilitn - BnchhftndleK 



Die Eigenihumlichkeiten der französischen 
Sprache, in einem Grundrisse für miindiiche Vor- 
träge, dargesielll voll Prof. J. R. Wilh. Beck, 
öffentlichen Lehrer der französischen Sprache an der 
Universität za Leipzig. Leipzig. Hinrichs. 1892. 
gr.8. (8 B.). 10 gr. ^ 

Der erste Ahsrhnitt enthalt die materiellen (Idiotismen oder) 
Eigenthümlichkcitcn der Sprache, Laute, Buchstaben und Endung^cn. 
Hierauf folgt eine Bestimmung der Quantität der Sylben nach he- 
Mälirten französischen Sprachlehrern, zuletzt ein Versurli , die Exi- 
stenz der alten zwei-, drei- und fiersylbigen Versfürse in der fran- 
zosischen Sprache nachzuweisen. Der 2te Abschnitt, der von den 
formellen Idiotismen handelt, zeigt das Eigenthüraliche im (itliruuche 
des Apoetrophe , dee Artikels in der Beseichnung der sogenannteD 
eutu»» und ia der Formenlehre. Se folgt ein Yonehlag za einer 
(neuen) einfacheren Benennung der tempa und na einer Sondemny 
der nnregelmfifaigen Zeitwörter von den hloe in der Sndform ahveE» 
' I ^ chenden, nach einem festen Eintheilnngagmnde $ ' hierauf da« We- 
■entliehe Aber Wortffigungy Wortttellung, die Flexion dee Partiidpt 
(die auf zwei Hauptregeln gebracht wird); über die «ogenannton 
Partikeln« dann ein Yeneichnifs der reinen Pronominal verba, uai 
derjenigen verba, welche zugleich active nnd intransitive Bedentang 
haben. — DerSte, lexikniogische, Theil enthält ein Yerzeichnifs von 
etwa 2000 Worten (Sabatanüven, A^joeaven nnd Yerben)» din iiali 



üiQiiized by Google 



um 

durch eine eigenthnmliGbe Bedeutung, oder durch Bezeichnanj^ ge- 
wieser Nebenbejw^riffe, von den sinnverwandten Wörtern anderer Spra« 
chen unterscheiden. Es kann also diese kleine, aber ungemein reich- 
haltige Schrift als Ergänzung maocher gröfseren Spracblduw dem 
Lehrer und Schüler dienen* 



Forbkger» Dr. Alb., Aufgäben zur Bildaog 
de8 lateinischen Stils fdr mittlere Classen in 

Gymnasien, aus den besten neuem Latinisten ent- 
lehnt, durch fortlaufende Anmerkk. erläutert und 
mit steten Hinweisung-en auf die Grammatiken von 
Zumpt und Rarashorn. gr,S, (14 B). 1832. 
Leipzig, Hinrichs. Weifs Drnckp. 16 gr. 

Bei «taem IJeberfluA an Vebungebueheni für die enten Anfänger 
und einigen «ehr bvanehbaMu für die obem ClaMen iet doch ^ für die 
mittlem nur wenig getorgt; beeonden leit Znmpts treflliebeB Bach 
durch die .Yereöndigung elnei unberufenen Heranagebere der latein. 

Ong Aufsätze an Brauchbarkeit so Terloren hat. In 4 Abtheilungen 
gtebt der Hr. Verf. Briefe , historische , rhetorische und vermischte 
Aufe&tze, ein vollständige« Register, und in der Vorrede die Anlei- 
tung zum Gebrauche dieses bereits von tüchtigen Schulmännern ale 
■ ehr nnts lieh empfohlenen Buchs. 



Fr. Platncri, Antecessoris quondam Lipsieiibis, pro 
Lmguae Latmae utilitate in repuhlica Utteraria 
jdefensio. Quam X exöurs. bist. litt, instructam et 
var. cum. Platneri ips. tum Klotzii et Ernestii 
opusculis huc 8pectant.adauctam ed. Dr.R F. Vogel. 
8maj. (HB.). 1832. Lipsiae, Hinrichs. 18 gr. 

Man findet hier Buoächst die, durch fortlaufende literarische 
Noten des Herausgebers erläuterte P 1 n t n e r ' sclie Abhandlung selbst: 
Kap. I. de linguae alicujus, intcr eniditos comra. necessit. , H. de 
linguar. populor. hodiern. indole, necessiaria idiomatis comm. inter 
eruditos adhibendi reqnisita neutiquam prae se ferente, III. de saln- 
taribuB ling. Lat. , idinmatis inter eruditos comm. loco adhibitae, 
effect. Dann folgen im Interesse der Gegenwart zehn literarisch - 
historische Ezcurse des Herausgehers, s. B. de accurata exeget. 
föatium juris pertractatione» bodie inprimla enize toideranda; de 



Digitized by Google 



XL 



' primitiTa error., a ScholaiticU commlnonini orlgine, lAngeqae pa- 
tente fpsor. per sequentia qnoque temporn ralore; de genuinis qol- 
busd. mysticismi philosophici atqae theolog^ici, fere nbiquc hodiennm 
conspicDi , cansit et cffect. Endlich schliefsen sich hieran ficht, 
mit der Hanptabhandinng nfiher verwandte A ddi tarnen te mit An- 
merkk. dea V/s aus den Schriften von Kl ots, Erneati und Platner. 



Bei 3. Fr, Harftkaoch in Loipaig iiad folgend« Wafk« nea 

era^bienea : , 

Deotsche Dichter, erläutert von M. W. Götzinger. 

Für Freunde der Dichtliuost überhaupt, und für Lehrer der 
deutsdien Sprache insbesondere, ster und letzter Bd. gr. 
Preis e Rthlr« oder 3 fl. 36 hr. Bhein. 

Dichtersaal. 

Auserlesene deutsche Gedichte zum Lesen, Erklären und Vor- 
tragen in h5hem Schulanstalten. Nach den Dichtern geord« 
net und herausgegeben von M. W. Götzinger, Lehrer 
an der Realschule in SchafTbausen. gr. 8 Preis i Rthlr. 
B gr. oder ^ iL 04 kr« Bhein., in Parthien 1 Bthlr. 4 gr. 
oder 2 fl. 6 kr. 

Die AnfangsgrQQde der dentechen Sprachlehre 

in Begeln und Angaben fSr die ersten Anfänger, yon M. W. 
G5tzinger. ar Tbl. Zweite yerbetierte Anflage. 8. 
Aach nnter dem Titel: 

Die Anfangsgründe der deatecben Beebtachrei- 
b'ung und Satzzeicbnang in Begeln and Aufga- 
ben. Preis 6 gr. oder 27 kr. Bhein.*, in Parthien 5 gr. oder 
a3^r. NB. ister Thl 2te yerbesserte Aufl. kostet 10 gr. 
oder 45 kr. Bhein. , m Parthien 9 gr. oder 41 kr* 

Einleitung in das gemeine deutsche Privatrecht 

yon Dr. C. E. Weifse, Domherrn und ordentl. Prof. der 
Rechte zu Leipzig. Nebst einem tabellarischen Grundrifs 
des deutschen Privatrechts. Zweite vermehi*te Auil. gr. 8, 
Preis 16 gr. oder 1 fl. 12 kr. Rhein. 



. by Googl 



N\ 54. HEIDBLB. JAHRB. d. LITERATUR. 18tt. 



Drobiachj über Gymnasial- Unterricht. 

B e s c h l uf s.) i 
• * . * . ' 

Dennoch aber ist eben jener formelle Nutzen keines- 
.weg« geringe anzuschiagen , in sofern der eigenthuinliche 
Emst uod der tiefe, mitonter geniale, Geist, weieber. 
in* ihnen herrscht, vartheilhaft auf . die AusbUduog des 
jii;g«ndiichea Verstbades wirken mufe, wozu noch oben- 
drein das magische Dunkel der groCsartIgen , nioht selten 
mit enthnslastisch patriotischer Vorliebe dargestellten, 
Vorzeit bedeutend mitwirkt. Mit Uebergehung des 
Tielen hierüber eben so wahr als treffend Gesagten 
möge nur folgende Stelle hier Platz finden. „Der Haupt- 
gewinn, um den es sich lohnt ^ diesen Sprachen, diesen 
Wisseoschaften Zeit und Anstrengung zugewandt zu ha- 
ben, wird immer seyn:' die Schärf^ und Gewandtheit, 
die dadurch nnser Verstand, unsere Urthellskraft er- 
hält, die Nahrung, die unserer Phantasie gebeten wird, 
die Läuterung und Bildung, die unser Geschmack em* 
pfangt, die Fülle von Begebenheiten, wie von Bildern, 
Begriffen und Ideen , mit denen sich unser Gedächtnifs 
bereichert, der moralische Einflufs endlich, den die 
poetisch - philosophische Wehanschauung , die uns zu 
Theil wird , wenn wir bis znm Kern jener Studien vor- 
dringen, auf unsere Gesiosangen und unser Wollen 
ausllht.'' 

Auf der anderen Seite ist es aber keinen Angenblick 

zweifelliaft, dafs die mathematisch -physikalischen Stu- 
dien ebensowohl einen formellen als einen realen Nutzen 
haben. Rücksichtlich des letzteren bedarf es keines aus- 
fuhrlichen Beweises, indem man mit Recht sagen kann: 
„dalli weder der scharfsinnige Geist der Griechen noch 
die colossale Macht der Römer über solche meGfaanische 
Mittel KU gebieten yermochten, als die neueren Fort- 

XXY. Jahrg. 9. Heft. 34 



890 . UroMioh, über OynuiatkUUMeriicM. 

schritte der NatunviBBenscliafleD an die Hand geben." 
Jede Vergleichaiig briogt dieses zur Evidenz, wena 
man B. die römischen Wasserleitungen , die des uner- 

mefslichen Aufwandes ungeachtet doch nur ganz Icunst- 
lose geneigte Ebenen waren, mit einer Reichenbacli'- 
schen WassersUulenmaschine vergleicht. Wie sehr es 
zugleich den inenschHchen Geist erhebt, sobald er fühlt, 
dafs er die unermefsltcbe Fälle der Naturwunder, wenii 
auch nur unToUkommen, zu erspähen und ihre ewigen 
Gesetze zu erfassen vermag , Tun deir anderen Seite ihn 
nh^t tüT Bescheidenheit und zu ftdit religidsen Betrach* 
tungen fthrt, wenn er die Geringfügigkeit aller mensch- 
lichen Leistungen mit der unfafsbaren Gröfse des Welt- 
alis vergleicht, dieses bedarf kaum angedeutet zu wer- 
den. Aber auch der formelle (subjective) Werth der 
mathematisch physikalischen Studien läfst sich keinen 
Augenblick in Abrede stellen. Unser Verf. weiset in, 
dieser Beziehung auf den unverkennbaren Nutzen htn, 
den man der mathematischen Methode der Forschung 
.uad der sogenannten mathematischen Evidenz der Be- 
weise allezeit eingeräumt hat\ in so fern es ehendu- 
her in der Mathematik kein Meinen, sondern nur ein 
W issen giebt, und über Wahrheit (Mer Irrthum eigent- 
lich kein Streit stattfinden kann. Keineswegs darf man 
mit Hecht behaupten , dafs die Philologie auschüefslich 
die höhere Cidtur in den Occident foropa's gebracht 
habe, vielmehr trugen Baco, CoperdicuS, Kepjß- 
1er H.A. wesentlich hierzu hei| Meianohthon scAittele 
neben den Sprachen schon die Realwusenschafleo , Ou* 
lUei's Schicksale beweisen, dafe der Aberglaube die 
nilQberwindliche Macht erkannte, die in den aufkeimen- 
den Naturwissenschaften gegen ihn heranwuchs, ja es 
niufste sogar das seit mehr als tausend Jahren für un- 
fehlbar gehaltene Horn seine Bulle gegen das System des 
Copernious endlich wieder zurücknehmen. 

Ref. hat bishero die Ansichten des Verls. «i^tlNiU 
mit dessen eigenen Worten mitgetheill, muft abfer jMcl 
um Entschuldigung bitten , wenn er, vielleidit äui Vor- 



Digitized by Google 



1 

OioliiiCB, über GTBiBasial-Uatonrtcht. 



liebe HHr seioe ihm so theure Wisseneohaft , noch eineo 
Schritl weiter geht, und sh behaupten eich erdreiitel, 
da£i die MehmU der Stndlerendeo , ja eelbet auch der 
Iii DieiieteD des Staats angestellten Creschiftsmäonery 

schärfer urtheilen und richtiger schliefsen , überhaupt 
sich leichter im Gebiete der theoretischen und der prak- 
tisch angewandten Wissenschaften bewegen würden , wenn 
sie sowohl auf der Schule als auch auf der Acade- 
mie- neben den philologischen und Brodstudien den ma- 
IhemaCischeu oud phjrsikalischen Forschungeu einige Zeit 
und etwas aogestreogten Fleilk widmen, und namentlich 
Itt'den nathenitisch-plij'slkalischen (nicht naturphilo- 
sophisch -physikalischen) Vorlesungen mit Hinzufugung 
einiger Vorbereitung und Wiederholung nach Lich- 
tenbergs Ausdrucke mehr Zuhörer als Zuschauer seyn 
wollten. Hierzu berechtigt schon die auffallende Ge- 
wandtheit und der praktische Sinn, den man bei so vielen 
Pri?atmännern in den Yefschiedensten Verhältnissen des 
bArgerlichen JLebens bemerkt, welche ohne eigentliche 
Sdiul- und UniFersItits- Studien dennoch einen hohen 
Qnd der Bildung durch Ihren auf Mathematik und Na- - 
turkunde verwandten Fleifs erreicht haben. Ohne Zweifel 
würden dann auch diejenigen Studierenden, welche die 
Gelegenheit haben, in die Tiefen der ernsten Wissen- 
schaften eingeweihet zu werden, bei den academischen 
Lehrvorträgen gründliche Sachkenntnifs und präcises 
Urtheil h<üer von obecflächlioliem Wortgefclingel und 
tdittlgereidites Philo^pbiren von trftnmei^chem Phas- 
tai^reo vnterscheiden) iehte Gelehrsamkeit richtiger wOr- 
digen und höher schätzen , auf allen Fall aber wurden 
sie sich nicht den aus Schülern, Handwerkern, und 
überhaupt aus dem wissenschaftlich ungebildeten Publi- 
cum bestehenden Versammlungen beigesellen, welche 
mindestens in einigen, Gottlob seltenen, Fällen die Hör- 
säle litertrisdier Mariooettenspieier füllen, die mit ächt 
marktschreioriicher Beredtsamkeit hochtrabende Gemdo- 
plätze, dreisi absprechende Bntsdieidnngen der schwie- 
rigsten Probleme, auf schwache Analogieen gegründete 



8»2 . DrobiMh, ober Oymiuiual-UDterriGlit. 

fade Witze nod dergl. mit einer dem ernsten Forscher 
widerlicheo Frechheit für gereifte Prodocte ehies unge- 
wöhnlich die Tiefen ergründenden Scharfsinnes aaszn- 
geben wissen. HVer einmal seit längerer Zeit gewöhnt 

ist, alle vorkommende Probleme mit mathematischer 
Schärfe zu behandeln und mindestens bei der Erforschung 
der Wahrheit dit^jenige klare Evidenz zu fordern, weiche 
der mathemalischen Methode in ihrer Anwendung den 
ihr eigenthüiiiiichen Werth giebt, wird nimmer im Stande 
seyn , solchen mephitischen Dunst fiär ächten Weihrauch 
zu halten. 

Im zweiten Abschnitte zeigt der Verf. die Noth* 
wendigkeit, neben den philologisch * historischen Stu- 
dien auch die mathematisch -physikalischen auf den Schu- 
fen niclii zu vernachlässigen. Dafs hierbei die erstcren 
den Anfang machen, und fortwährend Hauptgegenstand 
des Unterrichts bleiben müssen, folgt schon aus dem 
früher Gesagten, zeigt sich aber noch aufterdem schon 
deswegen als ganz noth wendig, weil namentlich -die ia« 
teinische Sprache noch gegenwärtig eine > allgemein ver^ 
ständliche der Gelehrten aller Länder ist , und daher bei 
wichtigen Werken und den Denkschriften einiger Acade- 
mieen beibehalten wird, abgesehen davon, dafs sie nebst 
der griechischen die Grundlage der technischen Nomen- 
clatur in niien wissenschaftlichen Disciplinen bildet Der 
Verf. meint daher mit Recht, man solle diese, nament* 
lieh ihre Anwendung bei Öffentlichen Disputationen und 
feierlichen Acten, keineswegs von den Universitäten ver- 
hannen. Eben so riothwendig aber ist es, den mathe- • 
matisch-pbj^sikalischen Studien schon auf Schulen den 
gehörigen Aufwand von Fleifs und Zeit zuzuwenden, 
weil nur eine frühe Uebung in den Stand setzt , mit 
mathematischer Schärfe zu denken, und in den zahlrei- 
chen hierzu gehörigen wissenschaftlichen Disciplinen 
wenigstens einige Fortschritte zu machen. Den alten 
Sprachen mufs daher nur so viele Zeit gewidmet werden, 
-dafs die Schüler die besten griechischen und römischen 
Ciassiker leicht verstdien' und sich mit genügender Fer- 



^ .i^cd by Google 



DrobUcht über Gymnasial -Unterricht. 

tigkeit in lateinischer Sprache auszudrücken vermögen, 
^ fiberflüssig dagegen ist die Menge der grammatischen 
Spitzfindigkeiten, womit nur zu oft schon in den unteren 
CiaMD die edle Zeit vergeudet wird, die kritischen For« 
fldiMiigeii aber , dorch deren Mittheiiung manche Philo* 
logen den erwachsenern Zdgf ingeo die Tiefe Ihrer Kennft- 
oiaaeBa beweisen sich bestreben, sollten billig nebst dem 
Uebersetzen ins Griechische von den Schulen ganz ver> 
banoet werden, um für die Röthigen Realkenntnisse die 
erforderlichen Lehrsfunden zu erübrigen. Der Verf. fühlt 
selbst, dafs diese Behauptung bei den einseitig gebil- 
deten Schulmännern Widerspruch finden wird, aliein es 
fragt sich, ob deren Urtheii wirklich von so grofsem 
Gewichte s^n dikrfe, als man demselben nicht selten 
eiDriimit, Indem das oft gebrauchte Argument, dafe ein 
gründlich gebildeter Philologe in allen andern Wissen- 
schaften leicht die gehörigen Fortschritte machen könne, 
durch die Erfahrung keineswegs bestätigt wird. Eben 
so wehig zu bezweifeln ist dagegen der S. 42. ausgespro- 
chene Satz: „Wenn es unmöglich oder nicht rathsam ist, 
allen Zweigen der Wissenschaften, die zur allgemeinen 
Gelehrtenbiidung msammenwirken , eine Stelle auf dem 
Gjrmnasiwii einzoräumen, so mufii man diejenigen aus* 
wfthlen, welche die Grundlagen vieler andern sind und 
daher, treu erlernt, in den^hd setzen, vieles andere 
uns mit Leichtigkeit anzueignen." Dafs aber eine einsei- 
tige philologische Bildung gegenwärtig nicht mehr ge- 
nüge, darf man wohl unumwunden behaupten, und der 
Gruud hiervon liegt offenbar in dem allgemein bekannten 
frallMn Nutzen, welchen die bürgerliche Gesellschaft 
ans den Fortschritten in den Naturwissenschaften täglich 
erhält, wogegen die indlrecten Vortheile philologischer 
Forschungen noth wendig zurOckgedrfingt werden müssen. 
Allerdings verdient daher «lasjenige beachtet za werden , 
was hierüber S. 49. gesagt wird, nämlich: „Naturwis- 
senschaftliche Kenntnisse kann der gelehrte Forscher so- 
wohl als auch der gelehrte Geschäftsmann schon «les- 
wegea nicht länger mehr entbehren, weil alle aiidere 



894 Drobiscb, über Gymnasial - Unterricht. 

gebildete Stände in ihren Realschuten von Jahr zn Jahr 
unterrichteter in diesen Gegenständen werden. Hält der 
Gelehrte nicht auch bieriD mit dem P^ortgange der Zeit 
Schritt, so hdrt er von eiaer Seite auf, Gelehrter zu 
seyn, d.h. aostatt dafs er die Ungelehrte» im rdnes 
Wissen übersehen' und aufkiftreo sollte, steht er io inaa-» 
eher Beziehung anter ihnen, und mufe das beschftmende 
Geständnifs ablegen, dafs Dinge, die jenen ganz wohl 
begreiflich oder sogar geläufig sind, über seinen Hori- 
zont gehen. Ist also dem Staate daran gelegen, dafs 
Beamte und Volkslehrer fortwährend ein gewisses intei-» 
lectuellesUebergewicht behaupten, so mnfs er Ton ihnen 
Kenntnisse fordern, die unmittelbar praktische Grand* 
sätse enthalten. Hat eine Regierung, besonders in den 
administrativen Zweigen, solche rationell und CeHg^ 
mtfs gebildete wissenschaftliche Diener, so schreitet sie 
den Bedürfnissen des Volks voran und erzieht dieses zu 
höherer Cultur und Civilisation , anstatt dafs im entge- 
gengesetzten Falle die Staatsverwaltung hinter der Reg- 
samkeit des Volks zurückbleibt, und die Regierung die^ 
jenige Macht verliert , die aus der Billigung und Unter-» 
stfitcung ihrer Ansichten und Mafsregeln durch die Bis» 
richtsvoUsten im Volke hervorgeht. 

Im dritten Abschnitte wird der Zustand des Gymna- 
sialunterrichts im Königreiche Sachsen näher beleuchtet, 
und die hierin offen und freimUthig mitgetheilten That- 
sachen verdienen allerdings von denen ernstlich erwogen 
zu werden, unter deren Pflichten die Aufsicht und Ver- 
besserung jener Lehranstalten gehört. Im Ganeeo ge- 
nommen läfst sich nicht verkennen, dafe der Unterriehl 
in Mathematik ^nd Phjsik dort ungebührlich vernach-* 
lässig! wird, wenn gleich die königlichen Schulen bereüs 
rieh einer besseren Blnrichtni^g erfreuen. Als eine noth- . 
wendige Folge jener Vernachlässigung ist die auffallende 
Unwissenheit zu betrachten, welche rucksichtlich jener 
Wissenschaften dort , wie auch zur Zeit noch anderwärts, 
leider angetroffen wird , indem der Verf. anfuhrt , es 
sejren ihm Sachwalter bekannt, deren Unkunde in den 



^ .i^cd by Google 



.Dffiliflcli, aber GjrmqMiftl - IJoUtmcM* W 

Biemeoten der Mathematik 60 weit gehe, dafs sie in die 
peinlichste Verlegenheit gesetzt werden, wenn es sich 
um die Abschliefsung eines Vergleiches handelt, wobei 
eUEie Richte Zinsrechnung den Vortheil oder Nachtheii 
4e9 dienten entscheiden mufs. Selbst unter den Can- 
4lijlit#0 der Magisierwürde ffiiidlNi «ich solche, die nichl 
ilimml den Kreia w defioireii «uifti^t Mpen 
gfiff ▼em Thennomelor qod Barometer hutlen » nicht in 
ganzen Zahlen dividireB kminteo, die vergeblich gefragt 
wurden 9 was geographische Breite sey und weder Pto- 
i ernst US noch Copernicus kannten. Ein fünfzig jäh- 
fig^^hulmann wufste sogar nicht, dafs die Fixsterne 
Sonnen sind. Man mufs doch in der That gestehen, 
dlA.iUe Bfothenuitilier, Physiker und ii9ltcaoweo OWr 
mliBW fflltTr Tielaiebr nieoiali eich dem Vorwurfe einer sp 

greimmAmm Vnmmfhdii in den ptiUol^ieolien Oi^ 
ciplioen auwetsen, »nd namentlich «eigen swei vdr nne 

liegende Dissertationen unsers Verfs. , beide vom Jahre 
de hQrizontibus sphaeroidiim und ohservatloms 
maUUcae, durch die grammatisch reine und fliefsende 
IjjpHlOhr worin sie abgefafst sind, dafs derselbe neben 
seinen gründlichen Kenntnissen in der Mathematik auch 
^ Fertfgkinl heaitzt, «ich in der lateinischen Sprache 
mdit Mea nrinilgfreobl» eondem auch mit Gewandtheit 
aimudrttcken , «nd ei daher idrwt wagen darf, fum^ 
Tadel offen aaszusprechen. 

Den Inhalt des letzten Abschnittes gehen einjgc 
Vorschläge zur Verbesserung des mathematischen Unter- 
nchte an den sächsischen Gelehrtenschulen und allen 
.ihnen ähnlichen Anstalten. Schon früher, S.31, bemerkt 
Am Verf., dafi» wohl ohne Widerrede in den neuesten 
rSMlen PreuOena erlenchtel« BcfiernQg am meistea fßr 
die Verheaaening dea Scbnlweaena gethan habe, wovon 
die segensreichen Früchte «nem jeden «obefangen ür- 
theilenden klar vor Augen liegen. Inawischen wäre as 
wohl möglich , dafs aus den höheren Schulen jenes blü- 
.benden Staates die Zöglinge durch die Vereinigung eines 
allm vaatoenden pbUolegiachen Unterrichts mit eifern 



M6 Drobisch, über Gj^mnasial- Unterricht. 

ausführlichen Cnrsus in den Realwissenschaften überladen 
vvürden, obgleich man nicht ohne Grund annehmen darf, 
dafs durch zweckmäfsige Vertheilung, passende Vorträge 
und etwas längere Dauer der Schulzeit mindestens die 
fäh igern Schuler eine ebeo so ausgebreitete als ^rtti^l-^ 
liehe Bildaag erhalt en kdonen. Vor allen Diogea milfste 
die auf blofse Wortgef^hraamkeit gerichtete, oder wie 
es hier heifst : „ den Sehrifteteller gleichsam pulverisi- 
rende," Erklärungsait der Classiker, wonach z.B. einst 
in diittehalb Jahren bei zwei Stunden wöchentlichem 
Unterricht nur die ersten 310 Verse des 2ten Buches der 
lliade beendigt wurden , es mfifste ferner eine zu fingst- 
liehe grammatische Zersplitterung und insbesondere die 
tneistens ganz zwecklose Wortkritik TemnedeB, dagege« 
mehr auf den Geist der allen Schriftsteller gesehen «er^ 
den, nm dadorch die erforderÜehen Lehratnnden für 
Mathematik und Physik zu gewinnen , damit von diesen 
Wissenschaften schon auf den Gymnasien so viel erlernt 
würde, um für die Universität eine gute Basis zu erhal- 
ten, oder mindestens so viel als nöthig ist, nicht etwa 
auf den Namen eines Gelehrten, wohl aber eines Gebil- 
deten Anspruch zu machen. Um hierbei die erfotderH- 
chen Grensen nicht zu überschreiten, verlanfl der Verf. 
blos einige regelmäTaige Lehrstanden flh* Mathematik und 
Physik,, womit Ref. ans Toller Ueberzengnng einstimmt, ] 
- mn so mehr, als diese bei der gegenwärtigen Lage der 
Dinge am besten geeignet sind , den früher üblichen Un- 
terricht in der Logik und Philosophie überhaupt zu er- 
setzen, indem jene wohl ohne Widerrede zugleich die 
beste Anleitung zum richtigen Denken gewähren. Aller- * 
dings läfst sich dem Unterrichte In der NalurgesGhiohle 
ein reeller Nutzen nicht absprechen, allein es ist allm 
schwierig, denselben sureckmfifeig elnsarichten. Der 
jugendliche Verstand ist nftmlich nur allzu geneigt zur 
Zerstreuung, und obendrein nmfs eben diese den Schü- 
lern, vor allen Dingen den jüngeren, aus Rücksichten 
auf ihre Gesundheit in vollem Mafse gewährt werden, 
jedoch nur in ihren Erbolungsstunden ; der Unterricht 



^ .i^cd by Google 



DvoMtch, übet Gymnattial • Unterricht. 



dagegen mufs allezeit den Charakter des Ernstes behal- 
ten, um frühzeitig daran zu gewöhnen, dafs das Stu- 
diieii tich nicht spielend betreiben lasse, was jedoch 
kaum vermeidlich ist, weoa die Mineralogie rar Be- 
UMgmg mh bttüten Steinen und die Zoologie ram Sam* 
meiii Ton Sefamelterlingen und Vof eleiern ftthrt. Hat 
irgend ein Lehrer grofte VorKebe ftr einen oder den 
andern dieser Zweige, so kann er bei einigen der Mfg^ 
lioge auch hierin als Erholung einen guten Grund legen, 
aas dem allgemeinen Schulpiane müssen sie jedoch aus- 
f«Bchlossen bleiben. 

Neben dem philologischen Unterrichte fordert der 
VerE dnna IHr die in den 4 oberen Classen Torzutrageodo 
liallKMNatik nad Physik nnr eine Stande «iglioli, wotob 
in den beiden obersten 9 der Pii;fiik gowidaMt werden, 
und da sich diese leMeren Classen leicht combinirea 
lassen, so fallen dem Lehrer nur 18 Stunden zu, also 
täglich drfti, wodurch derselbe nicht überladen wird, 
wenn man nicht fordert, dafs er zugleich noch einen 
leichten Autor erklären solle, wodurch es den Anschein 
gewinnt, ale aejen die mathematischen Wissenschaften 
aar, Nebensache. Aus einem gleichen Grunde mfissen' 
jene Leiirsinnden des Morgens ertheiit werden, weil sie 
eine ungesdiwächte Anstrengung des Verstendes erfor^ 
dern. Nicht unwichtig ist zugleich die Bemeifcang des 
Verfs. , dafs die Schüler oft in der Mathematik deswegen: 
^keine Fortschritte machen, weil die Eltern und Vor- 
mttoder zu geringen Werth darauf legen , was nach un- 
aer^r Ansicht zum Theil eine Folge ihrer eigenen Un- 
knndo darin ist , obgleich das Meiste auf der Fähigkeit 
laehrei« bemhet Nebenbei aber steht Letzterer moi» 
steos isolirt seinen übrigen , bios pliilologisch gebiideten, 
Collegen nicht sowohl znr Seite, als er vidmehr eine 
untergeordnete Stelle einnimmt und ahi schlechtesten be- 
soldet ist, was ihn und seine Wissenschaft in den AugeH 
der Schüler herabsetzt. Soll der Unterricht in der Ma- 
thematik gedeihliche Folgen haben, so kann er nur von 
ihres Faches vdliig kundigen Männern ertheiit werden^ 



die dtDO auf den Ruf fichter Gelehr^mkeit eben §o ger- 
gründete Ansprüche haben, als die blofsen Philologen. 
Für den Schulunterricht fordert der Verf. dann geineine 
Arithmetik, ßuolistabenrechnung und die Gleichung^ 
des ef»l$u und eweUeo Grades; ferner reine Planimetrif 
imd Stereonotrie, mthiiietische und alf^rftische Gfn*- 
meiw ind Goniometrie mit ebener Trigooomelrie.. Uimr 
aeeh Ueibi die bdhere Geomelrie TöUig ausgeschloteen, 
«HeiB eiae Ha^plHche d«l>ei ist, daft diese Gegenstände 
nicht etwa wie ein Oollegium vom Katheder vorgetragen 
werden (eine in allen Lehrzweigen den grÖfsten Krebs- 
schaden der Schulen ausmachende Methode, in die na- 
mentlich junge und eitle Lehrer so leicht verfallen) , son- 
dern <lafs die Schüler durch eiee hinlftngliehe Mepga 
von Aufgaben innig damit veriraal werdea, «ad .^mis 
aifeatiieh eine Fertiglceii darin erltpgw, wie deno ilbei^ 
. haapl daftaaf der Schale Erternle darch öftere Wieder- 
holang dem Geiste anverlllgbar eingeprägt werden mufs. 
Die Physik erfordert zugleich einige Instrumente, darf 
aber die Zeit nicht an unterhaltenden Spielereien ver- 
schwenden, wie denn überhaupt auf Schulen gar 
nichts populär gelehrt werden darf. 

Endlich erörtert der Verf. noch eine wiebftige Frage) 
beantwortet aie aber nicht so beeftinuni, abi Re£ dteM 
aeineraaitf Ihan Wirde, nämlich über die m benutzenden 
Ijdurbieher, die in der Mathematik und Physik ohne 
allen Zweifel ganz unentbehrlich sind, „nicht blos um- 
das zeitraubende, geisttodtende , den Schüler wie den 
Studierenden zur elenden Schreibmaschine herab würdir 
gende, Dictiren zu vermeiden, sondern aaoh vm mae 
Toa 8chreibfehJeru freie Gruadlage zu erhallen» auf 
welche mi^ Sichef hell f ebauet werden kaaa." Nan abar 
handelt ea eich am die Zweefcmiiraigfceit aehshet Ubx^ 
bicher. AUerdinge wird dem Lehrer sein Vortrag sehr 
erleiehleri,. wenn er eloea von ihm selbst verfafsten Leitr- 
faden zum Grunde legt, allein solche Compeudien sind 
schwer zu vxtrfassen und erfordern vorzugsweise die Hand 
des Meisteis. iieider abeü findet man gerade in diasam 



^ .i^cd by Google 



liSaber , über die Maiheniflülik auf Cijruinaaicn. 



wichtig^en Fache der Literatur so viele Beispiele unreifer 
Geistesprodücte. Ref. ist daher ganz entschieden der 
Meinung, dafs es am zweckmäfsigsteii sejn würde, so- 
wohl überhaupt als insbeaoodere namentiich für Mathe<- 
nnlik und Pbj«ik blos die von der oberen 8ohidbeb6rde 
hnUii^lloh geprüften Lehrbllcher aUgemein eiDBttAhren, 
mü der Aufgabe,* dieee in besHmmlen Zelifrislen dnrch*- 
zunehmen, worüber dann die Examina Auskunft geben 
mufsten. Sollte diese Ansicht als eine b^chränkende 
ZwangSQiafsregel erscheinen, so möge man nur berück-^ 
achtigen , wie viel die Franzosen gerade in diesen wi^ 
eeMchaftlichen DiscipUnen durch ihre sogesMnien CSonrt 
«Mgeriehtet haben. 

. Ret eateohnldlgl neh nicht wegen der AuefRbrüci^ 
kmt dieser Anselge, dem der Gegenetend irt alluiwicli*' 
tig, Tleloielir yerdient die inhahreiche Schrift, aus wel- 
cher hier nur einige Bruchstücke mitgetheilt sind, eine 
ernste nnd vorurtheiisfreie Beherzigung-. 

Muncke. 



V^ktt die MMmuatik Itehrti^dsi auf Opanasicn von Dr. L. M, 
Lauher, Pntfetaor am Kau. Offmnnrnm *« TUom* Berlin 1882. 
98 & 8. 

Die vorstehende Anzeige war gerade beendigt , als 
uns diese kleine Schrift zu Gesicht kam. Der Verf. 
echeint ein junger Mann zu seyn, der es mit dem Un- 
terridbte in der Mathematik ernstlich meint, und dem^ 
selben daher durch seine dffentiich dargelegten Ansichten 
einigt Voiachnb sn leielen wünsohi Was er hierüber 
sagt, isl kkr gedacht, anch ist sein Ansdmck ioi Ganaen 
veiH omI Iiieftend, ohne dafs jedoch Inhalt a^d Darstel^ 
iungsart eine Vergleichung mit der oben angezeigten 
Schrift aushalten. In der Einleitung wird als bereits 
ausgemacht angenommen , dafs der mathematische Un- 
terricht für die Gymnasien nothwendig gehöre, theils 
seiner selbst wegen, theils weil ohne dieses Hülfsmittel 
das hdohst wichtige nnd noChwendige 8tndinin der Mar 



Digitizeo by LiOügle 



$9$ Franke, Philosophie und Leben. . 

tariehre nicht auf die geeignete Weise stattfinden könne. 
Es kommt dann hauptsächlich darauf an , zu zeigen , auf 
welche Weise und in welcheai Umfange jene Wissen« 
echaft gelehrt werden müsse, was in BeBiehnn^eof Arith* 
metik, die Elemente der allgemeioea mathematisciiefl 
Aoalysis uod dann der aoaljtiechen aowohl als anch der 
reinen Geometrie einseln nachgewiesen wird. Ale An- 
hang ist diesem Abschnitte eine Darstellung des Bino- 
mialthcorems fiir ganze Exponenten hinzugefügt. Die 
zweite Abtheilung handelt vom Vorbereitungsunterrichte^ 
zuerst im Rechnen, dann in der Algebra, der anal^ti* 
sehen Geomeirie und endlich der reinen Geometrie, ailes 
nur in den engen Grenzen gans elementarer Darstellaag, 
Endlich sind noch einige Betrabhtungen über die Lehr- 
methode und Vorschläge zn einer nweckmifsigen AfaHn- * 
rientenprüfung hinzugefügt. Ref.- mnfe sich auf diese 
kurze Anzeige beschränken, und es den Männern vom 
Fache Uberlassen , die Ansichten des Verfs. näher zu 
prüfen. 



* 

Pkil9topki0 und LeAe», odert EU u ein TVamr, mtf tkim immn- 

den FVieden in und mit der Phihtapkk auhofftn^ — BSn BtÜrog. 
aut Forderung der phüosopliischen Anthropologie, wm Friedrich 
Franc ke, Doetor und aujscrord. Prof, d» PkOo», «v ßoffoeJb« Ber- 
lin, bei Beimert 1831. X u, IW S, 

Lange Zeit hat der Deutsche nur philosophirt und 
darüber das Leben und Handeln vergessen; jetzt da- 
gegen scheint man geneigt zu der Meinung :^n zajo, 
dafs man zum Leben und Handeln der Philosophie f äaz 
entbehren könne. Ist auch dieser Gang der Geistesneb' 
tung ans dem Gesetze der natfirlichen Reaction, wel-» 
ches, Gleichgewicht suchend, von dem einen Extrem 
leicht zu dem entgegengesetzten hinüberschwankt, ganz 
erkiSrlich, so wird doch der besonnene Denker, der 
sich nicht blindlings dem Zuge der Zeitmeinung hingiebt, 
die Einseitigkeit beider Richtungen nicht verkennen, 
und die gerechten Ansprüche beider Im Rinkii^ffg n 



^ .i^cd by Google 



Fraslre» PhitoMfhM iMid Ijeben. 



bringen wissen. \ar zu f&hlbar hat es den Deutschen 
die neure Geschichte des öffentlicbea Lebens gelehrt , 
dafs er, verloren in Spekulationen and Theorieo, die 
groinffligeB fineheiiittDgen des Lebens TerlriwDl mid 
dett' Bäf sar Thai nicht ▼ernomaien hat Mit Frenden 
nntf flsft Stola wird es daher auch der Philosoph aner- 
kennen, dafs das deutsche Volk nun endlich zur leben- 
digen That erwacht, mit rüstiger Kraft die Wirklich- 
keit den vorher nur gedachten Idealen gemäfs zu 
gestalten begonnen hat. So fruchtbar und so glänzend 
daher auch die frühere Periode für die Philosophie war^ 
so hoeh die Stellung war, «Ke sie daoiala in der dffent- 
lidm Mdming einnahm» dennoch wird der Philosoph, 
wenai^er sich frei gemacht hat von beschrSnkter Znnfl- 
▼oriiebe, jene Zeit des Glanzes för die Philophie nicht 
zurückwünschen, wenn es nur mit Aufopferung der 
jetzt erweckten Thatkräfligkeit möglich wäre. Aber dafs 
dieses Opfer eben nothwendig wäre, mufs bestritten wer- 
den; und gewÜü» nuifs auf der andern Seite von dem 
Praktiker, sofern er des besonnenen Denkens fthig un^ 
fllr die Idee einer harmonischen Geistesbildung empfilng- 
UA ist, vorausgesetzt werden, dafe er, was jene Zeit 
der Specuiation an sich und für die gegenwSrtige Zeit 
war, und was die Specuiation ihr noch jetzt seyn kann 
und mufs, sich klar bewufst i)leibe. Wer es anerkennt, 
dafs das Thatleben jedes Einzelnen durch den klar be- 
wufsten Gedanken beherrscht werden soll , und dafs ohne 
diese Herrschaft das Handeln des Menschen einem blin« 
den, thierischen Instinct prei^egeben sejn würde, der 
vmb es auch augestehen , dafe ohne klare Entwickelung 
des Gedankens in der Philosophie , das menschliche That-^ 
leben im Grofsen seines verständigen Führers entbehren, 
und der blinden Gewalt der Leidenschaft und des sinn* 
liehen Bedürfnisses hingegeben seyn würde. Und dann 
wird man einsehen müssen , dafs ohne vorausgegangene 
gründliche philosophische Aufklärung, die nicht bioa 
in den Schranken der Schule eingeschlossen blieb, aonr 
dem au^ alle gebildeten Claasen der Oeselbchaft ihr Licht 



V I 

Fmnbe, Philoiopliifi jinjl Leben. 



verbreitete, daill ohne die dadurch zum Gemeingal dtt 
Volks g;ewordenen religiösen, silllioiieOy roehllichen und 
poliliflchen Binsichteo, die fiemguttj^eii tumrar Zeit 4er 
klareo und feetea Ziele des Str^beos etitbehrea wird««. 
Man tergleiche nur den Charakter, den der U«iwii* 
zongsgeist unserer Zeit in den durch Aufklärung der Ein- 
sichten über die Zwecke iles Lebens nicht vorbereiteten 
Völkern, wie in Italien, Spanien und Portugal , genoin- 
meo hat, mit dem in Deutschland, oder man vergleiche 
noch näher den auf eine höchst oberflächliche s. Pfci- 
losopilie gegründeten hohlen Liberaiiamns der Framooen 
mit dem durch tiefere Philosophie geleiteten Lihmita» 
mu8 Deutschlands, und man wird der ToranagegangeBen 
Periode der Speculation ihren Werth für das Leben un- 
serer Zeit nicht absprechen können. Oder wollte man 
behaupten, dafs, nachdem jene Einsichten durch die 
Philosophie der früheren Periode einmal gewoauea se^en, 
nun doch jene mässige Speculation entbehrlich- aey, dafe 
es sich nur darum handle, endlich im Leben «nzu wenden, 
was bisher nur in der Theorie aufgestellt wordao, ao 
würde man vergessen , dafe die Philosophie in Deutsch 
land noch keineswegs ihren Lauf zum Ziele vollendet 
hat, dafs ihr, wie der Wissenschaft überhaupt, der Fort- 
gang der Zeit selbst immer neue Probleme stellt, und 
flafs die neuen V^erhältnisse , welche die neue Zeit 
bracht hat und zu bringen verspricht, unaufhörlich ao 
die Philosophie den Anspruch machen, sie uu begreifeD 
und ihre Bedeutung Ar die allgemeinen ZwwAe des 
Menschenlebens klar su machen. 

Dies ist der Hauptgegenstand , den sich Hr. Franke 
in dieser Schrift zum Gegenstand g^ewählt hat, somit 
gewifs ein sehr zeitgemäfser Gegenstand. Den Zwiespalt 
zwischen Philosophie und Leben, der als ein trauriges 
Factum in unserer Zeit dasteht, sucht er unpartheiisch 
Zu würdigen und aufzulösen. £r fafsl aber dies ¥er* 
liAHnirs in seiBem weitesten Siun, indem er nicht bhm 
das Thatleben trtMrhaupt dier WIssenscfiaft gegentber« 
itelit» sondern auch in dem Gebiete der Wissenschaft 



^ .i^cd by Google 



FUta«, PlütoMi^ «ad Uta. 8i$ 

itUMt den Zwiespalt cwtehen empirischen llttd ange-^ 
«Midti»ii WissenftchAlleii auf der eiaen 8eit«) imd der 
eigenilldMia SpeoiiliittiMi aif der atiderii Seite in Mine 
D en i a lll uiftg zieht. Efnselne Geticitlepedkito dieM Ver- 
lliilttliiee eind bereits in besonderen Darstellungen be- 
handelt worden. So hat bekanntlich *^ um nur die 
l^ichtigsten Erscheinungen dieser Art zu erwähnen — 
der geistvolle Pf izer in seinen Briefwechsel zweier 
DeutBcheo das Verhäitnifs der Speculation dem That-- 
iebea ned besonder tem dem polUlaohee Lehen "vondlglich 
MAttge geiafel; wogegen Gruppe in seinem „Anttue** 
du VerMtfilft der (S^iiletfen m der Bmpitrie nnd den 
aftgewendlett WiafteiiBehafte« mit tielem Aefwand r^n 
Gelehrsamkeit und Gei^t besonders betrachtet. Herr 
F'ranke dagegen fafst das Verhältnifs in seinen vielsei- 
tigen Beziehungen auf, und gelangt so auch zu einem 
richtigeren tieferen Resnltal eis seine Vorgänger. Bei 
JPfitter und bei Gruppe «-^ ee wie i»ei den meisten , die 
oenerlicli i«flMrdeai diesen Gegenstand belia&deil fattbea 
*** wird der Proodls gegen die Philosopllie eiltsdile^ 
deii) Freneke dagegen enttielieidet tfeh fir die Pill« 
losophie, ohne doch damit, wie Ree. glaubt, irgend 
einem gerechten Anspruch des Lebens , sey es von Seiten 
des Thatiebens oder der Empirie, zu nahe getreten zu 
seyn^ - Dies konnte ihnen jedoch nur aus dem Standpunlit 
der tieferen anthropologisch «»iLritischen Philosophie, von 
w eie tie m jene Iceine Ahndnng gehabt z» liabDn seliei'* 
Mn, gelingen. Wenigsteoi spricM Pfi«er eoWelll A 
Oroppe von der PtiSiMpliie immer nur so, als gebo 
es Jceine andere, als jenen unkritischen Dogmatisrtias def 
IdentitStsphilosophie, hauptsachlich in der Gestalt, wie 
Hegel diesen zuletzt als Lehre des concreten Begriflfil 
ausbildete. Oafs nun aber der Kampf gegen solche 
fi^pMulatien Mi dem Nachtheil derselben ausging, ist da<- 
Irt» iiMit so verwundern, da diese in der Tkat dem 
I«eben der That nnd der Empirie ungerechte Gewalt an** 
gethan hat, von weMler sich der gesande Geist unserer 
Zeit mit Recht befreien mufs. Nur irrte man darin, dafs 



Im Fmiike» Philottplik and Leta«. 

man diesen Sieg für einen Sieg über die SpeCiilation oder 
Philosophie überhaupt ansah. Diesen Irrthum hat der 
Ver£ ▼oUkommen Tenniedeo, and zwar dadurch, da(k 
er TOD dem anlhropolopscheo Standpunkt der fiiUoao- 
phie ausging, wie schon ^der Titel andeatet, der adne 
Schrift als einen Beitrag zur Förderung des Stvdiwiia 
der philosophischen Anthropologie" bezeichnet Ja die 
Befreiung der Philosophie von jenen hohlen Speculatio- 
nen ist gerade ein Hauptmotiv für den Verf. zu seiner 
Schrift, da er sich wohl bewufst war, dafs gerade sie 
es ist, welche hauptsächlich die Schuld davon trfigl, 
daüi die Philosophie in der öffeoilichen Meinung gesin* 
kan und dafe Miiktriiaep gegen sie sich so aligenein er* 
hoben bat Die „Bhren- und Lebensrettung" der Phi-» 
lesc^ie an übernehmen , bemerkt er (Vorr.S. VL), that 
um so mehrNoth, „als bei den vielgestaltigen Interessen 
der Gegenwart ein Neuscholasticismus sein Haupt er- 
hebt, und in der ang-emafsten Gestalt einer allein wahren 
Philosophie alle andere Philosopheme, weiche mit redii» 
ehern Walirheitsemst die meoscbüche Weit- und Lebens* 
ansieht aasaasprechen versnchen , mit slolaem Selbstabets- 
glaiAen yerdrSogen will. Wohl mag es diesem geli ngen , 
mit seinen dialektisohen Spiegelfechtereien und andern 
ihm sich anbietenden Mitteln eine Zeit lang die nach- 
sprechende Menge mit seinem Reize der Neuheit zu 
blenden, als sty er über den Gräbern der Geschichte 
der Philosophie der urschöpferisch erschienene Logos, 
der zur Erlösung der Menschen her niedergekommene 
lichtbriBgar« Dem» der die mögliche Aufgabe einer 
urahren menschlichen Weisheitslehre erkennt, mn& er 
'dodi nnr als ein logisches GSospeast erscheinen, welchüs 
mir so lange umgehen kann , als Nacht und Dämmerung 
dauern; sobald der anerkannten unmittelbaien Wahrheit 
Morgenroth und Tageslicht die Gegend begrüfsen, wird 
es in sein ursprungliches Niehls, woraus es stammt, 
verschwinden." 

y 

I 



Digitized by Googl 



Ni^ä& HEIDfiLa JAHRB. n; UT&BATUR. 18Mt 



Pranke, PJulosophie und, Lehen* / " 

(Beachlufs.J 

' Auf dem Wege der psychologischen Selbsterkennt«* 
nifs sucht der Verf. mit Recht einen haltbareren Grund 
liir die Philosophie, der auch gegen die Angrifie ihrer 
4Segoer Staud zu haltea vermag. Weno irgead j^oer Rift 
mrischen J^hiloMphie und JL«ä>en wieder ausgeglichen 
werded kann , eo ist es gewiA nur anf diesem Wege liri- 
Usch - psyehologisclier Sellislerkenntnift mogiich; denn 
nur diese kritisdie Methode ist es, weleiie das Leben 
yor der willkührlichen Gewalt des Begriffes ^oder Syste« 
mes sichert, indem sie nur die unmittelbar in der Ver- 
nunft gegebene Wahrheit zum Bewufstseyn zu bringen 
sucht, und welche neben der freien Speculation und 
ihren allgemeinen Gesetseo, die Würde und Unabhän« 

«igkeit der Empirie anerkennt, indem, sie iiir waiires 
erbiltnib ia den nrsprfingltehen Geseicen des mensch« 
licheii Geistes aolweist 

Darin ist uns zugleich eine Erklfirung gegeben, in 
welchem Sinne der Verf. die zweite Aufgabe seiner Schrift 
zu lösen versuche, nämlich die Untersuchung der Fragen 
oh auf einen dauernden Frieden — nicht allein mit, 
sondern nach — in der Philosophie zu hoffen sey , die 
eibaa.S»» wie die andere, b^aht wird, und wofür die 
Wege iMffend angedentet weiden. ^ Dem gem^nen Ur^ 
iheile mag allerdings nichts mehr als ein lemr sangui- 
nischer Traum erscheinen , als die Erwartung eines blei- 
benden, wohl gar eines von Kant verheifsenen „ewigen 
Friedens" in der Philosophie. Eine mehr als zweitau- 
sendjährige Erfahrung zeigt eine wohl mehr gewachsene 
jala Y^ffminderte Uneinigkeit unter den Philosophen über 
die ersten Anftnge ihrer Wissenschaft Besonders aber 
bat die aeaeste Z«t eine Unsahl von Systemen sich er- 

XXY. Jahrg. 9. H«fk. 65 



i 



1 



aW FffMke* Pliao««fU« oÜ Leben. 

heben gesehen , deren jedes mit dem Anspruch der Ua* 
tragiichkeit uad ewigen Gfiitigkeil aufgesleiit wurde, 
und deren Ewigkeit ck>ck nicht länger als wenige Jahne 
wShrte. Sehen wir nun hier bei dem Ver£ etwa dasselbe 
Schauspiel wiederholt ? Erhalten wir auch wieder die 
Proclamationen eines ewigen Friedens, gegründet auf 
eines jener ephemeren Systeme? Nichts weniger als 
dies. Dafs irgend ein philosophisches System, als Sj-^ 
slem, jemals der menschlichen Speculation eine bleibemle 
«ifl allgemeine BeffHedigung in der Weiee su gebe» ver^ 
möge , dafo in diesem alle specvlative Wahrheit vo lls i i« 
dig enthalten und fernerhin nur noch Ableitung ans ihm 
und Unterordnung unter dieses nöthig wäre, dies er* 
kennt der Verf. ganz klar, so gut wie jene über die Phi- 
losophie so voreilig aburtheileode Weisheit des gemeioea 
Mensch enrerstan des, als einen nichtigen Wahn an. Von 
einer absolnten Einigkeit aller Philosophen in Bioen» Sf^ 
siem ist hier gar nicht die Rede, und kann nach imm 
kritischen fitandpnnkt des Verfs. nicht die Rede seyu, 
da er nach diesem sich bewnfet seyn mufs, dafs das phi- 
losophische System nur der mittelbare, reflectirte Au»- 

Srnch der unmittelbaren Vernunftwahrheit sey, dais 
er mit der Reflexion immer die Möglichkeit 4es Irr- 
thnms Terkadpfl sey, daib alle reflectirte Brkenntnüii, als 
eine nenschlkh beschränkte ErkeantniAi, nie UBtri|fii> 
llehkell enthalte , und daft sie , von hmerer SeMbslbeofc* 
achtung ausgehend, mit dieser einer unendlichen \ er* 
Tollkommnung fähig sey. Die Einigkeit, von der hier 
die Rede ist, ist nur die in der Methode, nicht in dem 
System. Es ist nur die Meinung, dafe alle Philosophen 
aiif demselben Wege d emsel b o n Siele anstreben möolitSH^ 
in ihnli<^er Weise, wie in Qesdiichte, Spraclilunides 
Maturwisseaschaft n. a., ohne dieshalb anch in den Resnii- 
taten nothwendig zusammenstimmen zu müssea I7o<l za 
der Hoffnung berechtigt allerdings das Vertrauen auf 
die Kraft der Wahrheit, dafs alle Philosophen die un- 
mittelbar gegebene Organisation der Vernnoft als das 
Eine Ziel der Philosophie erkennen mnA nnr an£ dem 



Digitized by Google 



W«fe kritischer Seibslbeobachtaag diese zum Bewnüil- 
gagrostt bnBgeageiiidnschaftiich streben werden; möchle 
mm dies« Selbstbecriiaehtaog selbst mit sehr verschie- 
deBsn Glikdie gelingen und wm ▼ersobiedenen Resuitatea 

fÜhreD. Einig wären Jana doch die Philosophen in dem 
Ziele un<i dem Wege dahin ; einig in der entschiedenen 
Abweisung aller hohlen , unkritischen Speculation ; und 
allmäbUg |)ei fortschrmteoder Selbstbeobachtung müfstea 
die Gegeflsätae iesmer mehr sich nähern, nnd die Kräfte 
m dem gemeinsemen Bau des erhabenen Gebindes der 
rnll e n deten Themie der Vernnnfl, als dem Grundgesetz, 
der Magna Charta aller mensi^lichen Erkenntnifsthätig- 
keit, sich vereinigen. Auf diesen Weg die Phil6sophie 
hinzulenken, ist ein Hauptstreben des Verfs. , nnd damit 
dient <sr am zweckmäfsigsten seinem Zwecke der Ver- 
söhnung der Philosophie mit dem Leben. Je mehr en ~ 
gelingen wird, die Philnsi^phie in Einer mheren Me* 
thnde zu Tereioigen nnd damit dem losen Spiel der Sy- 
stembauerei entgegenzuarbeiten , desto mehr wird dae 
Vertrauen zu der Philosophie zurückkehren und ihre 
Würde erkannt werden. 

Durch diese Bemerkungen möchte der Gei^t und 
die Tendern dieser Schrift so weit cliaracterisirt sejruy 
dnfi^ wir uns nur mit einer kurzen Angabe seines In-r 
' hnUn begnügen kfonen. Das Ganze wird in drei Ab^ 
Uiei-tugen ^^esehieden. Die erste Abtheilung stellt 
„die feindlichen Stimmen der öffentlichen 
Meinung gegen die Philosophie" zasammeo, 
und ueterscheidet hier weiter : „ 1) die Unteren aus dem 
Volke f 2) die s. g. Webmänner und Dichter , 3) die 
gelehrten Oewhiftemänner y 4) der gelehrten Geschäfts- 
MlBuer gewonnene Ansicht ans der Geschichte der Phi- 
loiMphie.'* Ree mufs jedoch bemerken, daft ihm ge- 
rade dieüo erste Abtheilung am wenigsten gefallen wollte, 
fis macht keinen guten Eindruck, die verschiedenartig- 
sten Anklagen und Vorurtheile gegen die Philosophie, 
die abenrdesteB neben verständigeren, ohne aüe zurecht-* 
w eis e nder Binitik, nwr erzählend andnander gereiht zn 



Digitized by Go ^i .^ 



M Make, Philoiophie imd Leben. 

sehen, noch dazu oft übertrieben und entstellt zu finden. 
Besser wäre es wohl ^wesen, wenn der Verf. diese 
ganze Abtheilung gleich mit der zweiten ▼ei'bunden 

hätte, welche „die Ursachen des Mi fs Verhält- 
nisses der Philosophie zum Leben" darstellt, 
iofieni aus den Ursachen erst die Anfeindungen in ihrem 
rechten Lichte erschienen seyn würden. Als das Haupt- 
moment hebt hier der Verf. (I.) den Gegensatz zwi* 
sehen „Theorie und Praxis** oder zwischen der ,)Idee 
nnd ihrer Anirendnng" hervor, und weist dann dafür 
das wahre Verhältnifs in Ansehung des Religionsglao* 
bens, des Sittengesetzes und der Idee des Öffentlichen 
Rechts nach, indem er hier überall mit siegender Klar- 
heit das unabweisliche Bedürfnifs für den Menschen 
nachweist, die Praxis durch Theorie, die Wirklichkeit 
durch Ideale zu beherrschen. £r entwicknlt dann (IL) 
weiter das Wesen der Philosophie als lyissenschaft, und 
sucht hier besonders den Vorwurf zu beseitigen , als ob 
die Philosophie nur einseitig die Erkenntnifs, den wis- 
senschaftlichen Verstand, auf Kosten des Gemüths und 
sittlichen Characters ausbilde, indem er zeigt, dafs die 
Philosophie, als Wissenschaft, diesen Vorwurf zwar mit 
eller theoretischen Gelehrsamkeit theile, aber dennoch 
mehr als jede andere yor Binseitigkeit bewahre, weil 
sie das ganze ursprüngliche gt istige Leben des Menschen 
mit allen seinen Zwecken zum Bewufstseyn zu bringen 
strebe. Um endlich die aus der Geschichte der Philo- 
sophie mit ihren tausendfachen Meinungen und Thor« 
heiten so häufig gegen dieselbe erhobenen Angriffe ab- 
zuweisen , macbt der Verf. noch (III.) auf den Unter- 
schied swischen Vernunft und Verstand aufinerfcsam , um 
dadurch die mannichfaltigen Versuche des rntttelburen 
Ausspruchs der menschlichen Erkenntnifs durch die Re- 
flexion von der unmittelbaren Wahrheit der Vernunft, 
die in allen Menschen dieselbe ist, uuterscheiden zu leh- 
ren. Die dritte Abtheilung fuhrt dann noch zu- 
sammenhängender die dem ganzen Buch sn Grunde lie- 
gende Ansicht aus : 9)Die philosophische Anthro- 



Digitized by Qo 



Hooker, Flojra BoieAli - AmericaBa. 8(0 

polog^ie sichert uns allein die Evideuz in spe- 
cuiativen Dingen und damit die Hoffnung auf 
Einigung der Philosophie mit dem Leben," 
uod eotwickelt endlich in einem Anhang das Verhält- 
fäb der Philosophie zur Heilknode, Matheinatik, N««- 
lurwiaseneohaft, Sprachknode, Geschichte und Oiineral- 
ihmtuudmSL — Durchgängig spricht der Verf. mit der 
Klarheit, die ihres Gegenstandes vollkommen mächtig 
ist, und zugleich mit der begeisternden Wärme, die 
einen voo der Wörde der Sache durchdrungenen Sinn 
verräth. Wir hoffen, dafs diese Schrift ihrem Zwecke 
recht günstig wirkeo möge, wozu sie gaiUtgeeigoet ist 

M Sehmid. 



nmrm Soroeli-itfsiert'eesfl, or U» Boiany of tAt NMUm Parta 
qf BriHA dmtrkat eomfXUd prtmeipally from the PlanU colketed 
0» ike lote iiorfft«ni Ltmd SspedUhn», tmdcr wmmanä of Captain 
Sir iokn FramkUn^ R. N. to wkUk «r« «UM ikon^of M, 
Douglm9t fi^M nurik wt9t Amterwa, and •/ olAar »ataimlliCf. fljy 
fVillitumJmckaon Hooker t Profmar of Boiamy in tke Univ9nii$ 
of Glatgow €te. illuMtrated by nnmcrou$ Plates. London, Treuttel 
et irürtz ete. 4. Port. 1. 182S. Pari. 3. 1830. Port. ft. ISSi. 
, Port. 4. 1838. 

Die Torliegeade Flora des DÖrdlichsteu Amerika ge- 
hört mit zu den kostbaren Prachtwerken , deren England 
so viele besitzt, und die in Deutschland, wo man so oft 
die Gelehrten mit Mangel kämpfen läfst , nur selten ge- 
deihen. Wenn diese Flora ihrer zahlreichen und vor- 
trefilichen Abbildungen neuer Pflanzen wegen schon für 
den Botaniker! höchst intereseant wird , so ist sie es nicht 
minder wegen der Sorgfalt und Genauigkeit, mit der der 
Texl bearbeitet ist, wie eich denn schon im voraus eine 
schätzenswerthe Arbeit von dem auch in Deutschland bC' 
kannten und berühmten Verfasser erwarten liefs. Die 
von ihm besorgte Zeitschrift (Botanical Miscellany) 
wfirde ihm unter den deutschen Botanikern einen ehren- 
voUen Namen erwocbeo haben» wenn er auch nicht schon 



Digitized by Google 



819 HMker , Flom Boreali - Americana. 

vorher durch seine Flora Sootica, durch die mit Gre- 
Tille henmegegebeneD Ic&nes RUewn und zumal durch 
die Tortrellliehe Muscologia brHafmha iFortheilhuill be- 
kannt gewesen wire. 

Deber einige Gewächse der OstkOsM von Grönland 
gab Herr Prof. Hooker schon früher Nachricht , und der 
berühmte Robert Brown beschrieb die Pflanzen, welche 
Ton den Officieren der englischen Expedition zur Ent- 
deckung einer nordwestliehen Durchfahrt auf der 
▼nie -Insel gesammelt wurden, so wie Jene, die man m 
den Küsten der Baffinsluit und an der Possessione-Bii 
beobachtete, und lieferte, wie bekannt, einen botanl* 
sehen Anhang zu Capitain Pranklin*s Bericht von einer 
Reise nach den Küsten des arktischen Meeres, der unter 
dem Namen Richardson's Flora der Polarländer gedruckt 
wurde; so dafs also nicht zu verachtende Vorarbeiten Ar 
dieTorliegende Flora des brittlschen Nord- Ameiiln ^or^ 
banden waren, nichts desto weniger bll^b noch ungemein 
Tiel zu thott fibrig, und besonders lieferten die ausge- 
dehnten Küsten des nordwestlichen Amerika eine reiche 
Ausbeute von bisher unbekannten Gewächsen. 

Die Ordnung, welche der Herr Verf. befolgte, ist 
das sogenannte natürliche System , und zwar sind die 
Fbmilien so gereiht, wie sie Decandolie in seineii allhe« 
kannten Werken ansuordnen beliebte. Bne Charakteri- 
stik der Familien Ist nicht geliefert, sondern nur die der 
Gattungen und Arten mit Angabe der Synonyme, mei- 
stens aus amerikanischen, englischen und französischen 
Werken, während von deutschen Schriften höchst seilen 
nur eine oder die andere angefthrt wird. Die Diagaosun 
der Gattungen und Arten, so wie die Besehrelbiingen 
der letsteren sind in lateinischer Spraohe gegeben, da- 
gegen die Angabe der Standdrter nebst den eahlreichea 
Noten über die eigene Structur und andere VerhUhnisse 
der aufgeführten Pflanzen in englischer Sprache abge- 
fafst sind. 

Die Ranunculaceen machen den Anfang und sind 
sehr ^hlrdch, wie sie denn iberbaiqpt in den ndrdü- 



Digitized by Google 



^^^^^^^p'^^^^^v^^^v^ ^ ^^^^^^^^^ ^^^^^^^^ ^^^^^^^v ^^^v^^^^^^^^v^p^v^^^^^^y^w ^pi^^p 

€Uoa Mcl lulltereD Gegeadep der Erde liai|%er vorkam- 
MM 9 als ia den südlichen uad wärmereo. Mil EarogM 
yniri« hBi da§ ndrdliahe Amerika foigeiida Artoo : Jmer 
mommiMroM, nardu^way HepcUica iräoba, Adi^ 
IM» mAwnmaUsy Rammculus aquatilis , Flammula, sce^ 
leratus , lanug'mosna, acria, repens , hidbosus, Aconi- 
tum Napellus und nasutum, die zugleich die einzigeo 
fiUarmluit- Arten sind, welche in jenen G^enden vor- 
kommen. Diesen eigon und neu sind digegeo Clematia 
JOrn^fikmUt Jnemone d^oidea, Mammcuim glaberri- . 
mam, tmaßBp brwkfoidk^ *€€mäiophgttu8y8ehiechim^ 
. daia Da« Qördliche Amerika hat 6 Arten von Caltka , 
während Europa uad das nöidliche Asien nur die einzige 
Caltha pabistria besitzen. Neu sind ferner Aqmlegia 
breviatyla, Delphimuin aiinplex und Paeonia Browmi, 
welche letztere zugleich die einsige Gichtroeen^Art iai, 
^ie ioa brittisohen Amerika ▼orkonunt. 

Die Berberideen md nicht nahireich, wie iie 
eeanch In Europa dteht eind; et kommen vor; Berherw 
vulgariay pinnata, AquifoUum, nervosa, Leontice tha- 
Udroidea , Achlya triphylla und Ephnedium hexandrum. 

Die Podophylleen machen eine kleine Gruppe 
aus, die in mehreren amerikanischen Provinzen zerstreut 
eiad , I« diesen nördlichen Gegenden wnchaen nur Podo- 
phyUam pakaium und B^drapeUk pwrptarea. 

Anoh die Nymphaenooen mangeln nicht gi^nz, 
wie sie denn gleicli^ einigen andern Wassergewächsen 
ungemein weit auf der Erde verbreitet sind, es werden 
au^eführt Nymphaea odorata, Auphar lutea, Kai- 
'miana und advena. 

.Nmn folgen die Sarrncenieae als eine dgeneFn* 
«ullo nach de la Pjlaie,, nur die oinBige Gattung Sarra- 
lämdm enthaltend, von der man bis jetst nicht recht 
wufste, wohin man sie bringen sollte, wie denn auch 
Bartling sie unter die^ Genera dicotyledonca dubia seu 
mcertae aedia zählt; Reichenbach brachte sie zu den 
Aroideen, und zwar in die Gruppe der Nepentheen, und 
fiehnltz etellte eine eigene ^fintenünb- Familie'' auf, dio 



uiyiii^uü Ly Google 



812 . Uoolfer, Flora Boreafi» Amenfiaaa. 

er Diphyllejaceae nennt und ans den Gattungen Podo^ 
phylUim, Jefferaonia, AchlySy Caulopht/Uum , Leontit^e, 
Sarracenia und Diphylleja zusammensetzt und sie neliM 
die Nelumboneae bringt, wie Herr Hooker ^ bo dafs mmm 
sieht, wie die neoerea Botaniker trote enigegengemlm^ 
Ansicbteii doch in raaacheo Paakteo sieh wieder nähere, 
Sarraeenia pwrpurea ist übrigeM. die eiasige in diese 
neue Familie gehdrende Art. 

Papa veraceae. Die Familie der Mohue ist in 
jenen Gegenden spärlich voriianden , denn man findet da 
nur Papaver nudicaule, die schöne E§ch9cholMia caU- 
fomica und Sangumaria canadenais. 

Auch die Fumariaceae sind da nicht zahlreich, 
und Ton den eigentlicheo Fumarien wird hles I\muu im 
media genannt, die von F. 0£fiemaU8 schwerlich spe^ 
€iell Terschieden seya möchte, sonst kommen Tor fönf 
Arten ^on DhfyirOf eine Adbtmia nnd 4 Arten von 
CorydaUs, aus welchen Angaben man leicht eine Ver- 
gleichung mit den europäischen Fumariaceen anstel- 
len kann. / 

Die Cruciferae gehören vorzugsweise dem Norden 
an, und so sehen wir Me denn auch hier zahlreich aof* 
gezählt. Unter den aach in BnMpa eioheiikiisclien Krems* 
blamenpflaazen bemerkt man nnter andern ; Na^uriimm 
offidnaXe nnd paUtsire, Barhwrmi cwi^wis und prae- 
eoiapf Jkannih glahra, Arahis alpina , Cardamme prtMr^ 
tenah und kiraiaa, Draba alpina und lapponica, Era^ 
phila vulgaris, Cochlearia officinalis und danica, 
Thlaspi arvense, Hesperia matronalis, Erysimum q/w 
ßcinale und cheiranthoides , Braya alpina, Lepidimm 
ruderale, Capaeüa buraa fosioria. Dem nördtichsiea 
Amerika eigen und neu dagegen suid : CSftelrimMiis cm» 
pitaiua, TiarrHkmoUk, sirieia, retrofraiAa, diffusa^ 
Macropodkm iaekdaimm, VeBieaHa didymocarpa, 
t)räba oUgosperma, Heaperia Menzieaii, Siaymbrium 
curviailiquum und Iwmile, Eutrema arenicola, Platy- 
spermum acapigerum, Thysanocarpus curvy^ea, eine 
neue Gattung bildend,, u. s. w. 



Digitized by Google 



mmüm^ Flora Bwwitt>Amirirawi m 

Cappar Ideen gehören vorzug^ weite den wir- 
! i> em> Regionen an, ^€i■lMr finden wir. hier nur C te m m$ 
h i nm «od P^htmtim grm^Blm», dtttelbe gilt wom ilea 
Otoiia^en^ die in jenen nndierett Gegendeit mnt oooh 

darch HelUmthemum canadenae^ Lechea villosa nnd 
minor y so wie durch Hudsoma tomentoaa repräsentirt 
werden. Reichlicher schon sind die Violarieen vor- 
luiiiden, aher einzig nur aus der Gattung Fiola saftbelf 
«kren 22 Arten hier besoiiriaben sind, wOTon nur FMm 
•Mdw wad VMa Mentor mmth bei wm wkommwB. 

Die Droeeraceen bilden im 6h«cn nnr dne kleine 
Gruppe, aus welcher hier Drosera rofmdifoUa, angUea 
und Unearis, dann Pamassia paluairis ^ parviflora , ca* 
rolmiana, Kotzebuei nnd ßmbriata vorkommen. 

Von den Poijgaieen sind im brxttischen Nord- 
AoMivikn nnr wenige einheimisch , es nnd 7 Arten der 
'SnClvng PolggiOa eelbel, nnier denen beinndein P« Se- 
mtga Intereseant isl. ~Uai eo reiohllclier finden sich dn 
dfe Caryophylleen, weiehe iberhavpt ihr Manlmnm 
in der nördlichen Hälfte der Erde haben; zu jenen, 
welche auch in Europa wachsen, gehören : Silene acaulis, 
inflaia, Jlrmeria, welche letztere Pflanze eben 80 wie 
Agrostetnma Githago als eine eingeführte betrachtet 
-wird; ee haben lieh alen in Amerika eben so einige denl» 
nebe Wannen ▼erbreilet nnd sind dnhelmledi geworden»' 
wie bei nns jetet Erigerm ernmAme^ OmmÜkera hknnk 
wlüd andere gemein wild wachsen , da sie doch uuspröng- 
lieh aus dem neuen Continente stammen. Es sind ferner 
zn nennen : Sagma procumbena , Spergula arvemis und 
— rfena, Larbr^aMäigmosaf SUUaria media, Arenaria 
■nAw, Ceraeümn vulgaium, viscoeum, aipinum, orw 
unwifl n« e. w. Amnrikn etgenthimliciie nnd ntgleiob nene 
JMen ändt SleneJ^aagUmeiiy iSroolerl, D rtmm eml ä , 
Menziesii, Stellaria borealis und ovalifolm, Arenaria 
nardifoUa, Fravklkm und macropfu^üa, Merckia phy- 
eodes n. s. w. 

Der Lineen sind nur wenige, nämlich Uaum rj- 
gidump virgimamm nnd pereime. 



Digitized by Google 



814 



Hooker t Flo» Bwiiiili-.Ii— liiiBiui. 



Die Mal?aceeD gehören vorzugsweise wärmeren 
Gegenden an, daher man in dem nördlichsten Amerika 
deren nicht viele suchen darf, dennoch finden eicll Arte» 
▼on Hibiscus Bfid Sida^ die in Deutschland gUB frend 
•iiid; ftberkaiipA wird meii ältere die Bemerkwg m 
cheo Gelegeaheii haben, deb Gitteogen , welche mr- 
eegewefie in wermea Klnneteo vm Heese sind , wie eben 
Sida und Hibiscus , Arten besitzen, die sich in Amerika 
in weit nördlicheren Landstrichen vorlinden, als derglei- 
chen unter denselben Breiten im alten Continente vor- 
kommen, was um so mehr auffallen mufs, da, wie be- 
kannt, Amerika weit kälter ist, als die nnler gleiolMr 
Breite liegenden enropäieohea Länder. 

Von Tlliaoeen kommen hiee TUia gUAra «nd 
|ic»&etcent vor, nnd von Hyperieineen 9 Arten, wo- 
von einige neu eind, wie Hypericum eUiptiemn und H, 
Scouleri ; von den unsrigen ist blos H, perforatwn , und 
auch dies nur bei Quebec anzutreffen. 

An A c e r i n e e n ist das brittische Nord - Amerilia 
.verhältnUemäieig selir reich , denn es sind deren 9 Arten 
.vorhanden, die groleentheila bei nne in Anlagen yenegen 
werden. 

rubnm, Negmidtk n^aw. Aflfl> dieeem loteten 
Banme nnd ane jieer dmtfearpmm wird Zudcer bereitet| 

so gut wie aus dem gemeinen Zucker- Ahorn. 

Die Ampelideen begreifen nebst Ampelopsis 
quinquefoUa drei wahre Arten von Vitia, nämlich Vitis 
hahrusca i vulpma und riparia. Von der ersteren wer* 
den besonders zwei Varietäten cnitivirt, die man mlnr 
den Namen Blandes Grape nnd I^abßUa'-Grape humL 

Sehr epftrllch eind die Goraaiaoeen in jenen Ge- 
genden verbreitet, denn es finden sieh nnr Gei lanmin 
mactdaium, alhiflorum (eine nene Art) und carolhua" 
mim sowie Erodmm cicutarhan. Von Balsamineen 
ist Impatiem ftdva und palUda vorhanden, von Oxa- 
lideen OxaUs comiculata, stricta, Acetoaella und 
träläfoiium, weiche letztere der Nord west - Küste eigen 
ist, von Rotaeeen Mos SUmikoaqßkam frmMammm nnd 



Digitized by Google 



äooker, Flora ••raaU-AoMvlMiMu tü 



Besser siuci die Celastrineae besorgt; aufiOT 
Siaphylea trifoUa aad awei Artaa Ton Evanunm» indett 
MäwMh€k^ku^rm9e€mdm99 der dort BiMenrilt fBillor 
Sweei) ttnd W$mD0tk heUhl, fmer Mygmim myrH- 
ftSa, Jle» op&ea, Buwi AriM too FrAiof vod Nenuh- 
panihes cmadenais. 

Aach an Rhamneen ist kein Mang^el, ja es wor- 
den selbst einigte neue Arten entdeckt, wie Rhatnnus 
oleifolms und ü. cuneatus, Ceanaikua vebUmm und 
laevigatus. 

Die TerebiDihaceen haben in Jena« Gegenden 
«nr die einnife Oattnnf Ate», woven V Arten nnffeiUiri 
aind; der Herr Verf. Mi Rhm nkrk^hra nnr für eine 
Varietit A. typhma^ dagegen f&hrl er Rhus radi^ 

cans und A. Toxicodendron als besondere Species auf. 
Neu ist Rhus lobata , an der Nordwest -Küste ein- 
heimisch. 

Die Legaminosen gehören zu den gröfsesten Fa- 
milien des Pflanzenreichs, auch ist die Zahl von Ge» 
wSohaen,* die in diese Abtheilang gehören nnd in jenen 
degenden rorkommen, so grofei dafii es nn Tiel Aanm 
erfoffdem würde, die Onttnagen alle etoneln dnrchni« 
gehen, oder auch nor die nenen Arten wm nennen, die 
man dort kürzlich auffand. IVferkwürdig bleibt der Um- 
stand , dafs das nördliche Amerika mehrere baumartige 
Hulsenpflanzen besitzt, die in Europa ganz mangeln. Zu 
den nordameriluinischen Hülsenpflanzen, die auch bei 
vne vorkommen , -gehören unter andern Meäietiga ktfU^» 
Ihm, MeUMuB oJ^ekuOiBf Trifolium mimemn, pt^ 
lenee, rspene» Wida Otaeem und Mlina, Enrnm ääp- 
anfiifii «nd t&irttsperfmim o. 8.w. Dagegen mangeln in 
Deutschland folgende Gattungen als einheimische ganz, 
nämlich Thermopsis , Baptisia, Hosackia, Psoralea, 
unter denen besonders P. braoltiata interessant ist ; es 
ist dies die Pflanze, weiche einige Heisende die cana- 
dische Wiesen -Rübe genannt haben (Navet de prairie), 
ihre dieke Woroel ist apsndeifiirmif , 4 --10 Zoli iany, 
nnd Jwird von den Indianern gerdatet gegeaien; ferner 



Digitized by Google 



^76 liooker, Flom BoreaU-AmericuA^ 

Glycyrrhiza, Peialoapermum , Tephrosia, Amorpha, 
Robmia , Desmodmm , Lespedezia , Amphicarpaea., 
Phaseobis ^ Lupmm , ivovoo 20 Arien im brittiMilM 
Nordamerika wachseo, O^mnocladua und Cerda. 

Voo deo Rosaceen, wie sie Jiumi einst ordaei«; 
bildeten neoere Botaniker mehrere eigene Fnmiliea, Hn 
Prof. Hooker aber ninunt sie noeh gaos in dem alten be- 
dentenden Umlange, wo sie auch die Amygdaleen, Po- 
maceen , die Spiraeaceeo u. s. w. umfassen. Von den 
europäischen Rosaceen finden sich dort unter andern : 
Prunus Spmosa, Spiraea Aruncua y Geum rivide ,.Bulm8 
Chamaemorua, Fragaria veaca , PoieaHUa sti^^ut , pa- 
btstriSy anserina, argentea, opaca, norvegica, Agri' 
monia Eupotorkt^ Alchemilla vulgaHa, P^terkm Stm^. 
fui8Qrba IL 8. w* Nene und eigene Arten dagegen sind : 
CerasttS emarginaia, moWa, Spiraea Dmiglasii und 
8.Menzie8Ü, Drjaa Drummmdü , Rubus Menziesii und 
nivalis, PotentiUa effusa, Drummondii , diversifolia , 
pulcherrima, rubricaulis , gracilis , ßabelUformis , can- 
cirma, Horkeli^ cangesta, Poterium arnnrnm^ PfgtmB 
rivularis. — 

In dem vorliegenden vierten Hefte bilden die Ott«- 
grarieen die letzte Familie, ohne jedoch gans beendet 
so sejn; man findet hier M Arten ¥on ^Mbftmm, wor- 
unter mehrere earapilsche , wie S, tay^ttstifoUum , alpi^ 
man, wigaaifoikim, tetragonum, palustre u,8,w., aber 
auch neue Arten, wie E. opacum, glandulosttm, mi- 
nutum; ferner fünf Arten von Gaura, unter denen G. 
parvißora, marginata und glabra neu sind, sodann 
Id Arten von Oenothera, worunter 0,paUida, leuoo-- 
carpa, Camien, viminea, Undlieyif deemnbena, ^pmiri^ 
,wdnem, Boatbü, psfgmaea, spbr^O», vnrUeseena, 
cogaoria. Man findet fernem zwei Arten von Clarckia, 
womnter die kfirslich anch in deutsche Gärten einge- 
führte niedliche Clarckia pulchella ; ferner zwei Arten 
von Isnardia, Circaea lutetiana und cdpina. Proser- 
pinaca palustris, Myriopkyllum spicatum, verticilla-^ 
tum nnd tmeUum. Den Beschliüs macht die Charakte- 



Digitized by Google 



risistik der Galtaiig: CaUMriehe, d^ren Arten aber nicht 
oMlir ia diesem Heile itehen, neh iehh noch der 
Haupttiiel und die ESnleiinng zu dieaem Tonrtlglicliea 
HVerite, was, wie auf dem Umschlag bemerkt ist, nach- 

geliefert werden soll. 



C/«^r eine zweckmafsigere Einrichtung des Schulwesens in kleineren 
Städten^ von E. C G. Zerrennert Kon. Preufs. Consi^torial- u. 
Schulrath , Dir. des Kon. S c hülle hr er -Semin, u. des Taubstummen- 
Instit. in Magdeburg ^ Schulin&pector das. und Hilter des r. /f. 0^ 
Magdeburg, bei Heinrichshofen. 1832. 8. (lUO S.). 

In der vieibeqiroGheoen und auch im Leben bear- 
beiteten wOrdigeren Angelegenheit unserer Zeit müssen 
die Belehrungen eiues um das Schulwesen so verdienten 
Mannes, wie der Verf. ist, willkomtnen seyn. Sie sind 
ans dem Leben hervorgegangen und gehen auf das Eia- 
sdne ein. Welche Schulen für das Bedurfoifii der klei> 
neten Städte gehören, das Aeuftere und Innere dersel- 
ben, Zahl und Besoldung der Lehrer, Gebäude, Lectio* 
nen , Oassen , Prüfungen , Lehrgegenstände und die 
Uaterrichtsweise bei einem jeden, Disciplin, Ferien und 
dergl. m. , was zu der praktischen Einrichtung gehört, 
alles das ist, obwohl zum Theil kurz, doch anwendbar 
angegeben« Auch ist gezeigt, wo die wechselseitige 
Binrichtang statt finden Isdnne, ftber welche sich der 
Hr. Verf. in einer früher von ans angezeigten Schrift 
ansRlhrlich erklärt hat Das Fortsehreiten zum Besseren, 
wie man es besonders durch die weise und väterliche 
Fürsorge für die Schulen im Preufsischen gefördert sieht, 
wird mit Dank gegen den „unter jedem braven Volke 
hochverehrten König," in der Einleitung wie billig, und 
das aufinnnternd , erinnert Der Inhalt dieser Schrift 
selbst sagt das. 

Wir verbinden, hiermit die Anneige einer ähnlichen 
Schrift 1 



Digitized 



Pi€ V erbeaterung der deutschen Stadt tehulent mit fretoi»— 
derer Rückeieht auf die sächsischen aufgefafst und dargestellt von 
M. Ernst Mas. Müller, Bürgerschut-Direetor m Pirna, liiqyg^y 
beiW.hwffer. 1832. 8 (183 S.). 

Auch diese Anweisung^ verbreitet sich Aber alles jeiM 
Eiüzeloe, was in dem wirklichen Leben bedacht werden, 
mofs, rügt manches, wohl mit gutem Grund, und er- 
Iheih guten Rath, wie er dort anwendbar seyn mag, 
imd zugleich allgemein belehrt Wer auch nicht fiberadU 
'mit dem Verf. fibereiiistimmt, wird doch die gofteo Vor- 
schläge oichft Überhören , und der edlea Wärme» womit 
sie dieser einsichtige Sehvlmaiio vorträgt, eineo erfreu- 
lichen Erfolg wünschen. Er geht vornämlich auf den 
Schulorganismus für die Lehrer und Aufseher ein. . . 



Als Beweis, wie ernstlich die Frage der Schulver- 
besserung das Nachdenken allgemein in Bewegung setzt, 
dient die nicht geringe Anzahl auch von kleineren Schrif- 
ten, welche in diesem Jahre fiber diesen Gegenstand et* 
sdiieiieB sind, Sie haben zum Theii Mos iocale Besie- 
hung. Wir zeigen folgendes Buch an y welchas das 
Ganse der Brziehang omfafst 

Pädagogik und Kaiocktiik, Gnmdtdtwe der EnMmg nmd d» 
ÜnUrrMU und tArir GeeehiokU natih Tfiemef^tr und Buhhopf i 
o/ffduooud MOtunidt UHdMgmd tüm BokmUL Btrmugkgilkm 
wm Dr, ehr, Koch, Prof. mJdairtim^. Duo, hei Pi. €h, Avdi. 
ISSIL 8. CXUu. t» S), 

Die kurze lateinische Vorrede „nach Quintiiian 
wie sie fiberschrieben, „von E. H. G. 1829. vot dem 
Slylvesterabend ,** wie sie unterschriebet ist, gehört woM 
ztt den Sonderbarkelten des Ver&, eines edemallgett 
ClynraasialieAfrerB. Er sagt fn dieser Vorrede, dafs er 
keinen Lehrer erziehen wolle, der ihm nicht von seiner 
Kindheit an übergeben werde. Hierauf redet der Her- 
ausgeber davon , dafs pädagogische Seminarien auf Uni- 
versitäten unter praktisch gettbten Vorstehern errichtet 



Digitized by Google 



m 



seya solUeo , und dafs die praktisobe Pidagtgik und 
Katechetik olcht in die phiioMphisciM) eoMktn im die 
Iherittgitolie Factth&t gehöre. 

Die Einleitung erkennt in der Erziehung der Mensch^ 
heit zu ihrer höchsten Bestimmung das Werk Gottes^ 
md in der Religioa daa Mittel. Ganz recht; wie aber 
der* Erzieher In dieses Gotteswerk eintreten solle, dazn 
beAirf er der Belehrung. Allerdings ist ihm hierzn An« 
ihropologie und Ethik u. s. w. nöthig, wenn aber der 
Hr. Verf. dann weiter den besonderen Theil der Erzie- 
hungskuode eintheilt in die sogenannte Didaktik, wo* 
Yon die Katechetik ein wesentlicher Bestand theii wegen 
der Reiigionslehre sey, und in die Theorie des Schul- 
weienSy welche durch die Geschichte dessehen unter- 
sifttzt werde, so sieht man kein logisches Princip dieser 
Eintheilung, und findet sie auch nicht als einen beque- 
men Leitfaden fSr alles das, was zur Erziehungskunde ^ 
" gehört Auch stimmen wir dem Verf. nicht in seinem 
Urtheile über die Levana unsers Jean Paol bei, 
wenn er ihn darin einen poeti^hen Theoretiker nennt; 
denn die Genialität dieses f emftthTollen Schriftstellers 
giebt da wohl manches blos Ideale, aber rfe erMbet doeh 
Blicke in das kindliche Gemuth und ffir das Ganze der 
Bildung, woran es dem Erzieher gewöhnlich zu sehr 
fehlt, Dagegen stimmt Ree. ganz mit dem Urtheü fiber 
ttnsers Niemeyers Grundsütze der Erziehung 
u4 des Unterrichts ein, und hat es schon beider 
ersten Bfschettiaag dieses Werks I. J. lIMk tet ebeiüo 
MentHch ausgesprochen, dalk es da» erste Yolktindige 
Handbuch der deutschen Erziehungskunde sej, als ein 
geordnetes Aggregat von Erfahrungen n. s. w. Mit Recht 
verweiset also unser Verf fiberali auf dieses Werk, und 
so im Geschichtlichen meist auf R«hkopf ; allein für die 
jetzige Zeit bedarf man doch mehr und hat auch mehr. 
Die eignen Gedanken des Hrn. Verfs. In den angehängten 
Zweifeln und Fragen leiten auch öfters das Nachdenken 
auf ein weiteres BedHrfnifK 



Digitized by Google 



880. 



Die Erziehungslehre im eogereo Sinne, welche iin 
Isten Buche behandelt wird^ setzt den Haupteweck io 
' die Ausbildiiog der reiomenachlidien Anlagen m etnen 
gewissen Grade der körperlichen, geistigen ond sitlr 
liehen Selbstständigkeit. Aber welche die reinmensch- 
liehen Anlagen sej^en , welcher Grad der Ausbildung 
das höchste oder niederste Maafs se^, und dergi. , wird 
. man aus dem , was weiter gesagt ist , noch nicht er- 
lernen. Und so wird der praktische Erzieher bei allem 
dem, was als Mittel und Regel ang^eben ist^ nodi 
nicht Genüge geleistet finden. Wenn dabei nun inuDer 
nur Yon christlicher Braiehong die Rede ist, so eignet 
sich doch alles das eben so gut z. B. für die Israeliten. 

Das zweite Buch hat die Unterrichtskunde zum Ge» 
genstand. Die allgemeinen Sätze derselben sind zwa|r 
weder ans ihren Gh'llnden noch in ihrer Vollständigkeit 
entwickelt, aber sie sind mit manchem Interessanten ver« 

bnnden. Ueber die Begriffe von analgetischer und syn- 
thetischer Lehrart, die mit concreter und abstracter, 
mit heuristischer und compendiarischer oder wissen- 
schaftlicher verwechselt sind, und wornach denn auch 
die katechetische und akroamatische bestimmt wird, 
lig&e sich ebenfiiUs mit dem Hrn. Verf. rechten. Es kl 
übrigens viel Praktisches angegeben. 

Das dritte Buch handelt von dem öffentlichen Un- 
terricht. Auch hier vermifi^t man vieles von den neueren 
Fortschritten. Die Meinung, welche der Hr. Verf. noch 
mit Niemeyer theilt, dafe die Sonntagsschalen in Eng- 
land entstanden sejen , müssen wir anch hier ausdrücklich 
berichtigen. Sie sind vielmehr fast 30 Jahre früher in 
Deutschland , namentlich im Badischen , und durch eine 
Verordnung von Karl Friedrich eingeführt worden, wie 
der Unterzeichnete in seiner Geschichte der Erziehung 
(Ute Abth. & Ö02. 2te Aufl.) urkundlich bewiesen hat 

(D«r B999hiuf$ folgt.} 



Digitized by Google 



i\^ ö& U£1D£LB. JAHRa LITERATUR. 1811. 



Schulwesen. 

( B'eachlu/:) 

Ein sonderbarer literarischer Irrthum ist es, dafg 
der Verf. aus der M**'"^ Lg Prince de Beaumont 
(welches der Familieiuiaine war) eine französische Prin- 
zessin machte welche es nicht aoler ihrer Würde geachM 
tmbey io ihren mehrfach übersetzten Magamna dee ei»- 
fans Sfe, den noch nicht Qbertroffenen Lebrton Ar 
here Töchtererziehung praktisch zu zeigen. Diese allere 
dings ehrenwerthe pädagogische Schriftstellerin schrieb 
ihr mehrfach nützliches, aber keineswegs im christlichen 
Lehrton noch nicht übertroffenes Magazin als Vorsteherin 
ihres Instituts zu London. Dagegen nehmen wir dankbar 
die historischen Nachrichten an, welche uns der Ver£ 
aas Hessen mittheilt Die Sjnode, welche unter Philipp 
d. Gfofsen zu Homburg in Niederhessen i. J. 1526. znr 
Einführung der Reformation gehalten worden, machte 
den Beschiufs , dafs Töchterschulen im Lande angeordnet 
würden , deren Vorsteherinnen würdige Frauen seyn 
sollten; die Ausführung sej jedoch vermutlüich durch 
diß niiQhnialigen Kriege unterblieben. Ferner meldel 
der Hr. Verf.: ,|Al9 die Dänen Oxford und Cambridge 
Im Anfange des Ilten Jahrhunderts zerstörten, grfln« 
deten schottische Königstöchter in Verbindung mit dem 
frä nkisch- hessischen Grafen Conrad , dem nachmaligen 
2ten Kaiser dieses Namens, zu Wetter bei Marburg das 
Beoedictiner-Nonnenkloster, welches durch eine gelehrto 
Stiftsschule besonders seit der Aebtisin Elisabeth von 
Brfick such f&r die Bildung der mftnnlichen Jugend noch 
kurz Tor der Reformation wohithStig gewirkt hat" (Es 
sind viele Männer des gelehrten Standes dort gebildet 
worden.) „Zehn Jahre nach der Stiftung der Kirchen 
von Wetter und Schotten , ein noch von jenen Schotten 
dpa Namen tragendes Stadtchen im Oherfürstenthum 
XXT. Jahrg. S. Heft, 56 



nioiti7ed by Google 



Hessen, gründete KaniguocU, Kaiaer Umurkh«!!* läft» 
mahlin, ihr Kloster KanfoDgen u. s. w.^ 

Wenn wir §. ä& leseo : „zum BeBcMoA dieser Theorie 
der christllchea Ersiehnng and zur nöthlgen Erholung 

von dem Uebergan^^ zu ihrer Geschichte, noch einige 
verfängliche Fragen für Glückliche, die sich nicht daran 
ärgern;" so möchten wir hinter mehrere die*^er Worte 
noch erst selbst Fragezeichen setzen, die Fragen übri^ 
gens lieber fruchtbare nennen, da sie aülerdings dem 
Nachdenken dienen. 

Die Geschichte des Öffentlichen Unterrichts, welche 
in einem synchronistischen Ueberblick gegeben wird^ 
hat einige specielle Angaben, die nicht unwichtig sind; 
dahin gehört auch die statistische Zusammenstellung der 
Schulkinder im Verhältnifs zur ßevölkerung von mehreren 
Ländern. Auch ist ein ausführlicher Plan der Schulein- 
rtchtung in Chios eingerückt, in altgriechisciier Sprache^ 
ans einer Drudi^chrifit t. J. lfiR80. genommen. Ferner sind 
zwd /Auszüge ans Thomas Platers Leben, wie es BaU 
dinger i. J. 1197. neu herausgegeben, angefügt. Refer, 
hatte in der Isten Aufl. seiner Krziehunij^sg^pschichte eben- 
falls einen Auszug, und zwar aus der Originalausgabe 
mitgelheilt, fand es aber zweckdienlicher, denselhen bei 
der Stell Aufl. abzukürzen. Der schätzbare Anfsale des 
Hrn. Verfs. Uber die 1 freien Rttnste ist nur m kurz; und 
noch 'kürzer Mst «r mh hei den 2 Resultaten , die er 
zuletzt aufstellt. In dem Isten lesen wir: „aus der Ge- 
schichte des Schulwesens lernt man, dafs es nie geach- 
teter war, als in der klassisch -christlichen Zeit der alten 
Benedictiner wie soll man das verstehen? wami und 
wo war diese Zert? Das 2te ist ein treffliches ^SehluflH 
wort, dttfs zwar -der flor der Schulen a«f der dhononiisdk« 
poKtiscIiea Sorgfalt der höchsten Regierung beruhe, dafs 
jedoch auch der Einzelne viel darin thun könne, iind 
dafs die Kunst des Schulmannes, die auf der MethocJe 
beruhe, durch die Liebe zur Jugend ihren glüokltcheft 
Brfolg gewihre. 



Digitized by Go v^i .^ 



RomUche Literatur. 



ß&miseke Literatur- Forttetamng dßr hei Teubntr im he^^9ig «r« 
eeäiemenen Sammlung ncM eimgen «Mem SekuUtuegake», 

Die früheren Theile der von Teubner in Leipzig 
veranstalteten Sammlung classischer Autoren sind in die- 
sen Blättern (Jahrg. 1826. No. 15. 16. 1828. No. 14» 
1830. No. 58.) angezeigt uod dabei auf die mit dem 
FortschrekeD der Sammlung auch fortschreitende Ver^ ^ 
besserung und VervollkomniDang, die aoch ia den hier 
ansuzeigenden Fortseisungen so sehr hervortritt, hinge- 
wiesen worden. Wir geben hier eine kurze Uebersicht 
der seitdem erschienenen Fortsetzungen, und verbinden 
damit die Anzeige einiger andern Schulaasgaben Römi- 
scher Autoren. 

l) C. Plinii Secundi Naturalis Historiae Libri XXXI II, 
Recognovit et varietatem lectioni$ adjecit Julius Sillig. Fol L 
JApiiße, äumptiktie B. G. Teuhneri et F. OaudO. MDCCCXXXL 

Wie ni^hwendig eine neue Bearbeitung dieses bisheir 
yor And^ vernachlSssigten Autors sey, darOber herracM 
^wuibl nur Eine Stimme. Zwar wird Plinius nicht auf 
Schulen gelesen und kann auch fÜgKch auf Schulen nicht 
anders als in einer Auswahl , etwa wie die noch immer 
nicht unbrauchbare Gesner'sche Chrestomathie, gelesen 
w<etrden ; aber desto mehr bedarf der g^elehrte Forscher 
449 44tV^l(p<MW# ^° ^1^" verschiedensten Theiien und £w(Ur 
^pyclopft^UMshett Werkes, das uns den Verr 
wknw^ teufend visrloren gegangener Schriften er- 
ßßisfm inffs., ni^ das zugleich Über mancjl|ie wichtige - 
Cregenstin^ie jetzt unsere einzige Erkenntnifsquelle hiide^ 
Wie verdorben der Text dieses SchriftsteUers ist, aber 
auch wie schwierig es ist, denselben zu heilen, wie feh- 
lerhaft und uncorrect die bisherigen Abdrücke, das weife 
Jeder« der in den Fall gekommen ist, mit Plinlujs näher 
^ich zu besc^ftigeu, und dies ist auch bei jden über 
diesen GefiwataA«! grepflcs^enen jBerathuugen der Ver;- 
«Mmlung dar Naturforscher zu Dresden und Mftncibi^ 
uur ^lAge aperfcannt w«r4en. Aber die SclMvjieiri^eit, 

< 



Digitized by Google 



884 



Rdmiiche Literatar. 



uogeachtet mancher in manchen Bibliotheken serstrent 
sich ünHeDilen Hfilfsmittel , bei dem ungeheuren Umfang 

des Werkes eine neue Bearbeitung zu liefern , die jenem 
Bedürfnifs abhelfen und die verschiedenen Mängel heben 
soll 9 scheint fast Eines Einzelnen Kräfte zu übersteigen, 
oder ei fordert wenigstens eine durch keine andern Be-* 
achäftigungen unterbrochene Zeit vieler Jahre. In sofeni 
kann es Niemanden befremden, wenn von dieser neaea 
Bearbeitung des Pliniua , , vrelche in Folge jener Ver- 
handlungen Hr. Sillig unternommen, noch Niclits erschie- 
nen ist, und auch wohl nicht so bald erscheinen kann. 
Um so wünschenswerther war erst wenigstens ein neuer 
fehlerfreier Textesabdruck mit Angabe der Varianten (was 
bei Plinius, wo es sich um den gelehrten Gebrauch 
handelte, nothwendig und wesentlich ist), und diesen 
erhalten wir in vorliegender Ausgabe ^ bei welcher Hr. 
Sillig zunächst den Plan hatte, den bisherigen Text im 
Wesentlichen getreu wiederzugeben (gewifs das Beste, 
so lange noch nicht die zu einer neuen Recension erfor- i 
deriichen Hülfsmittel gesammelt und zu einer neuen Bear- 
beitung der Anfanjg gemacht werden kann), und eioeo 
wohl geordneten kritischen Apparat beizugeben, wasii- 
gleich für die demnächst vojzunehmende gröfisere Bear- 
beitung von wesentlichem Nutzen ist, und zugleich' wel^* | 
tere Verwirrung in der kritischen Behandlung entfernt 
Diese Variantensammlung, welche sämmliche Abweichun- | 
gen der bisher verglichenen Handschriften und älteren 1 
Ausgaben auch mit einer Auswahl der bedeutenderen ^ 
Coigecturen (denn alle anzuflihren, war wohl nicht tfi 
erwarten I und auch am Ende nicht ndthig) enthält, z«- 
uSchst für den kritischen wie fttr den gelehrten Gebraadi 
manche Vortheile, und ist in dieser Hinsicht eine treff- 
liche, freilich aber auch höchst mühevolle Vorarbeit zu 
jener gröfseren, demnächst zu erwartenden neuen Textef- 
recension. Durch das glückliche Znsammentreffen meh- 
rerer Umstände gelangte der Hr. Heransgeber in dea 
Besitz sämmtlicher , zum Theil höch^ seltener nnd daher 
auch nur wenig oder gar nicht benutzter Hfilfrniittel (wie 



Digitized by Go v,! .^ 



Rüluischo Literatar. 88& 

s. B die seltene Commelma vom Jahr 1593.) , wobei er 
die Unterstützung des Hrn. Dr. Choulaat dankbar rillinit. 
Im Text« selber hat sich der Hr. Herausgeber nur wenig 
AeoderuBgea er,laubt, weniger vielleichl (setzt er selbst 
hinzu), als de^en hätten geschehen sollen, damit er n&m*. 
lieh nicht gendthigt wfire, in der späteren grdfseren Aus- 
gabe manche Lesart wieder zu ändern, wenn durcli die 
Vergleichung anderer Codd. bessere Lesarten bekannt ge« 
worden, oder die ursprüngliche Lesart wieder herzu^ 
Stellen. Aber er hat, was wir mit Dank anerkennen müs* 
sen, die höchst fehlerhafte Interpnnction an unzähligen 
Stellen gebessert, er -hat die zahlreichen Druckfehler der 
friheren Ausgaben berichtigt, ron den Lesarten der an* 
erkannt vorzüglichsten Handschriften aber nur die aufge* 
nommeo , 5, quae vel ad proprietatem Plinn et reliqua^ 
rum aetatis argenteae scriptorum etymologwarn , for- 
mfUem et syntacticam pertinerent vel comparatae cum 
rdipäs lectionibus veiritaie sua se adeo commendo' 
rfi9if fU nemim dubium esse possei, quid PUnms sen* 
pkam reliquisset,"' Nur in der Praefatio hat er sich in 
dieser Beziehung Etwas mehr erlaubt, weil hier bereits 
eine solche Masse von Coilationen vorliegt, dafs kaum 
noch bedeutende Vermehrungen zu erwarten sind. Nur 
bei ein paar gänzlich corrumpirten Stellen sind Con« 
jenturen In den Text aufgenommen , was indefs, wie zu 
erwarten war, sorgfilltig in den Noten bemerkt ist, die 
zugleich manche Verbesserungsvorschläge, manche Nach« 
Weisungen oder Winke zu richtiger Auffassung verdor-r 
bener oder schwieriger Stellen enthalten. Neben der 
bisher üblichen doppelten Eintheilungsweise, die, da 
bisher nach ihr stets citirt worden, nicht verworfen, 
sondern wenigstens beibehalten werden mufste, ist, um 
die j^rofsen Unbequemlichkeiten , welche filr das Citiren 
und Nachschlagen die fk'Qhere Abtheilung darbietet^ s«. 
▼ermeiden , neben der früheren eine neue Abtheilungs- 
weise nach fortlaufenden Paragraphen eingeführt, die, 
ist sie nur einmal zu allgemeinem Gebrauch gekommen, 
das Nachschlagen und Citiren nicht wenig erleichtern wird. 



Digitized by Google 



1 



886 Romiaclie Literniar. 

Dies ist der Charakter dieser Handausgabe, welche 
in diesem ersten Bande bis zum sechsten Bueh inclusive 
fortgeftthrt ist und daher baldige Forleelmng «nd indf- 
liebste Volieodinig des Gänsen aüs den oben angeffthrteli 
Glründen wflnscKen Ifif^t; woen wir freiKoh aber ««eb 
dem Hrn. Herausgeber die erforderliche Müfoe und Au»- 
dauer wünschen müssen. Näher in das Einzelne der Va^ 
riantensammiung und der einzelnen darin niedergelegten 
Bemerkungen einzugehen , liegt aufser dem Zweck vor- 
liegender Anzeige, weiche keine andere Absieht hat^ afe 
auf die netie Erscheinang die gebflb#ende «nd weUviil^ 
diente Anftnerksamkeit des gelehrten PnUikuftis tk teabea 
und den Charakter derselben im Allgemeinen zu bezeicln 
hen. Wir zweifeln nicht, dafs diese Ausgabe <leo Beifall 
der Kenner finden und sowohl in dem höchst correCt ge- 
druckten und auch, wie bemerkt, hie und da verbeia^ 
terien Texte, als in der flir den gelehrten- Gebrauch 
wesentlichen Sammlung des kritiseheil Appatals baArle^ 
digen werde. Dafs die topographische Ali8i»taitung ebMf 
s6 befriedigend, wie bei den früheren Bänden ausgefallen 
ist, bedarf wohl kaum einer ausfuhrlichen Erwähnungi 
l)ie bei Tauchuitz ohnlängst erschienene Stereotypausgabe 
des Plinius kann dem Bediirfnifs einer neuen Handiaall» 
gäbe dieses Schriftstellers um sö weniger entsprechen^ 
als sie ein blofser Abdruck des TexIM 4i6t Ft^Bismhm 
Ausgabe ist , und söttiit älle die Mahl^üldben «Hit H^^hl 
in den Text eingeschlichtoen Fehif^r and Irrthaiiier ent^ 
hält, der fehlerhaften Interpunction und anderer Uebe^ 
Stände nicht zu gedenken, weiche den Gebraueh dieser 
Ausgabe nicht räthlich uiachett. 

S) Just ini llistoriae Philippicae, Sectmdum mtuHimimäf 

dices priu8 ncglcctos rccognovit, hrevi adnotatione critica et histö- 
. rica instruxit Fridericus Dubbner, pk. Dr. Accessit indes 
rerum locupletissimus. Lipsiac sumtibus et typis B. G. YetänterL 
MDCCCXXXL XX F u. U9 S. in gr. 8. 

Diese Ausgabe ist allerdings schon nach einem grös- 
seren Maisstabe angeliegt, als andere Theile dieser Sainni- 



Digitized by Google 



m 



lung^, und verdient darum besondere Aufmedminkeil, 
iodem hier ^it dem Zweck eines sorgfältig revidirtaa 
T«xle»aiich noch aadere Steeefce in Verbinduog sielieD, 
dersB Erreieluuig diefer Ausgabe eloea fadhereo Ch»* 
friUM, als den eines blofsen feblerfreiea TeKtesaMnHskea 
giebl, und sie im Vergleich mit den bisherigen Aus* 
gaben des Justinus gewissermarsen als eine neue Bear- 
beitung charakterisirt. Dies erklärt denn auch schon 
flen verhältnirsmäfsig gröfseren Umfang dieser Ausgabe. 
Was vorerst den Text selbst betrifft, so konnte Gronovs 
Ansgabe bei näherer Prüfung nicht genSgen. Qui paulo 
•atteuiim erUieorurn illorum (sagt der Herausgeber VI. 
•in dieser Beaiehiing) el^ mterfr^mn oAtoiaihmea per* 

. legBriis JuBiini aratkmem saepiwkne inteUiget Judhmri 
ae fingi ۟c altorum scripiarum dicendi consuctudme 
vel aUu8 aetatis mu ; animadvertet oimaium et ele- 
gant ior es numero» quaeri etiam iis locis, m quibus 
epitomator aperte caä levius aut negligetäiua versatus 
^est; cogHoscet demque rerwn narrationem, uUi quh- 
»dem qpta aUqmd mcmenHm esl m verbiß eor^fioriB 
'eemtUuetMa, ad aUwum fienunqm nmreikmee oeal»- 
mMri ae m mmimquam cerrigi el m erdmem eegk" 
.Rarma war eiae Untersuchung der Quellen und des Ut* * 
Sprungs einer jeden einzelnen Lesart vor Allem nothwen- 
.iKg, und die Vergleicbung der zahlreichen bei späteren 
Autoren vom vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung 
•a^ vorkominendea Steilen hier vor Allem erspriefslich , 
•Ml au einem bestimmten End-Aesidlat und Urtheil , und 
daasdi audi nider fimsiolil au gelangen, ivie bei JustUMü 
eftmals die Lesart der filteren HandsehriAea jiageren 
liiterpolatloneB weiclMa mufste. Mit Recht würdigt der 
Herausgeber die Verdienste des Bongarsius und der vmi 
ihm gelieferten Collation, obgleich die nicht selten, auch 
hier eintretende Ungewifsheit über die im Text beilud- 
liehe Lesart die Untersuchung erschwert und ein Schwan- 
ken herbeiführte, worüber der Verf. iu Bezug auf stell 

. selbst and sein Verfahren Klage zu führen sich veranlafst 
findet und selbst eingesteht, m den eMen sechs BOohern 



60» BdBiMie Irt««nilvff- 

«m dea neaeiM Codd. Manches anfgeoominen n haben^ 
was er später gerne ftndern nnochte (Daher auch der 
Umfong der Adiienda S. XIX ff.) ; obsehon wir iin^QaMMNi 

nur billigend die Vorsicht anerkennen mOssen , mit wei« 
eher Derselbe bei Constituirung des Textes verfahren ist 
(veigl. S. XU.). Drei neue Handschriften, eine Prager, 
Cracauer und Gothaer, sind zu den kritischen Hdifsoul» 
4elo, welche bei dieser Ausgabe benutzt worden, hinza- 
gekommen, sie büden io dem Index Codicum & XV ff 
idie drei letzten Nummern 86 — 8T, und scheineii aMi 
im Ganzen von untergeordnetem Werthe zu seyn. Aber 
^er Herausgeber hat sich nicht blos auf das Kritische 
eingeschränkt, er hat sich auf höhere Kritik und selbst 
Exegese eingelassen , indem er die Angaben Justins mit 
denen anderer Schriftsteller sorgfaltig verglich und prüfte, 
dio Verschiedenheit anmerkte und- die Quelle devselbea 
naehsuweisen bemfiht war, freilich Alles in möglichster 
Kürze, weshalb der Verf. statt einer Menge einzelner 
Citate und Anführungen von ParaUelstellen lieber auf ein 
einziges Citat einer Schrift hinweisen wollte, in welcher 
sich Alles zusammengestellt finde. Der Herausgeber 
wollte zwar zunächst nicht eine Untersuchung Ober die 
Wahrheit und Gültigkeit der Ton Justin gegebenen Naob- 
ridiien liefern ; das konnte auch in dem Zweck meMbw 
Ausgabe nicht liegen , aber es sollte durch eine Vergib 
chung in dem oben bemerkten Sinne ersichtlich werden, 
in wiefern Justinus getreu seine Quellen wiedergegeben 
oder sie durch eigne Zusätze verunstaltet habe, so dafii 
auch da, wo sich keine weiteren Bemerkungen finden, 
Justins Erzählung mit den Angaben der fibrigen SchriH- 
sleller übereinstimmt; sonst ist auf die Art nud Welle, 
Wie Justin den Tropus czercirt , In den Noten TielfMh 
•Bedacht genommen worden. Wir können, was diese 
punkte betrifft, nur rühmend der Sorgfalt gedenken, 
welche auf diesen Gegenstand verwendet worden, indem 
der Verf. stets dabei auf die neuere und neueste, von den 
bisherigen Herausgebern wenig oder gar nicht benutzte 
•Irtleratur Radcsiqht genomman hat, uud setbet- seliuefe 



uiyiii^uü Ly Google 



fttahch« Litarflflvr. 



and oft weoig beachtete Werke seiner Aufinerksamkell 
Oteht entgaegeii nnd« In dieser Hinsicht hmi diaie Aii9^ 
^be Tor aodkBm wesenlltehe Viirtheii«, die sie atioh dem 
H^elehrlen GebraDcii sehr empfehlen. Sonst finden sieh 
in deir mnfisseiiden , dem Texte untergesetzten Noten 
neben den kritischen Bemerkungen und den auf den hi- 
storischen Inhalt sich beziehenden vielfachen Erörterun- 
gen , Wort und Sache betreffend , vielfache Beiträge 
zum richtigen Verstand nifs und besseren Auffassung au 
zahlreichen Stollen; Alles in möglichster Kflnse, wie es 
deon bei eioer solchen Art der Behandlung an Stoff zn 
'Bemerfcunge^n im Einzelnen nichts fehlen kann. Am 
Schlüsse ist auch WetBeFs Index H^aricuSf aber be- 
deutend vermehrt und ergänzt, beigefügt. 

2) ji. Plauti Fabulae ad t^timoa libros partim non antehac colUttB» 
tmendatae, Jemmnmi 9HumUamo$ eriticae «t grammatiem «fo- 
tUo Fridtriei LindemßnnL Liptiat ma^tibiu H tfffih B, 0, 
TsuhiuH. MDCCCXXI, Aneh mit dem betoodeni Titel : 

M. A. Plauti Trinummus, Emendavit Fridericua Lindtman- 
nu$ etc. * Fl und 84 j>\ in gr, 8. ' 

£lne FortsetBung der mit den Captwi angefangenen 
Ansgabe des Plantos, nnd dieser daher auch In Anlage, 

Behandlungsweise und in der ganzen Snfeeren EÜarioli- 
tung völlig gleich, weshalb wir auf die frfihere Anzeige 
verweisen. Daher wird auch das langsame Fortschrei- 
ten dieser Bearbeitung nicht befremden, da sie nicht 
blos auf die Kritik und Metrik Rücksicht nimmt, und 
in dieser Hinsicht mehr leistet, als bisher sn leisten mdg- 
Höh mw oder geleistet worden ist (ohngeachtel wir einige 
8]peoialausgaben dieses Stücks besitnen), sondern anoh 
▼Mlßiche Beiträge thells zur ErklSmng so wie zum rich- 
tigen Verständnifs vieler dunklen oder schwierigen Stellen 
theils zur genaueren Kenntnifs des Sprachgebrauchs der 
lateinischen Dichter und der lateinischen Prosodie lie- 
fert, wie nähere Einsicht alsbald einen Jeden belehren 
wird. Fär die Kritik sind im Ganzen fast dieselben 
HUftmiUal benntzt, wie boi den CagMw9. Es Miterllegt 



Digili^cu 



keiaem Zweifel, ddfs nur durch solche Bearbeitungeu 
gediegener Art, wie aus dem reichhaltigen Inhalt der 
Mhlreicheo dem Texte «otergeeetstea Noten sich ergiebig 
•8 ttoe möglich werden lumo, mit der Kritik und 4e«i 
Metmm dieeer iltereD latekiieobdn Dichter a«6'Relile m 
kemmen uqcI feste Grundsätze zu gewinnen , deren Mao* 
gel in der Behandlung diese« Theiis der Röniischeu Li' 
teraliir bisher so fühlbar war« 

4) Auch von Cicero sind einige Bändchen er- 
ecbienen , weiche den Anfang einer Gesammtausyabe 
dieses Schriftstellers bilden» der ia einer Saminiuag, wie 
vorliegende, nicht fehlen durfte, dessen Ercheioen aber 
durch manche, von Seiten des thätigen Verlegers unver- 
schuldete Hindernisse aufgehalteü und verzögert war. 
Penn es war ihm bisher noch nicht gelungen, einen 
tüchtigen , dem Unternehmen völlig gewachsenen Mann 
zu finden , der sich zu Uebernahme einer neuen Angabe 
dieses Autors bereit erklärt hätte, welche einen anft 
'sorgf^Hrgfste revldirten Text oder eine neue Texlesrecen^ 
rion, mit den gehörigen Anmerkungen nach der Ein- 
richtung der früheren Bände hätte liefern sollen. Um 
aber den wiederholten Anfragen und Wünschen, die we- 
gen einer correcten Schulausgabe des Cicero afi den Ver- 
leger gestellt wurflen, zu genügen, entschIon$ er sich, 
einsiweilen correcte Abdrücke einzelner, auf Schulen iM> 
beiondere am raeistea. g:elesener Schriften des Cicero jri 
diesem Zweck zu liefern, wobei es natürlich auf wen 
nach den anerkannt besten Ausgaben berichtigten , von 
Druckfehlern freien Text und gute Interpunciion ankam, 
daher auch vor Allem Oiellis Recension zu Grunde ge- 
legt wurde, ohne dafs man jedocli hier eiueo getreü^n 
Abdruck dieser oder einer andern Recensioa erwartsp 
darf, da in dieser Hinsicht die drei Herausgeber, densn 
dier Verleger dies Geschäft übertrug, mit mehr Selbst- 
ständigkeit und zugleich mit steter Rücksicht auf die 
Bestimmung dieses Abdrucks für Schulen verfahren sind. 
Uad wir können auch, da eiu Eingehen iu das Einzelne 



uns Dicht erlaubt ist, im Allgemeinen bezeugen, clalli 
- i^ir in «lein Text möglichste Correctheit, in einer zweck- 
Oiäfsigen t^pogragraphischen Ausstattung gefimtkn habe^ 
muA in dieser Hinsicht kern Bedenken tragen, den Ge- 
brauch md die Einl&htunf asf Sobsles b g a tc n a w 

'^«iileBi. Alle N#Uhi «od naürlioli weggebliebaA; blee 
die Argamente eine« jeden SlOdies eind iFonwgettelk. 
Bis jetzt sind in Allem folgende sieben, auch durch ein 
neUes Aeufsere sich empfehlende Bändchen erschienen: 

1) M. Tulli Ciceronis D9 qffieiiM UM tr99. Ad optimß;' 
ruM li^rmm fidem 9mendaU et mi iinMi,«cftofanMi 9diH, L^^titu^ 
ik*pH^ 9t typis ti, a, TMneri, MBCCCltJt Wl iL 1€1 8, 

2) Af. Tullii Ciceronis Cato Major, taeliu» ei Prf- 
r adox a. Editio ad optimorum Hbtonm Jbkm Al eMM fdMI»«* 
curata. lAprimt Me» W A Im §. 

8) M. Tullii Ciceronis Tu s c u l a n a e Disputationet. 
j4d optimorum librorum fidem emendatae et in u»tm schoUtrum editat» 

hipiiuc etc. 165 S. in 8. * 

4) AI. Tullii Ciceronis Orationes in C at i l i n a m. Pro 
A r ch i a poeta. Ad optt. librorr. fuiem in usum scholarum eäitae 
ete. 95 S. in 8. 

* 

5) M. Tullii Ciceronis De Qratorn libri tree. Ad o]^t$. 
etc. etc. 211 & w 8. • 

^) M. Tullii Ciceroni» Orationee Pro Cn. Plancio, Pro P, 
Sestio, Pro Marcello, In M, Antonium Philippieö ««- 
eunäa Ad optt. etc. etc. 144 S. in S» 

t) M> Tullii Ciceronis Orationes Pro lege Manilia, 
Pro T, Annio M ilonc, Pro Q. Ligario, Pro regQ 
D9j0tttr9, Ad optt. librr. etc. ete. 99 & in 

■ 2wei andere, in andern Officinenettclilenene, eben* 
fall» zuniehtt fttr Schulen bestiminle Ausgaben^ Ciceroni* 
scher Reden glauben wir bei dieser GelegeiUieil nicht 
übergehen zu dürfen : 

I) a. Tutiii CieeroikiB Orntio pro P. «fit». 9t»m^ « P*- 
tiortm teötiönk div^HtUfent adjeeit Caroiu» Bonr. ^roUtier, 
ph.ih.ttPnfM*4U.Ho. tdptUnmi. Smmmuo Bmmgaminoi. 

' 12 A M 8. 



Digitized by Google 



692 Btaiacbe Literatur. 

Zuerst ist das Summarium Schuetzü abgedruckt, 
dann folgt derT^xt, mit kurzeo kritischen Noten , welche 
di« aufgeoonimenen oder Terworfenen Lesarten bemerken^ 
hie und da auch mit kurzer Angabe der Gründe oder 
Imven Urlheilen begleitet, oft auch bloe in kurzer An» 
gäbe der bedeutenden Abweichungen der verschiedenen 
Texte bestehend. Dafs die neuesten Bearbeitungen und 
Recensionen, wie die von Oreili, Matthiä u. A. sorg- 
föltig benutzt sind und bei Gestaltung ties Textes darauf 
die verdiente Berücksichtigung überall genommen wer* 
deuj mOssen wir um so mehr bemerken, als damit der 
Werth vorliegenden Abdrackeft bestimmt wird und Kdoe 
Vorrede dies ausdrücklich bemerkt, was sich indefs bei 
näherer Betrachtung des Textes alsbald herausstellt. Auch 
im Uebrigein empfiehlt sich der Abdruck durch eiaen 
miglichit correcten Druck und deutliche Lettern. 

II) M. Tuliii Ciceronts Oratione» XII aehctac. — Des M. Tullius 
Cicero zwölf auserlesene Reden mit Anmerkungen für studierende 
Jünglinge und Freunde der Römischen Literatur , von y4nton Mö- 
6 tu». Erster Band. Dritte vermehrte und berichtifi^te /Auflage, 
Hannover 1831. Im Verlage der IJahn'schen Hofbuchhandlung, —7 

Auch mit dem besondera Xi^t 

Jl* Tuliii Cießronis Orationes pro Sexto Roscio Amerinot 
In Catilinam et Pro Jr^hin Poeta, mit historischen, kritischen 
wid erklärenden Anmerhßngitn «oi» AntQn Mö^t««. «tc.e^e. XXIV 

Diese Auswahl Ciceronischer Reden ist in ihren 
früheren Aullagen in diesen Blättern näher beartheilt und 
nach Verdienst gewfirdigt worden. Wir mfissen auf diese 
früheren Anzeigen zurückweisen, und können hier nur 
bezeugen, dafs des Verfs. bessernde Hand überall be> 
merkbar ist und eine sorgfaltige Prüfung und Revision, 
welcher das Ganze nochmals unterworfen, mit steter Be- 
nutzung der neuesten Hülfsmittel, nirgends vermifst wird; 
io dafs in dieser Hinsicht der Commentar in den den 
Text untergesetzten Noten eine Ausdehnong lind einen 
Umfang erhalten l|at) in dem man nicht Irieht etwas 



Digitized by Google 



fUmiiche Liftrchtt. 



Wesentlielies Termissen wird , «nd der intbeiradere auch 
solchen , «He diese Meislersiflcice RSniieclier Beredgtmkcil 

sich zur Privatlektüre und zum Privatsludium wählen, 
sehr forderlich seyn kann, da er sie mit dem Römischen 
Sprachgebrauch und der höheren Syntax vertraut macht 
und gründliche Belehrung über diese Gegenstände dar- 
bietet, und zugleich mit allen antiquarischen oder hist(H 
lischen Gegenständen, die in das Gebiet der sachtichen 
Itt<er{»reiation fallen , so wie itfiit dem Bau der Rede und 
dem Charakter der Beredsamkeit selber bekannt macht 
Wie denn namentlich auf die Entwicklung der feineren 
Punkte der Grammatik und des Sprachgebrauchs grofse 
Sorgfalt verwendet ist, die uns zugleich zeigt, wie sehr 
es dem Verf. gelungen ist, in den Charakter und Geist 
der Ciceronianischen Sprache einzudriogeo. Bben dieMT 
Vorzüge sind es auch, die unstreitig und mit Recht 
dieser Bearbeitung einer Auswahl Ciceronischer Reden 
einen solchen Beifall verschafft und in kurzer Zeit wie- 
derholte Auflag-en nöthig gemacht haben. Aus Cicero " 
sucht der Herausgeber zunächst den Cicero zu erklären, 
imd darum sind die stetenVerweisungen auf andre Stellea 
des Cicero, oder die Anführungen tou Pkralleistellen^ 
oder auch' Hinweisungen auf andre Werke und Conmeu» 
tare , so wie selbst auch die jetzt meist eingeMfarten Grsm- 
matiken, z.B. von Ramshorn oder Matthiä, sehr erspriefs- 
lieh und zugleich zu weiterem Forschen anregend. Hä- 
her mag uns wohl der Wunsch erlaubt seyn, den Verf. 
aoeh öfters auf diesem Felde wieder zu finden, und diese 
Bearlräitungeo Ciceronianischer Reden durch ihn .fi>rtgo<* 
. setet SU siSien. Ein genaues Wort- und Sachregister 
über die in den Noten behandelten Gegenstände und 
Worte ist am Schlafs beigefügt 



t 

0 



Digitized by Google 



SM GofffCM CteaauBBlicc. Lstt. eiL Fr. |4Bdeniana. T. I. 



hu dmdbeo TMibiieriadieo Officio isl soltd^m auoti 
Folgendes emUenettt^ ^ 

Corpus Grammaticorum Latinor um veterum collegit , auxit 
recensuit ac potiorem Icctionis varietatem adjecit Fr id er i c us hin-' 
demannuB^ sociorum opera adjutus. Tomas 1. Donat um, PrO" 
^ bum, Eutychiumj Arusianum Mettium, Af aslmva. FiXo- 
rinum, ^ßperum^ Pk9€mm dMtteiM. hiftiM, MURfaftiit B.flL 
T^mkmeri et F. OmudU. MDCCCXXXh nu «. «92 & Ii» gr. 41«. 

Es ist g^iwifs höchst erfreulich, in dem Erscheipea 
iww&B eiitoo Bandes das grofse UnieroehmeB einer neiieii 
AuBMlsng der Lateimaehen Grammatiker verwirklicht zu 
•theo. Bia Seltenheit md UnvollstSedigkeit der Mdiere« 
' SemnikHigep, die bedeiitendea eeitdem von Tereehiedeoea 
Seiten her hekaeei gewordenen Schriften, waren schoa 
hinreichender Grund , ein Unternehmen der Ait zu wün- 
schen, welches alle die zahlreichen , vereinzelten Schrif- 
ten nun \i\ ein ail - umfassen dcvS Ganze vereint, und durch 
Berichtigong und V^rvoUatündigung des Texies sie für 
den gelehrien Gebrauch zuganglicher mache. Bei dea 
grofrea, ftvfaerea ßchwiengkeiien, die .dar Aaeftthrw^ 
a i a e e eekheo Uolemehinim kn Wege stehen, die aber 
dnrch die ThStigkeit und das lateresse der jetaigen Ver- 
lagsbuchhandlung gehoben worden sind, verdient des 
Herausgebers unverdrossener Eifer, mit welchem e.r das 
Unternehmen endlich zur Ausführung brachte , um so 
mehr Anerkennung, ila der erste Tbeil fast gan^ aileio 
das Wetk seiner Thäiigkeit ist. Die gause Samnakiag jüt 
aaf fünfzehn Quartbftnde henechael, deren wenigsieas 
«wei in jecjem Jahre eiacfaeuien aottea. flab AUjaa, wan 
Patech eiB Samadang eathsk, aach ia diese aafgeoemai^ 
wipd, war zu erwarten; es sollen aber nach die andern 
seitdem bekannt gewordenen Schriften Lateinischer Gram- 
matiker (einige hat der Herausgeber selbst zum ersten- 
mal edirt), wie z. B. Mallius Theodorus, Consentius Aru- 
sianus, Pompejus U.A. hinzukommen; alle Erklärer und 
Scholiasten dagegen, wie billig, aasgeschlossen bleiben, 
so sehr aach eine neue Bearbeitung und Sammlaag der- 
selben sonst wfinschenswerth Ist Es wird übrigens in 



4 



Digitized by Google 



CJilif ua QffMUiatlee. iMt ed. Fr, JUndfinABii. ^* L Üi 

die^r Sammlung; kein biofeer, erneuerler Alidriek dftf 
ilteffOB Sammlung gegfeben, aondera «uie neue Re-« 
eension geliefert; was allerdiage sehr cn berllekfieh"* 
Ilgen tsL Der Heransgeber hat oimlich, wo ea anders 
anging, niebt sowohl den gedruckten Text einer, flUeren 
Ausgabe seiner Reoension zu Grunde gelegt, sondern 
stets die Handschriften, jedoch ohne dadurch das eigene 
Urtheil über den Werth dieser Handschriften zu bestim- 
men oder zu beschränken, oder sichern Vermuthiiagen 
die Aufnahme in den Text, da wodevseUbe offenbar %mM 
derben oder unrichtig ist, zu fiersngen. Unter 'dam 
Text sind die abweiehenden ijeaarten in einnr AuMrnhl 
umd oft nrit Beifdgung «iner kfineren BiUiruni^ niitge^ 
tkeilt Wie der Heniuageber In dieser Auswahl verfah- 
ren, wollen wir mit seinen eigenen Worten angeben: 
y,]\on illud mihi propositum est, ut est iis, quoa nan^ 
cisci pohiero, Ubris manuscripiis memoratu digniores 
excerjfom varietaAes, sed ptdim fumn eodmem mmcim». 
fmmim OHtkptiaahnum mmdemfue optmmm , ^ua emmu 
esnet^kmm U€twne9f €iiqm mtm^e^io fmkmB jfyrto» 
Hg m looMf ii&f fragmemta pHäOQrum scripimrmi r0^ 
perhatiurf reUqu99 attiem ith^oB enmes m «AoMkm 
tuntum adhibearn ; PtUachianuc ver^o editiwiis lectionca 
omnmo omnea accurate enotem ac trcuisacribamr Aus* 
serdem hat der Verf. bei nicht wenigen, ihrem Inhalt 
Dach bedeutenden Stellen die ParaUeJsteMen anderer 
Grammatiker beigefügt, und die wn diesen «ageMbrteu 
Sielten Üterer Autoren «ei^ltig* nnohgewiesen. 

So enthftk nun der erste Band I) .dUn Aeiioll^ 
€kmmmmUea trUma 'MMs compif^msa e oodic» iSh»* 
teniano emendathis edita. Diese Schrift war z%var be^ 
reits bekannt und auch in Putsche*s Sammlung S. 1135 ff. 
anfgenommen; aber, wie sich jetzt ergiebt , in einer 
sehr fehlerhaften und mangelhaften Gestalt. Der Heraus* 
geber giebt sie hier ganz naeh einer trefilichen Saalen*«* 
sdhen Handsehrift, welche Im ilesitB der kdnigl k h nn 
BiblioShek «n fierlin sieh befindet und äin «her nndero 
HUfiMiUtel IfMit wegsehen «Kefr^ ^odi4hul 4ie Ahm^ 



Digitized by Google 



Mi CoipiM GnMauHicc. UUt ed. Fr. Liwicmano. T. I. 

cliUQgen von der Putsche'schen Ausgabe sorgfSItig ia 
den Noten angemerkt , und auch hie und da mit Beiner- 
kangen begleilel, wie wir solches oben bereits im AIl- 
gemeineo angedeutet haben. Es Ut dies dieselbe Hand-» 
•chrift , ans welcher Hr. Lindemann frfiher Pompeji 
Commenium arih Donaii \ lAp$. 1820.) herausgegeben 
hatte. Auch die Seitenzahlen der Putsche'schen Samm- 
lung sind am Rande beigefügt. Wir brauchen wohl 
kaum auf die Wichtig^keit dieser hier in vielfach verbes- 
aerter Geetait eracheioeoflea Schritt aufmerksam zu ma- 
chen , da wir in ihr zneral eine systematische Behandiuog 
der Gh*anHiiatik finden, wodurch aie die Gmndhige de^ 
qpiterenEleaientarbftoher und Granunatiken geworden \aL 

Nun folgt II) üf. Valerii Prohn InBiüuiwmtm 
GrammcUicarum Libri II. e codice Scmcti Columhcmi 
Bohiemis diligentisshne editi S. 3T ff. Auch diese 
Schrift steht bei Putsche S. 1386 ff., aber wir erhalten 
aie hier in einer sehr verbesserten Gestalt, so dafs nur 
wenige Stellen im Ganzen noch nicht geheilt und be- 
richtigt eraoheinen. Dies ward besonders möglich durch 
die Beottfsning einer jetst in Wien befindlichen, in das 
aiebente oder achte Jahrhundert angeblieh hinaufctoi^ 
genden Handaohrifl, die eheden In das an Schätasen 
dieser Art so reiche Kloster des h. Columbian zu Bobbio 
gehörte, und noch mehreres Andere enthält, dessen Be- 
kanntmachung durch Hrn. Eichenfeld, Cttfitosder Wiener 
Büiiiothek, wir zu erwarten haben. 

III) Eutychii GramnuUici äe discemendis coo' 
jitgaUottibiu» libri IL e codice Saneii Cobunbam Bo^ 
Umi$i8 roUUuii a 140 ff. Es lat dieser Eutjchina 
derselbe, der sonst unter dem Namen Eirtiches belunat 
war und dessen Schrift ebenfalls bei Putsche S. 214d'ffi 
abgedruckt ist. Auch hier ward die eben erwähnte Wiener 
Handschrift benutzt oder vielmehr zu Grunde gelegt; 
doch ist der Theil, welcher des Eutjrchius (denn so steht 
immer in der Handschrift) Schrift enthält, jünger und 
offenbar später geschrieben , als jener. Ueber seine Be^ 
sohaffanheil gkät Hr. Lindemami S. IM. nMiere Aoakuaflb 

(D9r fi«0eAlii/« folgt.) 



Digitized by Google 



N\&1. UBraSLB. JAHIUi. ik LnmATUR ISM 



Römische Literatur. 

(Betchlufa.J 

III) Arusiani Measi F. C Or. Comitis primi Gr" 
Mm Exempla Elocuiiomtm ex VitgiUo Salustio Ta- 
ratiio CSeermte OSge^a pet meraa. S. IM ff. Bs -kt 

das beksMite, friherhin dem Froato beigelegte Bttch* 
Mn, das Mai salstzt ans elaer AmbnisianischeD Hand» 
Schrift des sechszehnten Jahrhunderts in seiner Sarain- 
lung der Werke des Fronto herausgab, dessen Namen 
auch das Büchlein in der genannten Handschrift vor sich 
hat Bekanntlich ist das Ganze nichts weiter als eia 
alpliAelisches Vensetdinifii roa efausetnen Redensartea^ 
die aas den Tier^^beo genannten Sehritoteliera genoameo 
eitid, last ohne alle eigene Zugabe^ des Sammlers , dessen 
Person und Zeitalter eben daher unbekannt bleibt, so 
ausgemacht es auch ist, dafs Fronto der Verf. nicht ist, 
oder überhaupt seyn kann, ja nach Mai's Vermuthung 
das Büchlein vielleicht gar aus einem gröfseren Werke 
des Fronto ezcerpirt ist durch jenen Aruaianus Measus, 
den Nicolans Hdnsius znerst als Verfasser in einer Hand- 
edirifl nn Neapel entdeckte. In einer andern Gndischen 
Handschrift, wovon gleich ein Näheres, wird neben den 
Tier genannten Autoren an zwei Stellen Sjmraachus an- 
geführt, was allerdings zu einem Schlufs auf die Zeit des 
Verfassers uns berechtigen könnte, wenn es erst ausge- 
meht wäre, dafs beide Stellen kein späterer Zasats 
oder Binschiebsel sind. Hr. LIndemaaa entdeckte dieses 
Büchlein in einer Ondfischen, zu Wbl^enbQttel 'befind- 
lichen Handschrift, und indem er diese zum Grunde 
legte , hat er den Text um die Hälfte („plus quam dt' 
midiata parte auctus") vollständiger als bisher, und 
auch weit berichtigter, als Mai, geliefert; wodurch wir 
sogleich mnige bidier noch nicht gekannte Fragmente 
«wiofener Autoren, namentitch ans Salbisls HIstomD^ 

XXV. Jahrg. 9. Heft. 5? 



999 OnpuB Gminiiiaticc. Latt. ed. Fr. Liodemfuii. T. 1. 

erhalteu. Die Stellen selber aus den vier genannten 
Schrinstellern (weshalb auch in den früheren Abdrücken 
dem Titel der Ausdruck Quadriga voransteht, der aber 
in der Gudischen Handschrift fehU und deshalb von Hrn. 
Liodemann wieder iveggelafleen. werden) «od Überall 
sorgfilUig in den Noten^ nachgewiesen, und dabei anch 
die ¥arianten angemerkt 

IV) Maximi Victorhü libelU tres : De re Gram- 
maiica. De carmme heroico. De ratkme metrorum^ 
S. 269 ff.; ebenfalls früher von Putsche herausgegeben, 
hier abec in einer so vielfach berichtigten Gestalt, dafs 
der HeiaMgeb^ wohl mgeii konnte: „Ego scio sie 
MM hmmidaia, mt, ai veram scr^imtam wmßmeai mea 
reoemh, PuiscUma et ^mnea ptkreu plane mUUäß 
mrnpBus ptetH eciae poamtär Dies ward ihm möglich 
durch die Benutzung neuer Hulfsniittel ; zu den beiden 
ersten Schriften benutzte er eine Gothaer Handschrift, 
die auch noch manches Andere entliält und deren CoUa« 
tion Hr. Dübner besorgte. Es ist diese Handschrift Zfvar 
nicht frei von Interpolationen, doch bietet sie in zahl- 
reichen Stellen die wahre Lesart aliein dar. Die dritte 
Schrift etseheittt völlig hergestellt aus einer sehr alten 
Wiener, ehedem Bobbio'schen Handachrift, ans der wir 
attek den (JlmMnB Sacerdos deranichel erhalten sollen. 
Ueber den Verf. dieser Schriften läfst sich freilich auch 
jetzt Wenig oder Nichts sagen; als Maximus Victo- 
rinus wird er auch in der Wiener Handschrift aufgeführt, 
woraus wenigstens hervorgeht, dafs dieser Grammatiker 
mit dem bekannten Rheior und Dichter Fahim Markts 
Victarhmia nicht eu verweehsela oder fiür eine und 4hi^ 
selbe Person sa halten iat 

V) A^feti ßmhrk jh^ grammeHea^ & 9117 ft 
Der Ton dem Siteren Asper, dem berühmten Erklärer 
des V irgil und Sallust, der deshalb auch von späteren 
Grammatikern vielfach angeführt wird, wohl zu unter- 
scheidende Verf. dürfte nach Hrn. Lindemann kaum «nter 
Priscian, der Zeit nach, zu setaen s^n. Zu Berichtigung 
und Besserung des Textes seiner von Patsche befo>ta 
mitgetheihen Schrift benutzte der Herausgeber av&er den 



Digitized by Google 



« 



Oor^ «ARnmtiee. IaH. ei. Ff; UMmmm. T. I. MV 

tttoren Ausgaben die obeo bemciricle Gothaer HandflchriR, 
derien Collation Hr. Dllbner besorgte. 

VI) Phoeae Orammatid Jra de nomine ei verho, 
Quadern de aspiratione libeUua, S. 31T ff. Aufser der 
genannten Gothaer Handschrift wurden zwei Wolfen- 
büttler, aus deren einer auch Osann unlängst den Apur 
l^U8 de aspiratione et orthographm edirte, benutzt. 

Darauf folgen höchst genaue und sorgfältige Indicee, 
wie wir sie freilich auch uogern missen würden; zuerst 
ein Index der ciiirten Autoren, anter welchen Cicero, 
Terentius, Virgillus, Sallustius immerhin die zahlreich«^ 
#ten sind; dann folgt ein Index rerum ei verhortanf 
und drittens ein Index Notarum. Wir haben diese sorg- 
fältigen Register den Bemühungen des Hrn. P. W. Otto 
(des Herausgebers des Ciceronianischen Cato und der 
Bücher De Finibus) zu verdanken, mit welchem der 
Herausgeber seine Arbeit für die Folge in der Art ge- 
thellt hat, dafs dieser die Collation der. Handschriften 
und «lle Sammlung der Varianten, also des kritischen 
Apparats, Übernahm, Hr.Llndemann aber dieDnrchsichi 
desselben und die darnach vorsanehmenden Verbesse-*' 
rungeo überlassen blieb. Quicum ita partitus sum 
totum opus y ut ipse nihil quidem me inconsulto muta* 
ret , exceptia manifeste eorruptis , variarum autem 
lectionum farraginem in margine inferior i notandanan 
eomponerei ordmareiquie ; ego vero et recenserem 
ser^oria enahnem ei emendarem, quae mihi viaa 
eeaeni emendanda ef üBua correetkmee, st jiuie eeaeni, 
quae fecieaet , fudicio meo auhmüierem ; quo facto 
uterque conveniremus in unum et coiymicta opera so^ 
ciatoque studio scripta denuo pcrlustraremus!' Auf 
diese Weise ist bereits bei dem in diesem Bande enthalt 
tenen Phocas verfahren worden , so wie bei dem im 
swellen Bande deronSchst zu erwartenden Featua. *) 
Chr. Bähr. 

Mmi bUtet folgende Druckfehler su vcrbesKern , welche in No. 56. 
der JahrlificKer «tehen ge1>H«beii tind: S. 884. Z. 9. von unten 

nach enthält, ist cinKuseMtea: gewährt. — S. 886. Z. 5. n. 
statt Duhbner 1. Du ebner. — S. 888. Z. 7. V. u. st. Tropus L 
Trogiit. — S. 895. st. Saälen^achen 1. Santen'schen. 



Digitized by Google 



9iK^ .Virorr. doctt. EputoU. ed. Th. F. Frejftag. 

Firorum Do c t orum Epißtolae selectae, ad Bilib. Pirchheyme'- 
rum, Joach. Camcrarium, Cor. Clutium, et Julium Episc. llerbip, 
datae. Ex autographis nunc primum edidit et illustravit The od. 
Fr id. FreytagiuSf phil, Dr. Rossor. imper. a consil. Lipsiae, 
tumptibua B. G, Teubneri et F. Claudii. MDCCCXXXL XVI und 
IM 8. in gr. 8. 

Diese Saimnliiog von ungedruckleo Briefen einer. 
Reihe der. aosgezeichnetoten BISnner aus der zweiten 
Bfllfie des sechszehnten bis in den Anfang des sieben- 
zehnten Jahrhunderts , ist allerdings ein höchst schätz- 
barer Beitrag zurLiterär- und Gelehrtengeschichte dieser 
denkwürdigen Periode, zumal da diese Briefe von dem 
gelehrten Herausgeber mit so zahlreichen geschichtli- 
chen oder literarhistorischen Notizen und Erörterungen 
begleitet sind. Der Codex, aus welchem die Sammlung 
jetzt zum erstenmal durch den Drucl^ bekannt gemacht 
erscheint (nur ein Paar Briefe sind bis jetzt in andern 
Werken oder Sammlungen , aber durchaus nicht mit 
der Vollständigkeit und Genauigkeit, wie hier, abge- 
druckt), enthält lauter Autographa , also lauter Origiuali- 
briefe und keine Apographa (wie man vielleicht auf den 
ersten Augenblick zu glauben geneigt se^ n dürfte) , daher 
auch, bei der oft höchst unleserlichen Scjhreibart, Man- 
ches schwer zu lesen oder vielmehr kaum ZU entziffern 
^ar, wie z. B. der eigenhändige Brief Luthers an Pirk- 
heimer Sb 18 f. Die Sammlung dieser Antographa rührt 
▼ielleicht — so vermuthet der Herausgeber — von dem 
bekannten Bischof zu Würzburg, Julius, her, so dafe 
muthmafslich der Codex bei Eroberung dieser Stadt 
/ durch die Schweden im dreifsigjährigen Kriege wegge- 
bracht worden, und so, Gott weifs auf welchem Wege, 
zuletzt nach Dorpat sich verloren hat. Ohngeachtet der 
Schwierigkeit des richtigen Lesens und Abschreibens bd 
oft so unleserlich geschriebenen Briefen hat doch der 
Herausgeber einen h(Schst genauea Abdruck geliefert, 
selbst mit Beibehaltung^ der eigenthümlichen laterpunction 
und Orthographie. Sein Hauptbemühen war aber dann 
weiter dahin gerichtet (und wir dürfen in dieser Hiu* 



Digitized by Google 



Viimw. dMlI. Epitt«!!. «4. Tb. F. FMylag« M 

riebt seinen Bemühungen, seinem Fleiii und seiner aiia- 
•gdkrateiea GMahraankeit das i^erdiente Lob nicht ver- 
sagen), ^m^tne dunkle Stellen , welche in diesen Briefen 
inMimninen, durch Brörterungen anfznklSren, die viel* 
'fachen Anspielungen und Beziehungen auf damalige Zeit- 
yerhSitnisse , politische, wie literarische, religiöse u.s. w. 
nachzuweisen, kurz, eine Art von Commentar diesen 
Briefen befsafÜgen, der, zumal wenn man die Periode 
bedenkt, in welche diese Briefe fallen — » ^ie cweüe 
Hilfte des sechsaehaten Jahrhunderts — das Interesse 
daran nicht wenig erhdht. Auf die hin nnd wieder in 
den Briefen vorkommende minder classische Lutinilät ist 
keine Riicksicht genommen worden, was dem Heraus- 
geber billigerweise nicht zu verargen ist, da, selbst ab- 
gesehen von dem allzu grofsen Umfang, den diese Noten 
^dorch erhalten haben wörden, es überhaupt bei der 
Bekanntmachung dieser Briefe, keineswegs daranf abge* 
aehen, Muster der Latinitfit fir angehende Philologen . 
oder Studirende überhaupt, die in dem lateinischen Aus- 
druck sich bilden wollen (wie dies z. B. bei Briefen eines 
Muretus, Manutius u. A. der Fall ist, wo einzelnem Ab- 
weichungen von der ciassischen Latinität allerdiogs sorg- 
fiUtige Berftclisiehtigung und Berichtigung verdienen), 
SA liefern, sondern der Zweck ein rein literärhistorischer 
war, die Sammlung selbst demnach für Gelehrte, nicht 
sowohl für Schüler, bestimmt ist. 

Die erste Abtheilung enthält zwei und zwanzig Briefe, 
von verschiedenen ausgezeichneten und berühmten Män- 
nern an Pirckheimer geschrieben, und am Schlufs einen 
Brief desselben 8. 4T, wo er sich selbst BiUbaldm 
Pirehhejfmer unterschreibt, was dem Herausgeber Ver- 
anlassung giebt , Ober die verschiedenartige Schreibart 
dieses Namens in einer Note sich zu ▼erbreiten. Manch- 
raal steht zu Anfang ein B, was auf eine Ableitung des 
.Wortes von Birke fuhren könnte, indefs findet sich in 
der eigenen Handschrift, die wir eben niitgetheilt haben, 
md die doch in jedem F'all mehr Rücksicht verdient, 
ab die in den Briefen Anderer an ihn vorkommende 



Digitized by Google 



992 . Virorr. docU. fipistoU. «d. Th. F. Fr«;lag. 

Schreibart stets ein P. Dem sclion oben erwähnten Briefe 
Luthers vom 20. Febr. 1519. ist auch dessen Siegel bei- 
gefügt, woraus hervorgeht, dafs also schon vor dem 
Jahr 1528, wie die gewöhnliche Meinung ist, Luther 
«ich desselbeo bediente. . Dem S. 31 f. al^edrucklen Briefe 
des ErasmuB finden wir 8. 82. Mt 4. ein , wie ans sclieut, 
doch etwM sn hertee Urtheil liber den persdoliclMn Cl|ft- 
^ rakter dieses Gelehrten ausgesprochen: „Erat enhn^ nl 
hoc utar, humilis viroruni prmcipum udulator, uhi 
cum paribus et mfertorihus res erat , mordacm'mus 1 
eorum irrisor idemque quum esset umbitiosissimus , 
aliorum contumeliis , facilius quam par erat, irntJoh 
batur" Freilich äufsert sich ErsttBiie selbst in diesem 
Briefe über Lpthers Lehre sehr «ngijietig und ieidos* 
sduilllich : s,Vbieunfue regmU Ltdheratmmu9t'' selHviU 
er, „iH yierarmn est käerihiSk MÜ iea^en koc gern 
fnaxime Utej'is alUur. Duo tantum quaerunl , censtan 
et uxorem; cetera praestut Ulis eiHm^elium hoc po- 
testatem vivendi, tU velmt!* Aehnliche Aeufserungen j 
kommen freilich an mehreren andern Orten ia denßriefen 
•des firasmus vor. , Und so |i:ans grundlos mag es da- 
mit anch nicht gewesen seyn, wie Mekreres, was der 
Herausgeber in der Note anführt, beweisen kann) ^ 
selbst ähaiiolie Klagen yon PirchheinMr selbst erhirte» 
„NegaH enhn nen potest (setzt unser Herausgeber hinta) 
aUercationibus et conlentionibus de nova Lutheri doctrhä 
ortis paceniy qua maxtme IHerae aluntur, fuisse tur- 
hat am et Lutheri assectatores vmcuUs Papismi ex» 
cussis uUerius, quam par erat, processwse; acceS 
quod Erasmus nimquam smeerus F^utheri arm€U$ ßdL 
Dafs eine Zeit politischer und religiaser G&hrtmg, v^s 
welcher die Masse ergriffen ist, der ruhigen Pflege oirf 
dem Gedeihen der Wissenschaften wenis: förderNcli, j« 
oft -verderblich ist, das können wir aus unserer M» 
ersehen. — Sonst kommen noch Briefe von HutleB» 
Reuchlio, Zwingli, Haloander, Bucerus u. A. vor 

In der aweiten Abtheilung ilnden wir achtsehn ISriefe* 
ebenfalls yon den ausgeascichnetsteu Männef oi jener Zeit an 



Digitized by Go 



^MCfaim Camerarius , darunter «tlbsl ein Griechi«lMr dm 
Tnraeims (bei weUier Gelagenheil iler HentMfciier 
JBlBtges 9ber die erst oenerdings wieder in UhUrsiichuoy 
-gekMinieoe Aussprache dieses Namens ob Iktmibw 

oder Tumebus — bemerkt S. 66. In den Griechischeo 
Briefen unterschreibt er sich stets TovQveßog (nicht 
TovQVJißog i wie in den Gedichten meistens steht), und 
diese ' Schreibung scheint in sofern richtiger, als es 
dem wahren französischen Namen Tbmwe&oet^ näher 
ilehft und demnach euch «nbedingt die Ausqprach« 1\ir- 
mkcs ak die richligere empliehll. Denn das hie und 
da jetzt bei den Franzosen vorkommende Toumebe ist 
offenbar nach dem Lateinischen Turnebus gemacht, ohne 
Rücksicht auf den ursprünglichen Gehalt des Namens. 
Auch ein Brief des Pettir Victorius findet sich in dieser 
Sammlung. Er ist von San Casciano, auf dem Lande 
bei Florenc datirt 1&68. Der Herausgeber, der in einer . 
Nole auf die ungünstigen Urtheile mehrerer Gelehrten 
über die bekannten Variae Lectlones des Victorius hin- 
weist, fügt dann sein eigenes ürtheil über diesen Ge- 
lehrten, dem die Kritik des Cicero und anderer Autoren 
so Viel verdankt (denn man mufs auch immer an jene 
'Zeit denken, in welcher das StudiunL der Alten und die 
Kritik der Schriftoteller, die eben erst nach und nach 
allgemein bekannt zu werden anfingen, noch im ersten 
Beginnen war) , hinzu , welches wir gerne unterschrei- 
ben : y,Quidquid est , in varus quidem lectlonibus f icto- 
rius versatissimum in scriptoribus täriusque linguae et 
nuiU^licia erudiUonia hominem sc prac huit, ita, ul hon 
nmmne sitperhr esse videaiur et- Mureto et Tut'mbo, 
aequaUbuB 9ma, quortm alterwn ieetu jwnmdioremg 
aUerum ingenü acmnme praesiatdiarem ftuBse Vieto^ 
rio , illorum admiratarihua Ubenieriargimur.'* — Aus* 
serdem finden sich hier Briefe von Conrad Gesner, 
Wolfgang Lazius, Sambucus, Caiiterus u. A., auch einer 
von Lipsius (S. 18.) vom Jahr 1573, wo wir des Her- 
auiqfebers Bemerkung ftber die ¥on (nicht uogesuchten) 



Digitized by Google 



904 



Ykorr. ilo€it. £fttloU. ed. Th. F« Freftag. 



Archaismen strotzende Latinität dieses berühmten Uimmh- 
nisten allerdiiigs wohl be^^r&ndet sehen. 

In der dritten Abtlieilung stehen dreizehn Briefe 
an Carl Clusius (Charles de VEscluse) von Languet, 
Hieronymus Wolf , Leunclavius, Caspar Peucer, J. V.Pi- 
Dellus, Lipsias, Melissus u. A. Die vierte Abtheilung 
enthält sieben und dreifsig Briefe verschiedener Ge- 
lehrten (auch darunter mehrere von Lipsins, GIphanhtSi 
Stevart, Schnlting u. s. w.) verschiedenen Inhalts an den 
berühmten Bischof Julius zu Würzburg (von dem auch 
Antwortschreiben vorkommen), nebst einem Appendix 
von sieben Briefen an Freunde des genannten Bischofs, 
der durch seine politisch - kirchlich - literarische Thä- 
tigkeit, durch seinen blinden Eifer für die Erhaltung 
der alten Lehre (der ihn selbst mit den Jesuiten ver- 
band), aber auch durch die Griindung einer -seinen 
Namen führenden , noch immer berühmten Heilanstalt 
in seinem Bischofssitze einen bleibenden Namen , und in 
jener Zeit selbst einen wesentlichen Einflufs auf die po- - i 
litische Leitung der Keichsverhältnisse sich verschafft 
hat Es war daher nicht unzweckmäfsig , dafs der Verf. 
eine kurze Biographie dieses 161T verstorbenen Qi- 
schofs und Fürsten vorausgeschickt hat, mit Angabe 
vreiterer NachMreisungen. Aus den hier mitgetheilten 
Briefen wird man manche interessante Beiträge zur Li- 
terärgeschichte jener Zeit entnehmen können, manches 
Charakteristische, was selbst Beziehung auf unsere Zeit 
zuläfst , wie z. B. die Bemerkungen S. 115. fiber die 
Ceosur, oder 8. 14&i über die Art und Weise der Vor- i 
theilung von Stipendien und dergl. m. — Druck und 
Papier sind sehr befi'iedigend ; störende Druckfehler 
sind uns nicht aufgestoi'seu. 

Chr. Bähr. 



Digitized by Google 



Po«tMii«i LaüBQiriiiii aeU««iae. £4* 4. IMelMri. fü 

F o € t a r um L at in o r um^ Hottii, Laevii, C Lieinii Calvin 
C, Helvii Ctnnae, C. Falgii JKu/i, Domitii Marti AHo- 
rumqtie Vitae et Carminum lieliquiae. Scripait, coUegit et edidit 
M. Jugu§tu9 ^eltfAert, iUtuitit opud Qrimam MoUUmi rtei^t 
et Professor primm H MSfciotit imtkuie Jmutdt 999hm hmnat^HM, 
miMiBe, mmpmm «t l|||i<f & SMiurl. mCCCXXX^ XU 
wid 41» S. in gr, 

Es war gewUli ein sehr erspriefsliches Untemehmen, 
unter dem eben angegebenen Titel die einzelnen, selteii 
g^ewordenen und mit Recht viel gesuchten Programme 

des Hrn. Rector und Professor Weichert in eine Sanum* 
ItiDg zu yereinigeo und durch einen wiederholten Ab* 
druck auch denen zugänglich zu machen, welchen es 
bei der Seltenheit jener nicht in den Bnchhandei gekom- 
menen Programme, nicht möglich geworden war, durch 
eij^ene Ansicht die Belehrungen und Aufschlüsse sich Sil 
yerschaffeui welche Aber mehrere der dunkelsten und ^ ^ 
wenigst bearbeiteten Punkte der Römischen Llterarge- 
echichte, zunächst Ober die Siteren, yerlorenen Dichter, In 
diesen Abhandlungen gegeben werden, welche durch 
die Gründlichkeit der Untersuchung, durch die er* 
schöpfende Darstellung, verbunden mit glucklicher Com- 
bination, dann aber auch durch die classische Sprache, 
in der das Ganze gehalten ist, zu wahren Mustern für 
ähnliche Versuche betrachtet werden können. 

Der Inhalt dieser Programme ist bekannt und durch 
die ausführlicheren Berichte, welche mehrere kritische 
Blätter davon lieferten, worin sie mit Recht den wesentlichen 
Inhalt und die Resultate der Untersuchungen hervorho- 
ben^ selbst Denen nicht fremd geblieben , welche nichl 
BD dem ihnen mm niögllch gemachten Besitie dieser 
Programme gelangen konnten. Wir wollen daher hier 
nicht den längst bekannten Inhalt wiederholen, wohl 
aber müssen wir bemerken, dafs wir hier keinen blofsen, 
erneuerten Abdruck der früheren Abhandlungen vor uns 
haben, sondern dafs das Ganze von dem V^erf. einer noch- 
maligen , höchst sorgföltigen Durchsicht unterworfen 
worden ist, bei welcher Manches berichtigt und hinzu« 



Digitized by Google 



■ 



im Poetarom Laüaoram Beiigniae. £iL A. W«Miert. 

gefugt wurde, wie denn io dieser Beziehung selbst dh 
oeoesten ErBcheiaangen dem Verf. nicht unbekannt oder 
von ihm noberucksichtigt geblieben sind. Er sagt in dieser 
Bezieliiing S. IX. der Vorrede: „Smgtdos (Ubelha — er 
meint die einMlnen hier niü^niMBnieiieii Abhaodhiageo) 
cum dura reira^avi, muUa m eh emrem, atfemi re- 
secui, nrnmMa adjeci aique mmm et Hern afterm 
plane rescriplum novis f actis acccssionibus amplificavi 
Denique perorationes , efusmodi prolusionibus schola- 
stiCiS adjici solifas , ahesse j'nssi omnes , nec quidquam 
reliquif quod cum ipsius scriptionis argiunento parum 
esset conjtmcttim cmt afßne. Nihil, paucis ut dicaMf 
ad diligeiUiam atudiumqi$e hdermiai, quin »criptmea, 

Iuas mverofn smgtdatnm'emmaa viris kitelligeniSm 
aud dkpUctuBse , eae cen^uncthn edttae ei eurk se- 
cundis politae magis etiam placerent,** Es sind dem- 
nach in vorliegender Sammlung, die zugleich mit ge- 
nauen Indicihus (ein Index der citirten und berücksich- 
tigten Schriftsteller und ein Index rerum et verborum), 
die wir dem Fleifse des Hrn. Chr. G. J. Lorenz, welcher 
ffpigleich die Correctur besorgte, yerdanken^, ausgest:itte( 
ist, in mdglichsler Cörreetheift folgende, sämmtiidi auf 
die Lateinischen Dichter und swar zunächst der ältereo 
Periode sich beziehenden Programme aufgenommen and 
KU eiuem Ganzen vereinigt : I. De Hostia poc fa (erschien 
im April 1829.). II. De Laevia Pacta; zwei iu den Jahren 
1826. und 1827 erschienene Abhandlungen. III. De C. 
Licinio Calvo (vom Jahr 1825.). IV. De C. Helvio Cinna 
Paeta (zwei Abhandlungen aus 1822. u. 1823 ). V. De 
C. ralghBirfoPoeia (vom Jahr 1827.). \LDeDomilio 
Marso Peeia (y. J. 1828,). VU. De Q. H^atä Fkuad 
Obire^idoribus (v.J. IdSI, pelldem auch tn FriedenuiDa*§ 
nnd Seebode's Miscellann. Criticc. wieder abgedruckt). 
, VIIL De M. Furio Bibaculo Poeta sive de Turgido AI- 
pino (vom März 1822.). IX. De Titin Septinüo Poeta 
(vom März 1824 ). X. De JarbUa Ttmagema JemtUa- 
twe (vom April 1821.). 

Chr. Bähr. 



Digitized by Google 



£Mebil fiiBMOiu .i^iUR. gr^ ed. AiigiMii^U. 



m 



;|) Susebii Rmesent quae aupersunt opuscula graeea, ad 
fidem codicum f^indobonensium et editionum diligenter ejtpressu et 
adnotationibus kistoricis et philologicis iUustrata, a J o. Chriatiano 
G uilielmo Auguati, philoa. et Theol. doct. cjimdcrnque in uni- 
veraitate BoruaHea Bhenana P. P, O. P. EUberfeldit in bibHopoH» 

2} Ueber die Schrift en des Euaebiui von Ale xandrien und 
des Euaebius von Emisa. FAn kritisches Sendschreiben an Hrn. 
C&naistorialrath Dr. August i zu Bonn von Dr. Jok, Carl Thilo, 
► Prof. d. Thiol. zu Halle. Mit einem Anhange mehrerer bisher un- 

bekannter Homilien des Eusebius von Alexandrien. Halle , Ferlag 
der Bttchhandi. des H'aisenhausea. 1832. 112 in 8. - 

Fttr die theologischen Mythenliebhaber attMfer bit * 
«lochte es angenehm seyn, etliche recht musterhafte 
Proben solcher homiletisch ausgebildeter Mylhologien 
* mit der Voraussetzung zu erhalten, dafs sie sogar von 
einem der berahmiesten und g^e wand testen Zöglinge der 
«tioohetiiecheo , aleo der patristisch besten exegeliechen 
Schvle abetammleb; ungeachtet diese Schule eenat den 
Huhm eines besseren Geschmacks und einer ron der 
kunstlichen Theologie weniger «berviittglen Schrifter^ 
klärung für sich hat. Seihst im Wupperthal kann anan 
über Elias und die geschlachteten BaalspfafFen kaum er- 
baulicher und anschaulicher unterhalten werden, als wir 
uns hier Ober den Teufel und den Todesfürsteu, Hades, 
«ttlerhaltejB kaonen, wenn uns der gepriesene Bischof 
Eusebius von Emesü in swei beredten Kanzelvor^ 
trSgen diö Vorbereitungen zü der sogenannten Hölleufahrt 
Christi , oder vielmehr das siegreiche Hindikoinnien des 
auf eine kurze Zeit von seinem Körper getrennten Gksistei 
Christi in den Sitz des Hades, dramatisch vorstellt. 

Am ersten Tag giebt der Redner gleichsam das Vor- 
spiel. Als Johannes der 'Rufer enthauptet war, kam 
nun ebenso, wie nach der oft mifekannten Eschatologie 

. des A. und N. T.s alle abgeschiedene Geister, bis zur 
körperlichen Wiedererstehung, in das Todtenreich (und 
nicht zunächst in den Himmel) kommen sollten, auch dieses 
Märtyrers Geist in das Reich des Hades. Dort hat, wie der 



Digitized by Google 



MtS JSpaeMLEoieieBi 0|Him. gr. eil. AugnsU aml 



Kirchenvater weifs, eigentlich der Tod die Herrschaft, 
der Teufei aber, als Freund des Todes , ist Mitbewohner. 
(Ganz angemessen heifst daher das unterirdische Todleft* 
veicli t6 tov *Adat) = des Hades, gleichsam als des 
Sünigs, Wohnung;.) Die/fansBe Menge dort vom Todes- 
fllrsten Bvrftckgehaltener Menschengeister bestürmt den 
neuen Ankömmiiog, Johannes, mit der Frage: „Kommt 
denn endlich „der Herr" hieherV Versetzt er uns aus 
dieser BedräagniTs? Ist erfüllt, was auf ihn prophetisch 
gesagt ist?** 

Hierdurch setst sich der dramatisireiule Redner in 
den Vortheil, dafs er nun den Täufer, als „Vorläufer 
der Sonne der Gerechtigkeit," alle Propheten aufrufen 
lassen kann , ihre besten messianischen Weissagungea 
auszusprechen. Sie thun es der Reihe nach Wie m 
einem Chorus recitirt jeder das Dictum, wodunA er des 
iadividuelleo Messias, mehr nach persdoliehen Neben- 
mastinden, ak nach dem Geiste und der ächten Idea- 
lität , Torher verkündigt haben soll. 

Dies setzt t!en Hades in Verwunderung. Wer, fragt 
^r den Teufei, ist denn Der j über Dessen Herltunft diese 
Hochdenkenden solche Freude aussprudeln ? Der Teufel 
erzählt dann , was er von dem Täufer wufste , auch wie 
er selbst in die Herodias, um ihn zu morden, gefahren 
sey, und wie Der, welchen der Täufer als einen Erretter 
verkündigt hatte, diesen doch nicht vom Tode zu befreien 
vermocht habe. Damals vielmehr sey Dieser (desseo Na- 
men auszusprechen er sich möglichst hfitet), aus PunM 
TorHerodes, nach Galiläa geflohen, und er, der Teufel, 
habe nun gemerkt, dafs Derselbe übrigens auch niv 
^n Mensch sey, und vor dem To<le sich furchte. Des- 
wegen wolle er, der sich selbst anfangs vor Jenem ge- 
fürchtet habe, jetzt in die Juden fahren, damit sie 
Jenen kreuzigten, und er ihn in die Hände de» Todes- 
fursten herabbringen kdnnte. . - 

Hierüber erklärt sich der Hades zwar bedächtlicher. 
Sie beide hätten lauter Feinde um sich her* Gar zu 



Digitized by Google 



Dr. TäUo, «bcr EMb. tpm AtasnMi ii. MmktL. Sit 

gtme^ meint er, Wirdes die Propheten ikra Leiber wi»-( 
der bekdomen, ans dem Todienreicli hiinasgehen umI 
tluMD nit Hehngeiadiler eetfliehen. Sdiiel die Verdemm^ 

ten würden ihre Körper durch Auferstehung gerne wieder 
erhalten und seiner, des Todes, Gewalt, hohnlachend 
sich entziehn. Der Teufel dagegen ermahnt den Hadee 
blee, sieft vor den Reden der Propheten niciit su Ittrob» 
lea, die Pforlea dee ficlieol aber deelo eicherer n rm^ 
wahren* 

Am foigeadeti Tage fuhrt der Homiiete sein Drama 
weiter aus. Der Teufel, welcher jetzt seinen Plan durch 
die Juden ausführen will, versichert den Todesfürsten 
oder Hades, dafs er nunviehr wegen der Worte: ,,aieilie 
Seele ist betrübt bis zamTode,*' gewlDi wlsee, wie sehr 
Jeoer den Tod fiHrohte. Deaweg^a habe er Allee eeheai 
■am Verrath dordi Jndae and aar Enaordang gegen 
Jenen zubereitet „Er hat nur noch zwei Tage, ruft 
der Teufel aus, und ich werde ihn Dir vorstellen. Mache 
nur einen sicheren Ort zurecht, wo wir „den sogenann« 
tai Jesus'* einsperren können." Denn viel habe ihm 
Jener auf der Erde zu Leid gethan. Hiervon eraidlU 
dann der Teafel aaeh Maochea auf »eine Weiee; snielal» 
data er Laiarns, ab den Freund desselben, dem Bruder 
Hades überliefern wollte. Leider aber habe Dieser, er 
selbst wisse nicht wie^ den Lazarus wieder sich entn 
reifsen lassen. 

Bei dieser Briiinernag ersehridKl der Hades (S. 120. 
1II.S1.) gar sehr. Wenn es Der ist, sagt Er, so er^ 

barme Dich meinei:^ und bringe ihn nicht hieher« ' leh 
habe"^) damals des Lazarus Leib , während ich ihn selbst, 
= avTOV (also den Geist ia seiner menschlichen Gestalt 
Hk Gewahrsam hatte, vier Tage lang^ verfaulen gemacht 



^) Dem Todteafartten schrieb man demnach nicht blos Gewalt zu 
ilber die zn ihm in Menschengestalt in die Iladeswohnung hin- 
abkommenden Geister, Ronder^n auch über die naf der Erde bd- 
■tiit«te LeicbnABie, um «ie bier verweaen su macben. 



Digitized by Google 



•Ü SttMMi CMMi OiNMO. ffr. «A. A«gMti wf 

ÜfteD «dl a«f. Aber dt Jener an aietae Thür« tam, 
und aofim rief, war fietae SüniMie m fürelilbar, Mb 

der Abgrund bebte, die Erde zitterte, ich selbst in Furcht 
aufgelöst war, nicht aufstehen , nicht die Thören schlies- 
8eo konnte, und dieser schon „durchgefaulte" (^Siaaa" 
mic) Lazaraa ans meinem Schoos (sie tou noXnov fiov) , 
wia ein Ldw« aas der Hdhle hiaaussprang , wie ein Adkr 
entfloh, und im Augenblick alles Schwadiseyn ablagte» 
Ich, sagt der behnlsaane Todteakdaig» Termag ilmii 
hier nicht einzukerkern. 

Der Teufel dagegen schilt den Tod unmännlich un4 
aehwaohaitlthig. Sich selbst spornt er anfe Neue m 
dirdb Brinnerangen, wie Manchen ihm Jener aehon kii^ 
perlich und dm Geiste nach entrissen habe, den* m 

schon gewifs zu haben sich freute. Der Tod warnt im- 
mer aufs Neue, dafs der Teufel mit Jenem sich nicht in 
einen Wettkampf, in ein (pLXovixsLv , einlassen sollte. 
S. 23. Wenn Jener blos ein Mensch wäre, meint den 
Hades, 9o hätte er nar körperliche Leiden zu heilOB Ye^ 
Boaohi^ nicht aber aach die Heraen der ZMIner u. dergL 
aarGeefnnungsänderang umgewendet. Der Teufel schimpft, 
dafs der unersättliche Hades alle Welt verschlinge, nur 
jenen Einen aufzunehmen allzu kleinmöthig sey. End- 
lich ruft Hades: Gehe, thue, was Du willst! progno--' 
eticirt aber einen schlimmen Ausgang. s 

Der Teulel eilt zu den Juden , bewirkt gegen JeanS| 
was wir wissen, merkt aber endlich, und doch zu spat, 
durch die Wunderzeichen beim Tode Jesu , dafs diese» 
Alles xar* olxavo^ziav (= nach einer gewissen Leitung 
in der Haushaltung Gottes) geschehen , und er eben da- 
durah, dadi er Jesus tddtete, der Geläaschte, def 
Betrogene, der Verspottete, sey. (Gerade so, 
wie Augustinus öfters die geheime Weisheit Gottes darin 
entdeckt zu haben meinte, dafs derselbe dem teufelischen 
Leviathan den Leib Christi wie eine csca hingehalten 
liabe, um den bösen Feiad dadurch gleichusaai an den 



Digiii^uü Ly Google 



Aof^el isu lockeiii BekaantUoh belustigten sich ubefbi^ilMl 
cUt JfijroiMiviler ~ Qati nach eich schätufBod — gmk 
m m dmtt IMMilm^ vi« G^d^ Teufel oll IM Angt^ 
wmA wm Hirn vQweioftUcb^ E^cbl «i 4m AlMidMo, 

bringe. 

Wehklagend eilt der getäuschte, eigentlich sehr 
ckiiniiie Tesfel zum Bruder Hades hinab. Hilf mir, dem 
VmpotMeD) injHeiaer Brftiedrlgiiog! . . . Mit «iürneti' 
Riegels wotAm dl« HadMpferteo geachl o t o c a ; «lier 

siehe! den Teufel unmittelbar verfolgend, kommt dei* 
Herr mit jubelnden Cherubim hinab. Hier belebt sich 
vollends das Drama; aber zu weilläufti^ ^^ilrden wir 
seyn, weDD wir fortan Heden und Gegenreden übersetzea 
wsilleo. Das Unterhaltendste ist , wie Broder Hades 
jflM attf den TeMfd schimpft Dreiköpfiger BMl^i^h^ 
AMwvrf der Engel ! Spolt der RechleehaffeBe a ! 1iUk\ 
ich Dir 8 eicht vorausgesagt? Aber solche Unfolgsam-* 
keit hast Du von Anfang an, uotl bist dadurch vom Hirn« 
mel herabgestürzt wie ein Blitzstrahl. Diirch Dich werden 
Mch ich jetzt ein Qefaageaer, i 

•Der Teufel weint ^erbArmlieh , wiederhoH irich aber 
einige Worte Jesu, die ihn betrOgflich glauben gemacht 
hfitteo, dafs Jener ein blofser Mensch sey. Die Pro» 
pheten dagegen, besonders David, frohlocken, dafs ihre 
Weissagungen also hätten erfi&ilt werden müssen. Der 
Herr fafst den Teufel , bindet ihn mit unauUdslichen Bau- 
den, und föhrt ihn in das Untersie de« Hadetf 
hioali. . Weinend senfat dieser. Er kemnil auf uniMK 
Itfucliliches Feuer zu liegen, und auf Wirmer, die n*^ ' 
schlafen, i^^earQCOdey avrt^ (ö xvQtog) jrt;p a^ßarrovy 
axcn^TiHaQ^ axoifxijrovg. . . . Die Befreiten hingegen 
treten mit Gelichter ihrem Feinde auf den Kopf, und 
spotten seiner mit jenen Worten, in welchen Jesaias 14^ 
14p die vom Babylonischen Eroberer niedergeweifeueK 
Völkerfllrsten auch im Scheol über ihren Feind trinm- 
phiren liefs, da er endlich eben SO unmfichtig, wie sie, 
in das Todtenreich hinabkommen mufste. Die Propheten 



Digitized by Google 



MI BBMbU Etaamd Ofiaac. gr. «d. jU^pMti*«!«. • 

alle werden vom Herrn aufgerufen : G^kt in das Pa- 
radies! und voll Prenden hipfen sie aus dem IMm 
in das Pstadies hiaaus, wekshas iUso Mar, aadaia ab h 
der Parldiel vom reichea Mann, niaht achoa dta bessert 

Theil des Hades ausmacht 



WeDigsieas eiae skizsirie Probe von dem aaiieliead . 
dramalischea lahalt dieser MydioIogieQ mnfttea wir ge- ; 
ben, um aasre Leser aaf den StandpaakI aa Miteii, 

warum es wotil der Muhe werth war, diese mj^thischen 
BruchstQcke gerne von einem so ausgezeichneten Kir- 
chenvater, wieder Emeseuische Eusebius war, abg^e- 
leiftet bekannt zu machen. Dr. August! deswegen hat , 
▼on S. 64 — 101. selbst fiber die Sudt Emesa (das so 
ebea in den Zeitangen öfters genannte' Hems) und dtai 1 
fiber den wichtigen Bmesener, vielerlei Data geeanmnlt | 
und commentirt. Zu verhehlen ist dabei freilich nicht, 
dafs eben derselbe Emesener wenigstens Halbarianer und = 
ein Günstling des zum Arianismus geneigten Kaisers Coo- 
siantius war, dafs er sogar für einen Mathemaiicus , im 
damaligen Sinn, nämlich für einen Mann, der geheune 
Kfinste gelernt hätte, galt, and von dem Kaiser, be- 
sonders weil er die Wilnschelruthe, r^y rov ßa^ | 
tvXov xivr^aiv y zu benutzen verstand, sogar in den I 
Persischen Krieg mitgenommen wurde. Immer aber 
wäre doch für jene mj^thisch- dramatische Methode ein 
, alter angesehener Gewährsmann entdeckt, wenn nur die ^ 
durch Petras Lambecius in seinem Commentar de hl- 
blhibeea Caesarea Fmdoboaenai, Ub. |V. p, 184. ftfd | 
fi&. V. p, 185. vergl. jp. 823. aufgestellte Meinung , dab | 
diese drei Homilien von dem Emesener, und dafs sie < 
ungedruckt wären, erweislich geworden und geblie- . 
heu. wäre. . ] 

iDer Beichluf» folgt.) 



Digitized by Google 



N^ 68. HUBHUB. ilAHAa ». UTHRATUa 18M 



EusebüEmeseniOpusc, gr, ed.Augusti und Dr. Thilo, 
über Eusebius von Alexandrien und von Emha» 

( B et c h luf9,) i 

Wären, wie Manche Überhaupthin annehmea, ga* 
tvisse neutestameoUiche Begebenheiten und Behauptongen 
vtrkHch Mythen, so mOfotea sie in der Thal ungefölur 
auf diese dramatische Weise in- der gehörigen Ausfuhr- 
liehiieit darzustellen sejn; wie auch Lavater in seinem 
Messias dieses Dramatisieren mehrmals recht veranschau- 
lichend angewendet hat. Der Herausgeber vergleicht 
daher, S. 109, das, was er abdrucken liefs, nach einer 
sehr natürlichen Vorliebe für das, was wir bearbeiten, 
mit den dramatischen Trilogien und Tetralogien der 
Griechen; sogar die divina comedia denkt er sich 
gerne als eiaenSpröfsling'von jenen Vorbildern des Eme- 
seoers, wiewohl gewift vielerlei dergleichen Phantasie- 
producte unter den verschiedensten Völkern nicht von 
einander, sondern nur davon abzuleiten sind, dafs es 
überall Menschen von Phantasie giebt. Viel mehr aber 
hatte es wohl BedenkUchkeiten erwecken müssen, dals, 
wie auch p. lOT. bemerkt, die antiochenische Exegeten«* 
achule eine Feindin des Allegorisirens war, und nament- 
lich Eusebius Emesenns schon von Ernesti in der iVor* 
ratio crUtca de interpretatione propheiiarum Messias 
nar. als derjenige gelobt wurde, qui prhnus , quantum 
scimus y hl intcrpretando illud genus (doccndi) sequi 
instituit , quod historiam tencret , et ea modo vati* 
ebda ad Christum referre , in quibua proprie de eo 
et mo fuidem sermo esaet. €f. Hieron, catal scriptorr* 
eecksi ea|i. 119. Wie gewagt war es demnach, die 
' une Wien erhaltenen Anekdota so bestimmt jenem Eme- 
eener zuzuschreiben! ' < 

Hr. Dr. Thilo hat nunmehr in No. 2. nicht nur Alles, 
was gegen diese Meinung ist, ins Klare gebracht; er 
XXT. Jalug. S. H«ft. Ö8 , 



Digitized by Go ^i .^ 



ttA . AMduü SneMBi QfW» gf» 4licai4.iii4 

iuU nicht nur den eigentlichen Urheber dieser Tetratob- 
gien entdeckt, sondern auch den Mjrtbnslieb habern ähn- 
liche Proben aus einem Ton der Vergeesenhdt gerettet^ 
Eneebiue von Alexandrien (vielleicht Ale^andna od 
Bhuan IsBteumt vielleicht ^leirandria Ttoa»9) thob 
mitgetheilt, theils zur weitero Befriediguug dieses Ge* 
schmacks nachgewiesen. Das Auffallendste , was für die ^ 
Kritiker zur Warnung anzuführen ist, war, dafs die 
Handschriften zu Wien, aus denen die Eatdeckaog ge- 
nommen wnrde,* nur von einem Bosebius sprühen, ohne 
jemals desf Zufirtz der Eimesener ansugebea; da&ala» 
die Hbliotheeare, well man ja wohl Ar seine Hllie 
auch etwas Bedeutenderes enthflilt haben machte, ohae 

^ Weiteres einen berühmten Eusebius, und zugleich einen , 
solchen, von denf) fast noch gar nichts aufgefunden war, ! 
als Urheber des neuen Funds proklainirten. i 
Dr. Augusti wollte, wie es die jetzige kritische Kunst l 
erfordert, jener so Cradirten, aber durch kein Sufeeiü- | 
chea Zeugnifs unteretlllBten Abldtnng ypn dein Emeseoer j 
dadm^ch su'Halfe kommen, dafs auch dte inneren Hals | 
auf denselben hinfuhren sollten. Leider aber hat map 1 
von diesem nur wenige exegetische und zwei Fragmente: 

s de Jesu Christi persona , in Theodorets Dialogen gegen 
die Keteer ; und von diesen bemerkt Dr. Thilo aufiailend 
richtig, dafs sie weit mehr einen scharfsinnigen, nicht 
aber einen solcheli mythologischen, Ko^Terralhen. Aaa- 
aerdem hat tlieronymua den Eusebius Emesenus als eiBia 
geschildert, welcher magis histq^riam secutua fli 
his, qid declamare volunt, studiasissime legitur. Schwer- 
lich aber ist anzunehmen, dafs Hieronymus das drama- 
tische Mythologisiren ein hiaioriam eequi genannt haben 
möchte. Doch oicht genug — so schreibt Dr. Thilo 
S. 10. — dafs jene Homilien dem Eraeaeniaches 
fiosehiua in den Handschriften nioht- nuge- 
achrieben werden, sie werden sogar, wen ig^tena zwei 
derselben (S. 32. 34.) in Handschriften ausdrücklich 
einem anderen, einem Alexandrinischen fiuse- 
IM US, beigelegt; und selbst Dr. Augusti wäre g;aas aähe | 



Digitized by Google 



Dr. Tldlo« Uber Eaieb. Alenndrieii n. Emlaa. 

dfran gewesen, am ans Leo AUOtk» de -Smemmm sori^ 
f$m (Paris, lfi64. iß 4.) p. 8>. von s^ioem Emeeener 
weggeleitot su werden. 

Dr. Thilo nämlich ist durch seinen auf die Apokrypha 
des IV. T. frühzeitig gei iciUeten F'leifs und Scharfsinn zu 
einer für diese Bearbeitung nothwendi^en , aber höchst 
jpühsameo Durchforschung nicht nur der Kirchenväter, 
«Dodera auc)i der mancherlei Katalogen von Mannscripten 
gatricJien worden. Oer Umfang und die Genattigkdt 
dieser Untimvchongen , wie er sich ans diesem &nd- 
wArelbea noch vollständiger, als aus der trefilich bear- 
jbeiteten Ausgabe der ^cta Thomae, bemerken läfst, ist 
iß Wahrheit bewundernswürdig , und in unserer Zeit 
Waluscheinlich ohne Gieicheo. Er hat schon seit Jahren^ 
eii^ Sammlung dessen vorbereitet, was nns von den 
Schriften der berühmten antiochenischen Schale 
'l^rl^upt (jener Iiehrmeister des Nestoriw, Chrjsosto* 
mm o. s.'W.) in grieebtscber Spreche übrig ist Möchte 
ihm doch der Wunsch, S. 2, bald ausfuhrbar werden, 
filr die Herausgabe derselben noch einmal Paris und Ox- 
ford besuchen, und da besonders die zahlreichen unge- 
dfl^9iU€n Catenea fiir diesen interessanten. Zweck he- 
nutzen zu können. 

Im, Co(^ apoetf/phns N. T. verlangt das sogenannte 
^^cmgeliur^ Nicodemi, gerade als ein Drama In and ans 
diem fiadiesreich , eine vorzQgliche Aufmerksamkeit. Der 
unermwdete Bearbeiter hatte dafür bereits auch eine Ab- 
schrift eben der von Dr. Augusti bekannt gemachten llo- 
i^ieo durch den Bischof Miiuter erhalten, dem sie auch 
der Brsdbischof von Hohenwart mitgetheilt hatte. Da- 
49Fcli wai^ Th. schon vor der Erscheinung der Angusti - 
qd^ei;! Ausgabe auf die Entdeckung gekommen , dafs diese 
vcm Lambeek und Mfinter, von Augusti und T^hirner, 
dem Eiiiesenischen Eusebius zugeschriebenen Kiichen- 
reden nicht nur einem anderen angehörten , sondern 
d^is, was noch wichtiger ist, auch durch eben diese 
JSSp^docfcoi^ des verschiedenen Verfassers, sich meh- 
TBfp ganz gleichartigeflomill«n anfBnde^ lassen, 



Digitized by Google 



918 EumIiU Emeteni Opwtc gr. ea. Aagvttl nnd 

so dafs Thilo eioen g;anz neu eotdeekten mythologischen 
Kirchendramatisten ia der Person des Eusebius Alexaar 
drinus mit einem Cyclus von wenigstens 10 solchen Mei- 
sterwerken (nach S. 32.) aufzuführen im Stand ist 

Die Beweise hiefür sind in dem kritischen Send- 
ftehreiben SchriU für Schritt ebenso geordnet, als fiber- 
zeugend , ans den yerschiedensten Untersuchungen In 
Eines zusammengebracht. Zuerst benutzte Dr. Th. hiezn 
die in der Ausgabe des Johannes von Damascns tod 
Le Quien mitgetheilten uga %a^)dXXrjXa' Bei den dort- 
her gesammelten 24 Bruchstücken bemerkt Ree, dafs 
mehrere derselben ausdrücklich gegen astrologischen und 
anderen wahrsagenden Aberglauben gerichtet sind, also 
^am wenigsten von dem Bmesenischen Eusebius als 
astrologischen Mathematikus abgeleitet werden könnten. 
Hierauf wird ein Catafog von 16 Reden aufgestellt, die 
nach handschriftlichen Angaben und Vergleichung der 
damascenischen Parallelen einem Alexandrinischen Euse- 
bius zuzuschreiben sind. Dieser in neuerer Zeit ganz 
vergessene Schriftsteller wird als Urheber entdeckt von 
wenigstens fünf^ dem Chrjsostomus fölschlich zuge- 
schriebenen Homilien, und- von einer nicht geringen 
Anzahl der Parallelen -Excerpte. Wer aber- dieser Ale- 
xandrinische Eusebius war, beruht noch auf weiteren 
Untersuchungen. Schon der Jesuit Torres , welcher 
Manches von ihm, nach einer sehr alten Handschrift aus 
der Bibliothek der grotta ferrata , die 16 oder 18 
seiner Homilien darbot, für seine defensio epwtolarum 
decretaUum adveraua Ceniuriaidres Magdeburgense» 
(Florenz. 1572. Cöhi, .1073.) benutzt hatte, vermnthete 
1ÖY8. in seiner zu Antwerpen erschienenen Schrift ; Apa» 
ätoUearum cmstitutiormm Clementis libri VIII. , dafs er 
Bischof von einem Alexandrien in Asien gewesen 
seyn möge. Ebenso muthmafst Le Quien in dem nach 
seinem Tode 1740. erschienenen Oriens Chrisiianus, 
Bd. II. S. 905 : Mea quidem senientia iUe sermonutn 
ecriptor vel Alexandriae ayriae episcopue fuerM, 
vei Alexandrinae aedie Meichitivae oAnt- 



Digitized by Google 



' Ar. Thilo, fiber Eoseb. von Alcjumdrieu u. v. £mi«a. 917 



nistrator, illo quo ea vacavit tempore , 8uh prioribuf 
chaUphiS saracenis, toiis octogirUa anm». 

Dr. Thilo, S. 05, urtheili, was die Hauptsache, 
die Reden selbst, betrifft, dafo sie nicht vor dem 
finde des 4w nnd nicht nach dem Anfang des 
1. Jahrhunderts abgefafst seyen. Für die frü- 
here Zeit sey diese Beredsamkeit zu schlecht. (Dieser . 
kritische Grund ist jedoch, dünkt mich, immer sehr 
relativ.) Th. bemerkt ferner : Die mj^thische Ausschraük* 
kuog oder Verunstaltung der Geschichte des Herrn, die 
alles rednerischen Aufschwungs ermaogelndeDarsteilnnj^, 
Und die ganze Beschaffenheit der Sprache, weisen auf 
ein späteres Zeitalter. (Offenbar aber wurden diese gar 
SV nnlerhaltende Phantasiespiele ofit mit starken Abände- 
rungen abgeschrieben) Auf der andern Seite seyen nach 
Le Quien die 'KagaXKriXa rupefucald'mn , in denen der 
Euseb. Alex, angeführt ist, aus der ersten Hälfte des 
I.Jahrhunderts, aus der Zeit Kaiser Heraclius. Dem- 
nach mufste er im 5. oder 6. Jahrh. aufgesucht werden. 

Dem Ree. scheint diese ganze Untersuchung vor- 
zuglich deswegen viel werth, weil nunmehr eine ganze 
Reihe von rednerischen Erzeugnissen dieser kirchlich 
mythologischen Dramaturgie bekannt gemacht , und da- 
durch das frühere Dogma , dafs alle Seelen , auch die 
der Besten , nicht (wie ef die jetzt geltende Dogmattk 
als zttTerlässig belianptet) anmittelbar in den Himmel, 
sondern in das Reich des Hades oder in den alten, doch 
aber mehrmals modificirten Scheol, kommen mQfeten, 
nnd auch die Seligen , erst nach Wiedervereinigung mit 
dem Körper, aus dem Paradies in den Himmel versetzt 
würden, nacli den patristischen Begriffen vollständiger 
zu erfassen seyn wird. 

S. 80. d. bemerkt, dafs erst seit der Mitte des Sten 
Jahrhunderts die dramatisirende Manier recht fiblich 

wurde. Beweise hiervon se^en die in diese und in spä- ^ 
tere Zeit gehörenden Reden unter dem falschen Namen 
des Gregorius Thaumaturgus , Methodius ^ u. A. Er- 



Digitized by Google 



I 



i 

9IB EOiebii £meseiii Opu«c. gr. ed. Aaglitti and 

wOnscht ist daher der Anhang, wo Dr. Thilo, S. &lbit 
112 , die Reihe dieser Reden verTOllitfiDiligt.'^ in tM 
Aiigusti'schen Ausgabe, S. 25, ist das Drama bis dahin 
geführt, wo der Verräther im Garten sich näherte. Der 
tbrige Verlavf bis zu den Wundern beim Tode Jesu ist 
aufsen gelassen, und die Bemerkung gesetzt: 'Evrai;^« 
rdv Xoyov sacpgayLadiL-qV' S. 81. giebt Thilo die am 
folgenden Tage von dem Redner vorgetragene Fort^ 
Setzung, gerade mit dem auffallenden Wort: ik 
^i^vinavTa röv Myov h^a ia<ff^äyiaafX6v (iatfgayk 
aafiTiv^). 8.84. folgt a[l8daQii, aber aus! flhrltcher , was 
in der Augusti'schen Angabe nur als fortlaufende Rede 
gegeben werden konnte. 

S. 91— 99. werden in gleichem l*one die Erschet- 
nuDgen des Auferstandenen Tom Morgen des Sonntags 
rednerisch dargestellt. Merkwürdig iht darin, wieder , 
Umstand, dafs Jesus namentlich dem Petrus, | 
Mark. 16, 7. seine Auferstehung bekannt machen läfst, 1 
hervorgehoben wird. Mit vielen Worten wird auäge- * 
sprechen , wie Jesus den Petrus habe versichern Jassen, 1 
dafs Er ihn nicht etwa wegen der Verleugnung von der ! 
itfoxa^sipia tSv avpt^a^rir&v abgesetzt habe, viel- 
mehr o-i; atriQri ex Ss^tav nov 6)g Ta^iaQxV^^' (Mehr 
als von einem Primat des V orsitzes ist demnach ] 
hier noch nicht die Rede. Sollte dies nicht zu den ( 
Spuren eines höhern Alters gehören? Ebenso die fol- 
gende grofse Freigebigkeit im Verzeihen.) Selbst de» 
Judas (8.97.) wfirde Er vetfeidl«» haben, Wenn er za 
Ihm «urllckgekehn Wäre. Auch seine 8flhde, h^ 
es, habe ich an das Kreuz angenagelt, xai tq ixdvov 

Eine dritte Rede (8. 99—104.) giebt eine Aus- 
malung der zweiten Parusie des Herrn, besonders mit 
der Hindentong , wie Werke der Mildthätigkeit bei dem 
Gericht des Messias entscheidend styn würden. Ihr 
habt mich getränkt, iy^ Si vudg elg tov Ttaoakeia&P 
äga'^djGi. (8.103.) , . 



Digitized by Google 



Dr. TiuXPt nhn £iM«b. von AiezandrAcii u. t, Smisa. ^ 

In der letzten gegebenen Rede (S. 105 — 112.)^ ist 
fl» dem Redner h&nptoächlich um das Zutrauen ge- 
gen die Presbyter zu thMO.. Viele solche brächtea 
als Sander dieGabeo dar, aber Gott weise sie Dicht ab, 
sondern heilige die vorliegeoden Gaben dorch den heil. 
Geist. Das Brot werde Leib des Herrn, und der Kelch 
werde {yivBtai) dessen rißiov atfJLa* Einige, wird 
bsKierkt, glaubten etwas Verständiges {siiKo'jfOv) zu 
i|wa, wenn sie etwas Böses von dem Presbyter wissen , 
nioht bei einem Solchen m commanidren. Dagegen 
werden Tiele Schriftstellen angeführt, besonders auch 
nach Apostg. 23, 5.' dgyovra rov Äao0 aot? oiw ifeig 
Ttax^g. Von diesen Kirchenffirsten aber werden 
dann (S. 112.) die Diakonen sehr unterschieden, Welche , 
Alles xiAfvau %ov nt^eaßvre^ov verrichten sollten, 
MCh, wenn es nöthig sey, die Taufe. Eltern sollten 
lueht die Kinder ixl hn ^woAXd ungetauft lassen. Ein 
nieht gestempeltes Schaaf werde dem Wolf m ThtaL 
Sollten nicht auch diese Anordnungen , um welche Ä 
der letzten Rede sehr zu thun ist, in' eine frihere Zeit, 
als das Ende des 4. Jahrhunderts (S. 85.), gehören? 

Noch ein besonderes Verdienst erwirbt sich Dr. Thilo 
dadurch , dafs er von S. 5». an mehrere Qndlen nach- 
weist, aus denen auch noch bedeutende Uebei^'este des 
Emesenischen Eusebius bekannt gemacht werden können. 
Möchte er diese, da sie für die Exegese noch interes- 
santer seyn werden, als es die mythologisch - dramati- 
schen Declamationen für die Dogmengeschichte sind, 
bald mit der ihm eigenen Genauigkeit besirbeiten können! 

Dr. I^au^tis. 



Digitized by Go v^i .^ 



I 



919 SüpCLe» MaterialieB «a Latein. StjlöbaBgeiii 

Muterialien zu Lat e iniachen Stylühungcn für die mittleren 
Classen der Gymnaaien und Lyceen, In zwei Abtlicilungen. Mit 
beständiger Hinweisun^ auf ZumpVs lateinische Grammatik und mit 
AnmerJcungen verst/icn von C. Fr. Süpflc, Profesaor am Lycewn 
zu Karlsruhe. Karlsruhe ^ in der Braun'sch^ Bojbuchhandlmg^ 
1832. XU und a. in gr. 8. 

Da diese Schrift als ein Product des Inlandes keiner 
näheren Kritik hier unterliegen kann , so möge es uns 
wenigstens vergönnt sevn , zur richtigen Würdigung 
derselben, Einiges über Zweck und ßestimmaag, mit 
besonderer Rücksicht auf die an beherzigenswertheo 
WOnscheo reichen Vorrede mitzutheileD und den Inhalt 
und Charakter der Schrift im Allgemeinen zu beseichnn. • 
Wir theilen vollkommen die Ueberzeugung des Verf&, 
wenn er in dein Eingang der Vorrede sich dahin aus- 
spricht, „dafs für Schüler der untern und mittleren Classen 
diejenigen Aufgaben die zweckmäfsig^teo wären, die 
mcht nur Leichtes und Schweres unter einander mengen 
- wie solchen bei no vielen Uebungsbüchem der Art 
der Fall Ist — )» sondern die auch einem bestimmtea 
grammatischen Gange folgen und Ober die einseinen Re- 
geln nach Anleitung des eingeführten Lehrbuchs abge- 
fafstsind;" — und wenn er weiter S. II. bemerkt, dafs 
bei der grofsen Masse <les zu Erlernenden „ein sicherer 
Stufengang der grammatischen Hegeln und die unmit- 
telbar darauf folgende praktische Einübung dersellien 
durch mQndliches oder schriftliches Uebersetzen nnei^ 
läTslich Ist, wenn das Gelernte zum Bewufstse^n, ich 
möchte sagen zur Anschauung gebracht werden soll. 
Ueberhaupt aber bin ich der Ansicht, dafs in den untere 
lind mittleren Classen der gelehrten Anstalten weit mehr 
componirt, als exponirt werden sollte u. s. w." Diese 
und andere in der Natur der Sache begründeten und 
durch die Erfahrung bestätigten Sätze möchten wir allen 
Schulmännern, denen 'Förderung des sprachlichen Un- 
terrichts zunächst In der lateinischen Sprache am Herzen 
liegt, wiederholt zur Berücksichtigung empfehlen. 

Das an dem Karlsruher Lyceum fär stylistische Uebaa« 



Digitized by Go ^^,1 



Mpftof.MMriälicii-sa LftCein. fltjfabangeR. 



gw viof^farta Krelis'flohe Handbuch hat bei manched 
.uimrkeiinbareB Vorzögen doch den Af ifsstand , dafs zu 
den Regeln nnr einzelne abgerissene Sätze als Uebungs- 
beispiele gegeben werden, die, weil sie aufser allem Zu- 
sammenhang und Verbindung stehen, leicht unverständ- 
lich werden und dadurch zu Mifsgriffen bei der Ueber- 
Setzung Veranlasanng geben, öberhaupl dem Schüler das 
rlehtiipe AufTassen in manchen Fällen erschweren. Die-^ 
mm 'TJebelstand suchte der Verf. durch Torliegendes' 
Üebnngsbneh abzuhelfen, welches darum eine Sammlung 
von zusammenhängenden Themen über die einzelnen 
grammatischen Regeln nach dem Gange des Krebs'schen 
Lehrbuchs in der ersten Abtheilung liefert und zwar von 
§. 67 — 292, in Allem 182 Aufgaben, In der zweiten 
Ablh^iung dann aber vermischte Aufgaben enthält, die 
Aells aus der alten Geographie , theils aus der alten und 
neuen Geschichte und dergL entlehnt sind. Der Verf. 
hat mit einer Sorgfalt, die nirgends zu verliennen ist, 
diese Aufgaben ausgearbeitet, so schwierig es auch oft 
hif fiber eine bestimmte Regel ein zusammenhängendes 
Ganze als Aufgabe zur Uebung zu liefern, und dabei 
fitets den Schiller zu berücksichtigen, was aufser der 
Sorge filr zweckmäfsige Wahl des Stoffs und man- 
nichiache Abwechslung in den Themen zugleich eine 
Klarheit und Deutlichkeit des Vortrags , sowie eine 
Bestimmtheit des Ausdrucks erfordert, die, weil sie 
schwer zu erreichen ist, um so mehr hervorzuheben ist, 
wenn sie, wie einen Jeden leicht ein Blick in dieses 
UebuDgsbUoh lehren kann, in einer so befriedigenden 
Weise angetroffen wird. Dafe durch Aufgaben der 
Arrt, die ein zusammenhängendes Ganzes bilden, der Sinn 
des Schülers weit mehr zum Nachdenken angeregt, und 
seine Kraft auf eine nur noch nützlichere und erspriefsli- 
chere Weise in Anspruch genommen wird , unterliegt 
keinem Zweifel; und darum schon würde vorliegendes 
Uebungsbttch unsere Aufmerksamkeit und Theilnahme 
verdienen , wenn es auch nicht durch besondere 
Eig^nselüifteil poch einer Empfehlung sich wflrdig 



maehte. Nirgends ist der Hauptzweck, die Seliiikr nü 
der lateinischea Qraimnalik recht vertraut zb smcImbi 
aHÄer Aogea gelassen , und darain sind denn aaofa ia d« ' 
Noten neben den Angaben einzelner lateinischer Aas- 

- drücke und Redensarten zahlreiche Nachweisungen auf 
die Lehrbücher von Zumpt und Krebs gegeben, um den 
Schüler zum Nachschlagen zu veranlassen und dadurch 
zugleich nähere Bekanntschaft mit der Grammatik her- 
beizuführen* Auch fehlt es nicht hier nnd dort an eiBr 
zelnen grammatischen oder synonymischen Bemerkungen; 
eine gröfsere theilt der Verf. am Schlnfs S. IM mit, 
näiiilicli über den Unterschied zwischen nihil aliud nisi 
und nihil aliud quam, worüber es freilich nicht ao 
Versuchen fehlt, die aber nicht wohl als gelungen betrach- 
tet werden können. Der einzige, in der Matur derüed«- 
formel selbst begründete, und darum auch aachweisbaie 
Unterschied erscheint nach des Ref. Ermessen der^ wd^ 
eben der Verf. hier nachweist: nifäl (quid ) aliud , qmm 
zu setzen, wo gesagt werden soll: Nichts Anderes 
so sehr als; weil hier nämlich ein Comparativ stalt 
aliud denkbar scheint. Dagegen setze man niftil aüud 
nisiy wo wir sagen: lediglich niclits als, aus- 
schiiefslich nur. Aber ganz richtig fugt der VeiC 
hinzu, dafs da, wo keine der beiden Unterscbeidangci 
besonders hervorgehoben werden solle, ebensowohl ^ann 
als fiM richtig sey, und dafs nnr die Individualität des 
Schreibenden in solchen Fällen entschieden habe; viel- 
leicht auch, dafs die Wendung nihil (quid) aliud quam 
oder nki nach und nach immer mehr zu einer stehenden 
Formel wurde, bei deren Anwendung die genaue Ruck* 
sieht auf den ursprünglichen Begrilff nnd Unterschied 
den Augen gelassen worden. 

Was fibrigens bei der Anwendung dieser UebunfM 
mit zu berücksichtigen , ist der Umstand , dafs überall 
in Nachweisung der Wörter und Redensarten oder iu 
grammatischen Bemerkungen weislich ein Mafs beob- 
achtet ist und der Schüler durchaus nichts mehr er- 
führt, als oothwendig ist, um das eigene Naebdeakso 



Digitized by Googl 



Siffl«, MHitWiia mm hauim. fkiflikumgttL tm- 

ZU wecken und ihn dahin zu fuhren,- dafs ertivrch ^ffmu^ 
Snü iUt Richtig« in Mfoni wird dkm UebUj^gs-* 
bwdi den Vorwnrf , den imn so manciiao ähttlidieii BSh 
ehern der Art Dicht ohne Grund machen kann , dafe 

nämlich dem Schüler zu Viel gegeben werde , und da- 
durch für den Letztern statt V'Ortheil nur Nachtheil aus 
der Benutzung solcher Bücher erwachse, nicht zu be- 
furchten haben. Wir haben aber dagegen allen .Grond, 
allgemeine Verbreitung dieses Büchs und Binftthrung aus 
den oben bemerkten Gründen zn irftttscheo, weit wl^ 
gUmben, da(^ es insbesondre geeignet sey, einen guten 
Grund zu legen , indem es frühe auf richtigen Aus- 
druck und gründliche Kenntnifs einer Sprache hin- 
fuhrt, die, obgleich sie der Grund aller wissenschaftli- 
chen Bitdung jeder Zeit war, ist und sejn wird, docli 
voh Manchen theils ans angebornem Trägheitssinn und 
Bequemlichkeit, theils aus kurzsichtiger Beschrflnktheft 
ntid Einseitigkeit, die out einem Mangel an ichtwissen- 
schaftiicher Bildung meistens gepaart ist, jetzt verschrieen 
wird. An Belegen wird es leider Niemanden fehlen, 
der durch seine Stellung in der Lage war, darin Erfah- 
rungen zu machen« Dafs der Keim zu solchen selbst auf 
Universitäten herrschenden und bei dem Hang zu sinnli- 
6lier Ltist und Vergoögen jeder Art und bei der Bequem« 
lichkeit der Studien iminer mehr um sich greifenden Vef^ 
irrungen, leider oft Schon frühe auf der Schule durch 
verkehrte Behandlungsweise der Sprachstudien gelegt 
wird, läfst sich freilich in mancht-n Fällen — wir sind 
weit entfernt, dieä als allgemeinen Grund anzusehen — 
behaupten Und auch nachweisen; um so eher verdienen 
W^rile, die, wi« vorliegendes^ dur^h swebkmäfd^e Blii^ 
richiuDg und Behandlungsweise frühe Liehe uMd ntnei- 
gnng für Solche Sprachstudien in eineitf für höhere ^s- 
senschaftliche Bildung nicht uneiiipfiinglichcn Gemuthe 
zu erwecken wissen, Aufnahme und dankbare Aner- 
kenaung. 

Wir gedenken dabei noch folgender, ebenfalls im 
Inlände erschiene^nen, und gleiche Zwecke — gründliche 



1 



924 Oie LaUüiwchen PcapoaUioaeii %oil Sobucb. . 

Kenntnifs der lateioMcheo Sprache — beabsichtigendoo 
Schrift über einen der wichtigsten Theile der iateifii- 
fi»hen Syntax: . ^ 

Die Lttteini$ehen PräpoMitionen zum Gebrauche für ge- 
lehrte Mtttelsc kulen erklärt von Ch. Th. Schuch. Uei- 
ddherg. Druck und Verlag wn duguet O/swald, ISSL Fl wd 
61 in gr. 8. 

Das Schwierige, das die Lehre der Präpositionen 
für einen jeden Lehrer bei dem Unterricht der lateini- \ 
sehen Sprache hat, wenn er anders dem deutschen Schuler ' 
eine grflndlkhe Kenntnifs derselben beibringen will, war 
gensg Grund für den Verf.^ seine Kräfte der Entwick- 
lung dieser in Vielem so schwierigen und im Gaozeo 
von uusern bisherigen Grammatikern nicht so, wiesiccs j 
verdiente, beachteten Lehre zu widmen, und seinen nach 
den besten und gründlichsten Lehrbüchern der neueren 
Zeit ausgearbeiteten Versuch einer Darstellung der Lehre 
Ton den Präpositionen, durch den Druck bel^aont zu 
machen,, wobei er, wie der Titel auch besagt, zunächst . 
Schüler der mittleren Gymnasialclasse und deren 
dürfnisse vor Augen hatte. Diese Rücksicht mufste os- I 
türlich den Inhalt der Schrift, so wie die Methode und | 
Behandlungsweise bis in's Einzelste bestimmen. Der 
Verf. durchgeht die einzelnen Präpositionen, indem er ^ 
bei jeder ihre verschiedenen Bedeutungen , ihre An wen* | 
dung im Sprachgebrauch u. s. w. anf&hrt und darauf eine 
Beihe Ton Belegstellen folgen läfst , die meist aus dem 
goldnen Zeitalter der Römischen Literatur oder auch ans 
andern guten Latinisten entlehnt oder den Originalstelleo 
nachgebildet sind. Die Ordnung, in der die Präposi- 
tionen auf einander folgen, ist nicht die alphabetische, 
sondern nach den durch Ranishorn eingeführten Classeo. 
Alle gelehrten Nachweisungen und Citate sind , als dem 
Zweck und der Bestimmung des Buchleins entgegen, 
weggelassen. Vielleicht findet sich der Verf., dessei 
vertraute Bekanntschaft mit der Lehre von den Präpo- 
sitionen sattsam aus dieser Schrift hervoigeiit, bewogen» 



Digitized by Google 



dteselbe Lehre auch ftr das gelchrf« PvMikam in eiMr 

besondern Schrift m bearheiten und ao eiBC wcaouflichc 

Lücke unserer Literatur auszufQilen. Denn bei so man- 
chen trefflichen Monographien über einzelne Theile der 
lateinischen Grammatik und Syntax fehlt eine umfassende 
und gelehrte Behandlung; der Lehre von den lateioiachea 
PrapoaitioneD noch immer und ivSre um so mehr zu win-« 
aehen, ala.nach dea* Ref. Ermeaseo dieser wichtigen Lehre 
aeibat in den neuesten lateinischen Grammatiken nach 
nicht die gehörige Aufmerksamkeit geschenkt ist, ob- 
wohl es an einzelnen Vorarbeiten und Materialien dazu — 
man denke nur an Tursellinus u. A. — nirbt fehlt. Möge 
der Verf. unserer Aufforderung Gehör gehen; wir glau-^ 
ben Yon seiner Thätigkeit etwas Tttchtigea erwarten ab 
kdnnen. - ' 

Chr. Bähr. 



.$ä m m t l i c h e Anomalien des griechischen P'erbs im Attischen 
Dialekt , auf Analogien zurückgeführt , m tahellnrischcn Uebcr- 
aichten dargestellt und als Anhang zu jeder Grammatik bearbeitet 
von Raphael Kühner. Dr. phil. Bannover 1861. Im Ferlag 
dfsr nahn'schen Uo/buehhandlung. In grofs FoUo, 

» 

Was wir an diesen Tabellen besonders zu rühmen 

Ursache haben , ist die seltene Vollständigkeit und 
Genauigkeit in Aufzählung der einzelnen Verben und 
deren Abweichungen, dann die passende, den Ueberbliok 
und damit auch die Auffassung erleichternde Anordnung 
des Ganzen, wie wir dies noch in keiner der TatieUaUi 
die hl Shillicher Weise Aber die griechischen Tttrba, 
Conjugation, Bildung der Tempora und Modi u. dergl. 
mehr existiren , bemerkt haben. Die erste Tabelle 
enthält die Anomalien in der Augmentation und Forma- 
tion der regelmäfsigen Verha pura , sowohl mcontracta 
als cmUracia; die zweite Tabelle giebt die Anomalien 
in der Formation der regdmäfingen Vetba ingßuta, 
worauf die besonderen Anomalien in der Pormatiiin 
dnaMdaer Verben , der pura wie der inipura folgen. 



uiyiii^uü Ly Google 



•M F. AatiL Lap. e rec. el cuoi oott. iUiUteB- e4«Cr. 0. Fitttehar. 

Die dritte Tabelle glebt (als yierie Abtheiluag) 4b 
ADomalleii im Stamme ^uiid die besondeiren KlMeR im 
-«geotiich sogenaDoteii Verba Anmale. Die yfi^ttp 
Tabelle bringt (ale IHiifte Abtbeilttog) die Aaomalieoln 

den PersonaleDdungen und im Stamme, und (in eioer | 
sechsten Abtheüung) die Anomaliea in Aosehung der 
Bedeutung Das Lichtvolle der Anordnung-, die auch 
mit der in jeder Hinsicht rühm^swerthen typograpUr | 
sehen Einrichtung in Einklang gebracht ist, macht dieie . 
Tabellen, in denen niclU lelcbt Etwas Termirst iiirii|4 j 
^e man nicht leicht unbefriedigt ans 4er Hand Uigm •: 
wird, für den Gebrauch auf Schulen sehr empf<MMt- , 
Werth und läfst ihre Eiuführuog; und allgemeiae \u- i 
ihreitung wünschen^ I 

Ch. Bahr. 



P, Rutilii htipi De ßß^uris scntcntjrnum et elocutionis libri duo, iten i 
j^quilac Romani et Julii litifiniani de eodem argumento lihrl Ki ^ 
rccensione et cum intcgris ndnotationibua Oavidis Ruhnkcnii aecu- \ 
rate edidit multisque aecessunübus locuptetavit Carolua Henricus 
Frotscher, ph. Dr. et projessor extr. in univera. Litt. Lips. scholai 
Aicol. conrector et bibl. senat. praefectus II. Lipsiae, 1831, «im- 
pf«« fecerunt et. venumdftnt Gust. Schaarschmidt et Frid. Volckmr 
(^flartmanniana Libraria). XX XU und 293 Ä\ in gr. 8. 

Es ist diese Ansgabye suchst ein mit> mögliclifdr 
Cort^tlieit nnd Sorgfalt veranstalteter Wiederabdruck 

der ihrer Uucntheliriichkeit wegen mit Recht imo^r 
noch sehr gesuchten, aber sehr selten gewordenen Aus- 
gabe des Ruhnkenius, mit der Wfia ihm vorg^tzten 
Hktoria criiica oratorum Graecorum , daher auch die 
Seitenzahlea dieitef Ausgabe a«) iUpde bemerkt, st^d. 
Wm der Aeue Herausgeber geleistet bi^l» besteht 4i# 
in 4er Aorgfilttigen Nachweisung der Ton Ruhnkeo & 
tirten Stellen nach den neueren, jetzt überall gebrauchten 
Ausgaben, theils und insbesondere in zahlreichen Nach- ^ 
trägen zu den von Rnhnken behandelten Gegenstäuden. 
ivijß dies bei der üiatoria critica oraiarum Grmfffirm 



Digitized by Google 



F. RntiX» iMip. e reiu com nott. Aubaiieii. C. H. Fratscher. 4itl 

■■■ifttiift^ dar Fall iü, wo theik manche ^achwei- 
•ongen ans der seitdem erschienenen Literator, Ikeiis 
aiuföhriichere Erdriernngen geg^eben werden ^ wie z. B. 
« a V. 2T 60. 64^ . EiA^ sehr erwflnsidile Z^gAe ist der 

Abdruck einer Abhandlung y/oü F. Ranke (S. 66 ff.) zur 
Widerlegung der von Ruhoken in der genannten Historia 
aufgestellten Behauptungen über die Alexandrinischen 
Kritiker und den voo ihnen aufgestellten Kanon. I»- 
fieicbdn sind Ruhnkens Noten zu Butiiius, die, wie b^ 
4Milt, Ib^ils auf die Kritik Teiltet, theiis a«f doli 
fiprachgebraiiob sich beeidien, viele schitcbare Naehi- 
weisungca ans «floereftWeffkea beigefügt , and man-wird 
nicht leicht aui eine 8eile stofsen, in der nicht irgend 
ein Znsatz der Art bemerklich wäre. Wir führen dies 
4IUX an, um damit unsere Behauptung zu rechtfertigen, 
dtfs in die^m neuen Abdruck Alles nachgetragen und 
iMMMfkt ist, was seit Ruhnken's Bearbeitung für di^ 
im ficduriflsioller g^kebduki ist. Druck ist oof^ 

m»; Paiiior «d LoHera in jeder Hinsicht befrieh 
digeud. Sehr ausführliche Register (ein Index figUf 
rarum, ein J. Script orum a Rutilio Lupo laudaiorum y 
ein J. scriptorum ah yiquila Romano et Julio Riifi- 
nimo laudatorum, ein J. Oratorum, in hist. critic, 
commemoratorum , ein Index Scriptortan, die in deo 
Bjjlot^ und in. der hktar, crU» behandelt werden, eip 
Iißdex rerum et verbh. und ein Index Oraeeue), aa»- 
^earbeitet dnrch Hrn. G. A. Koch, dessen Unterstützung 
Hr. Frotscher auch in der Vorrede dankbar rühmt (da 
ihm dieser seinen ganzen zur Herausgabe dieser Schrift 
^osaipm^lten Apparat überliefs), erhöhen den Wefij^ 
dtjBser nenea Anspbc^ > 

CA. Bähr. 



» 



\ 

I 

m * 0r. SOckfil, de Gofile Job. 19» . . f 

I 

J^ß Goele in Job. 19, 25 — 27. comm, philolog. hntorico - crhica. 
Auct, Joann. Gust. Sticket^ Fimartensis, Theol. Baccal et Prtif* 
extraord, MDCCCXXXU. Jenae. / iii u. 115 S. in 8. 

Diese ffir Brwerbong der theologischeo Doctoridirde 

verfafste Dissertatioa erneuert die gute alte Sitte, zur Er- 
klärung einer ehemals oft abgehandelten und mifshan- 
delten Stelle von der Geschichte der alten Interpretalioa : 
auszugehen , dea Ursprung der kirchlich gangbar ge- 
%?ordeueii Mifsverständnisse wieder io Erinuennig ü 
briogea, und alsdann durch die gegenwärtig anwendbsrea 
phiMogischenHillfsniittel, nach der wahren, Ton irgend 
einer Dogmatik unabhängigen SchrifIterkliruDgfliniMt, | 
ihren Sinn auf eine grofsentheils unwiderlegliche Weise , 
- zu bestimmen. Wer hat, so darf man wohl auch hier 
fragen, auch hierin zu der endlich klarigewordnen Wahr- 
heit geführt? Etwa die Interpretations- Methode, auf i 
welcher die patristische Orthodoxie beruht und coMe^ | 
qnent^r Weise bestehen mnM oder die ans Logik uimI | 
Rhetorik Tersälndig abgleitete, also ratlonalMbche, Eet- J 
-menentik? 1 

Gegenwärtig mag wohl die Voraussetzung, dafs die 
Stelle Hiobs nicht von körperlicher TodtenauferstehDO| I 
rede, ebensosehr herkömmlich und modisch geworden 
seyn , als Tormals das Gegentheil nnter die KennzeicheD 
der llbernattlrlichen Orthodoxie gerechnet worden M. 
Doch möchten wahrscheinlich V'iele sich so nennende 
Rationalisten — welche aber eben deswegen, weil sie i 
die rationes nicht kennen, nicht Rationalisten zu nennen 
sind — den philologischen Beweis für die jetzige Voraus- 
setzung noch weniger zu führen Yermögen, als ehedem 
fiwt jeder Bxaminandus, welcher dazu eingeübt geweseii 
sejn mag, um in dem GoSI Hiobs den Messias der Chri- 
sten als Todtenerwecker mit einiger Scheinbarkeit nach- , 
zuweisen. 

(Der B€Behlu/9 folgt.) 



Digitized by Google 



59. iI£U>ELB. JAHRB. d. UTBRATUa 

Dr. Stichel, de Goite Job. 19, 25—29. 

Diese Gewohnheit hat, wie der Verf. flo, wie ihm 
io dieeem Ponct schon die Abhandlang von Abt Henke 

(1183. 4.) voranging, von S. 44. an, sehr überweisend 
darthut, besonders die abendländische Kirche, welche 
ohnehin fast bei jedem Dogma das Rohere aufFafste, dem 
für eine ganz rohe Körperauferstehung eingenommenen 
Hieronjrmos zu danken. Die frühere lateinische Ueber- 
setKung war fast ganz nach der Alexandrinisch-griechi* 
sehen gebildet, und Tom Grondtext zwar in manchen 
Nebenworten , doch aber dem Sinn nach weniger abwei^ 
chend.' Nach ihr sagte Hieb: $€w enkn, quin aetertme 
est , qui me r esolutiirus est , super terrum rcsurget ' 
cutis mea , quae haec patHur. A dornino *) enhn mihi 
haec contigerunt , quorutn ego mihi conscius 8unu 
Quae oculua meus vidU et non aliua, et omnia mihi 
consummata sunt m stau. Nach diesen Versionen hoffte 
Hiob eine Wiederhersteiinng seiner. Gesundheit, ein 
avMTTHirah selbst des defiia. Dagegen machte Hie- 
ronymus feigende, von dem hebräischen Text dnrch ge- 
waltsame Conjectural-Aendemngen abweichende, Üeber- 
Setzung, als Vulgata, gangbar: Scio enim, quod re^ 
demtor mens vivit et in novissimo die (das hebräi- 
sche hat nur inn^, nicht 'jUniK^) de terra \daß 



•) Wundern muTs man sich wohl, wie >*^tÄ'2Ö durch a Domino 

• T : • 

Übersetzt werden konnte. Vermuthlich dachte der Uebersetzer 
.an nfe^f princcps^ Dem Wort nach nmrr er conatruirt haben t 
ICx eo , quod est in principe ( zzz deo-, dornino) mea» Er dachte 
dann an den Rathschlufs, der in Gott wäre, um sein Schicksal 
SU bestimmen. — Man konnte vielleicht richtig^er ft«*- 
sprechen : ,,und schauen werde ich den HochTcrehrtea (= Gotl) 
als mir Guten verkündigend = suayyB>^iiofxtvov fAoi.** 

XXV. Jabrg. S. Heft. 69 



Digitized by Google 



^ Dr. SlM^Ul, de Goele Jfb. 19, 25-29. 



iMihf. hfti sieht "V^) mrredtfmi «ufft {4m 

hebr. hat In der 8. Person D^p^) et ruraum chrcum- 

dabor pelle mea (wie wenn das Verb. plur. ^ISjPp ein 

Singulare sejn und von ^^p oder abgeleitet werden 

könnte) et in came mea videbo deum meum, quem 
visu7'us stinj €go ipse, et ocuü mei compecluri mU 
et non aüua. HeposUa est haec apea mea (hebr. 

'^f^wb) m ahm m'eo. Der nach der Weise der Abend- 

« 

läuder das Grobsiiinüche und Handgreifliche für die 
Glaubenslehre allzu gerne vorziehende Presbyter meiate, 
nach mehreren Stellen seiner Schriften, durch jeaei 
4^enn gleich auffallend willkührliche und gewaltoamei 
Textfibersetzung einen wahren Schild dafür gefunden sn 
haben , dafs durch die Auferstehung auch der von Krank* 1 
heil äufserst zerstörte Körper ganz als der alte wieder- 
hergestellt werden sollte. 

Die griechische Kirche zeigt , daft sie immer nedi 
mehr GeMAmack und die Uebung hatte, das tropisdl ' 

gesagte auch noch bildlich , uneigentHch , poetisch vei^ 
stehen zu können. Findet sich gleich in Clemens. Rom 
epist, ad Cormth. /?. 36. edit. Junii folgende Citation: 
xai ndkiv 'l6ȧ Xi')feL ' xal draariiaeig trdpica (jlov 
"^avTriv TifV dvavrXvcraarcty ravra ndvra , iO gebt 
doch der ganze. Glaube jenes rdmischen Kirchenvotste» 
hers io jener Darstellung nur überhaupt auf eine baldige 
Auferstehung , das Ist, auf die mh der Ankunft des Mes- 
sias zng^leich erwartete Wiedervereinigung der abge- 
schiedenen Menschengeister mit Leibern oder sinulicheo 
Organen, ohne dafs dabei von ihm, nach der occideota- 
lischen Uebertreibnng, auf eine sehr sinnliche Identität 
der Körper gedrungen wird. Auch hat der Verf. S. 51. 
sogar Grunde angegeben, nach denen wohl die Stelle 
ans Hiob ein weit spSterer Zusatv in dem Clemens «•Brief 
sej^n möchte. Tertullian nämlich, ungeachtet er de ro 
aurrect. cap. 12. 13. die übrige ganze Stelle ans Clemens 
offenbar nachahmt, hat der Worte aus Hiob nicht er- 



Digitized by Google 



wähnt UebeilHuqpl wt •ufialiaad» die griedilielw 
Kircheoiehrer, Juitio, Atheaagom, Theophibw imd 
Tatian» ja selbst Irenias, zwar maiidie andere SteUen 

des A. T., nicht aber diese, für den Auferstellungsglan- 
btn benutzen, folglich sie als uneigentlich verstanden. 
Selbst Tertulliüii und Cyprian citiren dort, wo sie andere 
Stellen für die Körperaulersieliung^ aabäufea, nichts 
ans Hieb. 

, ^Schade, dais unser Luther auch hier, vie so oft tob 
Augustinus, von der Vulgata und den spätem Lateinern 
durch Angewöhnung alizn abhängig blieb. Der Verf. 
zeigt nicht nur, dafs der Chaidäer, der Sjrer, der 
Araber, von dieser Mifsdeutung frei blieben; seine Ab^ 
haadlung erhält einen eigeuthümlichen Werth auch da- 
durch, dafs er durch die Güte des Hrn. Dr. Gesenius die 
nichtgedruckte Auslegung des berühmten Rabbi Saadja, 
aus einer Handschrift der Bodlejsnischen Bibliothek» 
8. Sl — 88, mittheilen konnte. Der forschende Rabbi 
denkt sich, Hieb habe gewünscht, dafs alle seine Reden 
für die Nachweit aufgezeichnet werden möchten, weil 
er hoffte, dais alsdann durch diese überzeugt, spätere- 
Vertheidiger seiner Schuldlosigkeit auftreten würden. 
Dier Rabbi (& M.) erinnert : Hieb möge dem fi^rilch« 
wort gemäfs gedadit haben, welches sagt: probt pra^ 
pmqui patimtibu& s=: „der Gednitig- leidenden nehmen 
sich Rechtschaßene gerne an"). So nämlich erklärt 
sich Hr. St. die aus dem Codex tiberlieferten Worte 

^^yj^\fa ^v^«3Ua}f, indem Er für adeps 

Termuthet prop'mqmta». Aber selbst bei diesem 

Wort scheint die Bedeutung Nähe sehr ungewilk Sie 
steht ebzebi und ist aus der Grundbedeutung: ausgO'- 
dörrt sejn, nicht abzuleiten. Dagegen bestätigt auch 

Hrn. Freitags hex, arab, T. II. p. 263, dafs in 

gewissen Fällen ein Annähern bedeuten könne, wenn 
es einem Anschmieren ähnlich ist. Mir scheint der 
qprüchwdrtlich witzelnde Sinn, dieser zu soyn: probi 



Digitized by Google 



mi Dr. Stick«l, de Goeie Job. Itf» Sft--^ 

füll vebU adeps patienter iolerantkm, d. i. sie wer- 
den ihaen wie ein die Schmerzen linderodes Fett Der 
Codex, welchen auch Ree. schon 1189. in der Biblio- 
tfiek EU Oxford zum Theii excerpirle, ist arabisch, aber 
mit hebrftiflcher Cursifachrift , geschrieben, lleawegen 
ist der Sinn zwar in der Hauptsache so, wie ihn der 
Verf. g^iebt, klar; mehrere einzelne Sätze aber bleiben 
räthselhaft , ungeachtet Hr. Dr. St um ihre Erklärung 
sich viele Mühe gegeben hat. Das einstig;e Uebertra^en 
des arabischen in die hebräische Cursivschrift und jetzt 
die abermalige Uebertra^ng aus dieser in das Arabische 
giebt gar leicht zu Verwedishiog fihnlicher Buchstaben 
Anlab, und in der Ferne yermag alsdann auch der 
Ättfinerksamste nicht immer die treffende Lesart au er- 
rathen. 

DieHaugtsache, die Erklärung der Stelle Hiebs selbst, 
hat der Verf. so gründlich durchgeführt und mit Be- 
weisen belebt , dafs auch Ree. mit ihm in den meisten 
Punkten mit Vergnügen übereinstimmt Seine Ueber- 
setmng ist: Nam ego qmdem 9cio, pairianum ftteoos 
rnkteref ei po$ihae 9nper ierram Biaiurum Poatquatn 
CHlem meam deomermtf hoc (seil futurum est); 
ei ex eame mea eanajnciam deam, quem ego videbo 
mihi^ ocuU mei spectant , acquidemnon ahalienatum; 
pereunt renes mei in sinu meo. Hiob hoffte, Gott 
selbst werde noch zu seiner Rechtfertigung gegen den 
Argwohn , dals sein grofses Unglück ein Zeichen grofser 
Verschuldungen sey! während er noch lebe, auftreten. 
Dies lälst der Dichter seinen Hiob ahnen und hier vor« 
' aussagen, da er selbst schon den Plan hatte , Gott wirk- ■ 
lieh am Bnde zu einer solchen Rechtfertigung fttr den 
nach dem Volksvorurtheil heftig beschuldigten auftreten 
IM lassen. Der Hauptzweck der ganzen Dichtung näm- 
lich ist, wie Ree.*) es ansieht, gegen das gewöhnliche 



**) Der Zweck einer ufluiiLar nacli einein wohlbedachten Plan an- 
gelegten Dichtung darf nicht in mancherlei Nebengedanken ge- 
< «ncM wetden , die tldk Mlinflg äaraai abitrahlreii lasien. Er 



Digitized by Google 



Trikivontriheil alter aml nener SMten gerielilet,- wie 
wenn avfFallendes Unglück immer Strafe «nd ewar BtmSt 

für auflfallende Vergehungeu seyn müfäte. Durch dies^ 
Vorurtheil, welchem auch Jesus Joh.9, 3. widerspricht, 
wird der Unglückliche doppelt unglücklich; und es war 
daher ein yortrefilicher Cntschlufs des Verfs. derJobiade, 
auf eioe geistreiche Weise dieses Vorurtheil zu wider^ 
legen. Alle Theiie des Gedichts sind auf Erfdiiiuig dieeer 
Abriolit berechnet Dem Leser wird, damit er «nn 
voraus weifs : Hiobs Unglück ist nicht Strafe ! gleich an*^ 
fangs vom Dichter der geheiingeschichtliche Aufschlufs 
gegeben, dafs ganz etwas Anderes, als irgend eine Ver- 
fchuldang, die ia der unsichtbaren Welt yerborgene Ur- 
sache gewesen sey, wegen weicher alle jene Unglücks- 
fiUte über Hiob hereinbrachen. Gerade die volle Brpror 
bnng der rrinfrommen Recfataohaflfenheit Hiobs gegen 
einen widriggesinnten Menschenbeobachter in der Gei- 
sterwelt, gegen einen Geist, welcher alle menschliche 
Tagenden scharf beargwöhnte , und nur aus der Eigen- 
nützigkeit ableitete, wird zum voraus dem Leser als die 
flonsther unerkennbare Ursache jener Uebel angedeutet. 
Deswegen ist nichts ungegründeter , als die kritische 
Muihmafsung , wie wenn der Prolog (welcher vielmehr 
zum voraus das Räthsel dem Leser last und ihn die Beden 
nnd Gegenreden richtig zu beurtheilen föhig macht) 
eine unpassende Zuthat eines Andern sejn konnte. Gott 
selbst löst es am Ende nur durch Winke, dafs Er über 
Alles weise Gründe für sein mächtiges Wirken habe. 
Weiche Er hier gehabt habe* ist nicht dort von dem, 
der dazu viel zu erhaben wäre, gesagt. Daher hat es 
der Dichter sehr passend in seiner eigenen 'Ouvertüre 
anticipirt. 



wird nur dadurch entdeclit, dafs man aufmerkt, nicht nur auf 
wcl. lin« beatiramtc Resultat das Ganze hinstrebt, •ondern auch, . 
oh und wie alle eloselne H^npttheilc mit dieser Tendenz zu- 
■ammcnhängen, sie vorbereiten , cntwiacln und am SrhlufB als 
erreicht zePgen. Dieses Hinblicken au/ den Zweck niufs den 
Excgctcn innner leiten, wie es natürlich dem Urheber Qinev 
solchen Darstellung iinmef VOr Aogeii wtr. 



Digitized by Google 



M Hr. Stidkel, 4e Qo«6 Job. 19» 9— M. 

Bk» 'Fremde des Hieb stellen dran alk, wie . eis 
Chorus, di^ allsii gemeine menschlielie Meinesf tet: 

Unglück ist nichts anders, als Strafe von Gott. So halt 
Genes. 3. die Arbeit (das wohhhuendste für die Men- 
schen) für Strafe. So meinte Augustin: das Sterben ist 
Strafe, also Folgte einer allgemeinen Verschuldung^ selfait 
der Kiuder. .Hieb .behaoptel dagegen gerade das^ wai 
der Dichter will, und was der richtigere religiöse Ter» 
stand behanpten muf«. ßr beharrt, nach seinem Gewh 
sen, dafs gerade sein Unglück nicht eine strafeodn 
Folge von geheimen Verbrechen se^n könne, dafs aber 
Gott nach seiner Macht und Weisheit, aus ganz anderen 
vns unbekannten Gründen, das Unglücklichste werdea 
lassen könne; dafs derselbe jedoch selbst radiich gerecht 
mjn und ihn, den schuldlos nnd doch eo fürchteriiak 
liöldenden wenigstens Ton dem Vorwurf, all' d Jam* 
mer verschuldet zu haben, frei machen müsse. Und ebea 
dies läfst ja der Dichter zum Beweis, dafs seine Dich- 
tung oferade diesen Zweck hatte, am Schlufs wirklich 
erfolgen, um für alle Verständige jenes den Unglückli^ 
eben fast nnerträglich schmersliche Vornrtheil auba* 
lösen. 

Dafs Hiob recht hatte, Leiden und Schuld von einan- 
der zu scheiden, dies ist der Hauptinhalt der ganzen, 
etwas sehr tröstliches offenbarenden , Diclitimg. Es zeiget 
sich, wie die nächstfolgenden Verse (28. 29.) sagen, 
dafs die Watzel der Sache =: das, woraus des 
ganzen Streits Wahre Beschaffenheit und Entscheidaaf 
hervorgeht, in Hiob, oSmIich in dem, was Er be- 
hauptete, m finden war. Alsdann wenn Gott, als seih 
rettender Geschäftsführer , für ihn auf dem Staub, worin 
ersafs, auftrete, werden sie, die jenes Vorurtheil immer 
wiederholenden Freunde, ausrufen : Warum wollen wir 
Ihn ferner verfolgen! 

Das Wort führt der Verf. auf das onomatopoe- 
tische Walsen, nurück, so dafs es daher aUunde 
ad 8€ 'renwvU i. e. r^petiit , redemit , Uberamt be- 



dMte. ich bekeuw, dalk ioh* gegen diene McAode, 
gmieie Urkute als die Wurzeln aller andern Zusammen- 
Setzungen anzunehmen, das grofse Bedenken habe: ob 
denn die Sprachzeichen so regelmäfsig und kunstgerecht 
gebildet worden se^n köanen ? Ich möchte ohne wei- 
leres lieber bei dem erweislicheren Spracbgebranch ste* 

hen bleiben. bedeutet (s. Castell. und Freytag) 

gehen und kommen, d. i. geschäftig , ruhrig sich 
iji^tragen, Damit stimmen die Bedeutungen von 
i^rofxn^U, überein. Goel ist demnach ein für etwas 
geschäftiger, ein für mich ge^chäfti- 

l^ejr f= nm meinetwillen gehender und kemmender)» 
OVI ^MS ist ein weg«ii vergossenern Blntei 

hin und wieder gehender, ein dafür Geschäfti- 
ger. Sehr gut erinnert der Verf. an Tbren. 3, Ö8.. 

m n^KJ ^EfW ^3^"1 "»aW Wardich: ita9it 

quoad Vit am meam. Pro v. 23, 11. ist Gott den Waisen 

übn^y der für sie Geschäftige. (Anf jeden Fall 

würde sich auch diese Deutung leicht auf , volvit . 
zurückführen lassen.) Der Verf. selbst vergleicht , S. 79, 
sehr passend die Paralstelie 16, 19, 20, wo Hiob Gott 
seinen Zeugen Im Himmel nennt. Von diesem hoiPte 
er, dafs er ihm seine Schnldlosigkeit benengep, wul 
ateo den Argwohn der Freunde, wie wenn sein groTses 
Unglück nur Strafe grofser heimlicher Verbrechen seyn 
mfifste, von ihm abwenden werde. Auch die Araber 
nennen Gott ihren WaciL Jacol nämlich, das wir ge- 
wöhnlich vermögen, valerey übersetzen, bedeutet a^s 
passive Form eigentlich so viel als: mit Macht b^- 

gabt seyn, und daher ist ^y^Xj ^Vacil ^ ebenfalls als 

ein Passivnm, so viel als ein Bevollmächtigter, 
welcher für den Andern etwas sa besorgen hat 

In d«r dritten Zeile übersetzt der Verf. das Wörtchen 
ni^'T , weil es als Feminin. SingnL nicht der Nominativ aui 



üigiiized by Google 



M Dr. SÜffkel» de GoÜ« M. 19, »^11. 



dem VerbiNQ 4llp3 seyn kaan^ ak Neutmai s Aoe> «ad 

supplirt in Gedanken rT|ni. Daher nimmt Er den Sinn 

ans Auch nachdem (diese Uebel) meine Haut durch- 
fresseu haben, wird dieses werdep! (Dieses nSm- 
lich, dafsGott als mein Vertheidiger, wenn gleich spät, 

auftritt). Dennoch erscheint hier dieses kurze , worauf 
doch der Nachdruck liegen müfste, fast allzu kurz; auch 
ist wohl unerwartet, dafs das Verbum im Pluraiis ohne 
SulMtaDtiY steht, und das Subject der Rede s diese 
Uebel, nnr in Gedanken supplirt Wiarden müfete. Dem 

Wörtchen DHf ^ als hoc, correspondirt im Arabischen 
es ist also ein mit v> gescliriebenes Wort. Das eben- 

fiills mit ü geschriebene Verbum bedeutet wie 

^^Ov abmatten und abgemattet sejn, vehementer 

propeUendo emaeiare (camehs, uxorem m coHu). 
BbensD fiaeeida evasit e. g, herba. Daher a^fO 

emaciatum pecus. Leiten wir das T)c(T unserer Stelle 
davon ab, so dafs HXr lüer statt JINT abmattende 

Heftigkeiten, Paroxysmen steht, so hat der 
CinraL das SnbstantiTam plaraie, das er bedarf, 

ohne Ellipsis. Der Sinn ist: Auch nachdem 
(= irajt) meine Haut durchfressen liaben die 

Krankheitsfibel. ... Dieser 8atä hängt nfimlich mit 
D^P3 zosammen. ist durchbrechen, durch- 

schlagen, durchlressen. 

Weiterhin kann 1tDS< vor , nach der hebräischen 
CoQStructionsart , schwerlich ein Accusativ = quem, 
seyn. * Ich möchte l>eide Worte verbinden : qtd ego 
$um, d.i. ich Selbst, wie ich eben bin, werde 
ihn schauen, mir znm Besten. Das nachfolgende 

darf schwerlich als Futurum übersetzt werden. Der Un- 
terschied zwischen der Form des Präteritum und Futurum 
ist gewifs viel strenger, als gewdhnlidi geschieht, es 
beobachten. In einer Sprache, die so woiige Zeichen 



L;iyiii^oa by Google 



km, darf ntsii nm so «elfeiier annellnien, dab'sie mit 

eioander blos verwechselt wurden. Dadurch machen 
sich die Exegeteo manche Stelle gar zu leicht. Hält 
man fest daran , dafs das Präteritum nicht umsonst steht, 
dafs aber die Jorma Juturi ausdruckt , was wir durch 
Sabjanclive, Optative uod CoiQiuictiTe aofldrftcken, so 
erhalteo nicht wenige Stelleo ihren beetinunterenGBnn. 
Hier Ist die BemerlLung anzuwenden, dafs oft zwei Zeilen 
als Protasis und Apodosis mit einander zu verbinden sind. 
Daher könuen wir hier übersetzen: 

Und haben meine Augen (ilur) geieben« MDi swav aU «uiea mir 

nicht Entfremdeten , 

So «ind ganz (kräftig) geworden meine Eingeweide in meinem 
Schooa. 

Der Sinn ist : wenn Gott ihm günstig und rechtfertigend 

erscheine, so sey' er wie neubelebt« ist, wie 

nicht Ton Mindern von ganz werden oder 

sejn, absuleiten. 

Noch möchte ich bemerken , dafs der Vereinigung 
dieser Stelle mit dem Vorherg^^genen und dem Nach* 
folgenden wohl einige Worte zu widmen gewesen wären« 
Es ninfs der ächten Erldärung dieaer, wie manohiBr das-» 
aisdien Stelle, hinderlich sejn, wenn de, wie gewöhn* 
lieh, nur aus dem Context herausgehoben wird. Der 
nächstfolgende Vers: 

Denn sagen werdet Ihr : Warum wollen wir ihn weiter Terfolgenf 

Und die Wurzel der Sache (der Grund» dafs ich Recht habe) ist 
alsdann gefunden bei mir (und nicht bei euch). 

macht anflhUend deutlich , dafs vorher nicht von einer 
kfinftigen Todtenanferstehung die? Rede geweaen ' äejn 
kann. Denn hier wird anmittelbar vorausgesetzt, dafe 

das vorher augedeutete geschehen sol! , während die 
Freunde Hiobs noch als solche , die gerne Jagd auf ihn 
machten, gegenwärtig seyn würden. 

Ich füge nur noch bei» dafs im folgenden Vers 29. 
ich nicht begreife, wieHiob den Beachuldigern mit dem 
Schwert 31/1 gedroht haben kdnne, und wie er ihren 



Digitized by Google 



doch bloB in Worleo aiisstrdinendeii Zanieifer eiae im 
lächwert Terdieoende Sfiodenmenge 31)1 T^lfiV gemnui 

haben kdoote. Ich frage deswegen, ob nicht nilli 

essiccatns, aridua, ^npog» ausznsprecheo sey. Alsdann 
kann fibersetzt werden: 

Scheuet euch Tor (mir als) einem Aasgetrockueien ! 

Denn Zorn (wie Ihr ihn äirfHcrt) ist eine Sündenmenge (er ergiefsl 
eine Meoge von Beleidigungen). 

Antgetröckiiet (bin ieh), iamit Ihr eriihret, wM der Urtlieili- 

Spruch ist (= an mir werdet Ihr zu lernen habeo» V9t da* 
rechte Urtheil ist, statt eures VorurtheUs). 

Hiob .will, so viel ich einsehe, sagen: Gott hat diese 

mich ganz austrocknende Krankheit an mich kommen 
lassen, damit er euch, was das rechte Urtheil darüber 
sey, kund mache. Immer nämlich hält der Dichter sei- 
nen Zweck fest, dafs das Vorurtheil, wie wenn man nur, 
um bestraft zu werden, in grofses Unglück verfallen 
könne, durch das Beispiel Hiobs, dessen Unglftck, wie 
die Leser ans dem Prolog vorauswissen, eine ganz an- 
dere unsichtbare Ursache gehabt babe^ widerli^t wer- 
den solle. ' 

Ree. hat die grfindliche Abhandlung des Verf& sieht 
anders, als mit aufmerksamer Theilnahme, lesen können. 
Daher der Versuch) ihm und Forschern seiner Art auch 
einige exegetische Cfodanken , als Gegengabe, eurBeur» 
)heilung vorzulegen. Nur noch Eines bemerke ich, dafs, 
da der Verf. auch die Literatur der Stelle Hiobs um- 
sichtig verglichen hat, die Cvrae hexaplares in Jobum 
e Codice Arnbrosiano von Dr. Middeldorpf (Breslau, 
18k7, 4.) 9iß ein sehr fleiisig^ bearbeiteter Beitrag noch 
verglichen zu werden yerdienten. 



Digitized by Qo 



r. Lngtdorf, tfber '^en ProtMtantliimiä. 989 



KÜRZE ANZEIGEN. 



Forderungen dee wahren teuteehen Protest antismue ^e- 
gen EinaehMekung etnea ein evangeliaehes Papst- 
thum verbreitenden Konsistoriatglaub ens. Nehat einer 
* phys. mathematischen Ahhandlüng über die ISoachische 
Fl Utk. Von K,C V. Langsdo rf. *) Beideib, 1831, bei Wmter. 
156 & t» gr 8. (1 fl. 12kr.). 

Za dieser Schrift wnrde der Verf. durch die Schrifl eiM Ze^ 
loten : „ Einige Hauptptttffcte an Dr. FmiIm lieben lat« (tNMlUigea 
18800" venmUiA«. 

Eaeiet Benerkaiigen ftber des Hrn. Prälitea Hif feil AMend- 
long: „FriedentTerMslilige sur Beeedipuigr dee Streitei swisehen 
miiecli-ehrUaiclM« Tbeolegen nnd Raiieoalieten , nad aar Bemhi- 
gnng der eTaageliaehen lUrelie (ia deMea ^Hadirift ffir Prediger- 
wiaBeaeehaftea II. Bd. L Heft- 8. 119'* 142.) " O^'* ^oxWe^ 
^«■dea Sebriri lieferl S. 1 - 23. and 8. 18 - 112. eine scharfe Kritik 
gadaehtea AUiaiidlaog> in der er Satz für Satz prüft und jeden 
Leaer Ten mittel in afaigea Fähigkeiten in den Stand zu setzen sucht, 
aaltet SU benrtheilcn , wie irng selbst Religionslehrer , die bis ztt' 
4ein Grade Ton Aufklärung gelangt sind , welchen der Hr. Prälat 
Hüffen erreldit hat, biblisch - christliche Theologie und 
ttationalismns rnn einander unterscheiden; welche Behauptungen 
«ie dem Bationalismus andichten, wie grundlos ihre eigenen dem 
Rationalismus entgegen stehende Behauptungen sind, und wie nichtig 
alle von U m Hiiffell zur Vereinigung der hibllsch - christlichen Theo- 
logen mit den Uaaonalisten mitgetheilte Vorschläge sind. Der Verf. 
dieser Kritik halt sich überzeugt, Hm. Hüffell jede Vertheidigung 
anniöglich gemacht zu haben, und er findet sich in dieser Vebenenr 
^ung jetzt noch mehr bestärkt, weil Hr. IL auch |a der naterdeMen 
erschienenen Fortsetzung seiner Zeittchrifl diem achaileB Angriffe 
mit keiner Sylhe g«denkt — ala kluger Mann waU wiitead, daDi 
gänzliches Schweigen weniger •ohMiich iet» ak elae' achiedlle Ver- 
theidignng. Wae der Veif. der Terliegeadea Schrill aar Beuthei- 
Oung der Hüffl^aebea Ahhaadlnng gesagt ha«, etoht jnlt .dtoSenr- 
Ihellung der Sobmahiehrirt , ia welcher der ehea enriliBte Zelole 
gegen da« Lebea Jeca Ton Dr. Paalns aalgetreten ict, in geaaoBBten 



*) Jeder Lehrer an der hiesigen Universität hat das Kecht , eine 
Selbstanzeige der von ihm herausgegebenen Schriften in den 
Jahrbachern der Literatur abdrucken an laacen, Awm* d. IM. 



Digiiized by Google 



MO T. IiBiigfdkftrf » Aber den Protettantieniitii. 

ZlUfttniiienhange. Doch hat der Verf. auch die DMri würdigsten Stcllea 
dietev Schmähschrift mit gehöriger Würdigung (S. 'iS — 55.) noch I 
besonders ansgehoben, um die Unüberlegtheit, Uohheit, Keckheit I 
und Wildheit des Zeloten recht Icennbar vor Augen zu le^en, und 
den Dr. Paulus als einen Religionslehrer darzustellen , den in der j 
Geschichte des Lebens Jesu nur religiöse Gesinnungen mit ivahrer ^ 
GottesTcrehrung leiteten. Von S. 55 bis S. 07. wird noch die ge- 
wöhnliche Lehre von besonderen Jesu gewordenen übernatürlichen 
Offenbarungen, von seiner durch Wunderwirkung erfolgten leiblichen 
Auferstehung, TOm Annageln der Füfse Jesu u. s. w. mit vielen Grnii- 
den Beitritten. Dann feigen (S. 68 — 11.) Erimiwiingen gegen 
jSdirlfls „Breifaebet Oataelitea^ mit vtelen Bemerkungen ober 
Mblitelw Theologie «od F^teetanibmnt) ond S« 18 — US. eie Seid- 
eehreiben an Hrn. Prälat Hnffell in Karlerabe, TODtaM { 
Inbalt oben echon geredet worden ist Dieeem Seadi cbreibei Mgm 
8. Ut— 188. JBinige Bemerkungen über die Noacbitche | 
Flntb. Sie sind awar anf Kenntnib der bdheren Mathematik ge- : 
gründet , indessen bleiben die merkwürdigen Reenltate doch Jedes 
Terständlich, der nur gemeine Buchstabenrechnang'Yereteht. Hior- 
aach folgen Miscellen, nämlich ^) üf aafsregeln gegen das fernen 
Horrortreten mancher Pseudodoktoren (S. U9-» 141.). £• wird dam 
das ungebührliche Vorsetzen des Dr. vor dem Namen eines «nr phl- j 
loaophischcn Doktorwürde gelangten Theologen. B) Bemerkung über t 
den neuen Badischen KatechisniuH ( S. 141 — 145 ). C) Des Verfai- 
sers Rationalismus und einige Parallelen zu Aussprüchen Chriatl 
Die hier mitgetheilten Schriftstellen sind (sej es durch Schreib- 
oder durch Druckfehler) zum Theile sehr unrichtig angegeben. Dl 
der Verf. schon in früheren Schriften und in seinem Leben Jesa 
wiederholt behauptet hat, dafs Jesus als wohl unterrichteter Rabbine 
sciue sämmtlioben Lebenslehren schon im A. T. vorgefunden habe, 
80 wird es den Leeetn dteeev Schrift nicht anwillkommcn seyn , hi« 
dafür dai Ton ibm lelbat Torbeaeerte Teraeichaifs hierher gehöriger 
Scbnlftetellen mltgetheilt su linden. 

lMoe.l, 1} lMoa.18, 14; SBIoe.«», l.*.»; 2Mh.9/^,^\ 

SMoe.18, 1.8. anebY.lf, 18n.38| 4illoe.6, 88— 88; 

6» 4->8 n,»i 5Moe.8, 8| 6fllM.10, 11. ancb 1I-80l 
Fi. 1, 1; Fe. 8, 10 u. 11| Fe. 18, 8— 18{ Fe. 88, 8. 8. 8. H 

18. 18 n. 21; Pa.84, 9; Fe. 87, 5; Fe.41, 1$ Fe.51, ll-l^: 
F8.78, 25u.a6; Pa.86, 5 u. 11; Ps.90, 1; Fe. 108, 8— lOu-^^i 
Ps. 106, 1; Ps. III, 10; Ps. 118, 8; Ps.ll9, 1—178; Fa.!»» 

1 — 12 u. 16; Ps. 143, 10; Pa. 145, 8. 18. 15. 16. 18 u. 19. ' 

Sprüchw. Sal. 2, 1-6; Spr. 3 , 5 — 7, 11 — 13; Spr. 8, 17; 
Spr. 11, 2. 19. 20 u. 28; Spr. 12, 10. 19. 24 u. 28; Spr. 12, 10. 

19. 24 u. 28; Spr. 13, 9 u. 14 ; Spr. 14, 15. 27. 30 u. 31; Spr. 
16, 3; Spr. 19, 17; Spr. 20, 1. 19 u. 27; Spr. 25, 9. 21 u. SSj 
Spr. 21, 2; Spr. 28, 13 u. 24; Spr. 30, 17. 



Digitized by Google 



Herbtt, BiUiothek chriitllcher Denker; Ml 

Fred. Sal. 12, IS. 

Weisheit 1, 6; Weish. 2, 12 — 23. 

Sirach 3, 18; Sir. 4, 4. 5. 8. llj, 15. 27 u. 33; Sir. I, 10. 29. 
89 u. 40; Sir. 15, 22 u. 23; Sir. 11, 28; Sir. 18, 1-4. auch It 
u. 22; Sir. 23, 1— 4 u. 28; Si«. 24, 25 u. 26; Sir. 32, U; Sir. 
85, 8-5. 

MaUftchi 2, 10. 

J«0ftUs 64, 16. 

Em h&tte dem Verf. nicht leliwer fliUen kdnnen , dietei Veneichnifi 
noeh MIentend in Temehren. 

S. 150 B. 161. folgen H) Einige Pnrnllelen twiaciien dem 
sogenannten bibliech»clirietlichen Theologen nnd doM 
rntionnlletieehen Christen, die für erileren nidit eebr en» 
pfehlend klingen. Endlich S.158 o. S. 166. JE) Dnretellnng Ter- 
echiedener protestantischer Parteien. In einer beigeffigtOB 
Tabelle findet man A) BibUecb-christliche, und B) Rationalistisch • 
ebristliche, auch Antisupranaturalistische. Unter J) stehen C) Ge- 
mäfsigie Orthodoxen. — Gemafsigte Supranatural isten z.B. Schott» 
Brettachneider, Hüffell u. b. w. D»nn D) Altkirchlichc Ortho- 
doxen, Hyperorthodoxen, OhRkurantcn , Finsterlinge, Supranaturali- 
•ten, Hengdtenbergianer , als synonymische Benennungen. Als Bei- 
spiele nennt der VerC. Hahn, Tholulc, Harms, Hengstenberg 
u. B. w. Zeloten , setzt er hinzu , findet man nur bei dieser Parthei. 
Unter B) stehen E) Rationalistisch- biblisch -christliche , z. B. Pau* 
los, Weg-scheider, Gcsenius; ihre Quelle, engt er, bleibt Im- 
mer das N.T. Aber der Becher, mit dem sie daraus schöpfen, ist 
der Verstand. Dann F) Rational Utisch - christliche im engeren 
Sinne, zu denen der Verf. aelbst gehört Den Beiehlnrc des Werk» 
cimM Bracht fiL IM n. 189* ein Knehwort» mit dem dfo lo gennnn- 
tca biblieeh-chriitlichen Frediger wolil nleht nnfrieden eeyn werden. 

V, Langadorf» 



Bibliot hek chriatlieher Denker, Imumgeg. von Dr. F. Herbat. 
Zweiter Band, Johann Kaapar Lavater, Auch unter dem Titel i 
Joh. Kaapar Lavater nach seinem Leben, Lehren und Wirken. 
DarguMU von Dr. F. Herbat. Anakaak^ 1882. XU «. 412 & & 

Der erete Theil dieaea Werket, die Dmtellungen dee Lebern 
▼on Hnmnnn nndFr. H. Jncobi entbeltend* wnrd'e beieite in dieeen 
Jnfirb. 1681. Heft 19. S. 1089 ff. Ton nne nogeielgt. Dort heben wir nnn 
nnsffnbrlleher über die Tendens dee gnnsen Werkes nn^geeproehon, 
können nleo diee hier übergeben. Dengemftre können wir nnch in 
RAckeicht dieaer Dartlellnng dem hietoriachen VerdieM dee Verfe. 
▼oUkomniene Anerkennung geben. Er hat mit der rfthmlldiaten 



Herbst, BibUoUiek cbriaüichcr I>«iiker. 

Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit den reichen und noch lange nicht 
genug bcarbcileton StoiT gesammelt nnd in einem treuen, lebendigen 
und klaren Bild zusammengestellt. Dafs die Persönlichkeit eines 
Lavatcr es werth war, unserer Zeit von Neuem vor Augen gestellt 
zu werden, und zugleich in einem treiTendon Abbild der ^^achweU 
überliefert zu werden, wer wollte die« wohl leugnen? Je mehr das 
Leben unserer Zei< sich zu dem Kampf am allgemeine Grundsätze 
herausbildet , um so mehr rerliert sich die Individualität d^je Ein- 
seloen in den gröfseren Blassen der Pac^eien , desto seltener verde» 
die Charactere mit entschiedener Originalität nnd \n sich ahgesehloo: 
■euer individnalität, wie Lavater war, und wie. sie nur jene. Zeiten 
des ersten Erwachens einer freien frisdien Gelstesbewegnng, die steh 
sunächst nur in den Einaelnen im Widerspruch mit , oder dooli i« 
der Absonderung Ton deu Zeitgenossen re^te, herv4^rbrtngcn konnto* 
Dalier gewährt das Anschauen solcher Erscheinungen, die unserer 
Zeit mehr oder weniger fremd werden», einen eigentbümlichen Gennfa* 
Wenn aber der Verf. jene Männer uns Torführt Inder Absicht, ihren 
Grundsätzen selbst in unserer Zeit Geltung zu Terschaffen , so kön- 
nen wir ihm norh weniger in Rücksicht Lavater's darin beistimmen, 
als in Rücksiclit liaoiann^s und Jucobi s. Ich wiederhole hier nicht 
mein früher ausgesprochenes Urtbeil über des Verfs. Ansicht von 
christlicher Philosophie überhaupt, und bemerke nur, dafa ich in 
Lavatcr's Lehren und Grundsätzen weder das wahrhaft Christliche 
noch ein acht Philosophisches anzuerkennen vermag. Nicht rein 
christlich ist mir in Lavater, bei aller innigen und fast glühenden 
Frömmigkeit, die vorzugsweise wunderbare oder nach seinem eigenen 
beliebten Ausdruck „magische Kraft,"' wo^'^'ii'i ^'»^^ Wesen dos Chrir 
stenthums setzt. 

Zum Philosophen aber war Lavater schon durch seine vor- 
herrschend phantastisch nnd praktisch bewegte, heftige nnil leiden« 
■diaftUche Gemüthsart völlig untauglich, in ihm war Alles un^ 
mittelbare Anregung des Gemuths, Anschauung der Phantasie und 
lebendige That; die scharfen und Terwickelten Yermittelnngen der 
Abstraetionen und der Specnlation waren seiner Natur Töllig snwider. 
Wäre dbUk Yerf., wie de» Ree. und Tielleieht den meietea «eia« 
Iieeei, .deir hiatoriaehe Zweck «einer Darstellungen der höebate» io 
Mochten wlr ihm wohl raihen , seinen individuellen Ansichten über 
Christenthum und christliche Phileeophie weniger Elnflufs auf die 
Beurtbeilung der djargestellten Männer zu gestatten, als geschelien ist 



^ .1^ -o Google 



ProL B&ffaßK und Hr. K. RnthfliMi. 

„Herr Prof. Hoepfner und sdne Ansichten ^ öffentlich in Schutz genom* 
men von Dr. Karl Rut henus. Leipzig, bei Berger. 1883. 8» 
1 Bogen. 

Ein Extrem rufe das andere hervor ; brsnndt rs in der Religion 
[=: in den RcligionRauslegungen einzelner Theologen]. Dem Anti- 
ckri st i a n i sni US der ersten Jahrhunderte scj als Gegensatz 
geg-enüber gestanden der Chi Ii asm us [einer baldigen Wiederver- 
gegenwärtigung des Mensias auf Erden]. Jetzt erzeuge der Ratio- 
nalismus als seinen Gegensatz den Mysticismus. Dieser aber 
und Chillasmus sevea wie Grund und Fulgc. Rationalismus und 
Sapernaturalisums mit Rahe and Besonnenheit gelehrt, würden ihn, 
den Chiliasmus (zunächst 4m Hftt« PMf. Höpfners?) nicht hervorge^ 
bracht haben. Aber — »in eben dem Yerhaltnire, ale jene fühige 
„Besonnenheit In FriT«lttal überging, steigerte eich hier [Im 
„ IL Chiliasmas] das Gefahl ble aar alnnlicbea .Wahmehmong.*' 

Dies sind die Uaupttfttse eine« mir zugeschickten Blatts, wel- 
ches den mir TöUig nnbelcannten Cbiliaemna dei Hrn. Frof. Qfipfiier 
durch eine Art von psjchologisdier Mothwendigkeit Toa Cregenafitsea 
md Sstreraen an entaclialdigen encbt Die angegebenen Sitae, wenn 
lAe genaner bestimmt worden, enthalten Tiel Wahres; nnd gegen de« 
Tarfs. beabsichtigte Bewlrknng eines billigeren Urtheilt sowohl nbef 
«iae Meinnng, als «ber eine Penon, habe ich fiberhaupt nichts ein* 
nitwenden. 

' Aber Hr. Rathenns macht nach der Bemerkung, dafs Fri* 
▼•lität in dem Gegensatae die Steigerung und Uebertreibang des 
OUHl^Hnao Tcrunlarst habe, einen mir unbegreiflichen Uebergang anf 
meine Person, Lehrart und Schriften. Wahr ist's, Mas Dr. R. Toran* 
schickt i Wäre bei Allen ein wahrer Ernst, nur das Nützliche an 
fördern» so m ürden sich lieblose und einander ausschliefsende Cregen- 
«fitse gar bald verlieren, und das Unglüsk gemildert werden können, 
dns nur ein praktischer Religionslehrer ermessen kann. „In der Wie- 
senseliaft xwar könne von schonenden Rücksichten anf UnvoUkom- 
• raenheiten nicht die Rede aeyn. Aber jene gefährliche Consequenz- 
macherei in einer Wissenschaft, die das Heilige nähren und aufrecht 
halten solle, müsse dieselbe nur \ ermehren und entwürdigen.** 

Und nach diesem mir unbegreiflichen Sprechen von gefähr- 
licher Conseqnenzmacherei lese ich nun mit Einemmal fol- 
-g^nden Uebergang auf mich: 

„Oder kann das etwa gebilligt werden, was die Paulus und 
Venturini^s gesprochen haben? Was Ersterer aufrichtig gewollt, 
haben seine Znh#rär öbeneben, was er aber idcht gewollt,^ 
und ich darf wohl von ihm erwarten, dnlb er dieses nicht gewollt 
hnben nie begierig ergriffen nnd in Umlauf gebracht. Und dalb dieses 
leicht aufgefafst nnd von dem gr'ofsen T heile begierig ergriffen 
worden ist, Iftfst sich woht Itaom besweifeln« Wie es aber von dem- 



Digitized by Google 



MI Prof. Höpfocr and Dx. K. Rathenut. 

telbn (ffroDm TheUe) hitte anfgefoliit werden können , häUe auch 
(vom Lehrer zum Y) lierücksichtilt werden soUen. Und gewiTtwiie 

das Urtheil über die Controversen schonender und ernster 
gewesen. Ueberhaupt bntte^ man, da man ja jede andere Wissen- 
IMhsfl mit Ernat und WArde treibt, es ganz vorzüglich bei einer 
solchen tbun müssen , die sa eng mit dem Leben und den mendili- 
chen Wünschen und Fodernng^en verbunden ist. Und hätte sich Jeder, 
wer es auch nur immer wagte, diese oder jene entweihende 
Aenfkernnff III Ihun, sich aus der WissenKchaft , die er ex jtrofem 
trieb, Rathes erholt, so würde er schwerlich darauf verfallen teyn, 
das mit Spott und Frivolität zu bekämpfen , w a e viele Jahr- 
hunderte gegolten und in dem Hersen der Menaehen WoiuL 
gefafst hat.** 

Ich lasse diese Stelle hier, in der Nähe aller Oerer, die mieli 
beobachten können > wortlich M ieder abdracken. Sie mögen erfaln« 
und beurtheilen, was ein mir Unbekannter Ülicr mich und meine Za- 
hörer in der Ferne verbreiten will. Von Hrn. Prof. Höpfners Chi- 
llaemns weift iciL kein Wort, las ich keine Zeile; vermuthlich meine 
Zuhörer auch nicht Woher also dieser Anafall auf aie und niefct 
Den Rationalismus habe ich niehrmfils besonders dadurch verthei- 
digt, dafs ich zeigte, wie er nicht blos aus der IntcUigenr (auB der 
•ogenannten halten Vernunft), sondern aus dem ganzen Geist und 
Gemüth, aut ErfahrungskennfniMen , wie aae dem Denken and In-* 
pfinden , hervorgehe , und man selbst die Infallibilität einer Ponst 
oder einer Schrift, wie sie der SupernaturalismuR behauptet, nicht 
andere behaupten könne, als wenn man erst von deu Gründen dafür, 
also Ton der Rationalität, und zwar als Richterin, anigek«. 
Davon, dafs ich auch dergleichen Controversien ichoaend und 
ernst behandelt habe, ij5t Jerkr überzeugt, der nur lesen mar. Aber 
gar Viele scheinen zu schwatzen , ohne gelesen zu haben. JOafs ich 
meine theologische, und jede andre mir bekannte VFiMentchaft mit 
Ernst und Würde treibe, dies ist der Stolz meinet Lebens, den 
mir Niemand, der mich wirklich hörte oder las, verküniniern wird, 
geben dem Wort „entweihende Aeulserung" kann und darf nieia 
Name nie genannt werden! Eben ao gewift {at's, dafs nie und iiiF 
gends, seit 40 Jahren, von einem grofeen Theil meiner Zu- 
hörer begierig etwas ergriflen worden scy, was sie nicht hätten 
ergreifen sollen. Der Eifer für jgottan d ächtige Rechtschaf- 
fenheit als ein Zug wahrer Religioeität durchdringt jede meiner 
Vorlesungen, wie meine Schriften. Und wie oft habe ich flcbol die 
Freude gehabt, von den Besten zu hören, dafs sie nunmehr nai 
nach diesen Ansichten gerne Theologen und Religionslehrer aejren. 
Schdpfl je ein I^chteinniger oder Sophistischer aus dem Ratioit- 
lismus, der sich mit Bibel und Christenthum Terbindet, 
Frivohtat, so ist er eben dadurch ein Irrational ist. Aber auch au« 
dem Supernatural ismus und aus jeder Religionsvorstellung habe« 
Leichtsinnige und Sophieten oft und öfter Irrel igiosität geschupft/ 
Wenn aber das, was V i el e Ja h r hunderte gegolten hat, cbeo- 
deswegen geltend bleiben müfete, so müfstc noch jetzt fast jedes 
Yorurtheil gelten, und das Heidenthum wäre gegen das rationale 
und das snpernaturale Ghristenthum weit Überwiegend. — Genug, 
mit Frivolität bekämpfe ich nie etwaa; mit Spott und Ftolemik M* 
deo Hrn. Dr. Karl Rathenne aicht. 



Digitized by Go 



N". ea HEIDBLB. JAHRB. a UTKUTUR. 18tt. 

« 

* a 

1) Die heiligen Sehriften de« Alten und Neuen Tcsta* 
mente^ in Dr. Luther» üehereetaung, näeh dem Grunde 
' U»te durehgeeehen tm» £. Chr, Fried, Krane, Dr. der 
PkOee. und Pfarrer «« leingen bei T&hingen. Tßbingen, 6. Sehdm^ 
hardt,m». 1087^-176-1-274 & m a 

If) Das Neue Testament unsers Herrn und H etlandes Jesu 
Chrieti. Neu übersetzt von einigen Theologen Augs- 
burg is eher Confession. Denkmal des Juhef Jahres 18S0* Zwickau» 
in der Richter'schen Buchhandlung. S63 6. in 8. 

Dae Neue Teeiameni, ühereetat» 'mit kuruen Srläute* 
rungen Ujflid einem hieterieehen Regieter vem JE Gettfr. 
A4, B^ekeU Dr. der TheeL» Bmgpitpaeter an der JaeehUeirehe imd 
Sehetarehen in Hamhurg. jiHona, hei Bammerieh, 1881. 

Unstreitig gehört es aach zum Charakteristttcbol 
miserer Zeil, dafs immer mehrere Versuche gemacht 
werden, tod dem, was Sprach - und Sachverstandige an 

<ler kirchlichen Bibelübersetzung zu verbessern fanden, 
Manches mit AuswahJL_ auch allgemeiner in Umlauf zu 
bringen. Nur der Mafsstab für dieses Verbessern ist 
schwer zu finden, noch schwerer anzuwenden. Soli und 
darf alles Unrichtige abgeändert werden? oder nur, was 
hedentenderen Einflufs auf Lehre und Sitten haben kann? 
Sollte man nicht ,^ wo noch nwtschen zwei ErklSmngen 
ein Schwanken statt findet, beide wenigstens andeuten? 
Wie erhält mau den alterthümlichen Ton? Beleidigt 
man nicht das Angewohnte , wenn man manche Aasdrucke 
' vertauscht, wie RechtschafTenheit statt GerechtigkeU 
und dergL 

Nichts Bessere konnten einst die Reformatoren thunf 
ab dafs sie von den vielerlei unzuverlässigen und meist 

verkehrten patristischen Traditionen auf die ursprüng- 
liche Ueberlieferung der Bibel selbst, besonders der dem 
Urchristenthum gleichzeitigen neutestamentlichen Schrif-* 
ten zurückgingen. Sind gleich diese fast alle nur in 
- epeclellen Beztehungen , und nicht mit der Absicht > etwai 

JOLW.Mag. 18. H«ft 60 



Digitized by Google 



Belichtigende Bi^liilierseizuageii 



Vollständigts über die Geschichte Jesu und der Apostel , 
ooch weniger aber eiueii geordoeteo Ueberblick ihrer 
praMuBcben Vorschriften und Lehren zu geben , verfAist, 
fliod sie also gleich keineswegs (nach JKo. 2.) als ^Daa 
»eae Testament Jesu" zu benennen; so sind sie d<ich 
als gleichzeitige, obgleich partikuläre, Aufzeichnungen 
die einzige zuverlässige Ueberlieferung vieler urchrist- 
lichen Ansichten. Soll aber der evangelische Uaupt»> 
zweck, in den protestantisch -kirchlichen Religionsiiber- 
zengungen zu dem , was im geschichtlichen Urchristen- 
thnm eigentliche Religionslehre ist, und was dort von 
manchen Nebenmeinungen wohl unterschieden werden 
niüfste^ zurückzukommen, von Mehreren erreicht werden, 
so wäre hauptsächlich nothig, dafs in der meistentheils 
vortrefiJichen Uebersetzung Luthers , mit möglichster 
Beibehaltung seines alterthiunlichen Tones, doch alle 
die Stellen sprachrichtig verdeutscht werden, .worin «r 
den Sinn, aus Mangel der damaligen Hilfornitte] , nicht 
genan genug erreicht hat. Denn wie kann der evange- 
lische Protestant als Nichttheologe dennoch seinen erstea 
Grundsatz: den zur Religion gehörigen Inhalt dea Urr 
ohristenthiuns allen späteren Zusätzen vorzuziehen , «od 
also denselben von diesen möglichst zu reinigen , ifir 
■nsere nicht mehr hlos antipapiatische , aondern aack 
andern Vomrtheiien absagende Zeit mit einem genügen^- 
den Grade von Selbstüberzeugung erfüllen, wenn in sei- 
ner Kirchenübersetzung immer noch so viele Stellen 
ikhrig hleihen , welche mit dem Grundtext nicht iUier- 
einatinunen. 

Diesem Uebelstand abzuhelfen, versucht man dreierlei 
Mittel. 

Man hat den kirchlich gewordenen, doch dem* ur- 
sprünglich lutherischen Text nicht mehr ganz conformea 
Uebersetzungstext beibehalten , und die Berichtigungen 
nur durch untergesetzte kurze Bemerkungen 
und durch Capitelüberschriften für die Auf- 
merksamen verständlich machen wollen. In diesem Sinn 



mmrie die gaitse Bibei oach Luthers Uebet6atmo|^ TM 
dkm g^eldirten und beholMiiieo Volkslehrer., G)inpa8tor 
NIkolatte Funk, ualer Zastimmunig^ des Genemlsuper- 

intendenten Adler, bearbeitet, und zu Altona 1815. 
io dem gewöhnlichen kleinen Bibelformat möglichst wohl- 
feil herausgegeben. Der zelotische Streit ^ desseo Ur- 
heber jenseits der Eyder sich dem-Geiste oach mehr 
papistisch als protoslantisch bewiesen, isl zum GIflok 
aohoD fast ganz Tergesseo. Doch w^r Io dortigen Ge- 
genden der Lärm fast so heftig, als im vorigen Jahrhan- 
dert bei Erscheinung des Anfangs der sogenannten Wert- 
heimer Bibel. Um wie viele Schritte weiter man in- 
defs doch gekommen war, zeigte sich durch die Ver-. 
aehiedeBheil der Behandlung von Oben. Gegen den 
Gaiididat Joh. Lorenz, Schmidt,*) Unternehmer 
jener ersten selbsfstftndigen BibelfiberseCenng , wurde 
( memmisse juvnt !) des heiligen römischen Reichs Fis- 
cal, selbst von katholischen Bischöfen, aufgeboten, und 
der Verfasser lange gefangen gehalten. Er mufste voa 
GMck sagen , dafs er entfliehen , und dann wie ein Ver- 
gesaener mit yerfindertem Namen noch in Deutschland 
Ärmlich sein Leben durcbbringen konnte« Den Lärm 
gegen die Altonaer Bibel beschwichtigte die dftnisohe 
Regierung kurzweg dadurch , dafs sie selbst die ganze 
Auflage ankaufen und beseitigen liefs. Diese ist dadurch 
mar Rarität geworden« Das wdt gewaltsamere Verfahren 



*} Die Special -GcRchichte der gerichtliclien Inquisition gegen dea 
Wertheimer Bibelübersetzer gab ich snm Theil aus den zu 
Wertheim aufbewahrten Acten schon 1797. in den 
Blättern an« dem Archiv der Toleranz n. Intoleranz, III. ii. IV- 
lÄefernng. S. 166 — 326. »er Verf. war seit 1725. Informator 
bei »wei Grafen von Löwensteiu - Werthcim, welche die Druck« 
losten hcrf^abon. Ucber den ganzen Verlauf dieser Intoleranz, 
welche als schreiend den Ueberpang zu gröfsercr Duldsamlicit 
vorbereitete, s. in Sclilegels Kit-chcngcsch. Bd. 6. S. 336 — 350. 
nebst denen dort in der Vorr. initgetbeiltca Briefen von Uot- 
heim tt.A. . 



948 Bencht^enile BiMöiMrwtBttttjfMi" 



gegea den Wertheimer hingegen hatte den Erfolg^ gfih 
habt, dab Andere, yoniänilich Joh.Day.liicliaeH6, 
niftchti^Feii Regieruog^eo beschützt, weitnmfaaseiidei^ 

Beispiele von berichtigten Uebersetzungen gaben. Das 
an dem Wertheimer verübte Unrecht war von der öfTent- 
lieh urtheilenden Meinung so allgemein anerkannt und 
verabschent, dafs sich selbst die 2ieloten schämten, g-e^. 
gen die ähnlichen Arbeiten Heumann^s oder Mieha^is 
11.8.W. als Verketcerer anfzatreten. Noch weniger hat 
die Verfolgung der Altotiaer Btbelausgabe andere Ueber* 
Setzer und Bearbeiter abschröcken können. 

Bin anderer Weg zur Verbesserung war der Ver- 
.SDch, eigene Uebersetzungen, ohne besondere Rücfc^ 
sieht auf die lutherische, in einer mehr volksthfimlichea» 
als gelehrten, Gestali gangbar m machen. Dies hatte 

mit vorzüglichem Glück Dr. Stolz noch als Prediger zn 
Bremen unternommen. Seine damalige auch durch Er- 
läuterungen gerechtfertigte Uebersetzung , welche oft 
mehr Auslegung ist, versuchte zwar anfangs sein dama* 
liger College, der homiletische Vielschreiber Ewald, 
etwas verdächtig, oder, wie man sagt, .anrftchig ni 
machen. (Auch hierüber gaben die Blätter aus dem 
Archiv der Intoleranz in Lieferung I. S. 3 — 21. war- 
nende Notizen.) Sie war aber doch so zeitgeraäfs , dafs 
selbst van Efs bei seinem löblichen Bestreben, das 
N. T. katholischen Gemeinden verständlicher zu machen, 
vornämlich die Stolzische Arbeit benntste, jedoch — 
vermuthlich um dIeNichtprotestanten nicht absnschrödcen 
— nicht nannte. Dr. Stolz selbst übersetzte bei seiner 
gröfseren Mufse zu Zürich das ganze N. T. noch einmal 
wörtlicher und mit mancher Nachgiebigkeit gegen das 
, Gewohntere. Dennoch scheint diese Umarbeitung, welche 
1820. zn Hannover und Leipzig bei Hahn im gewöhnli- 
chen Bibeldruck auf 859 in Sl erschien, nicht, wie 
die frühere Arbeit, den Beiftll, durch welchen mehrere 
Auflagen veraulafst werden, erhalten zu haben. 



^.1^ .i^ -o i_y Google 



Ganz .MVe Ueberseteungen des A. und N. T/s mn» 
Mite (StiitIgtrI, bei Metzler, 1824.) der kideb vei:- 
elBflMe Priltt Dr. Ge. Fried. Griesinger. & 

machte eine in derXhat treffliche Auswahl aus den be$tea 
neueren Uebersetzungen einzelner Schriftbücher, wobei 
er durch Einleitungen, Inhaitsanzeigen und einzelne Be- 
richtigungen , seinem guten Geschmack gemäfs , mit- 
wirkte* So viel Hef. weife , wurde das Werk auf seioe 
Koeteo gedruckt,, und roeD mnfs eich in der That wun« 
dern, dafe es nicht weit mehr Aufmerksamkeit erweckt, 
und zu aligemeiner Benutzung gereizt hat. Fast jeder 
Studierende oder Prediger kauft sich doch von eiozelnea 
neuen Uebersetzungen einige. Hier findet er um viel 
kleineren Preis das Beste zusammen , was damals ausge* 
w&hlt werden konnte. Auch der Druck ist sehr em- 
l^ehlend, das Dichterische sogar in die passenden Zeilen 
abgebrochen. 

Die dritte Verbesseraogsart legt Luthers Text cum 
Grunde, und Sndert, was der Berichtigung zu bedürfen 
scheint. Von dieser Art ist bekanntlich die Bearbeitung 
des Hrn. von Me^er zu Frankfurt , die er mit Kosten 
▼erbreitet. Abgesehen von dem Einflufs, welchen einige 
seiner eigenthümiichen Meinungen darauf haben mufsten, 
ist dvB Arbeit immer schätzenswerth, in sofern sie, um 
den grofsen Reichtfanm des Guten, weichen das N. T. 
darbietet, mehr zum Gejineingiit zu Qiachen, das ihrige 
beiträgt 

Unter denen jetzt znnlchst anzuzeigenden drei neuen 
Schriften umfaftt die erste den ganzen lutherischen Bibel- 

text; doch sind der Abänderungen in demselben weit 
weni^^ere, als zu erwarten wäre, und manche Verbesse- 
rungen werden wenigstens den Lesern, die den Grund- 
text nicht kennen , schwerlich deutlich seyn. 1 Mos. 4, L 
läfkt Luther die Etz sagen, was ihr ,auf keinen Fall in 
den Sinn gelegt werden kann: Ich habe den Mann« den 
Herrn. Hr. Kraus übersetzt zum Theil richtiger ; Ich 



y ui^co L.y Google 



I 



BflricIrtigsBde BUwIiibMMtsiiBgM 

baihe einen Mann mit dem Herrn. Wie aber wird der 
deutsche Leeer eich dieeei deateo ktaoeoV Ihm Hebrii» 
eehe ea^t dodi deatlieher: Ich habe ehm Mam be- 
kommen ; und da dtee eine Matter sagt, so versteht man 

dann leicht, dafs .sie sich einen männlichen Sohn be- 
kommen zu haben freue. Die zwei letzten Worte: 
nin^'TH würde man vfohi «der Deutlichkeit wetfreo 

llbersetzen dürfen i mit des Herrn Hülfe. Bei Griesingfer 

liest man: Einen Mann habe ich geboren, mit Hülfe Je- 
hovahs. 1 Mos. 49, 10. übersetzt Kraus: Ks wird das 
Scepter von Juda nicht weichen , noch der Machtstab 
von seinen Füfsen , bis Schilo kommt , dem die Völker 
unterthan sind. Wamm soU pplniD einen Machtstril 

bedeuten, und wie sollten Fiifse mit diesem Stab in Ver- 
bindung kommen? Unter dem kommenden Schilo den- 
ken schon die Samariter an Salomo. Aber gerade bei 
diesem änderte sich der Gehorsam der meisten von dea 
12 hebräischen Völkerschaften« Auch bei Griesinger ist 
das Unpassende, dub der Herischerstab nicht weiche 
Von seinen PiUllen. Das HebrSlsche hat nichts von einem 
Stab. 2 Sam. 21, 1. übersetzt Luther: Es sprach David, 
der Mann , der versichert ist von dem Messias Gottes. 
Dagegen Hr. Kr. richtig verbessert: der Mann, so hoch 
erhaben ist , der Gesalbte des Gottes Jakob. Griesinger: 
So spricht der hochgestellte Mann, der Gesalbte des 
Gottes Jakobs. Ps. 8^ 6. übersetzt Kr.: Nor ein wenig 
geringer, als Engel, machtest du ihn (den Menschen). 
An Engel denkt freilich der Brief an die Hebräer 2, 7, 
weil dieser griechisch aus der griechischen Uebersetzuog 
argumentirt. Aber im A. T. sind die Engel nirgencb 

D%nVK. Griesinger hat: Und doch — ^t machtest 

du ihn KU einem Gott 

Bec war so eben veranlalst, wieder einmal gena« an 
dieStetleHiob 1», 98~2t. na denken. Hr.Kr. fibersefct 

Vs. 23: Ach, dafs meine Reden geschrieben wurden! 



^ .1^ -o Google 



▼on' Dlilwii Hm» wmä uiitomna Hntelogvo. M 



Aeh, dtfs m in ein Bncb gestellet wttnlen) (Wnnm 
gMiteHet?) Va 85: Aber ich weife, daAi mein BrttMir 

Miet, und zuletzt stehen wird auf meinem Staubhügfel, 
um für mich zu zeugen. Ys. 4iS6: Doch da meine Haut 
also schon verzehret ist, möchte ich nor noch in meinem 
FJeiat^ Gotl sehen. Der wahre Sinn der Steile wurde 
t4mha«8 ereehiRert, sehden HierosymiM und ikm zufolge 

Luther dut-ch redemtor. Loskaufer oder über- 

liaapt Losmacher, übersetzte. Wovon wollte denn Hiob 
Ipsffekauft oder ioegeniachft werden? £r wünschte und 
honte, beschützt und vertheldigt zu werden gegen die 
Vorwürfe der Freunde, welche, nach der gewöhnlichen 
Meinung, wähnten, dafs Hiobs g^rofse Unglücksfalle 
nicht möglich wären, wenn er sie nicht durch grofse 
Verbrechen verschuldet hätte. Von diesem Sinn wird 
man weggeleitet, so lange hier das Wort Erlöser ein- 
geschoben wird. Wie Überhaupt das lateinische redenäor 
auf lauter falsche Begriffe, von Lösegeld oder von einem 
Ablösen der verschuldeten Sündenstrafen bei Gott zu 
reden, immer noch die Veranlassung giebt, wenn gleich 
Jesus nie ein Erlöser in dieser Bedeutung, sondern als 
einer, der von Sünden rette, frei und gesund mache, 
heschrieben ist. Sehr richtig hat Umbreit auf Gap. 16, 
19. als Farallelstelle Terwiesen: Auch jetzt noch ist ioi. 
Himmel dort mein Zeuge, und mein Fürsprecher in den 
Höhen. Deswegen möchte auch hier nicht sowohl an 
einen Bluträcher, als überhaupt an einen Sachwalter und 
Rechtsvertheidiger zu denken sejn. Bei Griesinger ist 
übersetzt: Denn ich bin überzeugt, mein Ehrenrefter 
lebt; er tritt noch auf der Erde für mich auf. Hiob 
hofft dies noch zu erleben, deswegen ist auch die lieber- 
Setzung : Auf meinem Staubhügel , dem Zusammenhang 
nicht gemäfs. 

Aus dem N. T. will Ree. nur Eine Stelle anführen, 

' in welcher Hr. Kr. die schon längst in meinem Commentar 
mgebene Lösung einer chroaologischeu Schwierigkeit 



uiyiii^uü Ly Google 



M BiiriiihtigwJii Bttei ü fc wm— g e n 

id%enielir bckfcBiter maeht Msn will nidhl «ühdre», 
vormzuseteeD V dofs Lnk. 2 , 2. von der Volkmfeddir» 

liung rede, die zur Geburtezeit Jesu (blos in Jitdia) 
geschehen ist, ungeachtet alsdann angenommen werden 
mufs, dafs Lukas über diese Tage der Schätzung, die 
«r doch auch wieder Apostg. 5 , 31. berührt , im Irrthum 
-geweaen sey. Gar zii rasch pflegen besonders neuere 
SchrifterUärer sich einzabilden, wie wenn sie Iricht 
dergleichen Umstände besser wOfsten, und die doch 
fast gleichzeitigen Schriftsteller im N. T. , sonderbarti 
Mifsgriffe gemaclit hätten. Besser, man suche zuerst 
den Fehler bei sich selber, um ihn desto leichter zu 
Terbessern. So liegt das Irrige bei der Stelle des Lukas 
blos darin , .dafs map das erste Wort aimi und nicht 
jOL^T^ ansgesprochen- hat Lukas macht einen Geg^ensatn. 
Zur Geburtszeit Jesu war durch ein Gebot von Augustus 
schon eine Volksaufzeichnung in der ganzen Gegend yod 
, .Judäa veranlafst. Die erste (eigentliche und vollstän- 
dige) Aufzeichnung selbst geschah aber erst zu der Zeit, 
da Quirinius Landpfleger, in Serien war. Diese Ansicht 
liat jetzt Hr. Kr. aufgenommen, und hoffentlich wird sie 
endlich der Un Wahrscheinlichkeit , dafs Lukas ^ welcher 
so lange selbst in Palästina war , und, da er schrieb, den 
Apostel Paulus immer fragen konnte, dennoch über solche 
Data Irrij^es niedergeschrieben habe, ein Ende machen. 
Auch Joh. 6, 4. bahnt Hr. Kr. meiner chronologischen 
Erklärung den Weg zum allgemeineren Bekanntwerden« 
Er übersetzt; Bs war aber jüngst gewesen die Osteru. 
Ich würde noch lieber setzen : Bs war aber nahe gewesen 
das Pascha, dieses Fest der Judäer, 

Die Uebersetznng des N. T,, welche als Denkmal des 
Jubeljahrs ISSO. erschien, hat mich Torzflgiich dadurch 
Interessirt, dafs sie aus eigenen Arbeiten von Pastoren 

und Candidaten zusammengefügt ist, deren Namen sehr 
bescheiden blos auf der Rückseite des Titels angcg^eben 
sind. Nichts ist erfreulicher, als solche Beweise fort-^ 

dauernder gelehrter Tbätigkeit unter den Geistlichen« 



Üigiiized by Google 



* 



TAB BMaI, KfW Mü n«lMMB'ThaBlog«B. tu 

Hie lUbrnttanng selbflr ist Mtbend yenrt&iidlidis 
aiidi dim tbesiereo kermeoeutiMhen GruncMtBeD gemäfs, 
ohne zu viel zu raodernisiren. Durch dieses allgemeihe 
Unheil will ich übrigens nicht läugnen, dafs noch öfter 
durch kleine Veränderungen alte Vorurtheile, die in dem 
Gnmdlext nicht gegründet siad , zu vermeiden gewesen 
'Wären. Z. B« sollte darchaus nicht mehr: Thut Bnfse! 
ttimetet werden. Denn hei dm Wort ßnSse denkt doch 
jetzt jeder Leser ganz etwas anderes, als Rene und Be»- 
sernng der Gesinnung. Zu Luthers Zeit galt das Wort 
Gerechtigkeit auch noch im umfassenden moralischen 
Sinn für das, was wir jetzt nur bei dem Wort Recht- 
aohaffeaheit denken« Dagegen entsteht immer ein fal- 
scher Be|;riff, wenn das joridische Wort Gerechtigkeit 
fliatt des anoralischen geMzt wird; nnd man z. B« Matth. 
8, 88. liest: Suchet aber zuerst das Reich Gottes und 
seine Gerechtigkeit. Jeder denkt jetzt bei diesem Wort 
höchstens an die Pflichten gegen Andere, nach denen 
ihnen das Gebührende zu gewähren ist. Die Christus- 
l^re hingegen federt dnrch das Wort Sixa«oo^9 das 
> geistige Rechtwollen fiberhaupt in dem Grade, wie es 
vor dem Ali wiesenden erscheinen darf. Auch Rom. 1, IT. 
wird übersetzt: Die Gerechtigkeit, welche vor Gott gilt. 
Aber Alles, was dort gesagt ist, geht nicht auf die spe- 
eielle Pflicht von Gerechtigkeit, und wird sogleich als 
wahr erkennbar, wenn dtxaioaiivr! und Sixaiog du rck 
Beditschaffienheit und rechtachitiffefi flbersetzt wird« Hfttte 
man in solchev Stellen nie Gerechtigkeit Ubersetet, so 
hätte der ganze Wahn von zugerechneter Gerechtigkeit 
nicht entstehen, nicht gedacht werden können. Denn 
eine zugerechnete Rechtschaffenheit, als Uebertragung 
TOB einem Andern auf uns, wäre immer undenkbar ge- 
wesen. — Lesern aus dem Volke ist gewifs Tornämlich die 
sogenannte Bergpredigt wichtig. Aber was mfisscn diese 
denken, wenn sie Matth. 5, 8. als den ersten Satz lesen: 
Selig sind die Armen am Geiste. Mufs nicht das Schuld 
kiod denken: Ai69 je geistloser, desto bessert 



m 



Sehwerikh wird dadareh gebolfeo, wem, wiewit 
es io der dr itten Arbeit lesen , llbersel^l wird : Selig dl« 
Armen dem Geiste imch. Zur llentlichkeit deif io diesen 

Versen, dünkt mich, das sind nicht fehlen. Alsdann 
kommt es nur auf die Wort -Stellung an: Selig dem 
Geiste nach (oder durch den Geist) sind die Armen« 

A«f die dritte Arbeit , die Tun Hrn, Dr. BMid, 
war Ree. TorB&nnUch wegen der ErUtatemogen aafimlE" 

sam. Sie sind karz. Der Verf. selber deutet daraof, 
dafs er etwas mehr gegeben zu haben wünschte. Auch 
das Gegebene aber, das ohne Zweifel auf viele Nicbt- 
tbeologen Eindruck machen wird, verdient grofsentheiU 
aosdrickliche Anerkennung. Bei den meisten Stellen an 
dem A.T. macht der Verf. aainierksanl , dafii ^ naeh 
«iner gewissed Aehnlichkeit (Analogie) angewendet, 
oder in einem höheren Sinn genouimen sind. Bei Matth. 
4, 1. wird bemerkt: Man mag an einen bösen Geist oder 
an einen bösen Menschen denken, so häufen sich Schwie- 
rigkeiten und Widerspräche. Der Verf. nimmt an: Jesus 
habe die Betrachtugen , durch weiche er sich ia dar 
Einsamkeit auf sein grofim Lehrergeschäft TorbereHela) 
in eine Gleichnifsrede eingekleidet , um sie den Jungem 
anschaulicher zu machen. Der verständige Leser hält 
sich also an die Hauptgedanken. Bei Matth. 5 — T 
möchte ich dagegen «die Ansicht sehr bezweifeln, dafs 
die Rede vom Berge zunächst eine Einweihung för die 
Sur AusbrMtung des Gottesreichs erwfthlteu Schflier ge- 
wesen sey, Vieles aber von dem Gesagten allen Bekenneni 
des Evangelium nur gelte , weil die Lehrer nicht eines 
ganz abgesonderten Stand bilden sollen. IVach Matth. 5,1. 
stunden zwar dem Redenden seine Schuler am nächsieo; 
aber unter diesen sind doch nicht hauptsächlich die sisi 
Lehramt berufeueo, sondern alle Anhänger, an verste- 
hen; und schwerlich ist in der ganzen Rede eine-Stell^ 
die nicht den Lehranhängern Jesu überhaupt, soadero 
blos den berufenen Lel\rern, gesagt wäre. MattlL5y 6. 



von B«c|Mi* fistm und m^vMDMi th m log uL ff^ 

erklärt Hr. B. Gerechtigkeit sehr richtig als Rechtschaf* ' 
fBoiidiA, ein Gott wohJgeßilliger fiiao* Darf deoti aber 
fiM'Wort Rechtschaffanhdil nicht in die Uebersetaniog 
eeihet aufgenomnieo werden ? Matth. 5 , 31. wird be* 
etimiTit darauf gedeutet, dafs Jesus von eioer gesetzli- 
chen und obri^^keitlicheii Ehescheidung, welche die Ju- 
den gar nicht kannten, nicht rede, sondern nur von der 
Verstofsong der Frau, welche «lamals unter dem Schein 
dee Rechle oft voriuiiii. Wie wichtig iet's, auch noch 
fÜir ueere j etzige Giesetsgebung , dafii dieee vor 40 Jahren 
vcMi mir in meinem Commentar vorgetragene historisch 
begründete Auslegung endlich allgemein bemerkt werde! 
Ebenso wird 8, 4. darauf gedeutet, dafs Jesus die von 
Alofie festgesetzte Polizeiordnung nicht stören wollte. Wie 
aaweadber wird daduch dieser Text fUr Kanzeiredeo 
über die Folgsasikeit gegen gesetsliche Ordnung! Wird 
,dies nicht erbaulicher seyn , als die wondereamfite Auf« 
foderung zur Verwunderung über die Kenntnifs Jesu von 
Heilbarkeit des Aussatzes. 11, 12. wird das Wort: 
Alles ist mir übergeben , erisUitert : Ich habe die Macht, 
-das Gottesreich zu gründen, welches die ganze Weit 
mnlassen soll. Aach 28, la wird ßbeoso erklärt 14, 2& 
ist llbersetart: Vom Geben Jesu am Meere. Ebenso Joh. 
6, 21. vom Wandeln um den See. Der Verf. giebt die 
Erläuterung : Man kann auch mit Luther übersetzen : 
Anf dem See. Jedoch scheint der Evangelist hier kein 
Wunder ereählen zu wollen. Das Fahrzeug war wohl 
fiidm Ufer so nahe, dafs Petrus, Vs. 29, nicht sowohl 
über, als durch das Wässer zu Jesu kam. Im Wider- 
spruch mit den Worten der Erzählung (wird. noch bei- 
g^esetzt) ist indefs die Ansicht derer nicht, welche hier 
eine wundervolle Begebenheit sehen. — Dr. Stolz hat auch 
noch in seiner neueren Uebersetzung (1820.) den Aus- 
.druck: an dem See wandelnd; und von Petrus: heifse 
mich 9 Uber das Wasser hin zu Dir kommen. Und Vs.29: 
Nun verlieft Petrus das Schiff und ging über das Wasser 
hin Jesu entgegen. Ich meine, es wäre immer am be« 



uiyiii^uü Ly Google 



I 



Sien, das Wörtchen über zu gebrauchen': Wandelnd 
ib^ dem See; wie man Job. 81, 1. am besten iibeiselil: 
Jims zeigte sich selbst wieder den Scliül^rn Ober den 

8ee bei Tiberias. Der 4te Vs. sagt alsdann unverkemi» 
bar, dafs Jesus über dem See war, weil er auf dem Ufer 
stand , €(JT7} slg töv aiytaXoV' In der Zwickauer lieber- 
Setzung ist Jesus noch auf dem See wandelnd: Petrus 
aber ging über das Wasser hin, auf Jesus eu. Nach 
der Kraus'sehen UebersetEung ging Jesus auf dem 
Meer, und Petrus ging auf dem Wasser, dafs (damit) 
er zu Jesu käme. Dennoch hat doch auch Hr. Kraus 
Joh. 21^ 1. dieselben Worte : STti Trjg ^aXdaarig , über- 
setzt: Jesus offenbarte sich den 'Jüngern an dem 
Meere bei Tiberias. 

Bei Matth. It , 2T. ist Hrn. Dr. Bdckels Erliuterung 

diese: „Einige Ausleger fassen die Worte Christi so: 
Wenn du den Mund des Fisches öffnest, d. h. ihn von 
der Angel nimmst, so wirst du durch Verkauf so viel 
Geld erlialten, als du brauchst; und diese Erklärung ist 
keineswegs verwerflich, wenn die Worte auch nicht 
nothwendig auf sie f&hren;** Bei 22, 44. wird, wegen 
des Ps. 110. bemerkt: „Die Zeitgenossen Jesu deuteten 
diesen Psalm auf den Messias. Jesus macht sie auf die 
Inconsequenz aufmerksam , welche sie sich dabei zu 
Schulden kommen lassen, ohne dafs er jene, übrigens 
ganz unhaltbare , Ansicht des Psalms bestätigt oder in 
Schutz nimmt'* (Der Verf. scheint also auch hier sich 
von der Ansicht flberzeug^t zu haben, die ich einst In 
meinem Commentar neu vortrug, und jetzt im Exege- 
tischen Handbuch weiter bestätigte.) Bei 24, 29. wird, 
wegen der Redensart : vom Fallen der Sterne gegen die 
Erde, bemerkt: »iDie alte Welt sah in den Sternen nicht 
Weltkdrper, sondern kleine Lichterchen, die vom Him- 
mel herabfallen könnten.** Bei 26, 14 — 16. wird, we- 
gen des Ischariot, die psychologische Erklärung seines 
Gemüthszustandes bestätigt, mit den Worten : „Es leidet 
kaum einen Zweifel, dafs Judas nichts weniger erwartet 



u y i^L-o Google 



habe,' 9h den Angng,' wcleheo die Stehe oelnk 
HMhei wehraobeinlioli WDllte er, tn •flioem irdisclieii, 

ganz auf die Grünclun)^ eines weltlichen Reichs gerich- 
teten Sinn, Jesus nur in eine Lage bringen, wo er sich 
entscheiden und einen raschen Schritt thun mufste." Auch 
bei Mark. 14, 44. wird über die Worte: Führet iho 
behntsam fori! bemerkt: ^^Man sieht, Judas spottet der 
Feinde Jesu; er hS^ es flr gewilk, dafs Jesns sich ihren 
Binden eotaiehen werde." Religiöse Volkslehrer um- 
chen wir hierbei auf die Passionspredigten des Verfs. 
(Hamburg, 1829.) aufmerksam, in denen sie Muster 
einer anwendbaren Erklärung der Lehlensgeschichte fin- 
den werden. Bei 27, 45. sagt die Erläuterung: „Da ^ 
das Passafest der Juden stets in die Zeit des Vollmonds 
fiel, so ist an eine eigentliche Sonnenfinsternis nicht m ^ 
denken, weil diese nur dann möglich ist, wenn der 
Mond zwischen die Erde und die Sonne treten kann , mit- 
hin zur Zeit des Neumonda Die Verfinsterung ent- 
stand durch einen dichten Nebel, den Vorboten des na- 
hen Erdbebena*' — Hie und da gestattet der Verf. auch 
der philologischen Kritik ihren Elnfiulb; B.B. hei'Malth. 
6, IS. Uber Weglassnng der Doxologie. Bei 27, 52. 5t. 
wird bemerkt: „Gegen die Aechtheit dieser beiden Veerse 
hat die unbefangene Kritik Manches zu erinnern. Sie 
sdieinen eine später entstandene Sage zu enthalten , die 
ans einem uns nicht näher bekannten Umstand sich ge- 
bildet haben mag. Die Bibel selbst weiTs Ton solch 
einem Ereignisse nichts. Jesus ist der Erstling unter 
denen, die da schlafen, 1 Cor. 15, 20. 23."* Dagegen 
ist für das Factum der Auferstehung Jesu selbst die Be* 
merkung bei 28, 1 — 10. sehr einleuchtend: „Die 
scheinbaren Widersprüche in der Erzählung sind nichts 
ak unbedeutende Abweichungen in Nebenumständen, auf 
welche wenig oder gar nichts ankömmt Johannes er- 
uShlt durchaus als Augenzeuge; die Aodern, selbst zum 
Theil Matthäus , benutzten Berichte von Andern. Uebri- 
gens ist die. bis zur Zweifelsucht gesteigerte Aengstiich- 



uiyiii^uü Ly Google 



I 

«16 Bmielitigeiide DillellUbWMUui^a 

keit der Apostel, keinen» vnverblirglen tmii niclii eoi^ 
Uk\g geprttfiten Gerüchte zu treuen, das sicherste Un- 
terpfand ihrer Glaabwfirdigkeit.'* 

Auch aus deu i;!)riäuterungeo der übri^eu Evangelien 
wollen wir wenigstens einiges D. nk^würdige ausheben. 
Joh. ly L ist es immer, wenn für Teutsche verständlich 
y übersetzt ' werden soll, eine grofse Verlegenheit, ob 
6 ^670^, wie gewöhnlich , das Wort übersetzt werden 
dürfe. Weil Xdyoc, nach dem Alexandrinisclien Sprach- 
gebrauch , einen Geist, der durch Sprechen, Ge- 
bieten oder Lehren wirke, bedeutet, so habeich 
in meiner synoptischen Uebersetzung der 4 EvangeBen 
(Heidelberg, 1828.) das Wort Sprechergeist anzu- 
nehmen gewagt. Der deutsche Ausdruck das Wort 
veranlafst so gar nicht, an eine Persönlichkeit zu den- 
ken. Hr. Dr. B. giebt wenigstens eine sehr zweck- 
mäfsige Erläuteruog: ^^Dafs Christus mit diesem Aos- 
druck bezeichnet werde, und dafs Johannes eine hohe 
Würde Jesu und seine innige Gemeinschaft mit dem* 
Vater andeuten wolle, leidet kmnen Zweifel. Aber 
schwer ist es , auszumachen , was ihm zu dieser Be- 
nennung eigentlich Veranlassung gab. Die neue Schöp- 
fung, welche der Erlöser im Reiche der Geister her- 
vorbrachte, scheint der ersten, der Weltschöpfung, 
1 Mos. 1, 1. an die Seite gesetzt , zu werden. VergL 
Vs. 3. Bei 1, 14. sagt die Erläuterung : ,,Da8 Wort 
ward Fleisch , die Gottheit erschien sichtbar in dem 
Menschen Jesus;" und zum Begriff der Eingeborne 
wird bemerkt: Mit diesem dem Johannes eigenthunili- 
chen Ausdruck will er zu verstehen geben, dafs, weoa 
auch alle Christen sich Kinder Gottes, nach Vs. 12, 
nennen dürfen, doch tou Jesu der Ausdruck Sohn 
Gottes in höherem Sinne gefafst werden mdsse. Er 
ist im SchooAe des Vaters, Sein Liebling und mit ihm 
innigst verbunden." Bei 1 , 28. setzt die Erläuterung 
Bethanien, und erklärt sich mit Recht entscheidend: 
,iDie gewöhnliche Lesart Bethabara ist eine übereilt« 



y .i^co L.y Google 



Correctnr des Textes/' Bei 2^ 21. 22. wird bemerki: 
,,Walir6QhciiaUcli mükleiUet Joliannes diese Worte Chrisli, 
indem er sie auf seine Aafersiehivi^ beäehli Jesus 
echsint voo der durch ibo zo bereitendea Aufhebung 
des Tempeldienstes und der ganzen Mosaischen Ver- 
fassung , und von der Einführung des Christenthunis , 
womit reine Gottesverehrung zusammenhängt, zu reden.** 
Bei 4) 18. finden wir eine, so viel wir wissen, dem 
Ver£ gans eigenthfimllche Ehreoretlmig der Samari* 
terin. Hr. Dr. B. umschreibt das nicht durch noch 
nicht, mit dem Zusatz: „Man darf nicht an eine La- 
sterhafte denken, die in wilder Ehe lebte, sondern an 
eine Lfnglückliche , die von fünf Männern , nach der 
barbarischen Sitte der damaligen Juden (und Samari- 
taner) mit einem Scheine des Rechts » yeistofsen (oder 
wUlkillirlicb weggeschickt) wordeii war. Vgl. .Matth« 
19, S.** Bd 16, 1& wird ta den Worten: Und ihr 
werdet mich erblicken , das vermöge des Zusammen- 
hangs Unverkennbare bemerkt, dafs Jesus hier und im 
Folgenden nicht etwa von dem kurzen Beisammensein 
Hiii seinen Jüngern nach der Auferstehung, sondern 
von deoDi Wiedersehen in jener Welt, rede, wie ins- 
besondere aus dem Vs. 82. erheUe. Zu 19^ 88. wird 
richtig' bemerkt, dafs der Evangelist den sich sdbst 
zum Opfer bringenden Erlöser mit dem Osterlamm ver- 
gleiche. Nur mufs hinzugedacht werden, dafs gerade 
das Paschalamm nicht ein Süudopfer war, und eben 
deswegen gegessen werden durfte. Es war ein Opfer 
nc Brinnerong an die göttliche Fraoiachnng der Na-« 
tion ans Aegypten. Auch der Verf. spricht «lehrmals 
(Rom. 3, 25. Apok. 12, 11.) von der Bedeutsamkeit 
des Opfertodes Jesu. Nach Paulus nämlich stellt Gott 
den Messias, in seinem Blute den nachdenkenden Glau- 
bigen vor Augeu als einen, dessen Aufopferung ihnen 
sage, wie erbarmend gegen die Menschen Gott sey« 
Denn mufs nicht jeder denken, die Gottheit, welche 
einen solchen Liebling zur Besserung der Menschen in 



ftie gcdfeten Aufopteruugeii herabsttodet, mufs ja wohl 
zum Voraus gegen die schwachen MeoscheQ erbar* 
mend {iXsog} 9eya, da sie fir ihr Wdil die kostbar* 
fltea Mittel anwendet. Daraa, dab äe erat daich Straf* 
abbQfsQD^ hätte Tersöhnt werdea müssen , ist , nach 
diesem Gedankengang , gar nicht zu denken. Aach 
kann Ree. dem Verf. bei Rom. 3, 21. nicht beistim- 
men , wie wenn unter der Gerechtigkeit vor Gott zu 
▼erstehen seyn könnte Freisprechuog tod der Schuld, 
wodurch der also Freigesprocheoe f&r gerecht erklSrt 
wird and kein iSttnder mehr ist. Die Sebald, reahm^ 
ist ein geistiges Factam, das nicht aufgehoben werden 
kann. Wird man auch von StrafFoIgen freigesprochen, 
so wird man dadurch nicht schuldfrei oder gerecht, 
noch weniger amoralisch rechtschaffen , sondern blos ab- 
solyirt, oder von der Furcht vor Zorn und Strafen loa» 
geiiiachl — Ree. bemerkt noch ausdruckiicüi , dafis der 
Veif. besonders Aber * die Apokalypse richt^eve An- 
sichten nn verbreiten nnt GlOck bemttbt Ist AmA war 
es gewifs eine gute Einrichtung, Vieles, was über Ei- 
gennamen zu bemerken war, in ein besonderes Regi- 
ster zusammenzufassen. Noch eine kleine Berichtigung 
zu Apolc 14, 1, dafs nämlich der Tempel nicht ai^ 
dem Berge Zion stand. , Dieser, als die ResIdeoBbarg , 
besetcbnet daher Immer die weltliche Regiemiig Ihi- 
•Tids und seiner Nachfolger. Die sogenannten Zions- 
Wächter beweisen schon durch diese ihre Benennung, 
wie wenig bibelkundig sie sind. Sie können, Termöge 
dieses Namens, nicht Wächter für die Kirche und KÜr^ 
cheniehre seyn. Sie mitfsten sich vielmehr unter jene 
Helden 2 Sam. 24, 8 fil stellen, die den Thron DuTids 
sa beschttaen klmpfken. 

Dr. PauluB. 



Digitized by Google 



N*. «1. HEIBELB. JAHRB. o. LTTBIUTUR. 18iB. 



Dr, K. L. hipper t , Annalen des katholischen ^ protestantischen und 
jüdischen Eirchewr9ohts* IL H^ft, Frankfurt 18^2. F/ u. 2(>a S. 8» 

Das L Heft der Annalen des Kirchenrechts haben 

wir bereits in dem Februarheft 1832. dieser Jahrbücher 
angezeigt und unsere Ansicht dahin ausgesprochen, clafs 
das erste Heft zu schönen und erfreulichen Hofinuo^ea 
berechtige, deren Erfiillung von dem Herausgeber er- 
wartet werden dürfe. In wiefern nnn dieses sich auch 
▼on dem «weiten Hefte sagen Ififst, wird sich am Schlüsse 
dieser Anzeige von selbst ergeben. 

Das IL Heft euthält 5 Abhaadlnngen und zwar 

1) Das baierische Concordat im Verhält* 
aisse zum ReHgions-Edicte, resp. zur IL Bei* 
^lage der baierischen Verfassnngsurknnde» 

fi. 5— 19. Der Verf. sucht die^ beiden Fragen zu beant- 
worten : d) steht das Concordat mit dem Religionsedicte 
wirklich im Widerspruch ? und 6) im Falle dieses sich 
so verhält y was ist bei 2 sich widersprechenden Stellen 
des CoBCordates und des Reügionsedictes Rechtens? Als 
Oegeoslände, in Ansehung deren zwischen dem ,Coq- 
tordale und dem Religionsedicte Widerspräche ▼orhan* 
den sind, werden angegeben Rel ig i o ns- und Gewis- 
sensfreiheit, Verhältnifs der Kirchengewalt 
znr Staatsgewalt im Allgemeinen, das könig- 
liche Piacet, und endlich Ausscheidung der 
rein-hirgerlichea, rein-kircjilichen und Oe* 
genatände gemischter Natur, ohne zu bdiaupten, 
dafs sich nicht noch mehrere Differenzen auffinden und 
nachweisen liefsen. Der Verf geht nun von der allge- 
mein anerkannten Regel aus: das jüngere Gesetz hebt 
das ihm widersprechende ältere auf. Nehme man nun 
diese Regel zur Hand und stütze man sich zugleich auf 
die Thatsache, dafs das der Verfaasungsurkunde vom 
Jahre 1818. angehängte Religionsedict schon im J. 1809L 

XXV. Jahrg. 10. Heft. Ql 



I 



als Staatog^esetz gegeben iiorden , so würde das i. J. 1809. 
geg^ebene Beligionsedicl durch das im Jahre - 1811« ab*- 
gescblossene (>iicordaft ^ ia soweit dasselbe lete^tereni wi«> 
deispreohe, eo abgescbaffit wordeo seyn, «od daiauf 
beziehe sich auch der Art. 16. des Concordates, wo es 
heifse : „ Durch gegenwärtige Uebereinkunft werden cUe 
bisher in ßaiera gegebenen Gesetze, Verordnungen und 
Verfßgungea, in soweit sie derselben entgegeo sin^i, als 
aafgehobeo aogesehen werdeo." Inzwischen sey die Con- 
stitution gegebeo und am 8& Mal 1818. offeatlich be=> 
kaont gemacht worden, und mit derselben das Religioos- 
edict vom Jahre 1809. als integrirender Theil der Ver- 
fassung. Zugleich sey aber auch am 27. Mai 1818. das. 
am .5. Juni 1817. abgeschlossene Concordat als Staatfi- 
gesets bekannt gemaoht imd der jConstitution als Beilage 
cur Ragulirang der innevn Augelegeaheiiea der kalfak. 
Kirche, sowie ein eignes über die innern Angelegettt 
h^ten der protestantischen Rlrdhe eriamenes 'Bdiot aiH 
gefügt worden. Das Concordat mit seinen Widersprü- 
chen mit dem Religionsedicte und das Reiigionsedict im 
Widerspruche! mit dem Concordate Seyen zu gleicher 
.Zeit als gleich verbindende Gesetze des Reichs erklärt^ 
wesw^en die oben angeführte Rechtaregel keine Abt^ 
Wendung mehr finden kdnne. . Das allerhdchste Resorspt 
▼om 15. Sept. 1821. gebe die Norm, nach welchem die 
gegenseitigen Widersprüche ausgeglichen werden miifs^ 
ten; hier sey verfügt : dafs das Concordat in allen 
seinen Theilen in volle Ausübung gebraucht 
werde, und sonach se;^ eo ipso Alles gesetzlich «h- 
fickgemMBinen , was der vollen Ausführung des Cbncoiv 
dates im Wege stehe; die Oonstitution samrot den ihr 
angehängten Edicten können den Katholiken zu Nichts 
verbinden, was den göttlichen Gesetzen oder den kath. 
Kirchensatzungen entgegen wäre. — Müssen wir gleich- 
wohl gestehen, dafs der Verf. dieser Abhandlung den 
Gegenstand mit Scharfsinn aufgefafst und durchgeführt 
hat, so kdnnen wir doch nicht umUn cu bemerken, daA 
wir diese Ansicht nicht theilen können; vielmehr glauben 



Digiii^uü Ly Google 



Cl]^peit, AfliiAleii des ftirehenrechti; M 



irtr dfe i^rhättdeiien WS il^prflelie , welche nicht in 

Abrede gfestellt werden können, auf anderem Wege ztt 
Iö!?en, ob mit mehr Gluck und Erfolg, mag jeder der 
Leser selbst entscheiden. Ausgehend nämlich von der 
Ansicht, dafs unter Concordat nichts anderes verstanden 
werde, als eine Uebereinknnft des rdmischen Stuhls mtt 
dei< filatttsregieriiDg Ober streitige Verhältnisse, fksseii 
UHr sttnSehsl das Object ins Auge, worüber concordirt 
werden kann. Dafs rein -kirchliche und rein -bürgerliche 
Gegenstände nicht Object eines Concordates sejn kön- 
nen, ergiebt schon der Begriff dieser Gegenstände und 
die Sphäre der Gewalt, welcher dieselbe untergeordnet 
•eind. Es bleiben also nur noch die Gegenstände ge* 
misehter Natur flbrig. ^Hier ist wohl der richtigste und 
▼erflünffligste Weg zur Beseitigung aller Widersprüche, 
dafs die Kirche Bestimmungen trifft über die kirchliche, 
der Staat über die weltliche Natur des Gegenstandes. 
So lange jede dieser beiden Gewallen in dem ihr ange- 
wiesenen Wirkungskreise bleibt, wird nie ein Conflict 
Entstehen. Auch nur dieses scheint das angefahrte Re-^ 
Script Tom 1&. Sept. 1821. ansdrAcken KU wollen , wenn 
es sagt: „Zugleich fügen Wir zur Vermeidung und Be- 
seitigung aller Mi fs Verständnisse über diesen Gegenstand 
und die Beschaffenheit des von Unsern kath. Unterthanea 
auf die Constitution abzulegenden Eides, die Erklärung 
bei, dafs, indem Wir Unsern getreuen Unterthanen die 
Coastitntion gegeben haben , Unsere Absicht nicht ge- 
wesen sey, dem Gewissen derselben im Geringsten einen 
Zwang anzuthun; dafs daher nach den Bestimmungen der 
Constitution selbst der von Unsern kath. Unterthanen auf 
dieselbe abzulegende Eid lediglich auf die bürgerlichen 
Verhältnisse sich beziehe, und dafs sie dadurch za 
Nichts werden verbindlich gemacht werden, was den 
göttlichen Gesetzen oder den katholischen Kircliensatzun* 
' gen entgegen wäre.** Hiernach ^nd wir nur berechtigt, 
anzunehmen, dafs es die Absicht der baierischen Re- 
gierung hat sejn wollen und können, durch Publication 
des Concordates die kath. Unterthanen in bürgerlicher 



uiyiii^uü Ly Google 



Mft lippert, Awiaiea das iUirclienracJas. 

Beziehung sii verpfliehteO) dine daram im Entferntesten 
dem Gewissen dereelben Zwaog anzulegea. Bio Beispiel 
mag die Sache erläntero. Ais die Sicularisation der 
Klöster erfolgte, entstand die Frage: ob die Mdoeiie 

nunmehr erbfähig Seyen? Einige Staaten, z.B. Baden 
und Baiern, erklärten sie für erbfähig, obgleich von 
Seiten des römischen Hofes das Gelübde der Armutli 
ihnen nicht erlassen war. Der Staat entscheidet hier 
Uber das Recht der Erbfähigkeit, die Kirche Qber das 
Gelübde der Armuth. Insofern nnn das letater« nicht 
erlassen ist, zwingt zwar der Staat keinen Mönch, eine 
ihm anerfallene Erbschaft anzunehmen, wenn er dieses 
mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, aber er. 
gestattet die Antretung, welche sich jedoch lediglich 
auf bürgerliche Verhältnisse beschränkt. Nach dieser 
Ansicht wird jeder einzelne Gegenstand erörtert werdea 
können, ohne dafs es nothwendig ist, mit dem Verf. an« 
zunehmen, dafs in einem und demselben Gesetze (denn 
als solches erscheint die Constitution mit ihren Beilagen) 
Widersprüche vorhanden sind, die sich nur dadurch 
lösen ^as8en , dafs man dem Concordate den Vorzug ein* 
räumt. 

2) Das TerritOTial-Kirchenrecht im Kö- 
nigreiche Hannover. Vom Oberappellationsrathe 
Dr. Spangenberg zu Celle. S. 20 — 65. Der Verf. 
bemerkt, dafs das von J. C. F. Schlegel herausgege- 
bene, in 5 Bänden bestehende Churhannöverische Kir-. 
chenrecht sich nur mit dem Kii chenrechte einzelner Pro^ 
vinzen des Königreichs, nämlich derjenigen, die dem 
Sprengel des königl. Consistorii zu HannoTer untergeben 
dnd , also nur der Förstenthamer Calenberg, Göttingen, 
Grubenhagen und Lönebtirg und der ihnen einverleibten 
Grafschaften Dannenberg und Diepholz, sowie der Graf- 
schaft Hoya beschäftigt, dagegen die übrigen Provinzen, 
^ die zu den Sprengein der. königl. Consistorien zu Stade, 
Otterndorf und Ratzenburg gehören, mit Stillschweigen 
iibergebt Eine neue umfassende Darstellung des Iba- 
noyer'schea Territorial -Kirchenreehts möge als drin- 



kji j^uj cy Google 



gmuhs Bedttrfiiifii angetiAen werden. Bh diesjßin abge* 
holfen worden, will der Verf. wenigstens eine Skisse 
liefern , bei weicfaer von dem Gesichtspunkt ausgegangen 

werden soll , mit Ausschliefsung des als bekannt voraus- 
zusetzenden Gemeinrechtlichen nur das wirkliche T( rri- 
toriairechtiiche, sowie überhaupt dasjenige auszuheben, 
WM TOB allgemeinerm Interesse seyn kann. Da die Fort» 
eetsung und der Sehlofe dieser Abhandlung noch zn er^ 
wnrten Isl, so behalten wir uns die Bearftheilang vor. 

3) Ueber das Zehndrecht. Eine historisch- 
dogmatische Abhandlung vom Grofsh. Hess. Hofrathe 
Dr. Steiner. 8.65 — 68. Diese Abhandlung, ange- 
fangen in dem ersten Hefte, wird hier abgebrochen» da 
die in der Kammer der Grofsh. Badischen Ständever- 
sammlung wegen Ablösung, Verwandlung und Aufhe- 
bung des Zehnden vorgekommene Fragen und die da- 

. durch veranlafsten von Zachariä und Birnbaum ver- 
fafsten Schriften eine genauere Untersuchung üher den 
Ursprung des Zehnten nothwendig machten, welche im 
nächsten Hefte geliefert werden soll. Pas Erscheinen 
müssen wir nun abwarten. 

4) Ueber die Adniission der Postulirten, 
jnit besonderer Rttcksicht auf die heutigen Verhältnisse 
in Deutschland. Von Dr. Lippert & 68— 97. Der 
Verf. verneint gemeinrechtlich die Frage: ob der Obere, 
sobald für die Admission des Postulirten das Wohl der 
Kirche spreche, rechtlich verpflichtet sey, solche zu 
.ertheiien, und im Weigerungsfälle von seinen Vorge- 
setzten hiezo angehalten werden könne? Das canoBiscbe 
Rechtsbaeh spreche «war nur vom Pabste, allein es segr 
nicht im mindesten zweifelhaft, dafs dieselben, canooi- 
sehen Satzungen auch in den Fallen, in welchen die 
Admission dem Bischöfe überwiesen sey, augewendet 
Werden müfsteu. 

Wir glauben dem Verf. bemerken sn mflssen, daft 
die von ihm als die gängig besEeichnete nnd bestrittene 
Meinung durchaus nicht allgemein angeuummen bt, wie 



m 



zu ersehen ist aus Corvinus jus cammcum Ub. L 1/1.5, 
Ant. Schmidt mstitut. §. 169, Gambsjae^er jus 
eeclea. §. 114, Michi^ Kircheorecht §. 57, und daft 
derselbe die yod ihm aageföhrten. 8chrifl8leUar ffm 
attfeTerataadeD bat Z. B. Helfeif t, veo der Bcselniftg, 
Erledigung nod dein Ledtgstehea der Beneficieo aehreiht 
8. 61 : ^,Ge^en die Abschlaguug der Zulassung von 
Seitea eines Bischofs kann Ton dem Postulirenden bei 
dem römischen Pabste Beschwerde geführt werden." Dafg 
ein Unterschied zwischen Beschwerdefuhrung und Ap- 
pellation ist, wird eines Beweises weiter nicht bedQrÜBQ. 
Neil er in der, angefahrten diss. schreibt §. IV: »^po* 
Btutaih est meta suppUcaih posivtanihan pro gratim 
et ideo neque postutaniea quidquam suffragcaüe jure 
petunt a Super iore neque etc. Unde consequHur : po- 
stularäes confugere possunt ad Superiorem, si Infe^ 
rior, humiläer ac aaepius requiaitus, contra eviden- 
tem ecclesiae ßuae necessitatem vel utUäaiem noüei 
raiumabiiem pasiulaiumem admätere, ne maUtia tiel 
AarUia praelati mferkuria danmum mferat ecclesiae 
p09tulantL** ^ Avch de Schenki insiitut. sagt dasselbe, 
und Müller in seinem Lexicon schreibt: ,,Wenn durch 
die Genehmigung des Zulassun^sgesuches der erledigten 
Kirche ein x)ffenbarer Nutzen zngeht, sosoll der betref* 
fende Obere solches, sofern über die entgegenstehenden 
Mängel dispensirt werden kann , nientiSs Abschlag^en.*' 
Wenn daher manche Ononisteft bebanpieii, der Olm« 
tey TerlNittden, die IKspeosalliMi au ^hellen ^ wenn dnrch 
Zolassnng des Postnlirieii zu der Stelle, wenigstens ein 
bedMitender Vortheil für die Kirche erzielt werde, so 
ist dieses nur in dem Sinne zu nehmen, Superior, am 
die Worte Eybel's in hUroductio §. 322. not. f. zu ge*. 
brauchen , ad posiuUuknem adrnittetldMm p0stuiat& ^est 
ju8titia stricte taU non eheUrb^ikKt , qiuumne reepMte 
habito ad eälutem ecctesiae mduatae hde qiädem ad 
•Warn admUtendam urgente necessitatw out püblicae 
viüitaih catisa ex officio et justüki sit ohUgattts; und 
Heiffenstuel in jus can. Ub. h 5. g. «. f ükrl aja . 



Digitized by Google 



lAffmH, Annalea de« Kircbenrecht«. 967 

Grudcl an: quia Superior ex lege Juatitiae legalia ac 
^ ' vi sui offhü tenetur , necessHatihm sibi eo$nmi99aä 
«Mie0fite aift§ viUUtatibuB bmu oammunis prävUkrui 

tpfci ir i g Ha eopigere emarnn puUioam 9kfe neeessMif cft«m 

magnamve utilitatem ecclesiae , m ipsas eiiam Po- 
stulantes rcdundaturam. Sin minus, fiet his infuria, 
ob non rite administratum sibi officium pastorale, 
ftchmaizgruber io ju» ecclea. un, Ub. I. tit, 5. No. 14. 
hMiitwortet die Frag;e: an Superior postulatiottem sibi 

• pranetdaimm possH repetteret dahin: Negm Abb. 
. e> & tut 8. r9pM po9se, 8$ facta $H de pmmta 
idanea ^ ei in concordia vel saliem a duabus partibus 
Capitularium. Sed melius distrnguitur dicendo , casu , 
qtto posttilatio vel omnium vel duarum saltem Capituli 
partium auffragiis ab HecesaücUem vel utilitatem ec- 
e iee i me faeia est , Superior em qtddem ad eatn admit- 
tmdam ieneri debUo officü, nm iamea es obii'^ 
gaiimne Juetitia» striete aumptae: cf hkc et 
taU caiu Superiori aUqah Papa ^feri&r poeHäMmem 
sibi factum rcjiceret , adversua ilhmi pcrturbanteB 
quidem non haberent actionem propere dictum, offi- 
dtan tarnen Superioris implorare pasaent , et recu^ 
müdem ad poatulationk admiaaionem compeüat 

Ala Grttiid iHrd tu da» Worten : e» ^bUgaiione ju^ 
giUiae eirteie mtmpiae belfefUgt, quia tota aämiei4§ 
poehäathnie, etimn emteardiier faetae, emdinet gra^ 
iiam Superioria dispenaantea in defectu vel inipedp' 
mento , igitur non cat ex juatitia debita et conaequenter, 

' ei rejiciatur poatulatio , nemini fit it^uria proprie dicta. 
Be ißt algo dnrehaiie nicht Ton einer rechtliclien, son- 
«kmr bloften moreliecheii -^Verbindlichkeit die Rede. 
Ihid hl dfeeem (Made «nd a«ch die vom Ver£ ango^ 
fthPten, ang:eblkh der gegemheiligen Meinutig^ mge^ 
thane, Schriftsteller zn verstehen. Mit einer gt^rtMNrii 
Wahrscheinlichkeit für die vertheidigte Meinung hätte 

, der Verf^ ConcH TridetU. Seea. 24. cap. 20. beflütsen 

k»« V 
minen. 



Digitized by Google 



r 



\ 



Wm die heutigen VerhältaiMe in Deutschland be> 
teiffi, so stellt der Verf. nach vorausgegangener Unter- 
Siichtt0||^ der yorhsodeoeo pibsftlMiea BmIIsd idIgaMb 
Grund^tze auf , die wir ra so mehr nutUisilea « mtoiea 
glauben, als der Gegenstand an sich wichtig genug* isl 
und die io den einzelnen Staaten vorhandene Verschie* 
deoheit Stoff zum Naclidenken darbietet : 

1) Wenn das partü^ular rechtliche Erfordernifs auf 
aifiem einseitig erlassenen landesherrlichen Gesetze bo» 
ruht, und der Lamieshenr oder eine Staatshehörde^ M 
der fragliehen Stelle ernennt, so ist blos von der welk^ 
liehen Macht Dispensation von dem Mangd nothwendig^ 
Bei Ernennungen durch den Regenten ist jene schon in 
diesen enthalfen. Dieses ist der Fall in Oestreich bei 
Nomioationen zu Caoooicaten, >velche vom Kaiser aas* 
Indien. Wenn dagegen vom Domkapitel das Canonieal 
Tergeben wird, wie ia der oberrheiniachen Kirchefipro^ 
vinz, so hat dasselbe vor dem Votiren llber die PerK>n, 
die landesherrliche Dispensation von dem Hindernisse, 
an welchem der in Aussicht genommene Candidat leidet, 
zu erwirken, damit er hiedurch in die Reihe der Wähl- 
baren trete. Wäre nicht die Einsendung einer Liste der 
Wählbaren an die höchste Staatsbehörde Torgeschrieben, 
SQ könnte der mit dem Mangel Behaftete vom Domenpilel 
auch postulirt werden, worauf sich dasselbe an die Staats-* 
regierung mit der Bitte um Dispensation zu wenden hätte, 
nach deren Ertheilung die Bestätigung der Wahl durch 
den Bischof erfolgen dürfte. 

2) Ist dagegen eine partikular rechtlich vorgeschrie- 
bene Eigenschaft durch eine zwischen dem Staate und 
dem päbstiichen Stahle geschlossene UebereinlJinft fesl« 
gesetEt worden, so kann nach den Grundsätsen, 9bev 
die aus Verträgen für die Contrahenten entspringenden 
Rechte, Dispensation von der Staatsgewalt oder vom 
Pnb^te nicht genügen. Es lassen sich vielmehr mit 
Rücksicht auf die 4n den, einzelnen deutschen Staaten 
auch in solchen Fällen hervortretendeniTeiachiedeAheitsIl 
Wichstehende Prineipien angeben; 



L;iyiii^oa by Google 



d) WaBü.in ßaiero;«ir Würde eines Domclechanien 
#d«r n eiofDi in den g.g. pabsllichen Mooaten vacant 
^OTOfdeiveii'ttiiifMsiieD CmNiioBte der Kdnig eioeB Gcioi* 
IMun M heftodeni licHiMchtigt , wetchmn die im Com* 
cordate beeeiehnetcn besondere EigenMlnfteii fehlea, 
so erscheint es als nothwendig, dafs, ehe die Ernennong 
statt findet, eine Connmunication mit dem römischen Hofe 
ge^^üagea werde, um dessen Binwilliguog und Dispeo- 
eitiM des enii den erfefderliefaen* Bigeosehaften nioht 
«OBge r i rf ete B Ca n di dM en tob ihn tu erbaHeo. Umge** 
kehrt wird, wano der Pebal wn einer Probstei einen , 
nicht mit allen nach dem Concordate erforderlichen 
genschaften Ausgestatteten ernennen möchte, Bewilli- 
gung des Königs hierzu noth wendig. Hat der Bischof 
bei Vergebung eines Ganonicatee auf eine solche Person 
eeine Aogen gewendet, ie ist Ton demselben sowohl bei 
den Könige als bei dm Pab^, ehe er die Brnennmg 
nnsspricht, DispensalioB m erwirken; vnd im Falle das 
Domcapitel berechtigt ist, die Stelle "zu besetzen , so 
mufs dasselbe, ehe es zur Wahl schreitet, sowohl bei 
der weltlichen Gewalt als bei dem Pabste Dispensation 
des Candidaten nachsuchen, und kann alsdann den Dis* 
pensirten wählen; oder es peslulirt denselben, und sucht 
mmdUäiae dessen Dispensation in eriudten. Der Biseheff 
bealätigt hierauf. 

h) Hat der Pabst die Absicht, eine Probstei oder 
ein in den s. g. päbstlichen Monaten in Erledigung ge- 
kommenes Canonicat im Königreiche Preufsen an eine 
P c rse il zn •▼«geben, welchen die in der BuUe de aalute 
mnmamm anfgestthlten QnalitSten abgehen, so ist Be* 
wHIiguog hieran ron Selten der Staatsgewalt nothwendig. 
Will ein Srebisohof oder Bischof In Prenlsen eine De- 
chanei oder Canonicate, welche in den 6 geraden Mo^ 
naten des Jahres erledigt wurden, an eine solche Person 
Tergeben, so bat derselbe bei dem Könige und dem rö« 
mischen Hofe um Dispensatipn fikr jene nachzusuchen, 
pnfih deren Briheilung er nur Benennung schreiten kaoa« 

c) Wenn ein Bischof im Königreich Hannover «ineA 



. Geistlichen, der nicht alle in der Bulle, impensa ro^ 
manorum povtyicum sollicitudo vorausgesetzte Eigcn- 
floliflfiea hat, ni d»t Wird« eines Donid«Qiuuit«i 
wm etoer aihdani Donpfrlliide w befiirdeni wflMehl:^ m 
M m iioIhWettdig, dafs «r^iwenti Mn ihm bd der Mb 
die Candidaten der Regierung vorgeschlafen werden, 
auch den nicht Fähigen namhaft mache, mit der Be- 
«erkiuig seines Mangels und dem Ansuchen um Dispeih 
satioa voa demaelbeD« Ist dmer nicht auf der Liste, als 
der liegieraog^ onaagepsh«, gnatriehes, «edt ihiB Dil» 
penaatlon gegeben worden, so Wendel sieh der BinM 
nach Rom, nm auch hier DispensatiiMi Itlr denMlhea m 
erlangen und kann erst., nachdem auch vom Pab§te solche 
ertheiit ist, zu dessen Ernenming übergehen. Steht die 
Keihe zur Ernennung. bei dem Domcapitei, so gilt hin* 
fiohllich der Einholung einer Dispens vob der weltlichfli 
Gewalt das 'Nimliehe^ . Ist diese graben , so kann an 
das Denicapitel sogleick skli ni demselben Zwecke as 
den r i w ise h en Hof wenden, und naduleni auch dieser Ii j 
die Wahl gewilligt, zur canonischen Wahl schreiten; 
oder es postulirt den Candidaten und sacht oaohber beiiB 
Pabste um Dispens nach. 

Von der Postulation der Bischöfe handelt der VsiC 
& 80—86. und stettt hierüber die ckmh die Bidlengi»* 
gebenen Bestimmungen In den einselnen dentsciienfliwitJi 
auf. Wir Terweieenr hier auf die Schrift selbst Der 
Verf. hat einen zeitgeniäfsen Gegenstand mit Umsicht und 
deutlicher Darstellung bebandelt und zu erkennen ge- 
geben, dafs er mit den partikniarrechtliclien. VeskÜl^ 
Bissen innigst vertraut ist. 

ft) Uober die Sfialäasigkett des BrgÜBSODf«* 
eides in Bhesaohenw Von H. L. Lippert, . A M 
bis 120, Der Verf., ausgehend von der Ansicht, dafs <hf 
Schiedseid in Ehesachen unzulässig se.y (worüber der Verf. 
eine eigne Abhandlung in v. Zu Rheines Jahrb0chern 
des gemeinen deutschen bürgerl.ProcessesBd. II. Heftl* 
gelieferl hat, das aber noch nicht erschienen ist) räumt 
Uev eln^ dafa der Erkennung auf den Erginznogseld aack 



üigiiized by Google 



in den FäHeo die Gesetze oichl ent|^figjea stehen, in wet* 
cheo durch «leoselben der Beweis eines dUo Aufhebuni^ 
4«r Bbm nadi Meh MlmdM UiMaMlet Yervollstiladigi 
.Wf dctt flolL Sa wir gteben , dio GrMm einer A»- 
atifr Ba übeissobreiton^ wmut wir uos hl« awiflUiriich 
über deu besagten Gegenstand verbreiten wollten, so 
behalten wir uns die Eiörterung^ und Behandlung des 
Eides überhaupt in Ehesachen vor, und wef den aoickt 
ia einer literarischen Zeilschrift liefern^ 

Att dieae AAihandlwagen sekliefaea aioh ,ao Reoe»-' 
iimeD Yoiit ILlihii, firklirungen der Ceramoalefi vad 
Segnungen der kalii. Kirche; Eisenschmid, die Ge* 
brauche und Segnungen der kath. Kirche ; Klitsche, 
Geschichte des Cölibats; Müller, Lexicon des Kirr 
ehenrechts und Stauden maier, Geschichte der Bi- 
schofswahlen, S. 123 — 194, welche wir um so mehr 
oiit Stiliachweigeo iLbergeheD, ate die Jahrbücher keine 
Beardieilung denelbeo gestatten. 

Es folgen dann Verordnungen^ welche von den inf 
und für Deutschland bestehenden weltlichen und geist- 
lichen Gewalten erlassen wurden und zwar für das a) Kö- 
nigreich'Preursen, 6) Königreich Hannover, c) König- 
reich Wurtemberg ynd Dicioese Rottenburg, d) Grolii» 
iMKacgdiQmSaclMeii-Weinuur-Biaeiiafib» eJUerzeglhani 
fianhaen-^C^hay /) Henogthmn Sachsen -Alteaburg, 
g) Sachsen- Coburg. Warum nicht auch die Ten deta 
Erzbischofe von Freiburg erlassenen Verordnungen einer 
Aufnahme sich zu erfreuen hatten , besonders da der 
Uemigebar selche ia HiUideo hat, iai schwer eiaaur 
flehen. 

Veiylmhep wir deo Inhalt diesea IL Heftes arit jeoam 
ilaa laten , so onOasen wir gestehen , dafo den Brwartnn«> 

geo, welche das erste Heft zu machen berechtigte, nicht 
genügt ist. Während das erste Heft 10 Abhandlungen 
nach dem gemeinen in Deutschland geltenden Kirchen- 
«echte ood von allgemeinem Interesse liefert, enthält daa. 
^eite deren nur 2. Und ea scheint nicht ^wian fi&r 
die Annalen zu seyn , dab nnnmelif auch AbhnndhiQgen 



f 



des Pariikiilarrechtes, wie No.l und 2. des zweiten Heftes 
Beigen y eine Anfnahme finden. Mag ee GintelDe gelMf 
deren Bemfiben darauf gerichtel isl, genaae Kenetatt 
anch des Partiknlar-Rirchenreehto eioh m eniifetbm, 

so dürfte doch dieser Wenigen wegen das Bedörfnifs 
der gröfsern Zahl der Leser nicht aus dem Auge yer- 
loren werden. Unser Wunsch geht daher dahin, dafs 
es dem Herausgeber gefallen mdge, alle blos das Parti- 
kularrecht behandelnde £rörternttgen nicht aufsviieih 
men, vielmehr als feste Bedingung aufzuetellen» M 
nur Abhandlungen «les gemeinen Kirchenredites eliieii 
Platz finden, wobei es jedoch den Verfassern unbenom- 
men bleibe, das Particnlarrecht in vergleichende Be- 
rücksichtigung au nehmen. 



Darmstadt , Ferlag von Johann Wilhelm Hcyer*a Hofbuchhandlung: 
^ Zur Klinik der neuesten morgenländische/i Krankheit oder Prakti- 
sche Resultate gesogen aus den Erfahrungen der besten, zumal 
Deutscher (en) Aerzie und mit den Ergebnissen mehrerer , nach de» 
Cholera geg enden unternommenen Reieen gtuammengestellt $ «oim 
dk Nwoiogh TAflriq»fe vereekkdmi^r Formen des gastro^enH/t 
riechen Fieber», als häufigsten (er) Vor- und NacKkremkheiten Mt 
GalUra» Fon Dr, Auguet Begar, Grofsherzogliek' BeetUekm 
Befinodieue. Mit fW StotnOrwkiofa, IMS. XVIUh. 174 9 gf.t 
{^Dieeee Werk ifwti midb ob SuppUmenMuiß dao Faitmrm 
[vergl die RoeonHon im Deaemherhtßor dkur JfMMtf] 
deMtirt^) 

Die Verlagshandlung benachrichtigte am Schlaflse 
des von Hrn. Hegar herausgegebenen „Vademeeavi 
für die Behandlung der morgenländieehei 
Cholera"* da§ Sretllche Publikum, dafs der Hr. Vtut 

bereit sey, wenn dasselbe günstig aufgenommen werde, 
und die Cholera sich nicht mit aufserordentlicher Schnelle 
über ganz Deutschland verbreite, alles praktisch- brauch- 
bar- Neue nach den Grundsätzen, welche derselbe im 
Vademeöum entwidcelt habe, in einem zweiten Nachtrag 
nachsuliefern , welcher dann füglich gegen Bude de»* 
eelben eingelegt werden könne. 



Digitized by Google 



9tgm, lUiiiii der Cbol«*. 91t 

'Statt cHoMS NftditnigB tber acheiiit d«r Hr. Veit 
iidi «ttlMdifasBeD ' SB haben , eioe neue Sdüift , äoler 

einem mit seiner ersten Arbeit g-ar nicht übereinstimmen- 
den Titel und einem veränderten Format, dem Publikum 
Torzniegen. — Zur Heransg*abe dieses Werkes wurde 
der Heransgeber durch einen achtungswertheo, ihm be- 
freundeten Arzt angespornt; indem dieser die Arbeit für 
^Iclichy ja f&r durchaus oothwendig halte, und zwar 
sdien deshalb, weil der Verfasser (es geschah abet Yon 
der Verlagshandlung) den Besitzern des V^ademecnms 
das brauchbar praktisch -Neue nachzuliefern ja verspro- 
chen habe. — Dem Ree. scheint es eine völlig neue 
Idee zu sejrn, dafs die Nothwendigkeit des Er- 
scheinens einer Schrift durch das Versprechen, eine 
solche liefern zn wollen , bedingt sey. Doch de iana 
caprma mag derselbe nicht rechten , weshalb er sogleich 
eur Darlegung des Inhalts seihst übergeht 

Einige Blicke auf die Entstehung und 
Weiterverbreitung der m orge n lä n d i s eh en 
Cholera. In den Jahren 1813 — 15. geschah es , dafs 
bisweilen ganz gesunde Soldaten der kriegführenden 
Mächte im Stande waren, den ansteckenden Tjphos In - 
Städte und Dörfer, die bis zur Ankunft des fremden Mi* 
litärs des besten Gesundheitszustandes sich erfreuten , zu 
Sbertragen. Der Hr. Verf. erzählt ein Beispiel , das ihm 
von einem sehr glaubwürdigen , früher im Odenwalde 
prakticirenden , Arzte mitgetheilt wurde , dafs einige 
Kfiaakenpniks, die sich in gesunden Dörfern jener Ge- 
birgsgegend einqnartirt hatten, und yor denen die Bauern 
In die Scheunen sich zurückzogen , den Typhus in jene 
Dörfer brachten, obgleich dieselben bis auf einen Mann, 
welcher an einer Lungenentzündung litt, völlig gesund 
waren. Die Kosaken hielten sich dort mehrere Wochen 
auf, und erst nach ihrem Abzüge brach daselbst der 
Typhös aus. Der Hr. Verf. spricht sich hinsichtlich der 
Ebtstehung dieses Typhus dahin aus: „Die Kosaken 
Heiken bei ihrem Abzüge in den Wohnungen, Betten und 
sonstigen Habseligkeiten nicht zwar das Gontagium des 



uiyiii^uü Ly Google 



914 Htgw» m Kikttk der CMm. 

Tjrphus selbst, wohi aber eineo solchen fremdartlg;eii , 
thierischen Stoff (haUitim) aurid[, der in Wecheelwii^ 
kunf mit der Bkiaern - Ing^tione * md Egestion»^ M it0rt# 

l^ebracht, das Contagium selbst erst bildete.^ « • ' 

Auf äholiche Art scheinea ihm auch andere Krank-' 
hellten und namentlich die Choleraepidemie entstanden zu 
seyn. Die TdHige Unterjochung Vorderindiens durch 

die brittisch- ostindische Compagnie trifft mit der großen 
Choleraepidemie in jenem Lande zusammen. Die Euro- 
päer traten hier mit ganz fremden Menschen und Ländern 
in Verbindung, und durch den Confliet so heterogener 
animalischer Faktoren ward unter andern begOnstig^endea 
Verhältnissen ein neues Produkt, die Cholera* 

Ree. zweifelt nicht, dafs unter solchen Umständen 
neue Krankheiten erzeugt >%'erdeo. Allein durch die eben 
mitgetheilte DarsteUung ist offenbar nicht nachgewiesen ^ 
dafs sich dies hier wirkUfch m verbtlt , und nf amm iu 
dem «ioen Falle phus, warum in dem andern rCli^o« 
Icra u. s. f. entstand oder entstanden seyn soll. — Der 
Hr. Verf wirft, da man in den über die Krankheiten der 
Tropenländer verfafsten Schriften fast nie des Typhus- 
contägiums, des Scharlachs, der J^ebris miliaris, der 
Masera« de« K^ichbustens u. s^ w. erwähnt finde, difi 
Frage auf, ob ea nicht an Ort und Stelle nntenraobt m 
werden irerdiene, welchen Binllnft die durch klimatische 
Verhältnisse bewirkte gewaltsame Unterdrijckung dieser 
Ausschlagskrankheiten bei den dortigen Europäern ge* 
habt habe? Bekannt sey, dafs durch erfolgten Rück-? 
tritt oder auf irgend eine Art gehinderten Ausbruch der 
Exantheme anderweitige gewöhnlich höchst gefthrücfail 
Krankheitaformeu bei uns entstehen, so sej es ja auch 
möglich , dafs sich durch MeCaschematismus in de» 
heifsen Ländern die Cholera erzeugt habe. 

Dem Ree. ist kein Schrlftsleller bekannt, der be^ 
kauptete, dafs die mit den Vorderindiera susammenge* 
troftenen'Buropfter damals an Keiehhusted oder an irgend 

einem acuten Exantheme gelitten hätten. Bekanntlich 



^ .1^ -o Google 



m 



könuneo diese vorlmgvweMe im JiigeailUcheo Aller vor; 
bM M Ml deshalb aosuebneot daf« der grö&le Theil 
der iSotdaleo Qod der dorlhio reisenden evropäiseheii 

Handelsleute diese Kraokheiten schon früher überstanden 
hatten. — Wo eine bestimmte Krankheit nicht herrschte, 
kann doch gewifs nicht von einer Unterdrückung und 
voD eiaem aus dieser eatsteheodeo AleUscbematisiniis die 
Bede seyn. 

Beitrag zur Pathologie des Fiebers und 
der Cholera. Die durch die Verrichtungen der Or- 
gane des Körpers latent werdende oder ausgeschiedene 
Wärme ist es, welche den Organismus nieisteüs davor 
scfafttzt^ in dem Grade von den Temper aturveränderun* 
gen der ihn umgebenden Medicin in Hinsicht seiner in- 
wtohnenden Wärme Terändert bu werden, dafs dadurch 
Fieber erfolge. Die normalen Secretionsprocesse schei- 
nen jedoch nicht immer hinzureichen, die inwohnende 
Wärme auf dem naturgemäfsen Grade zu erhalten. In 
dem gestörten Verhältnisse der Wärme sucht der Hr. Verf. 
die Entstehung der Fieber nnd der Cholera. Die ver-' 
ÜMerten, Wllrme^ und die dadurch modificirlen Mi- 
Mft'lings<- Verhältnisse zeigen sich vorzugsweise im Blute. 
Schon in seinem Vademecum fUr die Behandlung der 
morgenländischen Cholera hat sich der Hr. Verf. bei der 
Cholera für einen Dlutvergiftungsprocefs ausgesprochen. 
Hier führt er S. 15 u. f. diese Ansicht mit groüien Vm^. 
md Abschweifungen weiter aus. ^ 

Er wirft die Frage auf, ob es der einmal in abgeän- 
derter Richtung arbeitenden thierischen Chemie nicht 
möglich sey, in ihrer Werkstätte einen eigenthümli- 
l^li^ci Stoff, etwa ein Gas, zu bereiten, das vielleicht in 
^ji^er Mischung und in seinen Kräften dem Kohlenstoff* 
oxjdgas gliche, welche^ bekanntlich Ton Aufsen in die 
Wege der Circulation gebracht, Eingenommenheit de» 
Kopfes, Schwindel, Sausen vor den Ohren, Dunkelheit 
vor den Augen , heftige Schmerzen in der epigastrischen 
Gegend y grofse Schwäche der wilikührlichen Muskulatur, 



^ .1^ -o Google 



Hcgar, zur Klinik der Cholera. 



heftiges Herzklopfen, Erbrechen, zuletzt Neigung zum 
Schlaf, Asphyxie und u^irklichen Tod hervorzubringen 
vermag. 

Ohne Bedenken vi^andelt demnach der Hr. Verf. un- 
sern Organismus zur chemischen Retorte um ! Glücklich 
ihr Jatrochemiker ! Bindet das Gas oder leitet es aus 
dieser Retorte, und ihr habt eure Cholerakranken ge- 
rettet ! ! 

S. 24. meint der Hr. Verf , bei jeder Choleraepi* 
demie kämen mehr Cholerakranke vor, als man anzuneh- 
men bis jetzt leider geneigt sey; ja es frage sich, ob ein 
einziger Mensch in der bevölkertsten Stadt von der Cho- 
lera verschont bleibe. Fände diese Ansicht den Beifall 
der Aerzte, so würde sich ein ganz anderes und für sie 
bei weitem günstigeres Verhältnifs der Gesundgewor- 
denen zu den Verstorbenen herausstellen , wie sich denn 
daraus auch ergäbe, welche leichte Krankheit die 
Cholera überhaupt für das Menschengeschlecht sey u. s. f. 
<^ Zu einem solchen Räsonnement mufs der Recensent 
schweigen. Dlfßcile est, satyram non scribere. 

Ueber Krankheitsformen, Entwickelungs- 
stufen, Stadien, Diagnose der Cholera und 
Cholerine. Der Hr. Verf. behält die in seinem Vade- 
mecum gegebene Eintheilung in Cholera neuroparaly- 
tica ; Ch. congestwo - mflnmfnatoria ; Ch. gastrico - m- 
iestinalis hier bei, liefert eine Beschreibung dieser For- 
men und läfst jeder derselben eine Krankheitsgeschichte 
folgen. 

Das über die Diagnose Gesagte ist lobenswerth. Hier 
angehängt sind drei Krankheitsfälle, welche von Aerzteo 
an sich selbst beobachtet wurden. Ueber die Prosnose, 
von der hier auch die Rede ist, obgleich die Ueber- 
schrift sie da nicht erwarten läfst, geht der Hr. Verf 
rasch weg. 

(Der Betcklufs folgt.) JjlM^ 



N'.O. HEIDELK JAHRB. LITBRATUIt ISKL 



Uegar, zur Klmik der Cholera. 

(B§9€kluf§,) 

Einige Winke cor Therapie der Cholera. 
Di« Capiftei ist ▼oin Hrn. Verf. mil Tielem Fleibe bear- 
beitet, und ist da§ beste im ganseii Werke. Sehr lo- 
benawerlh und gewilSs fruchtbringend ist, daf^ derselbe 
auf eine rationelle Behandlung der Cholera , gegründet 
auf die Grundsätze der allgemeinen Therapie, dringt 
Er bestimmt die lodicationen nach den einzelnen Formen 
mit Berficksichtigung der iodividuaiität. Ueber die An- 
ifenduig der verschiedeoen Heilmethoden and der eln^ 
leinen Mittel ist viel Gutes gesagt. Aamit kann aber 
Ree. nicht einverstanden seyn , dafs es einerlei sey, wel-^ 
ches der verschiedenen Brechmittel, wenn solche ange- 
zeigt sind, angewendet werde, da doch alle den Haupt- 
zweck, nämlich : Brechenerregen, erfüllten. Die Ver«^ 
aohiedenheit der Wirkung der einzelnen Emetica hier 
nnseinandersnsetBen, Terbietet. der für eine Recensien 
bestimmte Raum. Oeshalb verweist Ree. nnr auf das 
▼ortreffiiche, nieht genug zu empfehlende Werk Uber 
Pharmakodynamik von Vogt, von welchem der Hr. Verf. • 
selbst S. 83. der vorliegenden Schrift sagt, dafs er der 
beste Pharmakologe Deutschlands sej. — 

Ueber verschiedene Formen der febris 
gastrieo^enterica, als hinfigsten . Vor- and 
Nnchkrankheiten der grofsen Seuche. Diese 
Abhandlang ist als ein Anhang zum Vorstehenden su be- 
trachten. Der Hr. Verf. theilt einige allgemeine An- 
sichten über die Fieber überhaupt mit, berührt beson- 
ders Bichat's Theorie, und geht dann zu Broussais und 
uelaer Anhänger Ijehre über. Er liefert eine Beschrei- 
bnng der feMg ga^ro^eiUeriea nebst den Wendun-^ 
gen, welehe sie ninimt» und giebl die Therapie der* 
selben an. 

XXY. Jabrg. 10 Heft 62 



y ui^co L.y Google 



^ Johnson'a Verdaaaogsbeschwerdeo. 



Zum Schlüsse folgen noch einige die Therapie der 
Cholera betreiFeade £rgäiizuagea io aphoristischer Kfifse 
(in 11 Sätzen). 

Auf der Steindmcktafel ist eio Mensch mit deo 
Krankheiiissjmptonien vor nnd in dem Cholerafalle ab- 
gezeichnet. Dies ist eine in einer müfsigen Stunde ge- 
lieferte eitle Spielerei. 

Für den Hrn. Verf. sowohl, als für den Hrn. Verleger 
^'äre es sicher besser gewesen, wenn statt des Vor- 
.^ortes ein Nachwort geschrieben worden wäre; deoo 
ge¥rils wird Mancher durch das Durcheinander in dei]|> 
selben vom Lesen der Schrift abgehaiten. 

Das ganze Werk entbehrt einer klaren» gedrängten, 
reinen Schreibart, wie Jeder leicht an dem Titel sclion 
sehen kann. Auch der Druckfehler, die mitunter sogar 
Schreibfehler 9u sejo scheinen, sind nicht weuige. 

Dr. F. L. Feist 



MBßUhm bei F. G. l^raakkt Die viekfigaiek tmd häufigsten Vv. 
ilatiim^«6e«eAt0er<l(B», ftefcaiml «iiter dCe» Aeiieiiiiimgei» «o« /im1%«-. 

dxngt dureh eine hrankkqfte SmpftndHeklBeit dee Magene imA Ar 

Gedärme. Ein Versuch von J acob JoknfH^ M. Mitf^Me 
des königlichen Collegiume der Londoner Jemte vnd Leibarete St, 
Maj. Wilhelm IV., Königs von Gfo/sbrittanien, Jus dem Engli- 
schen übersetzt mit einer Forrede von Dr. Johann Joseph Roth, 
Privatäocenten und prakL Arzte m Unndusn. XU fud 

147 Ä\ kl. a 

Die krankhafte Empfindlichkeit des Magens und 
Darmkanals, dieses proteusartige Leiden, hat schon sehr 
oft die wissenschaftliche Thätigkeit der Merzte in An- 
spruch genommen. Allein häufig hat man zu einseitig 
die krankhaften Erscheinungen blos im Ünierleibe ge- 
SHcht. Der scharfsinnige Hr. Verf. Torliegender Schrift 
«rkannte klar die grofse Bedeutung der Verdanungser- 
gane im Organismus; ihm schwebte die Wichtigkeit de8 
Darmkanais in Beziehung auf das individuelle Bes^eheo 



Digitized by Googl 



J«biMton's VerdanangsbeacliweffileB. 4M 



«leg OrgaDismtifi tor AugeHk ,Br fäfsie .nicht blas den» 
selbto als Aafnabme- utü VersrbeUutigsorgan der male* 
rietlen Stoffe auf, sondern er seigt auch das Verhältnifs, 
in welchem der Daimkaoal zu deri Qbrigen Sjstetnen des 
Körpers steht, und welchen Antheil diese an seinem phy- 
aiologischen uod pathologischen Zustande nehmen. In- 
digestion, Dyqpepsie, Hypochondrie, Geisteskleinniuth, 
l^alüchte lJoDrdnsntgen n. » f. sind nor Formen der krank- 
liaflea Empfindlichkeit des Magens und Darnlkanals. 
Das Wesen dieser rnüfs in einer Reizung der Nerven 
gesucht werden. — Die Empfindlichkeit in verschiede- 
nen Nerven ist von verschiedener Art. Im gesundheits- 
gemäfsen Zustande dürfen Speisen und Getränke keine 
Empfindung im Magen erzeugen, sinndern nur Einpfin- 
düngen des Wohlbehagens In entfernten Theilen des Kör- 
pers; wogegen Irritation des Magens unbehagliche Bai- 
pfindungen in diesen Theilen mit oder ohne Schmerz im 
Magen erregt. — » 

Es müssen zwei Klassen von sympathischen Wir- 
kungen durch Irritation im Magen und Darme angenom- 
men- werden. 

Erste Klasse: Krankhafte Empfindlichkeit des 
Magens und der Gedärme mit bemerkbarer Störung In 
diesen Organen. Diese, zumal die Art und Weise, wie 

sich krankhafte Empfindlichkeit und daraus Indigestion 
bildet, und die sympathischen Leiden verschiedener 
Theiie des Körpers, z. ß. des Gehirns, der Sinnes- 
nerven, des Herzens, der Lunge u. s. w. werden sehr 
gut und mit grofser Umsicht rom Hrn. Verf. geschildert 

Zweite Klasse: Krankhafte Empfindlichkeit des . 
Magens und der Gedärme ohne Irgend eine bemerkbare 
Störung in diesen Organen selbst. — Der Hr. Verf geht 
die physischen und moralischen Ursachen dieses Leidens 
durch , untersucht hier vorzugsweise die Doctrinen von 
Cuilen, Broussais, Fairct und einigen Aiten über 
HypoclMmdrie^ hält die V iiier may'sche Lehre, welche 
die Hypochon«lrie^ als eine Umänderung (wdcher Art? 
Ree.) in den orgapischen Sensibilitäten der £ingeweide- 



;^cbiiUe9 über die jneAAcliUclie Erlfeiiotnifi. 

.MVYea deßoirt, für .die. der Wahrheit am meisteo eat- 
.iBprechende. Die hier entworfene Ski9Se« dieser Krank- 
1 halt und naoienllidi die Schilderung der ersten Grsehcel- 
'iiuDg€o des heninnabendenrUebels aind. sehr lesi^nswerdL 

,£iDe gleiche Beachtung verdient die Angabe der diäte- 
tischen uad medicinischen Behandlung dieses Uebels. 
.Vor allem mufs die Diät und das Regime, der Empfind- 
Jichkeit der Verdauuug^orgaae angemessen regulirt 
.urerden. Ohne Berücksichtigung dieses Qrundsatses. iit 
..alle medicinische Behandlung, ohne Erfolg« -Diese msik 
.«eh vorerst Yon dem Zustande der Absonderungen über* 
zeugen. Abführende Mittel sind bei d^speptischen Be- 
;.schwerden mit grofser V^orsicht anzuwenden. — Die 
, einzelnen in diesen Leiden empfohlenen Mittel werden 
;Jiier kritisch durchgegangen, und dann die Behandlung 
der sympathischen AlTectionen verschiedener Theile des 
iLarpers .angegeben. Aipf Leibesfibung wird mit Aecbt 
.em grofses Gewicht gelegt Die Vortheile des Reissos 
areiden vorzugsweise hervorgehoben. Am Schlüsse theilt 
der Hr. Verf. einen Plan zu einer Reise von drei Mo- 
naten mit, wie er sie selbstgemacht, wobei viele Touren 
zu Fufs vorkommen. Die moralischen und phjrsischen 
iWirkungen des Reisens sind mit vielem* Fleifte erlbrsdit 
Die deutschen Aerzte werden dieses Werkchea cvar 
«vorzugsweise für Engländer interessant, nicht unbefrie- 
tdigt aus der Hand legen. 

Dr- F. L. Feist 



:V€h€r die menat klicke ^r^^nm$nif§, FmtB. S, S«:A«lf«f 
Kbnigl. Großhrltt. Hann. Hofrathe u ard, Prtf, d>, Logik «. ik' 
. taphyiik auf der G. J. Unw, mu GoUhgßm «. «. ip. GSlImm. Ml 
..JC/I«..88S ÄS. 

Wie auch die Kritik öber den Inhalt des vorliegen- 
den Werkes urtheiJen iiiöge, .sie wird nicht anders ate 
mit Achtung sich demselben nähern kdunen, da es dü 
.ErzengniiSi. des ehrwürdigen ^e»ior miter den deufsdieD 



Schvlse, tW die melMclilIcke MenAtaift;- 

PHifosöph^n iiit, cler, seil eiohein hlilben Jähi'hHitdert- 
Zeuge uofl selbgtthiitig^er Arbeiter in der iherkwQrcIigstenf^ 
UDft erfolgreichsten Entwickelungsperiode der Philoso^ 
phie, die je gewesen ist, in seinem hohen Alter doch' 
noch seihststaiidige geistige Kraft genug bewahrt hat^- 
um mit einer so schwierigeo ond umfassende Arbeit 
wie die torliegende, hervorzutreten. Die Idee zu diieser 
neuen Theorie der menschlichett Brkenntnift 'iivur, wi^' 
er sich lo der Vorrede erlilärt, schon früher in' seiner' 
,,Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften" vom 
Jahr 1824. aufgestellt, und in der ^, Metaphysik" und 
„Moralphiiosopbie" waren die Lehren derselben schon 
BttVerl>e8Sernttgen angewendet worden, aber seines hohen 
Alters wegen halte pr die Ausfikhrnttg dieser Idee swel- 
felhaft gelassen. Es ist ihm aber dennoch möglich go^ 
worden, die Darstellung so weit sn bringen, um sie miK 
theilen zu können, und das gegenwärtige Werk enthält 
diese Mittheüung. 

Achtung und Theilnahme verdient aber das Werk' 
aufiier den erwähnten persönlichen Gründen, auch um 
sdnes Gegenstandes und Zweckes willen. Kritik der Ver-' 
nunft, psychologische, iKrilische Untersuchungen über 
das menschliche Erkenntnifeyermögen , Theorie der Ver- 
nunft oder Erkenntnifs, oder wie man es sonst nennen 
möge, dies ist der Weg, auf dem wir einzig und allein 
eine sichere Fortbildung der Philosophie erwarten dür- 
fen, der am so mehr Bedürfnifs unserer Zeit ist, je mehr 
sich eine voreilige Speculation von der Natur^ und dem 
Bedingvngen des menschlichen Brkennens entfernt hai 
Für diese Methode der kritischen Philosophie onn ancÜ 
den ehrwürdigen Veteranen der deutschen Philosophen 
durch dieses Werk auftreten zu sehen , ist um so erfreu- 
licher, da G. E. Schulze früher, als skeptischer Be- 
kämpfer des Kantianismus (im Aeuesidemus) , der oft 
mitKantaanismusyerwechselten kritischen Philosophie 
ungünstig zu seyn schien. Hat er aber seitdem durch 
seine späteren philosophtscheA Schriften seine Ansichten 
Uber kritische Methode überhaupt schon vielfach ausge« 



982- Scliulze, über die lycnscliliche £tkenDtiiilii4-> 

k 

sprochen» so mufs doch gegeo wärtiges Werk als ein 
danketiswerther Beitrag zur philosophischen Kritik selbst,- 
als ein VcFsacb, iinabhäogig voo Kaot, dem Stifter dieser 
Methode, der Philosophie eine neue kritisch* psjcholo^ 
gische Grundlage zu geben , beachtet werden. 

Was nun aber die philosophische Grundansicht be- 
trifft, welche in diesem Werke vorherrscht, so wird wohl 
NisQiand im Wesentlichen etwas Anderes erwarten, ab 
wie sich der Veff. in seinen bisher erschienenen phiiosa* 
phischen Schriften schon lHugst ausgesprochen hat, rar 
dafs eine ausffihrlichere und umfassendere psychologisch* 
kritische Begründung dafQr versucht worden ist. G. E« 
Schulze hat sich von dem Skepticismus, dem er be- 
kanotlich früher zu huldigen schien, scheu seit geraumer 
Zeit zu deui zunächst an die Skepsis grenzenden Bmpl'i 
rismus gewendet, i|nd hat, mit einigen Modificatiottfliy 
von da aus sein System entwickelt En selbst nennt ss 
(Vorn S.IV.) „den natürlichen, d. i. der Natur und des 
Gosetzen des menschlichen Geistes angemessenen Realis- 
mus," ein Name, den freilich alle auf Kritik der Ver- 
nunft gebauten, namentlich auch die sämiutlichen kanti- 
schen Lehrsysteme für sich anwenden könnten. Denn 
auch der kantische s. g. transcendentale Idealismus ist ssf 
der andern Seite ein solcher natfirheheic Realismus. AJ-. 
lein der Verf. will diese Benennung in einer viel umfitf« 
sonderen Bedeutung verstanden wissen. Dem sich selbst 
fiberschlagenden, theils dialektischen theils mystischen 
Idealismus der s. g. naturphilosophischen Schule gegea- 
über steht Schulze auf der entgegengesetzten Seite des 
handfesten, empirißtischen Realismus, d^r nuf nüchtern 
nen, gemeinen, oder gesunden Menscheaverstand alkis 
sich verläfst, und jede idealistische Speeulafaon mit Veiv 
achtung von sich stöfist Nur bei sehr Wenigen unter 
den Philosophen selbst findet dieser einseitige Empiris- 
mus gegenwärtig Beifall, ja es scheint, dafs er von den 
Wunden, die ihm schon die kantische Kritik der Ver- 
nunft und noch mehr die in seiner Schule for^eseti^ 
ten psychologischen Untersuchungen gesoblagen babefli 



Schuise, tber die meotddiciMi SrkeiiatBifi. MS 

Wohl nie mehr zu rechter gerander Kraft emporkonimeii 
wird^ Bei weilepn mehr neigt sich die beHere. philoeo- 
phiDcfae beokarl bu den VeHrrungen der idealistischen 

Speculatiorien. Ihnen entgegen ist auch dieser Schul- 
zische Empirismus ein gesundes Gegengift, zumal da 
auch in diesem Werke, wie in seinen fröheren Schriften , 
die Anmafsungen und Thorheiten dieser Chsse von l^e- 
eaknlen absichtlich immer itcharl gegeifeell werden. 

Im Vergleich mit dem , was schon von anderen 
kritischen Philosophen für Kritik der Vernunft oder 
Theorie des ErkenntnifsvermÖgens geleistet worden ist, 
steht dieses Werk an Vollstandi jfkeit der psychologischen 
Untersuchungen und an klarer Entwickelung vielen an-'- 
deren nach. Indessen die psychologische V^ollständigkeit 
mochte wohl nicht in dem Plan des Verfs. liegen, da er 
vielmehr nur eine Hervorhebung derjenigen psychologi- 
schen Elemente beabsichtigte ^ die zur Begründung seiner 
eigenen philosophischen Ansichten dienen kann. 

Die ganze Darstellung geht von einer Unlerschei- . 
duug zwischen unmittelbarer und mittelbarer 
Brkennlnifs aus (Istes Lehrstück). Eine unmittelbare 
Erkenntnis ist nach dem Verf. diejenige, worin der Ge* 
genstand als dem Erkennenden Ich gegenwärtig, eine 
mittelbare, worin erst durch Hfilfe einer Vorstellang • 
und eines Zeichens erkannt wird (S. 13.). Zu den un- 
mittelbaren Erkenntnissen gehört das Selbstbewufstseyn, 
die Sinneserkeontnifs und die Erinnerung (S. 14 — 21.). 
O^e mittelbaren Erkenntnisse ,,bestehen aus dem Be-- 
vttfttseyn von Eiwas In nns , das nicht die dadurch er-:- 
kannte Sache selbst ist, aber doch fils Zeichen davon 
dazu dient, die ßeschaffenheitert der Sache su erkennen 
und die zum Wahrnehmen erforderliche Gegenwart der 
Sache für 8 Bewufstseyn einijs^ermafsen zu ersetzen" (S.23.), 
und sie begreifen Vorstellungen von Einzeldingen, Be- 
^rifie oder Vorstellungen des Allgemeinen und Ideen 
oder Vorstellungen , durch welche die Wirklichkeit zu 
gewissen Absichten ergänzt oder verVollkommt gedacht 



Digitized by Google 



S||84. Schulze» über die meiiHblich^J^rkeiiatiiUf.. 

wird (S. 27 u. fgg.). In dieser Grundlage zur Theorie 
der Erkeniitnifs linden wir deutlich die Elemente dei 
Empirismus. Deaa die uomiUelbaren Erkenntnisse 4ni^ 
das Selbstbewuftlsejn ausf «nooimen, dae . hier ab da 
nicht - sinnliches unmittelbares Bewttfstseyn betraehtet 
wird, bloe sinnliche Erkenntnisse, die mittelbaren, Ver- 
standeserkenntnisse. Aus Sinneserkenntnifs und Verstau- 
deserkenntnifs ist der Empirismus zusammengesetzt Maa 
vermifst daher ein wesentliches Element der menschli- 
chen Erkenntnifs, die reine Verounfterkenntoifs oder die 
synthetischen Erkenntnisse a frwri^ von denen nur alMa 
das. reine Selbstbewurstseyn seine Anerltennung hier ge- 
funden hat (beiläufig gesagt, kann Ree. nicht beisthn- 
men, wenn alles Selbstbewufstseyn ftir unmittelbare Er- 
kenntnifs genommen wird; er glaubt, dafs es allerdings 
erst eines mittelbaren Wiederbewufstseyns bedürfe, an 
zu wissen, dafs wir wissen, fühlen, wollen U.8.W., wai 
namentlich & ST. bestritten wird); denn auch die unter 
den mittelbaren Erkenntnissen angeführten Ideen siod, 
wie sie hier erklärt sind, nur Verslandesvorstellungen, 
uod sind weit entfernt von den Vernunftideen im Sinne 
des transcendentalen Idealismus. Denn gerade gegen 
den Idealismus in allen seinen Richtungen kämpft der 
Verf. aus allen Kräften überall an, und es sind wieder 
die Grundsätze des Empirismus, mit denen er dies ia 
der Anzeige und Prüfung der GrQnde, womit der Idea- 
nwus die Richtigkeit der Annahme einer unmittelbaren 
ErfcennUiiis bestritten hat" (S. 31 fgg), hauptsächlich 
thut Unter dem Idealismus versteht er die Ansicht, daft 
die unmittelbare Erkenntnifs etwas Unmögliches sev, und 
dafs alles Erkennen aus einem (mittelbaren) Voratelica 
bestehe ( S. 31.). Zwar uieht: er auch manche Lehren 
hieher, die keineswegs unter diesen Begriff gehöreo, 
^1 Kant; sonst aber bemerkter 

Tiel TreffiMides gegen den dogmatischen, von selbstge- 
machten Begriffen ausgehenden und mit den klarsten 
Thatsachen des Bewufstse^ns in Widerspruch geratben- 
den Ideaiisniius, r 



y .i^co L.y Googl 



' Sohulse , ükwt die meMchlicbe ErkeuUUa. Mft 

/ Da9 tie i»ehrsillck handelt voo der Vervoll- 
konnmnng der menschlicheo JBrkennioifs» Die 
VerTellkomiriDiinf der enmitlelbereii Erkenntnife 
(IsCer Abflcho.) zeigt sich haeptsSchlich in der Aufsu- 
chung der ifld i viduellen Bestimmungeo, der Ur-» 
sacheu des Entstehens und der Selbstständig- 
keit der wahrgenommeoeo Dioge. Ree. kaon aich hier- 
bei durchaua nicht ftberzeugen, dafs die angefQhrteii 
BrkeMiliiiaae in dea imiiiitleliNiren, hi dem hier geitendeB 
Haue gebdreo, und wUki fiberhaept niehl da, wie die 
mmliteibare Brkeiuliiiirs als aolche, da sie clifreh dte 
Gegenwart des Gegenstandes zu dem erkennenden Ich 
bestimmt ist, einer solchen Vervollkommnung fähig wäre, 
dafs sie mehr erkennte, als M'as durch die Gegenwart 
der Gegenstände und ihr Verhältnifs zum Erkennenden 
nofliittelbar gegeben iat Durch dies Verhiltnifa der 
Dinge sv dem Erkennenden selbst aber aind keineawege 
aneh schon die' Vorstellungen von Theileu und Ganzen, 
von Verschiedenheit, von Stoff und Form, Ton Innerem 
und Aeufserem, sowie von Ursache und Wirkung, von 
Selbstständigkeit und Abhängigkeit u. s. w. bestimmt , son* 
dem diese kommen gewifa erat mittelbar durch Nach- 
denken in unser Bewnfataejn, und aoiiten also zu der 
mittelbaren BrkenntnMk gereclinet werden. Ueberbaupi 
nber^anlMrte w<ihl jede Verröllkommnung der Brkennt- 
nifs der mittelbaren angehören , da die unmittelbare nur 
als Anlage gedacht werden kann, deren Ausbildung im- 
mer mittelbar, d. h. von der Gegenwart der Gegenstände 
unnbliängig, geachehen mnfs. 

.Die Erkenntnife der individuellen Bestim* 
mnngen ist allerdinga eine ErkennlnilSi der Wahrneil» 
mung, deren Venroilkommnung von der Aufmerkaamkdl 
und dem Interesse abhängt; aber diese Aufmerksamkeil 
gehört schon nicht mehr zu der unmittelbaren Erkennt- 
nifs, sondern ist eine durch den Willen vermittelte Er- 
kenntnifs. Femer die Erkenntnifs der Ursachen kann 
gar nicht lu der unmittelbaren Erkenntnife oder Wahr» 
nehmung gerechnet werdea Allerdings gehdrt der Be« 



im SdMlse, «ber die nwnieblidie CrkenniBif«. 

griff der Ursächlichkeit , oach der Ansicht der kritischen 
Philosophie, zu den ttninitteibaren Verna nfterkenol^ 
nissen; da aber hier der Vernunft gar keine uomict«!- 

bareü Erkenntnisse zugeschrieben werden, da unmittel- 
bare Erkenntnisse nur sinnliche sind, so sucht der Verf. 
dadurch die Erkenntnifs der Ursachen als unmittelbare 
darzustellen, dafs er ein Streben nach Erkenntnifs der 
Ursachen aus einem im menschlichen Geiste liiegendeii 
Bedürfnisse f&r die ErhalUing und Besserung seines 
bens ableitet' (S. TA Tl.). Damit ist aber doch nklit 
die Erkenntnifs des Begriffs der Ursächlichkeit selbst, 
sondern nur das Verlangen oder Streben, Ursachen zu 
erkennen, ursprunglich, hin^eg-en die Erkenntnifs von 
der ursachlichen Verbindung gewisser Dinge entsteht 
nach dem Verf. erst aus der Beobachtung der Beständig« 
keit des Nacheinanfler- und Beieinaoderseyns derOioge^ 
was nicht Zufall seyn kann, sondern nothwendig auf Ge* 
setze" bezogen werden mnfs. Es ist einleuchtend , dafe 
diese Ansicht den Angriflfen des empiristischeu Skepti- 
cismus, welcher eine objektive Gültigkeit des Gesetze« 
der Causalität überhaupt leugnet, sehr ausgesetzt ist; 
zwar erklart sich der Verf. in dieser Hinsicht aasdrfick- 
lieh gegen Hnme'e Ableitung dieses Gesetzes aus blaftet 
Gewohnheit und Ideen «^Association, wenn er aber 
Anmcht durch' jede witlkfihrliche Bewirkung von Verlo* 
derung in der Natur , z. B. durch den Gebrauch von 
Werkzeugen und dergl. , widerlegt zu haben glaubt, so 
möchte dies wohl schwerlich befriedigen können, lieber- 
haupt aber ist nicht einzusehen, wie der Verf. äch vor 
jeuem empiristischeu Skepticismus retten wolle« da er 
objektire Giltigkeit nur in der Wahrnehmung atleid an- 
zuerkennen scheint, und die objektive^ Bedeutung der 
Vernunfterkenntnisse a priori so sehr verkennt, dafs er 
die kantische Ansicht von dem allgemeinen und noth- 
wendigen Gesetz der Causalitat als einer urspruoglicheB 
Kategorie für eben so „subjectiv" (d. h, hier zufallig) 
erklärt, als die Humesohe Brkl&rung aus Ideen -Ano- 
ciation. 



üigiiized by Googl 



Sebnlse, «b«r die measchlkho ErkeoBliiUW. HS? 



AjO die Lehre Yon den Ursachen schliefst der Verf» 
gletcli die Lehre voa der Freiheit, iodem er dieee 
nämlich als Unaehe clee Wollene darstellt, die von keiner 
andern Ursache bestimmt ist (S.t6 %g.)« Man sieht, dafs 
dabei die Freiheit nur als innere oder psychologische 
Freiheit aufgefafst wird, und dafs von der idealen Frei- 
heitgar nicht die Bede sey. Die Unterscheidung zwi- 
schen idealer und pejchoiogischer Freiheit, sowie die 
Lehro ^ee transcendentalen Idealisinva, wonach der 
Menscbi als Phänomenon unfrei, alaNoomenon frei wäre,, 
wird von dem Verf. so aufgefafst, als ob dadurch Einem 
Gegenstande, dem Wollen, eine doppelte Ursache, näm- 
lich Naturnothwendigkeit und auch Freiheit zugeschrie- 
ben i^ürde. Dies ist aber nicht der Fall ; denn das 
Wollen wird nicht als Wirkung der Freiheit, sondern 
es wird Tieljnehr eelbatals frei gedacht, und eben da-i 
durch, als ohne Ursache wirksam. Die ideale Ansicht 
erhebt über das Gesetz der CausalifSt, und nur dadurch 
kann Freiheit gedacht werden, dafs ein fiber die Notli- 
wendigkeit der Causalität erhabenes Dase^f^n, ein Dasein, 
welches l^eioe Ursache hat, sondern nur Ursache ist,, 
gedacht wird. Auf diesem Standpunkt steht nun aber 
die Freiheit des Verfs. nicht, da er die ideale Ansichfi. 
üherhaupt nidht gelten lallst; Hierdurch niufs der Wille 
allerdings auch dem allgemeinen Naturgesetze der Causal- 
nothwendigkeit unterworfen werden, von dem es keine 
Ausnahmen geben kann, und diese Causa! nothwendigkeit, 
•ts- eiue psychische, führt auf die Abhängigkeit des Wii* 
lens VW den Antrieben. Der Verf. beruft sich gegen 
diese psychische Nothwendigkeit unseres . Wollens auf 
unser SelbstbewuAtsejn , das uns keinen Zwang oder 
Mechanismus in unseren Entschließungen bemerken ISfst, 
und in welchem die Thatsachen der Ueberlegung von 
dem Entschlufs, die Abwägung der Gründe und der 
unabhängig von sinnlichen Antrieben ausgeführten rein 
vernunflmäfsigen Handlungen unleugbar vorkommen. Al- 
ieifi auch bei dem Ueberlegen entscheiden zuletzt Gründe^ 
nucb denen der Wille, sofern er nur psychisch betrachlel 



üigiiized by Google 



I 



908 Scbalse, Aber üte mentcliüche Brlmntnib. 

wird , mit' Noihweadigkeift handeln mnßu DiiM psy- 
chische Nothwendigkeit des Wolleos aus Beweggründen 

wird nicht dadurch widerlegt, dafs, wie der Verf. sagt, 
auf die Erkenntnifs von der Pflicht noch nicht nothwendig 
die Erfüllung derselben folgt; denn die Erkenntnifs ist 
noch nicht der Antrieb, manche Erkenntnifs wirkt noch 
* gar nicht oder doch schwach als Antrieb. Ferner, wenn 
der Verf« ianAhrt, dab Menschen sich in ihrer . Hand- 
lungsweise indem , oder düfs gute Menschen btsweflen 
auch schlechte und schlechte Menschen bisweilen gute 
Handlungen ausöben, so beweist dies nur, dafs die An- 
triebe zum Handeln sich in einzelnen Fällen änderni 
aber nicht, dafs der Wille unabhängig von den Antrie- 
ben handelt 

Die VerTollkömmnung der mittelbaren Brkedol« 
ntfs (tr Absehn. 8. 109 fgg.) zeigt sich sowohl in der 

Dichtkunst, als in der Wissenschaft In der letzteren^ 
die hier allein berücksichtigt wird, zeigt sie sich in der 
Entwickelung der logischen Formen der Begriffe, Ur- 
theile und Schlösse, der Sprache, der analj^tischen und 
synthetischen Methode, der Mathematik, wobei wir hier 
nicht langer Terweilen wollen, um ssu dem wichtigeren 
Sten Abschn. Yon der BeschrSnkheit der Erkennt* 
nifs des Seyns und der Bedingungen dessel- 
ben überzugehen. Hier und in dem folgenden (Illten) 
Lehrstuck: über die Zu verläsigkei t der mensch- 
liehen Erkenntnifs entwickelt der Verf. haoptsfich- 
lieh die £igenthilnilichkeit seiner Lehre, die hier am 
deutlichsten einen empiristisch - skeptischen Charalder 
neigt ' 

Es hatgewifs etwas dem unendlichen Erkenntnifstrieb 
des Menschen Widriges an sich, auf Schranken der 
menschlichen Erkenntnifs hingewiesen zu werden, und 
der menschliche Geist kann sich nur dann darein ruhig 
lügen, wenn er ihre Nothwendigkeit wirklich einzusehea 
vermag. Diese Nothwendigkeit aber wird durch eine 
kritisch -anthropologische Dednction nachgewiesen, der 
Verf. dagegen giebt diese nicht, sondern begnügt sich 



üigitized by Google 



■ 



jSehalM, lülier di« mentchUcbe JBriteoiitoilii. 

nur mit eioer factischen Naohweitoiig derselben. Bbea 
dadvrch bdiilt seioe l^ehre ftait des kriüflcheii mehr 
eiiieii flkeptitchen Cbinikler. So eeigt er die Be* 
schrioktheit der meoechlicheii Erkenntoffs In der Er- 

keoDtnifs des Seyos darin, dafs, obgleich von selbst 
einleuchtend ist , dar8 das Sejn des Dings nicht das 
Ding selbst ist, doch das Verhältnifs dnrchaiis uner- 
kennbar sej, in welchem das Seyn zu dem Ding selbel 
steht, indem das 8ejn weder als ein Theil des Dinges, 
noch ab ein Träger oder eine StOtse, noch als Eigenr 
Schaft desselben, noch als Ar sich Bestehendes nebdn 
dem Dinge gedacht werden kann , noch endlich aus dem 
Möglichen durch blofses Denken hervorgebracht werden 
luinn (was hauptsächlich gegen die neuere absolute Spe- 
Cttlation gilt, welche von dem Nichts anfängt und daraus ' 
durch blo&e dielektische Bewegung das Sejrn, Werden, ' 
Daseyn 8. w. schaffen will). Allein wenn man anch 
diese Thaisadien sngiebt, so bleibt darin etwas Unbe?* 
friedigendes , so lange man nicht auch weifs, warum 
diese Beschränktheit seyn mQsse, und dafs die Natur 
des menschlichen Erkenotnifs Vermögens dies nothwendig 
SO mit sich bringt, wie dies der Kriticismus sehr genüi* 
giend darin darthnt , dafs die Vorstellnng des Seyns eine 
ufsprUngliciieKat^lorie, eine Bnheilsform der VernunflL 
sey, welche nothwendig bei allem Erkennen yorkommen 
mufs, für welche es aber eben deswegen gar keine wei- 
tere Erklärung geben kann. Eben so zeigt der Verf. 
ferner ganz richtig, dafs wir zwar jedes Wirkliche noth-^ 
wendig in Zeit und Baum denken, dafs diese Formen 
iriso noiliwendige Bedingungen derErkenntnifs desSe^rns 
fm4f dib CS aber dorchans^ nnbegreiflich bleiiie» was 
md Raum eigentlich sind, da sie weder als ein von 
den Dingen verschiedenes für sich Bestehendes, Existi* 
rendes, noch als Eigenschaften n. s. w., noch als blofse 
ideale Möglichkeiten gedacht werden können ; allein er 
verwirft die .psycholog isch - kritische Erklärung derselben 
alo Formen der Sinnlichkeit, eben so wie oben die Er- 
kümiig des Sayns als Kategorie oiler Form der Vernunft-; 



y ui^co L.y Google 



Udo Sciialse, über die mcoachliche Erkeimtnira. 



einheit. Endlich findet sich als eine zweite BediogVBj; 
der ErkenDtniffl des Seyns die Voratellang der ureaek* 
liched Verllindung;, indem wir jedes Se^n nethlMih 
dig durch eine Ursache hervorgebracht denken, aber 
auch darin zeigt der Verf. die Beschränktheit der mensch- 
lichen Erkenntnifs, welche einestheils nicht zu erkläreü 
vermag, warum eine Ursache gerade diese Wirkung 
habe und nicht eine andere,' und aufleriitheUs ni<^ iil^ 
greiflicli machen kann, wie aiis einem Sejn,' der•0^ 
Sache , ein davon ^^erschiedeitesSejn , . die Wirknag, eM'- 
stehen könne. Der zur Erklärung der ursächlichen Ver- 
bindung gebrauchte Begriff von Kräften ist nar ein 
Hiilfsbegriff , der nichts erklärt^ und es ist ein falsches 
Bestreben vieler Philosophen, ans Kräften die Eulsfe« 
hung alles Seyns erklären zu wollen, da Kraft sdlooeiii 
Ding, eine Materie,- der sie angebdri, vonftissetsi, ind 
eine bh&te Kraft «Ane ein Ding, dem sie angehört, gar 
nicht als Existirendes gedacht werden kann, denn es ist 
nur eine Abstraction von einem Verhältnifs eines Di Dgs 
zu andern , die wir darin denken. Mit Recht spricht 
•daher der Verf. gegen Fichte's weltschaffende Vor- 
stellungskraft des Ich und gegen Schellingflf Eril- 
wickelnng alles Sejns aus einer Allhiiit von Krifleft in 
dem Absoluten, und Ree. stimmt ihm volfkomneii kei, 
wenn er S. 148. sagt: „es mufs als ein nachtheiiigcs 
Ereignifs für die Ausbildung der menschlichen Erkenot- 
nifs gehalten werden, dafs soviel Anstrengung des Gei- 
stes verwendet worden ist, um die SpecuJailOD über 
die Well zu einer Weitechdpferin zu erbeben." 
Nor mHasen wir.anch hier uns dagegen yerwahreif , M 
die kantische djnamisclie Ansteht von der Nalar, 
welche die Möglichkeit der Materie a priori aus Gruüd- 
kräften der Anziehung und Abstofsung erklärt, auch zu 
dieser weltschaffenden Speculation gehöre, da ja hier 
die Entstehung der Materie nicht objektiv aus den Grund- 
kräften abgeleitet werden, sondern nur. subjeklr? die 
I^kbarkml der Materie erklftrlich. gemacht werden mXL 
Und so kfenen wb auch dem Verf. in. der fo^feodoi 



Schulze» ülier lUe menachUche Erkenntaif*. SM 

aligemeinen Bemerkupg über die ßeschränktheU der 
menschliclien JBrkeoQtnifs in WeseiitUehen beistimmen, 
leonm hervorgdil, daft er io^der Hauptoache mit dem 
Kritieismufl in den Factia Übereinstimmt, nur mit dein 
Unterschiede, dafs er das blofse Dafs ohne das Warum 
giebt. Er sagt nämlich S. 148 fg.: „Die im gegenwär- 
tigen Abschnitte nachgewiesene Beschränktheit der l2ir- 
kenntnifs des Sejns und seiner Bedingnngen ist also kein 
Hinderififs der Natnrforachnng und macht die Bestreu 
biidgea in derselben — nieht unmöglich. Daft es aber 
wirklieh Dinge gebe, dafs diese im Räume und in der 
Zeit vorhanden sind, und dafs jenes Entstandene durch 
eine Ursache hervorgebracht worden sey, wird bei der 
Natur Forschung — als unläugbar vorausgesetzt 
(bei dem kritischen Philosophen dagegen kritisch - an->' 
Ibropologisch nachgewiesen oder dediuart). — Die 
taphysiker hingegen -haben oft aus* gans willkührlich btf* 
stimmten Begriffen, eingebildeten Grundsätzen und er* 
(lachten Kräften alles in der Welt Vorhandene und dessen 
Wesen anzugeben unternommen. Eben deswegen be- 
stand aber auch, was sie von der Welt zu wissen mein«« 
ten, aus blofsen Dichtungen, die sich nacb der Beson« 
derheit der Bildung und Denkart ihrer Urheber richteten 
und aehr versehieden ausfielen." Hier folgt dann eine; 
Beurtheilung der hauptsächlichsten kosmologischen Hy^ 
pothesen über den Ursprung der Welt nach den voraus- 
geschickten Grundsätzen über die Erkenntnifs des Se^ns. 

Entscheidend iiir die ganze philosophische Ansicht 
des Verfs. ist ferner noch das „dritte Lehrstuck," daa 
^flber die ZaTcrlässigkeit der menschlichem 
Brkeirnthirs" handelt Die Ueberaeugung, dalb »d-> 
sere Erkenntnifs ein wirkliches Seyn verkündigt, slmrant 
nach ihm „aus der unvertilgbaren Einrichtung des 
menschlichen Geistes, die sich in jedem Zustande un- 
seres Geistes, der für Erkenntnifs gilt, kund thui" 
(S. 15Sifgg.). Diesen Satz (der im Wesentlichen über- 
einstimmt mit der Begründung der objektiven Guitigkeiü 
unserer Erkenntnifs auf das Selbsivertiauren .der 

4 



uiyiii^uü Ly Google 



Scbiiiic» über die nien«ckUche firkemilaiA. 



Vernunft auf sich selbst, Wieste die kritische Phi* 
}o0ophie giebt) sucht er stteral (Ister Abscho.) dmnk 
die Darstellung der „Biorichtoug des mensclili* 
chen Geistes in Ansehung der Zuverlässig- 
keit der ErkenntoisseV und dann (2ter Abschn.) 
durch eine „Prüfung der Gründe, wegen wel- 
cher von den Philosophen entweder der ge- 
sammten menschiichen Erkenn tnifs, oder «i» 
nigea Arten derselben Wahrheit abgespriii^ 
chen worden ist" (S. |f4 fgg), darsathnn. Ois 
r'Orwahrhalten , bemerkt er Im Isten Abschn., ist i min » 
mit der Erkeiintnifs vereinigt und gehört nicht einem be^ 
sondern Vermögen (wie dies neuerlich von Biuncle 
in seiner Psychologie, nach dem Vorgange des philoso* 
phischen Systems von Hermes behauptet worden ia^^ 
noch hSngt es von einem besonderen Talente, oder dar 
Willklihr ab, sondern erfolgt mit Zwang nach den GrittH 
den der Wahrheit Nur die PrOhng dieser Gründe 
schiebt durch den Verstand. Denn Wahrnehmung gilt 
schon durch sich seihst für wahre Erkenntnifs, und die 
Prüfung hat hier nur zu untersuchen, ob etwas wirklich 
wahrgenommen worden ist ; bei den mittelbaren Er- 
kenntnissen hingegen ist das Fürwsbrhalten nicht dvisk 
jene gegeben , sondern erfordert ein von ihnen verscUsN 
denes (unmittelbares) Erkennen. Allem Pürwahrbalten 
liegt schon die Utberzeugung zu Grunde, dafs der 
menschliche Geist der Erkenntnifs der Wahrheit und der . 
Entdeckung der IrrthOmer fähig sej, und alle Prüfun|f 
geht nur darauf , zu untersuchen, ob unser Für wabrhaliSBi 
der wesentlichen Einricbtnng und den Gesetzen 4m. 
monsdilichen Geistes geralA bestinunt worden se;^« tkii» 
mit ist denn, wie Reo. iiberseugt ist, die richtige 
subjektive Ansicht von der Zuverlässigkeit der mensch- 
lichen Erkenntnifs ausgesprochen, wie die kritische Schule 
sie in ihrer empirischen Wahrheit im Unterschied 
von der transcendentalen W.ahrheit ausgedrückt 
hat, obgleich der Verf. voo diesem wichtigen VerhftilÄ 
nichts erwihnt — 

iD9r Bf9kluf$ folgt.) 



y .i^co L.y Google 



63. HEIDELB. JAHRB. d. LITERATUR. 1832. 



Schulze, über die menschliche Erkcnntnijs, 

( B e 8 c h l uf s.) 

Der Verf. unterscheidet ferner als verschiedeue Grade 
^^der Stärke des Fürwahrlialtens das Wissen, Glauben 
Hkder Fü rwah rschei n I ichhalten und Verinuthen. 
HpiVenn nach dieser Rangordnung das Wissen allein das 
^vollkommene Fürwahrhalten ist und als solches über dem 
P unvollkommneren Glauben steht, so ist dies nur in lo- 
gischer Bedeutung ganz richtig; aber dann hätte der 
|l Jacobi'sche Glaube, der über dem Wissen steht, nicht 
hierher bezogen werden sollen, da hier von metaphysi- 

I scher Bedeutung der Ueberzeugungsweisen die Rede 
ist, und da der Verf. selbst im Wesentlichen die Ja- 
cobische Ansicht ausspricht, wenn er (S. 170.) über 
die durch Schlüsse (Demonstration) bewiesene Wahrheit 
(das Jacobische Wissen) eine Ueberzeugung von den 
^ Grundsätzen, womit man zu schliefsen anfangt" (den 
" Jacobischen Glauben, oder Vernunfterkenntnifs u. 8. w.), 
stellt. 

Die Prüfung der Grunde u. s. w\ (Abschn. 2.) 
bezieht sich theils auf die Ansichten derer, welche die 
Zuverlässigkeit aller menschlichen Erkenntnifs bestrei- 

Iteii (allgemeiner Skepticismus) , theils derer, die nur 
gewisse Arten der Erkenntnifs für Schein ausgeben. Diese 
Ansichten stellt der Verf. zuerst in historischer Folge 
zusammen , wobei vorzüglich die mehr oder weniger 
H skeptischen Lehren der Eleaten, Sophisten, des socrati- 
P sehen Skepticismus, desPlato, dann von Leibnitz , Kant 
und Herbart erw^ähnt werden. Bei dieser Zusammen- 

I Stellung ist bemerkenswerth , dafs der Verf. nur dieje- 
nigen theil weisen skeptischen Lehren erwähnt, welche 
von der rationalistischen Seite her die Zuverlässigkeit der 
Grfahrungserkenntnifs bestritten oder beschränkten, wäh- 
XXV. Jahrg. 10. Heft 63 



iitized 



tM ' 9chiilM, «ber die mcMcliU^e £r|ieiiiitaUi. 



read die yoa der ent^ogea^esetzteii emguistificben S^k 
gegen die VernnfterkennUiisse erhobenen Zweifei gar 
niclil berührt werden, ab ob es dergieieheo gar nicfal 
gdbe oder geben dürfe. In der Widerlegung dieser 
Ansif^ten wendet sich der Verf. zverst gegen den ailge» 
meinen Skepticismus, indem er zeigt, dafs dieser 
sich selbst zerstört, indem er auch seinen eigenen Grund- 
0at2 für ongewifs halten niiifs; auch die subjektive 
dingtheit der menschlichen Erkenutnifs, z. B. durch Sinn* 
werksenge bei der sinnlichen Wahmehmong , kein Gmad 
SU Irrthnm und Täuschung, sondern nur sn gr«lfterer 
oder geringerer Vollkommeidieit unserer Erkenntoife wj. 
Ferner bezieht er sich auf die von Her hart aufgestellte 
Lehre (ohne ihn zu nennen) von den Widersprüchen, 
die sich in den Erfahrungserkenntnissen für sich noth» 
wendig finden und die durch den Verstand aufgehoben 
werden sollen. Br bemerkt dagegen —> was Reo. jedoch 
nur znmTheU f&r wahr hält — daft diese Widersprüche 
nur Gkshuld der Metaphysiker sejen, weiche durch die 
Art, wie sie die Erfahrungsgegenstände denkend auf- 
fassen, erst Widersprüche hineiribrini^en; denu an sich 
können keine in den Gegenständen selbst, wie sie wahr- 
genommen werden, liegen. Mag es sejn, dafs nament- 
lich bei Herbart viele jener Widersprüche nur kfinstlich 
erzengt sind: könnte nicht die Erfahrongserkenatoift 
Termöge ihrer subjektiTon Beschränktheit tob der Art 
eeyn, dafs sie nothwendig auf Widersprüche führte? 
und hat nicht Kant schon in seinen Antinomien der Ver- 
nunft diese Ansicht ausgeführt? — Doch eben die Kan- 
tische Ansicht von der beschränkten Gültigkeit der Er- 
fahrung, nämlich von dem Unterschied der B r nclie i *' 
nnngswelt und der des Bejn an sich wird hier noch am 
ausAhrllchsten von dem Verf. bestritten, indem er da* 
gegen seine Grundansicht, dafs wir in der Wahrneh- 
mnng Erkenntnifs des 8eyns an sich haben, dafs also die 
Dinge so an sich sind, wie wir sie sinnlich wahrnehmen, 
mit aller Anstrengung geltend zu machen snchtt Reo» 



|;laiiMmfr olclil, diife Ate WakAek de» Sjtmm dei 
ittosoeniieDlaleii IdeälisniM auf der Be^rilndiingsweise 

Kants beruhe, und hält dieses System an sich für un- 
umstöfsHch, allein auch gegen Kant ist er durch den 
Verf. in den Hauptgründen nicht überzeugt worden. Je- 
doch die bedeutende Stellung, wekhe der Verf. ato 
Gegner Kants öberhaopt ektgenomnien hat, tat aclioii 
laitgat faiolfiiiglich gewürdigt worden und bedarf ala« 
Mer keiner w^teren Beurtheilung. 

Ein „viertes liehrstück'' handelt eodlioh noob 
ipTOQ der Religion vnd dem Hdchstaa« daa in 
derselben erreicht werden kanm** Er aprichl 
dafür im Ifilen Abschn. „Ueber die wesentlichen 
Bestandtheile und wichtigsten Unterschiede 
der Religion," im 2ten Abschn. „Lieber das Ver- 
hältnifs der Religion zur Metaphysik,*" und im 
Stau Absch. Ton der „Lösung der in der phil««* 
«ophiachen Religio nalehre vorkommenden 
Anfgabem'' So reichhaltig und intereasaot auch diese- 
Darstellungen aus der Religionsphilosophie sind, so viel 
Stoff zu Bemerkungen sie auch darbieten, so nöthigt 
uns doch der Raum , darüber schneller hinwegzueilen. 
Ree. kann in der Gruodlj^e der ganzen Darstellung nicht 
mit dem Verf. harmoniren, denn er hält überhaupt eine 
befriedigende Anfttellnng religl^ieer Wahrheit ftr im-* 
möglich, wenn aie nicht auf die Orundanatcht des tranS' 
cendentalen Idealismus von dem Unterschied zwischen 
Natur und Idee und somit von der Erhebung des Glau- 
bens über das Wissen gegründet ist, und gerade diese 
Ansicht ist hier ausdrücklich verworfen. Der Verf. geht 
von d^m Standpunkt der auf Erfahrung fufsenden Re- 
flexion anSi und erhebt sich von da mit Mähe am dnem 
dflrftigen Verstandes -Theismus. Das Hanptverdlenst- 
dieser Ansicht ist wohl das polemische , indem sie sich 
am Entschiedensten den pantheistischen Theorien ent- 
gegensetzt, welche das innerste Wesen der Religions- 
philosophie zu zerstören, drohen. Seine eigene religiona- 



Digitized by Google 



philosophiflclie Aosicht, OMBentlich fiber das D>tyi 
Gottes, neDüters Aothropo-Theologie, womituft- 
gedeutet werdeo soll, dafb das Daseyn eines flberwell» 
liehen , heiligen Gottes durah den Begriff der Cam^ 

Htät Dicht aus dem Daseyn körperlicher Urstoffe — 
denn diese könnten auch als von Ewigkeit her in Wech- 
selwirkung existireod gedacht werden sondera aileio 

uus der hiheren , montUfchen Natur des Menschen e^ 
sohloesen werden könne, denn ihre Bntstehuog selai 
«in Wesen g«nz anderer Art als. die Kdrperwelt ▼oiiiis; 
eben so können auch die Eigenschaften Gottes ohne Än- 
thropomorphismus , nur aus der sittlichen Natur des 
Menschen abgeleitet werden. Gott nämlich, als Ur- 
heber der sittlichen Fähigkeiten , , mufs diese Fäbif- 
keiten selbst im höchsten Grade besiteen und TonsUiS 
sittlichen Fehlern frei seyn. — Ob sich auf dieM 
Wege wirklich ein Wissen von Gottes Daseyo lod 
Eigenschaften gewinnen lasse, wie der Verf. darzuthun 
sucht, bezweifelt Ree, dem alle religiöse Ueberzeu- 
gung auf dem Glauben , als idealer, über dem Wissen er- 
habener Ueberzeugnng beruhen zu müssen scheint. Dock 
die weitere Erörterung dieses Streitpunkte würde wm 
hier noch zu lange aufhalten. 

Ree. glaubt sich eben so wenig wegen der Aus- 
fHbrlichkeit dieser Anzeige, als wegen der häufigen Ein* 
reden gegen den ehrwürdigen Verf. entschuldigen si 
müssen. Beides war eine Folge der Bedeutung und des 
reichen Gehaltes dieses Werks und der Selbstständigkeit 
der darin enthaltenen Ansichten , die der Verf. von jehec 
behauptet hat 

IL SchmiA 



y j^co cy Googl 



ApiM».«:.iai4 ^«ifcf - Get eAicAte der Länder Cleve, Mark, Jülich , 
Jhrg ifad BavauiUrg. Von Karl dem Grofsen bis auf ihre Ver- 
^W^S nit .du Preufsischen Monarchie fron 768 — 1815.) von 
J. F. Knapp. Erster Theil. Vom Jahre 768 bis 13fi8, de» 
entferntesten Endpunkt für Cleve. Elberfeld, 1831. Bei Karl Jo- 
seph Kecker. Mit dem Motto: iVtefsiicÄ seyn, die Mittelclassc un- 
terrichten, vor AUtm und bei Alle» die JMe für König und Vater- 

fh»- rwW^ni» Buch seUiefet sich an d««elbea 
Verfs. „Geschichte dei^ Deutschen am BRederthein und 

in Westphalen von der ersten geschichtlichen KcMtaiAl 
bis auf Karl den Grofsen" an, welche 1830. gleichfall« 
in Eiherfeld erschieoen ist. Die beiden BQcher zusammen 
sollen, wenn das zweite vollendet seyn wird, eine Ge- 
aehichte m Ctete^ Mark, Jülich^ Berg und Ravens^ 
bel*^ von den fHiheslen Zdten Ms anf ihre Ver^nigvnf 
mit der preufsischen Monarchie bilden, üobar Zweck 
und Tendenz derselben hat sich der Hr. Verf. in der 
Vorrede zu der Geschichte der Deutschen am Nieder- 
rhcin ausgesprochen , auf weiche er sich in dem anzu- 
zeigenden Werke besieht, weil das dort Gesagfte auch 
Ar dieses mit gelten soll. Danach will der Hr. Verf. 
aber nicht gelehrte Untersttchungen für Gelehrte liefern, 
sondern deren Resultate in einer klaren nnd allgemein 
verständlichen Sprache für diejenigen darstellen, denen 
der Zugang zu den Urquellen der Geschichte selbst ver- 
schlossen ist, um ihnen dadurch ein zusammenhängendes 
Bild von dem frfiheren Schicksale ihrer Heimathländer 
tu geben. 

Um aber ein solches zusammenhängendes Bild 
zu geben, ist der Hr. Verf. dabei so Ztt Werke gegangen, 
' dafs er in den Zeiten, wo uns die specielle Geschichte 
jener Gegenden unbekannt ist, statt ihrer die Geschichte 
Teutschlands -im Allgemeinen erzählt , um damit die 
Llldken einigennaben aosznfUlen, da diese allgemeine 
Geschichte natttrlich auch die specielle Geschichte jenef 
Länder in sich begreift Nachdem er daher in dem 
früheren Werke eine weitläufige Darstellung der Kriege 
zwischen den Römern und den Völkern am Niederrbeio 



nod eine kürzer gefirf^e Geschiebte ihr PimiImb Ib 
auf Karl des Gföften fgeütfeti häi^ «aa anaattuMi ab 

die Mhesie Geacbichte der bexelcbaeten L&oder ate 

sehen ist , so geht er hier nun auf ihre ferneren Schick- 
wie seit Karl dem Grofsen über. 

Zuerst kommt er auf die Kriege Karls gegen die 
Sachsen, die, weil sie grofsentheils in jenen Gegenden 
^fdat waaigalena in deren Nachbarschaft gefuhrt wurden, 
mi ^Ikerer Aasfttbriiobkdit b^andell bumL VorsGg^ 
lieh hat der Hr» ¥erf« sich dabei bemüht, die Lage der 
in jenen Kriegen vorkommenden Orte zu bestimmen; 
wobei er am meisten durch die treulichen Untersuchuo- 
geo Ledeburgs in seinen „kritischen Beleuchtungen eini* 
ger Punkte in den Feldzügen Karls des Grofsen gegea 
die Saohsea and SUvea (Bartin, 1819.)" aatersÜM 
Wurda» 

Mi« dem Ende dieser Kriege Karls tratea die Ge» 

genden des Niederrheins wieder in das Dunkel zurück, 
und nur wenige einzelne (gröfstentheils noch dazu sehr 
MBsichere) Bruchstücke aus ihrer Geschichte in dsa foi* 
geaden Zeiien sind uns durch suföliige Erwähnung bd 
aUgemeioeren firdguissen aufbewahrt warden. SistMlt 
dem Ilten, ja eigeotlich sogar erst seit dam Aafiuft 
des 12ten Jahrhunderts beginnt eine bestimmtere, zu- 
sammenhängendere Geschichte jener Länder. So ist also 
eine Lücke von wenigstens 2 Jahrhunderten in ansefer 
ILsnatnifs ?an ihren Schicksalen. Um sie nun wenig"- 
stens einigermaßen auszufüllen , hat der Hr, Ver& hkr 
aiageflaehtaa : 1) eioeo kuraen AhriA der allgeaeiaei 
GeMhiohte Tentsohlaads unter den Regenten aus im 
karolingischen uotl aus dem sächsischen Hause; 2) eine 
Uebersicht der inneren Verhältnisse Teutschlands unter 
der Herrscliaft der Ersteren, welche sich auf alle Theile 
des Volks- Und Staatslabeas erstreckt; 8} eine Ueber- 
aioht der Toraftglichsten Verihidei^aBgeB » die sieh ii 
alten jenen Verhältnissen nnter dar R^erung der sioli^ 
aiaahan Kaiser zutrugen. 

An dieser Einrichtung schont uns aber Hr.^Koapp 



Digitized by Googk: 



«M-.MUfeihiiB Jln ImIml flp kiiti Wer MMrMdi 
dboh.^aMif dannrf «d, äm, toatooh^s Gesohkbte oder 
9»ch iittr eio Bruchstück aus einer teutschen Geschichte 
SU liefern , soudern nar , den Zusammenhaog zwischen 
den früheren und späteren Theilen der von dem Hrn. 
Verf. behandelten Specialgeschichte herzoi4eUen. Diesen 
Zweck hätte ^ des Ref. MeiDBOg nach, der Hr. Ver£ 
feste im Auge behalten soUen. . Ihm dnrchans fremd ^ 
waren alle einzelnen Begebenheiten, dlie weder das Nie- 
derrheinland unmittelbar berührten, noch eine dauernde 
Wirkung auf die Gestalt Teutschlands im Allgemeinen 
übten. Ihre Erzählung konnte daher, ohne für die Lö- 
sung der Aufgabe des Hrn. Verfs. irgend einen Vortheil 
n bringen, nur das .in den Hintergrund drängen und 
WMiger bemerklich machen, auf dessen^ Hervorhebung 
und Verdeutlichung es hier eigentlich ankam. Es gaÜ 
hier nämlich doch offenbar nur, die bleibenden Verän- 
derungen in den äufseren, vorzüglich aber in den inneren 
Verhältnissen Teutschlands darzusteiien, die der Leser 
Iceunen mufste, um sich ein. Bild von dem yerSnderten 
Snstande machen zu kdnnen, in welchem er das Nieder^ 
iheinland wiederfindet , nachdem er es 2 Jahrhunderte 
aus den Augen verloren , damit er nicht Verhältnisse der 
karoliugischen Zeit, von deren Abänderung die specielle 
Geschichte dieser Länder schweigt, noch im 12ten Jahr- 
hundert als fortbestehend annimmt. Hätte daher der 
Hr. Vex& 4lie Brzäblung aller einzefaen Begebenheiten , 
^ nohi das Ntederrhehdand selbst trafen , dite Sehii- 
^eiUDg aller änfteMtt und inneren Veiliältnisse des VoUmh' 
und Staatslebens in Teutschland überhaupt, auf deren 
Veränderung er in der Geschichte seiner Länder nicht 
"wieder zurückkommt, weggelassen, dagegen in mög-*- 
lichster Kurze die Verandernngen hervorgehoben und 
^esehichHieh dargestellt^ dercu KenntmUi wirklich un^ 
lutigänglioh netfiwendlg war, damit smne L^r eida 
eine deutliche Verstellung von dem Zustande des Nie-> 
derrheinlandes in der Zeit, wo der Hr. Verf. seine Ge- 
sohiehte wieder aufnimmt, machea und die fk4gende 



Uigiiized by Google 



Geschickte dctMdben verstehen kdsateD, «-^ no wf^ Ltim m 
dem Zwedce sdnes Boches offenbsr Hei fenitor. 
hancleh nod einen sichern Leltfoden für die Art tseiiieff 

Darsteliua^ erhalten habeo. 

Bei dem Wege dagegen den er ^wirklich etng0* 
schlagen, hat er sich in eine sehr tible Lage yersetzt: 
Eine allgemeine teutsche Geschichte jener Zeiten will 
er nicht schreiben, daher darf er nicht Alles ohne Aus* 
nähme darstellen, was eine solche umfafst, — auf das, 
was Niederrheiuland wirklich betrifft und was darch^ 
seine Wiricungen sich in dessen späterer Geschichte noch 
zeigt, will er sich nicht beschrSnIcen , — : daher Ist die 
Entscheidung darüber, was aufgenommen , was übergan- 
gen werden soll, fast gänzlich der Willkühr anbei m ge- 
stellt. Wir sehen deswegen auch ohne festes Kriterium 
Manches aus der allgemeinen teutschen Geschichte jener 
Zeit weitläufig erzählt. Manches ganz kurz berührt. Man- 
dies gänzlich übergangen, weil das Eine dem eigeodi* 
ehen Stoffe näher zu liegen, das Andere ihm ferner zu 
stehen schien, wobei natürlich viele Inconsequenzen nicht 
ausbleiben konnten. Es fehlt daher diesem Theile .des 
Buches an Einheit, an einem festen Gesichtspunkte, — 
^s ist keine teutsche, es ist keine niederrheinischa Ge« 
gchichte. 

Dazu hat eine solche Anorduungsweise überhaupt 
noch dasUeble, dafs durch deo geringeren Werth dieser* 
Eittleitnngea und AiisfilUaogeQ. ans der allgeneinen Ct^- 
schichte oft der Werth des eigentlicheo Werkes ge« 

schmälert wird. Es kann nämlicht nicht jeder Geschicht- 
schreiber eines teutschen Landes zugleich auch immer 
' die ganze teutsche Geschichte gründlich durchforschen, 
um solche Zuthaten aus ihr zu. entleh nen. Er wird also 
nicht ans den Quellen, sondern ans Hulfsmittelp seh«^£eo,. 
in denen die .Geschichte gewöhnlich schon nidil äteht 
ganz lauter ist, nnd wird leicht dorch usweckmäTsige 
Benutzung dieser Quellen noch mehr Umrichtigkeiten 

hinein briogen« So kann es leicht kommen., dals zu 



0 



Digitized by Google 



MM 



ikriM^ ^^üskl giftMÜtellcil und ''wahren Dirsleltiraijg^ diM 
«l||«illitalien Gei^enstandes ein höchst oberflächlicher an- 
grflodlicher Anhang- hinzukommt, wodurch die Leser 
leicht verleitet werden, eio unverdientes, ungünstiges 
Urtheil zu fälleo. Dieser Gefahr hat «cb aber auch , daa 
liflM; aich nicht yerkenlieii, Hr. Knapp aMgoattst, ioiiai» 
er Kwei'Daralelliiiigen ymi aa ▼evwbiedeBein Wetthe adl 
dilll^Mier ▼erbaad. Deao wihmd hi der Danlelliing seioea 

- eigentlichen Gegenstandes Alles den seines Stoffes mäch- 
tigen Forscher , die Umsicht desselben , seine Sicher- 
heit, seine Genauigkeit zeigt , erkennt man in jenen 
Stücken, die aus der allgemeinen teutschen Geschichta 
mtlehfit siod, an der fiiaaeitigkeit, der. Leeilieit, der 
UnzuYerlSssigkeit leieht'dßa GeachielUachreiber, der auf 
Anderer Schaltern rnht Daher giebt, was zuerst die 
äufsere Geschichte der karolingischen und der sächsi" 
sehen Kaiser betrifft, diese weder im Allgemeinen ein 
richtiges Bild von den Ereignissen jener Zeit , noch iat 
ne im Einzelnen zuverlässig und fehlerfrei. Um Jenen 
m erkennen , mufs man diesen Th^H des Baches aelbal 
leaen, da es sich seiner Natnr nach durch Beispiele nicht 
nachweisen läfst, — um Diefs zu zeigen, heben wir 
Ton den vielen Unrichtigkeiten, die uns bei dem Lesen 
des Buches aufgestofsen sind, nur wenige heraus , die 
uns jetzt gerade wieder in die Augen fallen. 

8.8L heilst es von Karl dem Dicken: ^Zu allem 
GHhdce erlebte dieser Fürst seine Erniedrigung** (nSm* 
licii sdine Absetzung) „nur ein Jahr; aHein ein schreck- 

. Hohes, langes Jahr mufs es fiir einen Nachfolger Karls 
des Grofsen gewesen seyn u. s. w.*' Allerdings wurde 
Karl der Dicke 887. abgesetzt und starb 888, aber ein 
langes Jahr war es nicht, das er nach seider Absetzung 
noch verlebte; denn erst nach Martinstag, also nach dem 
Uten November 88T. wurde er abgesetzt (Reginonii 
chron. ad ann. 88T), und den 12ten Januar (Reginonii 
chron. ad ann. 888.) oder den 13ten Januar (Annalium 
Fuldensium Pars quinta a<l ann 887.) 888. starb er. 
Dar Hr. Ver£ aber, der In seinen HdlfsmiUeln wahr* 



uiyiii^uü Ly Google 



Kayp,' a «M J wii li » VII ftei», Mark, 

MieiiitMli M dift JriiniAi Ar IfeMe GteigviMt ImhI^ 
IMi «dl dadimh tlnichett «od in «iiM fflnilmm 
Declamation verfabren. 

S. 151. Konrad I. war keineeweij'S der Sohn ,, jenes 
Mflg^lücklichea , durck dea Verrath des Bischofs voa ikun- 
' h^\' (mü heifienr des Etzbischofs von Maiw) „er* 
iohlageBcti Grafen Ton Bibeabeigi'' Sein Vatei* «hir viel^ 
mhr mt Haaptgegner jenaa Adalbert ¥oa Babenbarg^ 
derselbe Konrad nämlich , M'elcher im Kampfe gegen 
Adalbert fiel. (Reginonis chrouicon ad ann. 905. — 
Ejusdem continaator ad ann. 911. — Widukind Aoaal« 
L L in Meibomii fioc hiat Gotiil T. L p» 

& IM. Daa Vetfabren Koan|da gegen die acbiai^ 
bischen Kammerboten, dafs er ihr Urtheil von dea FOr* 
fiten sprechen liefs, war gar nichts Besonderes, wie der 
Hr. Verf. es darstellt, sondern Her ganz gewöhnliche ond 
rechtlich ooth wendige Weg, da der König aliein eioen 
Firüeii gar aicht irermtbeiien und alrafea konote. 

^ S: 1S6. „Hetarich erhielt nach der in jener Zeit 

fiblichen Weise den Beinamen Auceps." Die Zeitgenossen 
gaben ihm keineswegs diesen Namen, sondern man legte 
ihm denselben erst in viel späteren Zeiten bei. 

S. 100. Von einem Siege Helnricbs fiber die Un^ 
garn bei Meiaeborg im Jabre 924. meiden gute Quellen 

nichts. 

S. 16^. In der grofsen Ungarnschlacht bei Merse- 
liurg, 933, konnte kein Herzog Konrad von Franken 
zugegen jsejn. 

& litt^ Bei Ollo'a Krönung wird von Giselbert ge- 
sagt: onrnia procurabai (Widukind Annal. 1. U. ap. 
Meiboom 1. I. p. 642.) , d.h. er sorgte , weil Aachen in 
seinem Herzogthume lag, für die Hofhaltung des Kaisers 
Überhaupt, nicht „für die Geg^netände des Mahiaa* 
wie Hr. Knapp falschlich hat. 

8. ItO. Nicht den Hersag Hermann Biilung schickte 

Otto den Herzogen Giselbert und Eberhard bei Ander« 
nach antgcgeu, sondern Herzog Hermann von Schwabaai 



üigitized by Google 



•dar oüqIi lialprmd hist. 1. 1¥. lA «od Bag^aatM 
g o i iiiwnt i ir wi «dil 9ft4. ftlwtrhälyt kwMn Henmuui« 
iondero Udo, HeraMmns yon Schwiiliai Bivdev «ad Koo^ 

rad den Weisen, den späteren Herzog von Loihriogeo, 

* SL 1T8. „IMe Usurpation des Markgrafen iNftiilTmi 
B^engStt' IL, der nach wid naek MoHhe gttnt lUß 
Ken (9h J) mit dem Stunse Hug-o's, dea recliMiftiges 

^Königs bemächtiget hatte, gab Veranlassung dazu,'* (zu 
der Erwerbung der Kaiserkrone) „indem nach dem Tode 
Hugo 6 sein Sohn Lothar den König Otto I. um Beistaod 
angefleht hatte. Avch er starb darüber und Berengar | 
nun alletaif er Besitier aaob dea dem VerUichaiMni biabe* 
aad» aagortaftdaaea B«alaa daa^ReicIis, gadaobta «•a.w»" 
Hi«rnädh mub Jeder glauben, Berengar habe einen 
Theii Italiens nach dem anderen der Herrschaft Lothars 
völlig entzogen und sich zum unabhängigen Herrn davon 
gemacht. Aber dies geschah keineswegs. Lothar blieb 
vielmehr dem Namen - nach immer König des ganzen 
lombardlachen Reicheai und Berengar yeraohaffte aich 
mr immer mehr Einflnb auf ihn und seine Regierung ^- 
80 dafs zuletzt Berengar die ganze Regierung in den 
Händen hatte und Lothar nur noch den Namen des Kö- 
ni^s trug. Von einer Bitte Lothars um Hülfe von Otto 
wissen die Quellen auch nichts ^ wohl aber erzählt Liut- 
praod hist 1. VL c. 1. von einer Verwendung des kon- 
stantinopolitanischen Kaisera für Lothar bei Berengar. 

Ueber die Zuverlässigkeit der Erzählungen von dem 
Verlangen Berengars, Adelheid solle sich mit seinem 
Sohne Adalbert vermählen , von den Mirshandluageo 
^delHcid's dlurcb Bere^gar'a Gemahlin Wiilay von ^ei 
Belagerung Can088a*s durch Berengar während Adelheid^ 
Anwesenheit daselbst, endlich von der Botschaft Adel- 
heid's an Otto, um Hülfe von ihm zu erhalten, die uns 
von dem Hrn. Verf. alle jn nuce S. 178. mitgetheilt wer- 
den^ hat Ref. schon bei einer anderen Gelegenheit in 
diesen Blättern seine Meinung ausgesprochen. 

& im Nicht „beiaidigeade Kält^^ a|it Wf^lchw 



Kaftyp, ÜMditclite ywä Cleve« Kefk, 

äch Konnid toii OUo behaoddt nh,!* 
lassung^ SU sefner Emp^roiig, eiondeni, vtie das Widukind 
Annal. I. III. ap. Meiboom 1. 1. p. 652. und Reginonis 
continuator ad ann. 952. ganz gut auseinandersetzen , die 
d«nitithigende Behandlung Berengars von Seiten Ottos, 
wodarch sich Konrad, der ihn zur Unterwerfaog btewo- 
gen hatte, oatOrtich gekränkt ffthlen muiste. 

S. 182. Liutolf wurde mit dem'Könige keineswegs 
zu derselben Zeit, wie Konrad und Friedrich ausge- 
söhnt, sondern ging viehnehr aus der Versammlung za 
Cinoa, wo diefs Statt fand, anversMiDt hinweg uod un- 
terwarf sich erst, nachdem er noch eine Weile den Krieg 
allein fortgesetzt hatte. Auch wurde dieser Streit niebl 
zu Regensburg, sondern zu Arnstadt gänzlich bei- 
gelegt. (Annal. Augienses ad ann. 954. Reginonis con- 
tinuator ad aon. 954. Ruotger in vita Brunonis c. XXX»)i 

Doch es reicht diefs gewifs hin , die UnauTerlfissig- 

keit dieser Darstellung der äufsern Geschichte Teutsch- 
lands zu beweisen. So wenig als sie können wir nun 
aber auch, wie wir oben schon beiläufig erwähnten, die 
Art billigen, wie der Hr. Verf. die Veränderungen dar- 
gestellt hat, die während jener Zeit sich mit den inneni 
VerhSltnissen des Niederrheinlandes zutrugen. Denn ob- 
gleich er zwei grolle Abschnitte seines Buches über- 
schrieben hat: „Innerer Zustand von Niederrheinlaud 
und Westphalen von Karl dein Grofsen bis zum Aus- 
gange der Karolinger,*' S. 90 — 146, und „Innerer Zu- 
stand von Niederrheinland und Westphalen in der Pe- 
riode der sichsischen Kaiser von & 208— 220,*^ — so 
haben wir doch darin fast niiAfs bemerkt, was sich 
ausschiiefslich auf jene Länder bezöge, oder auch nur 
mehr auf sie, als auf alle übrigen Theile Teutschlanda 

Bs handeln nämlich diese beiden Gapitel von fol- 
genden GegenstSnden : das erste 1) von der Gesetzge- 
bung Karls des Grofsen und zwar sowohl von den bür- 
gerlichen und peinlichen Gesetzen , nebst dem gericht- 
lichen Verfahren , als von dem Staatsrechte ; 2) von dem 



y .i^co L.y Google 



Krlegsweaui ; ^ 9} von dem Kirchentharoe; 4) von dem 
iUupUohw ud f esdlfigvB Leb^u, Sitten iHid Gebräur 
du^; &); rm Ackedbaa ; IQ) von den KOnsten. md Hmfk* 
irarken ; 7) vom Handel und Wandel ; 8) von den 8tädiei| 

und Bürgern; 9) von der Bildung und den Bildungsan- 
sfalten ; 10) von der teutschen Sprache. Eben so grofs 
ist der Kreis , den das zweite umfafst," wo ziemlich die- 
selben Gegenstände wieder behandelt and die Verände- 
rangen darin während der Regierang der sachsischen 
Kaiser gezeigt werden. 

Diese Darstellung theilt aher die Mängel der pdli<* 
tiieben Geaoliichte jener Seilen, die wir oben ange« \ 
dMHet haben : dni^ ihre AllgemeiBhaH verfSriiU #ia 

ihr Ziel, indem das wirklich Einflufsreiche fUr die-Nlei» 
derrheinländer durch das fQr sie Bedeutungslose zurück-* 
gedrängt und dem Leser aus den Augen gerückt wird. 
Auch hier fehlt es an gewissen Kriterien über das Auf* 
sanehmende und das Wegzulassende, und auch hier er- 
acheint daher die Wahl des Stoffes oft hdchst Inconse*' 
qnent Endlich sieht man aach an diesem Theile de^ 
Buches, dafs er nicht auf gleich gründlicher Forschung, 
wie die zweite Hälfte desselben beruht ; auch diese bei- 
den Darstellungen geben weder ein richtiges Bild von 
dem za schildernden Zustande Teutschlands im Allge- 
meinen , noch sind sie im Einzelnen zuverlässig, Leider 
jg;ebricht es uns an Raum, um Beispiele dirfllr anzu- 
führen. Wir unterlassen diefs aber um so eher, als wir 
dadurch nun sogleich zu dem zweiten , sehr lobeoswer- 
then Theile des Buch^ gelangen. , 

' Etwa in der Mitte dieses Bandes kommt nimlidl 
der Hr. Verf. endlich auf den eigentlichen Gegenstand 
seines Werkes, die Geschichte der angefahrten, ein- * 
zelnen Länder selbst. Hier springt . nun sogleich der 
Unterschied der Behandlnngsweiae in die Augen. 4o 
dem sichern Aaftreten des Verb., an der swednnibigfp 
Anordnung der Erzählung, an der Zuyerläsrigkdt der 
einzelnen ^ngA^cii erkennt m^n sogleich den selbststan;; 



u .1^ -o Google 



digen, gründtiohen Forf^cher , den seines Stoffes völlig 
Mächtigeii Kenner. Wir k#nnen hier der CMlndUobMl 
md dem FJeffse dee Veff«., bei einem im CNitanen lAmt^ 

lieh undaukbaren Stoffe, unsere Anerl(ennuog nicht ver- 
sagen. 

Es enthiU dieser Band die Geschichte der erwälintai 
Landschaften von der ersten ErwShnuog deraethen ab 
selbstständiger Länder bis etwa in die Mitte des 14toi 
Jahrhunderts. ZweckmäTsiger Weise, hat der Hr. Verl 
übrigens als Endpunkt nicht für die Geschichte aller 
Länder genan dieseibe Zeit gewählt, sondern sie bei 
jedem bis zu einem Ekeignifs geltthrl, wekshes dnvsh 
•eine Wiehtigkeil yeeigiiet war, solche Orensem 
UMen, weswegen ^ Oreosen der eiuMineD Genehidihi 
mehrere Jahre auseinander faiien. 

Nach einer Einleitung fiber die älteste ungewiflSe 
Oeschichte der einzelnen Landschaften nnd über den 
Znsammenhang ihrer Schicksale unter einander, wendet 

sich der Hr. Verf. zunächst zur Geschichte von Cleve, 
die er von den dunkeln und zweifelhaften Anfangen (742) 
bis zu dem Aussterben des gräflichen Clevischen Hauses 
mit Johann II. und der Vereinigung Cleve's mit Mark 
(1368.) verfolgt. Hierauf kommt die Geschichte der 
Graiiichaft Mark von 1126 bis 1806, bis zjbl dem Tode 
Graf Eberhard's H. Nun folgt die Geschichte JOlichli 
▼on 912 bis zu dem Jahre 1328, dem Todcv^jahre Graf 
Gerhards V., des letzten Grafen von Jülich. Den Be- 
schluß macht die Geschichte von Berg von IIQO hiß 
1295,. bis m dem Tode Graf Adolphs VU. 

Die Ereignisse, welche, wie diefs bei der nahen 
Verbindnng dieser Landschaften mit einander oft der 
Fall ist, mehrere von ihnen zugleich betreflfen, sind auf 
dne zweckmäfsige Weise der Geschichte ngetheilt, 
wo sie In ihren Ursachen nnd Wirkungen am deuttieii» 
iCea hervortreten, nnd bei den anderen Ctesehlcfaten irt 
dann nur kurz auf jene ausf&hrliehere Darstellung 
wiesen, so dafs der Zusammenhang zwischen den ver^ 



sohiedenen Ländern leicht erkannt wird. Wir glauben 
als», dafe dieeer Haopttheil des Buohee den Zweck 
evfuUen- wird , för den der Hr. Verf. sein Werk bestimmiei 
den gebildeten Bewohnern des Niederrheinlandes aus 
allen Ständen nämlich eine klare Vorstellung von den 
frühereq Schicksalen ihrer Heimath zu geben. 

Gerade bei dieser Bestimmiing des Baches flir Nicht* 

gelehrte aber bedauern wir es recht sehr, dafs der Verf. 
so wenig Sorgfalt auf seine Sprache gewendet hat Denn 
die Erfüllung dieser Forderung ist bei einem solchen 
Werke viel wichtiger, als bei Untersuchungen, die für 
Gelehrte besttmint sind. Im Allgemeinen ist nimKeli 
«He Sprache des Hro, Verfr. gana iobeaswerth, klar, 
ndiig umd fließend entspricht sie gana den Fordera»« 
gen , die man aii eine historische Darstellung machen 
darf. Aber im Einzelnen bietet sie aufserordentlich viel 
Unrichtiges dar, mehr fast als wir, soviel wir uns erin-^ 
nern , in der letzten Zeit in einem historischen Werke 

Sefandeo haben. Wir können hier natürlich nur wenige 
leispiele anfilhren. 

Mitunter besteht das Unrichtige nur in einer dun» 
kein, onrerständlichen Stellung der znsamaiengehör enden 
Sätae, z.B. S. 105: ff Die Knechte .wurden Indessen 
aieht aum Aekerba« eder der Viehzucht allein Terwen- 

det, sondern auch als Handwerker oder Künstler be- 
nutzt. Sie waren diefs allein , da die Frauen sich nicht 
damit abgaben, welchen die nöthigen Hausgeräthe und 
Kleidungsstücke zu verfertigen oblag." Aus ähnlicher 
Nachlissigkeit aind wohl aneh die ganz ungehöngeir 
Woit¥etbia4iiPgcii enMuodeut die aicb hftai^ TotAn« 
den, K. B. & 161: 9, Der grofse Filrst entsprach den 
höchsten Erwartungen, die man sich von seiner Ein- 
sicht versprechen konnte." Ebenso der höchst lächer- 
liche Satz S. 457: „In diesem Augenblicke sprengte 
Friedrich von Isenburg heran , eiuige seiner Gesellen- 
folgten ihm und ihnen zurufeud, sie sollten den stol* 
zeo Hund niederhauen, schwang er seia gewaltiges 



Digitized by Google 



1008 Knapp, Geschichte von Cleve, Mark, Jülich, Berg o. s. w. 



Schwerdt. Der Erzbischof rang mit der Kraft eines 
Verzweifelten , um sich der nur allzugut gehor- 
chenden Mörderanfälle und Hiebe zu 
erwehren. 

Aber auch grammatisch falsche Verbindungen kom- 
men vor, z.B. S. 95: „sie begründeten sich auf die 
Idee u. s. f.," S. 178: „der sich beinahe ganz Italien 
bemächtigt hatte." S. 235: „Jülich begränzt sich 
nördlich an das Erzstift Köln." 

Selbst grammatisch falsche Formen finden sich vor, 
z.B. S. 99 : „alle hohe und niedere Grofsen," S. 95. 
zweimal: „eine Würfel." 

Endlich sind viele nicht hochteutsche Wörter ge- 
braucht worden, wie S. 114: „um die Lebsucht zu 
bestreiten," S. 165: „Porkirche" — auch unedle Aus- 
drücke, wie S. 175: „um den Lothringern zu Leibe zu 
gehn," S. 176: „sandte ihnen den Herzog auf den 
Hals" und dergl. 

Auch Druckfehler, namentlich in ausländischen 
Wörtern , sind sehr häufig ; darunter der sonderbare: 
„ Ethimologie S. 170, der auch in dem früheren Buche 
desselben Hrn. Verfs. so oft sich findet, als das Wort 
vorkommt. 

Wir würden diese Nebensachen alle nicht erwähnt 
haben, wenn wir sie nicht, wie gesagt, namentlich in 
einem Buche für Nichtgelehrte, ziemlich hoch anschlü- 
gen, und wenn wir nicht wünschten, dafs in dem fol- 
genden Theile, der gewifs der letzten Hälfte des vor- 
liegenden Bandes an Brauchbarkeit nicht nachstehen 
wird j auch diese kleinen Flecken verschwinden möchten. 

Mittler, 



4 ■ *' 



«4. HEIDELB. JAHRR n. UTERATUR 18Sa. 



Flora von Stuttgart , oder Beschreibung der in der Umgegend 
von Stuttgart wildwachsenden sichtbar blühenden Gewächse NeM 
einem Anhange über die in der Stuttgarter Umgegend im Grufsem 
angebauten ökonomischen Gewächse, von Eduard Schmidlin* 
Stuttgart, Druxsk und Verlag der J. B. Metzler^schen liuehhandlungm 
1832. gr, 12. 

Die Verbreitung botanischer Kenntnisse ist in 
Deutschland sehr (hirch die zahlreichen Floren einzelner 
Dislricle uad der Unag^ebuogen der g^röfseren Städte, 
somal jener, welche UniTersitälen beeiteen, befördert 
worden , und so ist es denn ein gsns sweckmäTsiges Un* 
ternehmen gewesen , eine neue Flora der Hauptstadt 
Wilrtenibergs zu entwerfen. Billig wäre es jedoch ge^ 
Wesen, wenn es dem Hrn. Verf. gefallen hätte, auch 
etwas von seinen Vorgängern zu sagen, deren Schriften 
ihm doch wohl nicht unbekannt geblieben sejn konnten, 
wenn er sie gleich nirgends anfuhrt. Schon 1786; schrieb 
Johann Simon Kerner eine Flora ^Siutigatiiemk , und 
der jüngere Vulpius lieferte bald ein Sj^ileghm sn der- 
selben, so wie denn noch im Jahre 1822. HerrZenneck, 
.Professor in Hohenheim, eine Flora von Stuttgart heraus- 
gab, und ein Ungenannter in der botanischen Zeitung 
eine Ueb ersieht der in der dortigen Gegend wachsenden 
Fäheo lieferte. 

Die Arbeit des Hrn. Schinidlin scheint uns eine 
sehr fleifsige zu sejn und sich auf zahlreiche Excursionen 
in dem Gebiete seiner Flora zu gründen ; es urolajst 
einen Umfang von 2 — 8 Stunden um die Hauptstadt ^ 
am Neckar herab bis nach MOhlhansen und Hofen , von 
da herüber nach Schmieden und Kapellesberg, Rothen« 
berg bis Untertürkheim, Weil, Scharnhausen und Kuith, 
nach Hohenheim, Vaihingen auf den Fildern, Solitude, 
Bothnanger Wald , Weil im Dorfer Walde bis nach Korn- 
thai und Ton dort. Ober die Markung yon Zuffenhausen 
UV« Mirg* 10. H«fi. 64 



mo 



Sphimdliii, Flota tob $ti|ltgart. 



und das sogenanot« Burgholz wieder bis an den Neckar 
herunter. 

Die Pflanzen sind wie gewöhnlich nach dem Linnei- 
schen Systeme geordnet und die Gattungs- Merkmale 
sehr ausführlich angegeben, mit Bezeichnung der oa- 
türlichen Familie nach Sprengel, Jussien und Beichea- 
bach. Die Diagnosen der Arten gehen biswdlen in mehr 
oder weniger ausführliche Beschreibungen über, m 
sind, wie überhaupt die ganze Schrift, in deutscher 
Sprache abgefafst, und auch die deutschen Namen der 
einzelnen Pflanzen genannt, mit genauer Angabe des 
Standortes, zumal der seltneren, der Blüthezeit u.s.w. 
Synonjme sind nur selten undjvrenige genannt, sowie es 
dran jiberhaupt scheint , der Hr. Verf. habe sich oilr 

' vorzugsweise an Mertens und Koch und einige andere 
Autoren gehalten, ohne die monographischen Arbeiten 
für einzelne Gattungen zu benutzen. In Hinsicht der 
Abbildungen, so citirt der Hr. Verf. die Werke vou 
Host, Jacquin, Reichenbach, Sehkuhr, die Flora da- 
ülca n. s.w., jedoch ist dies nicht. überall geschehea, 
so namentlich sind bei den Gattungen PoZ^g-a2a, Lamhmii 
FumuHa u. s. w. die Reichenbachischen Iccnes nicht 
benutzt, die doch geradem hier fast unentbehrlich sind, 
und sich keineswegs durch die älteren ersetzen lassen. 
Dafs eine Pflanze zum Arzneigebrauche diene , ist immer 
angemerkt. — Wenn in einer Linneischen Klasse eio 
grofser Theil einer natfirlichen Familie enthalten ist, w 
hat Hr. S. sehr zweckmafsig und nachahmenswerth eloe 
kurze Charakteristik der Familie beigefiQgt, wie derlü* 
biaten bei der Didynamia, der Leguminosen bei der 
Diadelphia, der Coinpositen bei der St/ngenesiu u s.w., 

' so giebt er an seinem Orte eine solche der UmbeUiferae 
und der Gramineae, aber unrichtig ist es, wenn er von 
der Triandria Digynia behauptet, dafs dort alle wah- 
ren Gräser vereinigt seyen , da auch in andern Abthei- 
lungen des Linneischen Systems (von dem noch eine be- 
sondere Uebersicht gegeben ist) vorkommen. 



y j^co Ly Googl 



Schmidlin, Flora von Stuttgart. 1011 

Zu den seltneren Gewächsen der Stuttgarter Umge- 
g^end durften folgende gehören: Veronica scutellata, 
Scirpus Baeotkryon^ Mibora vema , Poa sudetica 
Haenke! Triticum oanhum Sohreber , GaUutn boreaie, 
Lithaspermum purptttM-eaeruleum, Piufieuma ovafa 
Hoppe, CanqmuUa Cervicaria, Lonioera XiftoBteum, 
Oemmihe peucedanifoäa, Apium graveolens, Laser^ 
pitium pruterucum, Potentilla opaca^ Myagrum per- 
foUatum , Ceniaurea pratensis Thtaller , Btmias Eru^ 
cago , Althuea hirsuta, Biyonia alba! (und dioica)^ 
Cytism nigricans! Satyrium repens! ZmdchßUia* pa-' 

Die Flora von Stuttgart gehört gleich der von Hei- 
delberg und Mannheim in das IVeckargebiet, allein die 
letzteren weichen schon io manchen Punkten wesentlich 
won jener ab; so kommen nameoilich folgende Gewächse 
in der Umgegeod von Heidelberg mehr od^r weniger 
h€i^g vor, die um. Stntlgart ganz fehlen, wie: Fedte 
earmata, Verbascum Biatiaria, Lonieera Caprifa^ 
Imm und L. periclymenum , Omithogalum umheUa' 
tum, Chrysosplenmm oppositifolium, Euphorbia Gerar^ 
diana, Mentha Pulegium^ DigitaUs purpurea, Lepi» 
dksm Jb^ris w. 

Oröbanehe mafor , sagt Hr.S., wächst anf <?emfa 
thictoria und O. cariophyllea auf Klee -Arten, dies 
wären also O. Geniatae tinctoriae und O. TrtfolU pra-^. 
tensis Faucher. . 

« 

Interessant ist der Anhang tod dltonomiselien Ge- 
wächsen und eine dankenswerthe Zugabe, wenn sie gleich 
weder etwas Neues noch Eigenes in phytographischer 
Hinsicht enthält. Wir bemerken indessen Folgendes zur 
Vergieichung der Stuttgarter Gegend mit der hiesigen. 
Pamcum miUaceum baut man dort häufig, um Ueidel* 
berg eebr selten , dort hat man die Avena saUoa me» 
Imosperma-und^ena tri^erma, Gfibeleshafer , den 
der hiesige Landmann nicht kennt Um Stattgart iet 
Hardeum vulgare die gewöhnlichste Gerstenart, um 



Digitized by Google 



1012 



ScbmidUln, Flon tod Stuttgart. 



. Heidelberg Hordeum disthhon , dort baut man den 
Emmer TrHicum dicoccum als Sommergetreide, hier 
kennt man ihn kaum dem Namen nach. Um »Stuttgart 
f?ultivirt man häufiger Nicotima rustica y um Heidelberg 
häufiger N* Tabacum, hier wird Vicia Faha nur sehr 
qparsam cnltivirt, dort , sehr gewöhnlich u*&w. 

Wichtiger sind folgende Momente; um Stuttgart 
kann mao Mandeln uad Pfirsiche nur an einzelnen beson- 
d^ra günstigen uad geschützten. Orten zieh<sii 9^ um Hei- 
delberg sieht man sie häufig in den Weinbergen, «umal 
an der Bergstrafse ; die ächte Kastanie (Castanea vesce) 
gedeiht um Stuttgart nicht gut, um Heideiberg bildet 
sie auf den Bergen, selbst der \ordseite, einen ansehn- 
lichen Baum, der selbst der Eiche an Höhe,. Stärke und 
Schönheil nichts nachgiebt; überhaupt scheint die Ge- 
gend von Stuttgart bedeutend rauher zu seyn, als die 
Landstriche um den Ausflufs des Neckars in den Rhein, 
dies beweiset insbesondere dasDasejn folgender Pflanzen, 
die gerne an kältern Orten wachsen, um Stuttgart vor- 
kommen, dagegen um Heidelberg und Mannheim ganz 
mangeln; namentlich Phyteuma orhiculare , Viola mi- 
rabäia, Ribea alpmum , Convallaria vertieälata , Trol- 
. Iftis europaew, CarUna acauUs u. s. w. Man kann 
nicht ohne Grund behaupten, dals die yergleichende 
Uebersicht der Flor verschiedener Gegenden eine eben so 
sichere Beurtheilung ihres Klima zuläfst, als langjäh- 
rige Barometer- und Thermometer - Beobachtungen. — 

Die Schrift enthält auch noch ein alphabetisches 

Verzeichnifs der wichtigsten Hauptwörter, welche bei 
Beschreibung der Pflanzen gebraucht werden, bei Er- 
klärung derselben folgt der Verf ganz den Herren Mer- 
tens und Koch, $0 dafs darüber jede Anmerkung. Qber- 
flüssig ist, auch wurde ein lateinisches so wio ein deut- 
sches Register der aufgefährten Pflanzen beigegebea. 
Endlich Tcrspricht der Hr. Verf., in kfinftigem Jahre 
schon einen Anhang von einigen Blättern nachzuliefern, 
welche der Flora beigebundeo werden sollen und welche 



u kj .i^co L.y GoOgI( 



Seliniidlia, Ptm Yoa Statigart. 1013 

' ndibig gewordene Bemerkungen Ober Slanddrter u. e. w. 
und etwa fibersehene Arten, welche wShrend dieser Zeil 

aufgefunden werden möchten , enthalten werden. 

Sehr zweckmafsig möchte es ^eyn, wenn es dein 
Herrn Schmidlin gefiele, diesem Nachtrage noch Fol* 
gendes beiznfligen: 

1) Eine kurze historische Notiz, worin die Verdienste 
jener Männer erörtert werden , die sich früher mit der 
Aufsuchung und Bestimmung der Gewächse am Stuttgart 
beschäftigten. 

2) Einen geognostischen Abrife der gedachten Ge* 
gend, mit specieller Angabe der bedeutendsten Höhen 
.und der verschiedenen Gebirgsarten, mit besonderer Rück- 
sicht auf die Gewächse, die auf ihnen vorherrschen. 

3) Nachweisnngen des Verhaltens der Caltnrpflanzen 
in verschiedenen Districten und hanpMchlich über diö 
Grenzen der Cultur auf den Gebirgen. 

5) Genauere Beobachtungen über die dort vorkom- 
menden Bastardgewächse, Monstrositäten und zumal über 
die Varietäten, namentlich Yon Meniha, Po^fgtdm, Ver^ 
bascum U.S. w., die so oft als eigene Arten beschrie- 
ben wurden. 

Da das Gebiet ^der Flora von Stuttgart so nahe an 
jenes von Tübingen grenzt, so glaubt Ref. den Hrn. 
Verf. auf Schfibler's systematisches Verzeichnifs der bei 
Tubingen und in den umliegenden Qegenden vorkom- 
menden Pflanzen aufmerksam machen zu mfissen , da 
sich dort manche hierher gehörige Notizen bereits ge- 
eaaunelt finden. 



uiyiii^uü Ly Google 



»14 



SoeraiM» de Ujrgrttiiieiri». 



^. €» Suerman, matk, et phU. nat. eand. et med, Bimd. in omi- 
dtmto Rheno-Trajectina, Commentatio de d^ßtuetula fuantUaic «9> 

poris aquei in atmosphaera vel aere quocunquc, in eer^amine Ute- 
ratio civium academiarum belgicarum pracmio omata» E0, B, 18S1. 
ms. in gr, 4. Mit ^1 Steindruckta/eln, 

Gelegeoheitsschriften pflegen ia der Re^grel nicht 
beachtet zu werden, und da auch die kritischen Jour- 
nale ihren ffUr den Aufschwung der Literatur in Teutsch- 
land früher so bedeuiendeo Eioflofs grofseniheiJs Terlorea 
faabeD , so bleibt manches gediegene Geistesprodnct uo- 
beachtet, welches ein besseres Schicksal Terdlente, als 
mit der Masse der unreifen literärischen Erzeugnisse un- 
terzugehen. Ref. hält es indefs für seine Pflicht, diesem 
so viel entgegen zu arbeiten, als in seinen geringen Kräf- 
ten steht, und erföllt diese Obliegenheit um so lieber, 
je angenehmer es ihm bereits mehrmals war, daroh ge« 
dlegene Arbeiten jnnger Gelehrten ftberrascht n werden, 
unter andern namentlich solcher, die In der neuesten Zeit 
aus der Schule des wackmn Tan Moll hervorgegangen 
sind. Hierunter gehört auch die vorliegende Schrift, 
eine so vollständige und gründliche Monographie der 
Hygrometer, dafs sie in jeder physikalischen Bibliothek 
einen ehrenvollen Platz einzunehmen verdient« Bekannl- 
lieh hat Ref. den nämlichen Gegenstand so ausführlich 
im neuen Gehler'schen Wörterbuche bearbeitet, dafo dem 
Verf. rficksiehtlich des Materiellen kaum eine spärliche 
Nachlese übrig bleiben konnte, weil dem befolgten Plane 
gemäfs die wichtigeren Artikel in der genannten Ency- 
klopädie als Monographieen behandelt werden. Es ver- 
steht sich daneben von selbst, dafs diese Vorarbeit ram 
Verl. benutzt wurde, allein er hat sie keineswegs uo, 
wie er «e vorfand, wiedergegeben, sondern sich nvor 
des Gegenstandes volükändig bemächtigt, denselben 
genau durchdacht, in eine neue Form gebracht und 
einige, obgleich nicht nothwendige , doch allerdings 
sehr schätzbare Erweiterungen hinzugefügt. Da die 
Sache im Wesentlichen den Physikern allgemein be- 
kannt ist, so wird es genügen^ ni^r die Art der Ilar- 



Digitized by Google 



Soerinan, do il^|[rometrU. 



stelloDg aoziiseigea, und einige Hauplpifiicie heraimiio^ 
iiebeir. 

Die sSiniiiUichea Hj^grometer werden io drei Haiip^ 
klaflseo aligeUieilt, cuerst diejenigeb, welche die Menge 

der vorhandenen Feuchtigkeit durch die Gewichtszu- 
, Bahine messen, dann solche, die durch Aufnahme des 
hygroskopisch wirkenden Wasserdampfes eine Aende- 
rung ihres Volumens erleiden und endlich die, bei deseo 
der Fenchligkeiisgehalt der Luft Termitlelst des erzeogieD 
Temperaturtttfterschiedes gemessen wird. Bei der Dar* 
Stellung jeder dieser Methoden des Messens geht eine 
theoretische Untersuchung des Principes voran, dann 
werden die Anwendungen desselben historisch aufgezählt^ 
und endlich schliefst eine kritische Prüfung der Zweck* 
iBifsigkeit die ganze Betrachtung. UeberaU ist mit ge- 
oauer Angabe der Quellen nachgewiesen, was bereits 
Aber die Terhandelteo Gegenstinde bekannt ist Ohne 
hei der Anseige des Eittselnen zu verweilen, mag nur 
im Allgemeinen bemerkt werden, dafs auch der Verf. die 
sämmtlichen, auf eine Gewjchtsvermehrung gegründeten 
Hygrometer verwirft, weil alle hierzu genommene Sub- 
stanzen sich mit der Zeit verändern, ihre hygroskopische 
Bigenschaft zum Tlieii oder ganz verlieren , und es un* 
vermeidlich ist, sie gegen die Aufnahme anderer, ihr Ge* 
wicht vermehrender , Substanzen vollstfindig zu sch&tzen. 
In Beziehung auf die zweite Klasse von Hygrometern, 
deren Construction auf einer Veränderung des Volumens 
beruhet, sind die Untersuchungen des V'^erfs. von vor- 
zuglicher Wichtigkeit. Es ist nämlich zwar allgemein 
aoerkannt, dafs die Mehrzahl der hierhergehörigen Sub- 
stanzen gleichfalls ihre hygrometrische iBigenschaflt iu 
nicht sehr langer Zeit anfangs etwitö, später aber fast 
ganz verlieren, allein es befinden sich hierunter audl 
das durch de Saussüre vorgeschlagene Mensclienhaar - 
und der durch de Luc so sehr gepriesene Fischbein- 
Streifen, welche beide noch gegenwärtig bei vielen Phy- 
sikern in grobem Ansehen stehen, obgleich Ref. sich 
durch die eigene Ansicht einiger vorzilglich schön rmt 



uiyiii^uü Ly Google 



1019 Saennttn, de Uygrometrii. 

Paul io Genf, Ramsden in Londoo und sousiig«i 
treftlichen Kumilern verfertigter Hygrometer überseagt 
hat, dafa beide Subatanzeo dem geoanDteii Fehler aller- 
dings unterliegen. Obgleich daher beide durch neue 

sich wieder ersetzen lassen, so mufs man doch aus Rück-' 
sieht auf die grofse Mühe, welche dieses erfordert und 
die Ungewifsheit , wie weit nach einer gegebenen Zeit 
die Unempfindlichkeit derselben schon gedieheo sey, 
auch Uber diese das Ver<lamtnttng8urtheil atoprechen.. 
Das Aosehn dieser Instrumente wird anleugbar auch' 
noch dadurch Termindert , dafs die durch sie swischen 
dem obendrein so' schwer bestimmbaren Maximum und 
Minimum angegebenen Grade dem FeuchtigkeitszustaDde 
der Atmosphäre nicht direct proportional sind, so da(s 
man also mit ihnen nur indirect messen kann, und das 
«onnittelbar erhaltene Resultat erst corrigiren muft; allein 
eben die grofse Mühe, welche einige berühmte Männer 
darauf verwandt haben, ,dle hierzu erforderliche Cor- 
rection mit gröfster Genauigkeit aufzufinden , hat ihr An- 
sehn neuerdings eher verm.ehrt als vermindert 

Die genannten Bemühungen aber sind es, welche 
der Verf. einer neuen schätzbaren Prüfung unterwirft, 
nämlich die nur unvollkommenen von Du long, die sehr 
umfassenden von Gay-Lüssac und deren Berechnung 
durch Biot, wozu dann noch die neuesten von Mel- 
loni hinzukommen, denen zugleich vor den übrigen 
der Vorzug eingeräumt wird. Bezeichnet man aber die 
^Ninnung des In der Atmosphäre vorhandenen Wasser- 
dampfes durch 9» die Grade der Hj'grometerskale durch 
(ly so ist 

wonach dann folgende allgemeine Formel angenommen 
wird: 

S = a/ü 4- hfi^ + Cfx^ 

bei welcher, eben wie bei ähnlichen auf eine Parabel 
höherer Ordnung führenden Formeln , die hier nicht 
ertirterte Frage unbeantwortet bleibt, ob die Exponenten 



uiyiii^uü Ly Google 



Suernaii, de Ujrgroinetru. 



wirklich nach der Reihe der nainrlichen Zahleu zundl« 
men , ohne dafs jedoch die hierüber bleibende Uoge^ 
wifeheil ein genQgendes Argument gegen ihre Anwend* 
barkeit innerhalb der Grenzen vorhandener Beobachtnn- 

gen beg^ründet. Durch Substitution der aus Beobach- 
tungen gegebenen Werthe für S und (ju und Berechnung 
derselben nach der Metiiode der kleinsten Quadrate er- 
giebt sich 

9 = 0,4906y — 0,001488^^ + 0,00000809 

Die positiven und negativen Unterschiede der durch 
diese Formel erhaltenen und der durch Beobachtung ge- 
fundenen Gröfsen hehen sich zwar so vollständig auf, 
dafs nur der unbedeutende Rest = — 0,042 übrig bleibt, 
woraus hervorgeht , dafs die zur Berechnung gegebenen 
Werthe bei der Entwickeln ng der Formel insgesammt 
gehörig benutzt sind, allein die gröfste positive Differenz 
beträgt 2,804, die gröfste negative — 1,83, welche den 
gröfsten wahrscheinlichen Fehler = 0,9708 • . . weit 
fibersteigen. Hieraus läfst sich indefs bei deui grofsen 
Ansehen, welches Oay*Lfissac mit Recht genlefst, 
nicht sowohl auf begangeneBeobachtungsfehler schliefseo, 
als vielmehr auf die Untauglichkeit der hygroskopischen 
Substanz, weswegen der Verf. es fQr überflüssig hält, 
neue Tabellen zu berechnen, um so mehr, als hierfür 
ohnehin erst Versuche bei verschiedenen Temperaturen 
erforderlich seyn würden, die bis jet2t noch fehlen. Ref. 
hafist alle physikalischen Instrumente, welche nnzuver* 
lässige Resultate geben , weil sie spiter schwer zu ver- 
bannende Irrthümer in die Wissenschaft einschwärzen , 
und wünscht daher, dafs man über die beiden genannten 
gleichfalls allgemein das Verdammungsurtheil ausspre- 
chen möge, um so mehr, da sie bei vorhandenen bes* 
seren ffiglich entbehrt werden können. 

Im dritten Abschnitte werden die Hygrometer durch 
Verdunstung in nähere Untersuchung genommen. Dieser 
Gegenstand ist den Physikern allgemein hinlänglich be« 
fcaant, und es fragt sich daher nur, was in der vorlio- 



1018 SaeroiiiB, de lljgrooiotrif. 

genden Monographie Neues und Wichtiges dem bereite 
Vorhandenen hinzugesetzt ist. Zwei Aufgaben sind eSi 
welche hierbei hauptsichlich in Betrachtung koinmea, 
«n«i die wichtigste hieruoter ist ohne Zweifel der Widör- 
Spruch, worin die Meinnng des Ref. mit der anfiinglieh an- 
genommeneii nnd dsher wahrscheinlich von allen Physi- 
kern bisher beibehaltenen steht, nämlich ob das psychro* 
metrische Minimum zugleich unmittelbar den Thaupunct 
angebe oder erst einer Reduction bedürfe. Auch der 
Verf. tritt der herrschenden Ansicht bei, und sucht mit 
grofiier Bescheidenheit die Ton mir aufgestellten Gegen- 
grüode zu widerlegen, weswegen die Streitfrage bei 
ihrer grofsen Wichtigkeit und dem in der vorliegeodeo 
Abhandlung bewieseneu Scharfsinne auch in dieser An- 
zeige wohl zur Untersuchung kommen darf. Es heifst 
hierüber p. 61 : concedimus , rejrtgerari vaporcm hy- 
grometricum ei sie condensari, concedimus üem, novo 
jcwn vapore augeri ei Jume proceaaum pergere ad I 
mojnmwn aaiuraOgmk mque» H&it man dieses Züge- 
staodnifs für sich fest, so ist die Sache auf^r Streit, 
denn es sagt nichts mehr und nichts weniger , als daft 
<lie Dampfbildung der befeuchteten Kugel und die da« 
durch unausbleiblich erzeugte Wärmebindung so lange j 
fortdauere, bis die Luft mit Wasserdampf gesättigs ist, 
folglich bis letzterer das Maximum seiner Dichtigkeit 
erlangt hat, wonach also das befeuchtete Thermometer 
den eigentlichen sicheren Thaupunct unmittelbar angiebt 
Welter heifst es aber: Negamus andern ^ hoc maxhnm 
idem eeee ac st tmice produceretur vapore hygrome- 
trico. Videtur l , C. prorsus evaporalionis pffecttm 
in producendo hoc muximo neglexisse , allenderis rnodd 
ad ejus virn refrigerarUem, Dieser Vorwurf trifft meine 
Ansicht so wenig, dafs man ihr vielmehr das GegentheU 
als solchen anrechnen kdnnte; AenSa in derThat leite 
4las Sinken des befeuchteten Thermometers Mos yon der 
' Verdamflfbng des sie umgehenden Wassers ab , ohne des 
in der Atmosphäre bereits vorhandenen Wasserdampf 
weiter zu berücksichtigen , als in sofern er zum früherea 



Digitized by Google 



StienuM, de Hygunnetris. tOI9 

fitulreten dee i^ltigungspuocteft mit bdtragea mnft. Das 
ArgiimeDt, welches aus der grorseo VerdunatnDgskSlte 
hergenommen wirti, gesteht der Verf. zu, meint jedoch, 
Tlafs diesem unter andern die im V^erhäftnifs zur vorhan- 
denen Luft geringe Menge des erzeugten Dampfes ent- 
gegenstehe. Endlich heifst es: Esse autem airi mir 
diiatem, swe afßmtaiem m vaporrnn, nmm experi- 
fnetdü aaik fwi r^utaium* Qtän ei quantHoB^ vuqfork, 
quam mmeipU a&r, vix noiabäh ene poiest, si hempe 
vopor h/grometrhuB Jam prope densHatis maxhman 
se habet. Die hier erwähnten neuen Versuche sind mir, 
aufrichtig gestanden, nicht bekannt, es sey denn dieje- 
nigen , wodurch die früher angenommene Auflösung des 
IVasserdampfes durch die Luft, widerlegt wurde. Da- 
.gegen ist darch die oeuesteo Beobachtungen Ober die 
EatstehuDg des Nebels alif Ftftssea und die Termioderte 
Temperatur der mit einer WasserflSche in Berührung 
befindlichen Luftschicht hinlänglich erwiesen, dafs die 
Luft durch Aufnahme des Wasserdampfes abgekühlt 
werde, was bei der Prüfung des psychrometrischen Pritt- 
•cipes sehr in Betrachtung kommt. 

Es mufs nicht blos mir selbst , sondern auch jedem 
' Physiker sclir Tie! daran liegen, dafs diese hdchsi wich- 
tige Frage endlich definitiv entschieden werde, und es 
möge daher noch folgende Bemerkung hier Plate finden. 
Um zu vermeiden j dafs die Sache nicht auf einen Wort- 
Streit hinauslaufe, muOs zuvor bestimmt werden, was man 
unter Thaupunct versteht Ist dieses der jenige Punct 
der ailmählig herabgehenden Temperatur^ bei welchem 
ein bereits gebildeter feuchter Niederschlag die Gegen« 
-Sltode bettetet, so giebt Dsnieirs vom Verf. sehr pas* 
send genanntes Thermohygrometer diesen ohne Wi- 
derrede au. Bezeichnet man aber damit denjenigen 
Punct , bei welchem die Luft mit Wasserdampf völlig 
gesättigt ist, ohne dafs jedoch auch nur ein Minimum 
' des letzteren tropfbar flüssig wird , so sehe ich immer 
-ttiebt ein, wie dieser durch ein Instrument 4inmit(elbar 
'ingtseigt werden , kdnne, »uf welchem ein solcher Nie* 



Digitized by Google 



1020^ Saermatt, de Ujgrometrii. 

derschlag Qofliwendig zam VoracheiD kommeD mufe, wem 
eine Beobachtaog damit angesielli werden soll , und deeseo 

Grade erst dann die gesuchte Temperatur angeben, wenn 
dieser wirkliche Niederschlag auf der Oberfläche sichtbar 
geworden ist. Die letztere Bestimmung scheint mir aber 
ohne Widerrede die sicherste zu seyn, weil der auf dem 
Tfaermohygrometer eototeheDde Niederschlag allezeit eine 
gewisse Dicke haben mufe, um wahrgenommen sv wer- 
den, zu dessen Erzeugung dann der umgebenden Luft 
mit gleichzeitig bedingtem Sinken des Thermometers 
eine verhältnifsmäfsig so viel gröfsere Menge Dampf ent- 
zogen wird, je niedriger die Temperatur ist, wodurch 
zagleich die Bestimmung des hvgrouietrischen Thau- 
punctes einer nachtheiligen Ungewifsheit unterliegt. Die 
Auffindung des psjrchrometrischen Tfaaupunctes dagegen, 
als desjenigen, bei welchem der Wasserdampf in der 
Atmosphäre das Maximum seiner Dichtigkeit erlangt 
hat, ist eben so leicht als sicher, sobald man voraus- 
setzt, dafs die V^erdunstung bei dem befeuchteten Ther- 
mometer, und die hiermit nothwendig verbundene Tempe* 
raturyerminderung so lange fortdauert, bis der Sättigungen 
.punct eintritt, und ich sehe nicht ein, warum sie frfiher 
aufhören sollte , ja es liegt dieses genau genommen schon 
in dem Geständnisse, dafs das Psychrometer auch dann 
noch anwendbar sey, wenn die Atmosphäre diesem Sätti- 
gungspuncte sehr nahe ist. In diesem Falle fallt auch 
das Argument des Verfs von selbst weg, dafs dann nur 
wenig Dampf erzeuj^t werde, weil zugleich nur eine 
geringe Temperaturverminderung stattftiden darf , die 
durch die grofse Menge der latenten Wärme im Dampfe ^ 
sehr Imcbt erzeugt werden kann: Ein gewichtiges Ar- 
gument für diese Ansicht läfst sich noch daraus herneh- 
men , dafs das befeuchtete Thermometer in zahllosen 
Fällen selbst dann einen oder einige Grade weniger als 
das trockne zeigt, wenn schon einzelne Tropfen herab- 
fallen , oder sogar der feine Regen begonnen hat , in 
welchem Falle die Atmosphfire nothwendig dem Sttti- 
gungspuncte sehr nahe se^n mufs. Vielleicht kann die 



uiyiii^uü Ly Google 



SaoriMii; de Hygiiimetrii. 



im* 



Streitfrage dadurch entschieden oder der Entscheidung; 
mindestens nahe gebracht werden, wenn man am Thermo- 
hygrometer die Temperatur beim Entstehen und beim 
Verschwinden des feinen Niederschlages beobachtet, und 
iieße mit derjenigen vergleicht, welche das befeuchtete 
psychrometrische Thermometer gleichzeitig angiebt, je^ 
doch sind diese Versuche im hohen Grade schwierig 
und sehr leicht täuschend , sicherer wQrde es dagegen 
seyn, die Menge des in der Luft vorhandenen Wasser- 
dampfes g-leichzeitig- psych rometrisch und durch ander- 
weitige genaue Messungen zu bestimmen , und beide er- 
haltene Werihe mit einander zu vergleichen. 

Ref. beschliefst die Anzeige der reichhaltigen Schrift 
mit der Versicherung, dafs sie ihm ein ganz vorzügli- 
*ches Vergnügen gemacht hat, und fügt nur noch fol- 
gende Bemerkungen hinzu« Erstlich zeigt die schätz* 
bare Prüfung der sammtlichen Formeln, welche zur 
Reduction des psjchrometrischen Thaupunctes auf den 
thermohygrometrischen von verschiedenen Gelehrten auf- 
gestellt sind, dafs unter allen die von August den Vor- 
zug verdient. Zweitens aber zieht der Verf. es vor, die 
mit Musselin umwickelte Kugel vor jeder Beobachtung 
durch Eintauchen in Wasser zn benetzen, anstatt sie vei;- 
mittelst eines Läppchens oder fiadeschwammes. stets 
iPem^ht zu erhalten. Allein von dieser Ansicht wird die 
praktische Erfahrung ihn zurückbringen , denn beim 
Eintauclien nimmt die Kugel die Temperatur des Wassers 
an, und zeigt unrichtig, wenn ein Wassertropfen daran 
bfittgen bleibt, wodurch mindestens die Beobachtung ei> 
uchwert wird, da vielmehr, der Musselin die Kugel blos 
feucht erhalten mub. 

M u n c k €. 



IUI Dammii Lex. HMMri4»-Pittteic.'edi. Bott. 

Joauuii M9'ri99nii' Dnnemnii Noam LetsUoH Qrn^eum w €trf^ 
tlfanl TWm Bmmmii L«sie« /l««crle«-Plf»ilartco «oetftiii 
Hametum oMwm UUrmrwm dUpoM» ninHatum omemdmoU et 
ausit Fokni. CkHH, fWtr. JRott, pA. Hr., Utl. Groee. In GyMOt. 
Oothauo profettor* Cum poimttmimi regia Saxoniae §nivilegio. 
£ljpftae, mimtibua Baumgaertneri. MDCCCXXXI Fase. L cf if. 
ftit Kvei}/8iur&k JT/F miil 6» ^ i» ^- ib^«^««^«« C»laaniml. 

Die Verpflanzung von Damm 8 bekannten Homerisch'- 
Piodarischem Wörterbuche, wie solches in einer ▼erän- 
derten GeMatt dnrch J. M«. Dnncan in Eogland neu auf- 
gelegt worden, anf deutschen Bodea, war bei der aner- 
kannten NQtzlichkeit des Buchs, oder auch bei seiner 
grofsen Seltenheit gewifs ein verdienstliches Unterneh- 
men, zumal in der veränderten Gestalt , welche das Ganze 
dadurch erhalten, dafs die in Damms Wörterbuch herr- 
schende etymologische Ordnung verlassen und an ihre* 
Stelle die rein alpliabetische getreten war, was freilich 
anch vielfache Ver&nderaogen bei der Trennung und 
dem Anseinanderrellken der einzelnen Hauptartikel ver- 
anlafst hatte. Aber eben dieser Umstand , sowie die 
Forderungen, die man bei uns jetzt an Werke der Art, 
sowohl was den Stoff und Inhalt, als was die Form und 
Behandlungsweise betrifft, zu stellen pfiegt, machten 
hei einem neuen Abdruck eine wiederholte uqd aprgfiU- 
üge Revision ndthig, und so mfissen wir uns freuen | 
dalli diese Revision in die Hände eines Gelehrten gefallen 
Ist, dessen anerkannte Leistungen auf dem Gebiete der 
Griechischen Grammatik und Lexikographie sich auch 
hier wieder bewährt haben. Was er hier geleistet und 
wie durch seine Bemühungen ein vielfach verbessertes 
und ungleich vollkommneres Werk zo Stande gekom- 
men, als das Englische Original, das woUeni wir In der 
Kürze onsern Lesern berichten. Dafs das Auseinander- 
werfen der einzelnen Artikel bei der alphabetischen Ord- 
nung, die nun eingeführt war, manche Uebelstände, 
manche Unbequemlichkeiten und Veränderungen herbei- 
geführt, die leicht üngewifsheit , Zweideutigkeit und 
dergLm. erzeugen konnten , liegt am Tage; deshalb war 



Digitized by Google 



M mar neHan Ausgabe diaflam* Uabalfltaoda'vor Alland 
alwabalfen, as mafslao Torarsl alla in diasam Wörter* 

bach aus Homer und Piodar citirten Stellen aufs neue 
nachgesehen und verglichen werden, um nicht durch 
falsche oder unrichtige oder minder genaue und wört- 
Jiche Anführungen IrrthOmer zu begründen, die in sol- 
chen Warken doppelt gefährlich sind. Die Nachlässige 
kait| womit in der Engliachan Ausgabe bei dam Citireli 
oder bei dam wörtlichen Anführen dar einzalnan Stellan 
verfahren war, machte dies Geschäft eben so nothwen- 
dig , als andererseits mühsam und lästig. Ueberdem 
hatte seit der ersten Erscheinung von Damm's Lexikon 
der Text das Homer durch Wolf an unzähligen Orten 
eine ganz andre Gestalt erhalten , worauf wiederum der 
neue Herausgeber allerdings sorgfältige Rücksicht nah- 
men mufste und auch genommen bat. In minder bedeu- 
tenden Fällen, sowie in Allem, was auf Orthographie, 
Interpunction und dergl. Bezug hat, ist ohne weitere 
Erinnerung Wolfs Verbesserung geradezu aufgenommen 
worden; wo aber eine Verschiedenheit des Sinus hervor- 
trat, wo die ältere Lesart anf handschrifUiche Antorität 
oder Zangnisse der Grammatiker sich stützte oder sonM 
▼on einigem Belang erschien, ist die Lesart nicht verän- 
dert ivorden, aber in einer beigefugten Bemerkung ist 
die Wolfische Lesart angegeben , oft mit weiteren Erör^ 
teruugen , die eine höchst dankenswerthe Zugabe des 
Ganzen sind. Auf ähnliche Weise ist der Herausgel>er 
Im den von Damm mitgetheilten Erklärungen der Home- 
rischen Stellen verfahren, ofFeubar Unrichtiges und Fal- 
sches ist geradezu verbessert worden, alles Andre bei- 
behalten, aber da, wo eine andre Erklärung den Vorzug 
zu verdienen schien , ist in beigefügten Bemerkungen 
das Richtigere angedeutet. Dasselbe gilt von den Pin- 
darischen Stellen; im Text schlofs sich der Herausgeber 
g^anz an Bdckh an, für die Erklärung benutzte er in- 
gleichen Bdckh's und Dissen*s Commentara zu diesem 
Dichter. Bine Hauptaufgabe flir den Deutschen Heraus- 
geber war die richtige Angabe der Bedeutung der Wörter 



* 



ItM DammU Lex. Uomerico-PiiidariG. eü. Rott. 

«imI die richtige Bestiramuog des Sprachgebrauchs. 2jH 
diesem Zweck yerglich er die neuern lexikoginphischeii 
Werke, feraer die gelehrlee Commentare zii einzelaeo 
Aatoren , sowie die graniniatischen Werke neuerer Zeil, 

um aus ihnen das, was für seinen Zweck dienlich schien, 
aufzunehmen , wobei er stets mit möglichster Kürze ver- 
fuhr, sowie stets mit Ano;abe der Quelle, woraus Jedes 
entlehnt ist, oder mit Verweisung auf Werke , in denen 
der .Gegenstand mit gröfserer Ausführlichkeit behandelt 
oder weiter ausgeführt ist So- hat , um nur eins, anzu- 
f&hren, der Verf. insbesondre den einzelnen Partikeln 
. eine Sorgfalt zugewendet, die um so nÖthiger erscheint, 
je schwieriger bekanntlich dieser Gegenstand ist und je 
mangelhafter und irriger die Begriffe , die man zu 
Damm's Zeit meistentheils von den einzelnen Partikeln 
hatte. Ueberhaupt verdient dieser Theil der Arbeit ins- 
besondre hervorgehoben zu werden , da die Deutsche 
Copie dadurch wesentliche Vorzöge vor dem Bnglisehen 
Original enthält Mit vieler Umsicht und Behutsamkeit 
ist Hr. Rost in dem Etymologischen verfahren, d. h. in 
allem dem, was Bestimmung der Ableitung oder Com- 
posiüon der einzelnen Worte, insbesondre die Ausmitt- 
long der Stamm- und. Wurzel worte und dergl. betrifft, 
und so. wird auch von dieser Seite den Verf. kein Tadel 
treffen können. — Der Druck ist fiberall hdchst correct, 
überhaupt die typographische Ausstattung befriedigend. 
Wir wünschen baldige Vollendung des Ganzen, und dem 
Herausgeber Kraft und Ausdauer bei dem mtthevollen 
Unternehmen ; die gerechte Anerkennung seiner Ld* 
stnngen und der. Dank aller Einsichtsvollen, in sofera 
durch Bearbeitung eines solchen Werks . und Ver|^buh 
Bung auf Deutsehen Boden die Studien der classischc» 
Literatur gefördert sind, kann ihm nicht ausbleiben. 

Chr. Bahr. 



N*. 6S. HEIDBLBE. JAHRB. b. 'LfTBRATUR. 1832. 



Oriechisck - Deut sckes Wbrterhuck der mythologischen, hi- 
storischen und geograpkischen Eigennamen, nebst beigefügter 
kurzer Erklärung und Angabe der Sylbenlünge für den Schutge" 
brauck ; ein Anhang zu jedem Griechischen tVörterbuche , ausgear» 
beitet von G. Ch. Crusivs, Subrector am Lyceum zu Hannover. 
Hannover 1832. Im f erlag der Hahn' sehen Hofbuchhandlung. XI 
%* 686 S, I« gr. 8. und doppelten Columnen auf jeder Seits, 

Dorch die Erscheinung dieses Wörterbuchs ist einem 
vielfach gefühlten Bedurfnifs abgeholfen und eine we- 
sentliche Lücke in diesem Zweige der Literatur ausge- 
füllt. Der Verf. hat seine Aufgabe in befiiedigender 
Weise gelöst, und damit einem gerechten Anspruch auf 
dankbare Anerkeonung seiner Leistungen sich erworben , 
Eumal wenn wir den Mangel näherer Vorarbeiten und 
die grofsen Schwierigkeiten in Erwägung ziehen, welche 
mit Ausarbeitung eines solchen Lexikons, 8oll es anders 
dem Zweck , den der Verf. sich gesetzt, und den Bedürf- 
nissen unserer Zeit entsprechend seyn , verbunden sind, 
man. mag nun auf den Stoff selber und dessen Sammlung 
oder auf die Behandlungs weise desselben sehen. Er- 
heischte es schon unendliche Mfihe , nnverdrosseneu Fieifs 
«nd Ausdauer , das Material zu einem solchen Werke sn 
sammeln, und zwar nicht etwa ans Indices, wie man sie 
zu den meisten Autoren jetzt besitzt, sondern aus den 
einzelnen Autoren selber, und auch hier wieder die be- 
sten und berichtigtsten Ausgaben der neuesten Zeit zu 
Rathd zu ziehen (ein Bemühen, dem freilich in unsern 
Tagen, w6 man auf bequemere Weise Bflcher zi^ machen 
pflegt, nur Wenige und höchst selten sich unterziehen 
wollen), so war die zweckmäfsige Anordnung des gesam- 
melten Stoffs, die Einrichtung und Behandlungsweise des 
Ganzen kein geringeres Unternehmen und eine nicht 
minder schwierige Aufgabe, die jedoch der Verfasser 
auf rühmliche Weise zu lösen gewufst hat. Die Wich- 
tlg^keit der Griechischen Eigennamen ftr die Kenutnib 

TLXY. Mitg. la. Heft. t5 



UM Cratias, Wofterbneh der Griechbohen Eigennanen. 

dieser Sprache und ihrer Bildung im Allgemeinen , so 
wie ffir die gesammte ältere Geschichte und Mythologie, 
selbst abgeseheo Ton deo speciellen Beziehungen zum 
Verstäodnifs der Autoren in deo einzelnen Stellen, wo 
sie ▼orkommen , und eine Erklärung bedürfen , die z. B. 
der Schuler vergeblich in seinen Griechischen Wörter- 
- büchern suchen wird , ist nun zwar so in die Augen sprin- 
. gend und auch so allgemein anerkannt, daf« man sich 
nur wundern dürfte . warum bisher noch nicht ein ähnli- 
ches Werk, wie das vorliegende, Tersncht und aosgefilhrt 
worden, wenn nicht für die Meisten die grofse Mühe 
und die zahlreichen Schwierigkeiten, die mit der Aus- 
führung einis solchen Unternehmens verbunden sind, 
ein hinreichender Grund gewesen, von einem solchen 
Werke abzustehen. 

Was nun den Umfang vorliegenden Wdrterbvchs 
tietriffi, so ist es zu billigen, dafs. der Hr. Verf. sich 
vorerst etwas engere Grenzen gesteckt hat, um desto 
eher seinen speciellen Zweck erreichen und diesen ersten 
Versuch in desto befriedigender Weise dem Publicum 
übergeben zu können. Er hat daher nicht alle in allen 
Griechischen Schriftstellern vorkommende Bigetinamen 
in sein Wörterbuch aufgenommen , sondern snn&chsi nur 
die mythischen und historischen EigennameD so wie die 
geographischen, welche in den Schriftstellern, die ge* 
wdhnlieh bei dem Schulunterrichte gebraucht werden, 
vorkommen. Demnach sind aus folgenden Autoren alle 
Eigennamen vollständig aufgenommen (Praef. p. VII.): 
Homer, Hesiod, Pindar, Anakreon, Aeschylus, Sopho* 
des, Euripides, Aristophanes , Poetae gnonuci, Tbeo- 
krit, Callimachus, Bion, Moschus, Herodot. Thucydi- 
des, Xenophon, Plate j ApoUodor, PalSpbatne, Aelian, 
Arrian, Lucian, Herodian. Dagegen sind aus Apollonius 
' V»Rhodus, Orpheus, aus der Anthologie, aus Poljbius, 
Strabo, Pausanias u. A. nur die Namen aufgenommen, 
welche wichtig^ in Absicht auf Quantität, Schreibart und 
dergl. oder in geographischer Hinsicht, allerdings euie 
Aufnahme wünschens Werth machten, die mit dem Zweck 



y .i^co L.y Google 



CfluioB, Wörterbuch der GrierJiUelien fiigenaameii. 1021 



UDcl der Bestimmung des Wörterbuchs in Einklaog^ war. 
Alis gleichem Grunde wurden auch die Wörter , die nicht 
iiT9pritDglich Griechischer Herkunft, gondern fremdartig 
sind, nicht ausgeschlossen , was gewifs Niemand tadeln' 

wiril. 

Die aus diesen Schriftstellern gesammelten Namen 
sind nun in streng alphabetischer Ordnung aufgeführt, 
jeder Name mit sorgfältiger Angabe des Accents, der 
Quantität, des Geschlechts und bei den Wörtern djer 
dritten Oedlnation auch desGenitivs; bei vielen Wörtern 
ist auch die Etymologie in der KSrse angegeben, da 
ausführliche Erörterungen der Art Umfang und Bestim- 
mung eines zunächst dem Schulgebrauch gewidmeten 
Buchs nicht verstatteten; aber dagegen ist jedem Namen 
die erforderliche Erklärung beigefügt, sowohl den my- 
thischen N«men und Personen, als den Ortsbeoenoungen, 
wa insbesondere, so weit es möglich, auch die jetzt 
übliche Benennung angegeben ist; was freilich^ bei der 
Mangelhaftigkeit tüchtiger Vorarbeiten in einseinen Par* ' 
thien der alten Geographie, bei dem Unzulänglichen, ja 
selbst Widersprechenden so mancher Angaben oft grofsen 
Schwierigkeiten unterliegt ; eben daher äber sieht sich Ref. 
Teranlafst, ausdrücklich zu bemerken, dafs der Verf. wie 
überhaupt» so hier insbesondere mit unverdrossenem 
Fleifs, Sorgfalt und Umsicht verfahren, und dafs ihm 
seihst die neuesten Forschungen und Resultate auf dem 
Gebiet der alten Geographie nicht fremd geblieben sind, 
was manche von der bisher hergebrachten verschiedene 
Angabe veraniafst hat Auch auf die selbst in den ein- 
zelnen Ausgaben einzelner Autoren bei einem und dem- 
celbea Wort noch immer entweder variirende oder sogar 
unrichtig g^ebene Bestimmungen des Accents, derQuan- 
titm und dergl. m hat sich des Verfs. Sor^alt erstreckt, 
\^as freilich bei so manchen Wörtern in Bischoffs ver- 
gleichendem Wörterbuch der alten Geographie vermifst 
wird; wie denn in dieser Hinsicht überhaupt vorliegendes 
Wörterbuch durch kritische Behandlung sich vor diesem 
auszeichnet Bei |edem einzelnen Namen sind die Stellen 



y ui^co L.y Google 



IdtS CrntiiMi Wörterbneh.to Griecbitclmi EigemiBnea. 



dar alten Autoren , Wo das Wort Vorkommt , genau citirt; 
nur bei denjenigen Autoren, die, wie z.B. Strabo» Po- 
lybiua, Pausanias snnichsi nicht in den Kreis des Schol* 
unterrichts feilen, ist die genaue Nachweis» unter- 
blieben und blos im Allgemeinen der Name des Autors 
in einer Abbreviatur beigefugt; was wir indefs auch bei 
manchen, freilich im Ganzen weniger hedeutendeu Ei- 
gennamen aus Homer, Apoilodor, Herodot gefundeo 
haben. 

Dafs nun eb solches Buch, bei der Masse der verw 
schiedenartigsten Einzelheiten, die es in sich schliefst, 

ton allen Irrthümeru oder Versehen giauz frei se^n sollte, 
ohne dafs ein und der andere Namen übersehen oder 
ausgefallen wäre; dies ist eine Forderung, deren Erfül- 
lung die Kräfte eines Einzelnen, wo nicht überhaupt 
menschliche Kräfte, über«;teigt, und so zweifeln wir auch 
nicht, dafs der Verf. selber bei einer zweiten Auflage, 
die seinem Buch bei dessen Brauchbarkeit und Nütz- 
lichkeit nicht ausbbiben wird, Manches zu ändern, zu 
berichtigen oder nachzutragen finden wird, was wie- 
derholte Durchsicht ihm von selbst darbieten kann. £ben 
deshalb will Ref. auch nicht näher in das Einzelne ein- 
gehen und seine Bemerkungen über einzelne Punkte, die 
nach seiner Ansicht einer Berichtigung bedürften, oder 
anders gestellt werden müfsten, sowie die NachtrSge 
fehlender Worte , die ihm bei der Durchsicht aufgestofsen 
sind, unterdrücken; indem dadurch keineswegs das Ur- 
thcil über Werth und Brauchbarkeit des Buchs geändert 
wird , auch unser Zweck hier zunächst der war, das Publi- 
cum auf diese Erscheinung aufmerksam zu machen, und 
damit unsere dankbare Anerkennung der Leistungen des 
Verfs. auszusprechen, den wir zu weiterer Thfitigkeit 
auf diesem Felde auffordern mdchten. . 



uj .i^co L.y Google 



Oeaticb-LaUittUch«« Wdrterbacb v.oa K. £. Georges. 1029 

* 

€t€0rff Heinr. Lünemann'tf weit. Doctors der Phüo9. und Reetort 

am Gymnasium zu Göttingen, Lateinisch ^ Deutsches und Deutsch - 
Lateinisches Handwörterbuch , nach 1mm. Joh. Gerh. Seheller''» 
ÄnJage neu hearheitet. Deutsch-Lateinischer Theil , neu 
ausgearbeitet von Karl Ernst Georges. Mit einem Vorworte von 
Dr. G. F. Grotefend. Erster Hand. — /. Leipzig 1831. 
in der Hahn'schen Verla gshuehhandlung. XVUl und 1694 S. in 
grö/stem Octavformat mit doppelten Columnen. 1 Rlblr. 12 gr. 

Auch mit den» betondeco Titel : 
Deuitck-Lateinisches irörterbuch , au» den Quel/en zutamh 
mengetragen und mit besonderer Beziehung auf Synonymik und An- 
tiquitäten und Berüeksiektigung dar bwUn Uüifsmtta auagmbeitU 
von Karl Emst Georges w. 

Die Erscheinung eiues neuen Deutsch - Lateinischen 
Wörterbuchs bedarf zwar wohl bei AUeo, weiche mit 
den bisherigen Wörlerböchern einigermafsen bekannt 
sind, und die Fortschritte kennen, welche die Lexiko- 
graphie in den letzten Jahren gemacht, kaum einer Ent- * 
schuidiguug, und so wird auch die nene Bearbeitung 
der Deutsch -Lateinischen Abtheilung des viel verbrei- 
teten Scheller- Lünemann sehen Lexikons gewifs keiner 
1>e80nderen Entschuldigung bedürfeu, zumal da es aner- 
kannt ist, dafs diese AbtheilODg an ionerm Gehalt und 
Werth der Lateinisch -Deutschen wesentlich nachstehend, 
einer gänsKchen Umarbeitung mich einem festen, sorg- 
faltig erwogenen Plane bedurfte, wenn sie ihrer Schwester 
gleichstehen und gleiches Lob eitierndten oder überhaupt 
den Forderungen, die man jetzt au Werke der Art richtet, 
und zu denen uns die mannichfachen Leistungen der Ge- 
lehrten neuerer Zeit, die hier Berücksichtigung und An- 
wendung Terdienen, berechtigen können, entsprechen 
wollte. Diese Umarbeitung liegt in vorliegendem Werke 
vor uns, dessen'Verf. , schon iSngst mit der Anlage eines 
solchen Werkes beschäftigt und ihm alle seine Kräfte 
widmend , auch darin in der That zu leisten gesucht 
hat, was bei jenen Forderungen nur immer zu leisten 
möglich war, Nicht planlos, sondern nach einem festen 
Iflane» der in der Vorrede näher entwickelt ist, uud mit 



uiyiii^uü Ly Google 



1080 Dentecb-lAteiBiteli«» (Scbeller^LuDeiiHiiiD'fecheB) 



grofser Umsiclit verfahrend, * überaH das auswählend «ml 
▼erfolgend, was zweckmäf$ig und zur Erreichung des 
gesteckten Ziels förderlich erschien, mit umfassender 

Sachketintnifs und seltener Beleseiiheit ausgerüstet, konnte 
der Verf. die schwere Aufgabe, ein tüchtiges, den Fort- 
schritten der Lexikographie, dem Standpunkt der Wissen- 
schaft entsprechendes Deutsch - Lateinisches Wörterbuch 
zu liefern, in befriedigender Weise lösen, und so isl es 
ihm gelungen, eine wesentliche LQcke auszufllllen and 
ein wahrhaft förderndes Hülfsmittel zu grfindlicherSprach- 
kenntnifs und richtigem Ausdruck in der Lateinischeo 
Sprache geliefert zu haben. Durch unverchosseuen Muih 
uud unermüdete Ausdauer hat er die zahlreichen Schwie- 
rigkeiten, die jedem Bearbeiter auf diesem F'elde ent- 
gegentreten, zu überwinden gesucht und auf verhalt- 
uifsmafsig geringen Raum iinendlich Vieles ^zusammen- 
gedrängt, so dafs auch von dieser Seite, was VoUstaa- 
digkeit und Reichhaltigkeit der einzelnen Artikel betrifft, 
kaum ein anderes Wörterbuch der Art voriiegeudeai so 
leicht die Palme streitig machen könnte. 

Ueber die Grundsätze, welche den Verf. bei der 
Ausarbeitung geleitet und wornach Derselbe verfahres, 
hat er sich in der Vorrede ausgesprochen, und darin 
über Zweck und Stoff, fiber Anordnung der einzelnen 
Artikel, über Phraseologie , Synonymik, Anfuhrung von 
Citateu als Belegstellen oder Nachweisungen sich erklärt, 
uud auch die flülfsmittei genau verzeichnet, welche bei 
Ausarbeitung des Ganzen von ihm zu Rathe gezogen und 
benutzt worden sind. Wir sehen aus dem zahlreichoi 
Verzeichnifs derselben, mit welchem Pleifs und weldier 
Sorgfalt der Verf. verfahren, um Nichts unbenutzt sa 
lassen , woraus irgend ein Gewinn für seine Arbeit her- 
vorgehen könnte, und wie er sogar alle Recensioneu der 
bedeute ml eren in der letztern Zeit erschienenen hierher 
einschlägigen Werke, aus denen einzelne Berichtigungea 
oder nützliche Winke, brauchbare Vorschläge zu ent- 
nehmen waren, berücksichtigt hat Wie wenig auf alles 



WörUrbttcli von Ii. £. George«. iOiU. 

die» ia früheren Versuchen Rücksicht gnenommen war, 
ist sattsam bekanat, so dafs dadurch schoa vorUegendes 
Werk gaos andere Gestelteag als die frfihereo er* 
haken ntofste. Was den Zweck des ganzen Unterneh^ 
mens betrink, und den Plan, der diesem Zwecke gemäfs, 
dem Ganzen zu Grunde gelegt werden mufste, so geht 
der Verf. hier von dem richtigen Giundsatz aus, dafs 
„ein Deutsch - Lateinisches Handwörterbuch keinen an- 
dern Zweck haben könne, als dem Laleinsch reibenden 
in zweifelhaften Fällen als Raihgeber und Führer nur 
Seite ta stehen ynd ihm für den zu bezeichnenden Aus- 
dmck «las richtige Wort n. s. w. an die Hand zu gebend*' 

» und da der Gelehrte vom Fach doch nur selten eines 
solchen Hölfsmittels bedarf, der Schüler niederer Classen 
ein solches aber zu gebrauchen noch nicht versteht, so 
and es besonders Schüler höherer Classen, Studierende 
«nd dergi., auf welche bei Anlage eines solchen Hand- 
wörterbuchs ROcksicht zu nehmen, und nach deren Be- 
dflrfnissen der Inhalt und Stoff eines solchen Werkes zu 
bestimmen ist. Alle Wörter, die in den Kreis -dieser 
Studien fallen, oder in näherer und entfernterer Bezie- 
. hung darauf stehen, mufsten aufgenommen werden, eben so 
wie i|lie die, welche im Allgemeinen auf Lebensverhält- 
nisse und dergl. sich beziehen; wobei zugleich manches 
Specielle oder Technische aus dem Gebiete der Theo- 
logie , Jurisprudenz und der Naturwissenschaften nicht 
füglich ausgeschlossen werden konnte, was man sonst 
doch nur ungern vermifst hätte, selbst wenn nach jenen 
allgemeinen Grundsätzen streng genommen die Aufnahme 
zu versagen war« So gehört es, um nur ein Beispiel 
anzufahren, gewifs mit zu den Vorzügen dieses Hand- 
wdrterbnchs, dafs bei allen botanischen Namen Linnes 
Benennung beigefügt ist Indem nun nach diesen Rück- 
sichten und Grundsätzen fiberall verfahren ist, so erklärt 
sich daraus die veränderte Gestalt des Buchs und sein 

- bedeutend erweiterter Umfang bei einem überall sicht- 
baren Bestreben, durch angemessene Kürze und mög* 



Digitized by Google 



10S2 Deutfch - Lateiniiclics ( fikheller - LuDeraanD^schei) 

iichste OekoDomie des Drucks, jedoch ohne Uebertrei- 
boDg uod ohne NachtheH für das Werk selbsl, ao Baum 
EIL sparen. Auf die streng logische Aoordoung und Bot- 
ivicUnog' dei* eiiizelnen Artikel ist doppelte Aufinerksam- 
keii verwendet worden , iim so mehr als gerade dies .di 
von den Lexikographen mehr oder minder bidier ver> 
nachlässigter oder doch weuigtens nicht genug berück- 
sichtigte Punct ist, wie die zahlreichen darüber bisher 

' veroommeiien Klagen beweisen. In der Phraseologie 
oder Wahl der einzelnen Ausdrücke hat sich der Ver£ 

. billig vor Andern an Cicero gehalten , t^nd mufsteesaack 
wohl,, so lange wenigstens es anerkannt ist, daft aar 
Nachbildung immerhin das VorzOglichste und Beste unter 
dem Vorhandenen als Musler zu nehmen und zu befolgen 
ist, Cicero aber für jedes Zeitalter Muster und Vorbild 
des lateinischen Ausdrucks ist und bleiben wird. Da 
nun aber Cicero nicht für alle Fälle und Ausdrücke aus- j 
reichen kann — wir besitzen ja auch nicht einmal voll- 
fitSndig seine Werke — so sind von dem Verf. Ar dieie 
Fftlle auch Wdrter und Ausdrücke des silbernen Zeil- 
alters aufgenommen; ja für einzelne Begriffe, welche 
den Spätem erst bekannt scyn konnten, sind auch Aus- 
drücke späterer Schriftsteller nicht verschmäht. Indem 
der Verf. auf diesem Wege einem übertriebenen Purismus 
durchaus nicht huldigt, so war er doch andererseits 
eben so ernstlich bemüht , alle Barbarismen und Germa« 
Dismeo und deren finden sich leider in den Wdrter* 
bfichem noch gar manche — von seinem Werke fern zu 
halten , und dafs ihm dies im Ganzen auch geJungen | 
ist, wird eine sorgfaltige Vergleichung der einzelnen i 
Artikel bald einen Jeden belehren; denn auch er geht j 
von dem Grundsatz aus, dafs es des Schreibenden erste 
Pflicht stets seyn und bleiben müsse, sAaen Styl der 
Reinheit der classischen Sprache möglichst nahe zu 
bringen. Mit dieser Sorge fttr Phraseologie steht io 
Verbindung die Synonymik, aufweiche besonderer Fleifs 
gewendet ist; so dafs die verdienstlichen Bemühungea 
mehrerer Gelehrten iu neuester Zeit, die (ler Verf. dank* 



Digitized by GoogU ; 



I 

Wörterbacb Yoa K. £. George«. iM 

bar fUr seinen Zweck zu benutzet^ n^ufste, einen liddlst 
YertheUhaften Biollufe geiofsert haben, dessen sich die 
btsherig^en , in -diesem Theil mehr oder minder vernaGh* 
läfisi^te Versuche Iceineswegs rühmen konnten. Dufs die. 
Citate bei den einzelnen Artikeln in der Rege! wegge- 
fallen sind , finden wir schon durch die Bestimmung des 
Buchs und die Natur der Sache gerechtfertigt, auch 
hätte dies ohne unndthige Ausdehnnng and Erweiterung 
. des Raumes nicht geschehen können , aber wir mfissen 
es dafür dankbar anerkennen, dafe ausnahmsweise, in 
bestimmten Ffillen, welche in der Vorrede näher nach* 
gewiesen werden, entweder bei besonders merkwürdigen 
oder auffallenden oder bestrittenen Construetionsarten 
und Ausdrucken einzelne Citate oder Nachweisungen zur 
Begründung und Rechtfertigung des angeführten iatei- 
aischen Worts gegeben sind. 

Indem wir nun die leitenden Grundsätze und die 
piangemäfse Einrichtung und Anordnung des Werkes, 
wodurch seine Nützlichkeit und Brauchbarkeit allerdings 
bestimmt wird, dargelegt hab(en, bleibt uns nur übrig, 
wiederholt darauf aufmerksam va machen , wie der Verf. 
in der Ausführung diesen Grundsätzen nie untreu ge- 
worden ist, wie er vielmehr, man mag auf Reichhal- 
tigkeit des Inhalts in der Masse der einzelnen darin auf- 
genommenen Artikel oder auf Richtigkeit und Genauig- 
keit der einzelnen Artikel, auf logische Entwickelung 
und plangem&lke Anordnung, Yerbunden mit sweckmäfisi- 
ger Klirse ond Bestimmtheit des Ausdrucks sehen, ein 
Werk geliefert ha(, das frühere Versuche durch die 
bemerkten Eigenschaften wohl übertrifft , und durch 
seine Nützlichkeit allgemein zum Gebrauch auf Lehr- 
anstalten für die höheren Classen oder zum Privatge- 
brauch anempfohlen werden kann, zumal da der bei- 
spiellos billige Preis (das Ganze In zwei starken Bän- 
den dürfte hödhstens auf drei Rthlr. kommen) die 
Anschaffung und Einführung so sehr erleichtert, und 
auch die topographische Ausstattung sehr befriedigend' 



uiyiii^uü Ly Google 



liftl Fortlage, dio Lückco des Hegerachen Sjttems. 

ist. Möge man daher, 8o rufen wir am Schlufs mit 
Hrn. Director GrotefencI aus, mit Liebe und Oaokbar- 
keit «ufoehmeo» was der Verfasser mit. enischlosseneni 
Muthe begoanen und immer gleicher UaTerdrossenheit 
bis hierher ausgeführt hat, und mdge er, so «etsen 
wir liinzu, keine Mühe scheuen, auch dem noch übri- 
gen zweiten Theile die Vollendung zu geben, die dem 
ersten in so befriedigender Weise zu Theii geworden ist 

Ch. Bähr. 



KURZE ANZEIGEN- 



Die Lüeken des WegeVseken Syeteme der Pkiloeophie* 
JVeb«i jindeutung^ Atr MUUi, wodmr<A eine AtufSüumg dereeUeii 

möglich ist. Von C. Fortlage^ Ihr, d» Phil. u. Privatdocent zu 
Heideiberg, Beidetb, ». Ldpmig, M Greee, 1862. X u. UßS. & 

Ich habe in dieser Schrift ^ welche so eben die Presse verlasseo 
hat, diejenigen Mängel aufzudecken und zu beleuchten gesucht, 
•welche mir Uther heim StwUam djac IIegel*aeheB PliUoiophie aufge- 
lallen warea. Dietalhea finden «ich namentlich 1) in der reHgiamn 
Weltnntleht, 2) in der Methode deaSyelcmc, S) In der Claeeifictttinn 
der Kategorien In der Logik, 4) In den Definitionen einiger Hanpt- 
prlndpien der Wieaenschali, 5) in der Theorie Ton der ersten Qua- 
lität in der Natnr oder Tom Lichte, S) In der Theorie Ton den End- 
sweekon de« menechlichen Lebens nnd den Beweggründen nur Togend. 

Ich habe aber hei Belencbtung der Lücken nnd Mingel aneh 
auf die fehlenden Ergananngsglieder aufiuerksani zu machen ge- 
ancht, aO weit ich dies vermochte. So s. B. ist mit gehöriger Wür- 
digung nnd kritischer Anerkennung des religiösen Rationalismaa 
dieser Philosophie, ein Bild des ächten Ergänzungsgliedcs desselheij 
des philosophischen Supranntnralisnins , entworfen worden, dessen 
Mangel eine Lücke im SjHtcni verursacht. Ferner ist mit Anerken- 
nung und Bejahung der drei Glieder, in M-elchcr die Forschung»- 
methode dieses Systems sich fortbewegt, an mehreren Beispielen 
nachgewiesen worden, dafs in manchen Fällen noch ein viertes Glied 
zu finden möglich sey, welches auf keine Weise in den Ingischeo 
Ternar hineinpafst. Aehnlich ist mit Anerkennung der Richtigkeit 
der Uauptrnhrilcen in Her Logik der Mangel einer Wissenschaft über 



L;iyiii^oa by Google 



Forttagie» die t&ebeii iks ileger«clien System«. . luaS 



ilie Anwendbarkeit nnd Nicht- Anwendbarkeit der sehwerefea logt- 
•ehen ÜRteg^orien (oder» wie dort gefunden wird« Kategorien dea 
▼ierten Gradrs) nach^ewieseii worden. Die Lohre von der Phimome- 
nolope des Lichts ist der Hauptsnriic nnrh ans der Naturpliilosöpbie 
in die Psycliolop^ie verwiesen worden. Der Lehre von den Zwecken 
des Lebens und den Beweg-g^rfinden zur Tug-end ist Anerkennung- und 
HochschrUznn«^ widerfahren , ahcr auch sie niuTs einer noch tieferen 
und bcRseren Ansicht über diese Zwecke und Beweisgründe, der An- 
sicht des Kitntischen Systciua , weichen, oder zum allerweni<>;sten 
dieselbe an ihrer Seite dulden, uui eine unvertilg^barc Sehnsucht zu 
stillen, M eiche die Uegerscbe Ansicht deu Lebens in einem gefüht- 
ToUen- und bihii .Edleren nad Höheren gestinimLcn Gemuthe, ohne 
JNabrwig «od ohne Hoffnung vcrecbiyaelitei» liTst. 

Was mich bei dieser Schrift besonders iinpuUirte und begei- 
sterte, war die erhabene Ansicht von der Natnr der Dinge, deren 
Grandprincipien der nnstorbliclie Kant nnerst In ToUer Kiarheit nnd 
Iloutlicbfceit ansgesprochen hat: dafs die Verniinft in der Erhenntnirs 
der letnten Grinde der Dinge immer aothwendig ichoitem mtisse, 
und dafs das Universom eich nicht Ton der Vernunft einschltersen 
lasse, eondern dafs die Vernunft selbst nur eine einzelne Qualität im 
Universum der Dinge sej, eine irdische Lampe, durch welclie ans. 
snfäUig dieser und dieser Theil des Universums ist hell geworden. 
Diese Einsicht war es, welche den scharfblickenden Kant auf die 
Entdeckung der Antinomien führte, die Entdeckung eines nothM en- 
digen und unauflnsliciien Widerstreits unserer Begriffe und Vorstel- 
lungen im Nachdenken über die letzten Gründe der Dinge. Er zwar 
führte diesen (reg^enstand nur an mehreren Beispielen im Gebiet der 
Kosmologie aus, und überliel's anderen, ihn weif er zu verfolgen. 

Da aber Hegel sich wied(?r der entgegengesetzten Ansicht in 
die Arme geworfen hat, und der Vernunft die Fähigkeit zuertheilt, 
dogmatisch über die letzten Gründe der Existens in entscheiden , so 
trifft es sieh aothwendig häufig, dsfb er ans den Antinomien der 
höchsten Begriffe und Principien nur das eine Glied älfirmirt» und 
durch Yerwerfang des entgegengesetsten eine Lficice in- dem Sjstem 
entstehen Ififtt Auf diese Weise ist es, dafs der Theorie d«s Ratio- 
toflJismoe gegeafiber die Theorie des philosophisdien Sopranatnralla- 
mas , und ebea so der 'Sobnitischen Theorie des moralischen Tugend- 
Strebens gegennber die Rantlsehe Theorie der moralischen Pflicht- 
erfnlinng mangelt. Der epecolative Philosoph fühlt diesen Mangel» 
weil er das eine Glied der Antinomie in beiden Fällen vermifst; der 
treue Beobachter seines eigenen Denkens und Wollens empfindet ihn 
ehen so stark, weil er in sich erfahrt, dafs der lebendige und frische 
Zastand seiner Seele nicht besteht in einem Behari eii in diesem oder 
jenem Princip, sondern in einem mehr oder weniger willkührlichen 
Uebergehen aus dem einen ins andere und wic»der rückwärts , ähnlich 



Digitized by Google 



» 



lOilG Forüage, die Lä«iiieji des Hcgel'^chen Sjatemi. 

dt r Systole und Diaitole dei Uerzeot» nur mit grdfiierer Unncgei- 
mälsigkeit. 

Das riohtig-e Fiirwnhrhalien der menschlichen Vernunft in den 
höchsten Gegenständen der Metaphysik, Mornl und Religion ist nicht 
ein einzelnes festes System, crystallvrtig angeschossen wie hei Ari- 
stoteles und Spinoza, es ist nicht ein unruhiger Kreislauf von Prin- 
cipien, welche M'ie ein Springquell unaufhörlich in dasselbe liassin 
zuruckfliefsen , woraus sie emporgesprangen, wie bei Hegel, son- 
dern es ist eine theils willkührliche, theils unwillkührliche Bewe- 
gung der Erkmntniste und Willenskräfte zwischen gewissen letzten 
Principien hin nnd ber. Die Bichtiglceit dleier Principien iäfst sich 
aber sieht dnreli logieclie Speeidstion beweieen, eendern giebt eich 
onr «pproiimatlv in ionerer und änfberer Eritlirang so erkcnnea — 
in innerer Erfnliriing, d.h. im nnmitfeelbaraten FdrwnhrhftUeo des 
inneren naehtigen Wahrheiteeinne in nnierer Seele, welcher swir 
am hänfigeten in une tchlniiimert, welcher aber, wean er in den 
■l&rlierea und gehaltreicheren Augenbliclcen nneeree Lebene tob 
aafsen oder innen her geweckt wird, mit alleefiberwindeader Krall 
uns in die Wahrheit leitet, ~ in äufserer Krfhhrnng, indem wir der 
Welt factisch zum wenigsten die Starke unserer Principien beweiaen, 
durch Verwendung und Aufopferung nnseres Lebens für dieselbigea. 
Die Philosophie hat einen betraehtlichen Nutzen in Rücksicht aal 
die Aufhellung and Oeutiichmachuag, weniger auf die £rlladnng 
der Principien. 

Diese Grundsätze, welche meinem philntophisehen Denke« bti» 
ber als Leitsterne geleuchtet haben, habe ich in gegenwärtiger Schrift 
an der Kritik der Ile^ersrhen Principien zu bewahrheiten gesucht 
Und dieser IJiustand brachte es mit sich, dafs ich meiner aufridl» 
tigsten Ucberzeugung zufolge in der Kritik dieses Systems nicht ver- 
neinend und gegen seine Sentenzen kämpfend zu Werke gehen durfte, 
sondern mich nur mit Aufdeckung einiger Lücken und Andeutiu^ 
des Stoffs zu ihrer möglichen Ausfüllung beschäftigen mufste. 

Zum Schlufs habe ich versucht , das wahre Verhältnifs der bei- 
den obersten metaphysischen Principien, d. i. das Verhältnifs Toa 
Subject und Object, zu bestimmen und aus der einseitigen Yerache- 
benheit, worin es bei Hegel vorkommt, wieder auf seine aus der 
Kantischen Philosophie stammende ursprüngliche Bedeutung zurüek- 
suführen, und dadurch zugleich einen Ort anzugeben, wo eine fer- 
nere und weiter fortsusetzende Verständigung und Uebcreinknnft 
■wischen den Hegel*echen und Kantischcn Principien möglich ist: 
damit die grefseldee rascher und rascher ihrer Realisation entgegen 
rucke, welche den begeisternden Impuls zu den meisten philosophi- 
schen Arbeiten diesee Jahrhunderts gegeben hat , die Idee , mit 
strenger Anew^heldang aUer alten unbrauchbaren Schlacken philoso- 



y .i^co L.y Google 



LMnMi mBlM 4». tä. Fr. RMk, Prof. 



phiacher €}elehrtanil(eit, dasjenige am 'den Syttemeo aller Zeiten, 
welches sich probehaltif^ und gediegen erweist, in den Umfang eines 
Universal - Systems nictit blos eklektisch, sondern auch Bystcmati^ch 
«u versammeln und zu verbinden , um die Philosophie hinter den 
rastlos fortschreitenden positiven und exacten Wiaieoacbafteii Blich 
in dieaem Zeitpancte nicht surück bleiben su lassen. 



Loemdni Sapientis Fabulae 40. Heccnsuit et in usum praelectio- 
num edidit Erasmus Raak, Professor et Bibliothecßriua etc, 
. Hafniae 1831. Sumtu bibUopoUi Scbubothiani. VUl u, 27 6. 8. 

Weil wBSm ien Kiadermtenriehl gerne mit Fabeln beginnt« ao 
iet ee , walmeheinlleh ohne dalli man den Uatereehied genau bcdaebt 
iMt» anch snr Gewobabcit geworden, Loknana Fabeln aam Anfenga^' 
«nterriebt im Arabischeo ni nehmen, nngeaehtet hier niebt Kinder 
sa onterrichten sind. CrewiTs wäre ed fnr den ane dem Arabtaeben 
SU schöpfenden literarischen Gewinn weit besser, wenn jedeamal» M 
oft etwas Arabisches gedruckt werden kann. Irgend ein neuer in* 
teressanter Gegenstand aas Handschriften daza ansgewählt würde. 
In dergleichen neuen Gaben könnte dann Jeder auch noch etwas 
Neues, eine Ausbeute des Studiums, zu entdecken hoffen. Dagegen 
erstaunt man, aus der Vorrede des gelehrten Yerfs. schnell zu über- 
blicken , wie oft und viel schon, seit der Editio prineep» Loemdni 
von Thomas Erpenins, Leyden , 1615. in kl. B., alle oder die meisten 
dieser Fabeln in Abdrücken wiederholt worden sind. Die neueste 
Ausgabe von dem aufserst pünktlichen Bearbeiter, Prof. Rüdiger, 
Halle, 1830, 4., erkennt auch Hr. R. als trefflich und als seine 
Hauptquelle.. Uebrigens spricht Ree. auch dem Urheber des Denen 
Abdrucke das Verdienet gar nicht ab, ein gefälliges Leaebucb ge- 
geben au haben, in welchem er durch Ausaeichnang der bedentea- 
deren Yarlanten, «ad. durch mehrere Oo^jecturen anch aar iCrItik 
Veranlamnng giebt* Nur das alte Wort i Jr9 longa^ vita (reett, 
fordert immer den Ree auf, au ermahnen, dab man, da auch im 
Arabiechen, wie in allen gelehrten Fächern, noch ao viel Ndthigee 
und Nütsiichea .an thnn wAre, bei jeder Gelegeabelt etwas wählen 
and an Tag fördern möchte , was nns über das , was wir schon ha- 
ben, hinaas- und vorwärts bringen könnte. Wäre doch des Histo- 
riechen, Geographischen, Natargeschichtlichen, Exegetischen, sogar , 
Tielas fnt aus Codici&na herrorsnbolen. — Canssin hat seit 1819. oder 



Dr. C Fortlag 9, 




im 



Pofpe« Wander det Mechanik 



lb20. die Zahl der gedruckten Lnkmanieehtn Fabeln mit vier ver- 
meint. Da aber seine Ausgabe wie iManuseri|)t i»t, so nmfs man es 
doppelt bedauern, dals Ilr. R. nur drei derselben in seinen neuen 
Abdruck aufnahm. Moehtc immer die vierziß^ste: rle homine et duo- 
htis serpentibus t fast unmoralisch Keyn ; für die, welche Arnbifich 
lernen wollen , ist es ja doch nur um die Sprache zu (hun ; und 
so würden wir pnbedenklich' zu einem mögliehst Tollstfiodigeii Ab» 
druck geratlien haben. Möge aber Hr. Vraf, Raek Teranlafat 
scjn, reehl bald ans den Sch&tsen der dortigen Bibliotheken det 
Neuen and Uni^rarbeiteten mehr darch die niedlichen Ty- 
pen bekannt machen, mit denen Hr. Schabothe eich noch irielea 
Dank der Arabieten verdienen kann. 

JIr. Pom lue. 



If' linder der Mechanik, zweiter Täeilf 

aoeh anter dem Titel : ' 

Daa Perpetuum meitile and dU Kun$t mu fliegen , %wei der merkw^ 
digsien und echwertien ProMeme der prakiieehen Mechanik* FSr 
Jedermann fafslieh dargeHelU von ihr. J. fT. M. Poppe^ Hofrath 
. and ordentHehem Pr^eeeor zu Tübingen. Mit B Stemdruektitfetn» 
TSb, 1S88. FI u. 129 S. 8. 

Die erste der beiden hier vereinten Abhandlungen hat Ref. mit 
Vergnügen gelesen, und darf si«' unbedenklich eine wohlgclun^ene 
nennen. Es giebt näuilich noch biß auf den heutigen Tag- kaum eine 
etwas gröfserc Stadt , in welcher nicht irgend ein Künstler oder auch 
blofser Handwerker, mit Anlagen zur Mechanik aber ohne wisscn- 
Bchaftliche Bildung, sich an der Erfindung des Perpetuum • Mobile 
. versucht, and dadurch meietene eelne Familie an den BetleUtab 
bringt* Aufserdem findet dietee Problem eo allgemeine Theilnahme, 
daTe ee oft sum Gegenstande der Unterhaltung gemacht wird , oad 
üeeea is der neueren Zeit um so mehr, je dfler man Toa wirklieb 
oiintirenden clektriichea Apparaten dieter Art redet, von denen Aie 
wonigoten Monseheo bei der noch immer eeltenen genauerea Bekannt^ 
ichaft mit den Siementon der Phyaik ^twao verateh^u. Eß iot daher 
allerdings nützlich , in einer populfiren Daretellung die Mielitifl^eit 
und Zwecklosigkeit jener Bemühungen nachauweieon and mit den 
bereits mifslungeaen Versuchen bekannt zu machen um hierdurch 
TOa fbnlichen neaen im Allgemeinen abzuschrecken, und im Besoa- 
deren zugleich diejenigen, die so oft um ihr Urtheil über eine an- 
gehlich neue Erfindung dieser Art gefragt werden , in den Stand za 
setzen , deren Nichtigkeit leichter tlnrzuthun und ihre Ansicht dar- 
über durch eine fremde Autorität zu belegen. In beiden Hinaichtea 



uiyiii^uü Ly Google 



Vilgilii Opp. ed. BÜterbcek. 1089 

daff man die vorliegende Abhnndinng KwerkinftTMg nennen, indent 
namentlich die bisher al]«^emcincr bekannt gewordenen Mn^rliinen 
dieser Art einer g^cnaiicren Prüfung unterworfen und die dabei känst« 
lieh angebrachten Täuschungen näher nachgeM'iesen sind. 

Bei der zweiten Abhandlung, über das künstliche Fliegen, 
ist der Zweck ein weit weniger allgemeiner, denn nur selten ver- 
fallen der Mechanik linkondige Thoren auf dieses Problem , und 
komnien bei der auffallenden Unzulänglichkeit der zur Lösung des- 
selben Torhandenen Mittel in der Regel sehr bald davon zurück. 
Die wieMsehnftliehe Bebasdlang dieses Gegenstandes ist zugleich 
weit eehwierfger, nnd dnher in der Tnrüegenden Schrift keineswegs 
▼ollstindiip, indem linupte&clilich nor Degens FlngniMchinc erör- 
tert nnd Zaeiinrit'n Yomrlieil über die nftmlicho Anfgalie benutzt 
inl, oline die iehaltreichen Abbandlangen Ten FuTs, Precbtl nnd 
Ckabrier gleiebfalls tn berfickticlitigen. 

M u n e k 9. 



P. Virgilii Moronis Opera omnia et ut vulgo feruntur , l Carmina 
minora, ad optimarum editionum fidem scholarum in usum curavit 
H. L. J. üillerbcck^ phil Dr. gymnasii Andreani regü olim di- 
rector. Editio aecunda. Hannover ac 1832 > sumiibm librariac Au- 
. IImw fiaAKteoe. 800 In 8. 

Wir Terweisen auf die Anzeige der ersten Ausgabe in diesen 

Blattern Jahrgg. 1827. No. 13. Auch die vorliegende zweite. liefert 
einen sehr correcten Textesabdruck mit möglichst berichtigtem Texte- 
Hinzugekommen sind in der zweiten Ausgabe die kleineren Dich- 
tungen Virgils, welche in der ersten fehlten, in dieser aber von 
S. 324. an ab-j^cdruckt sind nach der gewöhnlichen Ordnung: Culex., 
Ciris i Copot Moretum, Catalecta. Wir tragen daher kein Bedenken, 
ancli diesen erneuerten Abdruck zum Gebrauch auf Schulen, bei dem 
olinehin sehr billigen Preise, zu empfehlen. — Von demselben Ver- 
fasser erschien noch : 

Itoteiniach-Deutachea fVörterhueh zum AuBtoendiglernen 
für die drei untersten Klaaaen gelehrter Schulen. Her- 
auagegeben von Dr. Juliua Billerbeek, Hannover 1832. hm 
Verlage der Habn'eehM H^fbuekbamUuatg, IFm,I^S, im^ 

Da dan Buch fffir die drei nntereten Qjminanialdaeien bestimmt 
iet, ao ist ee demgemäfe Aneh In eben so viele Abechnitte gethetlt, 
deren Inlialt nnd Umfang dnreh seinen Zweck beetimmt ist, indem 
in jedem Abecbnitt nnr die ffnr den Sebfiler- dieeer Ciame paeaenden 
Wörter aufgenommen aind, und zwar in der Ordnung, dafa sneiat 
SalMtsntiye , nnd »war nach den Deeiinationen geordnet , ao wie mit 



Digitized by Google 



IQ4» 



SchUMieim« Peirciiktea-SMiiMiliiiig. 



Rücksicht auf die Ableitung und auf die ihre Bcdeatun^ bcrtimmenden 
Endsilben, dann passende Adjective und nun Vcrba, nach den vier 
Conjugationen abgethcilt , folgen. In gleicher Weise ist der ziireite 
Abschnitt behandelt, nur die Rücksicht auf die Syntax in Wahl 
und Bestimmung der Worte vorwaltete, auf dafs mit dem Erlemen 
der einzelnen Wörter zugleich auch die ■yntactisclien Regeln, die 
C«Mtracti.oa der Adjectivft, Verba ond dergl. mit eingelernt nnd ein- 
geftkt werde. Dem dritten, aeboa mnfaaaeaderen , aber in der Aa- 
ordnnng gleichen Abaehnitt dient daa Etymologiacbe aar Grandlagc. 
weabalb bei dem Verteiebnifa der Terba die rein alphabetieche «Ori- 
BBBg Terlaaaen and die etymolegiaciie, va nach jedeaa WortotaM 
die OBriDofa aad GM^peiKa falgea , Toigeiagep werde, and dabei m- 
gleieh anch die Constractien der einzelnen Verben sorgfältig ange- 
geben ist. Auf die Quantität der einzelnen Sjlben and Worte u. A, 
der Art ist überall sorgfältige Rücksicht genommen. Und so wird 
bei der einleuchtenden Zweekuiäfsigkeit dieses Schulbuch mit Nntzes 
beim Erlernen der latein. Sprache gebraucht werden können , zumal 
da es Ro eingerichtet iat* dafa ea aich sor Begleitung einer jedea 
.Gummatik eignet. 

f , ■ 



S^§Umati9ck^9 FavaaleJkat/a der P9*r9fakt€n- Sammlung 
det vcratorliea«« Wirklietiftn GekcimpnratkM Freih^rrn 
«ea Schlotküim, Gelfta 1882. 99 8, 

Dieses Yerzeichnifs gewährt eine Tollsiändige Uebersicht dir 
TOn Schlotheim hinterlasscnen Petrefaktcn -Sammlung in ihrer 
jetzigen Vollständigkeit. Es enthält die Mamen, einige Synonyme, 
die Fandorte und die vorbandeae StnckBahl. Bei aolchen Gegenfitän- 
dea, welehe der Terdiente' Petrefakten- Kundige aehon ■• J. 1820 bi§ 
1818. beaeaaea, findet maa die Yerweiaangen aaf aeia Werk Uber „die 
Petrefabtenlmade anf ihrem jetaigea Stand pankte.*' Dieaea Vevaeidi- 
aifs wird inabeaondere denjenigen aatslieh aeyn und anm Anhall- 
pankt dienen können , welche etwa Lnat ^agen, die hinterlaanat 
Sammlung an sich zu bringen. Wer sich dafar intereaalrt, hat aldi 
wegen der Bedingniiae an Hm* Moll er, Sekretär der Heraoglidiea 
Bibliothek in Gotha, la wenden. » Die Becker'sche Boclihandla^f 
beabsichtigt binnen einigen Monaten die in vier Werken zerstreuten ' 
„Abbildungen aus v o n Sch l ot h e i m's Petrefakten -Sammlung " mit 
66 Kupfertafeln und einem, auch die nciicrn S^^nonymc enthaltende! 
Text auf 3—4 Bogen (um etwa 7 Thaler) herauszugeben. 

Ä. C J8 r o a «. 



Di^itized by Google 



H'.mk HBIOBLB. JAHRB. n. UTBRATUR. IStt. 



Getehichte der Pkilotophie von Ueinrich Ritter, aufserord. 
Prof. an d» üniv, zu Berlin, Zweiter Theil. Hamburg, bei Friedr. 
FtrOn, 1880. XU und 494 Seiten, Dritter TheU. 1800. Xir 
md71»S. 8. 

Mit diesen beideo Bänden des irefilichen Werkes^ 
iber dessen Geist nnd Charakter im Allg^emeinen wir den 
Lesern dieser Jahrbb. bereits vor drei Jahren ausfiihrlicli 
genug berichtet haben, um uns hier darauf zurückbe* 
ziehen zu können, schliefst sich die Darstellung der ei* 
gentlichen allseitigen Blüthe und seibstständigea lebens- 
kräftigen Eotwickelnog der Philosophie in Griechenland. 
Unsere Leser erinnern sich, dafs Hr. R. im ersten iBande 
& 1T5 fß. die ganne Geschichte der griechischen Philo* 
nnphie in drei ZeitrSume theilt, deren erster das erste 
Aufwachsen des griechischen Geistes, der zweite die 
Tollkomnienste Blüthe der philosophischen Systeme, der 
dritte den Verfall dei; ghechischen umfafst, in dem ersten 
mehr eine Bildung der einselnen Stämme Statt gefunden , 
In dem rweiten dagegen die griechische Bildung einen 
MittelpnncC gewann und als Einheit ridi ausgebildet, in 
dem letzten endlich diesen Mitteipnnct in Griechenland 
wieder verloren und in der weitern Ausbreitung ihre 
griechische Eigenthfimlichkeit eingebiifst habe. Den er- 
nten Zeitraum behandelte der erste Band ; sein Ende war 
nicht schwer chronologisch zu bestimmen, und wenn 
»ch gleich, wie wir bereits früher erinnert haben und 
bald nodi einmal darauf snrfickkommen werden , gegen 
die Stelle, die Hr. R. den Sophisten am Ende desselben 
angewiesen hat, rucksichtlich des wissenschaftlichen Cha- 
rakters und Zusammenhanges derselben noch manche Be- > 
denklichkeiten erheben lassen, so sind wir doch rfick- 
mchtlich der iufeern Bestimnfung des Zeitabschnitteo 
▼oUkommen mit dem Verf. einverstanden, der denselbeii 
nach der Mitte des Anfken Jahrhunderts a. Chr. seilt,, 
wo durch den Zusammenünfii aller Intdiigenn von Osten 
XXY. Jabiy. 11. H«ft. 66 



IM BHtor, Ctoicliickte der Plitt«M>pltie. Itor «. Stet TImU. 

uod Westen her Athen der Mitteipnnct griechischer Cultar 
ward, und demznfolge die sweite P^ode mit dem Ns» 
nien der attischen Philosophie bezeichnet Schwie* 

Tiger ist die Bestimmung des Endpunctes dieser zweiten 
Periode; früher hatte sich Hr. R. mit der ungefähreu 
Annahme 50 a. Chr. begnügt; jetzt geht er tiefer auf ' 
die Sache ein und stellt zwei hauptsächliche Kriterien ' 
<les beginnenden Verfalls der Philosophie anf, die beide 
aus derselben Quelle, dem Mangel an eraseogender Krafti | 
entspringen: das uiphilo8ot»hische Spiel mit den ererbtes , 
Gedanken und die todte Ueberlieferung derselben in | 
gegebener Form oder die gelehrte Behandlung der 
Philosophie , bei welcher keine andere Selbstständigkeit 
• als die des Eklekticisnius möglich ist; und zweitens 
den Skepticismus, die Verzweiflung, welche aus der 
IJnfahigkeit entstehe, die überkommenen philosophischso 
Lehren in sich zur lebendigen Anschaaung zu bringen. 
Demnach flßhrt er die Geschichte der Philosophie in 
dritten Bande bis auf Posidonius und die letzten Akade- 
miker herunter; die Geschichte der Stoa zu Rom, der 
verschiedenen Versuche zur Wiederbelebung des P^tha- 
goreismus und Piatonismus, und der philosophischen 
Thfttigkeit zu Alesuindria nach ihren auf einander folgen- 
den Kscheinnngen werden dann wohl den Hauptgegen- 
stand der Periode des' Verfalles, im Ttertea Bande was- 
machen; denn die Snecesslonen auf der Hochschule £u 
Athen gehören, wie Hr. R. selbst fühlt (S. 15.), mehr 
der Literatur- und Gelehrtengeschichte an, und auch 
der Skepticismus des zweiten Jahrhunderts p. Chr. scheint 
uns nur in sofern er direct und ausschliefslich eben gegen 
diese todte Schulweisheit gerichtet ist, för diese Periode 
charakteristisch, in eigentlich philosophischer «Hiosicht 
dagegen keineswegs eine neue und eigenthQmllche Er- 
scheinung. Ueberhaupt begreift Ref. nicht recht, \?ie 
Hr. R. den eigentlichen Skepticismus, der der Philoso- 
phie feindselig sej, erst von der Mitte des letzten Jahrh. i 
a.Chr. an datiren, und demzufolge ganz der dritten Pe- 
riode zuweisen kann, da doch Aenesidemas^ den.er.na- 



Digitized by Google 



Bitter, Getchiclite der PhilMophie. Bter u. Stw Tbeil.. ItMi 

gireitig dabei im Sinoe hat^ so viel wir von demselbeil 
wissen , nicht mioder als später Sextus Empirikus. aus- 
drücklich betheaerte, dafs seine Lehre keine andere ab 
Pyrrhon'e sey« und selbst nach Hrn. R/s eigner Zusam- 
menstellung dessen , was wir von Pjrrhon und seinem 
nächsten Schfller Timon wissen (Bd. III, S. 416 — 444.), 
nicht der geringste wesentliche Unterschied hervortritt* 
Fast ftirchten wir, dafs er auch hier wieder, wie früher^ 
einem vorgesetzten Schematismus zu Liebe einen doppelteo 
Skeplicismna angenommen hat, um denselben wenigstens 
theilwaise erat mit der Vermischung griechischer und 
orientalischer Philosophie, dem eigentlichen Anfange der 
dritten Periode , gleichzeitig setzen zu dürfen. Unserer 
Ansicht nach kann und muCs nach Photius die Auffri- 
schung des Pyrrhonischen Systems durch AenesiderauS 
ganz einlach als ein Aufnehmen des Fadens betrachtet 
werden, den Antiochus, indem er die Akademie zum 
Stoicismushin&berf Ohrte, fallen liefe, während Karneades 
früher den absoluten Skepticismus mit denselben Worten 
ausgesprochen hatte, worein jetzt die Skeptiker ihren 
Unterschied von den Akademikern setzten (Cic. Academ. 
II. 9. n. 34.); und die ganze Verschiedenheit jener von 
diesen besteht also eigentlich nur in der Verschmelzung 
des Kampfs gegen die Theorie des Erkenntnifsverniögens 
mit der sophistischen Dialektik, die Pyrrho als Erbstück 
4er Abdbriten und Megarlker aufbewahrt hatte. Und 
18t nicht mit dem Augenblicke, wo die Philosophie rieh 
auf die Untersuchung der Art und Weise des menschli-' 
chen Erkennens einläfst , schon die Frage nach der Mög- 
•lichkeit desselben überhaupt und damit der Pyrrhonis- 
^MiS selbst gegeben, der ja eben gerade auf diesem fra- 
^amden Standpuncte zwischen der bejahenden und der 
iserBeincnden Antwort in der Mitte stehen bleibt? Weil 
entfernt, ein Zdchen des Verfalls der Philosophie ate 
solcher zu seyn, ist der Skepticismus yielmehr überhaupt 
das erste Erzeugnifs des Uebergangs aus der Unmittel* 
barkeit des anunterschiedenen Bewufstseyns zu dem Stand-* 
pyacte der Reflexion oder dem deutlich bewufsten Gd» 



Digitized by Google 



iej4 Ritter, G«tcliiGlite der Phllotophie. fter ü. tter TM. 

gensatze des Sabjects mit dem Objecto,' wie ihn Hr.lL 
selbst Bd. III, S. 44S. ganz richtig als die Lage bö» 

zeichnet, „wo der Mensch , zwar überzeugt davon , dafs 
die Wahrheit nicht in der sinnlichen Erscheinung zu 
ünden sey, doch in dem bisherigen Bildungsgange der 
Wisseaschaft nicht mehr das Mittel finden köooe, sich 
über das SioDliche zu erheben, indem das menschliche 
Bewu&tseyn zu sehr mit der Sinnlichkeit verflochteo er- 
scheine." Ab^ als solcher hat er sdne wissensehafttieke 
Stelle bereits in den Sophisten, bei welchen die elei- 
tische Dialektik , der ursprunglich die Form als aliei- 
niger Inhalt selbst gegolten hatte, sobald sie (durch 
Zeno) als blofse Form auf einen ihr fremdartigen lohalt 
angewendet wird , eben durch Zernichtuog der objectiven 
Wahrheit dieses Inhaltes demselben eine vorher nie ge- 
kannte subjectiye Wahrheit giebt , und indem de dtf 
Sinnlichkeit eine eben so positive Gültigkeit wie den 
Gesetzen des Verstandes einräumt, den Gegensatz auf- 
stellt, dessen Ausgleichung die folgenden Systeme be- 
schäftigt, der aber nie hätte ausgeglichen, werden können, 
wenn er nicht zuerst wäre in extremer ~ Schroffheit auf- 
gestellt und fixirt worden. Das ist .eben das grofse Ver- 
dienst der Sophisten , ihren Nachfolgern die Fragen ge- 
stellt zu haben, auf deren Beantwortung es denselben 
ankommen mufste; dafs sie selbst sie nicht beaDt\¥orleD 
konnten , war natürlich , da gerade der in der Regel am 
ersten nach dem Grunde einer Sache fragt, der ihn am 
wenigsten einsieht; eben darum aber hätte Ref. sie lieber 
an die Spitze dieser als an's Ende der TorhergdieBden 
Periode gesetzt, um sie nicht als die Abendrddie eiser 
Untergehenden Wissenschaftlichkelt , sondern als das Moi- 
genroth einer neu erwachenden Geistesrichtung zii be- 
zeichnen. Wenn sich nun freilich trotz der Fortschritte 
der Philosophie diese Erscheinung immer wiederhoir 
und in ununterbrochener Succession von den ersten So- 
phisten an stets mit der Weiterentwickelung der Philo- 
sophie parallel lauft, so rfihrt dies eiufiMsh daher, dato 
sie eis nolbweodiger Durchgangspuact, oidkf UMflr 



Digitized by Googt 



den philosophischen Geist im Alig^emeioeii, tondern auch 
fiOrt jodao eiazelaeii Denker ist, und mancher daher in 
dttnselbßQ stecken bleibt, und selbst mit fremder Hand» 
reichang nicht mehr die Kraft besitzt, sich fiber den- 
selben zu erheben. Dagegen tritt mit derselben Noth- 
weadigkeit später noch einmal eine zweite Art von Ske- 
pticismus ein ; sobald nämlich im Innern der Wissenschaft 
selbst wieder der nämliche Gegensatz zwischen dem 
Sttbjecte und Ofegecte, d. h. hier zwischen dem erken- 
nenden Vermdgeii vnd dem erkannten Inhalte znm Be- 
wttfttseyn gekommen, die Akatalepsie der nenern Aka- 
demie, hervorgerufen durch die Bestrebungen des Dogma- 
tismus, eine Theorie des Erkenntnifsvermögens aufzu- 
stellen. Denn bei Plato und Aristoteles findet sich noch 
keine Spur von einer ähnlichen Theorie 'als solcher; 
beide betrachten das Erkennen nnr ganz objectiv in der ^ 
tUShe der ftbrigen Erscheinungen im Reiche der Natur 
moA des Geistes, in sofern auch es durch die Consequenu 
des Systems au seiuer Stelle bestätigt wird; währeud 
sich alle ihre philosophischen Beweise nur auf die ob- 
. jective Wahrheit des zu erkennenden Gegenstandes rieh* 
ten, von der ihnen die subjective der Erkenntnis eine 
eben so wesentliche und unnnterschiedene Folgerung. zu 
ueyn scheint^ wie den Altern Philosophen die Denkformen 
▼on ihrem Inhalte. Mit dem Versuche dagegen, die 
Möglichkeit der Erkenntnifs, getrennt von ihrem Ge- 
g^enstande, zu demonstriren, ihre Beschaffenheit abstract 
darzustellen , ist auch die Möglichkeit und Berichtigung 
eines Zweifels an derselben eo yso gegeben , und nicht 
. mit dem Skepticismus , sondern mit der ersten Auf^^tel- 
'lang einer Theorie des Erkenntnifbvermögeus möchte Ref. 
daher die dritte Periode der Geschichte der Philosophie 
beginnen. Dafs dies nicht ausbleiben konnte , nachdem 
Aristoteles den Menschen auf die historische Erfahrung - 
seines Innern als Quelle des philosophischen Wissens an- . 
g^ewiesen hatte, war natQrlich; welcher wesentliche unii 
geaensch verschiedene Zusatz aber diese Kanonik oder 
I^fiate ¥on dbn Kriterien der Wahrheit su den drei früh 



Digitized by Google 



1M6 Ritter, GeMhichte der PhUeM>|»hie. 2ter «. 9ter TfaeU. 

heren Haopttheilen der objectiven Philosophie gewMea 
gey^ hat Hr. R. viel m schwach und ankJar herrorg»- 
Irobeo. „Wir finden," heifst es Bd. III. S. SSO, „difii 

die Stoiker, indem sie von der frühern Schätzung der 
Logik abgingen, einen Weg verfolgten, welcher durch 
den frühern Gang der Philosophie ihnen schon vorge- 
zeichnet war. Denn allmählig hatte sich die MeinoDg 
rerbreitety.dafs die Logik mehr ein Werkzeug derPU» 
losophie als selbst Philosophie sej. Diese Meinmig Ist 
deutlich bei den Epikureern ausgesprochen ; sie war aber 
auch der peripatetischen Schule nicht fremd, und wir 
müssen gestehn , dafs schon Aristoteles sie begünstigt 
hatte; denn indem er die gelehrte Erfahrung in die Phi- 
losophie einführte , bereitete er die Ansicht vor , als 
stamme der Inhalt der Wissenschaft aus der «nnliclMB 
Empfindung, und die Logik Terhelfe uns nur dasn, des 
gesammelten Stoff der Erfahrungen in eine wissenschaft- 
liche Form zu bringen. In dieser Richtung finden wir 
auch die Stoiker, doch — sehen wir so viel deutlich 
aus den sehr auseinanderlaufenden Angaben fiber die 
stoische £intheilung der Logik , dafs sie zu diesem Theile 
der Philosophie nicht nur die Untersuchung über die 
Begriffe, Urtheile und Schlüsse zogen, sondern auch ia 
ihm von den Kennzeichen und dem Ursprünge der Wahr- 
heit und von den Kategorien handelten.^' Nach diesem 
scheint Hr. R. die gröfste Veränderung in der stoischen 
Logik darein zu setzen , dafs sie gröfstentheils rein formal 
wird, und nun gerade in der Lehre von den Kriterieo 
die Fortdauer ihrer früheren Geltung zu erblicken; aber 
ist es nicht gerade umgekehrt V Räumt er nicht sellNl 
mn , dafs jener forniale Charakter schon In der aristote- 
lischen Lehre begründet sey, und war es nun nicht ge* 
rade eine nothwendige Folge dieser Heruntersetzung der 
logischen Formen von ihrer früheren metaphysischen 
Bedeutung, dafs die folgenden Philosophen sich nach 
einem anderweitigen Ersätze für das, was jene früher 
geleistet, umsehn mubten f Plato hatte in den logischen 
Fprmen den realen Crmnd der Wniirbeit s^bsl g^eseboi 



Digitized by Googl 



Aristoteles selbst noch wenigstens durch das durchgän- 
gige Walten der Form in aller Erscheinung seine philo- 
sophischen Ansprfiche ai| diese ToUkommen befriedigt 
gefunden, kein Wunder also , wenn bei beiden noch die 
Lehre von den Kriterien der Wahrheit zur Logik ge- 
hört, deren Formen ja eben selbst die Stelle jener ver- 
treten; nachdem aber einmal die Erscheinung als solche 
unabhängig von der Form und diese ihr blos äufserlich 
erkannt worden war, konnte jene nicht mehr als auf dieser 
allein beruhend betrachtet, es mufste aufser der Logik 
dne neue WIssenachaft, eine Theorie der empirischen 
Wahrheit geschaffen werden , die an sich gar nichts mit 
jener zu thun hatte. Daher konnten die Epikureer, wäh- 
rend sie die Dialektik verwarfen, die Kanonik aufstellen, 
und wenn auch die Stoiker, wie Hr. R. S. 525. richtig 
aehlielst, die Lehre vom Kriterion der Wahrheit noch 
ynm der Dialektik sonderten , so liegt darin keineswegs 
das Auffallende, was er dann sn finden scheint ; nur weil 
man einmal die Trichotomie der Philosophie in Logik, 
Physik und Ethik angenommen hatte, brachte man sie 
auch in einer der drei Abtheilungen unter, ohne dafs sie 
darum auihören dürfte, als eine der charakteristischsten 
Neuerungen in der Geschichte der Philosophie betrachtet 
BU .werden» 

Eben so wenig aber wie der Skepticismus , scheint 

uns der Uebergang in todte Ueberlieferung charakteri- 
stisch für das Ende einer Periode in der Geschichte der 
Philosophie. Denn abgesehn davon, dafs der8en)e an 
keine bestimmte Zeit gebunden ist, so ist er ja nur das 
DOthwendige Ergebnife des Dogmatismus selbst, das nicht 
ausbleiben konnte, sobald die Philosophie den Weg ein- 
geschlagen hatte, statt die Principien zu beweisen und 
jeden einzelnen auf die ewig neue Heransentwickelung 
der Weisheit aus diesen anzuweisen , die Principien als 
Axiome aufzustellen und dann ihr System aus den Folgen 
derselben bis in's Einzelste auszubauen. Freilich ist auch 
jede neue Richtung in der Philosophie nur eine noth- 
wendige Folge der VQrhergebenden ; aber einen ^rofseii 



I 

■ 

Hitler« OcMUdite der PhilMphle. Ster a; TML 

Unterschied macht fls doch, ob sie dtireh meobavioelM 
und geiMose Fortpflansung die Mftogel und B15flien der- 
selben nur noch deutlicher herrortreteq Ififst oder durch 

erneuerte Geistesanstrengung^ diese zu heben und auszu- 
fDlIen bemüht ist, und in sofern daher, wie wir schon 
' in der Anzeige des ersten Bandes bemerkt zu haben uns 
erinnern, der Hauptmangel der Philosophien des Alter«- 
thums immer In der Ununterschiedenbeit und Einseitige 
keit liegt, die aus dem mangelnden Be^afetsayo der 
groAm Gegensätze von Form und Inhalt, Subject und 
Object entsteht, so möchten die besten Anfange neuer 
Perioden da zu machen sejn, wo wieder einmal ein sol- 
cher Gegensatz zuerst klar und scharf vor die Seele 
springt, folglich nach unsern obigen Andeutungen mit 
den Sophisteu iind mit den Nachfolgern des Aristotelesi, 
Will man mit Hrn. R. Skepticismu^ Und todte UeberKe* 
fern ng als Kriterien einer neuen Epoche betrachten, so 
kann man den Dogmatismus nicht aubschliefsen , mit dem 
der erstere Hand in Hand geht, die letztere unausbleib- 
lich verbunden ist; und so führt uns seine eigeoe An- 
sicht, consequent durchgeführt, selbst darauf, diezweite 
Periode vielmehr bereits m|t Aristoteles zu. scbltelsett 
und ans Stoikern, Epikureern und Akademikern eine 
neue dritte zu begrflnden. In den Erscheinungen dage- 
gen, die er seiner dritten Periode zuweist und diese als 
die Zeit des Verfalles bezeichnet, scheint er uns denselben 
Fehler begangen zu haben, den wir schon früher an 
seiner Stellung der Sophisten rügten: nämlich io der 
Uebergangsperiode immer nur die Verwesung der tot^ 
hergehenden und nicht auch zugleich den Keim der Auf« 
erstehung der folgenden, nur die 'Nacht nach dem ge- 
sunkenen Tage', und nicht auch die frische Lebenskraft 
zu erblicken, mit der sie die Thätigkeit des folgenden 
vorbereitet. Hätte er nur eine Geschichte der griechi- 
schen Philosophie als solcher zu -schreiben , so wollten 
wir nichts dagegen einwenden; da er aber eine Geechidite 
der gesammten philosophischen Entwickelung des Mea- 
ecbengeschlechts ankftndigt, so durfte er wohl nicht 



lUtter« GMhickte iler PhU«M|iliie. tiev n. It«r Tlidl. IM« 



fiberteiia, wie sich in allen jeBen philosiipbMclieD Be* 
sCrebungen der nach-nng[n§tei8dien Beil neue BedirfiiiM 
kund geben ) auf welche die Xllere Phiieeophie docK 

nicht Rücksicht nehmen konnte, weil sie noch nicht 
durch die Zeitumstände in ihr angeregt waren, zu deren 
Befriedigung aber gleichwohl die griechische und rd« 
mische Welt nichts als jene äliere Pliilosophie hatte. 
Daher ao oft in der Anwendung derselben das klägliche 
Bild krampfhafter Selbstpeinigung, um gegen die Stürme 
* von Aufsen und Innen ihre Blöfee mit dnem Mantel 
zu bedecken, der doch dazu bald hier bald dort nicht 
ausreichte; daher jene Menge von Ideen, die eigentlich 
erst in dem Christenthume ihre Stelle als System finden 
und mithin zeigen , wie dieses allein geeignet war , dem 
geistigen Bedurfnisse der Zelt seine wahre Befriedigung 
SU gewähren ! Wir wissen nicht, in wie fern Hr. R. die 
«diristlidie Lehre, wie sie sich durch die Kirchenväter 
zu einem dogmatischen Systeme ausbildete, in seine Dar- 
stellung aufzunehmen gesonnen ist ; dafs sie aber wesent- 
lich dahin gehört, scheint uns unbestreitbar, und es 
wäre- eine sehr Interessante und- unsers Wissens noch von 
Niemanden yersuchte Aufgabe, zugleich ein wichtiger 
Britrag zur Apologetik des Christenthums, dasselbe in 
uusAhrlicher Bntwickelung unter dem phihMopbisch- 
htstorischen Standpuncte, also in so fern darzustellen, 
als es nicht blos eine göttliche Veranstaltung zur Befrie* 
digung der Bedürfnisse des Gemuths und Herzens ist, 
die ewig dieselben bleiben und sich bei jedem Indivi* 
duum nur wiederholen, sondern auch zur Zeit seiner Ent- 
Mehung mit den Bedürlhissen des denkenden Geistes 
coincidirte und ein nothwendiger Moment in der geisti- 
gen Entwickelung der Menschheit war, die, wie diu 
Geschichte der Philosophie lehrt, ohne es entweder der 
Verzweiflung oder der Sch\värmer<*i anheimgefallen seyn 
würde. Der Geschichte der alten Philosophie scheint 
uns daher eben jene Periode, die Hrn. R. die dritte der- 
itelben ist, nur noch historisch und äufeerlich ansuge- 
hdren ; ihrem tiefern philosophischen Gehalte nach blickt 

m 

% 



Digitized by Go ^i .^ 



im aitter, QemshUhU der FliUfiso|>liie. 2tor u. 8ler TMl. 

sUi bereits wie ein Janas mit dem jugendItcheD Galehte 
nach der Zakunft hiii, oteehon der.Zusammeohaog , ia 
weSchem m noch mil dem greisen alten elebt, de hia<> 
derl, derselben zuzaeilen. Auf allen Fall hälte Hr.R, 

seiner eigenen Betraclitungsweise nach so verfahren müs- 
sen , wie er es im ersten Bande gemacht hat : sie als 
vierte den drei andern anhängen, die wir jetzt durch 
die Spaltung seiner zweiten in zwei gewinnen, und die 
sich bei weitem richtiger, als er es dort mit den drei 
Hanptschiilett der ersten Periode getban bat, in die drei 
Hauptrichtungen, Physik, Dialektik nnd Ethik serftllea 
lassen. Denn wenn Hr. R. vollkommen richtig eingesehn 
hat, dafs der Hauptcharakter der zweiten oder sokra* 
tischen Periode die Dialektik ist (Bd. H, S. 10.), wovoo 
gleich nachher mehr, so konnte es ihm eben so wenig 
entgehen, dafis dieser bei Epiknr, der Stoa und Akademie 
Id den Hintergrund tritt und , wie er in der obeo mitge» 
theilten Stelle richtig bemerkt, mehr oder minder o» 
als Werkzeug der eigentlichen Philosophie betrachtel 
wird. 

Desto mehr aber haben wir uns gewundert, wie er 
sich ebendaselbst verleiten lassen konnte, in der stoi- 
schen Philosophie die Phjsik als über der £thik stehend 
Ztt betrachten. Die änfsern Gründe daf&r sind sehr 
genügend t allerdings ordneten einige Stoiker nach iS 
Empir. VII. 28* jene drei Theiie in aufsteigender LiDie 
so: Logik, Ethik, Physik; weil die letzte „^ftor^fa 
T£ iari xai ßa'^vre^ag SecTat rfig inLardaecDg'' : aber 
von den Grundern des S;y8tem8, Zeno und Chrysippus, 
sagt doch Diogen. L. VlL 4(lL ausdrücklich, dafssiedie 
Ethik zuletet gestellt hätten, und Hr. R. selbst hatS.d2& 
sehr richtig den Unterschied zwischen streng sjstentt* 
tischer Darstellung der Philosophie selbst und zwischea 
der Ordnung des Unterrichts eingesehen, für welchen 
ja selbst der strengste Systematiker , Hegel, in der Phä- 
nomenologie des Geistes eine Anticipation erlaubt hat, 
and dessen Erleichterung bei einer Philosophie, die einer« 
idts sq dentlicb praktische Zwecke für das grolsefe 



0 

Digitized by Coü 



PttbUcoai ankOndifte, aodreraeits ihr« ia ctogmalUxdie 
Form gekleideten Lehren einer or^ enieclieD Eniwickelung 
minder bedirftig gemacht hatte, eben so möglich als 
oothweudig war. Wenn aber Hr. R. rücksichtlich der 
Gleichnisse, durch welche die Stoiker das V^erhältnifs 
-der drei genannten Zweige deutlich zu machen suchten, 
die Attctorität des Diogenes der des S. Empirikus (VIL 17.) 
vorsiebl, se gestehen wir offen, dafe wir einem wiaaen-^ 
eehafUich gebildeten Denker unbedingt den Vonmg vor 
einem geietlosenCompilator geben; zu geschweigen dafa, 
wenn die Ethik dem Weifsen und nicht dem Gelben im 
Ei, dem Fleische und nicht der Seele im Körper ent- 
sprechen sollte, sie in dem Bilde des Baumgartena auch 
nicht die Stelle der Frucht, die ihr doch Diogen. I4* 
gleichfalia giebt , sondern* die des Bodens hätte eioneh«* . 
men müssen. Selbst Werner (de Senecae phUo99phia, 
Breslaa 1825.), der gleidifalls die Physik als das hfiehste 
im stoischen Sj'Stem betrachtet, giebt Sextus den Vorzug 
Tor Diogenes, aber den Ausweg, den dieser zur Verein-« 
barung desselben einschlägt (S. 51.), dafs jene Vergiei- 
chnngen nur die Beschaffenheit, nicht den Rang der 
einselnen Discipiinen beseiohnen sollen, kdnnen wir keU^ 
neswegs billigen, da ihr Rang ja eben auf dem Ver-i 
hiltnisse ihrer Beschaffenheit beruht Völlig aber spre« 
chen dagegen die innerii Gründe, die aus dem Zusam**. 
menhange der Philosophie sowohl mit der innern Gestal- 
tuqg der Wissenschaft, als mit der äufsern des Lebeoa 
folgen. Nach der geistreichen Entwickelong der äufsern 
Bedingwigen, die die Zeitverhältnisse nach Aristoteles 
der Philosophie anf legten, Bd. III, 8. 418 fg., wird nns 
Hr. R. selbst einrftnmen, dalk ip dieser Zeit, nachdem 
durch den Umsturz des ganzen politischen Lebens alle 
Schranken des Rechts und der Sitte, die bis dahin die 
Handlungen der Menschen hatten bestimmen können, 
gefallen waren, die Philosophie ihr Hauptaugenmerk auf 
den Ersati dieses Mangels richten mnfste, um Interesse 
und NfltBlichkeit su gewinnen; und wenn nicht nur die 
epikiireiscIioPbliosophiey sonclerit selbst d^r akademische 



und Pyrrhonische Skepticimus dies als letztes Ziel aii£- 
stttUte, koonte der Stoictemos mrftckbleiben , und ktnn 
er zor&ckgebilebeii teyo, da er die tiefsten Wmela 
schlug lind sich der weitesten Verbreitnog erffsstst 

• So lange der gebahnte Weg nnd das Gängelband angfe- 
stammter Namen und Sitten und der geregelte Gang der 
Aufsenwelt den Menschen auch mit himmelwärts gerich- 

' tetem Blicke sicher vor Falle gehen liefs, konnte seia 
Geist sich reio und gaon der Betrachtnog der Natur 
widmen; nach dem Untergänge alles dessen, worsif «i 
früher als anf efai lldheres angewiesen worden mr, 
stand er auf sich befewiirftnkt als der Mittelpunkt soiaci 
eigenen Lebens da , und was sich auf ihn bezog , mur§te 
ihm das wichtigste seyn. Wenn sich Hr. R. darauf be- 
ruft, dafs das ganze Alterthum das Göttliche über das 
Menschliche gesetzt habe, so geht dies nur auf den 
Rang, den ja auch Epikur seinen Göttern iiefs, nicht 
anf die Wichtigkeit, die . den Stoikern seibsl nicht ak 
so grofs erscheinen konnte, wenn sie gerade die Phjsik 
Dicht fDr Jedermann DÖthig hielten; und eben die Ab- 

, hängigkeit des Menschlichen vom Göttlichen nach stoi* 
scher Ansicht zeigt nur, warum man jenes kennen leroeo 
mnllite, um dieses darnach zu bestimmen; um so mehr, 
wenn man bedenkt, wie den Stoikern das Göttliche so 
gane in der NaturkrafI beniht, Uber welche sich der 
Mensch doch am Ende nur erheben und geistig M 
machen soll. Mag daher auch Phjsik und Logik foo 
ihnen vielfach eigenthumlich fortgebildet worden seyo, 
immer bleibt ihr charakteristisch unterscheidendes Fach 
die Ethik, die von ihnen zuerst ihre eigentliche wissen« 
schaftliche Ausführung ex profesao erhalten hat Die 
unmittelbar sokratische Schule behandelte die Etliikt 
wie Hr. R. treffend eingesehen hat , doch nur als Co- 
rollar der eigentlichen Wissenschaftslehre , nachdem der 
Streit Ober dialektische Fragen den Krieg unvermerkt 
auf dieses Nachbargebiet hinubergespielt hatte , gerade 
wie die Eleateu aus der Physik unvermerkt auf die Dia> 
MUik gekommen wareu ; daher finden sich dort weU 



Digitized by Go 



dfil Fragen ud df« allgetneioen G«siehtopiinkte ftr 
dl'(B06D Theil der Philosophie , und Ziel und Zweck des- 
selben aufgestellt ; aber die Antworten darauf sind le- 
diglich formal und enthalten erst in dieser nacharistoteli- 
schen Periode inhaltsvolle und auch ffir den verständ- 
liche BeaniWorinog , der nicht Selbstständigkeit geaog 
besitzl, mm eine gegebene Form mit eignem lobalte aus- 
fttteo, eiB^n gewiemeo Weg ohne fernere Ffihrwig 
gehen M kdnnen. 

Gleichwohl wollen wii^ gegen die Bezeichnung der 
Stoiker als sokratischer Schule nichts einwenden, mit 
der sie durch das Mittelglied der Antisthenischen Lehre 
eben so innig zusammenhingen, wie Plato durch die 
liegariker mit den Bleaten ; nnr hätte Hr. R. dann nicht 
SO nngerecht eeyn sollen, Ejpikmr Ton dieser Beseiehnnog 
««smisehllefseB, mid wie ein Anomalen nnr e]^8odi8cli 
zu behandeln. „Was die eine Schule betrifft," sagt er 
Bd. II, S. T, „welche sich nicht nach dem Sokrates 
nannte , und in welcher auch das Sokratische Princip 
nicht lebte, nämlich die Epikurische, so wird sich von 
dieser zeigen lassen, dafs sie in einer Ausartung der Gre- 
sinnmig bemliete, welche das pbilosopfaisohe Streben 
Sil tödten geeignet war, indem sie nor so viel von phl» 
losophischen Elementen aufnahm , als schon ans der vor« 
sokratischen Entwickelung entnommen werden konnte, 
also eigentlich auf einen Rückschritt der wissenschaftii- 
/Chen Entwickelung hinarbeitete ; daher kann die Ge- 
sdbichte dieser Schule fuglich als eine Episode betrachtet 
werden , welche über den Charakter dieser Periode 
ttlchts entscheidet." Er didlt daher so ab, dafr er im 
zehnten Buche Skeptiker mid Epikureer Tetbindet, Im 
eilften aber die Stoiker sammt den Ausartungen der al- 
tem Schulen, wie er es nennt, der neuern Akademie 
und den letzten Peripatetikern zusammenfafst , welche 
letztere Verschmelzung wir nach dem , was wir oben 
dber die charakteristische Wichtigkeit des Streits über 
die Theorie des Erkenntniftvermdgens gesagt haben ^ 



JMi Ritter, Geichichte der Philosophie. 2ter n. dter ThdL 

aber Epikur betrifft , §o ist es wahr , dafa das AUerthum 
ihn mn Demokril nod dessen Nachfolger ankaftpfte; «bei 
wie Hr. iL elaet mil Rechl HeraUit am seinem Bzile n- 
rttdkberufen uiid ihm seine reckte Stelle unter den ioai* 

sehen Philosophen angewiesen hat, so hätte er auch m 
diesem Puncte die Auctorität des Diogenes Laertius hint- 
ansetzen und dem Gargettier seinen gebührenden Platz 



in der attischen Philosophie anweisen sollen. Zwarwotisa j 
wir ihm wegen dieser Ungerechtigkeit nicht zürnen, in- 
dem sie ans demeeiben edlen Unwillen tbet den after« 
phlloaophiachen nnd verderblichen Gehalt jenes SysteiBk 
entsprungen ist, der ihn auch gegen Demokrit unge- 
recht gemacht hat; aber der Geschieh tscli rei ber , cui 
nec awore quisquarn et sine odio dwendus est, mufste 
unsers Bedünkens zwischen Charakter und Werth ei ms 
Systems wohl unterscheiden. Jenen giebt ihm seine Tea- 
' denn, dieeen die Art nnd Weise, wie jene Tendens er> 
reichi worden ist ; die Mängel des letztem Puncts b« 
Bpikur hat Hr. R. in Form nnd Inhalt vortrefflich anf- 
gedeckt, darüber aber ganz übersehn, dafs Epikur nur 
auf verschiedenem Wege das nämliche wie die Stoiker 
bezweckte, und daher seinem Charakter nach im Ver- 
hältnifs zu seiner Zeit geschichtlich betrachtet, ganz auf 
gMcher Linie mit ihnen steht, Gl&ckaeligkeit ist das 
gemcAm^cbaftliche Ziel aller Ethik, das ja selbst Akade- 
miker rnid Skeptiker trotn des rein theoretischen An- 
scheines ihrer Lehren als letzten Zweck zu Verfolges 
erklärten; und selbst in der formalen Bestimmung dieses 
Begriffs laufen die verschiedenen Systeme ziemlich auf 
Eins hinaus : denn was das Eine Apathie, das Andere 
Ataiaxie, das Dritte Euthymie nennt, * was ist es andeis, 
nls immer das nämliche Bestreben, den Mensehen, der 
frei Tnn aller inftern Bestlmmnng und Leitung sich jetsl 
ganz auf sich angewiesen sah, uuu auch auf der andern 
Seite in den Stand zu setzen, von allen zufälligen äus- 
sern Eindrücken unabhängig sich selbst consequent nach 
seinen Zwecken sn bestimmen ? Dafs er dies kdnne und 
dArfe^ lag sehim in der SokratisGlien Lehre nnUMdüBi 



Digitized by Google 



t 



Ritter» CtoMhiebte der PhiloMplile. 2ter 11. «ter 'rhell. VM^ 

dal« die Vorsehung den Menschen snr GlIiGkseligkeii 
beiliiiiiiit uad lu dinsiMii Ende niclit nur Umi sdbst, 
sondern auch dte^ gunue sichtbare Nfttur so eingerichtet 

habe, dafs man nar sie zu beobachten, ihr zu folgen 
brauche, um den Weg zu seiner Bestimmung sicher zu 
finden. Naturgemäfs leben war also der Weg-, in wel- 
chem die Stoa und Epikur (vergl. Athen, VII, 11. p.280.) 
eben so wohl als bereits die beiden entgegengesetzten 
Richtungen der unmittelbaren 8oiKratiker, Aristippos und 
Anlistheoes, fiberrinstimmeo ; und da Hr* R. so sdhdd 
die Aehnlicbkeit dieser beiden eingesehen hat (Bd. II, 
S. 121.), so können wir das ungleiche Verhältnifs, worein 
er jene zu einander setzt, nur ans der Gleichgültigkeit 
erklären, mit der er sich beiläufig (Bd. III, S. 453.) 
fiber den Zusammenhang Epikur's mit Aristipp äufsert. 
Uns scheint dieser eben so wesentiidi wie der der Stoiker 
mit Antlsthenes; die Richtungen beider Schulen waren 
so nothwendige Ausflüsse des ursprünglichen Prineips, 
dafs sie, so lange dies Princip selbst galt, auch iu der 
folgenden Philosophie nicht verschwinden konnten; nur 
mit den Modificationen , die die Fortschritte der philo- 
sophischen Einsicht überhaupt mit sich brachten. Durch 
Pkto und Aristoteles war das Verh&ltnilli der Seele zum 
Körper zuerst wissenschi^ich bcgründel und das Ueberw 
gewicht der erstem nachgewiesen worden ; was also 
früher in grob physischem und materiellem Sinne auf- 
gefafst worden war, mufste jetzt auf das Leben der Seele 
übergetragen werden, und auf ähnliche Weise, wie die 
Unabhängigkeit des Cynismus bei den Stoikern, findet 
flieh daher die Genulssudhi der pyrenaiker bei Epilnir 
vergeistigt. Dies kann IIr;R< 8. 46& selbst nicht Itagnen, 
wenn er aüch bei dem geringen Gewicht, das er darauf 
legt, einen Hauptgrund übersehn hat, warum Epikur 
die Lust der Seele über die körperliche gesetzt haben 
mag, weil nämlich jene bei weitem mehr als diese in 
unserer Gewalt steht, i<fk* lifilv iart, um mit den Stoi- 
kern zu reden; wenn spStere Epikureer praktisch zum 
grobsinnlichen Cyrenaismus surückkehren, so schadet 



Digitized by Google 



7\ 



1036 illiter, QeishicKte der Philoiophie. 2ler u. SterTM. " 

das dem Geiste der Lehre eben so wenig, als die Aus- 
wüchse der S(oa, die sich ja auch von den Cynikem 
bisweilen nur durch das eine Hemd unterschied, das j 
Ihre BdEeoaer m^hr trugen ( Juveoal. XIIL 122.). fitt , 
ganze UDlersehled zwiiclieii der stoischeD und epikwd- 
sehen Moral beruht daher auf der Vieldeutigkeit des 
Wortes Natur, auf der yerschiedenen Auslegung, die 
beide dem xaxa cpvatv gaben; indem die Epiku- 
reer die Natur, der der Mensch gernüfs leben sollte, in 
der ganzen concretea Mannichfaitigkeit nahmen, ioii4> 
<^er sie in bdMdaiini erecheiot^ die Stoiker dagegen 
in der abetracten Allgemdnheit, wie sie io allen Mea* 
scheu die nämliche ist, also frei von allen den Eigen- 
thümlichkeiten besonderer Wünsche und Begierden, in 
welchen der Epikureer, der sowohl jede Individualität 
in ihrer Zusammensetzung als auch jeden einzelnen Eio- 
.dmck als solchen nur als Werk des Zufalls betracbioa 
fcooiilie , . gerade die einzig denkbare Naturbestimmnag 
erblickte. In sofern Hr. R. (Bd. IH, & 4IM.) Bpikit*« 
System die Consequenz im Ganzen abspricht und seine 
Ranonik und Physik als mangelhaft ond widersprechend 
bezeichnet, können wir ihm historisch betrachtet nicht , 
beistimmen; uns dünkt, dafs Epikur den praktiaehta 
Theil seiner Lehre unmöglich hätte gegen die theore- 
tischen Prämissen der Wissenschaft seiner Zeit TSitlMif . 
digen lUKnnen, wenn er nicht auch diesen entsprechaBd» . 
andere entgegengesetut hätte; und die Widerspruche, 
die wir daran entdecken , liegen nur für uns in der 
Lfnhaltbarkeit des Ganzen, nicht in dem Mifs Verhältnis j 

* ^ 

der einzelnen Theile begründet. Dies trifft aber jedes 
untergegangene System auf gleiche Weise und den Slsi- 
cismus nicht minder als den JBpikureismus, über Amm 
Widerspruche wir auf Plotarch zu Yerwmea'«ns 
gnfigen lUkmeo. 

■ 



Digitized by Google 



N°. 67. HEIDELB. JAHRB. d. LITERATUR. 1832. 



Ritter, Geschichte der Philosophie. 2r u. Sr Theil 

(Fortsettun f^. ) 

Auch dafs Epikur sein Sj^stem an das demokritische 
anlehnte, kann ihn unsers Bedünkens von der Ehre eines 
eigenthümlichen Platzes in der Geschichte der Philoso- 
phie nicht ausschliefsen , sobald man nur festhält, dafs 
in dieser Periode die Ethik entscheidend für den philo- 
sophischen Charakter eines Systems ist; es bleibt immer 
ein sehr grofser Unterschied, ob eine ethische Ansicht 
als Folgerung eines naturphilosophischen Systems aus- 
gesprochen wird, oder eine eigenlhümliche Moraltheorie 
sich zu ihrer Begründung auf eine verwandte Ansicht 
der Physik stützt und bezieht ; zudem stehn ja auch die 
Stoiker in einem ähnlichen Verhältnisse zu Heraklit, und 
auf allen Fall kann gegen Aristoteles Physik ihr Mate- 
rialismus auch nur als ein Rückschritt betrachtet wer- 
den , obschon er allerdings seiner realen Grundlagen 
wegen die Wissenschaft zu ganz andern Resultaten als 
Epikur's gespenstige Atomistik geführt hat. Der Stoi- 
cismus hat, wenn wir uns so ausdrücken dürfen. Einen 
-wahren Factor und steht in sofern dem Epikureismus 
entgegen , dessen beide Factoren falsch sind ; daher 
kommt es , dafs er uns mehr anspricht und uns näher 
steht , weil er auf einer höhern Achtung für ethische 
Reinheit und scientifische Gewifsheit beruht, auch man- 
chen Satz aufstellt, dessen Inhalt wir anerkennen, wenn 
wir ihn gleich aus andern Prämissen herleiten; indem er 
aber den andern falschen Factor mit dem Epikureismus 
theilt, steht er doch wieder auf gleicher Stufe mit die- 
sem und kann, historisch betrachtet , in seiner abstracten 
Durchführung als System doch nur als das andere Extrem ' 
desselben gewürdigt werden. Um also das Ergebnifs 
dieser ganzen gegen Hrn. R.'s Anordnung gerichteten 

XXV. Jahrg. 11. Heft. 67 



Digitize. , . -»oqlc 



Aus^ioandersetzuog zusammenzufassen , so #wüfi4eQr>wr 
nach Aristoteles eine neue Periode begonnen und 4ir- 
IBelbeo zwei charaktwiatischa Merkmale:* fUe .fwhiv» 1 
sohende Richtung ziir Ethik uod die oeoe Ualn«wliPf 

über Grund uud Möglichkeit der wiflsenschaftlichen Er* 
kenntnifs geg;eben haben ; woraus dann die Eintheilung 
von selbst durch die beiden Gegensätze , erstens des 
Dogmatisipus und Skepticismus, uud dann iflaer.i\aU»y4f8 
eiatern wieder des Stoicinniis und E^ikureiaBm nebst 
der Mittelstralae beider, der peripatettachea jfitkpk, 
- fir®'<>%^ ^^y^ Wirde ; der Pyrrhouismua koBDte der I|m^ 
stellung der neuern Akademie als Einleitung voraugge* 
schickt , oder auch der vorhergehenden Periode als Ao- 
hang beigefügt werden, in sofern Hr. R. die nähere 
.£uiwickeluog desseibeo auf Aeaesidemus vorbehielt- 

Gehen wir nun zur nähern JJeleuchtuiig des Inhalts 
selbst und zunächst also zur Betrachtung der im zweiten 
Bande euthalteneo Darstellung der Sokratischen Lehre 
und der aus ihr uomittelbar entsprungenen Lehre über, 
so heben wir hier vor Allem wiederholt und rfßniiAi 
hervor, wie Hr. R. den dialektischen C9iaAf|r 
dieser ganzen Schule als oberste Rücksi